gwup | die skeptiker

… denken kritisch seit 1987.

12. Dezember 2019
von Bernd Harder
3 Kommentare

Prognosen-Rückblick 2019: Schon Dezember – und immer noch kein Polsprung

Noch zwei Wochen bis zum Jahreswechsel – und noch immer kein Polsprung.

Auch kein Weltuntergang, kein Ende von Facebook und nicht mal ein Präsidenten-Rücktritt in den USA. All das waren Vorhersagen, die sich 2019 hätten erfüllen sollen.

Die Mehrzahl der Astrologen wagt sich dabei seltener auf das dünne Eis exakter Prognosen. Naturkatastrophen, Kriege oder irgendwelche gesellschaftlichen Umwälzungen werden zwar erwähnt (z.B. bei Michael Allgeier, Cord Kleinschmidt, Karin Mayer, Elizabeth Teissier), aber der in der Regel verwendete Konjunktiv verwässert die sowieso schon vagen Aussagen zusätzlich.

Mancher Astrologe gibt auch offen zu, dass er gar nicht weiß, was passieren wird: „Welchen Bereich dies betrifft, sehen wir erst, wenn es soweit ist, und zwar von Mai bis Juli“ erklärt der Astrologe Martin A. Banger lapidar zu seiner Prognose „Verunsicherungen in der Bevölkerung“,

heißt es im Prognosen-Rückblick 2019 der GWUP, der heute veröffentlicht wurde.

Zur Zusammenfassung geht es hier, ausführliche Infos (als PDF) finden sich hier.

Zum Weiterlesen:

  • Prognosencheck 2019: Kein Polsprung und kein harter Brexit, GWUP-News am 12. Dezember 2019
  • Jetzt im Skeptiker: Keine Panik – Nostradamus, Rose Stern und der Polsprung 2019, GWUP-Blog am 2. Oktober 2019
  • Walulis-Video: Astro-Abzocke – noch lange nicht tot, GWUP-Blog am 5. Juni 2019
  • In der „Zeit“: Der neue Astro-Boom – „ein Trostpflaster, nur ein bisschen teuer vielleicht“, GWUP-Blog am 1. Oktober 2019
  • Diese Woche im Horoskop: Schläge vom Partner, GWUP-Blog am 10. Dezember 2019
  • Astrologie: „Der Spiegel“ kollidiert mit den Zwillingsplaneten Auflagen- und Bedeutungsverlust, GWUP-Blog am 5. Oktober 2019

11. Dezember 2019
von Bernd Harder
28 Kommentare

Der Überraschungskandidat bei den Psi-Tests tritt nicht mehr an

Im neuen Skeptiker (4/2019) gibt es einen ausführlichen Bericht über die Psi-Tests 2019 und den Überraschungskandidaten Benedikt Maurer.

Die wichtigste Erkenntnis darin ist eine kurze Postskriptum-Notiz:

Kurz vor Drucklegung teilte Benedikt Maurer der Versuchsleitung mit, dass er die zweite Testphase nicht antreten wird.

Zur Erinnerung:

Maurer wollte mit der Hand einen Magneten erspüren, der unter einer von zehn gleichen Schachteln verborgen war. Es gelang ihm bei 13 Durchgängen neun Mal – also zwei Treffer mehr als erforderlich. Das gab es in der 15-jährigen Geschichte der Psi-Tests noch nie. Mit diesem Ergebnis hätte Maurer zum Nachtest antreten können.

Benedikt Maurer bezeichnet sich selbst als „Psychokinet, Synästhetiker und Mystifier“. Er vertreibt Online-Kurse zum Erlernen der Psychokinese und hat eine „Group of kinetic People“ (GOKP) gegründet. Seinen Äußerungen zufolge sei längst bekannt, dass das Phänomen wirklich existiert, die Beweise würden jedoch verheimlicht.

Um damit Schluss zu machen, trat er bei den Psi-Tests an:

Es geht mir nicht um das Preisgeld, sondern darum, die Fähigkeit der Wissenschaft näherzubringen,

erklärte Maurer der Skeptiker-Redaktionsleiterin Inge Hüsgen in Würzburg.

