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… denken kritisch seit 1987.

14. Juni 2021
von Bernd Harder
4 Kommentare

Der „Shootingstar der Psychokinese“ zeigt in einer Doku etwas, was man auch im Zauberfachhandel kaufen kann

Lars Ruth ist Mentalist und „Gedankenleser“ und betreibt als „ehrlicher Scharlatan“ eine spezielle Form von Psychic Entertainment.

Seine „Psychokinese“-Videos bei Instagram veranlassten uns zu diesem Interview – in dem es auch um den „Psychokineten“ Benedikt Maurer geht, der 2019 bei den PSI-Tests der GWUP antrat und im ersten Durchgang ein überdurchschnittliches Ergebnis erzielte.

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GWUP: Was haben Sie von Benedikt Maurer gesehen?

Lars Ruth: Ich bin auf Herrn Maurer aufmerksam geworden, als ich mir die Doku „PSI – Phänomene jenseits der Logik“ bei einem Streamingdienst ansah. Das Thema interessiert mich natürlich aus beruflichen Gründen und Herr Maurer wird in dieser Doku interviewt. 

Bei einem Online-Kongress im Mai wurde Maurer als „Shootingstar der Psychokinese“ angekündigt. Sie sind davon nicht überzeugt – warum?

Die Effekte, die in den Psychokinese-Videos von Herrn Maurer zu sehen sind, kann man mit Techniken und Requisiten hervorrufen, die mir als Mentalist und Bühnenkünstler bekannt sind. Dass Herr Maurer übersinnliche Kräfte hat, erscheint mir daher als die am wenigsten plausible Erklärung. Alle von ihm erzeugten Phänomene lassen sich von mir und vielen anderen Mental- und Zauberkünstlern unkompliziert reproduzieren.

Besonders augenfällig wird das in der besagten Amazon Prime-Dokumentation. Darin lässt Herr Maurer eine Uhr weiterticken, aus der zuvor die Batterien herausgenommen wurden. Exakt den gleichen Effekt erzielt man mit einem Trickrequisit, das von einem mir persönlich bekannten Zauberrequisitenhändler aus Großbritannien gebaut und vertrieben wird. Sogar die in dem Film verwendete Uhr sieht genauso aus.

Die „Psy Clock“ aus dem Zauberfachhandel

Ist das nicht eher ungewöhnlich, dass jemand im Jahr 2021 behauptet, paranormal begabt zu sein? Wenn ich zum Beispiel an die jungen Zauberkünstler denke, die ich persönlich kenne – keiner von denen käme auch nur im Entfernsten auf so eine Idee.

Ungewöhnlich ist es in der Tat. Jeder, der auf der Bühne steht oder im Internet Aufmerksamkeit sucht, hat ein gewisses Geltungsbedürfnis und eine gute Portion Narzissmus, mehr oder weniger stark ausgeprägt. Das trifft natürlich auch auf mich selbst zu, ich stehe immerhin beruflich auf der Bühne.

Ich halte es allerdings für möglich, dass dieses Geltungsbedürfnis bei jemandem, der – um Ihre Frage zu zitieren – echte paranormale Fähigkeiten behauptet, deutlich potenzierter hervortritt. Auch ein Uri Geller zum Beispiel leidet offenkundig nicht an mangelndem Selbstbewusstsein. Da solche „Medien“ nicht selten auch ihre Bücher und kostenintensive Online-Seminare verkaufen, durch die angeblich jedermann echte Psychokinese, Telepathie, „Sehen ohne Augen“ und ähnliches erlernen kann, könnten auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle spielen.

Vermutlich verkörpern selbsternannte „PSI-Stars“ eine ungesunde Mischung aus beidem: Geltungsbedürnis und der Wunsch, unkompliziert das schnelle Geld zu verdienen.

Sehen Sie dafür eine realistische Chance? Also dass Herr Maurer – oder ein anderer „Mystifier“ – mit solchen Darbietungen nochmal so etwas wie einen „Geller-Hype“ entfachen und damit berühmt werden könnte? 

In den 1970ern gab es den ein oder anderen übernatürlichen Hype, mit denen man in der heutigen Zeit kaum jemanden mehr hinter dem Ofen hervorlocken könnte. Ich denke da zum Beispiel an Chopper, den Poltergeist in der Zahnarztpraxis, den Enfield-Poltergeist aus England oder den literarischen Erfolg von Erich von Däniken.

Uri Geller hatte seinen Durchbruch in dieser Zeit mit einer anderen grandiosen Idee. Er hat geschickt den mental verbogenen Löffel zu seinem Markenzeichen gemacht. Dies war vor fast 50 Jahren noch spektakulär. Ich glaube nicht, dass in der heutigen, aufgeklärten, nüchternen Zeit irgendein Künstler mit einer ähnlichen neuen Idee sich so etablieren könnte wie einst Uri Geller.

