gwup | die skeptiker

… denken kritisch seit 1987.

12. September 2026
von Felix Pfannstiel
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Die Skeptics in the Pub Hamburg fragen: Wie läuft die Zeit in Entenhausen?

Nach der Sommerpause geht es bei den Skeptics in the Pub Hamburg mit einem lockeren Vortrag weiter. Titel: „Entenhausen und die Zeit – seriell oder parallel?“

  • Zeit: Mittwoch, 16. September, ab 19 Uhr
  • Ort: Mathilde Bar Ottensen, Kleine Rainstraße 11, Hamburg
  • Eintritt: frei, Spenden sind gern gesehen

Ablauf:

19:00 Ankommen
19:30 Vortrag und Dialog
20:30 Austausch bei Essen und Getränken

Über den Vortrag und den Vortragenden:

Die Erforschung des Duck-Universums – jener Welt also, über die Carl Barks und Erika Fuchs zwischen den 1940er und 1970er Jahren im Rahmen ihrer begrenzten Auffassungsgabe berichteten – stellt seit mehr als fünf Jahrzehnten eine wissenschaftliche Herausforderung dar, der sich die Donaldisten mit bemerkenswerter Beharrlichkeit widmen.

Der Vortrag befasst sich mit der Frage nach dem Zeitprozess in Entenhausen. Liest man die einzelnen Berichte isoliert, scheint die Zeit kontinuierlich voranzuschreiten. Betrachtet man jedoch das Gesamtwerk, so verschwindet dieser Eindruck weitgehend. Zwar gibt es strukturelle Veränderungen, die dauerhaft Bestand haben – etwa den erstmaligen Auftritt Gundel Gaukeleys oder anderer Figuren –, doch erinnern sich die Bewohner Entenhausens nie an konkrete frühere Versuche der Panzerknacker, das Vermögen des Bankiers Dagobert Duck an sich zu bringen. Solche Beobachtungen sprechen dafür, die einzelnen Berichte nicht als zeitlich serielle, sondern vielmehr als zeitlich parallele Entwicklungen in Entenhausen zu interpretieren.

Hans von Storch, Jahrgang 1949, wurde zunächst in den 1960er Jahren donaldisiert, bevor er sich dem Donaldismus in den 1970er Jahren mit wachsender Ernsthaftigkeit widmete. Entscheidenden Einfluss hatten dabei dänische und norwegische Donald-Magazine, die er im Københavner Fachgeschäft Fantask entdeckte und schätzen lernte. Von 1976 bis 1985 gab er die Fachzeitschrift Der Hamburger Donaldist heraus, die anschließend unter dem Titel Der Donaldist fortgeführt wurde. Dass in der Begründung für die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im Jahr 2019 die Pionierleistung des Imports des Donaldismus aus Skandinavien unerwähnt blieb, ist bemerkenswert.

Zum Eventeintrag im Skeptischen Netzwerk.

Zum Thema:

Hinweis:

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11. September 2026
von Felix Pfannstiel
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Die Psychologie des Verschwörungsglaubens

In der Forschung gehen wir davon aus, dass es eigentlich zu jedem Ereignis eine Verschwörungstheorie geben kann. Aber halten tun sich Verschwörungstheorien immer nur bei ganz großen Dingen – und 9/11 war so etwas, was noch nie zuvor gesehen worden war. Es gibt immer so bestimmte Triggerpunkte, wodurch bestimmte Personen eher dazu tendieren, an Verschwörungstheorien zu glauben.

Das sagt der Historiker Claus Oberhauser im Interview mit dem BR-Faktenfuchs anlässlich des Jahrestages der Anschläge vom 11. September.

Verschwörungsdenken findet man in vielen Formen. Für skeptisch-rationale Menschen ist der Umgang damit schon immer eine Herausforderung.

Auf der GWUP-Website gibt es jetzt ein Interview, das Timur Sevincer und Nikil Mukerji mit dem Verhaltenswissenschaftler Prof. Dr. Jan-Willem van Prooijen geführt haben. Darin geht es allgemein um Verschwörungstheorien, die Forschung dazu und wie Skeptiker mit Verschwörungstheoretikern umgehen sollten:

Folgende Zwischenüberschriften gliedern das Interview:

  • Nicht die verschwörungsgläubigste Zeit der Geschichte
  • Niemand will als Verschwörungstheoretiker bezeichnet werden
  • Eine Theorie über eine mögliche Verschwörung
  • Für eine echte Verschwörung gibt es ein anderes Wort
  • Der Fehler, den niemand untersucht
  • Der bärtige Einzelgänger, den es nicht gibt
  • Keine U-Kurve – eher ein Angelhaken
  • Punkte verbinden, die gar nicht da sind
  • Unser Denken ist für eine Welt gemacht, die es nicht mehr gibt
  • Ein billiges und wirksames Mittel, um einen Krieg zu beginnen
  • Was Skeptiker tatsächlich tun sollten
  • Wie man mit einem Verschwörungstheoretiker diskutiert – und die verrücktesten Theorien, die er kennt

Zum Interview.

