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Video: GWUP-Regionalgruppe Rhein-Main in der Hessenschau

Heute Abend in der Hessenschau: die GWUP-Regionalgruppe Rhein-Main.

hessen

Mit “Kirchenkritik” haben die Skeptiker indes wenig zu tun – darum geht es eher im zweiten Teil des Beitrags, wenn im Rahmen der ARD-Themenwoche “Woran glaubst Du?” der HVD und der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten vorgestellt werden.

Hier geht’s zum Video (zirka 3:37 Minuten).

Zum Weiterlesen:

  • Die Rhein-Main-Skeptiker: Argumente gegen Bullshit, FAZ am 7. Februar 2015

Kritisches zum homöopathischen Weltärztekongress in Leipzig

Morgen beginnt in Leipzig der 72. Homöopathische Weltärztekongress (LMHI).

Bei den Ausrufern ist bereits im Vorfeld eine zehnteilige Artikelserie erschienen, die sich mit einzelnen Programmpunkten des LMHI befasst:

Dabei war mir unter anderem wichtig, den Unterschied zwischen öffentlicher Wahrnehmung der Homöopathie bei vielen Menschen in Deutschland und der weltweiten Praxis aufzuzeigen.

Vor allem, weil die öffentlichen Äußerungen von VertreterInnen des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) zur Homöopathie und ihrem Stellenwert diametral dem entgegen stehen, was in den Vorträgen thematisiert werden wird”,

schreibt der Arzt und Blogger merdeister dazu im einleitenden Beitrag.

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Einige Vortragende des LMHI sprechen von einer „vollständigen“ Medizin. Das bedeutet, Homöopathie kann aus Sicht eines orthodoxen Homöopathen alles heilen. Und das versucht sie auch. Während sich die Fachbereiche in der Medizin immer weiter spezialisieren, kann EIN Homöopath ALLES behandeln.

Das ist nicht polemisch gemeint, das ergibt sich aus der homöopathischen Logik. Bei einem Schnupfen ist dieselbe Lebenskraft gestört, wie bei Krebs oder Autismus. Ein Homöopathie muss nur das richtige, das ähnlichste Symptom finden. Diese Informationen sind alle in den Abstracts zum Kongress zu finden. Nur dass sich niemand die Mühe macht, ihre Bedeutung zu dechiffrieren (außer mir natürlich!!!!).

Und so trauen sich PolitikerInnen und ÄrztevertreterInnen, ihre warmen Grußworte kritiklos auf die Website zu stellen. Darin schreiben sie von Patientensicherheit, die zwei Klicks weiter mit Füßen getreten wird.”

Die zehn Artikel finden sich hier:

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Ein weiterer kritischer Beitrag zum LMHI ist heute bei Correctiv erschienen.

Der Wissenschaftsjournalist Hinnerk Feldwisch-Drentrup spricht mit IQWiG-Chef Prof. Jürgen Windeler über Homöopathie auf Kassenkosten.

Zum Weiterlesen:

  • Zwölf Verdikte gegen die Homöopathie: “Die Diskussion ist vorbei”, GWUP-Blog am 10. Juni 2017
  • Von der Ideologie zu den Fakten: Natalie Grams bei SWR-“Leute”, GWUP-Blog am 8. Juni 2017
  • „Es ist nicht gut, Kinder mit Hilfe von Globuli an Pillen zu gewöhnen“, correctiv am 13. Juni 2017

Zeit-Wissen stellt „Lügen und Halbwahrheiten“ über Impfungen richtig

Seriöse Impf-Informationen bei Zeit-Online:

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Die Wirksamkeit von Impfungen wurde nie belegt. Wer ungeimpft ist, lebt gesünder. Und bestimmte Impfstoffe fördern Allergien, lösen gar Autismus aus. Stimmt das alles? Nein. Solche Argumente gegen den Schutz vor gefährlichen Infektionskrankheiten wie Masern, Diphterie oder Rotaviren sind Mythen. Die größte Lüge ist die Autismus-Behauptung, die längst widerlegt wurde […]

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Die Sorge vor einigen Vakzinen, die einst in geringsten Mengen etwa Quecksilber in Form des Konservierungsmittels Thiomersal (im Englischen auch thimerosal) enthielten, war und ist unbegründet. Gleich mehrere Studien belegen dies, wie eine Übersicht der amerikanischen Seuchenbehörde CDC zeigt (Thimerosal in Vaccines, 1999-2010).

