gwup | die skeptiker

… denken kritisch seit 1987.

21. September 2018
von Bernd Harder
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SWR-Stellungnahme: „Wir können in der Berichterstattung über Homöopathie durchaus besser werden“

Selbstkritik beim SWR nach dem „False Balance“-Tiefpunkt am Mittwoch in der Landesschau Baden-Württemberg:

Im MedWatch-Interview erklärte heute Rüdiger Mertz, Leiter der Hauptabteilung „Fernsehen BW/Land und Leute“, der Beitrag sei in der Nachbesprechung „sehr kritisch“ gesehen worden:

MedWatch: Was würden Sie jetzt anders machen?

Mertz: Zum einen hätten wir eine umfassende Sicht auf die Studienlage zur Homöopathie benötigt. Gerd Antes vom Cochrane Zentrum in Freiburg wäre ein guter Ansprechpartner gewesen, der die Studienlage hätte einordnen können. Eine Überschrift wie „Wie wirkt Homöopathie?“ hätten wir nicht senden sollen. Sie suggeriert, dass Homöopathie mehr wirkt als ein Placebo. Diese Aussage lässt die Studienlage nicht zu.

Was haben Sie vor, um derartige Probleme für die Zukunft zu vermeiden?

Ich werde Ihre Anfrage zum Anlass nehmen und noch einmal in der Redaktion darauf hinzuweisen, dass sich eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt einem wissenschaftlich fundierten und den Werten der Aufklärung verbundenen Weltbild verpflichtet fühlen muss. Wir sollten uns evidenzbasierter Medizin verpflichtet fühlen. Leider sind wir diesem Anspruch mit dem Beitrag nicht gerecht geworden. Das bedaure ich.

Danke.

Zum Weiterlesen:

  • Interview zu SWR-Beitrag: „Eine Überschrift wie ‚Wie wirkt Homöopathie?‘ hätten wir nicht senden sollen“, MedWatch am 21. September 2018
  • Natalie Grams bei „Zur Sache Baden-Württemberg“: Der Eiertanz um die Ausgewogenheit, GWUP-Blog am 20. September 2018
  • Globuli in der Landesschau BW: Ein trauriger Höhepunkt der falschen Ausgewogenheit, GWUP-Blog am 19. September 2018
  • Wo sind wir hier eigentlich?!? Homöopathie – deutscher Irrweg in Zeiten globaler Vernunft, Keine Ahnung von Garnix am 20. September 2018
  • MDR Sachsen-Anhalt korrigiert die falsche Ausgewogenheit in einem Bericht übers Impfen, GWUP-Blog am 18. Juli 2018

21. September 2018
von Bernd Harder
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Esoteriker als Krisenbegleiter: das braucht niemand

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Leidfaden („Fachmagazin für Krisen, Leid, Trauer“) befasst sich schwerpunktmäßig mit

Mystik, Mythen, Aberglauben

Neben einem völlig überflüssigen und befremdlichen Beitrag eines „Parapsychologen und Schamanen“ (der natürlich die „Quantenphysik“ für seinen angeblich „mystischen Erlebnisse“ bemüht) finden sich darin interessante volkskundliche Aufsätze (zum Beispiel über Hexenvorstellungen und Vampire), eine psychologische Analyse des Phänomens „psychogene Todesfälle“ und eine Bestandsaufnahme der akademischen Parapsychologie von IPPG-Leiter Prof. Dieter Vaitl.

Ich selbst durfte einen Artikel zum Thema „Leid und Esoterik“ beitragen.

Darin geht es um „Vermisstenhellseher“, inszenierte „Jenseitskontakte“ und die empathielose Egozentrik der Eso-Szene.

