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18. Oktober 2019
von Bernd Harder
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Neue Broschüre der AAS: „Wissen, was wirklich gespielt wird …“ – Widerlegungen für gängige Verschwörungstheorien

Die Amadeu Antonio Stiftung hat eine neue Broschüre zum Thema Verschwörungstheorien herausgegeben:

Wissen, was wirklich gespielt wird … Wiederlegungen für gängige Verscwörungstheorien

Verschwörungstheorien richten sich in ihren Forderungen gegen die Grundwerte liberaler Demokratien und die individuellen Menschenrechte. Vermeintlich wird Kritik geübt, doch in Wirklichkeit werden komplexe Zusammenhänge auf das Wirken einzelner Personen oder Gruppen reduziert.

Verschwörungstheorien entwerfen ein apokalyptisches Bild, aus dem es nur einen Ausweg zu geben scheint: den Kampf der Guten gegen die „Verschwörung“.

Diese Handreichung soll dabei helfen, Verschwörungstheorien zu widerlegen und ihre Verbreitung einzudämmen. Dazu wurden acht aktuell populäre Verschwörungstheorien zusammengestellt, die in ihnen enthaltenen Missverständnisse, Lügen und Desinformationen aufgedeckt und ihnen mit Fakten begegnet.

Die Publikation steht als PDF zum Download bereit oder kann per Post bestellt werden.

Zum Weiterlesen:

  • Wiederlegungen für gängige Verschwörungstheorien, Belltower News am 17. Oktober 2019
  • Shell-Studie 2019: Mehrheit der Jugendlichen glaubt, die Regierung verschweige „die Wahrheit“, Spiegel-Online am 15. Oktober 2019
  • Halle: „Antisemiten glauben an eine Weltverschwörung aus Juden und Nichtjuden“, GWUP-Blog am 12. Oktober 2019
  • Neu erschienen: Eine Anleitung zum Widerspruch von der „Besorgten Bürgerin“, GWUP-Blog am 9. Oktober 2019
  • Verschwörungstheorien: „Toxischer“ vs. gesunder Zweifel, GWUP-Blog am 29. April 2019

18. Oktober 2019
von Bernd Harder
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„Wertloses Stück Papier“: der First Report vom NHMRC

Nach dem INH hat jetzt auch Dr. Norbert Aust noch einmal ausführlich den „Ersten Bericht“ des australischen NHMRC kommentiert, in dem die Homöopathen „ermutigende Evidenz“ gefunden haben wollen:

Sein Fazit:

Das vom NHMRC veröffentlichte Dokument, das von den Homöopathen als „First Report“, vom NHMRC als „Draft Report“ bezeichnet wird, ist wissenschaftlich gesehen ein wertloses Stück Papier, das noch nicht einmal einen Namen eines Autors trägt, der zu dem Ergebnis stünde.

Außerdem hat Aust einen Gastbeitrag im aktuellen Newsletter der britischen Organisation „HealthWatch“ publiziert:

Hier geht’s zum kostenlosen Download.

Zum Weiterlesen:

  • NHMRC-Report: Homöopathen endgültig auf dem Weg in die Verschwörungstheorie, GWUP-Blog am 14. Oktober 2019
  • „Release the first report!“ Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 17. Oktober 2019
  • „Süßes oder Saures!“ – Der Homöopathie-Streit der Grünen, hpd am 18. Oktober 2019

16. Oktober 2019
von Bernd Harder
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Nachgefragt-Podcast: „Braune Esoterik“ mit Holm Hümmler

Neu im Nachgefragt-Podcast: Dr. Holm Hümmler über „Braune Esoterik“.

In dieser Folge geht es um die beunruhigenden Überlappungen zwischen Esoterikszene, insbesondere im Umfeld von Verschwörungsmythen, und rechtsextremen Strömungen. Holocaust-Leugner, Verschwörungsschwurbler und Vertreter randständiger Parteien geben sich hier die Klinke in die Hand und greifen auf esoterische Ideen zurück, um rechtsextreme Botschaften zu verbreiten und salonfähig zu machen.