Um zu beruhigen, verzichten Hersteller mittlerweile einfach auf Thiomersal (siehe Infos des Robert-Koch-Instituts).”

Zum Weiterlesen:

  • Wie riskant sind Impfungen wirklich? Zeit-Wissen am 12. Juni 2017
  • “Vaxxed”: Ein kurioser Anti-Impf-Dokumentarfilm erreicht die Schweiz, skeptiker.ch am 9. Juni 2017
  • Impfgegner: Donald Trump, Kämpfer gegen die Vernunft, SPON am 11. Juni 2017
  • Ungeimpfte Kinder sind gesünder? “Brisante Studie” ist nur Impfgegner-Nonsens, GWUP-Blog am 29. Mai 2017
  • Extra-3-Moderator Christian Ehring am Klavier: „Impfgegner“, GWUP-Blog am 2. Juni 2017

Wissenschaft statt Glauben: GWUP-Vorsitzender Amardeo Sarma bei ARD-Themenwoche

Heute Morgen war bereits GWUP-Mitglied Monika Müller bei SR3 Saarlandwelle zu hören.

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Heute Abend (13. Juni, von 20 bis 23 Uhr) unterhält sich Moderator Uwe Jäger mit dem GWUP-Vorsitzenden Amardeo Sarma.

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Glauben? Nein, Danke. Die Wahrheit ist nirgendwo da draußen. Für Skeptiker zählt nur das Wissen. Ob Globuli, Verschwörungstheorien oder Horoskope – alles wird wissenschaftlich geprüft.

Amardeo Sarma hat vor 30 Jahren die „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ mitgegründet. Unfreiwilliger Geburtshelfer war Uri Geller, der mit seinen Löffel-Biegereien im Fernsehen dafür sorgte, dass sich die genervten Skeptiker zu einer eigenen Organisation zusammenschlossen.”

Update: Hier geht es zum Podcast (zirka 60 Minuten).

Die Sendung gehört zur ARD-Themenwoche “Woran glaubst Du?”

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Weitere empfehlenswerte Beiträge laufen morgen (Mittwoch, 14. Juni)

Zum Weiterlesen:

  • GWUP-Interview in der Welt: Anything goes? Nicht mit uns, GWUP-Blog am 8. Juni 2017

Video: Vermeintliche Krebs- Wundermittel und das „Zentrum der Gesundheit“

Gestern Abend beim rbb:

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Die Verbraucherzentrale Berlin prüft aufgrund von Recherchen des rbb-Verbrauchermagazins Super.Markt eine Abmahnung gegen den Hersteller eines Produkts, dem übertriebene Heilversprechen gegen Krebs nachgesagt werden […]

Der rbb hatte die Verbraucherzentrale im Rahmen einer Recherche über vermeintliche Krebs-Wundermittel und die Website “Zentrum der Gesundheit” auf den möglichen Gesetzesverstoß aufmerksam gemacht.”

Hier geht’s zum Video (zirka acht Minuten).

Zum Weiterlesen:

  • Das Krebs-Wundermittel ist gar keins, rbb-online am 12. Juni 2017
  • Völlig unkontrolliert: Das kranke Geschäft mit Nahrungsergänzungsmitteln, rbb-online am 12. Juni 2017
  • „Ich könnte kotzen“: Krebs- Betroffene kritisiert Quackseite “Zentrum der Gesundheit”, GWUP-Blog am 23. Juni 2015
  • Krebs: Gefährliche Online-Lügen, GWUP-Blog am 10. April 2017
  • Zentrum der Gesundheit: Die wahnwitzigen Behauptungen, Psiram am 13. Februar 2013
  • Das Goldene Brett 2016: And the winner is … Ryke Geerd Hamer, GWUP-Blog am 11. Oktober 2016
  • Resveratrol bei Psiram

Unser Klima am Scheideweg

von Amardeo Sarma

Klimawissenschaft und Politik in der Trump-Ära

Die Erkenntnisse der Wissenschaft sind klar: Wir befinden uns in einer Erderwärmungsphase, die durch Menschen verursacht ist. Durch Verbrennung fossiler Energieträger erhöht sich der CO2 -Gehalt in der Atmosphäre. Das Tempo der Erderwärmung ist ohne Beispiel.

