gwup | die skeptiker

… denken kritisch seit 1987.

23. September 2020
von Bernd Harder
Keine Kommentare

Neu im Skeptiker: „False Memories“ – Falscherinnerungen durch Traumatherapie

Nachdem die geplante Fachtagung

Rituelle Gewalt: Streitpunkte – Argumente – Klärungen

im März ausfallen musste, befasst sich der aktuelle Skeptiker (3/2020) mit einem speziellen Aspekt des Themas:

Falsche Erinnerungen durch Psychotherapie

Der Physiker und ehemalige Vorsitzende des Vereins „False Memory Deutschland e.V.“ Dr. Hans Delfs zeichnet anhand seiner persönlichen Geschichte („Ich selbst werde seit über 22 Jahren von meinen Töchtern eines sexuellen Missbrauchs beschuldigt, von dem ich besser als jeder andere weiß, dass es ihn nie gegeben hat“) nach, was falsche Erinnerungen an sexuellen Missbrauch sind, wie sie entstehen und was sie von wirklichen Fällen sexuellen Missbrauchs unterscheidet.

Zudem zeigt er die Folgen von Falscherinnerungen für Therapierte und Beschuldigte auf.

Im Magazin-Teil gibt es ein Interview mit dem derzeitigen Vorstand von False Memory Deutschland (FMD), Federico Avellán Borgmeyer und Heide-Marie Cammans. Der Verein ist unabhängig von der False Memory Syndrome Foundation in den USA, die 2019 ihre Arbeit eingestellt hat.

Ein Auszug:

Skeptiker: In der FAZ vom 24. August 2020 ist ein Artikel über rituellen Missbrauch erschienen, in dem implizit der Vorwurf aufscheint, die False-Memory-Bewegung sei so etwas wie eine Täterschutzorganisation.

Cammans: Diese Unterstellung ist nicht neu und wird üblicherweise anonym im Internet gestreut. Wir würden darüber gerne einen offenen Dialog führen, das ist aber gar nicht möglich, weil die Verbreiter dieser Desinformationen sich einem persönlichen Austausch verweigern.

Der FAZ-Autorin habe ich einen Brief geschrieben und darin ein Gesprächsangebot unterbreitet. Wir nehmen keinen Krieg an. Die uns zur Verfügung stehende Zeit möchten wir nutzen, um Menschen zu helfen. Und dabei gehen wir äußerst sorgfältig vor, um herauszufinden, ob es sich bei den hilfesuchenden Personen tatsächlich um zu Unrecht Beschuldigte handelt.

Und wie überprüfen Sie das?

Borgmeyer: Im Prinzip anhand von Indizien. Natürlich kann kein Außenstehender mit absoluter Gewissheit sagen, was wirklich passiert ist, aber mit einer Plausibilitätsprüfung kann man sich der Wahrheit zumindest annähern.

Wir versuchen herauszufinden, wann und wie die Erinnerungen an den sexuellen Missbrauch entstanden sind und welchen Einfluss die Therapie dabei hatte. Es ist etwas komplett anderes, ob die Erinnerungen schon seit dem Kindesalter bestanden und nicht verarbeitet wurden oder erst nach Jahrzehnten plötzlich in einer Therapie „erinnert“ werden.

Unsere Fragen sind zum Beispiel: Zu welchem Zeitpunkt, in welcher Situation, unter welchen Umständen kam es zu den Erinnerungen? Gibt es Hinweise darauf, dass die traumatischen Erinnerungen mit therapeutischer Unterstützung entstanden sind? Welche therapeutischen Maßnahmen sind zum Einsatz gekommen und gehören dazu auch suggestive, hypnotische oder tranceartige Verfahren, Familienstellen oder esoterische Methoden?

Welche Hinweise oder Beweise gibt es, dass die Beschuldigung nicht auf realen Erlebnissen beruhen kann? Und vieles mehr.