Auf seinem Instragram-Kanal zeigt Lars Ruth einige typische „Psychokinese“-Experimente: https://www.instagram.com/p/CAtD0Reo5cT/

Wieso eigentlich nicht? Uri Geller haben die vielen Entlarvungen doch auch kaum geschadet.

Die Menschen sind viel skeptischer als noch vor 50 Jahren. Ich denke, es ist eher eine Frage der Idee, mit welchen schwer zu widerlegenden, vermeintlich übersinnlichen Fähigkeiten heute jemand berühmt werden könnte.


Uri Geller haben diverse Entlarvungen nicht geschadet, weil er eine starke Persönlichkeit ist, jemand, der jede Negativmeldung als Publicity betrachten und zu seinem eigenen Vorteil nutzen kann. Er hat sich außerdem frühzeitig bei einem Millionenpublikum etabliert,  bevor es die ersten öffentlichen Entlarvungen gab, und sich von Anfang an selbst sehr geschickt vermarktet.

Das ist heute schwieriger, weil es im Internet natürlich bereits jede Menge Trick-Entlarvungen gibt und die Menschen insgesamt gesehen weniger leichtgläubig sind. Außerdem reicht es meines Erachtens nicht, etwas Unglaubliches vorzuführen. Man braucht zusätzlich ein gewisses Charisma, mit dem man die Menschen überzeugt.

Insgesamt halte ich den Erfolg von Uri Geller in der heutigen Zeit für nur sehr schwer reproduzierbar.

Professionelle Zauberkünstler tun sich in der Regel schwer damit, zu potenziellen Tricksereien von Kollegen offen Stellung zu beziehen. Warum machen Sie in diesem Fall eine Ausnahme?

Da Herr Maurer kein Kollege ist, tue ich mich damit nicht besonders schwer.

Ich würde die Tricktechniken, mit denen man die gleichen Effekte wie Herr Maurer erzielen kann, auch nicht öffentlich erklären. Ich weise lediglich darauf hin, dass man dafür nicht unbedingt übernatürliche Kräfte zu haben braucht.

Studien haben gezeigt, dass Menschen, die an das Übersinnliche glauben, oft gar nicht wahrhaben wollen, es mit Tricks zu tun zu haben und davon überzeugt sind, dass auf der Bühne echte Phänomene zu sehen sind. Passiert Ihnen das auch manchmal?

Hier muss ich tatsächlich etwas ausholen.

In der Zauberer- und Mentalistenbranche entbrennt immer wieder die Diskussion, ob man sein Können als „echt“ verkaufen darf. Beim Zauberer weiß das Publikum, dass das Gezeigte zu einhundert Prozent eine Illusion ist. Für den Zauberkünstler stellt sich also die Frage erst gar nicht, ob man sein Können als übernatürlich interpretieren könnte.

Die Mentalkunst ist meiner Auffassung nach etwas, das sich teilweise aus der Zauberkunst entwickelt, aber eben noch um ein Vielfaches weiterentwickelt hat. Der Mentalist nutzt oft Techniken aus der Zauberkunst, aber anders als ein Zauberer nutzt er auch psychologische Raffinessen, Suggestionen und Beeinflussungen mannigfaltiger Art – auch Hypnose ist ein Teil der Mentalkunst.

Durchaus nutzt ein Mentalist übrigens auch Techniken, die vielen Zauberkünstlern nicht bekannt sind oder an die sich viele Zauberkünstler nicht herantrauen, oder Techniken, die ein Zauberer schlichtweg nicht anwenden möchte, weil es nicht zu seiner Bühnenfigur passt.

Kurz gesagt: Gut gemachte Mentalkunst hinterlässt bei einem Teil des Publikums den Eindruck, der Künstler habe echte übernatürliche Fähigkeiten.

Jetzt ist der Mentalist in einer Zwickmühle: Er erschafft das Unglaubliche direkt in den Köpfen der Zuschauer. Der Zuschauer ist beeindruckt und hat in einer abendfüllenden Show mehrere kleine und große Wunder erlebt. In unserer rationalen Welt finden gefühlte Magie und Wunder kaum noch statt. Dennoch sehnen sich viele Menschen danach. Ein Mentalist kann diese Sehnsucht meines Erachtens eher befriedigen als ein Zauberkünstler, bei dem jeder nur Illusionen erwartet.

Die Frage ist: Ist es die Pflicht des Mentalisten, diese Wunder gleich wieder zu zerstören, indem er sagt: „Ätsch, war alles nur getrickst, ich habe euch alle hinters Licht geführt!“, oder soll er das Wunder für diese Menschen einfach so stehen lassen, wie es ist?