Warum aber setzt er seine „Beweisführung“ jetzt nicht fort? Für eine echte paranormale Begabung sollten doch auch verschärfte Bedingungen kein Problem sein.

Maurer wurde vor Versuchsbeginn äußerlich von Kopf bis Fuß mit einem Kompass und einem starken Magneten auf ferromagnetisches Material am Körper untersucht. Dieses Vorgehen eignet sich jedoch nicht zum Aufspüren kleiner Sensoren, die am oder im Körper versteckt werden könnten. Sie geben in der Nähe eines Magnetfeldes ein Vibrationssignal ab und werden zum Beispiel von Zauberkünstlern und Mentalisten bei Bühnenshows eingesetzt. Der Zauberfachhandel hält eine Auswahl an verschiedenen Modellen bereit.

All diese Überlegungen werden wir bei der Planung des zweiten Tests berücksichtigen,

hatte Versuchsleiter Dr. Martin Mahner noch vor Ort angekündigt. Dazu wird es nun leider nicht mehr kommen.

Was bleibt? Im Grunde drei Möglichkeiten, die Versuchsleiter Dr. Rainer Wolf skizziert:

1) Maurer hat tatsächlich eine sehr ungewöhnliche, anomale Fähigkeit – er besitzt einen Magnetsinn, wie er gelegentlich in der Tierwelt vorkommt. Beim Menschen ist ein solcher Sinn bislang nicht nachgewiesen.

2) Das Ergebnis ist dem Zufall geschuldet. Die Wahrscheinlichkeit, in diesem 1:10-Test neun Treffer durch Raten zu erzielen, liegt bei zirka 1:2 Millionen. Das ist sehr unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Zum Vergleich: Die Wahrscheinlichkeit von fünf Richtigen plus Superzahl im Lotto beträgt 1:542.000, im Fall von sechs Richtigen sinkt sie drastisch auf 1:15,5 Millionen.

3) Maurer hat – laut Vertrag unerlaubte – technische Hilfsmittel benutzt, wie etwa einen am oder im Körper versteckten Magnetsensor. Zwar wurde er mit einem Kompass und einem starken Neodym-Magneten untersucht, aber versteckte Sensoren lassen sich letztlich nur bei vollständiger körperlicher Untersuchung auffinden. Bei dem anstehenden zweiten Testabschnitt würden die Kontrollmaßnahmen daher deutlich penibler ausfallen müssen.

Trifft Hypothese (1) zu, dürfte es für Maurer ein Leichtes sein, den Wiederholungstest zu bestehen. Dass er sich dem Wiederholungstest nicht stellen will, finde ich erstaunlich; immerhin könnte der junge Mann damit an einem Tag 10.000 Euro gewinnen – den Preis, den die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) ihm für den ersten Nachweis eines paranormalen Phänomens angeboten hat. Obendrein versäumte Maurer damit die Chance, in die Wissenschaftsgeschichte einzugehen.

Im Fall von Hypothese (2) wäre es sehr unwahrscheinlich, den Erfolg allein durch Raten zu wiederholen. Ist Hypothese (3) korrekt, bestünde bei der Wiederholung des Tests die große Gefahr, dass angesichts deutlich stärkerer Sicherheitsmaßnahmen versteckte Hilfsmittel entdeckt werden. Um dies zu vermeiden, wäre es für den Kandidaten empfehlenswert, auf solche von vornherein zu verzichten, was jedoch höchstwahrscheinlich zu einem Scheitern beim Wiederholungstest führen würde.

Es ist bedauerlich, dass wir durch Maurers Absage keine Gelegenheit haben werden, schlüssig herauszufinden, welche der drei Hypothesen zutrifft.

Der erfahrene Zauberkünstler Wolfgang Hund, ehemaliges Mitglied im GWUP-Wissenschaftsrat, ergänzt:

Heute hat auch die Hochtechnik/Elektronik Einzug gehalten in die Zauberei, und es ist damit auch Jungspunden durchaus möglich, Effekte zu erzielen, die früher mit Handwerkskunst, handfesten psychologischen Kenntnissen und viel Übung erreicht wurden.

