gwup | die skeptiker

… denken kritisch seit 1987.

7. März 2026
von Felix Pfannstiel
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Termin beim hbbk: Aussteiger Bernd Fleißer berichtet über seine Zeit in der evangelikalen Bewegung

Beim Humanistischen Bildungs- und Begegnungszentrum Konstanz findet kommende Woche ein Vortrag statt. m Dienstag berichtet Bernd Fleißer, der selbst aus der evangelikalen Bewegung ausgestiegen ist, über seine Erfahrungen:

Pietkong
Eine kritische Auseinandersetzung mit der evangelikalen Bewegung
Ihre Gottesdienste sind perfekt inszenierte Events und mobilisieren zunehmend mehr junge Menschen. Auch in den Sozialen Medien gelingt es jungen Christfluencerinnen mit stylisher Performance zum einen erzkonservativ-christliche Messages und zum anderen trendige Devotionalien unter die Fangemeinde zu streuen.

Zeit: Di, 10. März, von 19:00 – 20:30 Uhr
Ort: hbbk, Zähringerplatz 32, 78464 Konstanz
Eintritt: 8 € [für Mitglieder/Studenten/Schüler 5 €; für Premium-Mitglieder frei]

Aus der Veranstaltungsbeschreibung:

Trotz – oder wegen – des Bedeutungsverlustes der traditionellen Kirchen rekrutieren christliche Fundamentalisten mit erstaunlichem Erfolg ihre Anhängerschaft in einer zunehmend säkularen Gesellschaft. Kaum bemerkt, haben sie ein ausgedehntes Netzwerk etabliert, so dass ihre Einflussnahme auf die Gesellschaft voranschreitet. Verborgen bleiben auch die Folgen der christlich-fundamentalistischen Überzeugungen auf die Entwicklung der Gläubigen aber auch auf Gesellschaft und Politik. Bernd Fleißner war mehr als 35 Jahre Teil der konservativen Blase, studierte an zwei fundamentalistisch ausgerichteten Seminaren und war anschließend als Pastor tätig. Mit zeitlichem Abstand nach seinem Ausstieg aus der evangelikalen Bewegung setzte er sich in Buchform unter verschiedenen Aspekten kritisch mit ihr auseinander. Der ehemalige Pastor informiert sachkundig über die evangelikale Bewegung, ihre religiösen Annahmen, ihre vordergründige Attraktivität sowie ihre Risiken und Nebenwirkungen.

Zum Eventeintrag im Skeptischen Netzwerk!

Zum Thema:

  • Artikel: Innerchristlicher Kulturkampf: Seb Schnelle mit Beiträgen zur religionspolitischen Strategie der AfD, GWUP-Blog vom 05.03.2026
  • Artikel: Ein neuer Ort für Aufklärung und Austausch: Das Humanistische Bildungs- und Begegnungszentrum Konstanz, GWUP-Blog vom 19.04.2025
  • Artikel: Neue Broschüre: Von Astrologie bis Verschwörungstheorien jetzt kostenlos zum Download, GWUP-Blog vom 10.10.2024 [enthält einen Beitrag zur Evangelikalen Bewegung]

Hinweis:

  • Falls ihr Ideen, Anregungen oder Empfehlungen habt bzw. selbst ein Gastkapitel für den GWUP-Blog schreiben möchtet, kontaktiert uns unter: blog@gwup.org
  • Wenn ihr noch nicht im Skeptischen Netzwerk angemeldet seid, möchten wir euch herzlich dazu einladen. Dort finden GWUP-Mitglieder und Interessierte eine Plattform für Diskussionen und Austausch rund um skeptische Themen:

5. März 2026
von Felix Pfannstiel
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Innerchristlicher Kulturkampf: Seb Schnelle mit Beiträgen zur religionspolitischen Strategie der AfD

Kurz vorgestellt: Zwei aktuelle hpd-Beiträge von Seb Schnelle zum Verhältnis der AfD zu Religion und Kirche.


Kann nur die Orthodoxie Deutschland retten?

vom 03.03.2026

Im Text vom Dienstag geht Seb einen Blogbeitrag des AfD-Politikers Hans-Thomas Tillschneider durch:

Der AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider erklärt in einem Blogbeitrag, nur eine „deutsche Orthodoxie“ könne Deutschland vor moralischem und geistigem Verfall retten. In einem wirren Text attackiert er die „Ehe für alle“, das Gendern und einen christlichen Universalismus. Als Gegenmodell verklärt er die orthodoxen Kirchen in Abgrenzung zur westlichen Christenheit und offenbart dabei ein rückwärtsgewandtes Gesellschaftsbild.

Tillschneiders Kritik zielt auf die großen Kirchen, wie Seb feststellt:

Denn diese – in der AfD-Diktion „Kirchensteuerkirchen“ genannt – sind laut dem AfD-Mann im Fall der evangelischen Kirche „bereits unrettbar verdorben“ beziehungsweise im Fall der katholischen Kirche „zumindest in Deutschland mehrheitlich erlösungsbedürftig“.

Was schwebt ihm stattdessen vor?

Um genau zu sein sinniert er über eine „eigenständige deutsche Orthodoxie“, die an „vor-lateinische germanische Wurzeln“ anknüpfen müsse. […] Anlass dafür ist, dass die Amtskirchen gegen göttliche Gebote und die göttliche Ordnung verstoßen würden […] Das alles, weil die EKD die „Ehe für alle“ begrüßt, die „eine Entwertung der Ehe“ darstelle, da diese dadurch „gleich gültig neben alle erdenklichen Sexualgemeinschaften gestellt wird“.

Weiter:

Überhaupt verurteilt er einen christlichen Universalismus und die Tatsache, dass die Bischofskonferenz und die EKD „jedes Bekenntnis zu den Völkern“ verdammen würden.

Tillschneider sieht sein Ideal in den orthodoxen Kirchen. Eine Abneigung gegenüber der Moderne ist da nur folgerichtig:

Man merkt, dass Herr Tillschneider gar fürchterbar an der Moderne leiden muss, wenn er auf X den tiefgründigen Gedanken teilt, dass ihm beim „Nachdenken über die Moderne“ aufgefallen sei, dass „modern“ ein Anagramm von „morden“ sei. Ob er für solche tiefen Gedanken wohl Zeit im orthodoxen Dreifaltigkeitskloster verbracht hat, wie es auch Götz Kubitschek und Björn Höcke getan haben sollen?