Zum Thema:

  • Artikel: „Triggerpunkt“: Deshalb halten sich 9/11-Verschwörungstheorien, BR24 am 11.09.2026
  • Website: Jan-Willem van Prooijen

Hinweis:

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10. September 2026
von Felix Pfannstiel
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„Jagd nach Mr. X“: Was hinter den vermeintlichen Kräften eines Astro-Gurus steckt

Ein audible-Original-Podcast (hinter einer Bezahlschranke) mit dem Titel „Jagd nach Mr. X – Eine Astro-Sekte und ihr mysteriöser Anführer“ schaut sich einen großen Betrugsfall an:

Berlin 2021: Eine Sängerin steht in einer abgedunkelten Berliner Wohnung einem Fremden gegenüber, der Dinge über sie weiß, die er unmöglich wissen kann. Er nennt sich: Mr. X. Als ihre Geschichte Jahre später auf TikTok viral geht, melden sich Dutzende Frauen mit ähnlichen Erlebnissen. Sie berichten von Astro-Coachings und Angst-Ritualen, aber auch von Drohungen, Gewalt und sexuellem Missbrauch.

Journalist Dennis Müller und sein Team folgen den Spuren von Mr. X: von einem unscheinbaren Haus bei Mannheim über die Welt des Profifußballs bis nach Bangkok. Dabei stoßen sie auf eine mutmaßliche Influencer-Sekte, deren Mitglieder auf Instagram Glamour verkaufen und heimlich einem Guru folgen.

Eine Recherche darüber, wie ein Mann mit Astrologie Menschen von sich abhängig macht. Und warum ihn bis heute niemand gestoppt hat.

Der Podcast gliedert sich in sechs Kapitel. Im letzten Part wird schließlich genauer untersucht, mit welchen Methoden Mr. X gearbeitet haben soll::

Nachts um zwei, nach einem Club-Gig, willigt DJ Saphira in ein Interview ein. Bis zum Morgengrauen erzählt sie in einem Treppenhaus ihre Version der Geschichte: Opfer oder Mittäterin? Ein Psychologe entschlüsselt die Methode hinter Mr. X‘ vermeintlichen Kräften.

Der Psychologe, den die Autoren hier als Experten heranziehen, ist Christoph Bördlein. Ab Minute 20:40 ordnet er die Taktik von Mr. X ein. Dieser konnte Chiara mit vermeintlichem Hintergrundwissen über sie davon überzeugen, übernatürliche Kräfte zu besitzen.

Bördlein erklärt, auf welche Strategien Mr. X dabei wahrscheinlich zurückgegriffen hat. Eine davon ist Cold Reading:

  • „Es gibt einen Begriff im Englischen für solche Strategien; man nennt das Cold Reading. Das heißt, ohne dass ich Kenntnisse habe, etwas herauszulesen.“
  • Im konkreten Fall konnte Mr. X bereits aus der Situation Rückschlüsse ziehen:
    „Dieser Mr. X konnte schon mal davon ausgehen, die kommt jetzt nicht zu mir, weil es ihr gut geht.“
    Verbunden mit seinem Erfahrungswissen lässt sich so bereits eine grobe Richtung erkennen, in die er seine Interpretation lenken kann.

Zugleich habe sich Mr. X den Barnum-Effekt zunutze gemacht::

  • Definition und Wirkung:
    „Zirkusdirektor P. T. Barnum hatte als Motto in seinen Shows ‚Da gibt es für jeden etwas.‘ Und ein Barnum-Text ist so – da ist für jeden etwas drin, und Sie können sich quasi aussuchen, was für Sie passt. […] Und aus diesem sog. Barnum-Text wird dann der Barnum-Effekt, wenn Sie den Fehler der persönlichen Validierung begehen. D. h., Sie interpretieren den Text dann so, als ob er für Sie geschrieben wurde. […] Der Grundmechanismus beim Barnum-Effekt ist, ich sage irgendwas und Sie machen meine Arbeit. Sie suchen nach, ob das, was ich gesagt haben könnte, irgendwie zutrifft.“
  • Hinzu kommt die persönliche Situation der Betroffenen, die solche Effekte zusätzlich begünstigen kann:
    „Und er hat natürlich noch ein Klientel, das besonders empfänglich ist dafür, ihm zu glauben. Sie [an den Interviewer gerichtet] sitzen jetzt hier und glauben mir nicht, dass ich irgendwie besondere Fähigkeiten hab. Sie haben auch keinen Leidensdruck, der Sie leicht abhängig machen würde von mir.“

