gwup | die skeptiker

… denken kritisch seit 1987.

27. Oktober 2020
von Bernd Harder
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Corona-Verschwörungsmythen: Radikalisierung, Beziehungsstress und die Sunk Cost Fallacy

Fortsetzung unseres Beitrags

Wenn Verschwörungstheorien Familien zerstören

vom September:

Der damalige Sat.1-Gast Mirko Bode sprach im Nachtcafé-Podcast mit Moderator Michael Steinbrecher über seine ehemalige Partnerin.

Allerdings wird in dem Talk deutlich, dass Bodes Frau bereits vor Jahren in eine evangelikale Hausgemeinde geraten war und dort einen aggressiven fundamentalreligiösen Glauben an Dämonen, Exorzismus, Apokalypse etc. entwickelt hatte.

Die Corona-Krise war dann nur noch der letzte Schritt in ein dualistisches Verschwörungsdenken mit Gates und Co. als quasi-teuflische Gegenspieler.

Für das Redaktionsnetzwerk Deutschland schildert Julia Rathcke, „wie es ist, einen nahen Angehörigen an die Schwurblerszene zu verlieren“.

Auch in diesem Fall spielte „lange vor Corona“ die Esoterik eine entscheidende Rolle, bevor dann …

… das Virus den Alltag gesprengt hat und etliche Maßnahmen, Regeln und Ratschläge ihn [den Ehemann der Protagonistin Claudia Siebert] neu zusammengesetzt haben. Heute sind es Verschwörungsmythen, mit denen sich ihr Mann ein Weltbild zurecht puzzelt, das nicht nur Claudia Sieberts Ehe gefährdet, sondern vor allem ihre Gesundheit.

Der Bamberger Psychologie-Professor Claus-Christian Carbon rät dazu, eine gemeinsame Gesprächsbasis zu finden, und zwar eine emotionale – sofern der- oder diejenige noch empfänglich dafür sei:

Sachlichkeit hilft selten“, sagt Carbon, „Forschungen zeigen, dass Menschen vor allem durch Empathie zu erreichen sind.“ Dazu gehöre auch, zu hinterfragen, wie es dazu kommen konnte, zu verstehen wo Verzweiflung, Angst und Sorgen um sich gegriffen haben, statt Menschen vorschnell zu verurteilen.

„Wer alle Corona- und Impfskeptiker pauschal als Verschwörungstheoretiker abtut, trägt zur Spaltung der Gesellschaft bei“, so der Psychologie-Professor. „Da gibt es sehr viele Grauzonen, viele verschiedene Motivationen und eben auch viele zuvorderst verunsicherte Menschen, die man ernst nehmen sollte.“

Allerdings zieht auch Carbon eine Grenze …

… bei den wenigen, aber lauten Anführern dieser Bewegung, die aktiv eingreifen, über ihre Kanäle Falschinformationen verbreiten und gezielt destruktiv handeln. „Die kann man nicht mehr erreichen. Denn das ist teilweise ihr Geschäftsmodell: die Freude an der Zerstörung – während sie es vielleicht insgeheim selber Masken tragen.

Nach den jüngsten Aktionen von mutmaßlichen „Querdenkern“, wie etwa die Brandsätze gegen ein RKI-Gebäude in Berlin oder die „erhängte“ Schaufensterpuppe in Minden mit einem „Covid Presse“-Schild um den Hals, konstatieren verschiedene Kommentaren eine zunehmende Radikalisierung der Szene:

Auf den Demonstrationen in Berlin zeigen sich in der Spitze dieselben Akteure, die seit Monaten als Protestzirkus durch Deutschland touren. Viele sind in dieser Zeit zu Berufsaktivisten geworden, für die der Protest zum Lebensinhalt wurde.

Medienöffentliche Aufmerksamkeit, das Internet als viel beachteter Mitteilungskanal und die daraus abgeleitete politische Relevanz lässt sie eine hohe Bedeutung wahrnehmen. Diese Wahrnehmung radikalisiert sie weiter.

Der Tagesspiegel schreibt:

Seit mehr als einem halben Jahr wird den Aktivitäten der freidrehenden Corona-Protestler seitens der Polizei und der Politik kaum Einhalt geboten. Schluss mit der Toleranz gegenüber gefährlichen Realitätsverweigerern!

Claudia Siebert hofft, dass zumindest in ihrer Beziehung Ruhe einkehrt, „wenn die Pandemie irgendwann vorüber ist“.

Aber sicher ist das keineswegs, warnt der rbb-Kommentator Olaf Sundermeyer:

Die „Querdenker“ entwickeln sich politisch und gesellschaftlich abgekoppelt in ihrem Protest-Kosmos. Und genau darin liegt die Gefahr. Zumal viele ihrer Anhänger nicht mehr zurück in den allgemeinen gesellschaftlichen Diskurs kehren wollen oder können.

Das nennt sich „Sunk Cost Fallacy“, der Trugschluss der versunkenen Kosten. Irgendwann hat man bereits so viel Zeit und emotionale Energie investiert, dass man nicht mehr zurück kann.

Man müsste ja zugeben, sich geirrt zu haben – oder sogar das Gegenteil von dem erreicht zu haben, was man eigentlich wollte:

Wenn die Verschärfung von Corona-Maßnahmen das Ziel war, hat das gut geklappt.