Wir wissen nicht, auf welche Temperatur wir hinsteuern. Die Klimasensitivität, also die durchschnittliche Erderwärmung bei einer Verdopplung des CO2-Gehaltes, liegt sehr wahrscheinlich zwischen 1,5 oC und 4,5 oC und mit großer Sicherheit zwischen 1 oC und 6 oC. Der CO2-Gehalt hat sich seit Beginn der Industrialisierung bereits von 280 ppm auf den heutigen Wert von über 400 ppm erhöht.

Hält der jetzige Trend an, dürften wir etwa im Jahre 2120 eine Verdoppelung gegenüber der vorindustriellen Zeit  – also 560 ppm – erreichen.

Die politische Frage

1 oC, 2 oC, 4 oC oder gar 6 oC Erderwärmung: Wollen wir das wirklich dem Schicksal überlassen? Hierzu kann ich nur das Buch Six Degrees von Mark Lynas empfehlen (Zusammenfassung in Englisch). Darin stellt er aufgrund von erdgeschichtlichen Befunden und Diskussionen mit Fachleuten zusammen, was diese Szenarien – von einem bis sechs Grad mehr – real bedeuten. Betrachten wir einige Auswirkungen von mittleren Temperaturerhöhungen:

Bei zwei Grad mehr könnte das Plankton in den südlichen Meeren vermutlich nicht mehr überleben. Sommer wie 2003 könnten uns jedes zweite Jahr heimsuchen. Die Länder im Mittelmeerraum werden heißer und trockener. Dort und auf dem indischen Subkontinent wird es in viel höherem Maße zu Wassermangel kommen.

Während sich in Kanada die Bedingungen für die Landwirtschaft verbessern, wird in Afrika fast überall die Lebensmittelproduktion zurückgehen. Die ärmsten Länder wären am stärksten betroffen.

Bei vier Grad wäre der Anstieg des Meeresspiegels irreversibel. Bangladesch würde 30% der Landfläche verlieren. Auch viele andere Länder wären betroffen. Es käme zu Massenauswanderungen in deutlich größeren Dimensionen als bisher.

In Australien und Indien würde die Landwirtschaft fast ganz zum Erliegen kommen. Kanada und Russland können dabei mit etwas höherer landwirtschaftlicher Produktion rechnen.

Bei einer Erderwärmung um 6 oC wäre nach Mark Lynas ein Leben für Menschen – wenn überhaupt – nur noch in weiter Entfernung vom Äquator möglich.

Weshalb bereits ein Anstieg um 2 oC enorme Gefahren mit sich bringt, erläutert der renommierte Klimaforscher James Hansen hier:

Er weist vor allem darauf hin, dass die derzeitigen Klimamodelle die Stabilität der Eisschilde zu optimistisch einschätzen. Satellitendaten belegen, dass diese Eismassen heute doppelt so schnell abschmelzen wie noch vor zehn Jahren, so Hansen. Hält diese Entwicklung an, könnte der Meresspiegel bereits in 40 oder 50 Jahren um mehrere Meter steigen – mit verheerenden Folgen für die Küstenstädte.

Sollten wir uns angesichts dieser Bedrohung wirklich darauf beschränken, zu hoffen, dass wir glimpflich davonkommen? Oder wäre es nicht klüger, uns auf das schlimmste Szenario vorzubereiten? Meiner Ansicht nach – das ist eine persönliche Risikoabschätzung und, wenn man so will, politische Position – kann die Antwort nur letztere sein.