Cammans: Genaue Informationen zur Entstehung der Erinnerungen sind eine von mehreren Säulen unserer Einschätzung. Daneben führen wir intensive Gespräche mit der beschuldigten Person und nach Möglichkeit auch mit weiteren Mitgliedern der Familie, etwa mit dem Partner oder der Partnerin und den Geschwistern der beschuldigenden Person.

Wir lassen uns die gesamte Familiensituation ausführlich schildern. Diese Kommunikation gibt uns wichtige Hinweise, der unmittelbare Eindruck der Betroffenheit, Traurigkeit und Verzweiflung, den die Beschuldigten machen, spricht eine deutliche Sprache und kann nicht leicht vorgetäuscht werden.

Wenn wir uns in der Einschätzung unsicher sind, weisen wir die Person ab und empfehlen, sich einen Anwalt zu suchen.

Kommen wir zu den Therapeuten, die Scheinerinnerungen „aufdecken“. Was ist das für eine Szene?

Cammans: Konkrete Zahlen zu dieser Community gibt es nicht. Wir beobachten aber, dass bei größeren Veranstaltungen, zum Beispiel von einschlägig bekannten Trauma-Instituten, schon mal einige Hundert Teilnehmer anwesend sind.

Diese Szene von Traumatherapeuten/innen – überwiegend sind es Frauen – ist sehr aktiv, untereinander gut vernetzt und in sich geschlossen. Eine kritische Außensicht ist nicht erwünscht und wird heftig abgewehrt, auch leider mit Desinformation in den sozialen Medien.

Wichtig ist mir dabei zu betonen, dass die ideologisch geprägten, „aufdeckend“ arbeitenden Traumatherapeuten nur ein Teil der Traumatherapeuten sind. Die allermeisten Traumatherapeuten arbeiten seriös und stehen dieser speziellen Richtung skeptisch oder ablehnend gegenüber.

Wie gerät man als Patient oder Patientin da rein beziehungsweise wie kann man sich davor schützen?

Cammans: Es ist tatsächlich eine Art Glücksspiel, an welchen Therapeuten ich gerate, wenn ich Hilfe bei seelischen Problemen suche. Da gibt es das ganze Spektrum, vom hochqualifizierten Facharzt an einer renommierten Klinik über spirituelle Lebensberater bis hin zum Schamanen und Gesundbeter.

Sehr auffällig ist bei der Entstehung von Scheinerinnerungen der Heilpraktiker als Lebensberater. In unserer Statistik rangieren die zweitmeisten unserer Fälle bei dieser Art von Hilfestellung.

Wir empfehlen bei der Suche nach therapeutischer Hilfe, sich zunächst einmal einen persönlichen Eindruck zu verschaffen: Wie wirkt diese Person auf mich? Bekommt man sofort eine Zusage von Heilung, kaum dass man sein Problem vorgetragen hat? Welche Ausbildung hat der Helfer? Welche Verfahren sollen zur Anwendung kommen?

Auf jeden Fall sollte man sehr aufmerksam sein beziehungsweise die Therapie sofort beenden, wenn man vom Therapeuten wiederholt und mit immer größerem Nachdruck dazu gedrängt wird, sich zu „erinnern“, ob da nicht mal etwas in Richtung sexuellem Missbrauch gewesen sein könnte.

Auch ist Vorsicht geboten, wenn Symptome abgefragt werden, die als absolut sichere Hinweise auf einen zu einer früheren Zeit erlebten und verdrängten Missbrauch gedeutet werden. Diese Symptome sind in der Regel so vage und allgemein, dass man damit fast jeden Menschen zum „Betroffenen“ stempeln kann.

Genau so schildern Ratsuchende uns gegenüber ihren Therapeutenkontakt und die Art und Weise, wie iatrogene – also vom Therapeuten induzierte – Scheinerinnerungen entstanden sind.

Borgmeyer: Bei unserer ersten FMD-Fachtagung 2018 in Frankfurt fanden immerhin auch einige dieser speziellen Therapeutinnen den Weg zu uns – eingeladen hatten wir eigentlich alle uns bekannten, darunter auch die Szene-Protagonistin Michaela Huber, die sich aber jede Kontaktaufnahme durch uns verbeten hat.