Schwerer ist es zweifellos geworden (und wesentlich teurer), solche elektronischen Hilfsmittel – die in der Größe und Widerstandfähigkeit sogar verschluckt werden können – ausfindig und ausschließbar zu machen. Ein Aufwand, der zeitlich und finanziell enorm ist.

Die GWUP hätte diesen Aufwand gerne betrieben. Gekniffen hat letztendlich der Proband, der damit natürlich auch nicht die Psi-Tests der GWUP „bestanden“ hat.

Hund abschließend:

Honi soit qui mal y pense … oder so.

Zum Weiterlesen:

  • Überraschung bei den Psi-Tests: Kandidat schafft es zum Nachtest, GWUP-Blog am 17. September 2019
  • Die Psi-Tests der GWUP 2019 – mit Überraschung, Skeptiker 4/2019
  • Überraschung bei Parapsychologie-Test: Kandidat erspürt versteckte Magnete, mainpost am 5. Oktober 2019

11. Dezember 2019
von Bernd Harder
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„Verschwörungstheorien selbst testen“: SkepKon-Video

Nach dem „Skeptical“-Vortrag

Mondlandung – Fake oder Fakt?

ist jetzt auch das Hauptreferat von Dr. Holm Hümmler online verfügbar:

Verschwörungstheorien selbst testen

Die allermeisten [vermeintlichen „Beweise“ von Verschwörungstheoretikern] lassen sich mit überschaubarem Rechercheaufwand, Schulmathematik, einfachen Skizzen oder mit Experimenten auf die Probe stellen.

Der Vortrag greift beispielhaft einige Schlüsselthesen wichtiger Verschwörungsbehauptungen auf, isoliert die zentralen Kernargumente und zeigt, wie man sie systematisch auf die Probe stellen kann. In den Beispielen kommen als Methoden eine einfache Recherche, Nachrechnen, Skizzieren, Gelegenheitsexperimente für zu Hause und ein Live-Experiment zum Einsatz.

Stellen wir gemeinsam einige der Schlüsselargumente der Flacherdler, Hohlwelt- und Chemtrailgläubigen auf die Probe. Die Nachahmung einfach für sich, mit Schülern oder bei Skeptics in the Pub ist empfohlen.

Zum Weiterlesen:

  • Flacherdler und ihre Form der Garagenforschung, GWUP-Blog am 12. November 2019
  • Was würde passieren, wenn die Erde eine Scheibe wäre? GWUP-Blog am 6. Dezember 2019
  • Die „WTC 7 wurde gesprengt“- Studie ist da – taugt aber nichts, GWUP-Blog am 20. September 2019
  • Holm Hümmler: Verschwörungsmythen. Wie wir mit verdrehten Fakten für dumm verkauft werden. Hirzel 2019, 224 Seiten, 19,80 €
  • Interview mit Pia Lamberty: Ich sehe was, was du nicht siehst, Ox #129, Oktober/November 2019
  • Kollegah ist ein rechter Verschwörungstheoretiker, uni-weimar am 9. Dezember 2019
  • Warum mehr Männer als Frauen die Klimakrise leugnen, bento am 25. November 2019
  • Bin ich ein Verschwörungstheoretiker? SWR2 am 4. Oktober 2018

10. Dezember 2019
von Bernd Harder
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Diese Woche im Horoskop: Schläge vom Partner

Na, das ist doch mal ein Horoskop:

Häusliche Gewalt als Verheißung der Sterne? Das ist tatsächlich völlig ernst gemeint und zu finden im aktuellen „Astro“-Sonderheft (9/2019) von tina.

Ein Twitter-Account machte diesen Epic Fail publik, Deutschlandfunk Nova berichtete darüber und vom Bauer-Verlag gab’s ne halbgare Entschuldigung.

Angeblich stammt der Text nicht von der Tina-Redaktion in Hamburg, sondern aus einer französischen Zeitschrift (die zum internationalen Bauer-Imperium gehört) und sei von einem Übersetzungsbüro ins Deutsche übertragen worden. Dann habe auch noch die Schlussredaktion gepennt – und fertig war der „fundamentale Formulierungsfehler“, der „übersehen“ worden sei.