Sebs Fazit:

Der Text Hans-Thomas Tillschneiders lässt einen als säkularen Leser sprachlos zurück, weil man gar nicht weiß, wo man ob des gesammelten Unsinns mit einer Kritik sinnvoll ansetzen sollte. […] Immerhin haben wir aber dank Tillschneider eine Idee davon, wann die gute alte Zeit war, in die manche aus der AfD zurück möchten: vor 1054, vor dem Großen Schisma.

Zum Volltext.


Innerchristliches Wettrüsten: AfD Sachsen-Anhalt will Kirchen Gelder streichen

vom 06.02.2026

Ein zweiter Text richtet den Blick auf das Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt:

Im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt rückt die AfD die Kultur- und Religionspolitik ins Zentrum ihres „Regierungsprogramms“. Hinter der Forderung, kirchliche Privilegien abzuschaffen, verbirgt sich der Versuch, die großen Kirchen zu schwächen und zugleich streng konservative Glaubensgemeinschaften zu fördern. So versucht die AfD Religion gezielt für ihre reaktionäre Agenda zu nutzen.

Seb zitiert aus dem Programm:

In diesem werden vor allem religionspolitisch überraschende Forderungen gestellt: Zum einen heißt es unter Punkt V.19. „Christentum fördern – kleine Kirchen fördern!“ und unter Punkt XVI.5. „Staatlichen Kirchensteuereinzug einstellen!“ In der Präambel steht darüber hinaus: „Da die Kirchensteuerkirchen […] sich auch ansonsten von ihrer Kernaufgabe, der Pflege des christlichen Glaubens, entfernt haben, wollen wir all ihre Privilegien abschaffen.“

Es geht dabei vor allem um eine politische Bewertung ihrer Ausrichtung:

Die großen Kirchen werden nicht abgelehnt, weil sie selbst einer strukturell traditionell und rückwärtsgewandten Tradition angehören, sondern weil sie der AfD nicht ausreichend traditionell und rückwärtsgewandt sind.

Beispiele:

Als Gründe werden die Unterstützung einer „Regenbogenideologie“ und „das gesellschaftliche Zerstörungswerk der Altparteien“ genannt, das durch die großen Kirchen vorangetrieben werde. Es ist bekannt, dass viele AfD-Politiker eine Nähe zu sehr konservativen christlichen Bewegungen suchen und dass sich diese oft in Freikirchen, evangelikalen und pfingstlerisch-charismatischen Gemeinden finden.

Um was es eigentlich geht:

Der Angriff der AfD Sachsen-Anhalt auf die großen Kirchen ist also eine innerchristliche Auseinandersetzung, in der es nicht darum geht, Religion aus der Politik zu lösen, sondern darum, bestimmte religiöse Akteure durch andere – der AfD genehmere – religiöse Akteure zu ersetzen. Namentlich will man evangelikale Netzwerke mit extrem konservativen Ansichten stärken. Dabei dürfte es auch nicht schaden, dass diese Netzwerke Verbindungen zu den Republikanern Donald Trumps haben, von denen sich die AfD Schutz im Fall eines möglichen Verbotsverfahrens erhofft.

Zum Volltext.


Zum Thema:

  • Video: Götz Kubitschek: Das soll ein neurechter „Vordenker“ sein?, BiasedSkeptic vom 14.02.2026
  • Artikel: Ankündigung: Vortrag beim Düsseldorfer Aufklärungsdienst: „Neoreaktion – Ideologie der ‚dunklen Aufklärung’“ von Sebastian Schnelle, GWUP-Blog vom 08.11.2025
  • Artikel: Artikelserie von Sebastian Schnelle im hpd: Islamismus & rechte US-Politik, GWUP-Blog vom 03.05.2025
  • Artikel: Seb von Vorpolitisch zu Gast bei imps Skeptrum: Islamismus & die Neue Rechte, GWUP-Blog vom 07.03.2025
  • Video: Gemeinsam gegen die moderne Welt, Düsseldorfer Aufklärungsdienst (Vortrag von Sebastian Schnelle) vom 05.03.2025
  • Artikel: Vortrag: Judith Faessler und Sebastian Schnelle referieren über das unwissenschaftliche Weltbild der Neuen Rechten (Skepkon 2024), GWUP-Blog vom 04.02.2025
  • Podcast: Die Alt-Right, Vorpolitisch vom 29.12.2024

  • Buch: Sebastian Schnelle: Gemeinsam gegen die moderne Welt. Wie Rechtsradikalismus und religiöser Fundamentalismus die offene Gesellschaft bedrohen, Alibri-Verlag, 2026, 246 Seiten, 18,00 € [Vorbestellung möglich]

Hinweis:

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3. März 2026
von Felix Pfannstiel
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Gastbeitrag: Es gibt nur zwei biologische Geschlechter

ein Gastbeitrag von Michael Toppel

Dieser Beitrag erschein zuerst auf dem Blog des Autors und wird hier als Gastbeitrag zweitveröffentlicht.


Es gibt nur zwei biologische Geschlechter

Bild von einem Instagram-Post von Mario Lindner.

Oben ist der Text, den Mario Lindner eingefügt hat:
"Doch zum Glück gibt es auch Personen, die sich auf Social Media konstruktiv für Fakten einsetzen!"

Darunter der Screenshot einer Kommentatorin namens Annika, die folgenden Text schreibt:
"Allen die hier kommentieren, dass es nur zwei Geschlechter gibt: nein. Da muss ich als Medizinerin widersprechen. Es gibt Babys mit xy (männlicher Chromisomensatz), die äußerlich ein Mädchen sind bei der Geburt und genauso gibt es genetisch weibliche Babys mit penisähnlichen Genitalien. Zusätzlich gibt es noch jede Menge anderslautende Chromosomensätze als xx und xy. Beusielsweise xo, xx usw.
Erst informieren statt blamieren umd das rate ich vor allem den FPÖ-politikern im Nationalrat, die viel Geld für ihr Amt kassieren. Da ist es wohl nicht zu viel verlangt, ordentlich zu recherchieren. Schließlich handelt es sich nach Schätzungen um bis zu 1,7% der Bevölkerung."
Screenshot von Michael Toppel | instagram.com/mariolindner82

Der Abgeordnete zum österreichischen Nationalrat Mario Lindner (SPÖ) konnte es nicht lassen und musste auf seine falsche Aussage, dass es mehr als zwei biologische Geschlechter gebe, noch einen draufsetzen. Er zitiert dabei das Posting einer Medizinerin, die Altbekanntes und bereits dreimal Durchgekautes über Variationen in der biologischen Entwicklung von Menschen anführt. 

