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… denken kritisch seit 1987.

21. Oktober 2019
von Amardeo Sarma
1 Kommentar

Klimawandel: Eine aktuelle Bestandsaufnahme nach Greta, Rezo und Co. – Teil 4

Von Amardeo Sarma

Fortsetzung von Teil 1, Teil 2 und Teil 3

Dies ist der vorläufig letzte Teil meiner Betrachtung des Videos von Rezo und der Faktenchecks von Stefan Rahmstorf über Mai Thi Nguyen-Kim und Medien bis hin zu „Science Skeptical“.

Nach der Bewertung der Grundaussagen zum Klimawandel in Teil 1, Kohlendioxid und Temperaturen in der Vergangenheit in Teil 2 und Naturkatastrophen im Zusammenhang mit dem Klimawandel in Teil 3 geht es im letzten Teil um Lösungsansätze. Was sollen wir tun, was unterlassen?

Lösungsansätze

Fangen wir hiermit an: Muss die Politik nur machen, was „die Wissenschaftler“ sagen? Konkreter: „CDU und SPD müssten einfach nur das machen, was die Wissenschaftler sagen“, meint (Rezo 15:20), um dann festzustellen: „Machen sie nicht“.

Wichtiger ist hier eine weniger wissenschaftliche als vielmehr politische Frage: Wollen wir Politiker, die den Befehlen von Experten aus einem einzigen Bereich blind folgen, ohne Berücksichtigung anderer Faktoren und Interessen sowie wissenschaftlichen Erkenntnisse aus anderen Bereichen?

Seit Teil 1 ist viel Interessantes passiert, und so wird dieser Beitrag auch über die damals laufende Diskussion um Greta Thunberg und Fridays for Future hinausgehen.

Wissenschaft und politische Maßnahmen trennen

Die GWUP fordert seit jeher, dass Politik und Entscheidungsträger wissenschaftliche Erkenntnisse und Fakten bei Entscheidungen zur Kenntnis nehmen sollten.

Das bedeutet, dass sie zum Beispiel im medizinischen Kontext anerkennen, dass die Homöopathie nicht über den Placeboeffekt hinaus wirkt. Oder dass bei Impfungen der Nutzen gegenüber den Risiken um viele Größenordnungen überwiegt.

Daraus folgt weder ein Verbot der Homöopathie noch eine Impfpflicht.

Solche Maßnahmen erfordern nicht nur eine (sozial-) wissenschaftliche Analyse, ob diese Maßnahmen den erwünschten Erfolg haben. Auch weltanschauliche und politische Überlegungen spielen eine Rolle.

Bei Impfungen haben wir das deutlich gesehen: Liberale und Libertäre sehen bei einer Impfpflicht eher die Freiheit bedroht, während für einen Sozialisten/Sozialdemokraten oder Linken (auch Konservative?) notfalls das Gemeinwohl über die Freiheit geht.

Solche Erwägungen sind politisch und weltanschaulich, nicht wissenschaftlich.

Nebenbei: Ich persönlich bin von einer Impfpflicht aus der Überlegung abgerückt, dass eine Impfpflicht wenig effizient und andere Maßnahmen sinnvoller und wirksamer wären, wie Informationen des Robert-Koch-Instituts nahelegen.

Das Gemeinwohl oder die Interessen Betroffener über die individuelle Freiheit zu stellen, war nicht mein Problem in dieser Frage. Bei Rauchverboten in Gaststätten stellen wir die Interessen der passiv Mitrauchenden über die Freiheit, (in Gaststätten) zu rauchen. Solche Verbote folgen nicht automatisch der Wissenschaft.

Hier hätte man auch aus politischen bzw. weltanschaulichen Gründen die Freiheit der Raucher trotz des Wissens über die Gesundheitsschäden für Passivraucher stärker gewichten können. Wichtig: Eine solche Entscheidung muss dann auch politisch begründet werden und nicht mit der pseudowissenschaftlichen Behauptung, Passivrauchen sei unschädlich.

Gilt die Trennung auch in Sachen Klima?

Gehen wir zurück zu einem sehr interessanten Vortrag des schwedischen Skeptikers Sven Ove Hansson auf dem letzten World Skeptics Congress 2012 in Berlin, wo er genau das nahelegte und forderte.

Meine Rekonstruktion von Ove Hanssons Vorschlages zur Trennung der Bereiche.

Aus der Wissenschaft brauchen wir Aussagen über Erkenntnisse und Fakten, wobei wir selbstverständlich – wie der IPCC es als Zusammenfassung tut – auch die Unsicherheiten benennen.

Das gilt für Aussagen über das Klima und über die Wirkung und Nebenwirkung aller Energieträger. Bei der fossilen Verbrennung kennen wir sowohl die mittel- und langfristigen Probleme der globalen Erwärmung als auch die Gesundheitsschäden durch die Luftverschmutzung, an der (derzeit!) 2 Millionen Menschen im jährlich vorzeitig sterben.

Als Entscheidungshilfe für die Alternativen, von Kernenergie und Wasserkraft über Solar- und Windkraft sowie Geothermie bis hin zu CCS (Kohlenstoffabscheidung und Speicherung) und BECCS (CCS mit Bio-Energie), brauchen wir ebenfalls Angaben über ihr Potential, die Rahmenbedingungen und ihre jeweiligen Nebenwirkungen.