Es geht um Prioritäten

Bei der Diskussion um Prioritäten müssen wir zunächst unterscheiden: zwischen existenziellen Gefahren für die Menschheit und solchen, die wir im Rahmen einer Schaden-Nutzen-Abwägung in Kauf nehmen können.

Die Frage ist: Welche existenziellen, aber vermeidbaren oder von uns beeinflussbaren Bedrohungen für die Menschheit und das gesamte Leben auf der Erde gibt es? Für mich stehen deren drei im Vordergrund:

  1. Atomkrieg
  2. Klimawandel
  3. Asteroideneinschlag

Ich konzentriere mich hier auf den Klimawandel als eine Bedrohung, die ziemlich sicher in absehbarer Zeit ernst wird und gegen die wir auch etwas tun können.

Außer Acht lasse ich an dieser Stelle andere massive und existenzielle, aber nicht im gleichen Maße wahrscheinliche Gefahren, auf die wir uns möglicherweise vorbereiten, die wir aber nicht verhindern können, wie eine Supernova, einen Supervulkan-Ausbruch oder einen koronalen Massenauswurf.

Man sollte bei realen Gefahren durchaus „Alarmist“ sein. Der Klimawandel ist eine der größten realen und existentiellen Gefahren, gegen die wir etwas unternehmen können. Deshalb sollte er ganz oben auf unserer Tagesordnung stehen – notfalls auch unter Vernachlässigung anderer Gefahren.

Deutschland ist kein Vorbild

Die Politik in Deutschland zeigt, dass wir nicht bereit sind, hier vernünftige Prioritäten zu setzen. Und es betrifft nicht nur diejenigen, die wissenschaftliche Erkenntnisse in Sachen Klima leugnen. Offenbar nehmen sehr viele Entscheider die Gefahr nicht ernst.

Durch die Energiewende so wie bisher werden wir – wie das Umweltbundesamt richtig anmerkt – die Emissionsziele nicht erreichen.

Die neuerlich vorgeschlagenen Maßnahmen des Umweltbundesamtes betreffen nur den Autoverkehr, nicht die Stromerzeugung.

Ein Vergleich mit europäischen Nachbarn

Ein Beispiel mit zwei Nachbarländern mit unterschiedlichen Strategien zeigt, dass Deutschland kein Vorbild ist. Betrachten wir zunächst die Anteile der unterschiedlichen Energiequellen in Deutschland:

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Wir sehen hier, dass die kohlenstoffarme Energieproduktion für Elektrizität seit 1990 lediglich von 30% auf 35% gestiegen ist. Bei der Primärenergie für den gesamten Energieverbrauch, der unter anderem auch Transport und Landwirtschaft beinhaltet, ist der Wert von 10% auf 15% gestiegen.

Anders sieht es in Frankreich aus:

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Frankreich liegt heute in der kohlenstoffarmen Energieproduktion für Elektrizität bei 90%, und beim Primärenergieverbrauch bei etwa 50%, dreimal so viel wie in Deutschland.

Einen Spitzenplatz nimmt Schweden ein:

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Das Land erzeugt über 60% des Primarenergiebedarfes kohlenstoffarm.

Dass dies sich auch auf den Verbrauch fossiler Energien auswirkt, zeigt die folgende Grafik:

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Hier beziehe ich mich bewusst auf den Pro-Kopf-Verbrauch, bei dem Deutschland in Europa Platz 3 belegt. Beim Gesamtverbrauch liegen wir dagen an der Spitze.

Die Realität: Erneuerbare Energien ersetzen Kernkraft, nicht Kohle

Das weitaus größte Versagen der Energiewende ist, dass der Ausbau erneuerbarer Energien nicht zur Reduktion der Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe genutzt wurde. Stattdessen hat man auf den Atomausstieg gesetzt und sogar neue Kohlekraftwerke in Betrieb genommen.