Mit Ihrer Eigenbezeichnung „ehrlicher Scharlatan“ haben Sie diese Frage für sich im Grunde beantwortet.

Ich bin überzeugt, es gibt so etwas wie eine „Heilige Täuschung“, die denen, die danach suchen, auch in gewissen Ausrichtungen gut tut. Allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt.

Bestes Beispiel hierfür ist die Homöopathie. Jede seriöse Studie und der gesunde Menschenverstand beweisen, dass Homöopathie über den Placeboeffekt hinaus absolut keine Wirkung hat. Der Placeboeffekt – der an sich ja tatsächlich ein echtes Wunder ist – kann jedoch auch medizinisch und psychologisch gesehen viel Gutes bewirken. Allerdings auch nur bis zu einem gewissen Punkt. Sobald der Homöopath dem Patienten bei schwereren Krankheitsbildern rät, die schulmedizinische Behandlung zu vernachlässigen, ist eine Grenze überschritten und sein Handeln moralisch und ethisch nicht mehr akzeptabel.

Ich stehe auch bei meiner Kunst auf dem Standpunkt, dass es eine gewisse ethische Grenze gibt, die nicht überschritten werden darf.

Nach meiner Soloshow kommen oft Menschen zu mir, die mir die wundersamsten Erklärungen für das Gesehene auftischen. Von „morphogenetischen Feldern“ bis hin zu „Engelsenergien“, die angeblich wahrgenommen wurden, und vieles mehr. Dies passiert alles, obwohl ich mich zu Beginn der Show verbal klar positioniere, dass nichts, was ich tue, wahrhaftig ist, und dass ich ein Scharlatan bin.

Damit ist eigentlich alles gesagt.

Jemanden, der dem Erlebten dennoch Glauben schenken möchte, den halte ich nicht davon ab. Ein Kind, das sich so sehr über den Osterhasen freut, das ent-täuscht man nicht. Und das meine ich in keinster Weise despektierlich.

Ich habe meinen Zuschauern gegenüber die größtmögliche Wertschätzung. Ich will schließlich das schöne Gefühl des „Wundererlebens“ bei den Besuchern meiner Show entfachen. In gewisser Weise beneide ich sogar Menschen, die noch an Wunder glauben können, sei es aus religiösen Gründen oder aus dem „magischen Denken“ des Einzelnen heraus. Ich lasse also diesen Menschen ihren Glauben, wenn ich das Gefühl habe, dass sie dieser Glaube bereichert.

Aber vielleicht denken vorgebliche „PSI-Stars“ genauso?

Da sehe ich schon einen Unterschied.

Wunder zum Preis einer Eintrittskarte zu erschaffen, um andere Menschen zu faszinieren oder um Ihnen gute Gefühle zu bereiten, ja vielleicht auch um ihnen zu helfen, halte ich für legitim und für einen Künstler ein erstrebenswertes Ansinnen. Sich jedoch mit den gleichen Techniken finanziell zu bereichern ist Betrug und ist zu Recht geächtet.

Welchen Stellenwert haben „Psychokinese“-Techniken, wie Sie sie zeigen, für einen Zauberkünstler mit dem Schwerpunkt Mentalismus? Was würde, rein hypothetisch, ein Benedikt Maurer verlieren, wenn er als Illusionist auftreten würde?

Anders als in der Zauberkunst fehlt beim Mentalismus oft der visuelle Aspekt einer Show. Wir Mentalisten nutzen weder bunte Tücher noch aus dem Nichts erscheinende Blumensträuße. Ein abendfüllendes Mental-Programm kann zu einseitig wirken, wenn nur „Gedankenlesen“ in unterschiedlicher Ausprägung gezeigt wird. „Psychokinese“-Effekte schließen diese Lücke und passen dennoch thematisch in das Gesamtkonzept einer Mentalshow.

Ich kenne Herrn Maurer nicht persönlich. Es würde ihm meiner Überzeugung nach jedoch besser zu Gesicht stehen, mit ehrlicher Täuschungs-Kunst Geld zu verdienen, als mit den fragwürdigen Versprechungen in seinen Büchern und Online-Seminaren.

Zum Weiterlesen:

13. Juni 2021
von Bernd Harder
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Der Geist des Waldes kommt nicht zur Ruh: Dr. Jan Hegedüs zum neuen Arvay-Video

Dr. Janos Hegedüs geht kurz (zirka fünf Minuten) auf das neueste Video von Clemens Arvay ein, in dem dieser „fast lächelnd vor Freude ankündigt, dass vielleicht die erste Langzeitnebenwirkung der mRNA-Impfungen entdeckt“ worden sei:

Einen fast halbstündigen Beitrag widmete Hegedüs vor zwei Wochen Arvays Behauptungen über Kinderimpfungen:

Dieses Video ist meiner Meinung nach das schlimmste bisher, da er [Arvay] nicht mal versucht, sich objektiv und faktisch zu äußern. Er verstrickt sich stets in seine eigenen Widersprüche und versucht, seine bisherigen, widerlegten Thesen zu verteidigen – vergeblich.