Zum Weiterlesen:

  • Leben mit einem Corona-Skeptiker: „Ich verliere meinen Mann an die Verschwörungsszene“, rnd am 26. Oktober 2020
  • Die „Querdenker“ radikalisieren sich weiter, rbb am 26. Oktober 2020
  • Schluss mit der Toleranz gegenüber radikalen Corona-Skeptikern, tagesspiegel am 26. Oktober 2020
  • Mit Hass & Wahn in die 2. Welle: Querdenker-Szene eskaliert & radikalisiert sich weiter, volksverpetzer am 26. Oktober 2020
  • Terrorklatscher: Maskenhasser bejubeln den Brandanschlag auf das RKI, volksverpetzer am 26. Oktober 2020
  • “Querdenker sind Feinde unserer Demokratie”: Mann spricht Klartext auf Querdenker-Demo, volksverpetzer am 25. Oktober 2020
  • Keiner hat mehr Bock auf Corona: Euer Jammern juckt das Virus aber immer noch nicht, volksverpetzer am 22. Oktober 2020
  • Video und Erfahrungsbericht: Wenn Verschwörungstheorien Familien zerstören, GWUP-Blog am 9. September 2020
  • Wie wird man eigentlich zum Verschwörungsgläubigen? GWUP-Blog am 3. Juni 2020
  • ORF-Video: „Corona – eine große Verschwörung?“ So leichtgläubig sind „kritische Denker“, GWUP-Blog am 19. Oktober 2020

26. Oktober 2020
von Bernd Harder
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„MedWatch“ gewinnt den Bundespreis Verbraucherschutz

Wir gratulieren:

MedWatch ist mit dem „Bundespreis Verbraucherschutz“ 2020 der Deutschen Stiftung Verbraucherschutz ausgezeichnet worden.

Die Schirmherrin Christine Lambrecht, Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz, verkündete heute auf Youtube die Preisträger:

Mit ihren investigativen Recherchen entlarven die beiden (Nicola Kuhrt und Hinnerk Feldwisch-Drentrup) Falschbehauptungen über Gesundheitsprodukte und Heilbehandungen und sie schärfen das Bewusstsein für die Wichtigkeit seriöser medizinischer Aufklärung.

Ein Video über die Arbeit von MedWatch wurde ebenfalls heute veröffentlicht:

Im vergangenen Jahr würdigte die GWUP das MedWatch-Engagement mit dem Carl-Sagan-Preis.

Zum Weiterlesen:

  • Der Carl-Sagan-Preis 2019 der GWUP geht an MedWatch, GWUP-Blog am 13. Mai 2019
  • MedWatch erhält Bundespreis Verbraucherschutz 2020, medwatch am 26. Oktober 2020
  • Sind viele Corona-Tests nicht einfach falsch positiv? medwatch am 16. Oktober 2020
  • Falschnachrichten zu Covid-19: „Die Misstrauenskommunikation funktioniert“, medwatch am 17. April 2020
  • Was sollen „Heilsteine“ im Wasser? medwatch am 29. April 2020

26. Oktober 2020
von Bernd Harder
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Immer noch bei Adam und Eva: Gläubige im Westerwald verhindern „Evolutionsweg“

Und wir haben uns über den christlich-fundamentalistischen Themenpark „Ark Encounter“ in Kentucky oder über den US-Kreationisten Ken Ham oder über „Blondinen mit Dirndl-Figur“ amüsiert, die im türkischen Fernsehen Darwin „widerlegen“.

Bleiben wir mal hier in Deutschland:

Vor einer Woche berichtete extra 3 über Hellenhahn-Schellenberg im Westerwald, wo die Bürgermeisterin als „touristisches Ziel“ einen „Evolutions-Weg“ mit 20 Schildern anlegen wollte, welche die Entwicklung des Lebens auf der Erde zeigen.

Das Material für den Lehrpfad sollte von der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) kommen – doch dagegen machten „einige Gläubige aus der Gemeinde“ mobil:

Sie glauben daran, dass Gott die Welt erschaffen hat,

berichtet der SWR.

Gestern gab es nun einen Bürgerentscheid, bei dem die Kritiker obsiegten:

250 waren dafür, aber 339 dagegen […]

Die Ortsbürgermeisterin von Hellenhahn-Schellenberg, Birgit Schmidt, hätte sich nie im Leben vorstellen können, dass ihre Idee zu einem so großen Problem werden könne. Eigentlich möchte sie dem Westerwaldort damit etwas Gutes tun, damit etwa Familien oder Schulklassen etwas über die Entstehung der Welt aus Sicht der Evolution lernen können.

Eine bezeichnende Note bekommt die Dorfposse durch die Tatsache, dass laut Schmidt die frommen Evolutionsleugner zu keinem Zeitpunkt den offenen Dialog im Gemeinderat suchten, sondern mit Flyern die Bürger aufwiegelten, wobei sich auch eine bizarre „Gemeinschaft um den Schwert-Bischof“ („Neuchristen“) hervortat.

Auf seiner Webseite hetzt der „Schwert-Bischof“ unter anderem gegen Ökumene und gegen die „Darwin’sche Lehre“, die „unmöglich stimmen“ könne, weil:

Wenn diese Theorie wahr wäre, dann würde die Bibel nicht stimmen, die sagt, dass GOTT Adam und Eva erschaffen hat, die ersten Menschen als Krone der Schöpfung.

Ist doch logisch, oder?

