Jetzt als Podcast: „Thementag rund um Verschwörungen“ in Bayern 2

Gestern gab’s in Bayern 2 einen “Thementag rund um Verschwörungen”.

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Er setzte sich zusammen aus diesen (neuen und älteren) Beiträgen:

Was braucht man, um eine Verschwörungstheorie unter die Leute zu bringen? Nicht viel, sagt Christian Alt, wenn man vorhandene Ängste zu nutzen weiß. Und er hat den Test mit der Rauchmelder-Abhör-Verschwörung gemacht.”

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Die Amerikaner waren gar nicht auf dem Mond! Aber sie haben AIDS entwickelt, um Homosexuelle auszurotten!” So lauten zwei populäre Verschwörungstheorien in der Wissenschaft.”

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Giulia Silberberger kämpft gegen Verschwörungstheorien. Sie berät Menschen, die in ihrem Umfeld mit Anhängern kruder Theorien zu tun haben – und darunter leiden. Ihr Tipp: gemeinsam recherchieren, um die Fakten zu klären.”

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  • Tagesgespräch: Wahrheit oder Lüge – Wie gehen Sie mit Verschwörungstheorien um? (zirka 53 Minuten):

Das Tagesgespräch wirft einen Blick auf Verschwörungstheorien und woher sie kommen (mit Prof. Michael Butter).”

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Es gibt Verschwörungstheorien, die zum Beispiel Behörden, aber auch Schulen und Krankenhäuser vor Probleme stellen können. Denn die Verbreitung lässt sich oft nicht verhindern.”

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Scripted Reality. Der Begriff suggeriert, dass hier wahre Geschichten erzählt werden. Ein falscher Eindruck, der diese Formate mit seinen Laiendarstellern zur Premiumdisziplin des Fernsehnachmittags gemacht hat.”

Der Begriff “Postfaktisch” hat eine steile Karriere hingelegt: Vom akademischen Kunstwort zum Kampfbegriff, zum Wort des Jahres. Werden die alten Autoritäten der Wissensgesellschaft nicht mehr anerkannt?”

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Verschwörungstheorien waren mal hip, vor allem in der Popkultur. Heute dagegen stellen sie eine echte Gefahr für die Gesellschaft dar. Wie konnte es nur soweit kommen?”

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 Ist Paul McCartney möglicherweise schon 1966 gestorben und durch einen Doppelgänger ersetzt worden? Und: Gibt es geheime Botschaften in Popsongs? Durchaus! Manchmal aber auch nur, um Verschwörungstheoretiker auflaufen zu lassen.”

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Zum Weiterlesen:

  • Online-Verschwörungsspiel: Wo bitte geht’s zur Weltherrschaft? GWUP-Blog am 19. Juni 2017
  • Strategien gegen alle Übel dieser Welt, Süddeutsche am 7. Juni 2017
  • Neuerscheinung: Am Anfang war die Verschwörungstheorie, GWUP-Blog am 4. Juni 2017
  • „Fakt“-Video: Wenn Verschwörungstheoretiker sich radikalisieren, GWUP-Blog am 13. Juni 2017

„Vier häufig anzutreffende logische Fehlschlüsse“ im neuen skeptisCH-Podcast

Im neuen skeptisCH-Podcast geht es um den Unterschied zwischen formaler und informaler Logik sowie um vier häufig anzutreffende logische Fehlschlüsse:

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In einer idealen Diskussion treffen stärkere und schwächere Argumente aufeinander und schlussendlich sollte sich die Seite mit den besseren Argumenten durchsetzen. Oft ist es aber gar nicht so einfach, starke von schwachen Argumenten zu unterscheiden.

Es gibt jedoch eine Vielzahl geläufiger Argumentationsmuster, die ganz klar für schlechte Argumente stehen: Die logischen Fehlschlüsse, auch bekannt als logical fallacies.”

Zum Weiterlesen:

  • Serie “Fehlschluss” im RatioBlog
  • Logische Fehlschlüsse und “Bad Arguments” erkennen, GWUP-Blog am 7. Februar 2014
  • Vortragsvideo: Denkfehler, Irrtümer und Fehlschlüsse, GWUP-Blog am 1. August 2014
  • Na logisch! Der Ad-ignorantiam-Fehlschluss, Hohe Luft am 16. Juni 2016
  • Wie erkennt man Pseudowissenschaften? Skeptiker 2/2017
  • skeptisCH – Folge 56: Fehlschlüsse, Teil 1 vom 21. Juni 2017

Video: „Verschwörungstheorien und ihre Wirkung“ – Diskussion mit Lydia Benecke in Heidelberg

Ganz interessante Diskussion beim Deutsch-Amerikanischen Institut Heidelberg:


Direktlink zum Video auf Youtube

Auf dem Podium sitzen die Psychologin Lydia Benecke vom GWUP-Wissenschaftsrat, Prof. Michael Butter vom europäischen Forschungsnetzwerk “Comparative Analysis of Conspiracy Theory” und der Religionswissenschaftler Dr. Michael Blume.