Die folgende Grafik zeigt, wo wir ohne Atomausstieg und mit einem Umstieg von Gas statt Kohle sein könnten:

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Bild 22 in Wagner, F. Eur. Phys. J. Plus (2016) 131: 445. doi:10.1140/epjp/i2016-16445-3

Die schwarzen Punkte markieren die Werte für die derzeitigen (realen) Emissionen, die grauen Punkte zeigen, wo die Reise hingeht. Hätten wir 2011 keinen Atomausstieg beschlossen, würden wir der roten Linie folgen. Wären in dieser Zeit alle Kohle- durch Gaskraftwerke ersetzt worden, würden die Emissionen den weißen Punkten folgen.

Fazit:

  1. Wir haben emissionsverringernde Alternativen nicht genutzt.
  2. Der Atomausstieg und der Verzicht auf den Umstieg von Kohle zu Gas haben unsere Emissionen real erhöht.

Und nein, die Gefahren der zivilen Nutzung von Atomkraft lassen sich nicht mit denen der fossilen Verbrennung gleichsetzen. Sie sind weit von einer existenziellen Bedrohung entfernt, wie sie der Klimawandel darstellt.

Aus meiner Sicht zeigen diese Daten klar, dass die Energiewende, ob rot-grün, schwarz-gelb oder schwarz-rot, gescheitert ist. Ein Grund hierfür liegt auf der Hand: Der Ausbau von erneuerbaren Energien wurde nicht als (ein) Mittel zum Zweck der Eindämmung des Klimawandels genutzt. Er wurde zum Selbstzweck,  während das eigentliche Ziel trotz aller Sonntagsreden in den Hintergrund trat.

Wir brauchen eine neue Diskussion ohne Scheuklappen

Trotz der ernsten Situation sind wir sind noch nicht bereit, der Eindämmung des Klimawandels oberste Priorität einzuräumen.

Hören wir, was führende Klimaforscher der ersten Stunde bezüglich Kernkraft zu sagen haben:

Noch einmal James Hansen:

Wir sind an einem Punkt angelangt, an  dem, sollte der Planet viel wärmer werden, die Eisschichten instabil werden und wir einen erhöhten Meeresspiegel von mehreren Metern erwarten müssen. Die Konsequenzen sind unvorhersehbar […]

Wir wissen, dass die Nutzung von fossilen Energien sehr gefährlich ist. Diese Gefahr, die uns ins Gesicht schaut, ist 100% sicher. Es ist verrückt zu sagen, dass wir nicht alle Werkzeuge nutzen sollten, die uns zur Verfügung stehen. Und Kernkraftwerke der nächsten Generation haben ein großes Potential, Teil der Lösung zu sein. […] Wir sollten keine neuen Kohlekraftwerke bauen – es macht keinen Sinn.”

Ken Caldeira, Senior Scientist an der Carnegie Institution und Professor an der Stanford University:

Früher habe ich gegen Kernkraft protestiert und wurde auch verhaftet [….] Was auch immer Sie von Kernkraft halten, wir müssen Kernkraft nach ihren Potenzialen und Möglichkeiten betrachten [….]

Hier geht es nicht um ein Entweder-Oder. […] Ich bin heute für alles, was den Klimawandel verhindert [….] Konzentrieren wir uns auf das Klimaprobleme.

Tom Wigley, Klimaforscher an der Universität von Adelaide, Australien:

Es geht uns nicht darum, Kernkraft zu fördern. Wir wollen faire Wettbewerbsbedingungen […] Das Problem ist zu anspruchsvoll und herausfordernd, um irgendeine Technologie von vorneherein auszuschließen […]

In den nächsten 10 bis 15 Jahren entscheidet sich, was nach 2030 möglich ist. […] Wir brauchen keine erneuerbaren Energien. Wir brauchen Ziele für saubere Energien.

Kerry Emanuel, Metereologe am MIT in Cambridge, USA:

Unsere Forschungen bringen uns zu dem Schluss, dass wir künftigen Generationen unzumutbare Risiken aufbürden […] Wenn kein Wunder geschieht, sind wir gezwungen,  die Kernenergie sehr schnell auszubauen […] Für uns ist es nicht wichtig, ob die Lösung Sonnen-, Wasser- oder Kernenergie heißt.

Und nun?

Kurz: Die Lage ist zu ernst, um eine Option auszuschließen. Es ist Zeit, alle Möglichkeiten zum Stopp der Erderwärmung zu nutzen.