Offenbar haben wir in Deutschland doch noch mehr Baustellen als nur Corona-Leugner und Verschwörungsgläubige.

Die Pro-Argumente „Hellenhahn für Evolution“ kann man übrigens hier nachlesen.

Zum Weiterlesen:

  • Kein „Evolutions-Weg“ in Westerwaldgemeinde, SWR aktuell am 26. Oktober 2020
  • Kritiker siegen: Hellenhahner erteilen Bau des Evolutionsweges eine deutliche Absage, Westerwälder Zeitung am 25. Oktober 2020
  • Neu im „Nachgefragt“-Podcast: Evolution und Meinungsmessung (mit Anna Beniermann), GWUP-Blog am 16. November 2019
  • Video von Skeptics in the Pub Köln: „Evolutionstheorie – Affengeil oder Holy Shit?!“ GWUP-Blog am 12. Februar 2019
  • Videos: „A thirteen-year-old advocate for science education“ – Bailey Harris über Kreationismus und Wissenschaft, GWUP-Blog am 26. Dezember 2019
  • Im Lichte der Evolution, hpd am 26. Oktober 2020
  • Wissenschaft als Überlebensfrage: Florian Aigner in der „Zeit“, GWUP-Blog am 26. Oktober 2020

26. Oktober 2020
von Bernd Harder
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Wissenschaft als Überlebensfrage: Florian Aigner in der „Zeit“

In der aktuellen Zeit (44/2020):

Ein Auszug:

Aigner ist im Vorstand der Gesellschaft für kritisches Denken und kämpft seit vielen Jahren gegen Esoterik, Verschwörungstheorien und anderen Humbug an. Er tut das in Zeitungskolumnen, auf seinem Twitter-Account oder in seinem neuen Buch Die Schwerkraft ist kein Bauchgefühl – eine Liebeserklärung an die Wissenschaft, das im Brandstätter Verlag erschienen ist.

Für die Verteidigung der Wissenschaft stellt sich Aigner auch schon mal mit Klavier auf die Bühne und singt über Horoskope und Auraverstauchungen oder streitet sich in Talkshows mit Schamanen und Hellsehern.

Ein Quantenphysiker, der mit Wunderheilern um Fakten ringt? Warum tut er sich das an?

Nicht jeder muss die Wissenschaft so schön finden wie Aigner – aber er wäre schon froh, wenn sich die Gesellschaft darauf einigt, naturwissenschaftliche Fakten ernst zu nehmen.

„Wenn jeder mit irgendwas daherkommt, wenn der eine sagt, der Erzengel Gabriel hat mir das eingegeben, und der andere sagt, das stimmt nicht, denn ich habe das anders ausgependelt, dann kommen wir nirgends hin.“

Demokratie, sagt Aigner, kann nur auf Basis von Wissenschaft funktionieren – dieses Corona-Jahr zeige das stärker als je zuvor. Und das ist auch der Grund, warum Florian Aigner Bücher schreibt und mit Wunderheilern streitet.

Außerdem war Aigner eben bei Oberösterreich heute zu Gast.

Und danach im „Kepler Salon“ der Uni Linz:

Zum Weiterlesen:

  • Er macht Mathe zu Musik, Zeit-Online am 26. Oktober 2020
  • „Immun gegen Humbug“: Das neue Buch von Florian Aigner, GWUP-Blog am 28. September 2020
  • ,Die Schwerkraft ist kein Bauchgefühl“: GWUP-Interview mit Florian Aigner, GWUP-News am 4. Oktober 2020
  • Scheuba fragt nach bei… Florian Aigner – #395
  • „Nachtlinie“ mit Florian Aigner: Schwerkraft und Leichtigkeit, GWUP-Blog am 16. September 2020
  • Hoaxilla #262 – „Wissenschaft ist kein Bauchgefühl“ vom 18. Oktober 2020

25. Oktober 2020
von Bernd Harder
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#ferngespräch „Hitlerhippies“ als Video und Hoaxilla-Podcast

Das #ferngespräch vom 22. September

Hitlerhippies?! Gemeinsamkeiten von Esos & Nazis

gibt’s jetzt als Video und Hoaxilla-Podcast:

Welche Verbindungen gibt es zwischen sog. Hippies und Rechtsextremen? Warum gehen diese beiden Gruppen gemeinsam demonstrieren, obwohl sie auf den ersten Blick nichts Verbindendes haben sollten?

Tommy Krappweis hatte dazu im WildMics-Special viele Fragen. Wir diskutierten darüber mit Pia Lamberty, Annika Brockschmidt, Holm Hümmler und Jochen Blom.

Zum Weiterlesen:

  • WildMics Special #25 – Hitlerhippies, Wozefak!? vom 25. Oktober 2020
  • Wenn Esoteriker*innen und Rechte miteinander gehen, BR Kultur am 9. September 2020
  • Was verbindet Esoterik und Rechtsextremismus? jetzt.de am 4. September 2020
  • Esoterik und Extremismus: Geister, die sie rufen, tagesspiegel am 2. September 2020
  • „Meditieren, heilen, Juden hassen“: Rechte Esoterik und Verschwörungstheorien, GWUP-Blog am 20. Januar 2020
  • Rechte Ideologie im esoterischen und neureligiösen Bereich, remid am 23. Juni 2016
  • Corona-Proteste: Politische Esoterik, SPON am 8. August 2020

