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… denken kritisch seit 1987.

20. August 2018
von Bernd Harder
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Psycho-DNA und GSG9: Auch die Human-Resources-Szene redet jetzt über Scharlatane und esoterische Methoden

Wow!

Und nochmal wow – wie diese super-taffe Querdenkerin ohne viel Federlesens einen „Performer“ von einer „Pfeife“ oder gar von einem „Psychopathen“ separiert:

 

Profiler Suzanne Grieger-Langer entführt ihre Zuhörer in die Welt der Geheimdienste und entlässt sie mit leuchtenden Augen – frisch und nachhaltig motiviert, um im Dschungel der Zivilisation Groß(artig)es zu leisten. Sie ist ein weiblicher 007 und wird geliebt, nicht weil sie lieb ist, sondern weil sie tough ist. Sie erklärt den Unterschied von Querdenkern, Psychopathen und Pfeifen. Damit Sie nach dem Querdenker-Tag besser unterscheiden können, wer sie in Leben und Geschäftswelt wirklich weiterbringt […]

Profiler Suzanne Grieger-Langer fordert den Status Quo der Schmuseführung heraus, indem sie Performer von Pfeifen und Psychopathen befreit. Sie sind bei ihr nicht richtig, wenn Ihnen Mittelmaß genügt, sie sind bei Ihr goldrichtig, wenn Sie die Top-Liga entscheidend mitgestalten wollen.“

Ja, ich will – und zwar einfach nicht glauben, dass erwachsene Menschen auf so einen peinlichen Selbstbeweihräucherungs-Schmu reinfallen, gegen den der Sermon einer Maria Duval geradezu hoch seriös rüberkommt.

Zwar gab es hier und da mal sanfte Kritik, etwa 2010 in der Süddeutschen Zeitung („Manche Erkenntnis klingt nach Binse, manche arg konstruiert“).

Dennoch dauerte es bis zum Jahr 2017/2018, ehe die Psychologin und Journalistin Bärbel Schwertfeger den schillerenden Glanzlack von der „selbst ernannten Expertin für Betrugserkennung“ abkratzte und Grieger-Langer als schlichte „Hochstaplerin“ entlarvte.

Dabei ging es um den kräftig aufgehübschten Lebenslauf und die phantasievollen Qualifikationen der „Charakterprofilerin, Dozentin und Autorin“ (Wikipedia) – aber auch um deren Methoden:

Ziemlich absurd klingt ihre Behauptung, den „psychogenetischen Code“ [„PsychoDNA“] einer Person berechnen zu können, ohne mit der Person Kontakt gehabt zu haben. Schon Name, Geburts datum und ein Foto genügten und dann finde sie alles über die Person heraus, erklärte sie bei einem Vortrag. Mit dem so erstellten Charakterprofil wähle sie dann Mitarbeiter und Führungskräfte für Unternehmen aus. Mehr Unsinn geht kaum.“

Oh weia! Wie groß muss eigentlich die Verzweiflung in den Chefetagen deutscher Unternehmen sein, fragt man sich da unwillkürlich?

Darauf geht auch Schwertfeger ein, die in diesem Zusammenhang von „algorithmischen Verirrungen“ spricht:

Selbst wenn davon nur ein Bruchteil stimmen sollte, wäre das ein erschreckendes Armutszeugnis für die Unternehmen und deren Personalmanager. Der Fall ist aber auch symptomatisch für die zahlreichen Selbstdarsteller im Personal- und Weiterbildungsbereich, bei denen übertriebene oder falsche Behauptungen oftmals zum Standard gehören.“

Im Juli scheiterte Grieger-Langer vor dem Landgericht Bielefeld mit dem Versuch, Schwertfeger per einsteiliger Verfügung einige Textpassagen zu untersagen:

Auch die Aussagen „Profilerin mit Hang zur Lüge“ und „Die selbst ernannte Betrugsexpertin entpuppt sich zunehmend als Hochstaplerin“ bemängelt das Gericht nicht und bewertet sie als zulässige Meinungsäußerung. Zudem befänden sich in den Artikeln „ausreichende Textstellen, die unwahre Aussagen der Antragstellerin in Interviews oder ihrer Website belegen“.

Die Ruhrbarone kommentierten:

Letzten Freitag wurde Suzanne Grieger-Langer, selbstbezeichnete Kämpferin gegen (andere) Blender, auch der letzte Zauber genommen.“

Alles gut?