Zum Thema:

  • Artikel: Astrologie und Vorhersagen – Christoph Bördlein in der Schwäbischen Zeitung, GWUP-Blog am 17.08.2026
  • Artikel: Zwischen Zweifel und Spuk: Christoph Bördlein im Radio-Feature bei Okerwelle, GWUP-Blog am 30.06.2026
  • Artikel: Was Skeptiker über Cold Reading wissen sollten, Susan Gerbic in Skeptiker 1/26
  • Artikel: „Auf lange Sicht ist das ein Verlustgeschäft“ – Christoph Bördlein über Astrologie in der FAZ, GWUP-Blog am 26.02.2026
  • Artikel: SkepKon 2025: „Neues vom Barnum-Effekt“ mit Christoph Bördlein (Video), GWUP-Blog am 23.02.2026
  • Artikel: Astrologie, Horoskope und Sternzeichen: Christoph Bördlein im Interview bei „Welt am Sonntag“, GWUP-Blog am 05.01.2026
  • Artikel: Astrologie und Liebe: Christoph Bördlein zu Gast beim Deutschlandfunk-Nova-Podcast „Eine Stunde Liebe“, GWUP-Blog am 29.09.2025
  • Artikel: Cosmo (WDR) über Astrologie, GWUP-Blog am 21.01.2025

Hinweis:

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8. September 2026
von Felix Pfannstiel
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Vorpolitisch Short: Was ist Concept Creep?

Seb erklärt im neuen Vorpolitisch Short den Begriff Concept Creep.

In der Psychologie bezeichnet er die Ausweitung von Begriffen:

Ein Streit wird zur Gewalt, eine unbedachte Bemerkung zur Mikroaggression, eine unfaire Behandlung zum Missbrauch. Und aus Vorurteilen wird unter Umständen Rassismus.

Die Ausweitung besteht darin, dass ein Begriff mit der Zeit nicht mehr nur die ‚härteren‘ Fälle beschreibt, sondern auch mildere Fälle in seinen Bedeutungsumfang aufnimmt.

Das Phänomen ist zunächst nicht unbedingt negativ. Sprache verändert sich ständig, Gesellschaften entwickeln neue Sensibilitäten, entdecken bislang übersehene Formen von Leid und finden Begriffe für Erfahrungen, die vorher kaum benannt wurden.

Das kann durchaus fortschrittlich sein, aber

problematisch wird es jedoch, wenn durch die Ausweitung ein Begriff seine Trennschärfe verliert.

Seb erläutert das am Beispiel Gewalt. Dabei kann folgendes Dilemma entstehen:

Einerseits können neue Begriffe Menschen helfen, reale Probleme zu erkennen und zu benennen. Andererseits können überdehnte Begriffe dazu führen, dass sehr unterschiedliche Situationen moralisch und sozial gleich bewertet werden.

Die entscheidende Frage lautet:

Wie weit darf ein Begriff ausgeweitet werden, bevor er mehr Verwirrung als Erkenntnis schafft?

Eine solche Ausweitung kann mitunter auch ein Zeichen gesellschaftlichen Fortschritts sein:

Concept Creep sollte allerdings nicht einfach als sprachlicher Niedergang verstanden werden. Eine Gesellschaft, die nur eindeutig sichtbare und extreme Fälle ernst nimmt, übersieht möglicherweise viel Leid. Nehmen wir Diskriminierung: Eine Person muss nicht körperlich angegriffen oder ausdrücklich beleidigt werden, um benachteiligt zu werden. Auch wiederholte stereotype Zuschreibungen oder institutionelle Praktiken können Auswirkungen haben. Eine engere Definition von Diskriminierung könnte solche Erfahrungen unsichtbar machen.

Seb fasst es zusammen:

Nicht jede Veränderung eines Begriffs ist Concept Creep: Sprache war schon immer flexibel. Begriffe entwickeln sich weiter, weil sich wissenschaftliche Erkenntnisse und gesellschaftliche Vorstellungen verändern. Von Concept Creep sollte man aber dann sprechen, wenn ein Begriff nicht nur neue Fälle erfasst, sondern seine Grenze systematisch in Richtung weniger schwerwiegender oder weniger eindeutiger Fälle verschoben wird. Dabei muss die Erweiterung nicht zwangsweise falsch sein; sie sollte aber begründet werden. Entscheidend ist also nicht die Frage, ob ein Begriff heute weiter gefasst wird als früher; entscheidend ist, ob die neue Definition noch einen sinnvollen Unterschied zwischen verschiedenen Phänomenen ermöglicht.

Zur Folge.

