Der Deutschlandfunk geht in einem neuen Artikel der Frage nach, warum Verschwörungstheorien nie verschwinden:
Ob es um die Mondlandung, die Anschläge vom 11. September oder Aliens geht – das, was wir heute als Verschwörungstheorien bezeichnen, gibt es schon seit Jahrhunderten. Und in Krisenzeiten haben sie besonders Konjunktur.
Als Experten hat sich der Deutschlandfunk den Politikwissenschaftler Michael Butter geholt, der drei Kernmerkmale von Verschwörungstheorien benennt:
- Erstens: Nichts geschieht durch Zufall. Das heißt, es ist alles geplant worden. Da saßen Menschen – die Verschwörer – im Geheimen zusammen und haben sich überlegt: So machen wir das jetzt.
- Zweitens: Nichts ist so, wie es scheint. Man muss erst einen Vorhang beiseiteschieben. Dann merkt man, was wirklich unter der Oberfläche vor sich geht. Und dann sieht man…
- Drittens: Alles ist miteinander verbunden. Das heißt, Personen, Institutionen und Ereignisse, die jenseits der Verschwörungstheorie überhaupt nicht zusammenkommen, haben tatsächlich zusammengearbeitet, um ihren geheimen Plan durchzusetzen.
Dort sieht Butter die Anfänge:
Verschwörungstheorien in ihrer modernen Form gibt es in der westlichen Welt wohl etwa ab dem 16. Jahrhundert, als mit den Religionskriegen Erzählungen und Gedankenfiguren aufkamen, die heutigen Verschwörungstheorien schon nahekommen, sagt Butter. An der Spitze der Verschwörung habe damals immer der Antichrist gestanden.
Wer glaubt daran?
- Grundsätzlich sind wohl alle Menschen empfänglich für Verschwörungstheorien. Es gibt allerdings einige Faktoren, die Verschwörungsglauben begünstigen können, sagt Michael Butter. Zum Beispiel der Bildungsgrad.
- Auch ein gefühlter Kontrollverlust kann anfälliger für konspiratives Denken machen.
- Auch ältere Menschen neigen Experten zufolge in einer Lebensphase mit vielen Umbrüchen eher zu Verschwörungsglauben und zeigen sich empfänglicher für Esoterik als junge Menschen.
Was hilft?
Die gute Nachricht ist laut Butter: Wirklich resistent gegen Fakten, also unzugänglich für zum Beispiel wissenschaftliche Belege, seien nur wenige Menschen. Wichtig sei es deshalb vor allem, im Gespräch zu bleiben, so der Experte, und dabei eventuell das Thema Verschwörungstheorien auch ganz auszuklammern. Denn wenn man mit Menschen, die Verschwörungserzählungen glaubten, nicht mehr spreche, dann vereinsamten diese. Das zeigten mittlerweile auch Studien.
Zum Volltext.
Anfang Januar erschien beim Deutschlandfunk außerdem ein Podcast zu diesem Thema; ebenfalls mit Michael Butter als Experten:
Die Mondlandung war inszeniert, Elvis lebt und Impfen macht autistisch: Das sind Verschwörungstheorien. Die klingen oft skurril oder sogar lustig. Es gibt aber auch welche, die richtig gefährlich sind.
Inhalt:
- Thema: Warum Verschwörungstheorien unsterblich sind [ab 0:00 min]
- Definition [ab 1:30 min]
- Verschwörungserzählung, -mythos oder -theorie? [ab 5:30 min]
- Anschlag in Halle [ab 8:00 min]
- Warum sich Verschwörungstheorien so lange halten [ab 11:40 min]
- Antisemitismus/Antijudaismus: Protokolle der Weisen von Zion, Ritualmordlegende [ab 16:00 min]
- Beginn des Antisemitismus und Entwicklung bis heute [ab 31:30 min]
- Sturm auf das Kapitol [ab 36:20 min]
- Fazit [ab 42:00 min]
Zum Thema:
- Artikel: SkepKon-Video: Verschwörungsdenken verstehen – Vortrag von Alexander Wolber, GWUP-Blog vom 15.12.2025
- Artikel: Ankündigung: Onkel Michael beim Düsseldorfer Aufklärungsdienst: „Der ewige Judenhass – Antisemitische Verschwörungstheorien im Wandel der Zeit“, GWUP-Blog vom 31.08.2025
- Artikel: Blogserie „Antisemitische Verschwörungstheorien“ bei „Onkel Michael“, GWUP-Blog vom 26.11.2023
- Artikel: Verschwörungstheorien: Podcast-Gespräch mit Andreas Edmüller und Michael Butter, GWUP-Blog vom 20.03.2023
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