Verwendet werden esoterische Angebote aller Art, von Alternativmedizin über Verschwörungstheorien bis hin zur Pseudophysik. Besonders deutlich wird diese Verbindung von extremistischer Ideologie und Esoterik bei mehr oder weniger professionellen Internet-Videokanälen.

Dabei machen sich die Produzenten zunutze, dass die in Verschwörungsmythen häufig mitgelieferte Sündenbocktheorie ein guter Nährboden für rechtsextreme politische Überzeugungen ist.

Der Physiker, Buchautor und Skeptiker Holm Hümmler gibt einen Überblick über die erfolgreichsten Kanäle und wirft einen Blick auf die Gründe, warum das rechtsextreme Milieu auf esoterische Ideen zurückgreift.

Zum Weiterlesen:

  • NGF027: „Braune Esoterik“ vom 15. Oktober 2019
  • Halle: „Antisemiten glauben an eine Weltverschwörung aus Juden und Nichtjuden“, GWUP-Blog am 12. Oktober 2019
  • Holm Hümmler: Verschwörungsmythen. Wie wir mit verdrehten Fakten für dumm verkauft werden. Hirzel 2019, 224 Seiten, 19,80 €
  • Der kaum beachtete Rechtsextremismus – Braune Esoteriker, Reichsbürger und Verschwörungstheorien, sektenwatch am 6. März 2017
  • Video: Anastasia-Bewegung – Rechtsesoterik in einer verkitschten Wahnwelt, GWUP-Blog am 12. April 2019
  • SkepKon-Video: Rechte Esoterik im Internet, GWUP-Blog am 6. Januar 2019

16. Oktober 2019
von Bernd Harder
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Video: „Streit um die Impfpflicht“ heute bei ZDFzoom

Heute Abend (16. Oktober, 22.45 Uhr) bei ZDFzoom:

Streit um die Impfpflicht

Die Masern-Impfung ist wichtig – doch ist deshalb eine Impfpflicht richtig?

Auch viele Impf-Befürworter wollen keinen Zwang. Es zähle das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. Praktiker wie der Arzt Stephan Nolte befürchten eine Spaltung der Gesellschaft, und Verhaltensforscherin Cornelia Betsch stellte fest, dass bei einer Impfpflicht gegen Masern andere Impfungen zu kurz kommen.

„ZDFzoom“ trifft Kritiker des neuen Impfgesetzes und konfrontiert Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mit den Argumenten der Gegner.

Das Video ist bereits online (zirka 28 Minuten).

Zum Weiterlesen:

  • Impfgegnerargument failed: „Die Todesrate ist auch ohne Impfen gesunken“, Susannchen braucht keine Globuli am 18. Februar 2019
  • „Klartext Impfen“ – Susannchens Buchempfehlung, Susannchen braucht keine Globuli am 26. September 2019
  • Masernschutzgesetz: Belastung oder Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes? Gesundheits-Check am 11. Oktober 2019
  • Masernschutzgesetz: Ab 2020 gilt die Impfpflicht, GWUP-Blog am 17. Juli 2019
  • Impfgegner-Demo in Berlin: „Am Straßenrand viel Kopfschütteln“, GWUP-Blog am 16. September 2019
  • Die Grippe. Die echte! INI am 25. September 2019

15. Oktober 2019
von Bernd Harder
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Homöopathie: „Nur 20 Millionen“ ist kein ökonomisches Argument, Herr Spahn

Beim INH nimmt heute die Gesundheitsökonomin Prof. Tina Salomon von der Apollon Hochschule der Gesundheitswirtschaft in Bremen Stellung zu Jens Spahns „so okay“ in Sachen Homöopathie-Erstattung.

[Tina Salomon] hat unseren Offenen Brief an Minister Spahn mitunterzeichnet. Aus diesem Anlass hat sich ein Austausch ergeben, als dessen Ergebnis wir heute einen Gastartikel von ihr zum „20 Millionen Euro-Statement“ veröffentlichen dürfen, der deutlich macht, wie sehr Herr Spahn sich mit seiner Nonchalance im Grunde außerhalb des wirklichen Problemkontextes bewegt, um nicht zu sagen, diesen zugunsten einer hemdsärmelig daherkommenden „Ministerentscheidung“ ignoriert.