Ein Auszug:

Die Autorin des esoterikkritischen Romans „Vier Frauen und ein Scharlatan“, Eva S. Bernauer (ein Pseudonym), erklärte in einem Interview:

„Bis vor einigen Jahren hielt ich Esoteriker für harmlose Spinner. Dann erkrankte ich an Krebs, und plötzlich hagelte es von allen Seiten Ratschläge. Diäten, Vitamine, positives Denken, sogar die Neue Germanische Medizin wurde mir angedient. Und ich nahm erst mal alles ernst, googelte tagelang den obskursten Wundermitteln hinterher. Dann hatte ich einen lichten Moment und begriff, was los war: Ich griff nach Strohhalmen.

An diesen ganzen Unfug hätte ich vor der Krebsdiagnose keinen einzigen Gedanken verschwendet. Und genau das ist das Perfide daran. Diese Angebote erwischen einen im schwächsten Moment und nutzen diese Schwäche schamlos aus.“

Vielen Menschen geht es nach esoterischen und alternativ-psychologischen Behandlungen schlechter als zuvor. „Finde dein inneres Selbst, reinige dich, löse die Blockaden und lass die Energie fließen. Sie ist eins, und du bist Teil des Ganzen …“ – Klingt nett, meint aber übersetzt: „Den Krebs hast du dir selbst manifestiert, denk mal drüber nach“ oder „Dein Mann hat dich verlassen, weil er für seinen Seelenplan eine andere Frau braucht.“

So eine Krisenbegleitung braucht niemand.

Die Einzelausgabe kostet 20 €, einzelne Artikel daraus 7 €.

Zum Weiterlesen:

  • „Vermisstenhellseher“: Wie die Betrüger ticken, GWUP-Blog am 28. Oktober 2017
  • Der Esoterik-Wahn, Schweriner Volkszeitung am 30. August 2013
  • Video: „Im Bann des Übersinnlichen – Echter Segen oder falscher Zauber?“ bei Talk im Hangar-7, GWUP-Blog am 21. September 2018

21. September 2018
von Bernd Harder
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Alibri startet Crowdfunding: Für Aufklärung und Wissenschaft

sind nur sieben von zahlreichen Büchern, die unter der Rubrik „Irrationalismus“ im Alibri-Verlag erschienen sind oder demnächst erscheinen werden.

Seit rund zwei Jahrzehnten publizieren die Aschaffenburger …

… Texte von Autor*innen, die für Selbstbestimmungsrechte, Emanzipation, Aufklärung und Wissenschaft eintreten und sich für eine säkulare und rationale Sicht der Dinge stark machen.

Um diese anspruchsvolle verlegerische Arbeit auch weiterhin auf eine sichere finanzielle Basis zu stellen, hat Alibri eine Crowdfunding-Kampagne gestartet.

Eure Gelder kommen ohne Ausnahme der Verlagsarbeit und anstehenden Buchprojekten zugute. Wir finanzieren damit Übersetzungen, Lizenzen, Bildrechte und Grafiken, neue Bücher und Neuauflagen.

Das erste Fundingziel (für das Herbstprogramm 2018) beträgt 7000 €. Die Aktion läuft bis zum 7. November.

Hier geht’s zur Startnext-Seite.

Zum Weiterlesen:

  • Interview mit Gunnar Schedel: „Bislang haben wir alles überlebt“, hpd am 11. Dezember 2014
  • Alibri-Verlag sucht Kompliz*innen, Alibri-Blog am 18. September 2018

21. September 2018
von Bernd Harder
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„Im Bann des Übersinnlichen“ bei Talk im Hangar-7

Gestern Nacht gab’s bei Servus TV die Fortsetzung der Reportage „Im Bann der Heiler – Wie gefährlich ist die Esoterik?“

Im Hangar-7 diskutierte unter anderem der Quantenphysiker und Wissenschaftskommunikator Dr. Florian Aigner von den Wiener Skeptikern über das Thema „Echter Segen oder falscher Zauber?“

Schwerstkranke, Deprimierte und Zweifelnde suchen immer öfter ihr Heil bei Schamanen, Wahrsagern und Energetikern. Manche von ihnen berichten tatsächlich von Heilungen nur durch Blicke und Handauflegen, Sektenbeauftragte und Mediziner jedoch warnen vor falschen Versprechungen und übertriebenen Hoffnungen. Woher kommt die Sehnsucht nach Spiritualität? Wie riskant ist die Suche nach Erleuchtung und Glück? Und wie können Scharlatane entlarvt werden?

Hier geht’s zum Video (zirka 64 Minuten).

Zum Weiterlesen:

  • Addendum-Projekt Esoterik: Von „Heilern“ bis Granderwasser, GWUP-Blog am 16. September 2018
  • Video: „Im Bann der Heiler – Wie gefährlich ist die Esoterik?“ GWUP-Blog am 13. September 2018
  • „Esoterik und Pseudomedizin: ein Plädoyer gegen Humbug, Lügen, Luftschlösser, Anmaßungen und falsche Versprechungen, GWUP-Blog am 6. September 2018

20. September 2018
von Bernd Harder
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Natalie Grams bei „Zur Sache Baden-Württemberg“: Der Eiertanz um die Ausgewogenheit

Das war jetzt also die Fortsetzung des unsäglichen Filmchens „Homöopathie: Heilkunst oder völliger Quatsch?“ gestern in der Landesschau Baden-Württemberg.

Was soll man zu dem Beitrag in „Zur Sache Baden-Württemberg“ sagen?

Immer deutlicher wird, dass die Kolleginnen und Kollegen in den Medien dringend eine neue Herangehensweise an solche Themen finden müssen.

Das redliche Bemühen der Redaktion war zu spüren – aber der Eiertanz um das goldene Kalb „Ausgewogenheit“ ist zunehmend unerträglich und verhindert jeden Erkenntnisgewinn für den Zuschauer.

Es mag ja eine nette Idee sein, „Pro und Contra“-Statements live einzublenden und diese kurz mit dem Studiogast Dr. Natalie Grams zu diskutieren. Aber was soll das?

Dem echten Experten (in dem Fall Grams) stiehlt man damit bloß die Zeit – und drängt ihn zudem unwillkürlich in die Defensive. Denn wer will schon in so einer Situation der netten Frau Pfarrerin auf dem Monitor das sagen, was eigentlich angebracht wäre: nämlich dass ihr von falscher Selbstwahrnehmung geprägtes Gerede keinerlei Bedeutung für das Thema hat.

Deshalb war es richtig, dass Grams eine Frage des Moderators („Ist Homöopathie im Vergleich zu vielem anderen nicht eher kostengünstig?“) einfach umdrehte und damit deutlich machte, dass nicht die Homöopathie-Kritiker in der Rechtfertigungspflicht sind:

Wenn man fragt, sollten die Krankenkassen mit unserem Solidargeld für Zucker bezahlen, würde jeder sagen: nein.

Den verschiedenen Homöopathie-Anhängern bei den „Besuchen vor Ort“ war eine eher untypische Verunsicherung und argumentative Hilflosigkeit anzumerken – vielleicht eine Folge der Aufklärung und Medienpräsenz unserer Homöopathie-Kritiker?

Nur der Medizinhistoriker und Globuli-Fan Prof. Robert Jütte vom Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung in Stuttgart schwurbelte unverdrossen drauf los. Ohne zu merken, dass er im Grunde einer Steinzeit-Medizin das Wort redet, in der offenbar nur der „Glaube“ zählen soll, und wissenschaftsignorant suffliert von einem Dr. Markus Debus von der Filderklinik Stuttgart, der allen Ernstes erklärte:

Die Patienten wissen am besten, was ihnen guttut – da brauche ich letztendlich keine Studie.

Schließlich bleibt auch nach dieser Sendung die Frage an den Südwestrundfunk, warum das eigentliche Thema allenfalls am Rande mal kurz gestreift, aber nicht beantwortet wurde: ob die Krankenkassen noch für Homöopathie zahlen sollen?

Und damit sind wir wieder am Anfang.

Weniger „Mir hat’s aber geholfen“, weniger „Pro und Contra“, dafür Fakten, zum Beispiel welche Länder die Homöopathie aus der öffentlichen Gesundheitsversorgung rausgekickt haben und warum. Und eine klare Positionierung gegen irreführende Statements à la Jütte und Co.

Das wäre doch mal was.

  • Zum Video „Vor Ort bei Homöopathie-Anhängern“ geht es hier (zirka 6:40 Minuten)
  • Der komplette Beitrag inklusive der Studio-Diskussion mit Dr. Natalie Grams findet sich hier (zirka 21 Minuten).

Zum Weiterlesen:

  • Globuli in der Landesschau BW: Ein trauriger Höhepunkt der falschen Ausgewogenheit, GWUP-Blog am 19. September 2018
  • Satzungsleistungen: Auch AOK-Chef Litsch wäre gegen Globuli, Ärzte Zeitung online am 18. September 2018
  • Globukalypse: AOK-Chef würde ein Verbot der Homöopathie- Erstattung unterstützen, GWUP-Blog am 18. September 2018
  • „ManU hat gewonnen – Punkt!“ BBC will keine falsche Ausgewogenheit mehr bei der Klimawandel-Berichterstattung, GWUP-Blog am 11. September 2018
  • „Ausgewogene“ Berichterstattung – ein Problem? Die Erde ist keine Scheibe am 4. März 2018
  • Frankreich: Stunde der Wahrheit für die Homöopathie, apotheke adhoc am 19. September 2018
  • Wo sind wir hier eigentlich?!? Homöopathie – deutscher Irrweg in Zeiten globaler Vernunft, Keine Ahnung von Garnix am 20. September 2018

20. September 2018
von Bernd Harder
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Acht Monate unter Reichsbürgern: Interview mit Tobias Ginsburg im Skeptiker

Der Deutschlandfunk hat Jan Rathje von der Amadeu Antonio Stiftung zu den „Reichsbürgern“ interviewt.

Für die aktuelle Skeptiker-Ausgabe (3/2018) sprachen wir mit dem Theatermacher und Autor Tobias Ginsburg, der unter dem Pseudonym „Tobias Patera“ acht Monate lang in der „Reichsbürger“- und Neonazi-Szene dem rechtsextremen Verschwörungsglauben nachspürte.

Ein Auszug:

Skeptiker: Was ist eigentlich die zentrale Verschwörungstheorie der „Reichsbürger“-Bewegung? Also was verbindet diese völlig unterschiedlichen Gruppen und Einzelpersonen?

Ginsburg: Es ist eine verflucht effektive Verschwörungstheorie: Das deutsche Volk sei Opfer einer Weltverschwörung und die Bundesrepublik ein Teil dieses Komplotts und daher kein legitimer, souveräner oder echter Staat.

Die Details dieser Gruselgeschichte sind allerdings austauschbar. Manche wollen sich als Selbstverwalter vom verhassten Staat lossagen, andere wollen ihn bekämpfen. Einige sehnen sich nach einem arisierten, reinrassigen Germanien, andere halten sich für die Bürgerrechtskämpfer des kleinen Mannes. Und auch was die verabscheute BRD eigentlich sei, wird ganz unterschiedlich beantwortet. Für die einen ist sie eine Firma, für andere ein diktatorischer Marionettenstaat, gesteuert von blutrünstigen Weltregenten.

Eine Vorstellung hingegen teilen sie alle: die Idee einer kleinen Machtelite, die das Weltgeschehen kontrolliert und das deutsche Volk unterjocht, schröpft oder gar auslöschen will. Sie alle glauben sich im gemeinsamen Überlebenskampf: Wir, die wahren Deutschen, gegen Die-da-oben – seien das nun die Juden, Amerikaner oder außerirdische Illuminaten.

Kann man die Anhänger der Reichsbürger-Verschwörungstheorie für unsere freiheitliche Demokratie zurückgewinnen?

Ich wünschte, ich könnte darauf eine einfache Antwort geben, eine Art Gebrauchsanweisung, wie man Menschen aus ihren albtraumfarbenen Wahnwelten wieder zurückholt. Aber die gibt es nicht.

Bei den Verführten muss man abschätzen, wie weit sie sich in das ideologische Sumpfgebiet vorgewagt haben, wie groß ihr Hass auf die Gesellschaft und auf uns ist – auf die vermeintlichen Verräter, „Schlafschafe“ und Komplizen des Systems. Es ist in jedem Fall eine schrecklich mühselige Arbeit, erfordert Anstrengung und Aufopferung, einen Verschwörungsideologen von etwas anderem zu überzeugen.

In gewisser Weise ist ein solcher Versuch ein großer Liebesbeweis. Aber es wäre schlimm, wenn wir es ganz unversucht ließen.

Auf der anderen Seite darf man nicht vergessen, dass viele erst über ideologische und politische Überzeugungen in die Szene gelangen: Menschen, die eine demokratische, pluralistische Gesellschaft aus tiefster Seele ablehnen und alles nicht-Deutsche, nicht-Weiße, nicht-Christliche verachten. Ausgemachte Rassisten, Antisemiten und Faschisten.

Hier sieht die Sache nochmal eine ganze Spur ärger aus.

Sie schildern in Ihrem Buch den einen oder anderen Versuch der Szene, sich zu vernetzen, zu größeren Aktionsbündnissen zusammenzuschließen. Das scheiterte bislang offenbar an persönlichen Eitelkeiten und Meinungsverschiedenheiten, also eher profanen Gründen. Wie lange wird das noch so bleiben? Sehen Sie irgendwo den großen Führer, der diese Bewegung vereinigen kann?

Es scheitert auch schlicht an den vielen Geschmacksrichtungen, die es in der Reichsbürgerszene gibt. Ich selbst durfte an derartigen Vereinigungstreffen teilnehmen. Da trafen sich Akteure und Delegationen verschiedener Reichsbürgergruppierungen und planten in Hinterzimmern den Zusammenschluss der Szene mit anschließendem Sturz der BRD GmbH.

Aber auch wenn man sich schnell auf das gemeinsame Feindbild, Ziel und das Holocaustleugnen einigen konnte, scheiterte es an den Fragen zu Vorgehen, Auftreten und nicht zuletzt Stil.

Es ist zwar geradezu spektakulär, wenn sich Motorradrocker, esoterische Hippiekommunen, Verschwörungsgurus, gutbürgerliche Naziaktivisten und versoffene Wutbürger an einem Tisch zusammenfinden. Aber einig werden die sich zum Glück nicht.

Nein, die viel größere Gefahr lauert in der zunehmenden Akzeptanz ihrer horrenden Ideologie. Denn all das neurechte Geraune und rechtspopulistische Kokettieren mit Verschwörungstheorien stärkt die Szene. Lässt ihre Ideen peu à peu salonfähig werden – all die rechten Horrorszenarien der großen „Umvolkung“ und der Islamisierung der Deutschen und der Unterjochung des Volkes durch finstere Eliten.

Menschen, die solchen verqueren Verschwörungsscheiß ganz unverblümt formulieren, sitzen mittlerweile im Bundestag.

Die Lesungen mit Tobias Ginsburg im September und Oktober (zum Beispiel in Esslingen, in der Steiermark und in Görlitz) finden sich auf der Verlagsseite.

Den Skeptiker kann man online im GWUP-Shop bestellen.

E-Paper und Einzelseiten (zu je 0,19 €) gibt es hier.

Zum Weiterlesen:

  • Interview mit Tobias Ginsburg: „Gefährlich, brutal und antidemokratisch“, Skeptiker 3/2018
  • Reichsbürger: Spinner, Außenseiter, Rechtsextremisten? Deutschlandfunk am 18. September 2018
  • Wachsende Szene mit steigendem Gewaltpotenzial, Deutschlandfunk am 18. September 2018
  • Kompletter Beitrag vom 18. September in der ARD-Mediathek: Reichsbürger – Spinner oder Rechtsextremisten?
  • Skeptical-Video: Reden wir mal über „Reichsbürger“, GWUP-Blog am 8. September 2018
  • Reichsbürger: „Gefährlich, brutal und antidemokratisch“, hpd am 5. September 2018
  • Buchtipp: Undercover unter „Reichsbürgern“, GWUP-Blog am 1. März 2018
  • Video: Der Autor von „Unter Reichsbürgern“ bei SWR 1 Leute, GWUP-Blog am 22. April 2018
  • Tobias Ginsburg: Die Reise ins Reich. Unter „Reichsbürgern“. Verlag Das Neue Berlin, Berlin 2018, 272 Seiten, 17,99 €
  • Rechtsextreme Bewegung: Ein Zehlendorfer war der erste Reichsbürger, Berliner Zeitung am 13. September 2018

20. September 2018
von Bernd Harder
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„Forschen oder sterben – wir haben keine Zeit zu verlieren“

Interessanter Debattenbeitrag von Dr. Florian Aigner:

Der Spaß ist vorbei. Lange Zeit war Technologie hauptsächlich dazu da, unser Leben angenehmer zu machen […]

Das ist nun anders. Wissenschaft und Technologie ist kein Luxus mehr, den wir uns gönnen dürfen, wenn am Ende noch ein bisschen Geld übrig ist, sondern eine Überlebensfrage. Wir haben unseren Planeten aus dem Gleichgewicht gebracht und können das mit unserem heutigen Wissen nicht wieder in Ordnung bringen […]

Müssen wir also zu einem romantisch-vorindustriellen Lebensstil zurückkehren? Was ist, wenn wir auf die Technik wieder verzichten und im Garten Schafe grasen lassen, so wie früher?

Nein. Jeder Versuch, die technologische Entwicklung umzukehren wäre völlig sinnlos. Selbst wenn wir beschließen, ab morgen wieder so zu leben wie im achtzehnten Jahrhundert, würden wir die Welt damit nicht retten […]

Wir müssen die Gesetze der Natur besser verstehen und die Sache mit der richtigen Technologie wieder in Ordnung bringen. Nicht durch ein Zurück in vortechnologische Zeiten können wir unsere Probleme in den Griff bekommen, sondern durch mehr Wissenschaft und Technologie […]

All das wird eine Menge Arbeit. Aber es sind keine aussichtlosen Aufgaben.

Was wir dafür aber brauchen, ist ein gesellschaftlicher Konsens, dass Wissenschaft und Forschung keine nette Fleißaufgabe ist, der man sich widmet, um ein paar neue spaßige Technik-Spielzeuge zu entwickeln. Die mögen als Nebenprodukte entstehen. Aber Forschung und Technologie brauchen wir heute in erster Linie dafür, um das Überleben unserer Spezies zu sichern. Wir haben keine Zeit zu verlieren.

Zum Weiterlesen:

  • Forschen oder sterben, futurezone am 18. September 2018

19. September 2018
von Bernd Harder
22 Kommentare

Globuli in der Landesschau BW: Ein trauriger Höhepunkt der falschen Ausgewogenheit

Sagt mal, liebe Kolleginnen und Kollegen von der Landesschau Baden-Württemberg – hattet Ihr gerade keine entlaufene Katze parat, mit der Ihr dreieinhalb Minuten Sendezeit hättet füllen können? Oder einen Luftballonweitflugwettbewerb? Oder ein schönes Freistoßtor in der Bezirksliga?

Nein? Schade.

Alles wäre besser gewesen als Euer sogenannter „Beitrag“ über Homöopathie.

Der eine (ein „homöopathischer Arzt“) sagt halt so, die andere (Dr. Natalie Grams) sagt halt so – und schwupps ist wieder mal ne neue „Landesschau“ fertig.

Eine Einordnung der verschwurbelten Andeutungen des Herrn Doktor (Globuli sind ganz supi bei Tumoren im Bauchraum, die vielen tollen Studien pro Homöopathie werden von dem bösen „Zeitgeist“ unterdrückt etc.pp.)? Eine klare Antwort auf die Frage „Heilkunst oder völliger Quatsch?“ Oder auch nur irgendeine zarte Andeutung von Positionierung im Sinne der eindeutigen wissenschaftlichen Evidenz?

Fehlanzeige.

Und dazu noch sachliche Fehler à la „Globuli sind pflanzliche Mittel“.

Künftige Journalisten-Generationen werden diesen Beitrag in Seminaren als einen traurigen Tiefpunkt der fatalen „falschen Ausgewogenheit“ vorstellen.

Update vom 20. September: Natalie Grams bei „Zur Sache Baden-Württemberg“: Der Eiertanz um die Ausgewogenheit

Update vom 21. September: SWR-Stellungnahme: „Wir können in der Berichterstattung über Homöopathie durchaus besser werden“

Zum Weiterlesen:

  • Satzungsleistungen: Auch AOK-Chef Litsch wäre gegen Globuli, Ärzte Zeitung online am 18. September 2018
  • Globukalypse: AOK-Chef würde ein Verbot der Homöopathie- Erstattung unterstützen, GWUP-Blog am 18. September 2018
  • „ManU hat gewonnen – Punkt!“ BBC will keine falsche Ausgewogenheit mehr bei der Klimawandel-Berichterstattung, GWUP-Blog am 11. September 2018
  • „Ausgewogene“ Berichterstattung – ein Problem? Die Erde ist keine Scheibe am 4. März 2018
  • Wo sind wir hier eigentlich?!? Homöopathie – deutscher Irrweg in Zeiten globaler Vernunft, Keine Ahnung von Garnix am 20. September 2018

19. September 2018
von Bernd Harder
6 Kommentare

Irisdiagnostik: Ein Musterbeispiel für die Faktenresistenz von Heilpratikern

Eigentlich genügt es schon, „Heilpraktiker“ und „Irisdiagnose“ zu googeln, um zu sehen, wie diese Zunft so drauf ist:

Die Irisdiagnose gibt wichtige Aufschlüsse über die Konstitution (Genenmaterial) des Menschen.

„Die Iris bildet den ganzen Körper ab“, erklärt die Heilpraktikerin Anne B.

Mit der Irisdiagnose kann die Heilpraktikerin erkennen, welche Organe und Körperteile anfällig für Krankheiten sind.

In der Iris sieht der Augendiagnostiker eine Widerspiegelung des Körpers mit seinen Organen.

Die Irisdiagnose ist die Kunst, mittels derer es sich ermöglichen läßt, aus der Farbe, der Dichtigkeit und den mannigfaltigen Zeichen der Regenbogenhaut den körperlichen und auch den geistigen Zustand eines Menschen zu ergründen.

Das ist schlicht gesagt blanker Unsinn:

Sämtliche bislang bekannt gewordenen klinischen Studien zur Irisdiagnostik konnten keinerlei diagnostische Eignung dieses Verfahrens nachweisen. Es ist daher wissenschaftlich als völlig ungeeignet anzusehen, Erkrankungen des Menschen nachzuweisen, und als ein typisches pseudomedizinisches Verfahren anzusehen.

Und natürlich stimmt es auch nicht, dass „die Schulmedizin“ dieses angeblich uralte Wissen („Schon im alten Ägypten wurde die Kunst der Irisdiagnose angewandt“) ignoriert.

Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) hat im Vorfeld ihres Jahreskongresses in Berlin noch einmal Stellung zu dem Verfahren genommen:

Die Thesen der Iridologie [konnten] noch in keinem einzigen Fall wissenschaftlich bestätigt werden. Egal, ob es sich um Karzinome des Magen-Darm-Traktes handelte oder Gallenblasenleiden: Die Irisdiagnostik kam über die reine Ratewahrscheinlichkeit nicht hinaus.

Hier könnten die Heilpraktiker mal exemplarisch zeigen, wie ernst es ihnen mit ihrem Reformwillen wirklich ist.

Zum Weiterlesen:

  • Wissenschaftlich geprüft – Irisdiagnostik ist medizinisch sinnlos, idw am 18. September 2018
  • „Irisdiagnostik“ bei Psiram
  • Heilpraktiker: „Irrationalismus und voraufklärerisches Denken“, GWUP-Blog am 16. Februar 2015

18. September 2018
von Bernd Harder
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Globukalypse: AOK-Chef würde ein Verbot der Homöopathie- Erstattung unterstützen

Gestern machte die AOK Plus (Sachsen und Thüringen) Negativ-Schlagzeilen wegen ihrer dreisten Homöopathie-Lügenwerbung:

Heute erklärt der Vorsitzende des AOK-Bundesverbands:

In einem MedWatch-Interview sagte Martin Litsch:

MedWatch: Als Vorstand der AOK NordWest haben Sie einen Tarif für Homöopathie eingeführt.

Litsch: Ja, weil sehr viele Kunden das nachgefragt haben. Mit Blick auf die Marktsituation müssen sie schon sehr tapfer sein, diesen Wahltarif nicht einzuführen.

Würde es helfen, wenn das Bundesgesundheitsministerium den Kassen die Erstattung verbieten würde?

Natürlich würde das die Situation grundlegend ändern. Wir setzen uns immer für Evidenz in der Medizin ein, ich würde es in jedem Fall unterstützen.

Es geht bei den Kassen also um rein werbliche Erwägungen.

Dann sollte sich der Herr Spahn wohl baldmöglichst mit G-BA-Chef Josef Hecken zusammensetzen, der schon länger die Streichung der Homöopathie aus den Satzungsleistungen der Kassen fordert.

Und was fällt den Oberlobbyisten der Zauberzucker-Zunft dazu ein?

Wenig mehr als sinnbefreite Rechenschiebereien:

Da verweisen wir doch gerne nochmal auf unseren Blogpost „Nichts ist immer zu teuer“, Frau Bajic.

Und die #Globukalypse rollt weiter:

Und wer kämpft mit Zähnen und Klauen für den Bestandsschutz der Homöopathie?

Die pharmazeutische Industrie.

Kann man sich nicht ausdenken.

Zum Weiterlesen:

  • AOK-Chef Martin Litsch: „Wir würden ein Verbot der Homöopathie-Erstattung unterstützen“, MedWatch am 18. September 2018
  • Globukalypse: G-BA-Chef gegen Apothekenpflicht und Erstattung für Homöopathika, GWUP-Blog am 13. September 2018
  • Homöopathie-Debatte: Diese Hersteller sind am stärksten betroffen, apotheke adhoc am 14. September 2018
  • Homöopathie in Frankreich: Ein Streit um Geld und Glauben, Spiegel-Online am 17. September 2018
  • Cover-Check: Der Spiegel punktet mit dem “Boom der Alternativmedizin”, stern und Focus unter Soll, meedia am 18. September 2018
  • Jetzt anmelden: „Evidenz und Wunderheilung“ in Berlin, GWUP-Blog am 7. September 2018
  • EBM-Netzwerk: Forderung nach mehr Evidenzbasierung im Leistungskatalog der GKV, GWUP-Blog am 4. September 2018
  • Bento: Warum immer mehr Krankenkassen Globuli zahlen, obwohl sie nichts bringen, GWUP-Blog am 27. April 2018
  • Globukalypse: Kassenaufsicht kritisiert Homöopathie-Erstattung, GWUP-Blog am 10. April 2018
  • Nachgefragt 014: „Was ist evidenzbasierte Medizin?“ vom 14. Juni 2018