Auf Grundlage dieses Materials können Entscheidungen getroffen werden. Wie unser Energiemix in Zukunft aussehen soll, folgt nicht automatisch aus wissenschaftlichen Aussagen.

Ideal wäre es, wenn für Entscheidungen solche Aussagen und der Stand der Wissenschaft ohne Wenn und Aber ins Kalkül genommen werden. Dann sollten aber die politischen und weltanschaulichen Motive für eine Entscheidung transparent gemacht werden.

Was wollen wir? Was ist unser Zielvorstellung? Worauf beruht unsere Gewichtung wissenschaftlicher Aussagen? Welche politischen oder gesellschaftlichen Präferenzen stehen dahinter?

Das Ziel in diesem Prozess sollte sein, die Entscheidungsgründe transparent zu machen, und nicht wissenschaftliche Aussagen so zu verbiegen und „die Wissenschaft“ vorzuschieben.

Wissenschaft und Aktivismus beim Thema Klima

Grundsätzlich sind Wissenschaftler und ihre Befürworter auch Bürger mit dem Recht, sich politisch zu betätigen. Selbstverständlich können sie als Bürger auch politische Forderungen stellen, die sich auf klare wissenschaftliche Erkenntnisse berufen.

Es wird nur dann zu einem Problem, wenn jemand vorgibt, wissenschaftlich zu agieren, die politische Tätigkeit aber gleichzeitig auch andere Ziele oder Agenden verfolgt, ohne diese transparent zu machen. Möglicherweise ist das vielen noch nicht einmal bewusst, was die Sache nicht besser macht.

Unterschriften sind schnell hergeholt. Nehmen wir als Vergleich die auch als Oregon Petition bekannte Sammlung von Unterschriften gegen den Konsens im Klimawandel. Auch dort fehlte die Kompetenz in Sachen Klima.

Nehmen wir die 26.000 Unterzeichner der Stellungnahme von Scientist4Future. Würden alle Unterzeichner in der Eile, mit der diese Erklärung gestrickt worden ist, wirklich zu 100 % alles unterschreiben, was darin steht? Dabei ist nur ein sehr kleiner Teil davon Klimawissenschaftler.

Die Oregon-Petition wurde zu Recht kritisiert. Warum – bei gleichen Voraussetzungen – nicht die Erklärung der 26.000?

Zur Stellungnahme selbst: Es ist völlig in Ordnung, die Dramatik der Situation anhand des Konsenses der Wissenschaft darzustellen und ein Handeln nahezulegen.

Problematisch ist, wenn hier spezifische Handlungsmaßnahmen gefordert werden:

Ohne tiefgreifenden und konsequenten Wandel ist ihre Zukunft in Gefahr. Dieser Wandel bedeutet unter anderem: Wir führen mit neuem Mut und mit der notwendigen Geschwindigkeit erneuerbare Energiequellen ein. Wir setzen Energiesparmaßnahmen konsequent um. Und wir verändern unsere Ernäh­rungs-, Mobilitäts- und Konsummuster grundlegend.

Stellungnahme Scientists for Future

Fast alles an diesen Forderungen ist politisch und setzt bestimmte Weltanschauungen und Zukunftsvisionen voraus. Sie sind weder alternativlos noch Konsens, weder in der Gesellschaft noch in der Wissenschaft, wobei die Energiesparmaßnahmen am unumstrittesten sein dürften.

Dabei kann man sehr wohl solche Forderungen erheben, wenn man sie klar als weltanschaulich motiviert darstellt und die Gründe uns mit den eigenen Zukunftsvisionen erläutert. Wenn man sie allerdings als wissenschaftlich begründet darstellt, ist das einfach nicht in Ordnung.

Technologiegläubigkeit?

Im Nachhinein lässt mich Rezos Aussage „Die Wissenschaft sagt, es ist alles machbar!“ (Rezo 14:27) den Kopf schütteln.

Selbst einem Possibilisten und Technophilen wie mir geht das viel zu weit. Es ist eben nicht alles machbar, und wir haben sehr, sehr schwierige Lösungswege vor uns, die teils kombiniert werden müssen. Natürlich nur, wenn wir es ernst damit meinen, kohlenstoffneutral zu wirtschaften.

Interessant in der Diskussion ist, dass der Vorwurf der Technologiegläubigkeit an diejenigen gerichtet wird, die Alternativen zu den „erneuerbaren“ Energien unterstützen, befürworten oder gar nur in Erwägung ziehen. Dabei werden viele dieser Alternativen seit vielen Jahrzehnten eingesetzt.

Norbert Aust hat in seinem Beitrag im Skeptiker 3/2019 dargelegt, dass es Batterien und andere Formen der Energiespeicherung sind, die weit von einem großflächigem Einsatz entfernt sind.

Offenbar wird mit zweierlei Maß gemessen. Wenn es um schon erprobte Verfahren zur erheblichen Minderung des nuklearen Abfalls geht, wird von „Technologiegläubigkeit“ gesprochen.

Wenn dagegen darauf hingewiesen wird, dass Lösungen wie das Speichern von Energie noch in den Kinderschuhen stecken, heißt es, wir seien viel zu „negativ“ und glaubten nur nicht fest genug an die „Erneuerbaren“.

Alternativlose Energiewende?

Rezo und andere in Deutschland und Kalifornien scheinen eine Zukunft mit 100 % erneuerbarer Energie als sinnvoll und möglich darzustellen. „Die Wissenschaft“ sage dies.