Zum Thema:

  • Artikel: Wie „Trauma“ und „Toxisch“ in den Alltagssprech wanderten, Deutschlandfunk Kultur am 18.08.2024
  • Wikipedia: Concept creep

Hinweis:

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5. September 2026
von Felix Pfannstiel
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Bernhard Hoëcker: „Skeptiker sein bedeutet nicht, dass man andere komisch findet, sondern dass man sich selbst die ganze Zeit skeptisch betrachtet“

GWUP-Fellow Bernhard Hoëcker war im Juli Gesprächspartner eines Podcasts. Da wurde er mitunter auch gefragt, was die GWUP ist und wie er zu ihr gekommen ist.

Ab 13:24 geht es um die GWUP:

Bernhard Hoëcker – Zwischen Wald, Wissenschaft, Religion und Evolution

Auf die Frage, wie er zu dem Verein kam:

Also die Idee dahinter ist, also so bin ich auch da drauf gekommen, da ging es bei mir damals vor allen Dingen um Astrologie und da gibt es die Zeitschrift Skeptiker und die nehmen sich dieser Phänomene oder dieser Mythen an und [fragen]: „Wie ist das wissenschaftlich zu bewerten?“ Und was ich daran so interessant fand, war jetzt weniger das konkrete Ding, dass es astrologisch halt alles Unsinn ist, sondern die Methodik, weil die natürlich sehr stark hier [auf] „Falsifizierbarkeit“ und „evidenzbasiert“ und „doppelt verblindete Studien“ und so weiter [setzt]. Und da habe ich sehr viel über Wissenschaftstheorie gelernt und das finde ich so interessant, dass man eben nicht einfach sagt: „Totaler Bullshit“, sondern dass man sagt: „Das kann ja sein, lass es uns doch einfach mal untersuchen.

Zur Eigenbezeichnung als Skeptiker sagt Hoëcker:

Das Problem ist immer nur, wenn du sagst, dass du Skeptiker bist, dann kriegst du immer E-Mails, wo die sagen: „Ja, sie haben doch letztens in der Sendung gesagt, sie sind Skeptiker. Das mit dieser Erde und der Kugel, das halten sie do auch auf für Quatsch, oder? Das wollen die uns doch nur erzählen.“ Aber ich schreib dann immer kurz zurück, das was einen skeptisch werden lässt oder das, was Skeptiker sein bedeutet, ist nicht, dass man andere komisch findet, sondern dass man sich selbst die ganze Zeit skeptisch betrachtet. Das ist aber viel schwieriger, weil wenn du dich selber skeptisch betrachtest, wirst du feststellen, dass du die ganze Zeit Fehler machst – weil der Mensch einfach nicht perfekt ist und dauernd Fehler macht und das musst du an dir selber immer rausfinden.

Zum Thema:

  • Video: Bernhard Hoëcker und der Sinn des Lebens | Kurzstrecke mit Pierre M. Krause, Der Pierre M. Krause Kanal am 19.03.2026

Hinweis:

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3. September 2026
von Felix Pfannstiel
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Prägen frühere Sexualpartner spätere Kinder? Der Telegonie-Mythos

Eine alte Vorstellung hat in der Esoterik wieder eine Hochphase, wie Hugo Stamm im Sektenblog auf Watson schreibt:

Die Theorie der Telegonie besagt, Kinder würden genetisch von den früheren Sexualpartnern geprägt. Vor allem vom ersten. Konkret: Töchter und Söhne würden den genetischen Abdruck des ersten Liebhabers ihrer Mutter aufweisen. Mit anderen Worten: Kinder erhalten nicht nur genetische Einflüsse vom leiblichen Vater, sondern auch von Männern aus früheren Liebschaften.

Als Beispiel nennt Stamm in seinem Beitrag die esoterische Beraterin Ivi Kappler:

In ihrem Video mit dem Titel «Genetische Fingerabdrücke und Einflüsse früherer Sexualpartner» fragt sie, weshalb sich manche Väter schwertun, ihre Kinder zu akzeptieren, und viele Frauen postnatale Depressionen entwickeln. Ihre Antwort: Sie würden spüren, dass fremde Gene eine Rolle spielten und das Baby nur teilweise ihr Fleisch und Blut sei.

In der Esoterikszene wird diese Angst erst konstruiert und anschließend damit Geld verdient:

Inzwischen gibt es Seminare, Coachings und esoterische Beratung zum Thema Telegonie. Das Geschäft mit der Angst wird kommerzialisiert und kennt keine Grenzen.

Wenig überraschend finden sich auch Verbindungen in die rechte und völkische Szene. Die Anastasia-Bewegung darf dabei nicht fehlen. Hier entlang zum kompletten Artikel.