Wir empfanden die Anwesenheit unserer Gäste als Bereicherung, wenn auch nicht gerade der Dialog zustande kam, den wir uns wünschen. Ich wollte unter anderem von ihnen wissen, wie sie feststellen können, ob ein Patient/eine Patientin echte oder falsche Erinnerungen wiedergibt. Die lapidare Antwort: „Das können wir nicht und interessiert uns auch nicht.“

Meinen Einwand, dass durch Falschbeschuldigungen ganze Familien zerstört werden, fegte man lässig vom Tisch: Das sei dann Sache der Gerichte. Nach dieser Erfahrung glaube ich, dass diese Therapeutinnen sich auf einer Mission wähnen, von der sie selbst zutiefst überzeugt sind: nämlich die Welt vor einer unsichtbaren, aber allgegenwärtigen Bedrohung retten zu müssen.

Den Tagungsband zur FMD-Fachtagung 2018 verschickt die EZW in Berlin (5 €).

Hans Delfs hat das Buch

False Memory: „Erinnerungen“ an sexuellen Missbrauch, der nie stattfand

geschrieben. Den Erfahrungsbericht einer Betroffenen („Zersplitterung nach Therapie“) kann man beim Sekteninfo NRW nachlesen.

Den neuen Skeptiker kann man hier bestellen, das ePaper hier.

Zum Weiterlesen:

  • #ferngespräch: „Satanic Panic – Echtes Leiden, falsche Fakten“ jetzt als Video und Podcast, GWUP-Blog am 24. Juni 2020
  • Zersplitterung nach Therapie, Sekteninfo NRW am 16. April 2020
  • Rituelle Gewalt aus psychologischer Sicht, EZW-Materialdienst 8/2019

23. September 2020
von Bernd Harder
Keine Kommentare

Homöopathie-Vortrag in Berlin: „Glücklich durch Placebos?“

Jetzt anmelden zum Humanistischen Salon am 1. Oktober (Donnerstag) in Berlin:

Glücklich durch Placebos?

Viele Deutsche schwören auf die Angebote der Homöopathie und immer mehr Krankenkassen übernehmen die Kosten für Globuli und homöopathische Tropfen. Doch halten die „ganzheitlichen“ und „natürlichen“ Methoden der Alternativmedizin wissenschaftlichen Erkenntnissen stand?

Beruhen vermeintliche Heilerfolge nur auf dem Placeboeffekt? Und warum wirkt das Image einer sanften und natürlichen Heilung so anziehend auf Patient:innen, dass viele diesem Versprechen glauben möchten?

Referent ist Fabian Link. Los geht’s um 19 Uhr in der „Freien Volksbühne“ (Ruhrstraße 6, 10709 Berlin). Der Eintritt ist frei, zur Anmeldung geht es hier.

Zum Weiterlesen:

  • Warum ich Kritik an der Homöopathie wichtig finde – Heute: Fabian Link, Onkel Michael am 23. April 2020
  • Wie wissenschaftlich ist die Homöopathie? GWUP-Blog am 18. September 2020
  • Homöopathie-Streit in der „Zeit“, GWUP-Blog am 10. September 2020

23. September 2020
von Bernd Harder
1 Kommentar

Besser als der deutsche? Dr. David Bardens über den schwedischen Corona-Sonderweg

Letzten Mittwoch hat Stern-TV über den schwedischen Sonderweg in der Corona-Krise berichtet.

Nachschauen kann man die ganze Sendung bei TVNow und den Bericht

Freiheiten trotz Corona: Taugt der schwedische Weg wirklich als Vorbild?

einzeln bei Facebook (zirka zehn Minuten).

Darin kommt auch der deutsche Arzt Dr. David Bardens (der vom „Masern-Prozess“) zu Wort, allerdings nur kurz, aber deutlich kritischer als die übrigen Interviewpartner.