Die Anzahl der Alternativen ist allerdings groß und hängt mit Präferenzen und Vorstellungen über die Zukunft zusammen.

Fangen wir radikal an: Ab 2025 verwendet Deutschland keine fossilen Brennstoffe mehr. Das würde einen sofortigen Stopp der Emissionen bedeuten, wobei man auch Maßnahmen ergreifen müsste, zumindest keine zusätzlichen Emissionen durch Importe zu verursachen.

Möglicherweise könnte man auch andere Länder zu einem solchen Schritt bewegen und den weltweiten Anteil der emissionsfreien Energie steigern.

Allerdings beneide ich die Politik nicht, die (siehe Gelbwesten in Frankreich) den anschließenden politischen Aufruhr durch die Herabsetzung der Lebensstandards und Chaos bei vielen Dienstleistungen bewältigen müssten.

Es geht also, und das war der Normalzustand vor der industriellen Revolution. Die Frage ist nur: zu welchem Preis?

In der Realität wird die Antwort irgendwo zwischen einem radikalen Abschalten und „Weiter So“ liegen. Und hier wird es eine Rolle spielen, was wir der Bevölkerung zumuten wollen und können.

Wollen wir eine Lösung mit erheblicher Zerwürfnissen oder eine Lösung, bei der der Wohlstand weltweit sogar steigt, selbst wenn am Ende zunächst eine höhere globale Temperatur die Folge ist?

Das sind politische Fragen, für die es alles andere als eine klare Antwort gibt. Diese Antwort kann „die Wissenschaft“ nicht entscheiden.

Unterschiedliche Zukunftsentwürfe

Lösungen müssen nicht nur technisch, sondern auch gesellschaftlich und politisch umgesetzt werden. Das werden wir auch bei Fragen der Entwicklung (in Asien und Afrika), des Wohlstandes und der Gerechtigkeit mit in Betracht ziehen müssen.

Und hier gibt es tatsächlich weltanschaulich ganz verschiedene Ansätze, wie verschiedene Gruppen das gleiche Problem angehen wollen. Das hat viel mit Weltanschauung und wenig mit Wissenschaft zu tun.

Matthew Nisbet: Naomi Klein or Al Gore? Making sense of contrasting views on climate change. The Conversation, 6. Oktober 2014.

Matthew Nisbet unterscheidet hier ökologische Aktivisten, „smarte“ Wachstumsreformer und Ökomodernisten.

Scientists4Future sehen das Problem ähnlich wie ökologische Aktivisten, indem sie Kapitalismus und Konsum als das Problem betrachten, das die Kapazität des Planeten überschritten hat. Sie wollen kleine Lösungen, gespickt mit Verzicht und Austerität. Ein wenig CO2-Steuer kommt noch hinzu.

Viele europäische Maßnahmen der letzten Zeit, darunter Emissionshandel und CO2-Bepreisung, folgen eher dem „neoliberalen“ Marktansatz der „smarten“ Wachstunsreformer. Sie wollen nachhaltigem Wachstum Marktanreize geben und machen „Leugner“ für den derzeitigen Missstand verantwortlich.

Ökomodernisten sehen Klimawandel als ein ernstes Problem an, dem aber ohne Beeinträchtigung von Wohlstand und Freiheit der Menschen mit technologischen Innovationen und einer Gesellschaft mit erhöhter Widerstandsfähigkeit zu begegnen ist. Sie halten Innovationen und überhaupt Maßnahmen gegen den Klimawandel für eine staatliche und überstaatliche Aufgabe und bezweifeln die Wirksamkeit von Marktmechanismen.

Jeder wird vermutlich irgend eine Mischform dieser Überzeugungen haben.

Ich mache kein Hehl daraus, dass ich aus politischen und weltanschaulichen Gründen am ehesten den ökomodernistischen Ansatz bevorzuge. Andere Wissenschaftler und auch GWUP-Mitglieder werden vermutlich ihre jeweils eigene Einstellung zum Problem und eine Vorstellung der künftigen idealen Welt haben.

Dennoch sollten ökologische Aktivisten, „smarte“ Wachstumsreformer und Ökomodernisten in der Lage sein, wissenschaftliche Erkenntnis und Fakten von Lösungen auf Basis weltanschaulicher Präferenzen zu unterscheiden.

Sie sollten nicht das eine für das andere ausgeben.

GWUP: Diskussion um Fakten und den Stand der Wissenschaft

Hier sind wir wieder bei einer Frage, die in den Bereich Wissenschaft und kritisches Denken und somit in den Bereich der GWUP fällt.

Zunächst: Was sollte die GWUP nicht tun? Sie sollte sich vom „Sollen“ zurückhalten. Konkret Forderungen an die Politik, wie es sie in der GWUP-Anfangszeit nur im Bereich der Pseudomedizin gab, sollten passé sein.

Für die GWUP und andere an Wissenschaft orientierte Personen und Organisationen gibt es dennoch ein starkes Mittel, um Entscheidungen zu beeinflussen: Alle Entscheidungen und Maßnahmen werden Folgen haben, die hervorgehoben werden können.

Sowohl Fakten und der Stand der Wissenschaft wie auch die Folgen des Tuns und Nichttuns werden in der Zeitschrift Skeptiker, auf SkepKons und auch hier im Blog behandelt.

Gerade der momentane Aktivismus mancher Klimaforscher sollte zu denken geben: Neben Wissenschaft spielen bei Handlungsempfehlungen, wie bei Scientists for Future, immer Weltanschauungen und politische Präferenzen mit.