Davor befasste sich Hegedüs auch mit Gunnar Kaiser, Boris Reitschuster und Patrick Strobach (ein Fitness-Influencer für vegane Athleten).

Zum Weiterlesen:

  • „Ein Jahr Corona – Im Schatten des Aluhuts“: Dr. Janos Hegedüs blickt zurück, GWUP-Blog am 1. Mai 2021
  • Video: Dr. Janos Hegedüs über die gängigsten Corona-Mythen von „Ioannidis“ bis „Übersterblichkeit“, GWUP-Blog am 16. April 2021
  • Janos Hegedüs beantwortet die Fragen von Sahra Wagenknecht zur Corona-Impfung, GWUP-Blog am 23. März 2021
  • Ach Clemens, INI am 27. Mai 2021
  • Leider noch was zu Arvay, Relativer Quantenquark am 19. April 2021
  • Rettung oder Risiko? – Eine Buchkritik (III), INI am 6. März 2021
  • Rettung oder Risiko? – Eine Buchkritik (II), INI am 4. März 2021
  • Rettung oder Risiko? – Eine Buchkritik, INI am 26. Februar 2021
  • Corona-Impfung: Die „inszenierte Opferrolle“ des Clemens Arvay, GWUP-Blog am 25. Februar 2021
  • Podcast: Die „Science Cops“ über den Fall Clemens Arvay, GWUP-Blog am 6. Juni 2021
  • COVID – Impfstoffe und (keine) „Langzeitdaten“, so funktionierts am 1. Januar 2012
  • Neues Video mit Martin Moder: Coronaimpfung – Langzeitfolgen? GWUP-Blog am 20. Dezember 2020

13. Juni 2021
von Bernd Harder
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#ferngespräch „Werwölfe“ jetzt auch als Hoaxilla-Podcast

Das #ferngespräch vom 1. Juni gibt’s jetzt auch als Hoaxilla-Podcast:

Im 60. WildMics-Special wollte Tommy Krappweis über Werwölfe sprechen. Wo kommt der Glaube, dass sich Menschen bei Vollmond in Werwölfe verwandeln, eigentlich her? Welche bekannten „Werwölfe“-Fälle aus der Geschichte kennen wir und was kann die Psychiatrie zum Thema beitragen?

Als Gast war Mirko „Der Buddler“ Gutjahr dabei.

Zum Weiterlesen:

  • WildMics Special #60 – „Werwölfe“ vom 13. Juni 2021
  • Video: „The Natural History of the European Werewolf“ by Deborah Hyde at Skepticon 5
  • Video: Die Zeit der Wölfe (1984)
  • Das Morbach-Monster: Eine deutsche Werwolf-Sage, GWUP-Blog am 4. August 2015
  • Bernd Harder: Sie sind mitten unter uns – Die Wahrheit über Vampire, Zombies und Werwölfe. Herder-Verlag, Freiburg 2012
  • Skeptiker jagt Werwolf: The Morbach Monster, GWUP-Blog am 5. April 2009
  • Echter Werwolf oder Opfer? GWUP-Blog am 2. Februar 2013
  • German Werwolf statt American Werewolf, GWUP-Blog am 19. Oktober 2010
  • Grün ist der Werwolf, GWUP-Blog am 31. Januar 2010
  • Drei seltene Erkrankungen machen noch keinen Werwolf, GWUP-Blog am 15. August 2012
  • Werwölfe und Vollmond, GWUP-Blog am 17. August 2012
  • Die „Bestie von Gévaudan“: Werwolf, Hybride oder Serienmörder? GWUP-Blog am 30. Juni 2014
  • Einhorn-Essenzen und Werwolf-Diäten, GWUP-Blog am 9. Februar 2014
  • Hoaxilla #113 – „Der Werwolf von Bedburg“ vom 27. Januar 2013
  • Hoaxilla #18 – „Der Werwolf von Gévaudan“ vom 17. Oktober 2010
  • Paranormal Popculture: Werewolf Bites – 32 Things You Didn’t Know About The Hairy Beasts
  • Mythenforschung: „Es ist das Janusköpfige, das uns fasziniert“, spektrum am 26. Oktober 2007
  • Mythen und Monster: Werwolf, ZDFinfo-Doku vom 22. November 2020
  • Der Werwolf geht um, Welt-Online am 1. Januar 2012
  • Wikipedia: Der Werwolf-Wanderweg Bedburg

13. Juni 2021
von Bernd Harder
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„Cui Bono – WTF happened to Ken Jebsen?“ – Sechsteilige investigative Podcast-Reihe

Heute Abend (Sonntag, 13. Juni) startet bei radioeins (rbb) die sechsteilige Podcast-Reihe

Cui Bono – WTF happened to Ken Jebsen?