25. Oktober 2020
von Bernd Harder
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„Allein gegen die Globuli“: Die homöopathiefreie Apotheke heute in der FAS

Heute in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung:

Ein Auszug:

Es war in den Sommerferien“, berichtet Iris Hundertmark von dem Tag ihrer Entscheidung. „Da ist wenig los, man räumt auf, macht sauber. Als ich die Regale mit den Globuli ansah, wurde mir mit einem Mal klar: Jetzt muss Schluss damit sein. Dann habe ich das alles in Kisten gepackt und an den Großhandel zurückgeschickt.“

Das galt nicht nur für die Kügelchen, sondern auch für Bachblüten und Schüßler-Salze, für Tropfen und Verreibungen und für populäre homöopathische Kombinationspräparate wie die Erkältungsmittel Meditonsin und Contramutan. Vorher hatten die Präparate einen verkaufsfördernden Paradeplatz in der Apotheke, auf Augenhöhe gleich neben dem Tresen.

Die zierlichen Regalböden aus Glas hatte Hundertmark noch eigens nach Maß für die typischen Verpackungsgrößen der Mittel von Herstellern wie Weleda und der Deutschen Homöopathie-Union (DHU) fertigen lassen, als sie 2016 die Apotheke von ihrem Vorbesitzer übernahm.

Die Entscheidung, ihre Globuli-Regale leerzuräumen, hat Hundertmark bekannt gemacht. Die Lokalzeitung hat damals berichtet, sie wurde in eine Fernseh-Talkshow eingeladen. Die Resonanz war gemischt. „Hier kamen wildfremde Leute rein und haben ,Scheißladen‘ gebrüllt“, berichtet Hundertmark.

Die Zuschriften, die sie bekommen hat, füllen zwei DIN-A4-Ordner: Lob und Tadel, ein Heiratsangebot, aber auch wüste Beschimpfungen und sogar eine anonyme Morddrohung im Mafia-Stil.

Hundertmark wirkt aufgeräumt. Sie habe heute mehr Stammkunden als vor zwei Jahren, sagt sie. „Und mein Umsatz ist nicht gesunken, sondern deutlich gestiegen.“ Dass missgünstige Berufskollegen ihr den Globuli-Boykott nun sogar als wohlkalkulierten Marketing-Trick ankreiden, gehört wohl zum Risiko einsamer Entscheidungen.

Eine Umfrage der F.A.S. bei allen deutschen Apothekerkammern lässt darauf schließen, dass kein einziger anderer Apotheker im ganzen Land es Hundertmark bisher gleichgetan hat.

Zum Weiterlesen:

  • Allein gegen die Globuli, FAS am 25. Oktober 2020
  • Frauenpower gegen Zauberzucker, Onkel Michael am 25. Oktober 2020
  • Globuli-„Tatort“ am Sonntag: Sanfte Medizin, kranke Geschäfte, GWUP-Blog am 23. Oktober 2020
  • „Tatort“ Wien: Dieser Krimi wird für Furore sorgen – schon jetzt große Aufregung im Netz, Der Westen am 25. Oktober 2020
  • Der Wien-„Tatort“ im Schnellcheck, Spiegel-Online am 25. Oktober 2020

24. Oktober 2020
von Bernd Harder
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Ist Sucharit Bhakdi ein Experte für SARS-CoV-2 und Covid-19?

Sogar Publik Forum (Nr. 19/2020) hat jetzt einen Faktencheck zum Bhakdi-Buch „Corona Fehlalarm?“ veröffentlicht.

Darin heißt es unter anderem:

Die Argumentationskette der Autoren (Bhakdi/Reiß) ist einfach: Das Virus SARS-CoV-2 gefährde vor allem ältere Menschen mit Vorerkrankungen, die Zahl der tödlichen Verläufe sei vergleichbar mit saisonalen Grippeausbrüchen.

Dabei unterscheidet sich Covid-19 aber doch in Vielem von einer saisonalen Grippewelle. Und diese Aspekte blenden Bhakdi und Reiß schlicht aus. Beispielsweise können sich Risikogruppen und Krankenhauspersonal gegen eine „normale“ Grippe impfen lassen, während eine Impfung gegen das neue Coronavirus noch nicht existiert.

Und überhaupt, was soll man davon halten, wenn es immer wieder heißt, nur ältere Patienten und solche mit Vorerkrankungen sterben? Zählt ihr Leben nicht? Wer unheilbar an Krebs erkrankt ist, kann vielleicht trotzdem noch Monate oder Jahre leben, mit Diabetes kann man sogar wunderbar alt werden.

Und noch ein Unterschied: Da das neuartige Virus deutlich ansteckender ist als bekannte Grippeviren, was auch Bhakdi und Reiß nicht bestreiten, können in sehr kurzer Zeit sehr viele Menschen erkranken und so das Gesundheitssystem überlasten. Bei einer saisonalen Grippe müssen zudem die wenigsten Patienten beatmet werden, was ebenfalls Kapazitätsprobleme mit sich bringen kann. Von den Langzeitfolgen für Beatmungspatienten ganz zu schweigen.

Zu dem Punkt „Ist der Anti-Corona-Bestseller seriös?“ schreibt die Autorin:

„Corona Fehlalarm?“ stützt sich zwar auf seriöse Quellen. Doch wo Quellen fehlen, stellen die Autoren Mutmaßungen an, die nicht überprüfbar sind. Seriöse Wissenschaft sieht anders aus.