Wenn die GWUP – aber auch andere – als ehrlicher Ratgeber auftreten wollen, können sie nicht Lösungen anbieten, bei denen es nur so von Ideologie oder Weltanschauung trieft.

Kurz: Die GWUP könnte nie Scientists4Future beitreten.

Viel besser macht es die Organisation, die auch viel mehr Kompetenz und Gewicht besitzt: der IPCC. Dieser macht es anders als Scientists4Future: „Wenn Ihr das 1,5-Grad-Ziel einhalten wollt, dann gibt es diese vier Szenarien, um das Ziel zu erreichen.“

Ganz nebenbei, weil die Diskussion den IPCC oft falsch interpretiert wird: Er gibt das 1,5 Grad Ziel nicht vor. Er sagt lediglich, welche Szenarien es zur Erreichung dieser Ziele gibt, und unterscheidet diese sogar nach unterschiedlichem Energiebedarf.

Zurück zu den Lösungsansätzen

Bevor wir auf die Vorschläge in dem Rezo-Video eingehen, sollten wir die drei Handlungskomplexe zur Eindämmung des Klimawandels betrachten, die auch der Weltklimarat IPCC behandelt.

Es geht um Abmilderung (engl: mitigation), meist als Vermeidung bezeichnet, Anpassung und Gegensteuerung. Die zwei letzten, aber immens wichtigen Handlungskomplexe wurden nach anfängliche Abwehrreaktionen aufgenommen.

Vermeidung

Der wohl immer noch wichtigste – wenn auch bei weitem nicht einzige Maßnahmenkomplex ist die Vermeidung von Emissionen, die zur Erwärmung führen.

Hier sei laut Rezo alles machbar (Rezo 14:27) und er empfiehlt Wind-, Wasser- und Solarenergie als den Weg (Rezo 15:00).

Bei solchen Szenarien mit 100 % Erneuerbaren wird oft auf die umstrittenen Arbeiten von Mark Jacobson von Berkeley hingewiesen. Clack et al. haben in einer Replik im Journal PNAS zahlreiche Fehler und unhaltbare Annahmen und Prämissen festgestellt. Auch im Internet gibt es gute und detaillierte Abhandlungen darüber.

Volker Quaschning ist ebenfalls nicht stellvertretend für einen Konsens in der Wissenschaft. Dass er für Solar- und Windkraft aufgrund seines Auftrages für etwas zu sein wirbt, ist verständlich. Auf die Problematik solcher Ansätze hat Norbert Aust auf der SkepKon 2019 berichtet.

Die Behauptung, dass „die Wissenschaft“ das einhellig so sieht, ist weit von der Realität entfernt.

Der Weltklimarat IPCC – der einer Konsensposition weit näher ist – sieht eine Kombination von Wind-, Solar-, und Wasserenergie sowie, CCS, BECCS und Kernenergie für alle vier Szenarien, um das 1,5oC Ziel zu erreichen.

Anpassung

In Teil 3 schrieb ich bereits, dass Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel sogar ohne den Klimawandel Sinn machen.

Sie sind auch deswegen wichtig, weil wir auch bei einem sofortigen Stopp der Emissionen eine veränderte Umwelt bekommen und die Beschränkung des globalen Temperaturanstiegs auf 1,5oC ohnehin nicht mehr erreichen werden.

Die überarbeitete Ausgabe von Mark Lynas‘ Buch „Six Degrees“ wird auch die Veränderungen bei 1,5oC neben 1, 2, 3, 4, 5 und 6 Grad aufnehmen. Das sind die jeweiligen Welten, auf die wir uns vorbereiten müssen.

Mark Lynas: Six Degrees: Our Future on a Hotter Planet. Harper Collins e-books

Die erforderlichen Anpassungen umfassen unter anderem die folgenden Punkte:

  • Bei Nutzpflanzen Anpassung an Dürre, Überflutung und salzhaltiges Wasser neben dem Schutz vor Schädlingen, wozu die neueste Pflanzentechnologien und eine verbesserte Agrarpraxis beitragen können. Das Ziel wäre die Sicherung der Welternährung unter verschärften Bedingungen. 
  • Gegen die Ausbreitung von Krankheiten wie Malaria (siehe Teil 3) können auch jetzt mehr Investitionen in Prävention und Forschung helfen.
  • Besserer Schutz vor Naturkatastrophen.
  • Schutz der Bevölkerung bei einem Anstieg des Meeresspiegels, wozu neben Schutzwällen und weniger Bauten in der Küstenregion auch eine rechtzeitige Umsiedlung gehören.

Gegensteuerung

Das Verfahren BECCS trägt nicht nur zur Vermeidung von Emissionen bedeutsam, es sorgt sogar für negative Emissionen, indem es Kohlendioxid wieder aus der Luft holt.

Aber auch andere Verfahren, wie künstliche Photosynthese, können Kohlendioxid wieder auf der Luft saugen. Hier müssen wir andere als die natürlichen Verfahren überlegen, um Kohlenstoff dem Erdboden zurückzuführen.

Selbst Verfahren zur Erhöhung der Albedo (mehr Licht von der Sonne wird ins All zurückgestrahlt), die durchaus ihre Probleme haben, könnten für eine gewisse Zeit erforderlich sein.

Ein solches Verfahren ist, Schwefeldioxid (Aerosole) in die Stratosphäre zu bringen, um damit die Wolken heller zu machen und mehr Licht von der Sonne zu reflektieren.