Mitnichten, denn wie war das gleich nochmal mit den „Selbstdarstellern im Personal- und Weiterbildungsbereich, bei denen übertriebene oder falsche Behauptungen oftmals zum Standard gehören“?

Das Problem: Kaum jemanden schien das bislang zu interessieren. Grieger-Langer selbst erklärte bei ihrem Gerichtstermin in Bielefeld forsch, dass die falschen Angaben in ihrem Lebenslauf „niemanden gestört“ hätten.

Sogar bei den „Social Recruiting Days“ am 29./30. Oktober in Berlin sollte die „Charakterprofilerin“ allen Ernstes als Keynote-Speakerin auftreten. Dem Kongress-Veranstalter war die weitreichende Kritik an Grieger-Langer zwar bekannt – schwerer wog allerdings ihr „hoher Entertainment-Faktor“:

Man sähe Frau Grieger-Langer als Entertainment-Keynote, die nicht wissenschaftlich angedacht ist“,

bekam der Blog Personalmarketing 2Null auf Nachfrage mitgeteilt.

Doch Frechheit siegt nicht mehr automatisch. Als auch der Persoblogger die Frage aufwarf,

… inwieweit ein etablierter Veranstaltungsanbieter eine Bühne für hochkontroverse Personen und Methoden bieten sollte“,

ruderte die Quadriga Akademie Berlin GmbH zurück:

Damit setzt Quadriga einen vorläufigen Schlusspunkt unter eine Debatte, die in der Human-Resources-Szene durchaus ihresgleichen sucht“,

schrieb haufe.de

Immerhin. Auch im HR-Bereich wird nun über Pseudos und Pseudo-Methoden diskutiert.

Der Recruiting-Experte Hendrik Zaborowski wurde denn auch gleich mehr als deutlich:

Oder jetzt das sehr prominente Beispiel der geplanten Keynote Speakerin Grieger-Langer, die nach eigenen Angaben auf ihrer Homepage nur den Namen, das Geburtsdatum und ein Foto einer Person braucht, um ein Profiling zu erstellen.

Das ist ja nicht mal mehr Dünnschiss, sondern kann nur bewusste Verarschung sein. Entschuldigen Sie bitte meine für mich unübliche Wortwahl, aber ich finde dafür keine anderen Worte.

Aber: Es funktioniert offensichtlich! Sie wird ja gebucht. U.a. auch für die Social Recruiting Days. Als Keynote Speakerin. Es ist so unfassbar. Und am Ende darf Prof. Dr. Kanning die Scherben aufsammeln.

Haben Sie übrigens schon seinen Youtube-Kanal „15 Minuten Wirtschaftspsychologie“ abonniert? Sollten Sie! Ein Traum!“

Letzterem können wir uns nur anschließen.

Bereits 1999 hat sich die GWUP bei ihrer Jahreskonferenz mit „Parawissenschaften in Management und Fortbildung“ befasst.

Dieses Jahr sprach Prof. Kanning bei der SkepKon in Köln über „Fragwürdige Testverfahren in der Personalarbeit“. Im Skeptiker 4/2017 ging es um unsinnige Methoden der Personalauswahl und Persönlichkeitsanalyse.

Ganz im Sinne unserer aktuellen Standortbestimmung bleiben wir dran an diesem absehbaren Top-Thema des 21. Jahrhunderts – skeptisch natürlich.

Denn auch das esoterische Recruiting berührt ein Kernproblem unserer modernen Welt: die Sehnsucht nach einfachen Antworten auf komplizierte Fragen und Zusammenhänge:

Alle Pseudowissenschaften bieten schnelle Lösungen an und versprechen, dass der Bewerber das Ergebnis nicht manipulieren könne, was ja bei einem Vorstellungsgespräch – wenn auch nur begrenzt – möglich ist. Seinen Schädel oder sein Sternbild kann keiner verfälschen. Das klingt für viele Personaler sehr attraktiv, sie suchen so etwas wie eine geheime Formel, mit der sie Menschen durchschauen können.“

Zum Weiterlesen:

  • Esoterik in Recruiting & Personalauswahl: 5 Gründe gegen Profiler, Physognomen & Hellseher, berufebilder am 15. August 2018
  • Algorithmische Verirrungen, Wirtschaftspsychologie aktuell am 6. November 2017
  • Steinbeis: Fragwürdige Zertifikatslehrgänge, MBA Journal am 19. Dezember 2017
  • Eine zweifelhafte Expertin fürs „Charakter-Profiling“, Über Medien am 3. Mai 2018
  • Grieger-Langer: Profilerin mit Hang zur Lüge, MBA Journal am 28. Mai 2018
  • Grieger-Langer: Transparenzoffensive bestätigt Lügen, MBA Journal am 4. Juni 2018
  • Suzanne Grieger-Langer lügt schamlos weiter, Ruhrbarone am 12. Juni 2018
  • Suzanne Grieger-Langer – chancenlos beim Landgericht, Ruhrbarone am 13. Juli 2018
  • Grieger-Langers Scheitern geht weiter, Ruhrbarone am 8. August 2018
  • Social Recruiting Days: Entertainment-Faktor wichtiger als professionelle Inhalte, Personalmarketing 2Null am 13. August 2018
  • Die Kontroverse um Profilerin Suzanne Grieger-Langer – Stand der Diskussion, Persoblogger am 13. August 2018
  • Kontroverse um Keynote-Speakerin: Programm der „Social Recruiting Days“ geändert, haufe am 14. August 2018
  • Personalauswahl aus der Steinzeit – nix gelernt? hzaborowski am 16. August 2018
  • Uwe Peter Kanning: Computertechnologie in der Personalauswahl, Skeptiker 4/2017
  • Bärbel Schwertfeger/Alexander Todorov: Persönlichkeitsanalyse per Computer: Verzerrte Vorhersagen, unfaire Ergebnisse, Skeptiker 4/2017
  • Bärbel Schwertfeger: „Faception“: Das Comeback einer Pseudolehre, Skeptiker 4/2017
  • Schädeldeuter und Co. – Prof. Kanning bei der Skeptiker-Konferenz, GWUP-Blog am 7. Mai 2010
  • Personalauswahl: „Alles mit KI und Algorithmen ist in“ – aber was bringt es? GWUP-Blog am 15. Mai 2018
  • Neu im „Nachgefragt“-Podcast: Fragwürdige Methoden in der Personalarbeit mit Prof. Kanning, GWUP-Blog am 10. Juli 2018
  • Eignungsdiagnostik: Menschen glauben auch an Astrologie, MBA Journal am 8. August 2018
  • Die Versprechen esoterischer Unternehmensberater, haufe am 28. Juni 2017

19. August 2018
von Bernd Harder
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ZEIT Wissen: Was können wir den Leugnern des Klimawandels entgegenhalten?

Heute bei Zeit-Wissen:

Wie begegnet man Menschen, die mit vermeintlich guten Gründen argumentieren, der Klimawandel sei fragwürdig? Was würden Forscherinnen und Forscher ihnen entgegenhalten? Und was können Sie antworten?“

Es geht um die zehn Fakten:

  1. Der Klimawandel findet statt.
  2. Hinweise lassen keinen Zweifel an der Erderwärmung.
  3. Die Naturgesetze beweisen den Klimawandel.
  4. Die jetzigen Klimaveränderungen sind unnatürlich.
  5. Vulkane sind als CO2-Schleudern unbedeutend.
  6. Kohlendioxid ist das bedeutendste Treibhausgas.
  7. Der Einfluss der Sonne ist nicht entscheidend.
  8. Simulationen haben Defizite, sind aber keine Spekulation
  9. Extreme Wetterereignisse gibt es künftig häufiger.
  10. Der Klimawandel ist keine Verschwörung, sondern Realität.

Dazu gibt’s jeweils drei Unterpunkte:

  • Was der Skeptiker [besser: Leugner] behauptet.
  • Das sagt der Wissenschaftler.
  • Das können Sie sagen.

Den Input für die Antworten bekam Zeit-Redakteurin Alina Schadwinkel von Georg Feulner (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
), Harald Kunstmann (Universität Augsburg, Lehrstuhl für Regionales Klima und Hydrologie
) und Johannes Lüers (Universität Bayreuth, Mikrometeorologie MiSKOR
).