Ja, der menschliche Organismus ist ein komplexes System, und ja, ein einzelner menschlicher Organismus kann sich daher auf vielfältige Weise von anderen unterscheiden. Aber die Komplexität in der Geschlechtlichkeit eines individuellen Organismus ist nicht dasselbe wie die Komplexität der Geschlechter des Menschen. Schon gar nicht bezogen auf das Genom, wie es die Medizinerin Annika anspricht, da Gene nicht der Bauplan des Körpers sind, sondern nur die Bibliothek aller für den Bau zur Verfügung stehenden Pläne. Das heißt: Das Genom ist eine Sache – welche Baupläne hervorgeholt werden, um den Körper zu bauen, eine andere.

Es ist in den letzten Jahren nun wirklich oft genug wiederholt worden, dass das Geschlecht von den sogenannten Gameten abhängt, von denen es beim Menschen nun einmal genau zwei gibt. Das Geschlecht eines Menschen legt sich demnach in der sechsten Schwangerschaftswoche fest, wenn sich die Keimzellen des Fötus während der Aus- bzw. Zurückbildung der Wolffschen und Müllerschen Gänge ausdifferenzieren. Das ist keine willkürliche Festlegung, weil es anhand von Gameten definiert wird, die über das gesamte Tierreich hinweg Geschlecht definieren und nicht nur beim Menschen. Jeder Mensch hat damit ein eindeutig feststellbares Geschlecht. Nur kann dieses Geschlecht nicht immer so einfach bestimmt werden.

Ja – wie gesagt – ein individueller menschlicher Organismus ist ein komplexes System, und es gibt viele Variationen, von denen uns Politiker*innen, Journalist*innen und Aktivist*innen mit derselben Geisteshaltung wie Mario Lindner immer wieder erzählen. Diese Form der Wissenschaftskommunikation ist aber an sich problematisch und erinnert an das Vorgehen der Klimawandelleugner. Man kann sich auch in Klimafragen ellenlang darüber unterhalten, dass die Messmethoden fehleranfällig, die Modelle ungenau, die Theorien lückenhaft oder die Stakeholder von individuellen Interessen geleitet sind. Aber das ändert nichts daran, dass, wenn man sich alle Daten in ihrer Gesamtheit anschaut, ein klares Bild entsteht: Es gibt den Klimawandel, und es gibt nur zwei biologische Geschlechter. Auch dann, wenn der Gentest nicht immer zu 100 % treffsicher ist, wenn das äußere Erscheinungsbild ein anderes als erwartet ist und wenn der Ansatz anderer Genitalien vorgefunden wird. 

Aber Wissenschaft sei doch zielgerichtet, und je nach Ziel gebe es andere Begriffe, Grundannahmen, Abstraktionen, Anpassungen und Methoden. Wäre es dann nicht willkürlich, eine Definition aus einem zielgerichteten Kontext der anderen vorzuziehen? Stimmt – aber nein. Denn wissenschaftliche Theorien leben auch unter dem Gesichtspunkt der Modellbildung nicht im theoretischen Vakuum. Man kann tatsächlich das Geschlecht je nach Fragestellung sinnvoll über Gene, Hormone, Physiologie oder gar nur einzelne Parameter wie die Körpergröße präzise definieren. Das muss man in gewissen Untersuchungen sogar so machen, um klare, belastbare Daten zu bekommen. Aber solche modellhaften Fragmente biologischer Erklärung stehen nicht allein; sie werden durch ein Theoriegebäude eingebettet und interpretiert. 

Aber wäre es dann nicht trotzdem besser, wenn es so viel Variation gibt, das Geschlecht eher als Spektrum zu sehen? Nein. Der Grund dafür ist simpel. Geschlecht als Spektrum zu sehen heißt nicht, etwas Neues über Geschlecht herauszufinden, sondern den Geschlechtsbegriff aufzugeben und durch ein Spektrum zu ersetzen. Das kann man machen, aber dadurch wird weder das Sprechen über zwei Geschlechter falsch, noch entbindet das den Spektrumbegriff davon, wissenschaftlichen Standards zu genügen. Der neue spektrale Begriff muss sich als fruchtbar erweisen – und das wird er in der Evolutionsbiologie wohl nicht tun.

Was ist überhaupt ein Spektrum? Spektren werden gerne eingeführt, wenn die bisher verwendeten Begriffe vage sind oder das Phänomen viele komplexe Faktoren berücksichtigen muss. Mit dieser Einsicht können wir gleich mit einem der gängigen rhetorischen Tricks in der Transdebatte aufräumen. Spektren sind nicht die komplexere Theorie; das Einführen eines Spektrums ist immer eine Vereinfachung. Immer dann, wenn ein Phänomen sehr komplex ist und die einzelnen Faktoren unüberschaubar werden, führt man ein Spektrum ein, um diese Faktoren zu kontrollieren.

Ein Beispiel sind neurologische Phänomene wie Autismus. Das Gehirn ist ein komplexes System. Das, was wir extern als Autismus wahrnehmen, muss im Gehirn erst noch erforscht werden. Man verwendet daher diverse Methoden, um Daten zu sammeln, gewichtet diese und ordnet einen Probanden auf dem Autismus-Spektrum ein. Im Falle des Geschlechts ist es genau andersherum. Nicht das äußere Phänomen scheint uns klar und die Mechanismen im Körper unklar, sondern der Mechanismus im Körper ist vergleichsweise einfach: Es ist das Gewebe, das die Gameten produziert. Die äußeren Manifestationen sind hingegen komplex. Geschlecht ist also gerade kein Spektrum.

Und was ist mit Vagheit? Ist Geschlecht nicht, eben weil es komplexe Manifestationen hat, vage? Kann sein. Vielleicht irre ich mich auch, und das mit den Keimzellen beim Menschen ist nicht so eindeutig, wie ich eben behauptet habe. Ich komme ja nicht aus der Biologie, sondern aus der Logik. Aber das ist egal, weil nach den Erkenntnissen der Logik vage Begriffe kein Spektrum erzeugen.

Betrachten wir das Adjektiv „groß“. Ob jemand groß ist, ist klar vage. Wenn jemand 1,90 Meter misst, dann ist er groß; wenn jemand 1,60 Meter misst, dann ist er nicht groß, also klein. Aber es gibt klar Menschen, bei denen wir uns nicht sicher sind, ob wir sie groß oder klein nennen wollen. In der Logik gibt es drei Lösungsvorschläge, um damit umzugehen. Spoiler: Keiner löst das Problem. Diese sind mehrwertige Logik, Fuzzy-Logik und Superevaluationismus.

