28. Juli 2026
von Felix Pfannstiel
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ein Gastbeitrag von Timm Grams
Wie eine Denkfalle die Skeptikerbewegung verunsichert hat
Für die Skeptikerbewegung fundamental ist die Abgrenzung der empirischen Wissenschaft von den Pseudowissenschaften. »Ein empirisch-wissenschaftliches System muss an der Erfahrung scheitern können.« Dieses Abgrenzungskriterium hat Karl Raimund Popper in seinem bahnbrechenden Werk »Logik der Forschung« formuliert (1934, I. Kapitel, 5. Erfahrung als Methode). Dieses Kriterium ist einfach und elegant und wurde quasi zum Mantra der Skeptikerbewegung.
Aber dann kam Larry Laudan mit seiner Schrift „The demise of the demarcation problem“ (1983). Er schreibt, dass Poppers Falsifikationskriterium alle möglichen seltsamen Ideen mit dem Gütesiegel der Wissenschaftlichkeit adle; sie müssten nur widerlegbare Aussagen machen. Beispiele finden wir tatsächlich haufenweise: Astrologie, Vorstellung einer flachen Erde, Homöopathie, Perpetuum Mobile, Gedankenübertragung, Hellsehen usw. In all diesen Fällen soll es sich demnach um Wissenschaft handeln, da sie widerlegbare Aussagen machen.
Das hat die Skeptikerbewegung nachhaltig verunsichert, wie auch der aktuelle Aufsatz von Nikil Mukerji (GWUP) zeigt: »Agenda-Skeptizismus: Wie Cancel Culture Pseudowissenschaften vor Kritik schützt – und was das mit Wissenschaftsfreiheit zu tun hat«
Der ganze Aufruhr geht auf einen Denkfehler zurück, der in der Skeptikerbewegung auch einen Namen hat, das »Scheitern am Modus Tollens«.
Ich erkläre es ausführlich: Die Aussage »Wissenschaftlichkeit impliziert Falsifizierbarkeit« ist gleichbedeutend mit der Umkehrung »Fehlende Falsifizierbarkeit impliziert fehlende Wissenschaftlichkeit«. Das ist der Modus Tollens. Es ist ein Denkfehler, daraus zu schließen: »Falsifizierbarkeit impliziert Wissenschaftlichkeit«.
Also: Das Falsifizierbarkeitskriterium nach Popper gibt keine Rechtfertigung für abseitige Erkenntnissysteme her.
Wer meinen Skeptiker-Leitfaden »Klüger irren – Denkfallen vermeiden mit System« (Springer-Verlag, 2016, 2020) gelesen hat, sollte einen solchen Irrtum eigentlich vermeiden können. Es wird wohl kein Mensch, der halbwegs bei Trost ist, eine widerlegte Theorie dem Bestand einer Wissenschaft einverleiben.
Die Suche nach einem besseren Kriterium hat in den letzten Jahren schon viel geistige Energie gekostet. Es wurden viele Vorschläge zu einer Weiterentwicklung des Popperkriteriums oder gar zu dessen Überwindung. unterbreitet. Das alles wurde nur angestossen durch eine Fehlinterpretation von Poppers Text.
Leider legt Popper selbst die Fehlinterpretation nahe: Er nennt ein Kriterium, was eigentlich nur ein Merkmal empirischer Wissenschaft ist. Nur dessen Fehlen erlaubt weitreichende Schlussfolgerungen.