Dabei geht es bei der Elektrizitätserzeugung – auch wenn die Diskussion oben vornehmlich darum ging – nicht nur um Solar-, Wind- und Kernenergie. Auch andere Alternativen müssen in Betracht gezogen werden. Darunter fallen Carbon Capture and Storage (CCS) bzw. CO2-Abscheidung und -Speicherung sowie neue Vorschläge zur Erzeugung von Brennstoffen, ohne landwirtschaftliche Flächen von ihrem Zweck zu entfremden.

Zusätzlich müssen wir uns der Herausforderung stellen, wie wir die Emissionen in weiteren Bereichen, wie Transport und Landwirtschaft, reduzieren wollen. Eine der Vorschläge vom Umweltbundesamt ist dabei, auf Elektroautos zu setzen. Aber das betrifft dann auch wieder die Elektrizität, womit wir wieder bei der Frage der Elektrizitätserzeugung landen.

Wenn wir eine Diskussion um eine wirklich erhebliche Minderung der Emission von Treibhausgasen ohne Scheuklappen führen wollen, werden einige über ihren Schatten springen müssen.

Ob diese Forderung überhaupt realistisch ist, werden die nächsten zehn Jahre zeigen.

Zum Weiterlesen:

  • Wagner, F.: Surplus from and storage of electricity generated by intermittent sources, Eur. Phys. J. Plus (2016) 131: 445. doi:10.1140/epjp/i2016-16445-3
  • Muraoka et al.: Short- and long-range energy strategies for Japan and the world after the Fukushima nuclear accident, Journal of Instrumentation, 11: C01082. doi:10.1088/1748-0221/11/01/C01082.
  • Reaktorkatastrophen: Zwischen Angstmache und Verharmlosung, GWUP-Blog am 17. März 2016
  • Fukushima: Realitätsverlust in Deutschland und Österreich, GWUP-Blog am 12. März 2016
  • Schwarzer Monat fürs Klima, GWUP-Blog am 27. 6. 2015
  • Hört auf mit dem Angstmachen, futurezone am 8. September 2015
  • Das ist pfui! futurezone am 16. Mai 2015
  • Rede von Amardeo Sarma an der HU Berlin, March for Science, GWUP-News am 25. April 2017

Video: Warum Masaru Emotos Kristall-Fotos von den Emotionen des Wassers Bullshit sind

Neues Erklärvideo vom Youtube-Kanal Lars Und Die Welt zur Wasser-Esoterik des Masaru Emoto:

Masaru Emoto behauptete bewiesen zu haben, dass Wasser unsere Emotionen aufnimmt und speichert. Dafür machte er Fotos von Kristallen. Das Netz ist voll von Seiten und Videos, die denken, diese Fotos wären ein wissenschaftlicher Beweis.

Das sind sie nicht. Warum, erkläre ich in diesem Video.”

Zum Weiterlesen:

  • Der Mann, der dem Wasser Briefchen schreibt, futurezone am 12. August 2014
  • Kein Körnchen Wahrheit bei Masaru Emotos Versuchen, GWUP-Blog am 12. März 2014
  • Masaru Emoto bei Psiram
  • Das Reis-Experiment nach Dr. Emoto, kereng am 4. Januar 2012
  • Helge Bergmann: Trübes Wasser. Alibri-Verlag, Aschaffenburg 2015
  • Esoterik-Boom um das Wasser, GWUP-Blog am 7. Februar 2016

Wer hat den Aluhut auf?

Genau die passende Ergänzung zu unserem gestrigen Posting über Daniele Ganser ist heute bei Zeit-Online erschienen:

Die notwendige Technik der Ideologiekritik angesichts einer selbstgerechten Gesellschaft ist in die völlig falschen Hände geraten.

Die seriösen kritischen Stimmen im Öffentlichkeitsdiskurs werden übertönt von jenen polternden Verschwörungstheoretikern, die sich in die Tradition des Querdenkertums stellen, nur um Lügen und Halbwahrheiten zu verbreiten. Sie haben den Aluhut zweckentfremdet, um die Öffentlichkeit bewusst zu manipulieren.