Mehrwertige Logiken sind Ansätze, bei denen es mehr Möglichkeiten für Sätze gibt als nur, dass sie entweder wahr oder falsch sind. Diesen Ansatz kann man gleich wieder vergessen, weil er, angewendet auf Vagheit, selbstwidersprüchlich ist. Der Widerspruch entsteht so:

„Groß“ und „klein“ sind vage, daher braucht es einen dritten Begriff, z. B. „mittelgroß“, für die Grenzfälle. „Julian ist groß“ ist dann wahr, wenn er groß ist, falsch, wenn er klein ist, und hat einen dritten Wahrheitswert, wenn er ein Grenzfall ist. Aber dann kann ich ja klar sagen, wann Julian mittelgroß ist; nämlich wenn „Julian ist groß“ den dritten Wahrheitswert hat. Wenn man aber klar sagen kann, dass Julian mittelgroß ist, dann ist „groß“ nicht vage. Es hat dann ja eine klare Grenze zu „mittelgroß“. Also ist „groß“ nicht vage, was ein Widerspruch zur Annahme ist, dass „groß“ vage war. Damit sind alle Ansätze mit mehrwertiger Logik unsinnig. Dasselbe gilt für das dritte Geschlecht als Grenzfall von männlich und weiblich.

Also weiter mit Fuzzy-Logik. Fuzzy-Logik einzusetzen heißt im Wesentlichen zu sagen, dass sich hinter „groß“ eigentlich eine Relation von „größer“ verbirgt. Denn so werden Fuzzy-Logiken aufgebaut. Aber hinter Vagheit verbirgt sich gar keine Relation. Das klärt ein Beispiel: „Julian ist größer als Martin“ ist eine Relation, die vage oder nicht vage sein kann – es kommt darauf an, wie nahe Julians Größe an Martins herankommt. Daher löst „größer“ die Vagheit nicht auf. „Martin ist groß“ und „Julian ist groß“ können beide klar wahr sein, ohne in Relation gesetzt werden zu müssen. Daher ist Vagheit auch ohne Relation kein Problem. Vagheit und Vergleich sind nicht dasselbe, und hinter „groß“ versteckt sich nicht die Relation „größer“. Analoges gilt für „weiblicher“ und „männlicher“.

Mit dem Superevaluationismus müssen wir uns hier nicht beschäftigen, denn dieser Ansatz liefert gar nicht das, was Mario Lindner und seine Geistesgenoss*innen wollen. Superevaluationismus gesteht nämlich die Existenz von Grenzfällen zu, würde aber im Falle von Geschlecht dennoch klar machen, dass es nur zwei Geschlechter gibt. Das liegt daran, dass dieser Ansatz alle möglichen (willkürlichen) Zweiteilungen berücksichtigt, ohne einer den Vorzug zu geben – aber damit natürlich immer zweiteilt. 

Habe ich vorher nicht gesagt, dass jemand 1,90 m groß sein kann? Und habe ich damit nicht ein Spektrum eingeführt? Die Messung über die Einheit Meter definiert ja ein Spektrum. Stimmt, tut sie. Aber das hilft Mario Lindner und seinen Geistesgenoss*innen nicht. Man kann immer für wissenschaftliche Zwecke einen formal exakten Begriff entlang einer Messmethode einführen. Nur, wie ich vorhin gesagt habe, ersetzt das nicht den alten Begriff durch einen neuen, sondern setzt nur einen zweiten Begriff parallel zum ersten.

Das wird klar, wenn man sich „Größe“ in der Biologie ansieht. Die Aussage „Große Männchen haben einen evolutionsbiologischen Vorteil“ kann eine wahre und wichtige Aussage in der Evolutionsbiologie sein. Sie kann aber nicht einfach durch eine Aussage über die Körpergröße in Metern umgeformt werden, eben weil „groß“ vage ist. Man kann sie schon ersetzen – etwa mit einer Wahrscheinlichkeitsverteilung der Fortpflanzung in Abhängigkeit von der Körpergröße in Metern –, aber das macht die ursprüngliche Aussage nicht weniger wahr. Sie ersetzt sie nur durch eine andere. Hier können wir keine Analogie zu den Geschlechtern ziehen wie in den anderen drei Fällen, denn im Falle des Geschlechts hat noch nicht einmal jemand eine solche „Geschlechtseinheit“ definiert.  Dahinter verbirgt sich die Frage, was denn auf der x-Achse des Geschlechterspektrums steht – eine Frage, die noch kein Transaktivist je beantworten konnte. 

Mario Lindner hat sich über die Medizinerin Annika und ihren konstruktiven Beitrag gefreut. Ich hoffe, er freut sich auch über meinen konstruktiven Beitrag, auch wenn ich trotz aller Konstruktivität anderer Meinung bin als er. 

2. März 2026
von Felix Pfannstiel
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„Mythen und Legenden in HR und Personalentwicklung“ – Skeptics in the Pub Wien mit Axel Ebert (Video)

Axel Ebert war am 18. Februar bei den Skeptics in the Pub Wien:

Fake News und „Truthiness“ sind in aller Munde. Aber bevor wir jetzt den Finger auf die USA richten: Wie viel Bullshit steckt eigentlich in der Weiterbildung? Der „Bullshit Buster“ nimmt populäre Mythen und Irrtümer aus der Weiterbildung unter die Lupe: Die Story vom Frosch, der im wärmer werdenden Wassertopf sitzen bleibt, bis er verbrüht; unser Unterbewusstsein, das angeblich nichts Negatives verarbeiten kann; Euphemismen, die unsere Kommunikation verbessern sollen; Lerntypologie, die sagen, mit welchem Sinnesorgan wir besser büffeln; das berühmte, aber nie durchgeführte Fünf-Affen-Experiment und vieles mehr. Täuschungen, Überdehnungen, verdrehte Halbwahrheiten und Falschinterpretationen werden enttarnt und erklärt. Darüber hinaus werden realistische Alternativen zu den zweifelhaften Geschichten diskutiert. Dabei geht es nicht nur um die Faktenlage von Geschichten, sondern auch um die dahinterliegenden Konzepte aus Psychologie, Hirnforschung und anderen Wissenschaften. Mag. Axel Ebert ist Diplom-Psychologe, seit über 25 Jahren Trainer, Vortragender und Berater zu den Themen Kommunikation, Positionierung und Unternehmensentwicklung. Er ist Mitgründer von wortwelt.at und identifire.at.