Aha.

Klar kann es sein, dass – wie einige Kommentatoren vermuten – der angebliche „Formulierungsfehler“ gar keiner ist, sondern eher „einen Fehler im Frauenbild des Schreiberlings“ oder „Denken aus der Steinzeit“ offenbart.

Wir wollen aber auch nicht vollkommen ausschließen, dass diese Horoskop-Schreiber von tina und Co. sich absolut gar nichts denken, sondern ebenso stupide wie verzweifelt irgendwelchen Nonsens zusammenfabulieren, der ihnen gerade so im Kopf rumgeht. Und dass Textchefs, Schlussredakteure und Lektoren sich diesen Quatsch gar nicht erst ansehen, sondern einfach nur noch durchwinken.

Man darf allerdings nicht darüber nachdenken, welche der beiden Vermutungen die schlimmere ist.

Zum Weiterlesen:

  • Wenn im Horoskop häusliche Gewalt verharmlost wird, Deutschlandfunk Nova am 9. Dezember 2019
  • „Blaue Flecken programmiert“: So kam es zum Skandal-Horoskop, morgenpost am 10. Dezember 2019
  • Die Tricks der Sterndeuter, GWUP-Blog am 6. Dezember 2019

10. Dezember 2019
von Bernd Harder
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Das Grönemeyer-Magazin: „der Nepp unter den Medizin-Heften“

Auch die Süddeutsche Zeitung und Übermedien haben das neue Magazin von „Professor Hokuspokus“ (Spiegel) Dietrich Grönemeyer mal durchgeblättert.

Dr. Werner Bartens weist darauf hin, dass „der Gute-Laune-Onkel der Heilkunde“ in Talkshows gern gesehen, „in der Fachwelt allerdings ziemlich umstritten ist“.

Sein „heilloses Heft“ komme so bieder und betulich wie „Frauenzeitschriften der Achtzigerjahre“ daher und sei vollkommen verzichtbar:

Beliebig ist das alles und lasch wie eine kalt gewordene Wärmflasche. Dabei lautet der Untertitel des Heftes doch „Medizin mit Herz und Seele“. Etliche Artikel sind von ein und derselben Autorin verfasst worden. Der sanfte Sound ist auf Dauer ermüdend. Er hätte gut zu einem Text über Einschlafhilfen gepasst.

Übermedien sieht in „PDGMMHS“ („Professor Doktor Dietrich Grönemeyer Magazin mit Herz und Seele“) wenig mehr als ein redundantes redaktionelles Umfeld für Werbung aller Art, von Magnesiumtabletten bis hin zu Kühlgel.

Inhaltlich sei das Heft auf dem Niveau einer „besonders bräsigen Frauenzeitschrift“, layouterisch „ein hoffnungsloser Fall infektuöser Einklinkeritis und Freistellokokken“.

Fazit:

PDDGMMHS ist unter den Gesundheitsmagazinen, was Globuli unter den Medikamenten sind: Nepp.

Zum Weiterlesen:

  • Globuli aus dem Zeitschriftenregal: Das „Magazin vom Arzt“, übermedien am 3. Dezember 2019
  • Heilloses Heft, Süddeutsche am 28. Oktober 2019
  • Der „Popstar der Medizin“ hat jetzt auch sein eigenes Heft, GWUP-Blog am 14. Oktober 2019

10. Dezember 2019
von Bernd Harder
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Kopp-Verlag: „Wissenschaft, Fakten, Sachorientierung – all das zählt nicht“

Gestern bei SWR 2:

Der Kopp Verlag ist eine Herausforderung für eine offene Demokratie, weil er die Grundsäulen dessen infrage stellt, worauf eine aufgeklärte Gesellschaft beruht. Die Wissenschaft, die Fakten, die Sachorientierung. All das zählt nicht.