Vor einigen Monaten erschien auch im GWUP-Blog ein ausführlicher Gastbeitrag eines anonymisierten Verfassers. Anlässlich der Verleihung des Goldenen Bretts 2025 beschäftigte er sich mit den historischen Hintergründen und der modernen Wiederkehr telegonischer Mythen:

Der Verfasser kommt darin zu folgendem Fazit:

Die moderne „Telegonie-Löschung“ ist kein isoliertes Kuriosum, sondern Teil eines Marktes, in dem pseudowissenschaftliche Narrative, ideologische Konzepte und kommerzielle Interessen ineinandergreifen. Dass die Skeptiker bei der Preisverleihung zum Goldenen Brett in Wien 2025 ein solches Angebot nominierten, zeigt eindeutig: Der alte Irrweg der Telegonie lebt aktuell in neuer, digitaler und kommerzieller Form weiter – und verdient weiterhin kritische Aufmerksamkeit.

Auch auf der SkepKon 2026 war Telegonie Thema eines Vortrags der Biologin Klara Müller. Der Vortrag wird zu gegebener Zeit auf unserem YouTube-Kanal veröffentlicht.

Zum Thema:

  • Artikel: Gastbeitrag: Die Wiederkehr eines widerlegten Konzepts: Was hinter der modernen „Telegonie-Löschung“ steckt, GWUP-Blog am 02.12.2025

Hinweis:

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1. September 2026
von Felix Pfannstiel
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Wer verdient das Goldene Brett 2026? Nominierungsphase für die 14. Verleihung ab sofort offen!

Pressemitteilung: Das Goldene Brett


Wer verdient das Goldene Brett 2026?

Der unwissenschaftlichste Unsinn des Jahres wird wieder ausgezeichnet: Ab sofort können Nominierungen eingereicht werden.

Gesucht: Der größte unwissenschaftliche Blödsinn des Jahres 2026! Welche Person oder Institution aus dem deutschsprachigen Raum hat sich dieses Jahr besonders durch die Verbreitung von absurdem, unwissenschaftlichen Unsinn hervorgetan? Wie jedes Jahr verleihen die Wiener Skeptiker das sprichwörtliche „Goldene Brett vorm Kopf“ an jene, die mit wissenschaftlich längst widerlegten Behauptungen oder absurden Verschwörungstheorien Geld, Ruhm oder Einfluss anstreben, obwohl sie es eigentlich besser wissen müssten. Von Arierknochen bis Zungendiagnostik, von Adrenochrom-Quatsch bis Zirbeldrüsen-Esoterik – der Unsinn gedeiht in vielfältigen Formen. Dieses Jahr waren u.a. auch fragwürdige Aussagen zum Klima wieder hoch im Kurs. Ließen sich etwa manche Akteure zu preisverdächtigen Behauptungen hinreißen, weil ihnen die sommerliche Hitze zu Kopf gestiegen ist?

Nominieren Sie jetzt!

Ab sofort kann man online auf www.goldenesbrett.guru mitbestimmen, wer den Satire-Preis erhalten soll. Aus allen Online-Einreichungen, die bis zum 12. Oktober eingehen, wird eine Fachjury drei Finalisten auswählen und aus diesem Kreis anhand strenger Kriterien den diesjährigen Sieger oder die diesjährige Siegerin ermitteln.

Am 11. November 2026 werden bei der Verleihungszeremonie im Wiener Stadtsaal die „Highlights“ des Jahres präsentiert und der herausragendste Unsinn gekürt. Zusätzlich wird traditionsgemäß auch das Goldene Brett vorm Kopf fürs Lebenswerk vergeben, und die Gäste im Stadtsaal Wien werden live über den Publikumspreis abstimmen. Tickets sind bereits erhältlich. Es wird ein Abend zum Lachen, zum Kopfschütteln und zum Klügerwerden. Erstmals wird die Puls4-Moderatorin Manuela Raidl durch das Programm führen. Für aufklärerische Unterhaltung werden die Podcasterin und Science Buster Ruth Grützbauch sowie das Satirekollektiv Luksan Wunder aus Deutschland sorgen. Als Laudatoren fungieren Andreas Zajic (Historiker, Österreichische Akademie der Wissenschaften), Katharina Kropshofer (Redakteurin der Wochenzeitung Falter) und Prof. Marcus Huber (Physiker, TU Wien).

Das Goldene Brett vorm Kopf wird seit 2011 von den Wiener Skeptikern verliehen. Im Vorjahr ging der Preis an den Podcast “Hoss & Hopf”, der für seinen Hang zu Verschwörungstheorien und Pseudowissenschaftlichkeit sowie für das Schadenspotenzial bei jungen Menschen ausgezeichnet wurde. Der Podcast wurde kurz darauf eingestellt.