Zum Weiterlesen:

  • Klimawandel erklären? So geht’s, Zeit-Online am 19. August 2018
  • Kachelmanns Donnerwetter: Man müsste den Menschen wieder die Wahrheit sagen – über Klimaanlagen und Homöopathie, GWUP-Blog am 3. August 2018
  • Wieso Klimaskeptiker mit ihrer Blindheit durchkommen, FAZ am 31. März 2017
  • Fakten sind wirkungslos – was wir tun müssen, um „Klimaskeptiker“ zu überzeugen, huffpost am 24. Juli 2017
  • Wie widerlegt man Klima-„Skeptiker“?, klimaretter.info am 28. März 2012
  • Gastbeitrag: „Ich war einmal ein ‚Klimaskeptiker’“, klimafakten am 20. September 2016
  • Klimaberichterstattung: Was Journalisten falsch machen – und wie sie dies ändern können, klimafakten am 13. August 2018
  • „Die Frage: ‚Ist das noch Wetter – oder schon Klimawandel?‘ begleitet mich ständig“, klimafakten am 24. Juli 2018
  • Klimafakten und Emotionen: „Der Eisbär ist jetzt auch schon so ein bisschen ausgelutscht“, GWUP-Blog am 26. März 2018
  • NGF013: Klimawandel und Landwirtschaft vom 21. Mai 2018

19. August 2018
von Bernd Harder
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Natalie Grams: „Auch 175 Jahre nach Hahnemanns Tod kommt Heilung nicht von Nichts“

Auch das Schweizer Magazin doppelpunkt kommt diese Woche mit einer Titelgeschichte zum Thema Homöopathie heraus.

Dr. Natalie Grams hat dazu den Artikel „Mein Weltbild begann zu schwanken“ beigesteuert. Er kann (nach einer Registrierung) als kostenlose Leseprobe hier heruntergeladen werden.

Für doppelunkt habe ich mich von Samuel Hahnemann, dem Begründer der Homöopathie, verabschiedet. Zu seiner Zeit hat er es gut gemeint, heute wissen wir, dass und worin er sich getäuscht hat. Und können uns von der Homöopathie getrost verabschieden.“

Zum Weiterlesen:

  • „Mein Weltbild begann zu schwanken“, doppelpunkt 33/2018
  • GWUP-Thema: Homöopathie – Der Ursprung (Samuel Hahnemann)
  • Chinarinden-Versuch? Ähhhh, naja, nicht so wichtig, Bullshit am 5. November 2009
  • Wie alles begann: Samuel Hahnemann und der Chinarindenversuch, scinexx am 26. März 2010
  • Denkfehler Simile-Prinzip: Der Widerspruch im Chinarinden-Selbstversuch, INH am 15. März 2016
  • „Auch in Deutschland formiert sich Widerstand“: Der Spiegel über die Pseudomedizin, GWUP-Blog am 18. August 2018

19. August 2018
von Bernd Harder
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Neuer Hoaxilla-Podcast: Wo endet Glaube, wo muss kritisches Denken beginnen?

Neuer Hoaxilla-Podcast:

Zusammen mit den Kollegen von Gretchenfrage geht es um Reliquien, Lourdes, Wunder etc.:

Hilft ein heiliges Öl dabei gesund zu werden? Schützt mich eine Christopherus-Plakette vor Autounfällen? Schützen Kirchen vor Verbrechern? In der Volksfrömmigkeit der christlichen Kirchen gibt es viele solcher quasi-magischen Rituale, Gegenstände und Hilfsmittel. In dieser Folge versuchen wir zusammen mit Hoaxilla, dem skeptischen Podcast aus Hamburg, diesen Aspekt des Alltagsglaubens zu beleuchten und aufzuzeigen, wo nicht nur aus theologischer, sondern auch aus rationaler Perspektive die Probleme liegen.“

Zum Weiterlesen:

  • Hoaxilla #212 – „Schlangenöl und Heilige Scheine“ vom 19. August 2018
  • Video: „Wundergeschichten“ mit Hoaxilla bei Skeptics in the Pub Hamburg, GWUP-Blog am 12. Juli 2016
  • Die Zeiten sind schlecht – und Maria weint blutige Tränen, GWUP-Blog am 15. Juli 2018
  • Das Leichen-Öl der heiligen Walburga, Skeptiker 3/2011
  • Der „Slender Man“ spukt jetzt im Kino – und in einem Mystery- Thriller der Hoaxmistress, GWUP-Blog am 19. August 2018

19. August 2018
von Bernd Harder
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SkepKon-Video: Osteopathie – was (nicht) geht

Das zweite SkepKon-Video zum Thema „Osteopathie“ ist jetzt online (ein Film von Andreas Weimann):

Dr. Matthias Keilich arbeitet in einer privatärztlichen Praxis in Berlin:

Es gibt viele Ärzte, vornehmlich Orthopäden, die Osteopathie anbieten. Was aber verbirgt sich eigentlich dahinter? Was war die Osteopathie ursprünglich im Sinne ihres Erfinders Arzt Andrew Taylor Still und hat sie sich hiervon weg oder nur weiterentwickelt?

Heute wird Osteopathie für eine Vielzahl an Erkrankungen angeboten. Doch kann man wirklich alles mit Osteopathie heilen oder möglicherweise gar nichts? Ist vielleicht die Osteopathie hilfreich, eventuell aber gar nicht in dem Sinne, wie es die Osteopathie vorgibt zu sein? Wie steht die Schulmedizin dem Thema gegenüber?

Auf all diese Fragen soll der Vortrag Antworten liefern. Darüber hinaus soll ein strukturierter Überblick aus medizinischer Sicht gegeben werden, was Osteopathie ist, was sie möglicherweise imstande ist zu leisten, wo ihre Grenzen erreicht sein könnten und stellt diese in den Kontext der damaligen Zeit, als sie entwickelt wurde.“

Zum Weiterlesen:

  • SkepKon-Video: „Osteopathie – was sagt die Evidenzbasierte Medizin?“, GWUP-Blog am 13. August 2018
  • Nachgefragt 016: „Osteopathie“ vom 31. Juli 2018
  • Das „Phantom“ Osteopathie, GWUP-Blog am 12. Juni 2018
  • Patienten in guten Händen? Eher nicht – Die Zeit berichtet kritisch über Osteopathie, GWUP-Blog am 2. September 2016
  • Osteopathie bei Psiram
  • Osteopathie: Eine Heilmethode auf dem Prüfstand, Skeptiker 3/2015
  • IGeL-Monitor: Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen

19. August 2018
von Bernd Harder
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Der „Slender Man“ spukt jetzt im Kino – und in einem Mystery- Thriller der Hoaxmistress

Am Donnerstag (23. August) startet der „Slender Man“-Film in den deutschen Kinos.

Die Vorberichte (plus miserable Kritiken) lassen allerdings ein völlig verschnittenes Grusical erwarten, das dem Internet-Phänomen „Slender Man“ wohl eher den Todestoß versetzen wird, als es zu reaktivieren.

Sehenswerter ist möglicherweise die HBO-Doku „Beware the Slenderman“, die es derzeit für 3,99 € bei Youtube gibt. Darin geht es um die Hintergründe des aufsehenerregenden Mordversuchs an der zwölfjährigen Payton Leutner, die 2014 von zwei Schulfreundinnen als „Opfer“ für den Slenderman auserkoren wurde.

Die Täterinnen sind mittlerweile zu einem jahrzehntelangen Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik verurteilt worden.

Konkurrenz bekommt der „Slender Man“-Film indes auch in literarischer Form – und zwar von der „Hoaxmistress“ Alexa Waschkau. Zusammen mit Diana Menschig hat sie den Roman „Dunkle Wurzeln“ über ein unheimliches Schattenwesen im Schwarzwald veröffentlicht:

Den Mystery-Thriller gibt’s als eBook für 5,99 €.

Übrigens haben Hoaxilla angekündigt, ihren Video-Kanal bei massengeschmack.tv mit Folge 100 zu beenden. Künftig soll es wieder mehr Podcasts geben.

Zuletzt erschien am 22. Juli ein Beitrag über die amerikanische Sadistin und Serienmörderin Delphine LaLaurie.

Zum Weiterlesen:

  • „Slender Man“, Hoaxilla Nr. 118 vom 10. März 2013
  • „Slender Man“-Mordversuch sorgt für Schlagzeilen, GWUP-Blog am 4. Juni 2014
  • Slender Man Is Real: From Cultural Conversation To Paranormal Topic, Paranormal Pop Culture am 10. Juni 2014
  • Slender Man: From Horror Meme to Inspiration for Murder, rolling stone am 3. August 2016
  • The complete history of ‘Slender Man,’ the meme that compelled two girls to stab a friend, Washington Post am 27. Juli 2016
  • Slenderman-Mordversuch: 16-Jährige muss für 25 Jahre in die Psychiatrie, Welt-Online am 22. Dezember 2017
  • Mordversuch wegen Slenderman: US-Gericht schickt 15-Jährige in geschlossene Anstalt, Spiegel-Online am 2. Februar 2018
  • Slender Man: Film über Internet-Horrorfigur wird drastisch gekürzt, chip am 16. August 2018
  • Wir kriegen nur einen unvollständigen Slender Man-Film, moviepilot am 16. August 2018

18. August 2018
von Bernd Harder
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Superfood-Vortrag „Kokosöl und andere Ernährungsirrtümer“ wird zum Youtube-Hit

Vor zwei Tagen haben die GWUP-News auf das Vortragsvideo von Prof. Karin Michels, Direktorin des Instituts für Prävention und Tumorepidemiologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, hingewiesen:

Darin beschäftigt sich die Epidemiologin mit „Irrtümern und Halbwahrheiten“ rund um die Ernährung und erläutert, „wie verschiedene Lebensmittel die Gesundheit beeiflussen“ und „wie sich Ernährungstrends richtig einordnen lassen.“ Wenn überhaupt, so Michels, herrsche in der Bevölkerung ein Vitamin-D-Mangel. Etwa die Hälfte der Bevölkerung leide daran. In „Superfoods“ sei das Vitamin jedoch nicht nicht enthalten.

Ist brauner Zucker gesünder als weißer? Sollte man statt auf Zucker auf Honig zurückgreifen? Ist eine Steinzeit-Diät empfehlenswert (ein Thema, dem im Skeptiker 3/12 sogar ein eigener Titel gewidmet wurde)? Leben Vegetarier wirklich gesünder? Diese und weitere interessante Themen werden in kurzweiligen, mit wissenschaftlichen Fakten gespickten 51 Minuten präsentiert.“

Mittlerweile ist der Vortrag ein „Youtube-Hit“, schreibt heute das Online-Jugendmagazin der Süddeutschen Zeitung:

Das Video selbst macht erst bewusst, wie weit diese „Superfood-Märchen“ inzwischen verbreitet sind und wie tief sie sich in den Köpfen der Menschen festgesetzt haben. Schließlich sagt Michels schon am Anfang, dass sie zwar sehr überrascht wegen des Andrangs zu einem Ernährungs-Vortrag sei, aber vermute, dass das am Thema „Kokosöl“ liege. Das Raunen, das dann immer wieder aus den Reihen kommt, während Michels spricht, beweist außerdem, wie neu die These der Professorin für viele ist – ebenso der große Erfolg des Videos zum Vortrag: Auf Youtube wurde er in den vergangenen sieben Tagen über eine halbe Million mal angesehen.“

Zum Weiterlesen:

18. August 2018
von Bernd Harder
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„Auch in Deutschland formiert sich Widerstand“: Der Spiegel über die Pseudomedizin

Einige Zitate aus der aktuellen Spiegel-Titelgeschichte (34/2018):

Susanne Aust erzählt ihre Geschichte im Spiegel, weil sie dazu beitragen will, dass weniger Kranke Opfer von wirkungsloser Alternativmedizin werden. Sie gehört zu einer wachsenden Gruppe von Patienten, Ärzten und Wissenschaftlern, die nicht länger hinnehmen wollen, dass mittelalterlich anmutende Therapien zum normalen Bestandteil der Gesundheitsversorgung werden.

In den vergangenen Jahrzehnten ist eine Art paralleles Gesundheitssystem entstanden – ein Milliardenmarkt für alternativmedizinische Behandlungsformen, bei denen Wirksamkeitsnachweise so gut wie keine Rolle spielen.“

Das Volk wird systematisch verdummt und probiert dann zweifelhafte Behandlungen aus“, sagt Edzard Ernst, emeritierter Professor für Komplementärmedizin der Universität Exeter. „Wenn weite Teile der Bevölkerung glauben, es gebe tatsächlich so etwas wie die Lebensenergie Qi oder Meridiane und Chakren, wenn also jeder Unsinn propagiert und geglaubt wird, dann gibt es keine Maßstäbe mehr“, befürchtet Ernst.

„Dann werden die Grenzen zwischen Wahrheit und Unwahrheit unscharf. Dann kann jeder Scharlatan seine Meinung auftischen, und sie wird genauso ernst genommen wie die eines Experten.“

Lässt sich dieser Verrat an den Prinzipien der Aufklärung noch stoppen? „Alternativmedizin kann man nicht verbieten“, sagt Jürgen Windeler, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, das den Nutzen medizinischer Therapien wissenschaftlich bewertet. „Aber es wäre möglich, sie wenigstens einzudämmen.“ Wie das geht, zeigen andere Länder. In Großbritannien will der National Health Service die Kosten für homöopathische Behandlungen künftig nicht mehr übernehmen – obwohl Mitglieder der Königsfamilie auf die Kügelchen schwören.

In Russland hat die Akademie der Wissenschaften die Homöopathie offiziell als Pseudowissenschaft eingestuft. Und das australische National Health and Medical Research Council warnt sogar: „Menschen, die sich für die Homöopathie entscheiden, könnten ihre Gesundheit gefährden, wenn sie wirksame Behandlungen ablehnen.“

Auch in Deutschland formiert sich Widerstand: Gruppen wie der aus Ärzten und Naturwissenschaftlern bestehende Münsteraner Kreis oder das Informationsnetzwerk Homöopathie wollen die Patienten aufklären.“

Ärgerlich für die Anhänger der Zauberkügelchen ist, dass es eine Überläuferin gibt. Die Ärztin Natalie Grams praktizierte früher selbst Homöopathie – heute gehört sie zu den engagiertesten Kämpferinnen gegen den esoterischen Spuk.

Die erfolgreiche Buchautorin weiß aus eigener Erfahrung, warum es auch für Schulmediziner attraktiv ist, Homöopathie und andere Formen der Alternativmedizin anzubieten. „Es geht um dieses Omnipotenzgefühl“, sagt sie. „Um das Gefühl, der Heiler zu sein, etwas Magisches und Mystisches anbieten zu können und immer eine einfache Antwort auf alles zu haben. Als ich mit der Homöopathie aufgehört habe, war das das Schwerste: dieses Gefühl von Allmacht aufzugeben.“

Die Anhänger der Homöopathie verhielten sich wie „Anhänger einer Sekte“. Werde die Heilslehre angegriffen, so Grams, gehe es nie um die Sache, sondern nur darum, „sich gemeinsam gegen die Kritik zu immunisieren“. Und wie ein ehemaliges Sektenmitglied werde sie jetzt von Homöopathen behandelt: „Wer austritt aus der Gemeinschaft, der wird geächtet.“

Zu Vorträgen geht sie nicht mehr allein, seitdem sie bedroht wurde: „Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Glaubenskrieg.“

Selbst ein unerschrockener Politiker wie der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fürchtet die Macht der Heiler. „Ich bin kampferprobt im Umgang mit Lobbygruppen“, sagt Lauterbach, der für die Abschaffung der privaten Krankenversicherung eintritt. „Aber den größten Shitstorm meiner Karriere habe ich erlebt, als ich im Spiegel forderte, die Bezahlung homöopathischer Behandlungen durch die Krankenkassen abzuschaffen.“

Wer den Sonderstatus der alternativmedizinischen Arzneimittel beseitigen wolle, so der SPD-Abgeordnete, müsse eine „halbreligiöse Grundsatzdiskussion mit ungewissem Ausgang“ in Kauf nehmen.“

Wer zusätzlich Kügelchen schluckt, verursacht im Schnitt sogar höhere Kosten – unter anderem durch mehr Krankschreibungen.

Die Geschichte von Bettina Frank könnte erklären, warum. Die heute 58-Jährige leidet seit ihrer Jugend an schwerer Migräne. Zeitweise hatte sie an mehr als 20 Tagen im Monat schlimmste Kopfschmerzen, oft von Übelkeit und Erbrechen begleitet. Die Ärzte, zu denen sie ging, nahmen sie nicht ernst – in ihrer Not suchte sie deshalb Hilfe bei einem Homöopathen. Und der versprach ihr, sie vollständig von Migräne zu heilen – wie ihm das schon bei vielen anderen Patientinnen gelungen sei […]

Drei Jahre lang hielt sie die homöopathische Tortur durch […]

Als die Kopfschmerzen nach wie vor nicht weggehen wollten, gab der Arzt ihr die Schuld für das Scheitern. Bei allen anderen habe es geklappt, nur bei ihr nicht. »Ich habe wirklich Schuldgefühle entwickelt und gedacht, es muss etwas mit mir zu tun haben«, so Frank. Also riss sie sich zusammen und machte weiter. Ihre Kopfschmerzen wurden schlimmer und schlimmer, bis sie gar nicht mehr aufhörten.