Negativ fällt auch der Ton des Buches auf. Gesundheitsminister Jens Spahn, Kanzlerin Angela Merkel, der Leiter des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, und der Virologe Christian Drosten werden darin regelrecht verächtlich gemacht. Ihnen allen wird Unfähigkeit, teilweise sogar Böswilligkeit unterstellt. Das ist purer Populismus und hat mit sachlicher Kritik nichts zu tun.

Apropos „seriöse Wissenschaft“:

In seinem Blog Relativer Quantenquark beschäftigt sich Dr. Holm Hümmler heute mit der Frage, was eigentlich einen „Experten“ ausmacht – und warum Bhakdi für Covid-19 eben keiner ist (auch Dr. Florian Aigner hat dazu etwas bei Facebook/Twitter geschrieben).

Dabei geht es auch darum, wie Bhakdi eigentlich dazu kommt, in einem Interview vom 3. Oktober die Corona-Epidemie für „definitiv beendet“ zu erklären.

Ähnliche Äußerungen hat Bhakdi indes schon früher getätigt:

In diesem kurze Ausschnitt aus einem Video-Interview vom 15. August sagt Bhakdi:

Da alle Sentinel-Laboratorien in Deutschland seit Monaten keine SARS-CoV-2-Infektionskrankheiten melden, kann es keine Epidemie geben.

Diese Behauptung wiederholte er in einem Interview mit Boris Reitschuster:

Es gibt seit Wochen keine neuen Covid 19 Kranken mehr in Deutschland.

Schon im RKI-Situationsbericht vom 13. August hätte Bhakdi nachlesen können, dass „aufgrund der geringen Zahl eingesandter Proben keine robuste Einschätzung“ der Covid-19-Situation aus dem Sentinel-Netzwerk möglich sei, das lediglich einen kleinen Teil der Surveillance darstellt.

Sogar einer Erstinformationsquelle wie Wikipedia kann man entnehmen, dass die Sentinel-Daten „nicht repräsentativ“ für das Covid-19-Geschehen sind. Was Bhakdi ebenfalls verschweigt:

Auch gibt es weiterhin Nachweise über Sentinel-Krankenhäuser.

Völlig unklar bleibt darüber hinaus, warum Bhakdi überhaupt den (wenigen) Laboranalysen des Sentinelsystems vertraut, aber nicht den (vielen) Laboranalysen hinter den bestätigen Fällen.

Einzelheiten kann man hier nachlesen:

  • Volksverpetzer: So manipuliert Bhakdi die Corona-Zahlen
  • Correctiv: RKI-Bericht sagt nicht, dass „seit Wochen“ kein SARS-CoV-2-Fall nachgewiesen wurde
  • Faktenfinder: Keine Corona-Fälle mehr?

Zum Weiterlesen:

  • Sucharit Bhakdi ist für Covid-19 nicht bloß kein Experte – es ist viel schlimmer, Relativer Quantenquark am 24. Oktober 2020
  • Diskussion: Was hat jemand wie Bhakdi in ÖR-Medien zu suchen? GWUP-Blog am 20. Oktober 2020
  • hr-iNFO mit „Postfaktencheck“ zu Bhakdis Falschbehauptungen, GWUP-Blog am 14. Oktober 2020
  • „Corona Fehlalarm“: Faktencheck zu Bhakdi/Reiß in der SZ, GWUP-Blog am 14. September 2020
  • Universität Kiel distanziert sich von Sucharit Bhakdi/Karina Reiß, GWUP-Blog am 27. August 2020
  • Sucharit Bhakdi und Co.: Verein von Corona-Rebellen verliert die Gemeinnützigkeit, t-online am 22. Oktober 2020
  • MWGFD: 44 Prozent Heilpraktiker und andere Andere, Gesundheits-Check am 24. Oktober 2020
  • „Coronavirus“ by Lars Fischer

23. Oktober 2020
von Bernd Harder
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Globuli-„Tatort“ am Sonntag: Sanfte Medizin, kranke Geschäfte

Gut, diesmal war es bisschen teurer als zum Beispiel letztes Jahr die Homöopathie-Folge von „Die Kanzlei“ – aber für den „Tatort“ sind uns natürlich alle Mittel recht:

Am Sonntag (Das Erste, 20.15 Uhr) sehen wir, was wir dafür bekommen. Die Spiegel Online-Vorschau klingt schon mal vielversprechend:

Es geht …

… um Starheiler der Homöopathie, die von humanenergetischer Behandlung säuseln, aber ihr Unternehmen knallhart wie einen kapitalistischen Pharmakonzern führen.

Wer hätte das gedacht?

Wir natürlich, die darauf seit Jahren hinweisen, etwa hier und hier oder hier.

Ein paar Abstriche muss man bei dem Wien-„Tatort“ mit Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser natürlich machen:

Das Publikum kann sich am Ende einbilden, etwas gelernt zu haben, aber letztendlich bleibt das Thema Alternativmedizin doch ein wenig unterbelichtet. Nennen wir es Globuli-Effekt.

Immerhin. Deshalb haben wir auch keinen Cent bezahlt, auf dass die Produzenten damit ihr Honorar selbst in beliebiger Höhe potenzieren mögen.

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland schreibt sogar von einem „herausragend guten Tatort“ – web.de findet’s hingegen eher „albern“.