Cui Bono erzählt die Geschichte von Ken Jebsen: dem ehemaligen Radiomoderator, der zu einem der wohl einflussreichsten Verschwörungsideologen Deutschlands wurde. Wie konnte es dazu kommen?

Der Podcast erzählt aber auch die Geschichte vom Einfluss der sozialen Medien, vom Erfolg von Verschwörungsideologien, vom erstarkenden Populismus in unserem Land – und wie all diese Kräfte sich in Zeiten von Corona gegenseitig verstärken und unsere Gesellschaft destabilisieren und beschädigen.

Ein Rezensent von Zeit-Online lobt die Produktion als „phantastisch gemacht“ und hebt insbesondere den „investigativen Anspruch“ hervor, warnt aber zugleich vor einer „unfreiwilligen Stilisierung, einer überhöhenden Psychologisierung“ des Verschwörungsideologen.

„Cui Bono – WTF happened to Ken Jebsen?“ läuft jeden Sonntag um 20 Uhr bei radioeins, um 21 Uhr bei Radio N-Joy und wird zeitgleich in die ARD-Audiothek und bei allen gängigen Podcastplattformen eingestellt.

Zum Weiterlesen:

  • Schwurbler auf Speed: Jebsen und Schrang im „Interview des Jahres“, GWUP-Blog am 12. Juni 2021
  • Eine Tragödie namens Ken Jebsen, tagesspiegel am 12. Juni 2021
  • Der Weg zum Verschwörer, taz am 13. Juni 2021
  • Could Anonymous hack kenfm.de? – Yes we Ken! anonleaks am 12. Juni 2021
  • „Verdachtsfall“: KenFM wird vom Verfassungsschutz beobachtet, GWUP-Blog am 28. Mai 2021
  • Ken Jebsen, der gefährliche Querfront-Demagoge, Belltower News am 15. Mai 2020
  • „KenFM“ bei RechteMedienInfo
  • Ken Jebsen, die tragische Figur, GWUP-Blog am 5. Dezember 2020
  • „Cui Bono: WTF happened to Ken Jebsen?“: Des Schwurblers Kern, Zeit-Online am 12. Juni 2021
  • „Cui Bono – WTF happened to Ken Jebsen?“: Neue sechsteilige Dokumentar-Podcast-Serie, presseportal am 11. Juni 2021
  • Neuer Podcast beschäftigt sich mit Jebsen und Verschwörungen, dwdl am 11. Juni 2021

12. Juni 2021
von Bernd Harder
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Video: „Wissen schützt mich“ – Ärztin und Impfbefürworterin antwortet auf Attila Hildmanns „Blitzkrieg“-Aufruf gegen sie

Gute Reaktion:

Vor zwei Wochen rief Attila Hildmann zu einem „Blitzkrieg“ gegen ein Video der Ärztin, Autorin und Ernährungsberaterin Silke Rosenbusch auf.

Eine „schwangere Gesundheitsamt-Mitarbeiterin“, die sich „mit AstraZeneca impfen lässt?!?“ – das war zuviel für den Reiskanzler, der dahinter nur „Propaganda“ und eine „lächerliche Märchenstunde“ vermuten konnte.

Jetzt hat Rosenbusch geantwortet:

Ob Hildmann-Fans, Lanka-Anhänger oder Impfgegner:

Nichts davon kratzt mich in irgendeiner Art und Weise, weil Wissen und Wissenschaft mich schützt.

Zum Weiterlesen:

  • Schmierentheatraliker und Verschwörungsideologe Attila Hildmann hat Angst vor Wissenschaftlerinnen, GWUP-Blog am 13. Juni 2020
  • Grams‘ Sprechstunde: Wie geht gute Impfaufklärung? detektor.fm am 10. Juni 2021
  • COVID-19-Impfung für Kinder und Jugendliche: RKI-Infoblatt für Eltern sowie Kinder- und Jugendärzte
  • Science Media Center: „Evidenz zur Impfung von Kindern gegen COVID-19, aktuelle STIKO-Empfehlung und der Stellenwert evidenzbasierter Empfehlungen“ vom 11. Juni 2021
  • Ach Clemens, INI am 27. Mai 2021
  • Einfach, einfacher und einfach falsch – ein paar Gedanken beim Sonntagsfrühstückskaffee, Gesundheits-Check am 6. Juni 2021

12. Juni 2021
von Bernd Harder
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Neue Broschüre zu QAnon

Am 4. März haben wir zuletzt über QAnon berichtet – an diesem Tag sollte eigentlich Donald Trump wieder als US-Präsident inauguriert werden.