Nach all der Quälerei fand sie am Ende doch noch den Weg in eine professionelle Schmerzklinik, nach Kiel, wo man auf Fälle wie den ihren spezialisiert ist. Erst dort endete ihre Qual.“

In fast jedem vierten Volkshochschulkurs aus dem Bereich Gesundheit wird ein fragwürdiges alternativmedizinisches Verfahren gelehrt […]

Hierzu gehören auch die häufig angebotenen Yoga- und Qigongkurse, sofern diese nicht als reine Fitnessgymnastik im Programm angekündigt sind. Oft wird ein Teil der Kursgebühren sogar von den Krankenkassen übernommen. Dass Yoga guttut, darauf deuten Studien hin, allerdings hat die Lehre, ebenso wie Qigong, eine Nebenwirkung: Sie vermittelt ein unwissenschaftliches und irrationales Körperbild […]

Keine andere Institution wäre besser geeignet als die Volkshochschule, die ungeheure Vielfalt esoterischer Angebote im Blick zu behalten und darüber aufzuklären, wie unsinnig, teuer oder gar gefährlich sich die Quacksalbereien auswirken können – eine Art pädagogische Stiftung Warentest. Aber davon ist sie weit entfernt.“

Zum Weiterlesen:

  • „Hokuspokus – Geld weg“: Spiegel-Titelgeschichte über esoterische Therapien und die Volkshochschulen, GWUP-Blog am 17. August 2018
  • Von Akupressur bis Lach-Yoga: Methoden der Alternativmedizin im Check, Spiegel-Online am 17. August 2018

18. August 2018
von Bernd Harder
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Feldversuch mit Quija-Brett: „Predictive minds” kreieren die Geisterbotschaften

Beinahe ein Dutzend Ouija-Filme sind in den letzten paar Jahren entstanden.

Nun liefern Wissenschaftler der Universität Aarhus eine – wenn auch wenig überraschende – Erklärung für die „Botschaften“ des Hexenbretts: ideomotorische Bewegungen, die unbewusstes Wissen der Teilnehmer bei gruppendynamischen Prozessen in sinnvolle Wortkonstruktionen übersetzen.

Mit Hilfe von Eye-Trackern zur Analyse der Blickbewegungen entdeckten Marc Andersen et al., dass die Probanden den jeweiligen Zielbuchstaben bereits mit den Augen anvisierten, noch bevor die verschiebbare Planchette diesen erreicht hatte. Daraus schlussfolgerte das Team, dass die „Botschaften“ des Quija-Bretts ein Resultat von „interacting predictive minds“ sind:

Our results add to this by showcasing just how predictive minds in interaction achieve the feat of creating meaningful sensations of external agency.“

Bei ihrer Studie fanden die dänischen Psychologen auch heraus, dass die einzelnen Teilnehmer ihren individuellen Beitrag zur gemeinsamen Interaktion in der Regel deutlich unterschätzen.

Zudem waren Spiritismus-gläubige Probanden typischerweise davon überzeugt, dass sich die Planchette tatsächlich „wie von Geisterhand“ bewege, während Skeptiker eher natürliche Ursachen wie zum Beispiel bewusste Steuerung wahrzunehmen glaubten.

Nach eigener Aussage der Forscher fanden ihre Quija-Feldversuche „for the first time in a natural setting“ statt.

Zum Weiterlesen:

17. August 2018
von Bernd Harder
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Anti-Homöopathie-Rap: „Zuckerwasser schadet mehr als Glaube heilt“

Der Biologe, Blogger und Wissenschaftskommunikator Lorenz Adlung rappt über Homöopathie:

Zuckerwasser schadet mehr, als Glaube heilt.“

Zum Weiterlesen:

  • „Ehrlichkeit in der Apotheke“: Weilheimer Pharmazeutin räumt die Globuli aus ihren Regalen, GWUP-Blog am 17. August 2018
  • Homöopathie in der Leitlinie zur Rhinosinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung), Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 14. August 2018
  • SkepKon-Video mit Dr. Natalie Grams: Homöopathie-Kritik von 1834 bis 2018, GWUP-Blog am 21. Juli 2018