Wikipedia gibt einen guten Überblick für solche Verfahren, die unter der Überschrift „Geoengineering“ gehandelt werden.

Wie also weiter?

Der Klimawandel ist ein vertracktes, extrem komplexes Problem. Die Handlungsoptionen sind vielfältig und erweitern sich ständig.

Die Lösung gibt es nicht. Die deutschen Bundesregierungen unter Rot, Grün, Schwarz und Gelb in verschiedenen Kombinationen sind mit der Energiewende kaum vorangekommen.

Klar ist, dass der Horizont der Möglichkeiten auch über Vermeidung des CO2-Ausstoßes hinaus erweitert werden muss. Dazu gehört es auch, sich ernsthafte Stimmen in einem rationalen und wissenschaftlich orientierten Austausch anzuhören.

Die Bundesregierung wäre gut beraten, eine Bestandsaufnahme der Maßnahmen sowie der damit erfolgten Erfolge und Misserfolge durchzuführen. Berater sollten Berater und keine Aktivisten sein.

Es gibt den IPCC, der gute Arbeit leistet. Etwas Vergleichbares in Europa, aber ohne deutschen Tunnelblick, würde auch Deutschland und Europa gut zu Gesicht stehen.

Zum Weiterlesen:

18. Oktober 2019
von Bernd Harder
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Neue Broschüre der AAS: „Wissen, was wirklich gespielt wird …“ – Widerlegungen für gängige Verschwörungstheorien

Die Amadeu Antonio Stiftung hat eine neue Broschüre zum Thema Verschwörungstheorien herausgegeben:

Wissen, was wirklich gespielt wird … Wiederlegungen für gängige Verscwörungstheorien

Verschwörungstheorien richten sich in ihren Forderungen gegen die Grundwerte liberaler Demokratien und die individuellen Menschenrechte. Vermeintlich wird Kritik geübt, doch in Wirklichkeit werden komplexe Zusammenhänge auf das Wirken einzelner Personen oder Gruppen reduziert.

Verschwörungstheorien entwerfen ein apokalyptisches Bild, aus dem es nur einen Ausweg zu geben scheint: den Kampf der Guten gegen die „Verschwörung“.

Diese Handreichung soll dabei helfen, Verschwörungstheorien zu widerlegen und ihre Verbreitung einzudämmen. Dazu wurden acht aktuell populäre Verschwörungstheorien zusammengestellt, die in ihnen enthaltenen Missverständnisse, Lügen und Desinformationen aufgedeckt und ihnen mit Fakten begegnet.

Die Publikation steht als PDF zum Download bereit oder kann per Post bestellt werden.

Zum Weiterlesen:

  • Wiederlegungen für gängige Verschwörungstheorien, Belltower News am 17. Oktober 2019
  • Shell-Studie 2019: Mehrheit der Jugendlichen glaubt, die Regierung verschweige „die Wahrheit“, Spiegel-Online am 15. Oktober 2019
  • Halle: „Antisemiten glauben an eine Weltverschwörung aus Juden und Nichtjuden“, GWUP-Blog am 12. Oktober 2019
  • Neu erschienen: Eine Anleitung zum Widerspruch von der „Besorgten Bürgerin“, GWUP-Blog am 9. Oktober 2019
  • Verschwörungstheorien: „Toxischer“ vs. gesunder Zweifel, GWUP-Blog am 29. April 2019

18. Oktober 2019
von Bernd Harder
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„Wertloses Stück Papier“: der First Report vom NHMRC

Nach dem INH hat jetzt auch Dr. Norbert Aust noch einmal ausführlich den „Ersten Bericht“ des australischen NHMRC kommentiert, in dem die Homöopathen „ermutigende Evidenz“ gefunden haben wollen:

Sein Fazit:

Das vom NHMRC veröffentlichte Dokument, das von den Homöopathen als „First Report“, vom NHMRC als „Draft Report“ bezeichnet wird, ist wissenschaftlich gesehen ein wertloses Stück Papier, das noch nicht einmal einen Namen eines Autors trägt, der zu dem Ergebnis stünde.

Außerdem hat Aust einen Gastbeitrag im aktuellen Newsletter der britischen Organisation „HealthWatch“ publiziert:

Hier geht’s zum kostenlosen Download.

Zum Weiterlesen:

  • NHMRC-Report: Homöopathen endgültig auf dem Weg in die Verschwörungstheorie, GWUP-Blog am 14. Oktober 2019
  • „Release the first report!“ Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 17. Oktober 2019
  • „Süßes oder Saures!“ – Der Homöopathie-Streit der Grünen, hpd am 18. Oktober 2019

16. Oktober 2019
von Bernd Harder
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Nachgefragt-Podcast: „Braune Esoterik“ mit Holm Hümmler

Neu im Nachgefragt-Podcast: Dr. Holm Hümmler über „Braune Esoterik“.

In dieser Folge geht es um die beunruhigenden Überlappungen zwischen Esoterikszene, insbesondere im Umfeld von Verschwörungsmythen, und rechtsextremen Strömungen. Holocaust-Leugner, Verschwörungsschwurbler und Vertreter randständiger Parteien geben sich hier die Klinke in die Hand und greifen auf esoterische Ideen zurück, um rechtsextreme Botschaften zu verbreiten und salonfähig zu machen.