Bye-bye Bauchgefühl, hallo Evidenz! Mythen und Legenden in HR und Personalentwicklung | Axel Ebert

Inhalt:

  • Thema: Mythen und Legenden in HR und Personalentwicklung [ab 0:00 min]
  • Lerntypen-Theorie [ab 1:00 min]
  • KI-Auswahl an HR-Mythen [ab 13:00 min]
  • Bullshit-Begriff nach Harry Frankfurt [ab 17:30 min]
  • Beispiel aus dem Buch Bullshit Busters: 5-Affen-Experiment [ab 23:00 min]
  • „Nonverbal schlägt verbal“ [ab 36:50 min]
  • Das Unterbewusstsein hört nichts Negatives? [ab 43:20 min]
  • Unterbewusstsein und subliminale Beeinflussung [ab 50:50 min]

Hier entlang geht’s zum Diskussionsteil des Vortrags.

Zum Thema:

  • Artikel: SkepKon-Video: „Gendersprache – eine nüchterne Einordnung“, GWUP-Blog vom 08.062023
  • Artikel: SkepKon-Video: „Warum halten sich Pseudo-Erklärungen so hartnäckig?“ mit Axel Ebert, GWUP-Blog vom 12.11.2019
  • Artikel: Video: Der Bullshit-Buster Axel Ebert beim „Skeptical“ in Köln, GWUP-Blog vom 02.06.2018
  • Buch: Christoph Wirl/Axel Ebert: Bullshit Busters. Irrtümer und Mythen aus Vorträgen, TV und Büchern. Goldegg-Verlag 2017, 22 €

Hinweis:

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28. Februar 2026
von Felix Pfannstiel
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Jenseitskontakte: Oliver Lazar reagiert auf skeptische Kritik an seiner EREAMS-Studie; die Science Cops antworten

Vor einigen Monaten war Nikil Mukerji in einer Reportage des Y-Kollektivs als rationale Gegenstimme zum Thema Jenseitskontakte zu sehen.

Auf der anderen Seite stand u. a. Oliver Lazar, Professor für Informatik, der sich neben seinem akademischen Beruf auch mit spirituellen Fragestellungen beschäftigt.

Und das nicht nur ein bisschen: Er hat mit seinem Team die sogenannte EREAMS-Studie durchgeführt, die nach eigenen Aussagen zeigen soll:

Wir können auf jeden Fall mit Bestimmtheit sagen, mit großer Evidenz: Das Bewusstsein überlebt den physischen Körper. […] Und das haben wir vor allem mit einer objektiven Verifikation feststellt können.

Man kann sich denken, dass seine Studie damit nicht auf ungeteilte Zustimmung stieß. Es folgte Kritik, sowohl im GWUP-Blog als auch bei den Quarks Science Cops.

Auf die Kritik reagierte Oliver Lazar mit vier Reaction-Videos, in denen er seine Position verteidigen wollte:

Meine Forschung zu den Jenseitskontakten wurde von bestimmten Onlineformaten der ARD, des WDR und auch vom GWUP-Verein kritisch kommentiert. Ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt auf diese Beiträge reagieren soll, da ich persönlich den Eindruck habe, dass sie in Teilen oberflächlich und zugespitzt dargestellt wurden. Dennoch möchte ich das jetzt tun.

Zusammengenommen erreichen die Videos eine Länge von acht Stunden. Die Mühe, sich damit auseinanderzusetzen, haben sich die Quarks Science Cops gemacht, die die Kritik in ihrer neuesten Podcastfolge durchgehen:

Wir setzen uns also (nochmal) mit Oliver Lazars Beweisführung auseinander. Haben die Science Cops wirklich schlampig recherchiert? Haben wir die Forschung von Oliver Lazar nicht verstanden? Und müssen Max und Jonathan am Ende sogar selbst in den Science Cops Knast?

Erwischt? Haben die Science Cops schlampig recherchiert? I #121 I Quarks

Inhalt:

  • Thema: Aufarbeitung von Lazars Reaction [ab 0:00 min]
  • Lazars EREAMS-Studie [ab 5:20 min]
  • Offene Muster bei der Interpretation [ab 16:00 min]
  • Teilnehmerauswahl und Repräsentativität [ab 25:10 min]
  • Was sind denn die hochspezifischen Beweise? Gibt es Audioprotokolle? [ab 38:00 min]
  • Dreist: Lazar scheint zu lügen, um der GWUP und den Science Cops schlampige Recherche zu unterstellen. [ab 53:00 min]
  • Festnahme [ab 1:04:10 h]

Nach Ausstrahlung der Science-Cops-Folge scheint Lazar seine Reaction-Videos auf privat gestellt zu haben. Der Link zur Studie führt zu einem „404 not found“ …

Zum Thema:

  • Podcast: Mit Toten reden?! – Oliver Lazar kann angeblich das Leben nach dem Tod beweisen | Podcast #114, Quarks Science Cops vom 31.10.2025
  • Artikel: Nikil Mukerji bei einer Y-Kollektiv-Reportage zum Thema Medium und Jenseits-Kontakte, GWUP-Blog vom 05.09.2025
  • Artikel: Die EREAMS-Studie: Beweise für Jenseitskontakte erbracht?, GWUP-Blog vom 29.01.2023

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26. Februar 2026
von Felix Pfannstiel
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„Auf lange Sicht ist das ein Verlustgeschäft“ – Christoph Bördlein über Astrologie in der FAZ

In einem aktuellen Artikel der FAZ wurde der GWUP-Prognosencheck aufgegriffen und Christoph Bördlein zum Thema Astrologie interviewt:

Astrologie ist der Versuch, aus Sternkonstellationen am Himmel etwas über unser Leben, unsere Persönlichkeit und unser Schicksal auf der Erde abzuleiten. Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) untersucht regelmäßig auf Astrologie basierende Prognosen. Hellseherische Fähigkeiten haben Astrologinnen und Astrologen demnach nicht.

Screenshot von faz.net

Warum fühlen wir uns trotzdem von Horoskopen und Co. angesprochen? Psychologisch betrachtet stecken dahinter ganz normale Denkmechanismen, erklärt Psychologieprofessor Christoph Bördlein.