Ein „Glaubenskrieg“ (rnd, goldenekamera.de, ARD) ist der Streit um die Globuli indes natürlich nicht. Die Beweislage ist völlig unzweideutig auf Seiten der Homöopathie-Kritiker.

Zum Weiterlesen:

  • Die Anti-Globuli-Guerilla, Spiegel-Online am 23. Oktober 2020
  • Tatort Wien: Die große Verkommenheit, Franfurter Rundschau am 23. Oktober 2020
  • So wird der neue Wien-Krimi, rtl am 23. Oktober 2020
  • Der Globuli-Mord, rnd am 23. Oktober 2020
  • Offener Brief des INH an die Wissenschaftsredaktion von rbb Fernsehen – zum Dossier „Wahrheit über … Homöopathie“, INH am 22. Oktober 2020

22. Oktober 2020
von Bernd Harder
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James Randi ist tot: „Ich komme wahrscheinlich nicht wieder“

Vor vier Jahren habe ich James Randi zum letzten Mal interviewt, bei der Ehrung mit der Auszeichnung „Heinz Oberhummer Award für Wissenschaftskommunikation“ in Wien.

In Memoriam.

Skeptiker: Gerade wurde ein neuer amerikanischer Präsident gewählt. Was bedeutet der Sieg von Donald Trump für die Skeptiker und das kritische Denken in Ihrem Land?

James Randi: Meine Leute haben mich vor dieser Reise nach Europa ermahnt, nicht allzu viel dazu zu sagen. Ich denke, Donald Trump ist nicht für dieses Amt qualifiziert. Er zweifelt an nichts. Allenfalls von Gott selbst würde er Ratschläge annehmen.

„Magician and pseudoscience skeptic, James Randi shares his amazing life story and later life coming out story“:
https://www.amazon.de/HONEST-LIAR-James-Amazing-Randi/dp/B010GL2G7W

Trumps Beraterin Kellyanne Conway macht mit eigenwilligen Neologismen wie „Alternative Fakten“ von sich reden. Schon im Wahlkampf kursierte das Schlagwort von der Ära der „Post-truth politics“. Wenn die Menschen nicht mehr an Fakten interessiert sind – was können wir Skeptiker dann überhaupt noch ausrichten?

Ich habe keine Antwort auf diese Frage. Die gegenwärtige Situation ist nicht nur sehr unglücklich, sie könnte sich geradezu als fatal erweisen. Nach der Wahl sind mir viele Leute begegnet, beim Einkaufen etwa, die nur noch den Kopf geschüttelt haben. Man sah ihnen den Schock richtig an. Wir sind alle recht beunruhigt.

Andererseits ist das ja nun nichts völlig Neues für uns. Mit Verschwörungstheorien, Falschbehauptungen und „Unsinkable Rubber Ducks“ – Christopher Brookmyre prägte den Begriff – hatten es die Skeptiker doch immer schon zu tun. Und meiner Überzeugung nach ist der Hauptgrund dafür die Religion, also gewissermaßen ein evolutionäres Erbe. Wenn irgendwo ein Stein herunterfällt, sucht man erst mal nach einer personalen Erklärung: Wer hat das gemacht? Auf diese Weise sind die Vorstellungen von Donnergöttern und allen möglichen übernatürlichen Wesenheiten entstanden, einschließlich einer Hierarchie von Himmel bis Hölle.

Credomanie, also die Glaubenssüchtigkeit, ist uns zu einem Gutteil angeboren und eine unerschöpfliche Quelle des Aberglaubens. So menschlich das auch ist, so sollten wir im Zeitalter der Wissenschaft doch den Mut und die Entschlossenheit aufbringen, diese primitiven Mechanismen zu durchschauen und uns ihnen entgegenstellen.

James Randi während der Laudatio von Niko Alm bei der Verleihung des Heinz Oberhummer Awards 2016 in Wien:
https://www.facebook.com/watch/?v=10154411086441965

Bleiben wir bei den unsinkbaren Gummienten. Uri Geller behauptet bis heute, die Skeptiker – und vor allem Sie – hätten ihn erst berühmt gemacht. War die Aufklärung über seine Tricks mithin kontraproduktiv?

Kennen Sie die Fabel vom Fuchs und den Trauben? Genauso ist es mit Geller.

Ich habe ihn sicher nicht zu dem gemacht, was er ist. Im Gegenteil, ich habe ihm viele Schwierigkeiten bereitet, mehr als jeder andere. Geller hat alle Rechtsstreitereien mit mir verloren und teilweise teuer dafür bezahlt, weil er die Verfahrenskosten zu tragen hatte. Das waren einmal sogar mehr als 100 000 Dollar. Er versucht das nun umzudrehen, im Sinne von Äsops antiker Fabel, aber das funktioniert nicht.

Ich nehme mir solche provokant gemeinten Äußerungen nicht weiter zu Herzen. Uri Geller ist definitiv weg vom Fenster. Nicht mal in seiner Heimat Israel wird er von irgendjemandem ernst genommen. Wussten Sie, dass seine Frau, bevor sie geheiratet haben, in einem Zeitungsinterview alle seine Tricks verraten hat? Nach der Hochzeit hat sie vermutlich Redeverbot bekommen, denn danach war nichts mehr von ihr zu hören.