Verwendet werden esoterische Angebote aller Art, von Alternativmedizin über Verschwörungstheorien bis hin zur Pseudophysik. Besonders deutlich wird diese Verbindung von extremistischer Ideologie und Esoterik bei mehr oder weniger professionellen Internet-Videokanälen.

Dabei machen sich die Produzenten zunutze, dass die in Verschwörungsmythen häufig mitgelieferte Sündenbocktheorie ein guter Nährboden für rechtsextreme politische Überzeugungen ist.

Der Physiker, Buchautor und Skeptiker Holm Hümmler gibt einen Überblick über die erfolgreichsten Kanäle und wirft einen Blick auf die Gründe, warum das rechtsextreme Milieu auf esoterische Ideen zurückgreift.

Zum Weiterlesen:

  • NGF027: „Braune Esoterik“ vom 15. Oktober 2019
  • Halle: „Antisemiten glauben an eine Weltverschwörung aus Juden und Nichtjuden“, GWUP-Blog am 12. Oktober 2019
  • Holm Hümmler: Verschwörungsmythen. Wie wir mit verdrehten Fakten für dumm verkauft werden. Hirzel 2019, 224 Seiten, 19,80 €
  • Der kaum beachtete Rechtsextremismus – Braune Esoteriker, Reichsbürger und Verschwörungstheorien, sektenwatch am 6. März 2017
  • Video: Anastasia-Bewegung – Rechtsesoterik in einer verkitschten Wahnwelt, GWUP-Blog am 12. April 2019
  • SkepKon-Video: Rechte Esoterik im Internet, GWUP-Blog am 6. Januar 2019

16. Oktober 2019
von Bernd Harder
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Video: „Streit um die Impfpflicht“ heute bei ZDFzoom

Heute Abend (16. Oktober, 22.45 Uhr) bei ZDFzoom:

Streit um die Impfpflicht

Die Masern-Impfung ist wichtig – doch ist deshalb eine Impfpflicht richtig?

Auch viele Impf-Befürworter wollen keinen Zwang. Es zähle das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. Praktiker wie der Arzt Stephan Nolte befürchten eine Spaltung der Gesellschaft, und Verhaltensforscherin Cornelia Betsch stellte fest, dass bei einer Impfpflicht gegen Masern andere Impfungen zu kurz kommen.

„ZDFzoom“ trifft Kritiker des neuen Impfgesetzes und konfrontiert Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mit den Argumenten der Gegner.

Das Video ist bereits online (zirka 28 Minuten).

Zum Weiterlesen:

  • Impfgegnerargument failed: „Die Todesrate ist auch ohne Impfen gesunken“, Susannchen braucht keine Globuli am 18. Februar 2019
  • „Klartext Impfen“ – Susannchens Buchempfehlung, Susannchen braucht keine Globuli am 26. September 2019
  • Masernschutzgesetz: Belastung oder Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes? Gesundheits-Check am 11. Oktober 2019
  • Masernschutzgesetz: Ab 2020 gilt die Impfpflicht, GWUP-Blog am 17. Juli 2019
  • Impfgegner-Demo in Berlin: „Am Straßenrand viel Kopfschütteln“, GWUP-Blog am 16. September 2019
  • Die Grippe. Die echte! INI am 25. September 2019

15. Oktober 2019
von Bernd Harder
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Homöopathie: „Nur 20 Millionen“ ist kein ökonomisches Argument, Herr Spahn

Beim INH nimmt heute die Gesundheitsökonomin Prof. Tina Salomon von der Apollon Hochschule der Gesundheitswirtschaft in Bremen Stellung zu Jens Spahns „so okay“ in Sachen Homöopathie-Erstattung.

[Tina Salomon] hat unseren Offenen Brief an Minister Spahn mitunterzeichnet. Aus diesem Anlass hat sich ein Austausch ergeben, als dessen Ergebnis wir heute einen Gastartikel von ihr zum „20 Millionen Euro-Statement“ veröffentlichen dürfen, der deutlich macht, wie sehr Herr Spahn sich mit seiner Nonchalance im Grunde außerhalb des wirklichen Problemkontextes bewegt, um nicht zu sagen, diesen zugunsten einer hemdsärmelig daherkommenden „Ministerentscheidung“ ignoriert.

Zum Weiterlesen:

  • Von wegen, „so okay“, Herr Spahn! – Ein Gastbeitrag von Pharmaökonomin Prof. Dr. Tina Salomon, INH am 15. Oktober 2019
  • Offener Brief an Gesundheitsminister Spahn zur Fortgeltung der Erstattung von Homöopathie in der GKV, INH am 18. September 2019
  • Homöopathie: It’s not ok, Jens Spahn, GWUP-Blog am 28. September 2019
  • Grüne und Homöopathie: Vorstand will keinen Globuli-Streit, taz am 15. Oktober 2019
  • Die Grünen und die Forschung: Wie haltet ihr es mit Wissenschaft? FAZ am 15. Oktober 2019

14. Oktober 2019
von Bernd Harder
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NHMRC-Report: Homöopathen endgültig auf dem Weg in die Verschwörungstheorie

Man könnte jetzt so viele Witze über den Realitätsverlust und die Verzweiflung der Globuli-Lobby machen – aber lassen wir das und geben nur die Fakten wieder:

Vor vier Tagen gab der „Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte“ (DZVhA) eine Presseerklärung mit dem Titel „Ermutigende Evienz für die Homöopathie“ heraus.