31. August 2026
von Felix Pfannstiel
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Janos Hegedüs über Heilpraktiker und den tragischen Tod eines Zweijährigen

Ein aktueller tragischer Fall ist das Thema von Janos‘ neuem Video:

Ein Kleinkind aus dem Waldachtal ist wegen fehlender Behandlung gestorben. Die Eltern glaubten, es mit Ölen behandeln zu können.

Das Kind starb an den Folgen einer schweren Bronchitis. Zum Hintergrund der Eltern sagt Janos:

Beide werden der sogenannten Reichsbürgerszene zugeordnet. Sie sollten ihr Kind nach einer Hausgeburt nicht bei den Behörden angemeldet und damit praktisch vor dem staatlichen Gesundheitssystem verborgen haben. Keine Geburtsurkunde, keine reguläre medizinische Betreuung, keine U-Untersuchungen.

Zum Reichsbürger-Hintergrund kommt hinzu, dass die Mutter Heilpraktikerin ist.

Reichsbürger, Heilpraktiker und ein vermeidbarer Tod

Janos‘ Videobeschreibung:

Ein zweieinhalbjähriges Kind bekommt kaum noch Luft. Statt einen Arzt zu rufen, behandeln seine Eltern es mit ätherischen Ölen. Als schließlich der Rettungsdienst alarmiert wird, ist es zu spät.

Der Fall wurde vor dem Amtsgericht Horb verhandelt. Die Eltern wurden wegen fahrlässiger Tötung zu jeweils einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt; sie gehen gegen das Urteil in Berufung. Besonders bemerkenswert: Die Mutter des Kindes ist Heilpraktikerin.

In diesem Video geht es deshalb nicht nur um diesen tragischen Einzelfall.

Ich schaue mir an, warum Atemnot bei kleinen Kindern so gefährlich sein kann, was ätherische Öle tatsächlich leisten können – und was nicht –, welche Rolle U-Untersuchungen spielen und warum die fehlende medizinische Betreuung dieses Kindes so problematisch war.

Vor allem geht es aber um eine grundsätzliche Frage:

Wenn Heilpraktiker eigenverantwortlich Krankheiten diagnostizieren und behandeln dürfen und dabei medizinische Kompetenz für sich beanspruchen – welche Verantwortung entsteht daraus eigentlich, wenn etwas schiefgeht?

Denn während bei Ärzten Ausbildung, Approbation und die daraus entstehenden besonderen Pflichten selbstverständlich berücksichtigt werden, bescheinigt die Heilpraktikerüberprüfung ausdrücklich keine medizinische Fachqualifikation.

Wie passt das zusammen?

Darüber möchte ich in diesem Video sprechen.

Zum Thema:

  • Artikel: Ätherische Öle statt Hausarzt: Ist wegen dieser Ideologie ein Zweijähriger gestorben?, SWR am 13.07.2026
  • Artikel: Video zu SkepKon-Vortrag: Pseudomedizin im Praxisalltag – Janos Hegedüs analysiert Heilpraktiker-Angebote, GWUP-Blog am 30.12.2025

Hinweis:

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29. August 2026
von Felix Pfannstiel
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„Scientific Temper“ und skeptische Aufklärung: Aufzeichnung vom Skeptischen Salon mit Amardeo Sarma jetzt als Video verfügbar

Am Tag vor der SkepKon sprachen Amardeo Sarma und Nikil Mukerji im Münchner Café Luitpold über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Skeptikerbewegung. Jetzt ist die Aufzeichnung des Gesprächs verfügbar:

Was unterscheidet verlässliches Wissen von Wunschdenken? Und wie kann uns eine wissenschaftliche Haltung helfen, die Welt besser zu verstehen? Mit „Scientific Temper“ – einem Begriff, den der erste Ministerpräsident Indiens Jawaharlal Nehru prägte – beschreibt Amardeo Sarma eine Tugend: geprägt von Bescheidenheit, einer Bereitschaft zum Irrtum und Respekt vor der Wahrheit.

Sein Buch führt durch fünf Jahrzehnte skeptischer Aufklärung: von Uri Geller und der Homöopathie bis zur heutigen Desinformationskrise. Im Gespräch mit Nikil Mukerji diskutieren die beiden, welche Aufgaben der Skeptikerbewegung heute zukommen – und wie wir Vernunft und Aufklärung stärken können.