Unter anderem erklärt Butter (ab Minute 29:50), warum der umstrittene Begriff der Verschwörungstheorie “vielleicht gar nicht so falsch ist” und zu welchen konträren Aussagen über Verschwörungstheoretiker qualitativ und quantitativ arbeitende Forscher kommen.

Zum Weiterlesen:

  • Verschwörungstheorien sind alt wie die Menschheit, Gedankenwerkstatt am 22. Juni 2017
  • Phil.Cologne-Debatte über Verschwörungstheorien: “Ich sehe was, was du nicht siehst!” Deutschlandfunk Kultur am 18. Juni 2017
  • Online-Verschwörungsspiel: Wo bitte geht’s zur Weltherrschaft? GWUP-Blog am 19. Juni 2017
  • Strategien gegen alle Übel dieser Welt, Süddeutsche am 7. Juni 2017
  • Neuerscheinung: Am Anfang war die Verschwörungstheorie, GWUP-Blog am 4. Juni 2017
  • Der Goldene Aluhut – Radio Special, rederei fm am 21. Juni 2017

„Zeit“-Interview: Homöopathie Bullshit-Bingo mit Frau Bajic

Bemerkenswertes Interview mit der DZVhÄ-Oberhomöopathin Cornelia Bajic bei Zeit-Wissen.

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Sehr treffende Fragen der beiden Zeit-Redakteure Josephina Maier und Jan Schweitzer – und Antworten, die man nicht zu kommentieren braucht.

Auf der Einhorn-Koppel der Frau Bajic

  • “… wünschen sich die Menschen die Erstattung der Homöopathie durch die Krankenkasse” (das Gegenteil ist der Fall)
  • “… gibt es diverse Studien, die die Wirtschaftlichkeit der Homöopathie belegen” (das Gegenteil ist der Fall)
  • “… gibt es hochwertige Studien, die belegen, dass Homöopathie wirkungsvoller ist als eine Therapie mit Placebo” (das Gegenteil ist der Fall)
  • “… ist das Wirkprinzip der Homöopathie bis heute nicht bekannt” (was daran liegt, dass es gar keine Wirkung über den Placebo-Effekt hinaus gibt)
  • … sind die “unseriösen” Homöopathen immer die anderen
  • … müssen Anekdoten als “Wirksamkeitsnachweis” herhalten
  • … ist die “Beliebtheit” der Homöopathie das entscheidende Argument für ihre Anwendung

Und so weiter, und so fort. Im Grunde spielt Frau Bajic einfach nur das “Homöopathie Bullshit Bingo” einmal komplett durch.

Am Ende dieses selbstentlarvenden, faktenfreien Geschwurbels bleibt eigentlich nur noch die Frage offen, was Frau Bajic über den Weihnachtsmann denkt.

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Übrigens ist heute im Blog Die Erde ist keine Scheibe schon vor der Veröffentlichung des Zeit-Interviews eine Replik auf Frau Bajics Lieblingsphrase “Wir sehen ein Phänomen …” erschienen.

Zum Weiterlesen:

  • Interview mit Cornelia Bajic: “Homöopathie kann nicht alles”, Zeit-Wissen am 21. Juni 2017
  • “Wir sehen ein Phänomen …”, Die Erde ist keine Scheibe am 21. Juni 2017
  • Warum bloß? Die Erde ist keine Scheibe am 14. Juni 2017
  • Pharmaverband verteidigt die Homöopathie, DAZ-online am 20. Juni 2017
  • Propaganda statt wirksamer Medizin: Homöopathie in der Flüchtlingshilfe, GWUP-Blog am 20. Juni 2017
  • Homöopathie bei “Brisant”: Säkulares Weihwasser, GWUP-Blog am 16. Juni 2017
  • Die “Tagesthemen” beim Weltkongress der Homöopathen in Leipzig, GWUP-Blog am 14. Juni 2017
  • „Humbug“: Natalie Grams zum Homöopathen-Kongress, GWUP-Blog am 14. Juni 2017
  • Kritisches zum homöopathischen Weltärztekongress in Leipzig, GWUP-Blog am 13. Juni 2017
  • Offizielle Erklärung des INH zur Veröffentlichung der WissHom: „Der aktuelle Stand der Forschung zur Homöopathie

Jetzt neu in jedem „Skeptiker“: Das SchlauLicht im Printformat

Das SchlauLicht (“Der Podcast für Neugierige”) gibt’s jetzt auch im Printformat – und zwar in jeder neuen Skeptiker-Ausgabe.