Auf Nachfrage hat Bardens uns dieses ausführlichere Statement zur Situation in Schweden geschickt:

Derzeit gibt es eine große Diskussion, welche Länder mit der derzeitigen Pandemie am besten zurechtkommen und welche Restriktionen man einführen sollte oder eben auch nicht.

Es ist derzeit noch nicht möglich zu sagen, welche Strategie nun die beste ist. Wahrscheinlich wird es noch Jahre dauern, bis wir das mit Gewissheit sagen können.

Eine restriktive Lockdown-Strategie kann natürlich enorme und teils existenzielle Folgen für Menschen haben, die beruflich davon betroffen sind. Aber auch privat stellt die Pandemie mit den Einschränkungen der persönlichen Kontakte eine große und statistisch nicht messbare Herausforderung dar. Jede Einschränkung der persönlichen Freiheit sollte daher mit Bedacht abgewogen werden.

Schweden, das Land, in dem ich als Allgemeinmediziner tätig bin, wird oft als positives Beispiel angeführt, was die Restriktionen und die Pandemie allgemein angeht. Hier mahne ich zur Vorsicht.

Auch wenn das Leben in Schweden fast ohne Einschränkungen möglich und derzeit die Zahl der Neuinfektionen relativ niedrig ist, so wurden wir dennoch sehr hart von der ersten Welle getroffen und haben mit Italien vergleichbare Todeszahlen.

Die hiesige Gesundheitsbehörde empfiehlt nicht die Anwendung von Mund-Nasen-Schutz. Auch wurde hier zeitweise in Frage gestellt, ob man überhaupt einen Mund-Nasen-Schutz tragen sollte, wenn man als Angestellter im Gesundheitswesen infizierte Patienten behandelt. Als Argument wird vor allem angeführt, dass die Datenlage zum Nutzen von MNS nicht eindeutig sei. Das ist meiner Meinung nach ein großer Fehler. Der potenzielle Nutzen des Tragens von MNS ist hoch, gleichzeitig bestehen praktisch keine Risiken.

Selbstverständlich ist es nicht gut für die Umwelt, wenn millionenfach MNS produziert und weggeworfen werden. Für Schwerhörige ist es schwerer, von den Lippen zu lesen, wenn das Gegenüber einen Mundschutz trägt. Auch Emotionen werden nicht auf gleiche Weise kommuniziert. Wenn man durch das Tragen eines Mundschutzes potenziell Infektionen verhindern kann, scheint dies jedoch lösbar.

Derzeit (Stand 19. September) deutet die Datenlage nicht darauf hin, dass der ”schwedische Weg” auf irgendeine Weise besser ist als der deutsche.

Wir haben hier mehr als fünf Mal mehr Todesfälle (576/Million) als Deutschland (113,2/Million), obwohl Schweden ein extrem dünn besiedeltes Land ist: Die Bevölkerungsdichte hier (23 Einwohner/km2) entspricht einem Zehntel der von Deutschland (233 Einwohner/km2).

Zum Weiterlesen:

  • Schwedens Staatsepidemiologe und die Sterberate, Spiegel-Online am 21. September 2020
  • Corona-Zahlen steigen in Schweden wieder schneller an, morgenpost am 22. September 2020
  • Corona: Herdenimmunität in Schweden? Pandemie „könnte für das Land vorbei sein“ – zu einem hohen Preis, merkur am 22. September 2020
  • Coronavirus: Schweden wird vom Prügelknaben zum Musterschüler, nau.ch vom 21. September 2020
  • Schwedens Sonderweg: Der hohe Preis des geringen Wirtschaftseinbruchs, tagesschau.de am 24. August 2020
  • Video mit Martin Moder: Zu viel CO2 durch Masken? GWUP-Blog am 21. September 2020

22. September 2020
von Bernd Harder
Keine Kommentare

Heute im #ferngespräch: Braune Esoterik und „Hitlerhippies“

Heute im #ferngespräch:

Warum fällt es vielen Menschen, die Spiritualität, Achtsamkeit und Innerlichkeit predigen, nicht sonderlich schwer, gemeinsam mit der sog. ‚identitären Bewegung‘ und anderen rechten Flaggenschwenkern zu marschieren?