Er spricht einige Punkte an:

  • Barnum-Effekt:
    Viele lesen Horoskope einfach wegen des Unterhaltungseffekts – etwa im Wartezimmer beim Zahnarzt. Hier wirkt der sogenannte Barnum-Effekt. Er beschreibt unsere Tendenz, vage, positiv formulierte Aussagen über uns selbst als treffend zu empfinden.
  • Wohlfühl-Texte:
    Hinzu kommt, dass Horoskope meist positiv formuliert sind. „Sie wirken wie kleine Balsam-Texte, die guttun“, sagt Christoph Bördlein.
  • Confirmation Bias:
    „Wer einmal eine Annahme getroffen hat, neigt dazu, diese im Folgenden immer wieder unwissentlich zu bestätigen“, erklärt Prof. Bördlein. Wir nehmen also bevorzugt Ereignisse wahr, die unsere Überzeugung stützen – und blenden Gegenbeispiele aus.
  • Vermeintliche Hilfe bei Kontrollverlust:
    Besonders anfällig für derartige Überzeugungen seien wir in unsicheren Situationen, die „von wenig objektiver Kontrolle gekennzeichnet sind“, so der Psychologe. Indem wir uns an Horoskopen oder Astrologie orientieren, versuchen wir dann, unser Grundbedürfnis nach einem gewissen Maß an Kontrolle zu befriedigen.
  • Rational keine gute Entscheidung:
    Aus psychologischer Sicht kann Astrologie aber nur kurzfristig entlastend wirken. „Auf lange Sicht ist das ein Verlustgeschäft“, so der Psychologe. Problematisch wird es, wenn Menschen sich auf Astrologie verlassen und so etwa bei wichtigen Entscheidungen Verantwortung abgeben.

Zum Artikel!

Zum Thema:

  • Artikel: SkepKon 2025: „Neues vom Barnum-Effekt“ mit Christoph Bördlein (Video), GWUP-Blog vom 23.02.2026
  • Artikel: Astrologie, Horoskope und Sternzeichen: Christoph Bördlein im Interview bei „Welt am Sonntag“, GWUP-Blog vom 05.01.2026
  • Artikel: Keine Pinguininvasion, kein T-Rex-Klon und wieder kein King Kong: der GWUP-Prognosencheck 2025, GWUP-Blog vom 10.12.2025
  • Artikel: Astrologie und Liebe: Christoph Bördlein zu Gast beim Deutschlandfunk-Nova-Podcast „Eine Stunde Liebe“, GWUP-Blog vom 29.09.2025
  • Artikel: Cosmo (WDR) über Astrologie, GWUP-Blog vom 21.01.2025

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25. Februar 2026
von Felix Pfannstiel
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Video: „Was wurde aus den Preisträgern des Goldenen Bretts?“ – Michael Horak mit Vortrag bei den Skeptics in the Pub Wien

13 mal wurde bisher das Goldene Brett vorm Kopf bisher verliehen. Ein guter Anlass für eine Bilanz: Was ist aus den Preisträgern geworden?

Der Initiator des Goldenen Bretts, Michael Horak, kam mit dieser Frage im vergangenen Dezember zu den Skeptics in the Pub Wien. Das Video zum Vortrag ist jetzt herausgekommen:

Das Goldene Brett vorm Kopf ist ein satirischer Negativpreis, den die Wiener Skeptiker jährlich für den größten unwissenschaftlichen Unfug des Jahres vergeben. Was wurde eigentlich aus den Preisträgern Ryke Geerd Hamer, dem Erfinder der ‚Germanischen Neuen Medizin‘, oder aus P.A. Straubinger, dem Macher der Lichtnahrungs-Dokumentation? Und auch: Wie oft wurde das Goldene Brett zu Unrecht vergeben? Manche Namen, die einst das Goldene Brett vorm Kopf erhielten, tauchen heute kaum mehr in der medialen Öffentlichkeit auf – andere dagegen sind in ihren Verschwörungs-Communities präsenter denn je. Das Goldene Brett versteht sich als Auftrag, solche Gefahren sichtbar zu machen und pseudowissenschaftliche Positionen klar zu benennen. Dabei zeigt sich rückblickend: Der Track Record des Preises ist erstaunlich gut. Doch eine solche Entscheidung fällt nicht leichtfertig: Jede Nominierung wird kritisch geprüft, jede Jury-Debatte ringt mit der Frage nach Einfluss, Schadenpotenzial und öffentlicher Wirkung. In meinem Vortrag erzähle ich, wie dieser Prozess funktioniert, wie die Jury selbstkritisch vorgeht – und welche Geschichten sich hinter manchen Preisträger*innen verbergen. Und vielleicht auch: Wer es fast geschafft hätte, das Brett des Jahres zu bekommen.

Was wurde aus … den Gewinnern des Goldenen Bretts vorm Kopf? | Michael Horak

Inhalt:

  • Thema: Was wurde aus den bisherigen Preisträgern des Goldenen Bretts? [ab 0:00 min]
  • Wie kam es zum Goldenen Brett? [ab 1:10 min]
  • Ziel des Preises [ab 7:00 min]
  • 2025: Hoss und Hopf [ab 11:00 min]
  • 2024: Healy [ab 15:20 min]
  • 2023: Ulrike Guérot [ab 17:10 min]
  • 2020: Sucharit Bhakdi [ab 20:30 min]
  • 2019: Hevert [ab 27:40 min]
  • 2018: Krankenhaus Nord und Christoph Fasching [ab 29:20 min]
  • 2017: Peter Fitzek [ab 32:10 min]
  • 2016: Ryke Geerd Hamer [ab 36:40 min]
  • 2015: Stefan Lanka [ab 39:20 min]
  • 2014: Xavier Naidoo [ab 42:40 min]
  • 2013: Homöopathen ohne Grenzen [ab 47:20 min]
  • 2012: Harald Walach [ab 51:00 min]
  • 2011: PA Straubinger [ab 53:30 min]

Zum Thema:

  • Artikel: “Das Goldene Brett“ für den Podcast Hoss & Hopf, GWUP-Blog vom 26.10.2025

Hinweis:

  • Falls ihr Ideen, Anregungen oder Empfehlungen habt bzw. selbst ein Gastkapitel für den GWUP-Blog schreiben möchtet, kontaktiert uns unter: blog@gwup.org
  • Wenn ihr noch nicht im Skeptischen Netzwerk angemeldet seid, möchten wir euch herzlich dazu einladen. Dort finden GWUP-Mitglieder und Interessierte eine Plattform für Diskussionen und Austausch rund um skeptische Themen:

23. Februar 2026
von Felix Pfannstiel
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SkepKon 2025: „Neues vom Barnum-Effekt“ mit Christoph Bördlein (Video)

Neues Vortragsvideo von der SkepKon 25:

Wie kann ein allgemeiner Text so wirken, als wäre er genau für dich geschrieben? In diesem Vortrag auf der SkepKon erklärt Psychologe Christoph Bördlein den Barnum-Effekt – von den klassischen Experimenten (Forer, Graphologie, Astrologie) bis zu neuen Studien, die er gemeinsam mit Studenten durchgeführt hat. Er zeigt, welche typischen Merkmale Barnum-Texte haben, warum fast alle Menschen darauf hereinfallen, welche Rolle Faktoren wie KI-Glaube, Selbstwert oder „Balsamtexte“ spielen und wieso selbst kritisches Denken allein kaum schützt. Außerdem geht es um spannende offene Fragen: Ist der Barnum-Effekt ein Spezialfall des Confirmation Bias – und was bedeutet das für Persönlichkeitstests, Coaching-Tools und Esoterikangebote im Alltag?

„Skeptiker fallen genauso rein!“ – Neues vom Barnum-Effekt | Prof. Dr. Christoph Bördlein

Inhalt:

  • Thema: Neues vom Barnum-Effekt [ab 0:00 min]
  • Definition: Barnum-Effekt [ab 3:20 min]
  • Typische Barnum-Aussagen [ab 7:20 min]
  • Systematische Literaturübersicht [ab 14:30 min]
  • Aufwandsrechtfertigung [ab 20:30 min]
  • Positivität und Selbstwert [ab 22:50 min]
  • Fazit: der Barnum-Effekt ist ein universelles Phänomen [ab 24:40 min]
  • Offene Forschungsfragen [ab 25:30 min]

Das nächste SkepKon-Video erscheint am 9. März.

Zum Thema:

  • Artikel: Astrologie, Horoskope und Sternzeichen: Christoph Bördlein im Interview bei „Welt am Sonntag“, GWUP-Blog vom 05.01.2026
  • Artikel: Astrologie und Liebe: Christoph Bördlein zu Gast beim Deutschlandfunk-Nova-Podcast „Eine Stunde Liebe“, GWUP-Blog vom 29.09.2025
  • Artikel: Cosmo (WDR) über Astrologie, GWUP-Blog vom 21.01.2025

  • Artikel: SkepKon-Video: Christian Zeller zur Frage „Gibt es Rassismus gegen Weiße?“, GWUP-Blog vom 10.02.2026
  • Artikel: Steuert die Weltbevölkerung auf den Kollaps zu? Amardeo Sarmas SkepKon-Vortrag jetzt als Video, GWUP-Blog vom 26.01.2026
  • Artikel: SkepKon-Vortrag von Leif Inselmann: Anunnaki, Planet Nibiru und der Mythos um die ‚Astronautengötter‘ – von Pseudoarchäologie bis hin zu Verschwörungserzählungen, GWUP-Blog vom 13.01.2026
  • Artikel: Video zu SkepKon-Vortrag: Pseudomedizin im Praxisalltag – Janos Hegedüs analysiert Heilpraktiker-Angebote, GWUP-Blog vom 30.12.2025
  • Artikel: SkepKon-Video: Verschwörungsdenken verstehen – Vortrag von Alexander Wolber, GWUP-Blog vom 15.12.2025
  • Artikel: Neu von der SkepKon 2025: Vortrag von Ilse Jacobsen zum biologischen Geschlecht – jetzt als Video, GWUP-Blog vom 01.12.2025
  • Artikel: Video zur SkepKon 2025: Ein skeptischer Blick auf die Finanzwelt – Panel mit Gerd Kommer und Holger Kreymeier, GWUP-Blog vom 18.11.2025
  • Artikel: Dr. Gerd Kommer auf der SkepKon 2025: Warum Finanzjournalismus oft zur „Finanzpornografie“ wird, GWUP-Blog vom 03.11.2025
  • Artikel: SkepKon-Video #6: Ganz natürlich und ohne Chemie? – Prof. Dr. Sascha Skorupka entlarvt die Mythen alternativer Reinigungsmittel, GWUP-Blog vom 20.10.2025
  • Artikel: Video #5 der SkepKon 2025 mit Ali Hackalife: „Hack me if you can! – Betrug entdecken und verstehen“, GWUP-Blog vom 06.10.2025
  • Artikel: SkepKon-Video Nr. 4: Cornelius Courts entkräftet den Mythos vom DNA-Geruchssinn bei Hunden, GWUP-Blog vom 22.09.2025
  • Artikel: SkepKon-Video #3: „Der pathologisierte Andere: Trump und seine Wählerschaft“ von Prof. Dr. Claudia Franziska Brühwiler, GWUP-Blog vom 08.09.2025
  • Artikel: Zweites SkepKon-Video: Panel „Dialog oder Distanz – Mit wem sollten Skeptiker sprechen?“ zu Varnans Auftritt bei Jasmin Kosubek, GWUP-Blog vom 25.08.2025
  • Artikel: Es geht los: Das erste Video der SkepKon 2025 ist online! – Panel-Diskussion „Hexenjagd 2.0“ mit Marie-Luise Vollbrecht, GWUP-Blog vom 11.08.2025

Hinweis:

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21. Februar 2026
von Felix Pfannstiel
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Tempelritter: Studienkritik und Einblick ins Geschäftsmodell der Neutempler-Organisationen bei MDVL

Der mittelalterliche Templerorden fasziniert viele bis heute. Seriöse Forschung und moderne Mythen werden dabei aber gerne durcheinandergebracht. Auf dem YouTube-Kanal MDVL von Joachim Rother sind zwei neue Videos herausgekommen, die das Thema aus skeptischer Perspektive betrachten.

Im ersten Video schaut er sich eine medizinische Studie genauer an, die die Ernährung und Lebenserwartung der Tempelritter als Untersuchungsgegenstand herangezogen hat:

Eine medizinische Studie behauptet, dass Ritter des Templerordens länger gelebt hätten, als ihre Zeitgenossen. Das habe, so das Argument, an ihrer Ernährung gelegen. Gab es also eine Templer-Diät für ein besonders langes Leben?