Randi war der erste Preisträger der Auszeichnung: „Vorbild und Inspiration nicht nur für Heinz Oberhummer, sondern für viele Menschen, die sich für eine von Wissenschaft geprägte, säkulare Welt einsetzen.“

Eine andere unsinkbare Gummiente ist der Fernsehprediger Peter Popoff. Ihn ließen Sie auffliegen, indem Sie zeigten, dass seine Informationen über die Saalgäste nicht von Gott stammten, sondern von einem nicht sichtbaren Funkempfänger. Popoffs Organisation ging pleite, mittlerweile ist er aber wieder ganz gut im Geschäft.

Popoff ist einer von etwa 30 Leuten in diesem Bereich, die immer wieder als Scharlatane geoutet werden, aber dennoch einfach weitermachen. Popoff hat es mit seiner Klientel auch leicht. Diese Menschen haben große Angst vor dem Sterben und glauben hoffnungsvoll alles, was ihnen vorgesetzt wird. Es ist erstaunlich, was Religion mit der kritischen Denkfähigkeit von Popoffs Anhängern macht.

Sie selbst gehen auf die 90 zu …

Ich bin alt genug, um dem Tod ins Auge zu sehen, aber ich habe keine Angst davor. Ich kann auf ein erfülltes Leben zurückblicken und sehe dem Unausweichlichen mit Gelassenheit entgegen. Natürlich sollte ich vorher aber noch mein nächstes Buch fertigkriegen.

James Randi beim World Skeptics Congress 2012 in Berlin (mit Skeptiker-Redaktionsleiterin Inge Hüsgen und Bernd Harder):
https://blog.gwup.net/2012/05/20/wsc-dritter-tag-a-tribute-to-james-randi/

In einem Interview mit Kylie Sturgess für CSI-Online haben Sie in diesem Zusammenhang bereits von ihrem „Abgesang“ gesprochen.

Ja, das kann ich mir in meinem Alter durchaus vorstellen. Bislang hatte ich allerdings immer sehr viel Glück. Wobei ich auch nie wirklich ein Risiko eingegangen bin. Selbst beim gefährlichsten Trick war alles perfekt geplant und es standen immer Leute bereit, um mich notfalls zu retten. In einigen Fällen mussten sie das auch tun.

Worum geht es in denn in Ihrem elften Buch?

Es handelt von meinen Besuchen bei Wissenschaftlern in aller Welt, die Hellseher und andere Scharlatane getestet haben. Oft genug haben diese Wissenschaftler sich täuschen lassen, weil sie es nicht besser wussten. Wenn etwas außerhalb ihrer ganz speziellen Expertise liegt, dann versagen auch sie. Und Trickser gehören nun mal ganz eindeutig nicht zu ihrem Fachgebiet.

Da fällt uns natürlich das Projekt Alpha ein. Anfang der 1980er-Jahre schleusten Sie zwei junge Männer, Michael Edwards und Steve Shaw, in das McDonnell Laboratory for Psychical Research in St. Louis ein, wo sie die Parapsychologen davon überzeugten, starke mentale Kräfte zu besitzen. Allerdings waren auch das nur Tricks. Vor kurzem habe ich gelesen, dass dieser legendäre Coup verfilmt werden soll.

Davon habe ich gehört, weiß aber nicht, wie weit das gediehen ist. Die beiden Alpha-Kids – Steve Shaw ist übrigens heute als „Banachek“ ein bekannter Mentalmagier – sind zwar von Filmproduzenten kontaktiert worden, aber ob etwas dabei herauskommt, ist unsicher. Dabei ist die Geschichte wirklich spannend.

Michael und Steve kamen damals zu mir und sagten, wir müssten das Ganze beenden, weil die Sache völlig aus dem Ruder laufe – so erfolgreich waren sie darin, die durchaus ernsthaften Forscher hinters Licht zu führen. Sie machten sich Sorgen um das Ansehen ihrer Versuchsleiter, insbesondere eines Mannes, dessen Namen ich lieber nicht nenne. Als wir unseren Hoax später im Time Magazine veröffentlichten, nannten wir den Namen ebenfalls nicht. In meinem Buch spreche ich nur von „Dr. X“. Jeder, der sich ein bisschen auskennt, kann den Mann aber leicht ausfindig machen.

Das Schlimme dabei war, dass er trotz unserer Enthüllungen über die verwendeten Tricks nicht von seinem Glauben lassen wollte, dass die Alpha-Kids über echte paranormale Fähigkeiten verfügen.

Und wie geht es mit Ihrem One-Million-Dollar-Challenge weiter?

Das weiß ich nicht. Ich bin jetzt 88 Jahre alt und sollte wohl keine allzu weitreichenden Pläne mehr für die Zukunft machen. Derzeit bin ich mit meinem Buchprojekt völlig ausgelastet. Außerdem ist der Preis von allen Stars des Paranormalen konsequent ignoriert worden, sodass es vielleicht auch gar keinen Sinn macht, ihn weiter aufrechtzuerhalten. Geller beispielsweise hat die Million nie für sich beansprucht, obwohl der Challenge eigentlich an Leute seines Kalibers gerichtet war.

Was ist Ihrer Auffassung nach die gefährlichste Spielart des vorgeblich Paranormalen?

Eindeutig die Pseudomedizin. Gerade in diesem Bereich ist Skeptizismus eine im wahrsten Sinne des Wortes gesunde Einstellung, für die wir uns weiterhin engagieren sollten.

Die GWUP feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum.