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Der Aluhut verdeutlicht demnach wie kein anderer Gegenstand den Kampf um die Wahrheit und verlangt von seinen Betrachtern eine schwierige Gedankenoperation: nämlich den Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge zu erkennen, zwischen profunder Wissenschaftskritik und dummer Hetze.

Diese Differenzierungsleistung ist eine der zentralen Herausforderungen westlicher Gesellschaften. Auf seiner glänzenden Oberfläche des Aluhuts spiegelt sich die Ambivalenz der (Post-)Moderne, in der sich die Wahrheit immer auch als Produkt von starken Sprechakten und überzeugenden Argumenten erweist.

Man muss also den Verschwörungstheoretikern mit einer Rhetorik der Selbstsicherheit entgegentreten, um sie zu bekämpfen. Zudem ist es an der Zeit, den Aluhut aus ihren Händen zu reißen und ihn dort hinzusetzen, wo er hingehört: auf das Haupt der Kulturkritik, die dafür erfunden wurde, um Wahrheitsbegriffe einer seriösen Analyse zu unterziehen.”

Zum Weiterlesen:

  • Verschwörungstheorien: Zur Ehrenrettung des Aluhuts, Zeit-Online am 11. Juni 2017
  • Daniele Ganser-Fans und ihr Posterboy: „Selbstverschuldete Unwissenheit”, GWUP-Blog am 10. Juni 2017
  • Yes, we Chem! Über Freimaurer, die Rothschilds und das Heil in der Verschwörung, Stern-Online am 9. Juni 2017

Misteltherapie: Auch in Österreich geht Populismus vor wissenschaftliche Evidenz

Auf Initiative der Grünen fordert der Kärntner Landtag die Landesregierung dazu auf, Krebspatienten auch weiterhin eine Misteltherapie zu bezahlen.

Zum 1. März waren die Kosten für Mistelpräparate aus dem Erstattungskodex der Kärnter Gebietskrankenkasse gestrichen worden. Die Klubobfrau der Grünen im Kärntner Landtag erklärte daraufhin, “viele anerkannte OnkologInnen und viele KrebspatientInnen [seien] davon überzeugt, dass die Misteltherapie ein wesentlicher Bestandteil der Komplementärmedizin der Onkologie ist.”

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Tatsächlich sind die Effekte der Misteltherapie jedoch “unklar”, heißt es auf der Cochrane-Webseite medizin-transparent:

Die Qualität der vorhandenen Studien ist zu gering, um die Wirksamkeit der Misteltherapie zu belegen. Zudem besteht der vorsichtige Verdacht, dass manche Mistelpräparate das Tumorwachstum sogar anregen könnten […]

Die Misteltherapie ist im deutschsprachigen Raum das am meisten verschriebene Mittel der Alternativ- bzw. Komplementärmedizin bei Krebs, obwohl sie in den deutschen Leitlinien zur wissenschaftlich fundierten Krebsbehandlung nicht empfohlen bzw. sogar davon abgeraten wird.”

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Bei allem Verständnis für die Hoffnungen und Wünsche krebskranker Patienten: Der Vorstoß der Kärntner Grünen zeugt von ähnlich evidenzlosem Populismus wie die Aussage der NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens gestern beim Netzwerk Recherche in Hamburg.

Zum Weiterlesen:

  • Misteltherapie bei Krebs fragwürdig, medizin-transparent am 8. Juni 2017
  • Mistel und Ginkgo in der Krebstherapie? GWUP-Blog am 13. Mai 2011
  • Krebsforscher: “Finger weg von komplementären Verfahren”, GWUP-Blog am 7. Januar 2015
  • Krebszellen beibringen, sich selbst zu töten, Zeit-Wissen am 16. März 2017
  • Krebs: Gefährliche Online-Lügen, GWUP-Blog am 10. April 2017
  • Misteltherapie gegen Krebs, Krebsinformationsdienst am 8. Februar 2016

Zwölf Verdikte gegen die Homöopathie: „Die Diskussion ist vorbei“

In The Spectator Health listet Prof. Edzard Ernst ein Dutzend Stellungnahmen gegen die Homöopathie von international renommierten wissenschaftlichen Einrichtungen auf.