Medizinisches Paper erzählt Quatsch zu Templern | MDVL

Inhalt:

  • Ein Paper behauptet: Die Tempelritter lebten länger als „die anderen Menschen im Mittelalter“ [ab 0:00 min]
  • Haben wir die Lebensdaten der Templer überhaupt? [ab 2:40 min]
  • Nur 3 Templer als Beispiel für ihre Behauptung [ab 5:50 min]
  • Ernährung der Tempelritter [ab 9:00 min]
    • Kritik an der Studie [ab 12:10 min]
  • Schon für die Grundannahme (Templer leben länger) gibt es keine hinreichende Evidenz. [ab 16:30 min]
  • Fazit [ab 18:40 min]

Im zweiten Video zeigt MDVL, wie der Mythos der Templer kommerziell genutzt wird:

In diesem Video geht es um das Geschäft mit den Templern: Neutemplerorden, moderne Mythen und die Frage, wie aus Geschichte ein Markt wird. Ich zeige, warum die Templer-Verschwörung bis heute so gut funktioniert, wie Motive wie geheime Archive, „Eingeweihte“ und Atlantis in immer neuen Varianten wieder auftauchen – und weshalb das mit historischer Forschung oft nichts mehr zu tun hat.

Verschwörungen als Geschäftsmodell – Das Geschäft mit den Templern | MDVL

Inhalt:

  • Was wissen wir über die Tempelrittern? [ab 0:00 min]
  • Larmenius-Charta: Ein historischer Bruch wird überbrückt. [ab 4:20 min]
  • Neutempler-Organisationen entstehen [ab 6:40 min]
  • Spirituelle Einflüsse und parawissenschaftliche Aussagen [ab 9:30 min]
  • Stichpunkte der Neutempler-Argumentation [ab 16:00 min]
  • Kritik an der Kontinuitätserzählung [ab 16:50 min]
  • Neutempler-Organisationen und ihre Konkurrenz zueinander [ab 22:40 min]
  • Das Geschäft dahinter [ab 28:00 min]

Zum Thema:

  • Artikel: Der fragwürdige Versuch einer Rehabilitation des Templerordens durch das „Salzburg International Templar Studies Network“, GWUP-Blog vom 27.03.2025
  • Artikel: Von Tempelrittern und Fake News, GWUP-Blog vom 24.01.2025
  • Artikel: Mythen und Legenden um die Tempelherren, Onkel Michales Kleine Welt vom 20.03.2025
  • Artikel: Die Angst vor Freitag, dem 13. und die Templer von heute, GWUP-Blog vom 12.10.2023
  • Video: Esoterik und Neue Rechte – Die große Templerverschwörung Teil 1, MDVAL vom 23.11.2022

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19. Februar 2026
von Felix Pfannstiel
1 Kommentar

Homöopathie und Prophylaxe: Das passt nicht zusammen

Der Fall um die schlussendlich zurückgezogene Homöopathie-Studie von Michael Frass hat uns über Jahre beschäftigt. Aber es gibt einen weiteren ähnlichen Vorgang, wie Udo Endruscheit auf seinem Blog Science and Sense schildert:

Diesmal geht es um eine Studie vom Dezember 2024, die

in einem seriösen pädiatrischen Journal, dem European Journal of Pediatrics – also genau dort, wo man sich wissenschaftliches Renommee erhofft

veröffentlicht wurde.

10 Monate später: retractet.

Wie Udo feststellt:

Methodisch war die Arbeit allerdings ein ziemliches Durcheinander.

Beim Committee für Skeptical Inquiry gibt es dazu eine ausführliche Aufarbeitung. Doch mindestens ebenso interessant ist der politische Hintergrund:

Die Studie stammt aus Indien, und im Hintergrund steht – wenig überraschend – die staatliche Behörde Ministry of AYUSH, die seit Jahren versucht, Homöopathie und andere traditionelle Verfahren politisch aufzuwerten.

Der zentrale Kritikpunkt, auf den Udo hinweist, betrifft jedoch etwas Grundsätzlicheres. Untersucht wurde Folgendes:

[G]ezählt wurde, wie viele Kinder in den jeweiligen Gruppen während der Beobachtungszeit (24 Monate) erkrankt waren. Für diesen Zeitraum wurden zwei Gruppen entweder homöopathisch oder konventionell ärztlich durchgängig grundversorgt.

Es geht also um Prophylaxe – darum, ob Homöopathie Krankheiten verhindern kann.

Und genau hier liegt das fundamentale Problem:

Nach klassischer Lehre wirkt ein homöopathisches Arzneimittel, indem es eine bereits „verstimmte Lebenskraft“ in eine regulierende Reaktion bringt. Ohne bestehende Verstimmung gibt es – innerhalb dieses Modells – nichts zu heilen.

Eine echte Prophylaxe – also das Verhindern einer Erkrankung bei Gesunden – ist in diesem System konzeptionell nicht vorgesehen.

Es gibt also nur zwei Wege:

Der Punkt ist nicht, dass Prophylaxestudien „schlecht“ seien.
Der Punkt ist, dass sie – wenn sie positive Effekte behaupten – entweder

  • der klassischen Homöopathie widersprechen
    oder
  • stillschweigend ein anderes Wirkmodell unterstellen.

Das Problem ist nicht schlechte Statistik. Es ist ein Kategorienfehler.

Udos Fazit:

[W]er zugleich an der traditionellen Lehre festhalten will, muss akzeptieren, dass Prävention in diesem Modell keinen Platz hat. Solange dieser Widerspruch nicht offen benannt wird, bleibt jede „Prophylaxe-Studie“ zur Homöopathie nicht nur wissenschaftlich problematisch, sondern systemisch selbstwidersprüchlich.

Mit anderen Worten:
Entweder gilt Hahnemann – oder es gilt die moderne Präventionslogik.
Beides zugleich geht nicht.

Zum Beitrag!

Zum Thema:

  • Artikel: Extraordinary Claims: The Homeopathy Paper That Duped a Mainstream Journal, Nick Tiller via Skeptical Inquirer vom 13.02.2026
  • Artikel: Nach Jahren der Kritik: „The Oncologist“ zieht die Homöopathie-Studie von Michael Frass offiziell zurück!, GWUP-Blog vom 26.11.2025
  • Artikel: Dass doch sein darf, was nicht sein kann. oder: Durchmarsch auf homöopathisch, Udo Endruscheit (skeptiker 4/2024)
  • Artikel: Eine weitere Vorzeigestudie der Homöopathen endet als Desaster, GWUP-Blog vom 26.10.2022

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