Zum Weiterlesen:

  • Der Kopp Verlag in Rottenburg – Hetze, Angst, Verschwörungsmythen, SWR 2 am 9. Dezember 2019
  • Kopp-Verlag: Auf dem Heimatplaneten für rechtsextreme Ufologen, FAZ am 23. Februar 2017
  • Angstmacher aus Rottenburg, GWUP-Blog am 7. März 2016
  • Geschäft mit Verschwörungstheorien: Die Angstindustrie, FAZ am 17. Januar 2015
  • Das Geschäft mit der Angst, Spiegel-Online am 22. Mai 2014
  • Crash-Propheten: Das Geschäft mit der Angst vor dem Kurssturz, NZZ am 6. Dezember 2019

9. Dezember 2019
von Bernd Harder
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Mit Anwaltsbrief gegen die Wissenschaft: „Hevert“ im Finale um das Goldene Brett 2019

Die drei Finalisten für die Verleihung des „Goldenen Bretts“ am kommenden Freitag (13. Dezember) in Wien sind soeben bekanntgegeben worden:

  • Kuscheln mit Fremden: Die International Foundation for Original Play

„Original Play“ ist ein wissenschaftlich nicht anerkanntes „Spielkonzept“, erfunden von O. Fred Donaldson. Dabei geht es um Berührungen und körperbetontes Spiel von Kindern mit Erwachsenen, die ihnen fremd sind. „Original Play“ wird dabei ohne wissenschaftliche Basis zum Allheilmittel für das Kind und sogar zum „spirituellen Ausdrucksmittel“ erklärt.

Anstatt die These psychologisch oder pädagogisch zu untermauern, wird bloß auf „Natürlichkeit“ und die „Gnade Gottes“ verwiesen. Aus wissenschaftlicher Sicht ist das bedenklich, schließlich entsteht bei dieser Art von körperbetontem Herumbalgen eine höchst asymmetrische Beziehung: Die Erwachsenen üben Kontrolle aus, Kindern hingegen fällt es oft schwer, ihre eigenen Grenzen wahrzunehmen und aufzuzeigen.

Dass Körperkontakt für Kinder wichtig ist, steht außer Frage – doch ohne jede Kontrolle und Qualitätssicherung überwiegen die potenziellen Nachteile.

  • Mit Anwaltsbrief gegen die Wissenschaft: Hevert

Der deutsche Arzneimittelhersteller Hevert verkauft homöopathische Präparate. Im Frühling sorgte die Firma durch ihren außergewöhnlichen Umgang mit wissenschaftlicher Kritik für Aufsehen: Mehrere prominente Homöopathie-Kritiker bekamen eine Abmahnung zugeschickt. Sie sollten ab sofort die Behauptung unterlassen, dass Homöopathie nicht über den Placeboeffekt hinaus wirksam sei. Im Falle des Zuwiderhandelns sollte eine Strafe in der Höhe von 5100 Euro fällig werden.

Diese Vorgehensweise birgt eine ernste gesellschaftliche Gefahr. Die Wissenschaft muss das Recht haben, Fakten zu präsentieren. Wissenschaftliche Wahrheiten können nicht per Anwaltsbrief geklärt oder vor Gericht ausverhandelt werden – sie sind, wie sie sind. Ob das irgendjemandem gefällt oder nicht, darf keine Rolle spielen.

Mit derselben Logik könnten sonst Autofirmen Berichte über klimaschädliche Abgase unterdrücken oder Tabakkonzerne Studien über Lungenkrebs stoppen. Wenn wir rationale gesellschaftliche Diskussionen führen wollen, darf Wissenschaft nicht eingeschüchtert werden.

  • Gerechtigkeit für Feinstaub und NOx? Dieter Köhler und die Unterzeichner seiner Stellungnahme

Dr. Dieter Köhler ist Lungenfacharzt und veröffentlichte eine Stellungnahme über die Gesundheitsgefährdung durch Feinstaub und Stickoxide. Darin stellt er die gesundheitlichen Gefahren von Luftverschmutzung auf wissenschaftlich unhaltbare Weise als harmlos dar: In der Praxis sehe man als Lungenfacharzt niemals Feinstaubtote, erklärt  Köhler. Daher hält er es für wahrscheinlich, dass Daten, die zu „scheinbar hohen Todeszahlen führen“, einem statistischen Fehler unterliegen.