Zum Weiterlesen:

  • Von wegen, „so okay“, Herr Spahn! – Ein Gastbeitrag von Pharmaökonomin Prof. Dr. Tina Salomon, INH am 15. Oktober 2019
  • Offener Brief an Gesundheitsminister Spahn zur Fortgeltung der Erstattung von Homöopathie in der GKV, INH am 18. September 2019
  • Homöopathie: It’s not ok, Jens Spahn, GWUP-Blog am 28. September 2019
  • Grüne und Homöopathie: Vorstand will keinen Globuli-Streit, taz am 15. Oktober 2019
  • Die Grünen und die Forschung: Wie haltet ihr es mit Wissenschaft? FAZ am 15. Oktober 2019

14. Oktober 2019
von Bernd Harder
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NHMRC-Report: Homöopathen endgültig auf dem Weg in die Verschwörungstheorie

Man könnte jetzt so viele Witze über den Realitätsverlust und die Verzweiflung der Globuli-Lobby machen – aber lassen wir das und geben nur die Fakten wieder:

Vor vier Tagen gab der „Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte“ (DZVhA) eine Presseerklärung mit dem Titel „Ermutigende Evienz für die Homöopathie“ heraus.

Was war geschehen? Hatte endlich ein Homöopath das „Wassergedächtnis“ oder die Existenz von „geistartigen Kräften“ belegt und dafür den Medizin-Nobelpreis 2019 bekommen?

Äh nein – stattdessen zogen die Zuckerzauberer sich einmal mehr an dem sogenannten „Australischen Report“ (NHMRC-Review von 2015) hoch und behaupteten erneut, es gäbe von dieser Meta-Analyse eine frühere Version, die aber „unter Verschluss gehalten“ worden sei, weil diese „ein weit positiveres Bild zur Wirkung der Homöopathie“ zeige als der 2015 publizierte zweite Report.

Erst jetzt, Ende August 2019, sei dieses geheimnisumwitterte Dokument „durch Druck“ von Homöopathie-Fans an die Öffentlichkeit gelangt.

Nun ja.

Alles, was es dazu zu sagen gibt, hat heute das INH veröffentlicht.

Spoiler:

Statt wissenschaftlich solide die Schlussfolgerungen des Reviews 2015 belastbar zu widerlegen, [stochert man] sozusagen im aussortierten Abfall und sucht nach vorgeblichen Indizien – für eine wünschenswerte, aber eben nicht den Tatsachen entsprechende Meinung.

Dass ausgerechnet der wissenschaftlich unsinnige und im Kontext fehlgehende Begriff einer „ermutigenden Evidenz“ auch noch dafür herhalten muss, ist bezeichnend. Was das mit einer wissenschaftlichen Diskussion über eine medizinische Fachfrage zu tun hat, bleibt das Geheimnis des Zentralvereins.

Nun ja, vielleicht ist das die einzige Möglichkeit, eine längst erledigte Frage überhaupt weiter in der Debatte zu halten – und nach über 200 Jahren ohne Wirkungsnachweis nach „mehr Forschung“ zu rufen. Ist das nicht eher nach einem Weg in Richtung Verschwörungstheorie, weg vom ernsthaft geführten wissenschaftlichen Diskurs?

Wir wünschen gute Reise.

Im Sommer gab es dazu schon mal einen Twitter-Thread.

Übrigens haben die tapferen Kämpen für den Schüttelnonsens heute tatsächlich einen Preis gewonnen:

Hevert darf sich über den „Goldenen Aluhut“ 2019 freuen.