Was war geschehen? Hatte endlich ein Homöopath das „Wassergedächtnis“ oder die Existenz von „geistartigen Kräften“ belegt und dafür den Medizin-Nobelpreis 2019 bekommen?

Äh nein – stattdessen zogen die Zuckerzauberer sich einmal mehr an dem sogenannten „Australischen Report“ (NHMRC-Review von 2015) hoch und behaupteten erneut, es gäbe von dieser Meta-Analyse eine frühere Version, die aber „unter Verschluss gehalten“ worden sei, weil diese „ein weit positiveres Bild zur Wirkung der Homöopathie“ zeige als der 2015 publizierte zweite Report.

Erst jetzt, Ende August 2019, sei dieses geheimnisumwitterte Dokument „durch Druck“ von Homöopathie-Fans an die Öffentlichkeit gelangt.

Nun ja.

Alles, was es dazu zu sagen gibt, hat heute das INH veröffentlicht.

Spoiler:

Statt wissenschaftlich solide die Schlussfolgerungen des Reviews 2015 belastbar zu widerlegen, [stochert man] sozusagen im aussortierten Abfall und sucht nach vorgeblichen Indizien – für eine wünschenswerte, aber eben nicht den Tatsachen entsprechende Meinung.

Dass ausgerechnet der wissenschaftlich unsinnige und im Kontext fehlgehende Begriff einer „ermutigenden Evidenz“ auch noch dafür herhalten muss, ist bezeichnend. Was das mit einer wissenschaftlichen Diskussion über eine medizinische Fachfrage zu tun hat, bleibt das Geheimnis des Zentralvereins.

Nun ja, vielleicht ist das die einzige Möglichkeit, eine längst erledigte Frage überhaupt weiter in der Debatte zu halten – und nach über 200 Jahren ohne Wirkungsnachweis nach „mehr Forschung“ zu rufen. Ist das nicht eher nach einem Weg in Richtung Verschwörungstheorie, weg vom ernsthaft geführten wissenschaftlichen Diskurs?

Wir wünschen gute Reise.

Im Sommer gab es dazu schon mal einen Twitter-Thread.

Übrigens haben die tapferen Kämpen für den Schüttelnonsens heute tatsächlich einen Preis gewonnen:

Hevert darf sich über den „Goldenen Aluhut“ 2019 freuen.

Zum Weiterlesen:

  • „Release the first report!“ Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 17. Oktober 2019
  • Der „unterdrückte erste Report“ des NHMRC – Quelle von „ermutigender Evidenz“? INH am 14. Oktober 2019
  • Homöopathie: Brauchen wir „mehr Forschung“? GWUP-Blog am 8. August 2010
  • Lustig: Hevert-Geschäftsführer kann „keine fundierten Aussagen“ zur Homöopathie machen, GWUP-Blog am 1. Juli 2019
  • Homöopathie international: Die Reviews / die Statements / die Maßnahmen, Keine Ahnung von Garnix am 1. Juli 2018
  • Homöopedia: Systematische Reviews zur Homöopathie – Übersicht
  • Studie aus Australien: Homöopathie nicht besser als Plazebo, FAZ am 9. April 2014

14. Oktober 2019
von Bernd Harder
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Homöopathie: „Gift für die Grünen“ in der taz

Heute auch in der taz:

Grüne und Homöopathie

Paula Piechotta hält Homöopathie – kurz gesagt – für teuren Humbug. „Wir Grüne verweisen stets auf die Wissenschaft, wenn es gegen Klimaleugner geht“, sagt Piechotta, Ärztin an der Uni-Klinik Leipzig und im dortigen Grünen-Kreisvorstand aktiv. „Deshalb müssen wir uns auch anderswo klar gegen Esoterik und Wissenschaftsfeindlichkeit positionieren.“ Wissenschaftsferne Positionen, sagt Piechotta, „schrecken viele Menschen ab, die uns gerne wählen würden.“

Aber:

Für die Grünen ist das eine Lose-Lose-Situation. Eigentlich spricht nichts dafür, Kassen für Zuckerkügelchen zahlen zu lassen. Aber wer das offen sagt, zieht die Wut einer großen Fangemeinde auf sich. Der Kampf um die Globuli steht dabei für ein tieferes Problem. Teile der Grünen-Anhängerschaft neigen bei manchen Themen zur Esoterik […]

Die Grünen-Spitze hat erkannt, wie unschön eine Zuspitzung auf dem Parteitag im November wirken könnte. Die Vorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck sollen beklatscht und neu gewählt werden, ein ausführlicher Antrag zu Wirtschaftspolitik steht auf dem Programm. Böse Schlagzeilen über einen Homöopathie-Streit würden da nur stören. Bundesgeschäftsführer Michael Kellner arbeitet derzeit hinter den Kulissen daran, die Kontrahenten zu versöhnen – mit dem Ziel, eine Abstimmung auf dem Parteitag zu vermeiden.

Zum Weiterlesen:

  • Grüne und Homöopathie: Glaubenskrieg um Globuli, taz-online am 13. Oktober 2019
  • Homöopathie und ein „Kernproblem grüner Politik“, GWUP-Blog am 12. Oktober 2019
  • Die Homöopathie-Lobby souffliert grüne Delegiertenanträge, Gesundheits-Check am 5. Oktober 2019

14. Oktober 2019
von Bernd Harder
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Kortizes und GWUP bei der Langen Nacht der Wissenschaften in Nürnberg

Das Institut Kortizes und die GWUP-Regionalgruppe Mittelfranken bespielen bei der „Langen Nacht der Wissenschaften“ am Samstag (19. Oktober) in Nürnberg die Stadtbibliothek am Gewerbemuseumsplatz.