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The principles of homeopathy contradict known chemical, physical and biological laws and persuasive scientific trials proving its effectiveness are not available.”

Russian Academy of Sciences

Homeopathy should not be used to treat health conditions that are chronic, serious, or could become serious. People who choose homeopathy may put their health at risk if they reject or delay treatments for which there is good evidence for safety and effectiveness.”

National Health and Medical Research Council, Australia

These products are not supported by scientific evidence.”

Health Canada

Homeopathic remedies don’t meet the criteria of evidence based medicine.”

Hungarian Academy of Sciences

The incorporation of anthroposophical and homeopathic products in the Swedish directive on medicinal products would run counter to several of the fundamental principles regarding medicinal products and evidence-based medicine.”

Swedish Academy of Sciences

We recommend parents and caregivers not give homeopathic teething tablets and gels to children and seek advice from their healthcare professional for safe alternatives.”

US Food and Drug Administration

There is little evidence to support homeopathy as an effective treatment for any specific condition.”

National Centre for Complementary and Integrative Health, US

There is no good-quality evidence that homeopathy is effective as a treatment for any health condition.”

National Health Service, UK

Homeopathic remedies perform no better than placebos, and the principles on which homeopathy is based are scientifically implausible.”

House of Commons Science and Technology Committee, UK

Homeopathy has not definitively proven its efficacy in any specific indication or clinical situation.”

Ministry of Health, Spain

There is a constant increase in the quantity of evidence and the conviction of the scientific community in medicine, that homeopathy should be treated as one of the unscientific methods of so-called “alternative medicine”, which proposes worthless products without scientifically proven efficacy.”

National Medical Council, Poland

From a purely clinical perspective, the fact remains that there is no valid empirical proof
 of the efficacy of homeopathy (evidence-based medicine) beyond the placebo effect.”

Federaal Kenniscentrum voor de Gezondheidszorg, Belgium

Ernst’s Fazit:

The debate about homeopathy is over.”

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Der Blog Keine Ahnung von Garnix greift aus dieser Liste speziell das Verdikt der Russischen Akademie der Wissenschaften heraus und erklärt:

Die Bedeutung des russischen Memorandums [ist] gar nicht hoch genug einzuschätzen.

Die Russische Akademie der Wissenschaften, eine weltweit hoch anerkannte Vereinigung von hochrangigen Wissenschaftlern, macht sich nach einem umfassenden Gutachterverfahren explizit die Ansicht des ganz überwiegenden Teils der wissenschaftlichen Welt zu eigen, dass Homöopathie eine Scheintherapie ohne eigenen therapeutischen Wert ist und zieht daraus den konsequenten Schluss, sie aus dem öffentlichen Gesundheitswesen und aus der medizinischen Ausbildung zu verbannen.

Die Akademie beruft sich ausdrücklich auf die einschlägigen weltweiten Veröffentlichungen und Reviews, die die Grundlage jeder wissenschaftlich orientierten Homöopathiekritik sind, egal wo.”

Zum Weiterlesen:

  • The debate about homeopathy is over. These verdicts prove it, Spectator Health am 9. Juni 2017
  • Wichtige Erinnerung! Dann: Ende der Debatte! Keine Ahnung von Garnix am 9. Juni 2017
  • How to protect yourself from bogus claims about so-called alternative medicine, edzardernst am 10.Juni 2017
  • Homöopathie: Mythen und Fakten über Globuli, heilpraxis.net am 16. Mai 2017
  • „Einen Hauch von Nobelpreisluft schnuppern“, mit freundlicher Unterstützung ihres Homöopathie-Unternehmens, Plazeboalarm am 6. Juni 2017
  • So entlarven Sie medizinische Fake News, Universitätsklinikum Freiburg am 30. Mai 2017
  • „Gefährliche Lügen“: Wird Deutschland zur letzten globalen Homöopathie-Bastion? GWUP-Blog am 11. Februar 2017



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