Im aktuellen Heft (2/2017) starten Oliver Bechtoldt, Jörg Sartorius und André Sebastiani mit dem Thema Kryptozoologie.

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Das doppelseitige “SchlauLicht”-Inlay kann hier als PDF kostenlos runtergeladen werden.

Ein begleitendes Interview mit den drei “SchlauLichtern” von Holger von Rybinski ist als E-Paper im Skeptiker-Kiosk zu erwerben.

Zum Weiterlesen:

Europäischer Skeptiker-Kongress im September in Breslau

Der europäische Skeptiker-Kongress ESC findet vom 21.-24. September in Breslau statt.

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Zu den Referenten gehören Leo Igwe, James Randi, Massimo Polidoro, Susan Blackmore und Dr. Holm Hümmler.

Im Mittelpunkt stehen die Themen

  • Science & Religion
  • Skeptical Psychology
  • GMOs
  • Science, Pseudoscience & Media
  • Education & Critical Thinking
  • Paranormal Investigation
  • Exorcisms & Science

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Homepage, Facebook- und Twitter-Seiten sind jetzt online.

Tickets für den ESC gibt es hier.

Zum Weiterlesen:

  • Exorzismus-Doku „The Battle with Satan“ im Mai in drei Berliner Kinos, GWUP-Blog am 16. April 2017
  • Parapsychologie und Empirie: die Psychologin Susan Blackmore auf der Suche nach dem Ich, Zeit-Online am 30. August 1996
  • Wie man vom Atommodell zu Jesus kommt – ein Rezept für Quantenquark, Relativer Quantenquark am 21. Juni 2017

Die „Pressesch(l)au” bei Massengeschmack-TV: „Xavier Naidoo ist Reichsbürger“

In der “Pressesch(l)au” beim Onlineportal Massengeschmack-TV analysiert Lars Golenia die Compact-Ausgabe mit Xavier Naidoo (wir berichteten hier).


Direktlink zum Video auf Youtube

Klare Ansage von Golenia:

Bei allen Zugeständnissen, die ich Naidoo bereits gemacht habe und noch machen werden: Exakt so, wie Frau Feuerbach es beschreibt [Anm.: in einem FAZ-Artikel, der von Compact heftig kritisiert wird], ist der Text [von "Marionetten"] zu deuten. Und nicht anders.

Und wenn Naidoo oder irgendwer sonst noch so sehr beteuert, dass das alles harmlos ist und er nur die Zustände allgemein kritisiert und Politiker für ihr Fehlverhalten anprangern will und was weiß ich nicht – alles Bullshit!

Der Text ist für diese ganzen “Reichsbürger”, Pegida-Laufburschen, Montagsdemonstranten, Koppverlag-Besteller und Compact-Leser gemacht. Und die sollen genau das hineininterpretieren [...]

Ich stimme trotz allem zu: Naidoo ist natürlich kein Nazi. Er ist “Reichsbürger”. Wie tief er im Sumpf steckt, wissen wir nicht. Aber wir wissen, wie der Bodensatz aussieht.”

Genau. Nämlich so sieht er aus:

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Spätestens jetzt sollte Xavier Naidoo bewusst werden, was er mit seiner Musik angerichtet hat”,

kommentiert das die Huffington Post.

Und die Schwäbische Zeitung schreibt über Naidoos Salem-Konzert:

Man fragt sich, was sich der Musiker noch leisten muss, damit auffällt, dass er ein Wirrkopf ist, der Nächstenliebe mit falscher Offenheit verwechselt.”

Das fragen wir uns schon lange.