Das ist großartig, meinen herzlichsten Glückwunsch! Ich wünsche den deutschen Skeptikern weiterhin viel Erfolg dabei, kritisches Denken populär und Fakern das Leben schwer zu machen. Wie viele Mitglieder haben Sie?

Mehr als 1500.

Fabelhaft, aber eigentlich sollten alle vernünftigen Leute Mitglied in solchen Organisationen wie der GWUP sein. Überall auf der Welt.

Randi bei der Verleihung des Erwin-Fischer-Preises der IBKA 2004 in Köln: https://www.ibka.org/de/artikel/rundbriefe04/efpreis.html

Sie haben 1976 als Entertainer CSICOP mitbegründet und gelten heute als „Urvater der Skeptiker“ – so nennt Sie auch das Magazin profil in einem Artikel zur Heinz-Oberhummer-Preisverleihung.

Ich kann das wegen der kleinen Schrift leider nicht lesen, aber ich fühle mich geschmeichelt. Damals in New York waren wir kaum mehr als eine Handvoll Gründungsmitglieder und Martin Gardner schlug vor, dass ich die Leitung von CSICOP übernehmen sollte. Das habe ich aber abgelehnt, weil ich kein Akademiker bin und mit meinen Shows und Radiosendungen auch viel zu beschäftigt war.

Aber war nicht gerade der Unterhaltungsfaktor eines James Randi ein entscheidender Punkt bei der Popularisierung des skeptischen Anliegens?

Kennen Sie Alice Cooper?

Gewiss.

Man weiß ja nie. Ich habe in den 1970ern mit Alice bei seiner Bühnenshow zusammengearbeitet und bekomme immer noch Eintrittskarten zugeschickt, wenn er in Florida auftritt. Bei seinen Konzerten werden große Pappschachteln aufgestellt, die nach noch mehr Lautsprechern aussehen. Das soll vor allem die Jugend beeindrucken.

Wenn ein bisschen Inszenierung und Effekte nötig sind, um die Botschaft rüberzubringen, dann ist das völlig ok. Bei Alice Cooper, bei James Randi – und auch bei den Skeptikern.

Sehen Sie irgendwo in der skeptischen Community einen zweiten Randi heranwachsen?

Das kann ich Ihnen wirklich nicht beantworten. Ich komme wahrscheinlich nicht wieder.

Zum Weiterlesen:

  • In Memoriam: James „The Amazing“ Randi (1928 – 2020), hpd am 22. Oktober 2020
  • Der Entzauberer, brand eins 10/2004
  • Behind the Magic: An Interview with James Randi, Skeptical Inquirer Volume 39.2, March/April 2015
  • James Randi wird 85, GWUP-Blog am 6. August 2013
  • Happy Birthday James Randi, GWUP-News am 4. August 2013
  • James Randi: Dem Unfug auf der Spur, diepresse am 26. November 2016
  • Warum wir glauben, was wir wollen, diepresse am 28. November 2016
  • James Randi: Magier und Urvater der Skeptiker, profil am 22. November 2016
  • Uri Gellers großer Kritiker: Zauberer James Randi ist tot, promiflash am 22. Oktober 2020
  • James Randi, magician and stage artist devoted to debunking the paranormal, dies at 92, Washington Post am 21. Oktober 2020
  • James Randi, magician and paranormal debunker, dead at 92, New York Post am 21. Oktober 2020
  • The Amazing Randi, Famed Magician and Escapologist, Dies at 92, The Hollywood Reporter am 21. Oktober 2020
  • Über die Gefahr, sich auf Übersinnliches zu verlassen: James Randi im Gespräch bei naklar.at
  • Nichts als fauler Zauber, derStandard am 6. August 2008

21. Oktober 2020
von Bernd Harder
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„The Debunking Handbook 2020“ und weitere Initiativen gegen Fake News und Verschwörungsmythen

Wer noch Zeit für einen weiteren Podcast findet:

Die Uni Würzburg hat eine zeitweise interessante Podiumsdiskussion mit Ingrid Brodnig, Staatsministerin Dorothee Bär, Andreas Hotho und anderen zum Thema „Fake News“ aufgezeichnet (zirka 90 Minuten).

Weitere aktuelle Initiativen kommen vom Juraforum – dort gibt es jetzt den Artikel

Die CDU hat die Seite

Informationen rund um Verschwörungsmythen und Fake-News

ins Netz gestellt, mit Artikeln, Interviews und Videos.

Außerdem gibt’s eine aktualisierte Neuauflage des „Debunking Handbook“ von John Cook (Physiker), Stephan Lewandowsky (Psychologe) und 20 weiteren Autoren – allerdings zurzeit nur auf Englisch:

The Debunking Handbook 2020 summarises the current state of the science of misinformation and its debunking. It was written by a team of 22 prominent scholars of misinformation and its debunking, and it represents the current consensus on the science of debunking for engaged citizens, policymakers, journalists, and other practitioners.

Zum Weiterlesen:

  • The Debunking Handbook auf Deutsch: „Widerlegen, aber richtig“ als kostenloses PDF, GWUP-Blog am 15. November 2014
  • Planet Wissen: „Was tun gegen Verschwörungsideologien und Fake News?“ mit Nikil Mukerji, GWUP-Blog am 20. Oktober 2020
  • Falschmeldungen werden oft als Frage formuliert – was harmlos klingt, aber wirkungsvoll ist, profil am 29. September 2020