Los geht’s um 18 Uhr im Foyer mit Experimenten und Mitmach-Aktionen der Skeptiker unter dem Motto „Unerklärlich? Übersinnlich? Kritisch denken!“

Das Vortragsprogramm bestreiten parallel dazu:

  • Wolfgang Hund (19.15 Uhr und 22.15 Uhr): „Vielfältige Wissenschaft – Bezaubernde Irrtümer“

Seit jeher nutzten Magier naturwissenschaftliche Phänomene aus, um beim „gemeinen Volk“ den Anschein zu erwecken, übernatürliche Fähigkeiten zu besitzen. Gilt dies heute auch noch? Entscheiden Sie selbst, ob wirklich echt ist, was Wolfgang Hund, Seminarrektor und Zauberkünstler, vorführt.

  • Helmut Fink (20 Uhr und 23 Uhr): „Ludwig Feuerbach – ein Freidenker aus Franken“

Der Philosoph Ludwig Feuerbach (1804–1872) war einer der bedeutendsten Religionskritiker des 19. Jahrhunderts. Helmut Fink, Vorsitzender der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft und Direktor der Akademie für säkularen Humanismus, erläutert Leben und Werk des Denkers.

  • Bernd Harder (20.45 Uhr und 23.45 Uhr): „Die Ufo-Schlacht von Nürnberg“

Am 14. April 1561 beobachtete der Drucker Hans Wolff Glaser einen Luftkampf zwischen unbekannten Flugobjekten über Nürnberg. Der Vorfall wurde auf einem kolorierten Flugblatt festgehalten, das sich in der Zentralbibliothek Zürich befindet. UFO-Battle? Oder eine Urban Legend der frühen Neuzeit? Bernd Harder, Journalist und Blogger, hat nachrecherchiert.

Insgesamt warten mehr als 1000 Programmpunkte in Nürnberg, Fürth und Erlangen auf die Besucher. Das Ticket kostet 15 € (ermäßigt zehn Euro).

Zum Weiterlesen:

  • Lange Nacht der Wissenschaften: So bekommen Sie Karten, nordbayern am 7. August 2019

14. Oktober 2019
von Bernd Harder
2 Kommentare

Der „Popstar der Medizin“ hat jetzt auch sein eigenes Magazin

Zum Thema „Zeitschriften, die die Welt nicht braucht“ …

… verweisen wir zunächst mal auf einen Beitrag, der im März beim Skeptiker-Kolumnisten „Onkel Michael“ erschienen ist:

Besonders die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit ärgert die Fachwelt. So sieht sich Grönemeyer selbst seit Jahren „an der Spitze der internationalen Forschung und Entwicklung“ sowie als Motor einer revolutionären Umgestaltung der Medizin.

Mediziner bemängeln aber, dass er die Ergebnisse seiner Arbeit – anders als im Medizinbetrieb üblich – nicht detailliert und umfassend veröffentlicht. Professoren seines Alters bringen es für gewöhnlich auf Dutzende oder gar Hunderte wissenschaftlicher Aufsätze in renommierten Fachzeitschriften. Statt sich auf diese langweilige Art mit Wissenschaftskollegen inhaltlich auszutauschen, besinnt sich Grönemeyer lieber auf seine wahre Stärke: das Marketing.

Für das neue Magazin der Funke Mediengruppe firmiert Grönemeyer als „Ideengeber und Editor-at-Large“. Im nächsten Jahr sind vier Ausgaben mit je 100.000 Exemplaren geplant.

Der Werbelyrik zufolge soll das Heft „die Bereiche Schulmedizin und Naturheilkunde miteinander vereinen“.

Gespannt schlagen wir also die Gegenüberstellung auf Seite 17 auf: „So heilen Natur- und Schulmedizin“. Allerdings ist in der Spalte „Naturmedizin“ von „Heilung“ gar keine Rede. Sondern von „lindernd“, nochmal „lindernd“, „schmerzlindernd“, „… tun gut“ und „Vorbeugung“.

Na ja, das mag schon sein – aber „gut“ tut so ziemlich alles Mögliche, auch „Thermal- und Moorbäder“ bei einer Spinalkanalstenose, und daher ist dieses „Wissen“ kaum mehr als eine Binse. Entweder hat der Herr Editor-at-Large einfach unpassende Krankheits- und Beschwerdebilder ausgewählt, um die Naturmedizin richtig glänzen zu lassen. Oder aber die Redaktion benennt überraschend ehrlich die Grenzen dieser Heilweisen.

Man weiß es nicht. Möglicherweise soll ja genau dieses Fluide das Konzept der Zeitschrift sein. Braucht dann halt wirklich niemand.

Zum Weiterlesen:

  • Magazin von Funke: Grönemeyer macht Hirschhausen Konkurrenz, wuv am 22. August 2019
  • Ein paar Worte zu Dietrich Grönemeyer, Onkel Michaels kleine Welt am 1. März 2019
  • Grams und Grönemeyer: leider nur über- statt miteinander, GWUP-Blog am 25. Februar 2019
  • Grönemeyer – Der Popstar der Medizin, GWUP-Blog am 19. November 2009
  • Dietrich Grönemeyer bei Psiram
  • Professor Hokuspokus, Der Spiegel 43/2006