Zum Weiterlesen:

  • Xavier „Ich repräsentiere die Liebe“ Naidoo und seine Freunde, GWUP-Blog am 16. Juni 2017
  • Video: Naidoos fortwährende antidemokratische und antisemitische Missverständnisse, GWUP-Blog am 11. Mai 2017
  • “Du bist kein Künstler, Xavier. Du bist ein wirrer Verschwörungstheoretiker“, GWUP-Blog am 5. Mai 2017
  • Xavier Naidoo hat eine Reichsbürger-Hymne geschrieben, FAZ am 3. Mai 2017
  • Die übermotivierten Schwiegersöhne, schwäbische.de am 18. Juni 2017
  • Absage gefordert: Protest gegen Open-Air der „Söhne Mannheims“ und Xavier Naidoos, Mitteldeutsche Zeitung am 21. Juni 2017
  • Österreichischer Neonazi Honsik ehrt Xavier Naidoo in “Ballade”, derStandard am 21. Juni 2017
  • In was für einem Land leben wir eigentlich? Mit “Reichsbürger”-Ideen durch Absurdistan, Skeptiker 2/2017

Propaganda statt wirksamer Medizin: Homöopathie in der Flüchtlingshilfe

Auch das Augsburger Projekt “Tür an Tür” im „netzwerk4A“ öffnet sich den “Homöopathen ohne Grenzen”.

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Jener dubiosen Organisation also, denen Experten vorwerfen, “westliche Quacksalberei” in Krisengebiete zu exportieren, und zu der die Schweizer Skeptiker schreiben:

Eine humanitäre Organisation hat zum Ziel, Menschen zu helfen, und wählt Werkzeuge, mit denen das zu bewerkstelligen ist. Homöopathen ohne Grenzen hat offenbar nicht zum Ziel, Menschen zu helfen, sondern Homöopathie zu verbreiten.”

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Auch das Informationsnetzwerk Homöopathie hat jetzt eine Stellungnahme zum Thema “Homöopathie als Flüchtlingshilfe” veröffentlicht. Darin heißt es:

Hilfsbedürftige Menschen aus einem fremden Kulturkreis, die nun wirklich nicht als „mündige Patienten“ angesehen werden können, werden für homöopathische „Methoden“ regelrecht akquiriert. Menschen, die schwere Traumata zu verarbeiten haben – was explizit „Ziel“ der Aktionen der Homöopathen ohne Grenzen ist.

Keine Frage: All diese Menschen psychologisch und psychotherapeutisch fachgerecht zu versorgen, ist eine fast unlösbare Aufgabe. Aber das Angebot einer Scheintherapie kann doch wohl keine Lösung sein! Bei traumatisierten Menschen, oft Kindern? [...]

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Die unspezifische “Behandlung” schwerer psychischer Erkrankungen mit homöopathischen Placebos statt mit leitliniengerechten Medikamenten sprengt unseres Erachtens jeden noch irgendwie tolerierbaren Rahmen. Gerade bei schweren Depressionen kann das Ausbleiben einer spezifischen wirksamen Behandlung wegen einer möglichen Suizidgefahr im schlimmsten Fall sogar tödlich enden.

Nicht selten ist ein traumatisierter oder schwer depressiver Mensch erst mithilfe einer individuell durch einen Facharzt eingestellten medikamentösen Unterstützung überhaupt therapiefähig.

Selbst der Aspekt des Placeboeffekts muss in diesem Zusammenhang kritisch gesehen werden. Die Sprachbarriere und die Herkunft aus einem anderen Kulturkreis, auch und gerade im Zusammenhang mit psychischen Problemen lassen es unvorhersehbar erscheinen, ob und wie ein Placeboeffekt eintreten wird.

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Da möglicherweise die Patienten in diesem Fall die „Behandlung“ gar als übergriffig oder autoritär empfinden könnten, ist sogar ein Noceboeffekt denkbar [...]

Unter dem Deckmantel von Hilfsbereitschaft und Unterstützung von Flüchtlingsinitiativen verbreiten die Homöopathen ohne Grenzen ihre Propaganda für unwirksame Behandlungsmethoden.”

Zum Weiterlesen:

  • Homöopathie als „Flüchtlingshilfe“ – ein medizinisches und ethisches Problem, Informationsnetzwerk Homöopathie am 19. Juni 2017
  • Homöopathen ohne Grenzen machen jetzt in „Flüchtlingshilfe“, GWUP-Blog am 26. August 2015
  •  Nichts gelernt? Flüchtlingshilfe Solingen will Mitarbeiter von Heilpraktikerin fortbilden lassen, GWUP-Blog am 21. August 2016
  • Ansbacher Selbstmordattentat: Mit kleinem Heilpraktikerschein an Flüchtlingen rumdilettieren, GWUP-Blog am 1. August 2016
  • Der grenzenlose Irrglaube der Homöopathen ohne Grenzen, GWUP-Blog am 4. Dezember 2013
  • Homöopathen ohne Grenzen: Nützt es nicht, schadet es auch nicht? skeptiker.ch am 15. Dezember 2013

Anousch Mueller in Nürnberg: Heilpraktiker und ihre „alternativen Sichtweisen“

Update vom 21. Juni: Die Veranstaltung fällt krankheitsbedingt aus!