Zum Weiterlesen:

  • „Release the first report!“ Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 17. Oktober 2019
  • Der „unterdrückte erste Report“ des NHMRC – Quelle von „ermutigender Evidenz“? INH am 14. Oktober 2019
  • Homöopathie: Brauchen wir „mehr Forschung“? GWUP-Blog am 8. August 2010
  • Lustig: Hevert-Geschäftsführer kann „keine fundierten Aussagen“ zur Homöopathie machen, GWUP-Blog am 1. Juli 2019
  • Homöopathie international: Die Reviews / die Statements / die Maßnahmen, Keine Ahnung von Garnix am 1. Juli 2018
  • Homöopedia: Systematische Reviews zur Homöopathie – Übersicht
  • Studie aus Australien: Homöopathie nicht besser als Plazebo, FAZ am 9. April 2014

14. Oktober 2019
von Bernd Harder
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Homöopathie: „Gift für die Grünen“ in der taz

Heute auch in der taz:

Grüne und Homöopathie

Paula Piechotta hält Homöopathie – kurz gesagt – für teuren Humbug. „Wir Grüne verweisen stets auf die Wissenschaft, wenn es gegen Klimaleugner geht“, sagt Piechotta, Ärztin an der Uni-Klinik Leipzig und im dortigen Grünen-Kreisvorstand aktiv. „Deshalb müssen wir uns auch anderswo klar gegen Esoterik und Wissenschaftsfeindlichkeit positionieren.“ Wissenschaftsferne Positionen, sagt Piechotta, „schrecken viele Menschen ab, die uns gerne wählen würden.“

Aber:

Für die Grünen ist das eine Lose-Lose-Situation. Eigentlich spricht nichts dafür, Kassen für Zuckerkügelchen zahlen zu lassen. Aber wer das offen sagt, zieht die Wut einer großen Fangemeinde auf sich. Der Kampf um die Globuli steht dabei für ein tieferes Problem. Teile der Grünen-Anhängerschaft neigen bei manchen Themen zur Esoterik […]

Die Grünen-Spitze hat erkannt, wie unschön eine Zuspitzung auf dem Parteitag im November wirken könnte. Die Vorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck sollen beklatscht und neu gewählt werden, ein ausführlicher Antrag zu Wirtschaftspolitik steht auf dem Programm. Böse Schlagzeilen über einen Homöopathie-Streit würden da nur stören. Bundesgeschäftsführer Michael Kellner arbeitet derzeit hinter den Kulissen daran, die Kontrahenten zu versöhnen – mit dem Ziel, eine Abstimmung auf dem Parteitag zu vermeiden.

Zum Weiterlesen:

  • Grüne und Homöopathie: Glaubenskrieg um Globuli, taz-online am 13. Oktober 2019
  • Homöopathie und ein „Kernproblem grüner Politik“, GWUP-Blog am 12. Oktober 2019
  • Die Homöopathie-Lobby souffliert grüne Delegiertenanträge, Gesundheits-Check am 5. Oktober 2019

14. Oktober 2019
von Bernd Harder
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Kortizes und GWUP bei der Langen Nacht der Wissenschaften in Nürnberg

Das Institut Kortizes und die GWUP-Regionalgruppe Mittelfranken bespielen bei der „Langen Nacht der Wissenschaften“ am Samstag (19. Oktober) in Nürnberg die Stadtbibliothek am Gewerbemuseumsplatz.

Los geht’s um 18 Uhr im Foyer mit Experimenten und Mitmach-Aktionen der Skeptiker unter dem Motto „Unerklärlich? Übersinnlich? Kritisch denken!“

Das Vortragsprogramm bestreiten parallel dazu:

  • Wolfgang Hund (19.15 Uhr und 22.15 Uhr): „Vielfältige Wissenschaft – Bezaubernde Irrtümer“

Seit jeher nutzten Magier naturwissenschaftliche Phänomene aus, um beim „gemeinen Volk“ den Anschein zu erwecken, übernatürliche Fähigkeiten zu besitzen. Gilt dies heute auch noch? Entscheiden Sie selbst, ob wirklich echt ist, was Wolfgang Hund, Seminarrektor und Zauberkünstler, vorführt.

  • Helmut Fink (20 Uhr und 23 Uhr): „Ludwig Feuerbach – ein Freidenker aus Franken“

Der Philosoph Ludwig Feuerbach (1804–1872) war einer der bedeutendsten Religionskritiker des 19. Jahrhunderts. Helmut Fink, Vorsitzender der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft und Direktor der Akademie für säkularen Humanismus, erläutert Leben und Werk des Denkers.