Doch trotz dieser permanenten Pleiten hat sich das Phänomen mitnichten erledigt:

Bei einer Umfrage des renommierten Public Religion Research Institute stimmten 15 Prozent der 5625 Befragten den Ansichten von QAnon zu:

Noch deutlich mehr US-Bürger fanden die Aussage richtig, wonach ein „Sturm aufziehe“, der die Eliten hinwegfegen werde, um Platz zu schaffen für die „rechtmäßigen Anführer“. Zwanzig Prozent der Befragten stimmten zu, darunter 28 Prozent der Republikaner.

Ebenso viele republikanische Parteianhänger unterstützten die Aussage, wahre Patrioten müssten möglicherweise mit Gewalt dafür sorgen, dass „die Dinge wieder in Ordnung“ gebracht würden.

Zwar lehnen vierzig Prozent aller Befragten den QAnon-Unsinn ab, aber 46 Prozent sind lediglich „Zweifler“, haben also diesbezüglich keine klare Haltung.

Auch hierzulande postet Qlobal-Change unverdrossen Durchhalteparolen – allerdings „zerfleischt sich die Szene in Deutschland selbst“, analysiert Belltower News:

Ganz einfach nachzuvollziehen ist das alles nicht, denn gegenseitige Beschuldigungen und Angriffe werden über lange Sprachnachrichten und Videos in Telegramgruppen, aber auch anderen Plattformen ausgetragen. Es ist ein Krieg mit mehreren Fronten, die unterschiedlichen Lager sind nur schwer auseinanderzuhalten.

Die Hanns-Seidel-Stiftung hat eine neue Publikation zum Thema herausgegeben:

In der 100-seitigen Broschüre soll QAnon „als Weltanschauungsextremismus enttarnt und als Amalgamierung pseudoreligiöser und pseudowissenschaftlich-esoterischer Narrative aus rechtsextremen Kontexten entschlüsselt werden“.

Die Publikation kann kostenlos bestellt oder als PDF heruntergeladen werden.

Zum Weiterlesen:

  • Präsidentenhoffnung und deutsche Satanisten: Was ist los bei QAnon? Belltower News am 11. Juni 2021
  • Understanding QAnon’s Connection to American Politics, Religion, and Media Consumption, prri.org am 27. Mai 2021
  • Neue Umfrage in den USA: QAnon-Verschwörungstheorien unter US-Amerikanern sehr beliebt, rtl am 1. Juni 2021
  • Umfrage: Jeder siebte Amerikaner glaubt an QAnon-Verschwörung, BR24 am 29. Mai 2021
  • Video: Candidates who embrace QAnon are winning elections across the US, CNN am 3. Juni 2021
  • Quere Krise, jungle.world am 10. Juni 2021
  • Am 4. März beginnt Donald Trumps zweite Amtszeit … und andere QAnon-Fails, GWUP-Blog am 4. März 2021
  • QAnon-Bewegung: Zwischen Resignation und Radikalisierung, GWUP-Blog am 24. Januar 2021
  • Ist „QAnon“ identifiziert? (Er ist jedenfalls kein hochrangiges Mitglied der Trump-Regierung), GWUP-Blog am 13. September 2020

12. Juni 2021
von Bernd Harder
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Jetzt als Podcast: #ferngespräch „wahre“ Verschwörungstheorien

Das #ferngespräch vom 25. Mai gibt’s jetzt auch als Hoaxilla-Podcast:

Im 59. WildMics-Special wollten wir der Frage nachgehen, ob schon jemals eine Verschwörungstheorie zur Aufdeckung einer realen Verschwörung beigetragen hat. Und natürlich haben wir uns mit der Watergate-Affäre beschäftigt.

Eine mitunter theoretische, aber auch immens wichtige Folge.

Zum Weiterlesen:

  • WildMics Special #59 – „Verschwörungen“ vom 12. Juni 2021
  • Verschwörungstheorien: „Toxischer“ vs. gesunder Zweifel, GWUP-Blog am 29. April 2019
  • Sind Verschwörungstheoretiker „vernünftiger“? Natürlich nicht, GWUP-Blog am 18. Januar 2015
  • Kortizes-Podcast: Michael Butter über echte Verschwörungen und Verschwörungstheorien, GWUP-Blog am 20. April 2020
  • Bernd Harder: Verschwörungstheorien. Alibri 2020, 165 Seiten, 10 €

12. Juni 2021
von Bernd Harder
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Schwurbler auf Speed: Jebsen und Schrang im „Interview des Jahres“ und Neues von den „Querdenken“-Klagen

Was gibt es Neues von den „Querdenkern“?