Die Vortragsreihe

Vom Reiz des Übersinnlichen: Paranormales und Skepsis”

in Nürnberg geht am nächsten Dienstag (27. Juni) weiter.

Die Autorin Anousch Mueller spricht über

Mehr Dinge zwischen Himmel und Erde? Wie Heilpraktiker mit esoterischen Vorstellungen arbeiten”

Aus der Ankündigung:

Heilpraktiker sind populär. Ungeachtet aller Kritik und Skandale schwören viele Patienten auf Heilpraktiker und ziehen sie sogar Ärzten vor. Das hat nachvollziehbare Gründe: Patienten fühlen sich von Medizinern oftmals unverstanden und abgekanzelt. Außerdem genügen vielen ärztliche Diagnosen und Therapievorschläge nicht.

Kein Wunder, ist man beim Googeln doch auf sogenannte alternativmedizinische Sichtweisen auf Krankheit und Heilung gestoßen. Auch durch Mundpropaganda und Medien verbreiten sich Gesundheitsmythen und irrationale Vorstellungen vom menschlichen Körper. Da haben Heilpraktiker leichtes Spiel.

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Wo dem Arzt durch Wissenschaft und Vernunft Grenzen gesetzt sind, können Heilpraktiker unwissenschaftliche und esoterische Behauptungen aufstellen. Für Patienten klingt das oft genug plausibel.

Doch warum sind übersinnliche Vorstellungen für Patienten so attraktiv? Und mit welchen Methoden vermitteln Heilpraktiker diese Vorstellungen?”

Die Veranstaltung im Planetarium beginnt um 19.30 Uhr. Der Eintritt kostet 7,50 € (erm. 5 €).

Update vom 21. Juni: Die Veranstaltung fällt krankheitsbedingt aus!

Zum Weiterlesen:

  • Interview mit Anousch Mueller: Sollten wir uns den Besuch beim Heilpraktiker künftig sparen? GWUP-Blog am 1. Juli 2016
  • Skeptiker-Interview mit Anousch Mueller, GWUP-Blog am 14. Juni 2016
  • Von der Gutgläubigkeit hin zu Faktendenken: Anousch Müller über ihr Buch „Unheilpraktiker“, GWUP-Blog am 15. Mai 2016
  • Ärztetag: Heilpraktiker sind nicht integrierbar in ein modernes Gesundheitswesen, GWUP-Blog am 26. Mai 2017
  • Vom Reiz des Übersinnlichen“: Dr. Natalie Grams und Anousch Mueller in Nürnberg, GWUP-Blog am 1. Juni 2017

Methadon: Unterdrückt die Pharmaindustrie ein günstiges, wirksames Krebsmedikament?

Seit Wochen wird ein plusminus-Beitrag in zahllosen Online-Foren als Beweis dafür gepostet, dass die Pharmaindustrie “ein super günstiges und effektives Krebsmittel unterdrückt”.

Allerdings trug dazu auch die ARD selbst mit ihrer Ankündigung bei:

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Was hat es damit auf sich?

Schon vor drei Jahren haben Medien wie die Mittelbayerische Zeitung darüber berichtet, dass Methadon die Wirkung von Chemotherapien verstärken könnte – Bezug nehmend auf die Forschung von Dr. Claudia Friesen an der Universität Ulm, über die idw-online 2013 schrieb:

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2015 schrieb die Zeitschrift für Gastroenterologie über die fortgeschrittenen Planungen Friesens für eine klinische …

… Phase I/II-Studie zur Therapie mit D,L-Methadon in der Behandlung von Patienten mit histologisch gesicherten chemorefraktären kolorektalen Karzinomen.”

Am 17. August 2016 brachte die Tagesschau das Thema und berichtete von “80 erfolgreich behandelten Patienten”.

Daraufhin warnte die Pharmazeutische Zeitung vor “übermäßiger Euphorie” und zitierte die Ulmer Molekularbiologin Claudia Friesen mit dem Satz:

Für eine Studie fehlte bislang das Geld.”