Die Skeptikerbewegung: „Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft“ | Amardeo Sarma & Nikil Mukerji / GWUP

Inhalt:

  • Die Ursprünge der GWUP [ab 0:00 min]
  • Wünschelruten, Erdstrahlen und PSI-Tests [ab 10:30 min]
  • Skeptisch argumentieren [ab 17:00 min]
  • Energiewende und Kernkraft [ab 23:00 min]
  • Biologisches Geschlecht [ab 39:00 min]
  • Diskussionen in der GWUP [ab 50:00 min]
  • Fragen [ab 1:00:00 h]

Zum Thema:

  • Artikel: Warum wir mehr „Scientific Temper“ brauchen: Amardeo Sarmas neues Buch beim Alibri-Verlag, GWUP-Blog am 01.02.2026
  • Artikel: The Global Retreat from Scientific Temper, Amardeo Sarma via Skeptical Inquirer am 20.11.2025
  • Artikel: Amardeo Sarma im Podcast „Sein und Streit“: Über die Skeptikerbewegung und das „Scientific Temper“, GWUP-Blog am 22.07.2025

Hinweis:

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28. August 2026
von Felix Pfannstiel
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Gastbeitrag: Parawissenschaft – neu gedacht

ein Gastbeitrag von Timm Grams


Parawissenschaft – neu gedacht

Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) sollte wissen, was Parawissenschaft bedeutet. Vor zwei Jahrzehnten tastete ich mich an die Skeptikerbewegung heran und fand in der Satzung des Vereins diese Begriffsbestimmung: »Unter Pseudowissenschaften werden Aussagesysteme verstanden, die Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben, ohne ihn einzulösen; unter Parawissenschaften solche, bei denen Zweifel besteht, ob sie diesem Anspruch genügen.« Das leuchtete mir ein.

Für die Skeptikerbewegung fundamental ist die Abgrenzung der empirischen Wissenschaft von den Pseudowissenschaften. »Ein empirisch-wissenschaftliches System muss an der Erfahrung scheitern können.« Dieses Abgrenzungskriterium hat Karl Raimund Popper in seinem bahnbrechenden Werk »Logik der Forschung« formuliert (1934, I. Kapitel, 5. Erfahrung als Methode). Das Kriterium ist einfach und elegant und wurde zum Mantra der Skeptikerbewegung.

Etwa um 2014 kam große Unruhe auf. Den Grund lieferte Larry Laudan mit seiner Schrift „The demise of the demarcation problem“ (1983). Er schreibt, dass Poppers Falsifizierbarkeitskriterium alle möglichen seltsamen Ideen mit dem Gütesiegel der Wissenschaftlichkeit adle; sie müssten nur widerlegbare Aussagen machen.

Das schlagende Beispiel dafür ist die Homöopathie. Ihre Heilungsversprechen sind prüfbar, dennoch hält der Skeptiker die Lehre des Samuel Hahnemann für unwissenschaftlich. Darüber schrieb ich bereits im Artikel »Wie eine Denkfalle die Skeptikerbewegung verunsichert hat«.

Das Falsifizierbarkeitskriterium nach Popper gibt keine Rechtfertigung für abseitige Erkenntnissysteme her. Genau genommen ist es gar kein Kriterium im Sinne einer Grenze, bei der es ein Hüben und ein Drüben gibt – hüben sind die wissenschaftlichen Aussagen und drüben die nichtwissenschaftlichen.

Statt von einem Kriterium würde ich lieber von einem Merkmal sprechen oder von einer notwendigen Bedingung für Wissenschaftlichkeit. Hinreichend ist die Bedingung nämlich nicht, wie wir am Beispiel der Homöopathie sehen können. Es bleibt also die Frage: Woran können wir Pseudowissenschaften zuverlässig erkennen.

Die derzeit gültige Satzung spiegelt im Grunde die Ratlosigkeit in dieser Frage weder: »Inhaltlich befasst sich der Verein dabei mit Parawissenschaften aus kritisch-wissenschaftlicher Sicht. Unter diesem Sammelbegriff behandelt er vor allem das, was in der Öffentlichkeit als Aberglaube, Esoterik, Okkultismus und Pseudowissenschaft verstanden wird. Dabei bedient er sich wissenschaftlicher Methoden, um bloße Behauptungen und Fehlvorstellungen von verlässlichen Erkenntnissen abzugrenzen.«

Ich versuche einzuordnen und beginne mit der »Drosophila« der Skeptikerbewegung, mit der Homöopathie. Darüber schreibe ich in meinem Buch »Klüger irren – Denkfallen vermeiden mit System«, 2016, 2020, S. 204. Ich meinte, auf den Begriff »Parawissenschaft« verzichten zu können und schrieb, »dass die Homöopathie entweder widerlegte Wissenschaft ist oder aber Pseudowissenschaft«. Pseudowissenschaft war für mich ein nicht falsifizierbares Erkenntnissystem mit dem Anspruch der Wissenschaftlichkeit.