  • Der „Querdenken“-Anwalt Dr. Reiner Fuellmich war bei dem amerikanischen Rechtspopulisten und Ex-Breitbart-Chef Steve Bannon zu Gast, der mittlerweile die Live-Show „War Room Pandemic“ beim Real America’s Voice-Network moderiert:

Fuellmich sammelt seit Monaten Geld für eine angebliche „Sammelklage“ unter anderem gegen Christian Drosten (wir berichteten) – aber außer diversen Fake News hat man davon bislang noch nichts weiter gehört.

Auch in dem Interview mit Bannon erzählt Fuellmich allerlei Unsinn, zum Beispiel „dass die einzige Grundlage für diese Pandemie die so genannten PCR-Tests von Drosten“ seien.

Nur gab es nie einen breit verwendeten „PCR-Test von Drosten“. Darüber sprachen wir im aktuellen Skeptiker (1/2021) mit dem Biologen Dr. Hendrik Borucki vom Labordienstleister Bioscientia:

Skeptiker: Christian Drosten von der Berliner Charité hat zu Beginn der Corona-Pandemie eine SARS-CoV-2-PCR entwickelt, die von Verschwörungsgläubigen sogleich als „Drosten-PCR“ geschmäht wurde. Welche Rolle spielt dieser Test überhaupt für ein niedergelassenes medizinisches Großlabor wie das ihrige mit mehr als 10 000 Corona-Proben täglich?

Borucki: Keine. Herr Drosten hat als Leiter des nationalen Referenzzentrums das SARS-CoV-2-Virus frühzeitig sequenziert und eine PCR entwickelt, mit der die spezifischen RNA-Sequenzen des Virus nachgewiesen werden können. Die Hersteller von Testkits für niedergelassene Routinelabore, wie zum Beispiel Roche oder Thermo Fisher, orientierten sich zwar unter anderem daran, entwickelten aber ihre jeweils eigenen Nachweise.

Beispielsweise unterscheiden sich in den verschiedenen Testsystemen die Zielgene der SARS-CoV-2-PCR – aber alle Anbieter müssen ihre Testkits unabhängigen Leistungsbewertungen unterziehen. Medizinische Routinelabore verwenden diese Tests von kommerziellen Testherstellern, weil derart große Probemengen pro Tag nur auf entsprechend automatisierten Plattformen bewältigt werden können.

Eine „Drosten-PCR“ als konkretes Testkit gibt es nicht.

Nichtsdestotrotz träumt Fuellmich weiter von einem „Nürnberg 2.0.“ und kündigt große Taten an:

Wir hingegen sagen den nächsten Realitätsschock für die „Querdenker“ voraus – die ohnehin schon nicht mehr ganz so leise Zweifel an den Fähigkeiten des Anwalts artikulieren.

Als letzter Ausweg bleibt aber natürlich immer noch, alle Gerichte der Welt als korrupt zu diffamieren, weshalb es folgerichtig ist, dass alle Klagen verloren gehen und Fuellmich nichts dafür kann.

  • Ein anderer „Querdenken“-Anwalt zieht gerade noch rechtzeitig die Reißleine, ehe der Ruf vollends ruiniert ist: Ralf Ludwig.

Zur Erinnerung:

„Querdenken“-Initiator Michael Ballweg wollte vom Goldenen Aluhut den „Der goldene Aluhut“-Award 2020 einklagen, woraufhin Anwalt Jun für die gemeinnützige Organisation eine Gegenklage beim Berliner Landgericht einreichte, bei der es unter anderem darum geht, die Rechtsfähigkeit von „Querdenken“ zu ermitteln.

Anscheinend hat Ballweg zwischenzeitlich gemerkt, dass das Ganze eine ziemlich blöde Idee war, und sein Rechtsbeistand macht sich lieber gleich vom Acker.

  • Der Arzt, Impfgegner und Homöopath Rolf Kron (den wir hier mit seinem unvergesslichen Statement Ich habe keine Ahnung, ob ihr jetzt gleich nach Hause fahrt und eure Frauen oder Männer verprügelt, ob ihr gewalttätig seid, ob ihr euch kinderpornografisches Material anschaut oder ob ihr Hitlerkreuze an die Wände malt – das ist mir auch völlig schnuppe verewigt haben) ist sowohl seine Reputation wie auch seine Zulassung los.

Rund 4.500 „Gefälligkeitsgut­achten“ soll Kron ausgestellt haben. Offensichtlich unrichtige Gesundheitszeugnisse, die seinen Patienten den Verzicht des Maskentragens legitimieren sollten. Die Ermittlungen laufen bereits seit Mitte September.

Auf dieses exklusive Interview haben viele von euch seit Jahren sehnsüchtig gewartet: Ken Jebsen packt heute über seine erschreckenden Erfahrungen der letzten Monate aus.