Nach dieser Logik müsste auch UV-Strahlung ungefährlich sein – schließlich sieht ein Hautarzt niemals einen Sonnenbrandtoten. Dieter Köhler scheint die Grundkonzepte der Epidemiologie nicht verstanden zu haben: Wenn man unterschiedliche Bevölkerungsgruppen auf statistisch korrekte Weise miteinander vergleicht, kann man sehr wohl untersuchen, ob eine bestimmte Exposition mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden ist – auch wenn kein einzelner Toter konkret dieser Todesursache zuzuordnen ist.

Selbst als Köhler ganz konkrete Rechenfehler nachgewiesen wurden, zog er seine Stellungnahme nicht zurück, sondern blieb bei seinen Grundaussagen.

Die Veranstaltung am Freitag in der Urania beginnt um 20.15 Uhr (Einlass ab 20 Uhr).

Zum Weiterlesen:

  • Lustig: Hevert-Geschäftsführer kann keine „fundierten Aussagen“ zur Homöopathie machen, GWUP-Blog am 1. Juli 2019
  • Wie gefährlich sind Feinstaub und Dieselabgase? Eine Debatte, Skeptiker 2/2019
  • Original Play: „Wie eine Einladung für Pädophile“, Süddeutsche am 14. November 2019
  • Der größte Blödsinn des Jahres, futurezone am 8. Dezember 2019

7. Dezember 2019
von Bernd Harder
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Eine pharmakologische Wirkung kann es nicht geben: „nano“ mit glasklarem Globuli-Statement

Unmissverständliche Tatsachen bei nano (3sat) zum Thema Homöopathie ohne False Balance oder sonstiges Rumgeeiere:

Eine pharmakologische Wirkung kann es nicht geben. Durch die Praxis der Verdünnungen – Potenzierung genannt – befinden sich ab der neunten Potenzierung (D9) keine Moleküle der Ausgangssubstanz mehr im Homöopathikum. Eine „feinstoffliche Energie“ ist der Wissenschaft unbekannt. Und Wasser hat, anders als immer wieder behauptet, kein Gedächtnis. Das konnten Studien sicher nachweisen.

Und Gerd Antes, langjähriger Direktor des Deutschen Cochrane Zentrums, zum Binnenkonsens:

Ich kann das schlecht mit höflichen Worten bewerten. Es ist einfach erstaunlich, wie in einer Wissensgesellschaft 2019 noch eine Glaubensecke politisch und juristisch geschützt wird.

Hier geht’s zum Video (zirka sechs Minuten).

Zum Weiterlesen:

  • „Binnenkonsens“: Wenn’s um Homöopathie geht, schlägt die Stunde der Märchenerzähler, GWUP-Blog am 29. November 2019
  • Lustig: Hevert-Geschäftsführer kann keine „fundierten Aussagen“ zur Homöopathie machen, GWUP-Blog am 1. Juli 2019
  • Die grüne Homöopathie-Debatte im gmp-Podcast mit der Politikerin Paula Piechotta, GWUP-Blog am 4. Dezember 2019
  • Der „unterdrückte erste Report“ des NHMRC – Quelle von „Ermutigender Evidenz“? INH am 14. Oktober 2019
  • Diabetes-Therapie: Eine Überdosis Vertrauen, DocCheck am 5. Dezember 2019
  • Video: Missbrauchsopfer mit Homöopathie und Schamanismus behandeln als „göttliches Projekt“, GWUP-Blog am 3. Dezember 2019

6. Dezember 2019
von Bernd Harder
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Vortrag zu „Alternativmedizin“ in Unterföhring – und die Homöopathen rufen erneut dazu auf, sich lächerlich zu machen

Am Sonntag (8. Dezember) ist der Mediziner und SZ-Wissenschaftsredakteur Dr. Werner Bartens beim „Sonntags-Talk“ der VHS Unterföhring zu Gast.

Mit einer medizinischen Studie soll die Bayerische Staatsregierung klären, ob durch homöopathische Mittel der Einsatz von Antibiotika reduziert werden kann. Dies hat der Landtag Anfang November mit deutlicher Mehrheit beschlossen. Die Kritiker meinen, dass die neue Studie bestenfalls überflüssig sei.