NEIN. NICHT JEDER ESO ODER SPIRI IST NAZI.

Wie die Ursprünge dieser beiden, so konträr anmutenden Weltbilder miteinander verwoben sind und welche Gemeinsamkeiten es sonst noch gibt, möchte ich heute von meiner Expertenrunde wissen.

Als Gäste sind Pia Lamberty, Annika Brockschmidt und Jochen Blom dabei.

Los geht’s um 20 Uhr.

Zum Weiterlesen:

  • Corona-Protest in Düsseldorf: Auf Kriegsfuß mit der Realität, Zeit-Online am 21. September 2020
  • Rechte Netzwerke „im Namen Gottes“, SRF am 18. September 2020
  • Politische Esoterik, SPON am 8. August 2020
  • Wenn Esoteriker*innen und Rechte miteinander gehen, BR Kultur am 9. September 2020
  • Was verbindet Esoterik und Rechtsextremismus? jetzt.de am 4. September 2020
  • Esoterik und Extremismus: Geister, die sie rufen, tagesspiegel am 2. September 2020
  • „Meditieren, heilen, Juden hassen“: Rechte Esoterik und Verschwörungstheorien, GWUP-Blog am 20. Januar 2020
  • NGF027: „Braune Esoterik“ vom 15. Oktober 2019
  • SkepKon-Video: Rechte Esoterik im Internet, GWUP-Blog am 6. Januar 2019
  • Halle: „Antisemiten glauben an eine Weltverschwörung aus Juden und Nichtjuden“, GWUP-Blog am 12. Oktober 2019
  • Der kaum beachtete Rechtsextremismus – Braune Esoteriker, Reichsbürger und Verschwörungstheorien, sektenwatch am 6. März 2017
  • Rechte Ideologie im esoterischen und neureligiösen Bereich, remid am 23. Juni 2016
  • Die Esoterik der Nationalsozialisten: Rassistischer Okkultismus, BR am 17. Dezember 2018
  • Menschheitsgeschichte: Es gibt keine Rassen, Deutschlandfunk am 21. März 2019
  • Darum kann man nicht von Menschenrassen sprechen, quarks am 15. Juni 2020
  • Skepkon: Nazis über uns? Der Mythos „Neuschwabenland“, GWUP-Blog am 19. Mai 2013
  • Zeigen, wie solche Leute ticken: Ein Gespräch zu „Axel Stoll – der Film“, GWUP-Blog am 23. Juli 2015

22. September 2020
von Bernd Harder
Keine Kommentare

Neu bei „Grams‘ Sprechstunde“: Kinderosteopathie

Neu bei Grams‘ Sprechstunde:

Wenn Ihr Kind nicht gerade einen angeborenen Schiefhals (Torticollis) hat, den ein Arzt sorgfältig diagnostizieren sollte, dann ist nichts schief, was nicht von allein wieder verschwindet. Auch angebliche Geburtstraumata im ostoepathischen Sinn gibt es nicht, und das berüchtigte KISS-Syndrom – eine angebliche kopfgelenkinduzierte Symmetriestörung – ist sogar ganz erfunden.

Dazu gibt’s einen Twitter-Thread zur Osteopathie.

Zum Weiterlesen:

  • Kinder-Osteopathie: Babys sind weder schief noch blockiert, spektrum am 22. September 2020
  • Nachgefragt 016: „Osteopathie“ vom 31. Juli 2018
  • SkepKon-Video: „Osteopathie – was sagt die Evidenzbasierte Medizin?“, GWUP-Blog am 13. August 2018
  • SkepKon-Video: Osteopathie – was (nicht) geht, GWUP-Blog am 19. August 2018
  • Das „Phantom“ Osteopathie, GWUP-Blog am 12. Juni 2018
  • Patienten in guten Händen? Eher nicht – Die Zeit berichtet kritisch über Osteopathie, GWUP-Blog am 2. September 2016
  • Natalie Grams bei „Methodisch inkorrekt“ und „NotAufnahme“, GWUP-Blog am 19. September 2020
  • Neu bei „Grams‘ Sprechstunde“: Hat recht, wer heilt? GWUP-Blog am 8. September 2020