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Zugleich sah sich die Universität Ulm zu einer Stellungnahme genötigt, in der die Wissenschaftler um Claudia Friesen klarstellen, dass die von der Tagesschau genannten 80 Patienten …

… nicht am Universitätsklinikum Ulm und nicht im Rahmen von klinischen Studien behandelt wurden, sondern Methadon entweder als Schmerztherapeutikum bei Tumorschmerzen oder im Rahmen eines „off label“-Einsatzes des Medikaments erhielten.

Die Angaben zum Erfolg der Behandlung beruhen nicht auf wissenschaftlichen Publikationen und sind für uns nicht überprüfbar. Es lässt sich daher nicht beurteilen, ob bei diesen Patienten ein möglicher Therapieerfolg auf Grund der Einnahme von Methadon eingetreten ist.

Daher halten wir den unkritischen Einsatz von Methadon außerhalb klinischer Studien für nicht gerechtfertigt.”

Der unkontrollierte Einsatz wecke bei Patienten unrealistische Erwartungen, die sich nachteilig für die Patienten auswirken könnten.

Das ist im Grunde der gegenwärtige Stand, zu dem der plusminus-Bericht wenig Neues beigetragen hat.

Richtig ist, dass Methadon für Arzneimittelhersteller …

… kein wirtschaftliches interessantes Produkt ist”,

erklärt Mimikama/ZDDK in einem aktuellen Faktencheck. Und dass für pharmaunabhängige Studien “nur wenige Mittel zur Verfügung stehen”.

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Das sei indes bei weitem nicht das einzige Hindernis:

Die Schwelle für solche Studien ist aus gutem Grund sehr hoch, da sie immer ein ethisches Dilemma darstellen: Hier wird bei Schwerkranken mit potenziell gefährlichen Drogen experimentiert – nicht selten zu Ungunsten anderer Therapieformen. Außerdem bekommt eine Kontrollgruppe der Patienten ein Placebo, wird also gar nicht behandelt.

Die Vorergebnisse müssen also eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Wirksamkeit nahelegen, um eine solches Experiment an Menschen zu rechtfertigen.”

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Eben dies ist aber derzeit nicht der Fall. Auch das industriekritische arznei-telegramm schreibt klipp und klar:

Unabhängige klinische Forschung wird in Deutschland unzureichend gefördert. Diese unbefriedigende Situation kann jedoch nicht den unkritischen Einsatz einer experimentellen Therapie rechtfertigen. Wir raten von der unzureichend begründeten Off-label-Anwendung von Methadon zur unterstützenden Tumortherapie ab.”

Dennoch geht die Forschung weiter – von einer gezielten “Unterdrückung” kann keine Rede sein.

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Das Ärzteblatt berichtet von “ersten klinischen Daten” der Berliner Charité (eine retrospek­tive, nicht kontrollierte Studie mit 27 Patienten) und zitiert die Neuroonkologische Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Krebsge­sellschaft:

Aus Sicht NOA entwickelt sich das Thema, vor allem durch die unkritische Popularisierung der Daten, zu einer Herausforderung für die leitliniengerechte Therapie der Patienten“, sagt der Sprecher der NOA, Wolfgang Wick, Direktor der Neurologischen Klinik in Heidelberg.

Aus diesem Grund hält er die Durchführung einer klinischen Studie trotz der dünnen Faktenbasis für gerechtfertigt. „Um endlich belastbare Daten zur Verfügung zu stellen, berät der Vorstand der NOA derzeit darüber, eine solche Studie unabhängig von Pharmaun­ternehmen durchzuführen.”

Zum Weiterlesen:

  • Verhindern Ärzte und Pharmaindustrie eine revolutionäre neue Krebstherapie? Mimikama/ZDDK am 18. Juni 2017
  • Diskussion um potenzielle Anti-Tumor-Wirkung von Methadon, Ärzteblatt am 24. Mai 2017
  • Methadon als Krebsmittel: Klinische Studien müssen Wirksamkeit belegen, gesundheitsindustrie-bw am 26. April 2016
  • Krebs: Gefährliche Online-Lügen, GWUP-Blog am 10. April 2017
  • Video: Vermeintliche Krebs- Wundermittel und das „Zentrum der Gesundheit“, GWUP-Blog am 13. Juni 2017
  • Zehn Gründe, warum es keine “Krebs-Verschwörung” gibt, GWUP-Blog am 8. Juli 2015
  • Alternative Krebsbehandlung: Carl-Sagan-Preis 2017 der GWUP für Undercover-Doku/-Artikel, GWUP-Blog am 14. März 2017




NEU: Skeptiker 2/2017

SKEPTIKER 4/2016

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