Was ist dran an Homöopathie, TCM, Bach-Blüten und Schüßler-Salzen, aber auch an Yoga und Qi Gong? Gilt der Satz: Wer heilt, hat recht? Was sind Kriterien wissenschaftlicher Evidenz? Was sind fragwürdige Angebote? Und weshalb sind sie problematisch?

Die Veranstaltung im VHS-Zentrum Unterföhring beginnt um 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Die Globuli-Lobby hat dazu einen „Call to Action“ veröffentlicht, ebenso für den Vortrag von Prof. Edzard Ernst heute Abend in Berlin. Irgendwie will man „Flagge für die Homöopathie“ zeigen, was im Grunde nach einem ähnlich peinlichen Aufruf zur unqualifizierten Pöbelei klingt wie vor einem Jahr in Mainz.

Jedenfalls zeigen die Homöopathen schon im Vorfeld ihre übliche Realitätsferne:

Dabei könnte man, liebe Zuckerzauberer, in der Zeit so viel Nützlicheres tun, zum Beispiel:

Zum Hashtag #GlobuliWegBacken geht es hier.

Zum Weiterlesen:

  • Drohungen und Beleidigungen: Wenn Homöopathen plötzlich auf „Opfer“ machen, GWUP-Blog am 14. November 2018
  • Video: „Die Welt der Globuli – Ist Homöopathie mehr als Glaube?“ GWUP-Blog am 6. Dezember 2019
  • Weihnachtsbacken mit Globuli im Deutschlandfunk, GWUP-Blog am 1. Dezember 2019
  • Video: Dr. Lübbers erklärt im BR die Studienlage zur Homöopathie, GWUP-Blog am 1. Dezember 2019
  • Video: Missbrauchsopfer mit Homöopathie und Schamanismus behandeln als „göttliches Projekt“, GWUP-Blog am 3. Dezember 2019

6. Dezember 2019
von Bernd Harder
5 Kommentare

Video: „Die Welt der Globuli – Ist Homöopathie mehr als Glaube?“

Jetzt online: der ORF 1-Talk von gestern Abend (zirka 35 Minuten).

Die Welt der Globuli – Ist Homöopathie mehr als Glaube?

Jeder zweite erwachsene Österreicher vertraut mindestens einmal im Jahr auf die Wirkung von Globuli oder anderen homöopathischen Tröpfchen und Tabletten. Ob Verkühlung, Schmerzen oder schwere Erkrankungen: Für alles finden sich homöopathische Arzneien, die Linderung oder gar Heilung versprechen.

Mit dabei sind Iris Hundertmark und Florian Aigner sowie Michael Frass und die Homöopathin Micha Bitschnau.

Davor gab’s die Doku

Nicht von dieser Welt – Ersatzreligion Esoterik

Das Video (zirka 46 Minuten) findet sich hier.

Zum Weiterlesen:

  • Esoterik-Adventkalender, Tür 6: Grander belebt jetzt auch das Wasser im Heizkörper, derStandard am 6. Dezember 2019
  • Esoterik Adventkalender, Tür 5: Eine steirische „Sonnenhexe“ im Kampf gegen Ebola, derStandard am 5. Dezember 2019
  • Esoterik-Adventkalender, Tür 4: Immo-Optimierung vom Krankenhaus-Wien-Nord-Profi, derStandard am 4. Dezember 2019
  • Esoterik-Adventkalender, Tür 3: Globuli bei unerfülltem Kinderwunsch, derStandard am 3. Dezember 2019
  • Esoterik-Adventkalender, Tür 2: Was die Zukunft bringt, das sagt uns unser Popscherl, derStandard am 2. Dezember 2019
  • Esoterik-Adventkalender, Tür 1: Homöopathische „Impfstoffe“ aus der Apotheke, derStandard am 1. Dezember 2019
  • Glaube an die Globuli: Warum Homöopathie hilft – aber nicht wirkt, vivanty am 5. Dezember 2019
  • Diabetes-Therapie: Eine Überdosis Vertrauen, DocCheck am 5. Dezember 2019