  • Bernd Harder (20.45 Uhr und 23.45 Uhr): „Die Ufo-Schlacht von Nürnberg“

Am 14. April 1561 beobachtete der Drucker Hans Wolff Glaser einen Luftkampf zwischen unbekannten Flugobjekten über Nürnberg. Der Vorfall wurde auf einem kolorierten Flugblatt festgehalten, das sich in der Zentralbibliothek Zürich befindet. UFO-Battle? Oder eine Urban Legend der frühen Neuzeit? Bernd Harder, Journalist und Blogger, hat nachrecherchiert.

Insgesamt warten mehr als 1000 Programmpunkte in Nürnberg, Fürth und Erlangen auf die Besucher. Das Ticket kostet 15 € (ermäßigt zehn Euro).

Zum Weiterlesen:

  • Lange Nacht der Wissenschaften: So bekommen Sie Karten, nordbayern am 7. August 2019

14. Oktober 2019
von Bernd Harder
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Der „Popstar der Medizin“ hat jetzt auch sein eigenes Magazin

Zum Thema „Zeitschriften, die die Welt nicht braucht“ …

… verweisen wir zunächst mal auf einen Beitrag, der im März beim Skeptiker-Kolumnisten „Onkel Michael“ erschienen ist:

Besonders die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit ärgert die Fachwelt. So sieht sich Grönemeyer selbst seit Jahren „an der Spitze der internationalen Forschung und Entwicklung“ sowie als Motor einer revolutionären Umgestaltung der Medizin.

Mediziner bemängeln aber, dass er die Ergebnisse seiner Arbeit – anders als im Medizinbetrieb üblich – nicht detailliert und umfassend veröffentlicht. Professoren seines Alters bringen es für gewöhnlich auf Dutzende oder gar Hunderte wissenschaftlicher Aufsätze in renommierten Fachzeitschriften. Statt sich auf diese langweilige Art mit Wissenschaftskollegen inhaltlich auszutauschen, besinnt sich Grönemeyer lieber auf seine wahre Stärke: das Marketing.

Für das neue Magazin der Funke Mediengruppe firmiert Grönemeyer als „Ideengeber und Editor-at-Large“. Im nächsten Jahr sind vier Ausgaben mit je 100.000 Exemplaren geplant.

Der Werbelyrik zufolge soll das Heft „die Bereiche Schulmedizin und Naturheilkunde miteinander vereinen“.

Gespannt schlagen wir also die Gegenüberstellung auf Seite 17 auf: „So heilen Natur- und Schulmedizin“. Allerdings ist in der Spalte „Naturmedizin“ von „Heilung“ gar keine Rede. Sondern von „lindernd“, nochmal „lindernd“, „schmerzlindernd“, „… tun gut“ und „Vorbeugung“.

Na ja, das mag schon sein – aber „gut“ tut so ziemlich alles Mögliche, auch „Thermal- und Moorbäder“ bei einer Spinalkanalstenose, und daher ist dieses „Wissen“ kaum mehr als eine Binse. Entweder hat der Herr Editor-at-Large einfach unpassende Krankheits- und Beschwerdebilder ausgewählt, um die Naturmedizin richtig glänzen zu lassen. Oder aber die Redaktion benennt überraschend ehrlich die Grenzen dieser Heilweisen.

Man weiß es nicht. Möglicherweise soll ja genau dieses Fluide das Konzept der Zeitschrift sein. Braucht dann halt wirklich niemand.

Zum Weiterlesen:

  • Magazin von Funke: Grönemeyer macht Hirschhausen Konkurrenz, wuv am 22. August 2019
  • Ein paar Worte zu Dietrich Grönemeyer, Onkel Michaels kleine Welt am 1. März 2019
  • Grams und Grönemeyer: leider nur über- statt miteinander, GWUP-Blog am 25. Februar 2019
  • Grönemeyer – Der Popstar der Medizin, GWUP-Blog am 19. November 2009
  • Dietrich Grönemeyer bei Psiram
  • Professor Hokuspokus, Der Spiegel 43/2006

12. Oktober 2019
von Bernd Harder
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Homöopathie und „ein Kernproblem grüner Politik“

Der Spiegel berichtet in seiner aktuellen Ausgabe (42/2019) über den Antrag einer Gruppe von grünen Jungpolitikern „gegen die derzeitige Bevorteilung der Homöopathie“.