Wer hat jetzt wie „seit Jahren“ darauf gewartet, erzählt zu bekommen, was Kenny in den „letzten Monaten“ erlebt hat?

Schwurbler auf Speed

bringt es in etwa auf den Punkt.

„Gefällt mir richtig gut, dieses Interview“, kommentiert Sinan Kurtulus einige Ausschnitte aus dem zirka einstündigen Video (ab Minute 20:44):

Da ist richtig viel selbstentlarvendes Zeug dabei.

Zum Weiterlesen:

  • Video: Schurbler auf Speed, Sinans Woche am 11. Juni 2021
  • „Cui Bono – WTF happened to Ken Jebsen?“ – Sechsteilige investigative Podcast-Reihe, GWUP-Blog am 13. Juni 2021
  • Eine Tragödie namens Ken Jebsen, tagesspiegel am 12. Juni 2021
  • „Verdachtsfall“: KenFM wird vom Verfassungsschutz beobachtet, GWUP-Blog am 28. Mai 2021
  • Wie Heiko Schrang sich als „friedlicher Kämpfer“ der rechten Esoterik inszeniert, Belltower News am 5. August 2020
  • Heiko Schrang bei Psiram
  • Video: Ich kann Querdenker verstehen, Sinans Woche am 4. Juni 2021
  • „Fünf Kilo Altpapier“: Anwalt Jun zur Klage von Wodarg/Fuellmich gegen den Volksverpetzer, GWUP-Blog am 27. Februar 2021
  • Lachnummer „Sammelklage“? GWUP-Blog am 22. Januar 2021
  • Der Goldene Aluhut verklagt „Querdenker“ Michael Ballweg, GWUP-Blog am 22. Dezember 2020
  • Impfkritiker im Kompetenzcheck – Rolf Kron (I), INIBlog am 25. Juli 2020
  • Von „Querdenken“ lernen heißt zu erkennen, wie man es nicht machen sollte, GWUP-Blog am 2. Juni 2021

11. Juni 2021
von Bernd Harder
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#ferngespräch „Zeitreisen“ jetzt als Hoaxilla-Podcast

Das #ferngespräch vom 18. Mai gibt’s jetzt auch als Hoaxilla-Podcast:

Im 58. WildMics-Special beschleunigte Tommy Krappweis auf 88 Mph, um mit uns durch die Zeit zu reisen. Was ist denn nun wirklich von der Idee zu halten, durch die Zeit zu reisen? Bietet uns die moderne Physik zumindest theoretisch die Möglichkeit, uns frei in der vierten Dimension zu bewegen?

Als Gäste waren die Physiker Sascha Vogel und Reinhard Remfort von Methodisch inkorrekt dabei.

Außerdem gibt es mittlerweile die #ferngespräch-Fan-Fiction „Die Krappkaus – Die mit Kühlwaldi“.

Zum Weiterlesen:

  • WildMics Special #58 – „Zeitreisen“ vom 11. Juni 2021
  • Heute im #ferngespräch: Zeitreisen und Zeitreisende, GWUP-Blog am 18. Mai 2021 (mit Links zum Thema)

11. Juni 2021
von Bernd Harder
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Neu bei Verschwörung &Fakten: Wieviel verdient Gunnar Kaiser mit Verschwörungstheorien?

Im letzten Video von Verschwörung & Fakten ging es allgemein um Geld verdienen mit Verschwörungstheorien.

Die aktuelle Folge behandelt speziell Gunnar Kaiser und seine Masche:

YouTuber statt Lehrer. Das Beispiel Gunnar Kaiser zeigt, wie viel mit Verschwörungserzählungen auf YouTube, Patreon, Substack und Co. verdient werden kann.

Gunnar Kaiser hat seinen Beruf als Lehrer und Beamter gekündigt. Er setzt jetzt voll auf die Einnahmen aus seinen Videos. In diesen verbreitet er Verschwörungserzählungen. Wie lukrativ ist es, einen normalen Job gegen die Rolle des Verschwörungsunternehmers zu tauschen?

Kann man so 10.000, 20.000 oder sogar 30.000 Euro pro Monat verdienen?

Das Video zeigt die verschiedenen Einnahmequellen von Gunnar Kaiser auf, wie z.B. Spenden (auch über Kryptowährungen wie Bitcoin, Monero oder Dash), YouTube, Substack, Merchandise, Bücher etc. Dabei liefern die resultierenden Zahlen einen Hinweis auf die Motivation von Verschwörungsunternehmer:innen.

Offenkundig sind Verschwörungsmythen ein einträgliches Geschäft.

Zum Weiterlesen:

  • Das rechte Geschäft mit der Angst, rnd am 5. Juni 2021
  • Neu bei Verschwörung & Fakten: „Reich mit Verschwörungen?“ GWUP-Blog am 21. Mai 2021