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Placebo-Effekt und Evolution

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Vor zwei Jahren haben wir hier schon mal die Frage aufgeworfen:

Warum gibt es den Placebo-Effekt?“

Es ging in dem Beitrag um die Forschungen des Psychologen Nicholas Humphrey, der sich mit der Frage beschäftigt hat, warum die enormen Selbstheilungskräfte unseres Körpers nicht sofort und automatisch aktiv werden, sondern erst angeregt werden müssen, etwa durch eine Scheinbehandlung.

Der Biologe Peter Trimmer von der University of Bristol hat jetzt mit einer Computersimulation die Erklärung Humphreys bestätigt, die von evolutionären Gründen ausgeht – und entsprechend auch für Tiere gilt.

Wie der New Scientist berichtet, konnte Trimmer zeigen, dass die spezifischen Immunreaktionen von sibirischen Hamstern je nach Umweltbedingungen einen evolutionären Überlebensvorteil darstellen.

Den ganzen Artikel („Understanding the placebo effect from an evolutionary perspective“) gibt’s im Fachjournal Evolution & Human Behavior, eine deutschsprachige Zusammenfassung im Standard:

Hamster [wehren] sich kaum gegen harmlose Infektionen, wenn ihnen das Licht im Labor anzeigt, dass es Winter wird. Simuliert die Beleuchtung allerdings Sommer, dann zeigt das Immunsystem der Tiere sehr wohl eine starke Reaktion. Die Erklärung: Für den Organismus ist es kostspielig, das Immunsystem auf Hochtouren laufen zu lassen. Das können sich Hamster nur im Sommer leisten, wenn es genug Futter gibt – und sie sich „unbewusst“ für die Aktivierung des Immunsystems entscheiden […]

Analoges gelte für den Menschen: Wir scheinen immer noch so zu ticken, dass wir unser Immunsystem immer nur dann „unbewusst“ aktivieren, wenn wir glauben, dass sich unser Körper das leisten kann.“

Auch die Science Busters haben sich mit dem Thema Placebo-Effekt schon mal beschäftigt:

Zum Weiterlesen:

  • Warum gibt es den Placebo-Effekt? GWUP-Blog am 23. Juli 2010

 

 

3 Kommentare

  1. Deshalb sind die „Erfolgsaussichten“ wichtig…nur dann beginnt der Körper den Selbstheilungsvorgang einzuleiten.
    Es wurde gezeigt, daß Placebos, die von einem Chefarzt gegeben werden, „besser“ wirken als die, die von einer Krankenschwester verabreicht werden.
    Psychologisch gesehen, spiegelt das, den „Hamster im Sommer“. Es geht also bei dem Placebo nicht um ein „Medikament“, das „scheinwirkt“, sondern um „Erfolgsaussichten“, die damit verknüpft werden. Medikamente sind eine Erfindung der Medizin, aber der Placebo-Effekt ist urphänomenal.

  2. Angesichts begrenzter Ressourcen steht das Immunsystem dauernd vor der Frage, welchen Infekt es jetzt bekämpfen soll und welchen nicht. Vielleicht investiert das Immunsystem Ressourcen auch vornehmlich für den Kriegsschauplatz mit der höchsten Erfolgsaussicht. Die höchste Erfolgsaussicht hat das Immunsystem, wenn zeitgleich von außen behandelt wird, z.B. durch Arzt und Pille. Zusätzlich würde das Immunsystem (subjektiv) besonders erfolgversprechende Behandlungsmethoden auch besonders stark begleiten. So erscheint die Behandlung durch einen Oberarzt erfolgversprechender als durch die der Krankenschwester.

  3. @René
    Genau so ist es – jedenfalls sehe ich das auch so…;-)

    Ich möchte aber noch hervorheben, daß wir von Natur aus keinen Arzt haben, außer uns selbst – vielleicht könnte man sagen den “Innern Arzt”.
    Leider bildet der “Placebo-Effekt” eine Grundlage für allerlei “Hokuspokus-Medizin”, anstatt man begreift, daß wir Selbstheilungskräfte haben, die aus keiner “transzendentalen ” Ebene wirken, sondern einfach systemimmanent sind.

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