Für die von mir aufgegriffene Debatte ist dieses Korsett zu eng. Es berücksichtigt nicht die Erkenntnissysteme mit Wissenschaftsanspruch, die zwar falsifizierbar, aber noch nicht falsifiziert sind und bei denen große Zweifel bestehen, ob sie gültig sind. Das gilt vor allem für solche Erkenntnisssysteme, die im gängigen Wissenschaftsverständnis nicht unterzubringen sind: Astrologie, Wahrsagerei, Gedankenübertragung, Psychokinese und all das, was unter Parapsychologie läuft. Auch die Homöopathie gehört dazu. Das Problem in all den Fällen ist, dass die Widerlegung immer wieder scheitert oder bezweifelt wird und weil das daran liegen könnte, dass die Effekte klein sind und der Verursacher launisch. Dieses Problem habe ich in einem Forum-Artikel im skeptiker unter dem Titel »Überheblichkeitstest?« aufgespießt (2/2020, S. 104-106).

Alle diese vermuteten Phänomene liegen in einem Graubereich zwischen den akzeptierten und den widerlegten Theorien. Wir können diese Behauptungen den Parawissenschaften zurechnen. Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften, unsere GWUP, sieht ihre Aufgabe darin, diesen Bereich klein zu halten und möglichst viel davon den Pseudowissenschaften zuzuordnen, so dass eine fundierte Aufklärungsarbeit darüber möglich wird.

Wir suchen Sicherheit in einer unsicheren Welt. Vielen hilft der Glaube an einen Gott. Andere finden Halt im Glauben an das Wesen der Dinge, nämlich dass alles Materie ist, die gewisse Eigenschaften besitzt. Versuche, »die Natur der Dinge« zu erfassen, gibt es seit der Antike. Diese Vorstellungen haben sich als sehr wandelbar erwiesen. Sie sind Zeugnis des jeweiligen Standes der naturwissenschaftlichen Forschung und folglich zeitabhängig. Derartige Ontologien sind Glaubensangelegenheiten. Sie bieten nur trügerische Sicherheit. Dennoch meint Martin Mahner (2018): »Der ontologische Naturalismus bildet […] eines von vielen Abgrenzungskriterien«. Einen weiteren Weg eröffnet Nikil Mukerji mit seinem aktuellen Text über Wissenschaftsfreiheit unter dem Titel »Ethos der epistemischen Rationalität« (Juli 2026).

Das alles sind Überlegungen, die man sich bei der Beurteilung von Parawissenschaften durch den Kopf gehen lassen kann. Zwingend sind sie nicht.

Aber da ist noch ein dritter Weg. Im Verlaufe des Streits mit den Psi-Forschern haben die Skeptiker die Messlatte für den Existenznachweis von Psi-Effekten immer höher gehängt; sie haben die Psi-Forscher förmlich vor sich hergetrieben. Das hat dazu geführt, dass die Psi-Forschung wie beispielsweise die des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) heute die höchsten wissenschaftlichen Standards erfüllt. Mein Urteil lautet, dass diese Psi-Forscher heute mehr denn je Experten für die Untersuchung des Paranormalen sind.

Aufschlussreich ist ein Interview des Skeptikers Mark Benecke mit dem Vorstand des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene, Eberhard Bauer (2017). Bauer sagt: „Diese Phänomene, die wir auch im Spontanbereich kennenlernen, wie die Wahrträume, wie manche dieser Spukerfahrungen. Da würde ich immer noch so eine offene Stelle sehen, die ich momentan als nicht erklärbar einschätze. Deshalb halte ich mir einen Überschuss an Deutungsmöglichkeiten offen.“ (Benecke, Mark: Überschuss an Deutungsmöglichkeiten. Interview mit Eberhard Bauer. skeptiker 3/2017, S. 147 – 153). Es zeichnet sich ab, dass wir mit dem Graubereich der nicht widerlegten aber unglaubwürdigen Theorien leben müssen. Immerhin kann in die Aufklärungsarbeit einfließen, dass Tests keine positiven und vor allem negative Ergebnisse erbracht haben und dass sich eine endlose Fortführung von Tests nicht lohnt, weil die vermuteten Effekte klein und launisch sind. Und genau diesen Stand haben wir im Falle der Homöopathie erreicht.

Wir sollten zur Formulierung in der alten Satzung zurückkehren. Natürlich lässt auch sie offen, was unter Wissenschaftlichkeit zu verstehen ist. Sie lässt eine gewisse Flexibilität zu und die Möglichkeit, die Begriffsbestimmungen im vereinsinternen Diskurs zu präzisieren. Für die Naturwissenschaften ist Poppers Falsifizierbarkeitskriterium ein belastbarer Ausgangspunkt.

Die strenge Begrenzung auf die Naturwissenschaften kann entfallen. Die Gesellschaftswissenschaften müssen nicht außen vor bleiben. Soweit ich sehen kann, steht hier die Begriffsbestimmung der Wissenschaftlichkeit noch aus. Mein Artikel »Argumente zählen, Wahrheiten nicht« lässt erkennen, dass die GWUP da noch ein gehöriges Stück Arbeit vor sich hat.