22. September 2020
von Bernd Harder
Keine Kommentare

„Global Warming Party“: Das neue Buch der Science Busters

Global Warming Party: Wie wir uns das Klima schönsaufen können und andere wissenschaftlich überprüfte Anregungen zur Rettung der Menschheit

heißt das neue Buch der Science Busters.

Herzlich willkommen zur Global Warming Party! Es gibt jede Menge zu feiern! Wir blasen mehr CO2 in die Atmosphäre als je zuvor! Jedes einzelne Jahr schreibt neue Temperaturrekorde! Also: Party! Tanz auf dem Vulkan! Leider ist der Klimawandel eine Partybremse. Aber Hilfe naht: Die Science Busters retten die Welt mit Wissenschaft und Humor. Gern geschehen!

Bekommt man Sonnenflecken bei 40° wieder heraus? Ist Planet B über Autobahn erreichbar? Hilft Komasaufen gegen die Klimakrise? Die Kelly Family der Naturwissenschaften führt den letztgültigen Beweis, dass wir Menschen erst als kleine, runde Vollidioten eine gute Klimabilanz hätten. Damit die Party, die wir Leben nennen, noch lange weitergehen kann.

Auch das Hörbuch ist schon eingesprochen (Martin Puntigam, Martin Moder, Florian Freistetter, Thomas Loibl).

Zum Weiterlesen:

  • Martin Puntigam, Science Busters: Global Warming Party. Hanser-Verlag 2020, 192 Seiten, 20 € (eBook 15,99 €, Hörbuch 11,95 €)
  • Global Warming Party: Wie wir uns das Klima schönsaufen können und andere wissenschaftlich überprüfte Anregungen zur Rettung der Menschheit, Astrodicticum simplex am 21. September 2020
  • Die „Science Busters“ im Skeptiker-Interview: „Überall steckt Wissenschaft drin“, hpd am 15. Dezember 2018
  • Oberhummer-Award 2020 geht an Mai Thi Nguyen-Kim, GWUP-Blog am 1. Mai 2020

21. September 2020
von Bernd Harder
Keine Kommentare

Video: „Zu viel CO2 durch Masken?“ mit Martin Moder

Neues Video von Dr. Martin Moder im Rahmen von #EUmythbusters:

Wir werden alle sterben. Aber nicht durch CO2-Rückatmung.

Auch im Makro Mikro-Podcast erklärt Moder, „warum das Argument vieler Maskengegner – nämlich, dass Masken durch das Rückatmen des eigenen CO2 gesundheitsschädlich seien – wissenschaftlich nicht haltbar ist“ (zirka 38 Minuten).

Zum Weiterlesen:

  • Video: „Wird das Coronavirus harmloser?“ mit Martin Moder, GWUP-Blog am 23. August 2020
  • Video von Martin Moder: Stirbt man an Corona oder mit Corona? GWUP-Blog am 5. August 2020

21. September 2020
von Bernd Harder
4 Kommentare

„Halbwahrheiten, Panikmache und Netzgerüchte“: Der Auftritt eines Arztes und Coronaleugners

Das Südtiroler Nachrichtenportal Salto.bz hat einen illustrativen Bericht über einen Auftritt in Bozen des Corona-Leugners Walter Weber von den „Ärzten für Aufklärung“ (Hamburg) veröffentlicht.

Auch Weber ist kein „Kritiker“:

An [einer] Stelle äußert Webers seine Verschwörungstheorie: “Dahinter muss eine Agenda stecken, denn sonst könnte so etwas nicht so orchestriert, so ähnlich in allen Ländern ablaufen”.