Seither, schreibt das Magazin

…. tobt eine wilde Debatte in der Partei. Abgeordnete, Grünengeschäftsstellen, der Bundesvorstand und die Mitglieder der Antragskommission werden von Verbänden der Alternativmedizin mit E-Mails bombardiert. Zum ursprünglichen Homöopathieantrag gibt es drei Gegenanträge. In der Parteispitze geht die Sorge um, dass die Debatte auf dem Parteitag [15. bis 17. November in Bielefeld] relevantere Themen überlagern könnte.

Im Weiteren beschreibt der Spiegel-Redakteur sowohl die versuchte Einflussnahme der Globuli-Lobbyisten …

Der Gegenantrag „Förderung der integrativen Medizin“, ebenfalls von einfachen Parteimitgliedern eingebracht, enthält eine Passage, die sich nahezu wortwörtlich in einem offenen Brief wiederfindet, den Dachverbände der Homöopathie und andere alternativmedizinische Vereinigungen an die Kassenärztliche Bundesvereinigung geschrieben haben.

als auch „ein Kernproblem grüner Politik“ …

In Teilen der Anhängerschaft der Grünen wird immer noch die Distanz zur modernen Naturwissenschaft gepflegt. Dazu gehören die Gegner der Schulmedizin, die sich nicht dadurch beirren lassen, dass die Homöopathie nachweislich keine Wirkung über den Placeboeffekt hinaus hat. Dazu gehören Anhänger der biodynamischen Landwirtschaft, die daran glauben, dass eine bei Neumond ausgebrachte Mischung aus Bergkristall und Kuhhorn die Erträge verbessert. Es ist ein Milieu im Dunstkreis von Anthroposophie, Esoterik und fragwürdigen Heilmethoden, das seine politische Heimat oft bei den Grünen gefunden hat.

und schließlich den Streit um die Homöopathie bei den Grünen als Ausdruck eines „tief gehenden Problems“:

Wie weit ist die Partei bereit, sich von identitätsstiftenden Positionen zu lösen, die wissenschaftlich fragwürdig sind? Es ist eine Frage, die das Selbstverständnis und die politische Verortung der Grünen betrifft. So regt sich mittlerweile auch Widerstand gegen die kategorische Ablehnung der Gentechnik in der Landwirtschaft, die es wieder ins Europawahlprogramm der Partei geschafft hat. Vor allem manche jüngere Parteimitglieder nähern sich dieser Frage ganz unideologisch.

Wie stehen nun die Chancen für den Homöopathie-Antrag vom Tim Demisch und Co.?

Der Bundesvorstand beschloss auf einer Besprechung am vergangenen Montag, den Initiatoren der vier Anträge vorzuschlagen, die Debatte auf einer Fachkonferenz zu führen oder sie in eine Kommission zu verlagern. Hauptsache, nach dem Parteitag.

Aktuelle Interviews zu dem Antrag gibt es bei Yahoo mit Tim Demisch und in der Badischen Zeitung mit Jan Otto.

Zum Weiterlesen:

  • Kristalle im Kuhhorn, Der Spiegel 42/2019 und bei Spiegel-Online+
  • Freiburger Grünenpolitiker zur Homöopathie: „Mit dem Geld kann man deutlich Besseres machen“, Badische Zeitung am 11. Oktober 2019
  • Homöopathie: Der Kaiser ist nackt! yahoo am 11. Oktober 2019
  • Jetzt im Wortlaut: Antrag „gegen die Bevorteilung der Homöopathie“ für den Grünen- Bundesparteitag, GWUP-Blog am 5. September 2019
  • „Ein homöopathiekritischer Artikel provoziert eine Debatte bei den Grünen“: das taz-Nachbeben, GWUP-Blog am 8. März 2019
  • Homöopathie: Auch in der SPD regt sich Widerstand gegen die Kostenerstattung, GWUP-Blog am 9. Oktober 2019
  • Die Homöopathie-Lobby souffliert grüne Delegiertenanträge, Gesundheits-Check am 5. Oktober 2019