Das ist falsche Kausalität und krankt schon allein an der Tatsache, dass die Pandemie eben nicht überall gleich ablief. Kein rational denkender Mensch kann aus den Geschehnissen ohne stichfeste Beweise eine Verschwörung ableiten. Weber schon. Er erklärt sogar, mit welchen Methoden er darauf gekommen ist. Per Websuche.

Nach dem Anhören des Drosten-Podcasts sucht Weber bis tief in die Nacht im Netz und stolpert über die kanadische YouTuberin “Amazing Polly”. Die waschechte Verschwörungstheoretikerin glaubt an die kindermordende und -bluttrinkende QAnon-Sekte und an Bill Gates als Anführer einer globalen Impfmafia. Mehr als 360.000 Abonnenten fallen auf Pollys Stimmungsmache rein.

Zu den Gutgläubigen zählt auch Walter Weber.

In einem von Pollys Videos findet er Hinweise auf ein Dokument, das angeblich zeigt, wie man impfend die Weltherrschaft übernimmt. Es stamme vom ehemaligen CDC-PR-Mann Glen Nowak. Aber Pustekuchen. Am nächsten Tag um sechs Uhr morgens ist das Dokument gelöscht.

Also stöbert Weber auf Telegram und dem Videoportal Bitchute. Die beiden Plattformen bieten keine Meldemöglichkeiten für Hassrede, Fake News und Gewaltanstachelung und werden deshalb vermehrt als Echokammern in Verschwörungskreisen eingesetzt. “Avocadolf” Attila Hildmann und die QAnon-Sekte etwa betreiben auf Telegram gutbesuchte Kanäle.

Weber findet das Dokument und interpretiert es auf seine Weise.

Im Folgenden gleicht der Salto.bz-Autor Martin W. Angler Webers aberwitzige Deutung mit der Realität ab („Nowaks ,Plan‘ ist eine 51-seitige Powerpoint-Präsentation, deren Zweck das Schaffen von Verständnis in der Bevölkerung für die Wichtigkeit des Impfens ist.“) und zeigt viele weitere Fehler und Absurditäten in Webers „Argumentation“ auf, vom Maskentragen bis hin zu RNA-Impfstoffen:

Was am Ende übrig bleibt, ist ein einstudiertes Narrativ, das auf Web-Recherchen und nicht auf Wissenschaft fußt. Dem Publikum gefällt’s trotzdem.

Zum Weiterlesen:

  • Dr. Web, salto.bz am 12. September 2020
  • Wenn Ärzte von der Coronakrise als einer „kriminellen Inszenierung“ sprechen, medical tribune am 22. Juli 2020
  • „Ärzte für Aufklärung“ verbreiten in ihrer Videokonferenz irreführende Behauptungen über Covid, correctiv am 17. August 2020
  • Coronavirus: Die breite Front der Verharmloser, ndr am 12. Mai 2020
  • Video: Ärzte „für Aufklärung“ oder eher mit Aversionen gegen die Corona-Vorschriften? GWUP-Blog am 8. Juli 2020
  • Hamburger „Ärzte für Aufklärung“: Der Verschwörung auf der Spur, taz am 21. August 2020
  • Sputnik oder Tschernobyl? Impfstoffentwicklung in Zeiten der Pandemie, Relativer Quantenquark am 3. August 2020
  • Was quakt wie Wissenschaft muss noch lange keine Wissenschaft sein, Relativer Quantenquark am 15. September 2020
  • Wenn Ärzte Unsinn behaupten und Kammern dennoch wegschauen, medwatch am 25. Mai 2020
  • Wodarg, Bhakdi und Co.: Die Besserwisser in Zeiten der Coronakrise, Riffreporter am 24. März 2020
  • „Der Impf-Krieg“: Was tun gegen die Welle des Misstrauens und ärztliche Corona-Rebellen? GWUP-Blog am 14. September 2020
  • Corona Fehlalarm“: Faktencheck zu Bhakdi/Reiß in der SZ, GWUP-Blog am 14. September 2020

20. September 2020
von Bernd Harder
Keine Kommentare

Sommerloch: Es wimmelt wieder von Panthern und Krokodilen

Fast.

Fast hätten wir’s geschafft,

glossierte Bayern 2 Anfang September:

Fast hätten wir den Sommer ohne Sommer-Ungeheuer hinter uns gebracht.

Aber das darf natürlich nicht sein.

Erst tauchte zwischen Thüringen und Sachsen-Anhalt ein „Krokodil“ auf, dann in Hessen (die „Echtheit“ des Tieres wurde natürlich prompt „durch einen zoologischen Berater bestätigt“) und schließlich in Bayern:

Auch wenn Die Zeit mittlerweile an Astrologie glaubt – ein Krokodil in einheimischer freier Wildbahn geht den Kollegen dann anscheinend doch zu weit, und so erschien vor wenigen Tagen ein durchaus aufklärerischer Artikel über … Biber:

Biber, sagt [der amtliche Tierarzt Steffen] Hoffmann, hätten einen Schwimmstil, den man durchaus mit dem eines Krokodils verwechseln könne. Der Kopf gucke raus, der Rumpf sei im Wasser, hinten dann sei ein schuppiger Schwanz zu sehen, die sogenannte Biberkelle, dick und ledrig. Biber hätten die Angewohnheit, mit diesem Schwanz aufs Wasser zu schlagen, das klinge wie ein Klatschen, ein typisches Warnsignal, wenn sie in Angst geraten. Zum Beispiel, weil Menschen am Ufer stehen.

Und dennoch sind seine Ausführungen nicht ganz korrekt:

Hoffmann hat für sein Treffen mit der ZEIT ein paar Ausdrucke mitgebracht: Krokodilsichtungen in Deutschland. 2007, 2009 und 2012 sei genau das, was man jetzt erlebe, schon mal vorgekommen.

Nö, die GWUP hat schon 2001 über unfangbare „Krokodile“ in trüben deutschen Gewässern geschrieben:

Gerne würden wir diese Expertise auch den verängstigten Einwohnern von Venta de Huelma in Andalusien zur Verfügung stellen, wohin es unseren Panther Gustav heuer verschlagen hat:

Aber die spanischen Medien werden sich die launige Hauskatzenjagd kaum von uns vermiesen lassen, auch wenn erste Andeutungen in diese Richtung immerhin bereits kursieren:

Dann noch viel Spaß.

Wir machen uns derweil in Traunstein auf die Suche:

Nicht.

Zum Weiterlesen:

  • Thüringer Krokodil bleibt verschwunden: Was aus anderen Sommerlochtieren wurde, rnd am 16. September 2020
  • Unstrut: „Krokodil, ganz eindeutig“, Zeit-Online am 16. September 2020
  • Lebendig oder aus Plastik? Krokodil in Kleinstadt-Bach gesichtet, hessenschau am 1. September 2020
  • Panther Gustav – der deutsche Yeti, GWUP-Blog am 7. November 2009
  • Panther, Ufos und die Glaubensmaschine, GWUP-Blog am 28. Oktober 2010
  • “Sommerlochtiere” zwischen Urangst und Bambi-Syndrom, GWUP-Blog am 22. August 2013
  • Es gibt ihn wirklich, den berühmten Sommerloch-Panther, GWUP-Blog am 20. September 2020

20. September 2020
von Bernd Harder
Keine Kommentare

„Wissenschaftskommunikation“: #ferngespräch jetzt als Video und Hoaxilla-Podcast

Das #ferngespräch zum Thema „Wissenschaftskommunikation“ gibt’s jetzt als Video und Hoaxilla-Podcast:

Wie gelingt gute Wissenschaftskommunikation und warum ist es überhaupt wichtig, sich darüber Gedanken zu machen? Darüber sprachen wir mit Florian Aigner, Holm Hümmler, Martin Moder und Nicolas Wöhrl.

Am Dienstag (22.9.) geht es um braune Esoterik.

Zum Weiterlesen: