Drei skeptische Fragezeichen

Dan Brown? Stephenie Meyer? Nein, bei den „Bestsellern des Jahres“ der Illustrierten Stern belegen niemand anderes als „Die drei ???“ (lies: Die drei Fragezeichen) insgesamt sieben der 15 aufgeführten Ränge. Jedenfalls in der Rubrik „Hörbücher“.

Darunter ist auch „Die drei ??? und der tote Mönch“, ein relativ neuer Band, der in der Tradition der alten Klassiker wie „Das Gespensterschloss“, „Die flüsternde Mumie“ oder „Der sprechende Totenkopf“ steht.

Geschrieben hat „Die drei ??? und der tote Mönch“ – nein, nicht Alfred Hitchcock. Der berühmte Filmregisseur hatte mit den Detektivgeschichten nie etwas zu tun. Der US-Autor Robert Arthur erwarb in den frühen 1960er Jahren lediglich die Lizenz, Hitchcocks Namen verwenden zu dürfen, um seiner Jugendbuchserie mehr Aufmerksamkeit zu sichern.

Zurück zum toten Mönch: 1991 wurde die Serie in den USA eingestellt. In Deutschland erscheinen seitdem bei Kosmos weitere Bücher, die auf Arthurs Konzept basieren, aber von hiesigen Autoren geschrieben werden. Darunter André Marx, der in Berlin-Kreuzberg lebt und mal Germanistik studierte, das Studium aber nach wenigen Semestern abbrach, weil

es mich a) nicht die Bohne interessierte und b) mir glücklicherweise Die drei ??? in die Quere kamen.“

Außer dem „Toten Mönch“ hat Marx auch „Die drei ??? … und der Poltergeist“, „Geheimsache Ufo“ und „Das Haus des Schreckens“ verfasst. Gegen den allgemeinen Medientrend (der sogar ehedem seriöse Blätter wie etwa P.M. erfasst hat), dass das übersinnliche „Mysterium“ in jedem Fall bewahrt werden muss, lösen die drei jugendlichen Ermittler tatsächlich jeden Fall – auch solche, die scheinbar das Paranormale streifen. Am Ende stellt sich alles als Trick oder auch als Fehlinterpretation heraus – genauso wie bei den Untersuchungen der freundlichen Skeptiker von der GWUP.

Warum ist das so? Marx sagte uns dazu im Skeptiker-Interview:

Wer „Die drei ???“-Bücher schätzt und liest, weiß ja, worauf er sich einlässt. Die Fans der Reihe haben schon ein Interesse am Übernatürlichen, würde ich sagen. Aber sie mögen eben auch das streng Rationale, das „Skeptische“, wie Sie es nennen.”

Geister, Ufos, Tonbandstimmen – das sind populäre Spielarten des „Übersinnlichen“. Wo findet der Autor die Anregungen speziell für seine Mystery-Episoden?

Eigentlich findet man die immer überall. Es geistern ja ständig irgendwelche Themen durch die Medien. Wenn man ein offenes Auge und Ohr dafür hat, begegnet einem früher oder später ein interessanter Stoff für ein neues Buch. Ich gehe jedenfalls nicht ins Internet mit dem Vorhaben, mir jetzt mein neues Mystery-Thema herauszusuchen. So etwas entwickelt sich erstens von selbst und zweitens ganz langsam.

Von der ersten Idee bis zum ersten geschriebenen Satz vergehen häufig viele Jahre. Erst wenn ich wirklich mit dem Schreiben beginne, recherchiere ich auch. Zu diesem Zeitpunkt ist mir dann auch ziemlich klar, was ich wissen will. Gut möglich, dass ich dabei auch auf der GWUP-Webseite lande.”

Nicht nur deswegen: Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläumsband 150, der dieser Tage erscheint! Titel: „Die drei ??? … Geisterbucht“.

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GWUP-Preview: Männer die auf Ziegen starren

Das war sie also, die Pressevorführung von „Männer die auf Ziegen starren“ (Kinostart: 4. März) in München. Außer Weißbier vom Fass und Popcorn satt gab es einen durchaus guten Film – der genauso anfängt wie das zugrunde liegende Buch “Durch die Wand” von Jon Ronson:

„Dies ist eine wahre Geschichte. Wir schreiben den Sommer 1983. Generalmajor Albert Stubblebine III sitzt hinter seinem Schreibtisch in Arlington, Virginia, und starrt an die Wand, an der seine zahlreichen militärischen Auszeichnungen hängen …

Er starrt durch seine Auszeichnungen auf die eigentliche Wand. Er spürt, dass da etwas ist, was er tun muss, obwohl ihm der Gedanke daran Angst macht. Er denkt über die Entscheidung nach, die er zu treffen hat. Er kann in seinem Büro bleiben oder er kann ins Büro nebenan gehen. Es ist seine Entscheidung. Und er trifft sie.

Er geht ins Büro nebenan …

Bin ich bereit?, denkt er. Ja, ich bin bereit. Er erhebt sich von seinem Schreibtisch und geht los. Ich meine, so denkt er, woraus besteht ein Atom zum überwiegenden Teil? Aus Leerraum! Er beschleunigt seinen Schritt. Woraus bestehe ich zum überwiegenden Teil? Aus Atomen! Er rennt nun fast.

Woraus besteht diese Wand zum überwiegenden Teil?, denkt er. Aus Atomen! Ich muss nur die Leerräume zusammenfließen lassen. Die Wand ist eine Illusion. Was ist Schicksal? Ist es meine Bestimmung, in diesem Raum zu bleiben? Pah, sicher nicht!

Dann stößt General Stubblebine mit seiner Nase hart gegen die Wand. Verdammt, denkt er. Sein ständiges Versagen, durch diese Wand hindurch zu schreiten, verwirrt General Stubblebine.“

General Stubblebine heißt im Film „Brigadegeneral Dean Hopgood“. Abgesehen von den Namen der Protagonisten aber stimmt weitgehend das Motto, das im Vorspann eingeblendet wird: „More of this is true than you would believe.“ Neben dem glühend gläubigen Eso-Obristen Hopgood (Stephen Lang) gibt es auch den „Ziegentotstarrer“ Lyn Cassady (George Clooney) und den wirrköpfigen Oberguru der paranormalen Spezialeinheit Bill Django (Jeff Bridges) in echt. Und „The Men who Stare At Goats“ ist ihre Geschichte.

Der Film löst sich insofern vom Buch, als dass er den roten Faden in Ronsons zahlreichen Interviews und Gesprächen findet und eine zusammenhängende Geschichte daraus macht – entlarvend komisch, von guten Schauspielern getragen, wenn auch ohne sonderliche inszenatorische Dichte.

Sie dreht sich um einen amerikanischen Lokalreporter (Ewan McGregor), der als Freelancer vom Irak-Krieg berichten will und dort einen ehemaligen Psychokrieger vom „Projekt Jedi“ trifft, der in Rückblenden die ganze abstruse Story um die PSI-Spione des Pentagons enthüllt – eine kleine Gruppe von Soldaten, die dafür trainiert wurde, „durch Objekte, beispielsweise Wände, zu schreiten, mit ihrem Geist Metall zu verbiegen, über Feuer zu gehen, schneller zu rechnen als ein Computer, ihr Herz anzuhalten, ohne Schaden zu nehmen, in die Zukunft zu sehen, außerkörperliche Erfahrungen zu machen“.

So jedenfalls steht es im Handbuch des realen „First Earth Battalions“ zu lesen, welches das Vorbild für die „Jedi-Krieger“ im Film abgab.

Hat das funktioniert? Nur zwei Beispiele:

  • Im Film fällt die von George Clooney angestrengt angestarrte Ziege tatsächlich um. In der Realität wurde Enthüllungsjournalist Ronson nur einiger sonderbarer Filmaufnahmen ansichtig, die das EKG einer Ziege zeigten – und eine allmähliche Verlangsamung der Herzfrequenz des Tiers von „Mitte 60 runter auf 55“.
  • Im Film will eine amerikanische Regierungsbehörde von der PSI-Einheit wissen, wo sich der panamaische Diktator Manual Noriega nach seinem Sturz 1989 aufhält. Einer der Supersoldaten versetzt sich in Trance und schreibt auf ein Stück Papier: „Fragt Angela Lansbury!“ In Wirklichkeit war es die Schauspielerin Kristy McNichol, die von dem „Mönchskrieger“ aus unerfindlichen Gründen ins Spiel gebracht wurde – und die ebenso wenig eine Ahnung hatte wie ihre Kollegin Lansbury in der Spielhandlung.

Der Film endet mit einer Herde Ziegen, derer die beiden Protagonisten zufällig ansichtig werden – auf einem amerikanischen Militärstützpunkt, irgendwo in der irakischen Wüste. Die Geschichte der „Jedi-Krieger“ ist also noch nicht zu Ende. Und in der Wirklichkeit?

Fest steht: Der berühmte „Ziegentotstarrer“, der mit richtigem Namen Guy Savelli heißt, rief Ronson noch im Jahr 2004 an, um ihm aufgeregt mitzuteilen, dass er wieder nach Fort Bragg beordert worden sei, ins Hauptquartier der amerikanischen Sonderheiten. Mit einer Ziege?, wollte Ronson wissen. „Ich kann Ihnen nur sagen“, antwortete Guy, „dass ein Tier eine Rolle spielen wird.“

Links zum Thema:

Zum Weiterlesen:

  • Jon Ronson (2008): Durch die Wand. Die US-Armee, absurde Experimente und der Krieg gegen den Terror. Salis-Verlag, Zürich
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P.M. – Das Peinliche Magazin

 Das waren noch Zeiten, als Peter Moosleitners interessantes Magazin uns Kids erklärte, warum Flugzeuge fliegen können und woraus das Universum besteht. Lang ist’s her.

Heute steht das Kürzel P.M. wohl bestenfalls noch für „Pseudo-Magazin“. Traurig, dieser Abstieg zum befremdlichen Esoterik-Blättchen, das mit Astrologie, Intelligent Design, Verschwörungen und Wassergedächtnis wedelt. Anscheinend sucht das Peinliche Machwerk seinen neuen Platz irgendwo zwischen Esotera und dem Engelmagazin – falls es nicht verdientermaßen vorher eingestellt wird. Denn wer braucht sowas?

Zugegeben: Als Autor für P.M. zu arbeiten, darf man sich wohl recht komfortabel vorstellen: Einfach fröhlich drauflos fabulieren und so tun, als wäre jeder Satz wunderbar neu und von Nobelpreisträgern beglaubigt, den Kenntnisstand eines jeden durchschnittlichen Wikipedia-Lesers zum Thema schlichtweg ignorierend – und damit durchkommen.

Nehmen wir also wider besseres Wissen die aktuelle Februar-Ausgabe zur Hand, und sei es nur in banger Erwartung der Eskapaden journalistischer Titelstrategen. Und tatsächlich – wenigstens in diesem Punkt werden wir nicht enttäuscht.

„Die verborgenen Phänomene der Geschichte“ blurbt es vom Cover. Und da verabschieden sich auch schon die ersten grauen Zellen, denn die Storys, mit denen wir hier belästigt werden, gehören zur besonders hirnfetzenden Sorte. Nein, ich weiß auch nicht, welcher Teufel mich geritten hat, für dieses Grützeheft auch noch richtiges Geld hinzulegen.

Auf elf Seiten im Innenteil entfaltet sich ein ums andere hübsche Beispiel für die Irrwege gestresster Chefredakteure und Verlagskaufleute, die unter Auflagendruck auch noch den allerletzten Schmu aus dem Bereich des „Wundersamen“ irgendwie verhökern müssen. Neben Schenkelklopfern vor dem Herrn wie „Das Sternenkind aus Mexiko“ oder „Das Volk der fliegenden Wagen“ qualifiziert sich insbesondere der Beitrag „Das Wundertuch von Guadeloupe“ durch seine bloße Existenz für ein hiesiges Treatment.

Und so geht’s los:

„Die aztekische Schrift Nican Mopohua (16. Jh.) berichtet von einem unglaublichen Ereignis, das sich im Dezember 1531 in Mexiko zugetragen hat. Damals kam der aztekischstämmige Juan Diego aus Tolpetlac am Hügel Tepeyac vorbei, der heute die Wallfahrtsstätte Guadalupe ist. Von der Kuppe her hörte er Musik und Gesang, und als sie verstummt waren, erklomm er den Hügel und sah sich einer bildschönen weiblichen Gestalt gegenüber.“

Na, wer  mag das wohl gewesen sein? Genau, die Jungfrau Maria.

Eigentlich auch durchaus nachvollziehbar. 1531 – das bedeutet: Zehn Jahre nach der Eroberung Mexikos durch Hernando Cortez. „Die Spanier und Portugiesen sind im Begriff, mit ihrer überlegenden Kriegstechnologie Süd- und Mittelamerika brutal zu unterwerfen, um den Reichtum des Kontinents an sich zu reißen – und diesen zugleich für das Christentum zu gewinnen“, lesen wir zu dieser Epoche bei der Theologin und Marienkult-Kritikerin Monika Hauf. „Ein hoffnungsloses Unterfangen, so sollte man denken. Denn was sonst außer Furcht könnte die Indios dazu veranlassen, die Religion der Eroberer anzunehmen?“

Tja, was sonst? Vielleicht ein plötzliches Eingreifen der Himmelskönigin herself? Und genau das geschieht auch prompt. Beziehungsweise widerfährt dem besagten Indio Juan Diego:

„Ihm erschien Maria und beauftragte ihn, vom Bischof in Mexiko-Stadt die Errichtung einer Kirche auf einem Hügel nahe der Stadt, auf dem zuvor ein Heiligtum der Azteken-Göttin Tonantzin stand, zu erbitten”,

lesen wir in einem katholischen Heiligenlexikon.

“Drei Tage später erschien Maria dem Indianerjungen Juan ein zweites Mal, auf dem schneebedeckten Hügel wuchsen Rosen, Juan Diego sammelte sie und brachte sie in seinem Mantel zum Bischof; als er den Mantel öffnete, um dem Bischof die Rosen zu geben, war auf dem Mantelfutter das Gesicht von Maria zu sehen. Der Bischof erkannte darin das Bild der Jungfrau von Guadelupe, die in Spanien verehrt wird. Nun überzeugt, ließ er die Kirche bauen.“

Eine eher sonder- als wunderbare Geschichte, sollte man meinen.

Aber nicht für einen P.M.-Autoren. Kein Hauch von Skepsis durchwirkt seinen Doppelseiten-Sleaze über das Bildnis der heiligen Maria auf Juan Diegos Mantel, das heute noch existiert und in der Basilika von „Nuestra Senora de Guadeloupe“ in Mexiko City zu sehen ist. P.M.-like ist dies selbstredend alles höchst wundersam, verblüffend, phänomenal und obendrein vollkommen unerklärlich.

Natürlich hätte man zumindest darauf hinweisen können,

  • dass der damalige Ortsbischof, Juan de Zumárraga, das angebliche Marienwunder oder einen „Seher“ namens Juan Diego in den von ihm erhalten gebliebenen Unterlagen mit keinem Wort erwähnt. Nirgendwo.
  • Oder dass ausgerechnet der Abt der Basilika von Guadeloupe, Guillermo Schulemburg, im Jahr 1996 die ganze Geschichte zum historischen Mythos erklärt hat – und dass besagter Juan Diego wohl nie existiert hat.
  • Oder dass die aztekische Legende, mit welcher der P.M.-Autor in seine abstruse Story einsteigt, sich möglicherweise gar nicht auf die katholische Maria bezieht, sondern die aztekische Erdgöttin Coatlicue meint, mit deren Namen die Spanier aber nichts anzufangen wussten und deshalb  „Guadeloupe“ daraus machten.
  • Oder dass schon 1556 der Franziskanerpater Francisco de Bustamante einen Klostermaler namens Marcos als Urheber des „himmlischen“ Bildnisses benannte. Und dass dieses Bild im Laufe der Jahrhunderte mehrfach massiv manipuliert worden ist, etwa durch nachträgliches Hinzufügen einer Krone auf dem Haupt der Jungfrau sowie von Strahlen und Sternen auf dem Mantel etc.

 Und so weiter, und so fort.

All das hätte man in dem P.M.-Artikel „Das Wundertuch von Guadeloupe“ zumindest am Rande mal erwähnen können. Andererseits wäre das nun wiederum extrem untypisch für das Para-Müll-Magazin gewesen.

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Grün ist der Werwolf

Irgendwie kann ich einen gewissen „Tom“ verstehen, der unlängst einen Artikel bei Welt-online wie folgt kommentierte:

Zombies links, Vampire rechts? Schwachsinn! Ich hab keine richtige politische Meinung, bin erst 13, aber ich mag beide, besonders die Zombies. Welcher Idiot denkt sich denn politische Meinungen für die Monster aus?!“

Tja, da ist zum einen der englische Kulturkritiker Sam Leith, der diese These von den elitären Vampiren und den proletarischen Zombies in der Zeitschrift Prospect vertreten hat. Aber auch der Stern beteiligt sich an solchen wohlfeilen Blödeleien und schreibt in einer Rezension des neuen Douglas-Preston-Romans „Cult – Spiel der Toten“:

 „Mehr Zombies braucht das Land! Weg mit all den Vampiren. Nieder mit den blaublütigen Parasiten, die ihre Herrschaft nur durch Aussaugen der niederen Klassen sichern können … Wir freuen uns auf den Aufstand der Zombie-Massen. Erhebt euch, Untote dieser Welt. Bald sind Wahlen in Nordrhein-Westfalen.“

 Ah ja. Vorher ist aber noch der Starttermin von „The Wolfman“ (11. Februar). Viel mehr würde mich deshalb interessieren, in welche politische Kategorie denn dieses sabbernde Fellknäuel passt? Darauf hat zum Beispiel Die Welt eine Antwort:

 „Offenbar gibt es auch eine Art dritten Weg: nicht nur den proletarischen Zombie und den elitären Vampir, sondern auch den engagierten Werwolf. Bei Stephenie Meyer ist dieser Werwolf Indianer und Naturkind qua Geburt – nicht Porschefahrer, sondern Abenteurer unter freiem Himmel, in Jack Wolfskin gewissermaßen … Wenn also der Zombie links ist und der Vampir rechts, dann ist der neue Werwolf grün.“

 Grün also. Na, von mir aus. Meine Beziehung zu Werwölfen ist sowieso eher unterentwickelt. Ich weiß nur noch, dass mein allererstes John-Sinclair-Heftchen „Die Werwölfe von Wien“ (Band 45) hieß und dass in der kultigen SWR 3-Radiocomedy „Feinkost Zipp“ eine knurrende und kettenrasselnde „Frau Werwolf“ mitspielte.

 Was ist eigentlich das Faszinierende am Werwolf-Mythos?

 „Die Doppelgesichtigkeit, dieses Janusköpfige“, erklärt der Literaturwissenschaftler Uwe Schwagmeier. „In manchen Filmen ist es möglicherweise auch die Freiheit, die ausgelebte Triebhaftigkeit, das Unangepasstsein, das Leben ohne schlechtes Gewissen. Das ist ein anderes körperliches Erleben, das auch an Erotik gekoppelt sein kann.“

 Also so wie in „Das Tier“, über den das „Lexikon des Horrorfilms“ indes bissig urteilt: „Ede Wolf und die drei kleinen Schweinchen finden wir da wirklich amüsanter.“

 Was gibt es aus GWUP-Sicht sonst noch zum Thema Werwolf zu sagen? Wenig – außer dass im Hunsrück einer rumläuft. Jedenfalls wollen viele dort stationierte US-Soldaten schon mal einen Lykantrophen gesehen haben. In echt.

Darüber haben wir sogar schon mal gebloggt. Also einfach hier weiterlesen: „SKEPTIKER jagt Werwolf: The Morbach Monster“.

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Homöopathische Leichenbehandlung

Ich habe nichts gegen seltsame Bestattungsriten. Wie könnte ich auch – schließlich kann ich heute noch einen eher unbekannten Frank-Zander-Song aus der guten alten Zeit auswendig mitsingen:

“Tu doch meine Asche in die Eieruhr, stell mich auf den gold’nen Nachttischschrank. Ich bin dann stets bei dir und meiner Eieruhr, und riesel vor mich hin mein Leben lang! ”

Herrlich. Muss man gehört haben.

Auch dass Leichenbestatter kein leichter Job ist, ist mir seit dem frühen Zombie-Heuler “Night Life” völlig klar.

Richtig abgefahren aber wird es, wenn beides zusammenkommt – so wie dieser Tage im Bestatterweblog, einer durchaus nicht uninteressanten Seite zu Themen wie Beerdigung, Trauer, Tod. Diese Woche erreichte den Betreiber eine Anfrage, die seither unter der Überschrift “Homöopathische Leichenbehandlung” gelistet ist. Das kuriose Begehr des Ratsuchenden:

“Nach meinem Tod möchte ich nur mit homöopathischen Präparaten behandelt werden, also nur Produkte auf pflanzlicher Basis. Ich will keinesfalls mit Mitteln und Substanzen aus der Industrie vollgepumpt werden. Wird so etwas überhaupt von Bestattern angeboten?

Selten, aber doch möglich: Ich bin sprachlos.

Wirkt Huschi-Fuschi-Medizin also nicht nur “auch bei Kindern und Tieren”, sondern sogar bei Toten? Wer könnte das überprüfen? Das Nobelpreiskomitee? Anubis? Orpheus in der Unterwelt?

Und was heißt hier “natürlich”? Meint der oder die Fragende damit vielleicht so Zeug wie “anus bovii” (na ja, “Kuh-Arsch”), “placenta humana” (menschlicher Mutterkuchen) oder gar “excrementum caninum” (original Hundekot) oder was die Hahnemann-Schamanen sonst noch so im Angebot haben?

Wir wissen es nicht. Auch nicht der arme Betreiber vom “Bestatterwebog”, der sich indes cool aus der absonderlichen Affäre zieht. Ein paar Zitate:

“Du müsstest Dir also zunächst einmal klar darüber werden, was Du überhaupt willst bzw. was Du nicht willst.”

“Ich habe derzeit aber keine Vorstellung davon, welchen Unterschied es machen würde, würde man einen toten Körper nun mit diesem oder jenem behandeln.”

“Davon einmal abgesehen werden Verstorbene nicht mit ‘Chemie vollgepumpt’, zumindest nicht grundsätzlich.”

“Allenfalls beim Einbalsamieren käme dieser Gedanke in Betracht, aber das Einbalsamieren hat sich in Deutschland glücklicherweise noch nicht als Standard durchgesetzt.”

Gut, nehmen wir mal an, der oder die Fragende hat selbst keine Ahnung, wovon er/sie eigentlich redet, kann, wie so viele, “homöopathisch” und “natürlich” nicht auseinanderhalten und wünscht sich vielleicht einfach nur eine ökologisch korrekte Beisetzung – dann bräuchte man für all diese Fragen nicht zwingend einen “Homöopathologen” herbeizuziehen, wie einer der über 40 Kommentatoren launig empfiehlt.

Sollte es indes wirklich um Homöopathie gehen, stünden wir vor gänzlich neuen Überlegungen und wissenschaftlichen Herausforderungen. Zwei Beispiele aus den Stellungnahmen zu dem Beitrag im “Bestatterweblog”.

  • “Wie ist das eigentlich, wenn man Leichen homöopathisch behandelt. Werden die wieder wach, wenn man zwei nebeneinander legt? Gleiches mit Gleichem und so, Ihr versteht schon.”

Oder:

  • “Die Homöopathie würde nicht Tod mit Toten behandeln, sondern mit etwas, was einen Todes-Zustand auslöst. Mit einer homöopathischen Menge Zyanid jeden Morgen sollte ich eigentlich unsterblich sein.”
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Skeptisches Entschlacken

Ich müsse dringend mal wieder “entgiften”, rät mir die Funk Uhr. Denn “Entgiften … schützt die Gesundheit, verleiht uns neue Energie – und lässt nebenbei die Pfunde purzeln.”

Iss ja doll!

Fehlen nur noch die “Schlacken”. Oder habe ich was überlesen?

Natürlich nicht. Eben mal kurz zurückgeblättert – schon auf der Titelseite prangen sie dem geneigten Leser entgegen. “Mit Wundertee an einem Tag entschlacken. So geht’s”.

Und ich dachte immer, Schlacken fallen bei der Verbrennung von Kohle an, nicht aber bei der Verwertung von Nährstoffen. Oder funktioniert der menschliche Körper wie ein Hochofen?

Anscheinend.

“Restspuren von Alkohol, Nikotin, Konservierungsstoffen, aber auch belastende chemische Substanzen, die wir täglich mit Luft und Wasser aufnehmen – alles muss raus”, blurbt die Fernsehzeitschrift, gegen die Esotera sich wie eine ernsthafte Wissenschaftspublikation ausnimmt.

“Treten die Giftstoffe nach deftigen Weihnachtsschlemmereien in großer Formation an, sind Leber und Nieren überfordert. Giftstoffe setzen sich im Binde- und Fettgewebe ab. Sind auch diese Deponien voll, kommen Gelenke, Sehnen und Muskeln an die Reihe, aber auch Organe wie das Gehirn und die Leber.”

Weia! Und dann verleiht auch noch eine “Medizinerin, Ernährungsexpertin und Buchautorin aus Hamburg” diesem alarmierenden Szenario des rapiden körperlichen Post-Weihnachts-Verfalls eine beunruhigende Bestimmtheit.

Was läuft eigentlich verkehrt mit der Mediziner-Ausbildung in diesem Land?

Alle molekularen Substanzen im Körper (Mineralien, Aminosäuren, Zucker oder z.B. auch Medikamente) werden entweder unmittelbar im Stoffwechsel benötigt oder aber umgebaut und gespeichert, zum Beispiel Kohlenhydrate als Glykogen beziehungsweise Fett. Irgendwie “störende” Reste bleiben bei einem gesunden Menschen nicht zurück.

Überschüssige oder unbrauchbare Substanzen sowie Stoffwechsel-Endprodukte nehmen den vorgesehenen Weg und werden über Darm und Nieren ausgeschieden. Auch von Giftstoffen befreit sich unser Organismus sofort über Leber und Niere.

So genannte “Entschlackungsmittel” sind in aller Regel Abführmittel, die den Mastdarm reizen und den Defäktionsreflex auslösen – damit wird aber praktisch nur der letzte Schritt im perfekt organisierten Selbstentschlackungssystem (um es mal so zu nennen) des Körpers beschleunigt. Nur wenn dieses System in irgendeiner Weise gestört ist, können Erkrankungen wie Gicht entstehen.

Möglicherweise meint der englische Arzt und Autor Ben Goldacre ja solche Funk-Uhr-Experten, wenn er in seinem gerade erschienenen Buch “Die Wissenschaftslüge” den mannigfaltigen pseudowissenschaftlichen Bockmist auf dieser Welt würdigt. Zum Beispiel auch die “Entgiftungsmanie”:

“In der Biochemie stellt die Entgiftung ein bedeutungsloses Konzept dar. Sie reißt die Natur nicht aus den Fugen. In keinem Lehrbuch der Medizin findet sich irgendeine Abhandlung zum Thema Entgiftung…

Dass Burger und Bier sich negativ auf den Körper auswirken können, trifft sicherlich zu, aus unterschiedlichen Gründen. Doch die Vorstellung, dass sie spezifische Rückstände hinterlassen, die mittels eines spezifischen Prozesses, eines physiologischen Systems mit Namen Entgiftung ausgeschieden werden können, ist eine Erfindung schlauer Marketing-Manager.”

Oder cleverer Buchautorinnen. Allenfalls lässt sich “Entgiftung” wohl als kulturelles Konstrukt begreifen, als eine Art Reinigungs- und Erlösungsritual.

Das ist auch schon alles.

Allerdings könnten Zeitschriften wie die Funk Uhr mit Goldacres eher bodenständigen Tipps nicht zwei Doppelseiten füllen – sondern höchstens ein paar Zeilen:

“Wenn ich ständig auf Partys gehe, trinke, wenig schlafe und mich von Fertigfraß ernähre, merke ich normalerweise irgendwann, dass ich ein bisschen Ruhe brauche. Also bleibe ich ein paar Nächte daheim, lese und esse mehr Grünzeug als gewöhnlich.

Models und Promis dagegen entgiften.”

 
Direktlink zum Video auf Youtube

Zum Weiterlesen:

  • Ben Goldacre (2010): Die Wissenschaftslüge. Wie Pseudowissenschaftler uns das Leben schwer machen. Fischer Verlag, Frankfurt.
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Science-Faction mit der GWUP: Der unglaubliche Hulk

Hausgroße Riesenspinnen? Steinzeitmenschen im Kampf mit einem Dinosaurier? Raumschiffe, die einem Asteroidenschwarm ausweichen müssen? Rot leuchtende Laserstrahlen? Autos, die beim geringsten Aufprall explodieren?

Das waren nur einige der Themen des legendären GWUP-Filmquiz, das beim Publikumstag der Würzburg-Konferenz 2004 eine ebenso kuriose wie erfolgreiche Premiere feierte: “Science oder Fiction – Fakten & Fiktionen von King Kong bis Star Wars“.

Auch der Hulk kam darin vor (am 23. Januar bei Sky Cinema) – eine Comic-Figur, hinter der sich der Atomphysiker Bruce Banner verbirgt, der eine kräftige Ladung Gammastrahlen abbekam und sich seither unfreiwillig in einen zweieinhalb Meter gr0ßen Koloss verwandelt. Entfernungen von mehreren Meilen legt der giftgrüne Riese problemlos springenderweise zurück – mit der unbändigen Kraft seiner Hulk-Muskeln.

Nun sind Comic-Autoren natürlich nicht dem Prinzip der Wissenschaftlichkeit verpflichtet. Und der Einsatz  von Superkräften an sich bedeutet “in nahezu jedem Fall eine Verletzung der Naturgesetze und setzt den freiwilligen Verzicht auf Glaubhaftigkeit voraus”, wie der US-Physiker James Kakalios in seinem lesenswerten Buch “Physik der Superhelden” ausführt.

Aber gerade deshalb sind Comics, Comic-Verfilmungen und Science-Fiction-Filme im Allgemeinen wie kein anderes Medium geeignet, Wissenschaft zu einer obercoolen Veranstaltung zu machen – wie die Mit-Rater beim damaligen “GWUP-Filmquiz” hoffentlich bestätigen werden.

 Wie war das nun mit dem “Hulk”?

Auch wenn seine explodierenden Muskeln bei jeder Verwandlung die Kleidung zerfetzen: Große Sprünge könnte auch der energiegeladene Grobmotoriker nicht machen.

Ein Floh hopst ohne Anlauf locker 50 Zentimeter hoch, also das 130fache seiner eigenen Länge. Beim gleichen Verhältnis von Körpergröße und Sprunghöhe käme ein Mensch knapp über den Kölner Dom drüber. Aber auch das schafft der beste Bodybuilder nicht. Die meisten Zeitgenossen sind froh, wenn sie über einen niedrigen Gartenzaun springen können.

Denn entscheidend sind die Anzahl der Muskelfasern und damit die Querschnittsfläche der Beine. Mit zunehmender Größe wächst die Masse eines Lebewesens wie das Körpervolumen, die Querschnittsfläche der Beine dagegen nur wie die Körperfläche.

Das bedeutet, dass die Muskelkraft der Beine ungleich langsamer wächst als die Körpermasse. Und umgekehrt mit kleiner werdender Körpermasse vergleichsweise schnell zunimmt. Kleine Lebewesen besitzen also bei geringerem Körpervolumen relativ große Muskelquerschnitte und können daher große Kräfte entwickeln. Große Tiere dagegen besitzen diesen Kraftüberschuss nicht. Beim Floh kommt zu dieser Tatsache noch ein besonderer “Sprungauslösemuskel” hinzu, den man sich wie eine zusammengedrückte Feder vorstellen kann und der dem kleinen Hüpfer blitzartig eine viel höhere Beschleunigung verleiht als einem Menschen.

Das größte wissenschaftliche Rätsel um den Hulk indes hat James Kakalios in seinem besagten Buch über Superhelden-Physik gelöst: Wieso sprengt jede Verwandlung Bruce Banners in sein monströses Alter Ego die gesamte Kleidung vom Hend bis zu den Schuhen – mit Ausnahme der Hose?

Im Comic wird einige Male angedeutet, Bruce Banners Hose bestehe aus “instabilen Molekülen“, die von Mr. Fantastic eigentlich für die hautengen Overalls der Fantastischen Vier erfunden worden seien. Dieser wundersame Stoff passt sich den Bedürfnissen seines Trägers an und kann nach Belieben schrumpfen oder sich ausdehnen.

“Jeder Chemiker kann Ihnen erklären, dass instabile Moleküle tatsächlich existieren”, schreibt Kakalios. “Es sind solche, die zerfallen, weil sie instabil sind.”

In Wahrheit behalte der unglaubliche Hulk seine Hose wegen einer Organisation an, gegen deren Macht selbst Gammastrahlung nichts ausrichten kann: die amerikanische Comic-Aufsichtsbehörde.

 

Zum Weiterlesen:

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Auch schlechter Rath ist teuer

Für die Hausärztin meiner Mutter selig war der Mann schlicht “ein Heiliger”. Und schwatzte infolgedessen natürlich auch ihr regelmäßig Dr. Raths “Zellvitalstoffe” auf. Erstaunlich, wie leichtgläubig ausgerechnet Mediziner oft sind. Und leider auch Familienangehörige von engagierten Skeptikern …

Am ehesten ins Grübeln bringt man Rath-Fans übrigens nicht mit sinnlosen Verweisen auf Studien oder Inhaltsdeklarationen – sondern mit der schlichten Frage, was eigentlich Raths massiger Kopf mit dem weißen Haar auf seinen Plastikdöschen zu suchen hat? Oder kennt jemand ein Kopfwehmittel mit dem zufrieden grinsenden Konterfei des Herstellers drauf?

Gestorben ist meine Mutter übrigens trotz der vielen Wundervitamine, was einigermaßen befremdlich anmutet. Denn nach der Gebrauchslyrik aus den PR-Schreibstuben des vorgeblichen Gesundheitsapostels zu urteilen, sollen die Pillen wohl eine ähnliche Wirkung entfalten wie der Zellaktivator, dem Weltraumheld Perry Rhodan die relative Unsterblichkeit verdankt.

Und doch: “Keine Heilslehre ist so bescheuert, als dass sie nicht haufenweise Anhänger finden könnte”, schreibt der Gynäkologe Dr. Bernd Kleine-Gunk in seinem überaus amüsanten Büchlein “Warum haben Frauen eigentlich Brüste?”

Noch höher dosiert als Raths Vitaminpräparate sei dessen Sendungsbewusstsein. “Alle Volkskrankheiten auf einen Schlag zu heilen, reicht Rath schon lange nicht mehr aus. Jetzt müssen auch noch Institute für den Weltfrieden her. Dabei ist seine Theorie, wie der Irak-Krieg durch Vitamine hätte verhindert werden können, so hanebüchen, dass man sie selbst auf dieser Seite nicht wiedergeben kann.”

Stimmt. Deshalb versuchen wir das besser erst gar nicht. Auch wenn der Mann sich mittlerweile sogar in Weltkriegs-Phantastereien ergeht.

Und lassen stattdessen jemanden zu Wort kommen, der nach eigenem Bekunden “mehr weiß über Matthias Rath als jeder andere”. Der englische Arzt und Publizist Ben Goldacre brütete nämlich viele Monate lang über “Stapeln von Gerichtsakten voller Querverweise”, weil er von dem selbst ernannten Vitamin-Guerrilero verklagt worden war. Die ganze Geschichte steht in Goldacres Buch: “Die Wissenschaftslüge – Wie Pseudowissenschaftler uns das Leben schwer machen” zu lesen, das dieser Tage erscheint.

Es geht darin um Raths aberwitzige Initiative, auf dem afrikanischen Kontinent “toxische Aids-Medikamente” durch eine “Multivitaminbehandlung” zu ersetzen. Goldacre: “Mit dem Vermögen, das er in Europa und Amerika angehäuft hatte, machte er sich ohne jeden Sinn für Ironie alte Ängste zunutze, obwohl er ein Weißer war, der Pillen feilbot, die in einer Fabrik im Ausland hergestellt worden waren. Seine Werbekampagne war ein durchschlagender Erfolg.”

Unglaublich: “Trotz der extremen Heftigkeit dieses Falls ist nirgendwo auf der Welt auch nur ein einziger Alternativmediziner aufgestanden, um auch nur einen einzigen Aspekt der Aktivitäten von Matthias Rath und Kollegen zu kritisieren.” Rath himself wiederum ging in gewohnter Manier auf Goldacre und den Guardian los und plärrte etwas von wegen “Verleumdung”.

Am Ende ließ er die Klage fallen – eine halbe Million Pfund an Kosten waren bis dahin bei dem Medizinjournalisten und seiner Zeitung schon aufgelaufen.

Überlassen wir das Fazit dieses Beitrags Dr. Kleine-Gunk: “Wenn Du durch Argumente nicht überzeugen kannst, dann verwirre durch Schwachsinn.”

 

Zum Weiterlesen:

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Ein homöopathischer Knockout-Test

Der Countdown läuft: Am 30. Januar wollen mehr als 300 britische Skeptiker und Verbraucherschützer öffentlich eine “homöopathische Überdosis” einnehmen: Es sind ja nur Zuckerpillen – während die Hahnemann-Schamanen unverdrossen behaupten, dass die Kraft eben genau darin steckt.

Auch die freundlichen Skeptiker von der GWUP haben schon solche öffentlichen Demonstrationen gewagt. Zum Beispiel der Wahrnehmungsforscher Dr. Rainer Wolf, Mitglied im GWUP-Wissenschaftsrat. Im Skeptiker 3/2005 schilderte er seine diesbezüglichen Erfahrungen.

“Wie kann man die Wirksamkeit der Homöopathie mit einfachen Mitteln überprüfen? Wissenschaftlich ist dies nur mit extrem aufwändigen, umfangreichen Doppelblind-Tests möglich.

Es gibt aber auch andere Wege. Der Apotheker Ulf Mann berichtete in der Deutschen Apothekerzeitung (20/90, 1990), wie ihn sein Berliner Kollege M. Wiesenauer zu überzeugen versuchte: ‘Wenn Sie nichts von Homöopathie halten, dann schlucken Sie mal halbstündlich fünf Tropfen Cocculus D4. Stellen Sie aber einen Spucknapf bereit, denn Ihnen wird hundeübel werden!’

Der Effekt bei dem skeptischen Ulf Mann war gleich null – es hätte aber auch anders ausgehen können. Denn bekanntlich besteht die (einzige) Gefahr beim Schlucken darin, zu glauben, es habe Folgen, denn dann könnten Nocebo-Effekte zum Tragen kommen. Der Apotheker B. Bloesi wurde, so Mann, nach der Einnahme einer C1000-Potenz (!) von Cantharis (Lytta vesicatoria), die kein Wirkstoffmolekül mehr enthielt, fast ohnmächtig.

Ich habe 1996 diese beiden Homöopathika, denen gravierende negative Wirkungen bei Gesunden nachgesagt wurden, mehrere Tage lang getestet – ohne jedes Symptom.

Meine bisherigen Versuche, von Homöopathen verbindliche Aussagen über angebliche schädliche Nebenwirkungen von Hochpotenzen zu erhalten, brachten leider kein Ergebnis. Einer unserer Kandidaten der Würzburger PSI-Tests aber, Dr. Hans-Jürgen Fuchs, setzt nach eigener Aussage seit vielen Jahren regelmäßig homöopathische Mittel ein, die er für sich und andere als die richtigen ‘auspendelt’.

Auf meine Frage, ob er Homöopathika kenne, die bei Gesunden deutliche Nebenwirkungen zeigen, nannte er mir sofort Phosphorus C200 und Sulfur D1000 als hochwirksame Mittel, die jeden Gesunden für mehrere Tage arbeitsunfähig machen und ans Bett fesseln, ohne aber lebensgefährdend zu sein. Mittel also, die für einen “Knockout-Test” gut geeignet sein sollten.

In Gerhard Köhlers ‘Lehrbuch der Homöopathie’, Band 1 (Köhler 2004) stieß ich dazu auf folgende Hinweise:

  • Sehr hohe C-Potenzen können schaden (S. 136).
  • Phosphorus C200 kann zu einem Kreislaufkollaps führen (S. 55)
  • Sulfur D1000 senkt die Körpertemperatur (S. 55).
  • Zur Dosierung heißt es ganz allgemein:
    4-6 Kügelchen täglich über mehrere Tage einnehmen (S. 133) und dabei langsam im Mund zergehen lassen (Band 2, S. 15).

Ich habe von meiner Apotheke die genannten Hochpotenzen besorgt, von allen drei Proben – zeitlich um Stunden versetzt – jeweils neun Kügelchen auf der Zunge zergehen lassen und fand sie sehr bekömmlich.

Gleiches berichtet Krista Federspiel, Co-Autorin von ‘Die Andere Medizin’ und Mitglied im GWUP-Wissenschaftsrat. Sie hat von jedem Mittel je vier Globuli an zehn Tagen eingenommen, auch vor laufender TV-Kamera.

Fünf weitere Personen der GWUP Wien (Gesellschaft für kritisches Denken) haben diesen “Knockout-Test” gleichfalls unbeschadet überstanden, ebenso mehrere Mitglieder des Wissenschaftsrates. Frau Federspiel schrieb mir: ‘Die Wiener Skeptiker haben inzwischen ihre Tests beendet – und sind alle noch arbeitsfähig. Die Globuli sind schmackhaft, allerdings zahlt man für den Kilo Milchzucker in der Apotheke weit über 100 Euro …’

‘Die Unwirksamkeit der Homöopathie lässt sich mit wissenschaftlichen Tests gar nicht nachweisen’, erwidern die Befürworter der Methode. ‘Denn die Schulmedizin schert doch alles über einen Kamm. Bei der Homöopathie dagegen erhält jeder Patient gegen seine Krankheit eine ganz individuell abgestimmte, meist hoch potenzierte Arznei mit ganz spezifischer Wirkung!’

Gibt es ein vernichtenderes Urteil über diese Behauptung als die Tatsache, dass man diese Mittel unter der Hand gegen beliebige andere Hochpotenzen oder gegen reine Milchzucker-Globuli austauschen kann, ohne den Behandlungserfolg zu schmälern?”

 

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Mein paranormales Schweizer Messer

Zu unserem Blogging “Katastrophenmathematik á la Goldfinger” erreichte uns unter anderem dieser Kommentar:

“Ach ihr seid doch nur Spielverderber. Als nächstes erzählt Ihr uns vielleicht noch, dass Harry Potter in Wirklichkeit gar kein Quidditch spielen kann, weil Besen nicht fliegen.”

Nun, es liegt uns natürlich vollkommen fern, sämtliche Filmmythen Hollywoods auf den Prüfstand zu stellen, wie sie etwa hier in ironischer Umkehrung aufgelistet werden. Ein Beispiel:

“Mit einem Schweizer Messer, einem Bindfaden und einer Büroklammer kann man Bomben bauen, Reaktoren reparieren und sogar die Sicherheitssysteme des KGB lahmlegen.”

Da stellt sich mir nun vielmehr die Frage, was daran falsch sein soll???

Schließlich berichten zufriedene Besitzer dieses Utensils überaus glaubwürdig noch von ganz anderen Verwendungsmöglichkeiten, wie ein freundlicher Skeptiker von der GWUP-Regionalgruppe München zufällig entdeckt hat.

Sucht man bei amazon in der Rubrik “Sport und Freizeit” nach einem original “Wenger Schweizer Offiziersmesser Giant“, stößt man auf weit über 100 Kundenrezensionen, von denen wir nachfolgend einige wiedergeben.

Jetzt verstehen wir auch, warum der bekannte Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke, Mitglied im GWUP-Wissenschaftsrat, bei seinen aufregenden Recherchen grundsätzlich so ein Teil mit sich führt.

  • “Wirklich ein fantastisches und handliches Allzweckgerät … Was mich nur ein bisschen stört, ist die Tatsache, dass grundlegende Alltagsfunktionen doch teilweise etwas schwer zu erreichen bzw. zu bedienen sind: So ist z.B. der integrierte Teilchenbeschleuniger nur dann korrekt in Betrieb zu nehmen, wenn die Nagelfeile und der Korkenzieher in einem Winkel von exakt 107,2 Grad ausgeklappt sind. Nervig ist auch das unangenehme Summen, das der Schutzschild-Generator vor sich gibt, wenn der Schild von Luft-Boden-Raketen getroffen wird … Außerdem ist die Notfall-Rettungskapsel mit einer Kapazität von sechs Personen eindeutig unterdimensioniert und kann nur dann abgesprengt werden, wenn das Messer sich in waagerechter Lage befindet. Hier sollte der Hersteller eindeutig nachbessern. “
  • “Zwar bin ich insgesamt zufrieden mit diesem Multitool, aber leider treten doch immer wieder Situationen auf, in denen grundlegende Tools fehlen: Ein Notstromaggregat. Denn Unterwasserschlagbohrer und Lenkraketenziellaser sind zwar in der Theorie äußerst nützlich (und in der Benutzung gewohnt anwenderfreundlich), in der Praxis hat man aber oft keine Steckdose griffbereit …”
  • “Lobend erwähnt seien am Ende noch die ausklappbare Encyclopaedia Britannica und der reversible Quantennecator, mit dem es schon mehrfach gelungen ist, Schroedingers Katze zu töten.”
  • “Hallo, wir sind letzte Woche in das Messer eingezogen und haben es nicht bereut!”
  • “Auf unserem Bauernhof kommt hauptsächlich das Bolzenschussgerät und der Güllesprenkler des Giant zum Einsatz, die Installation als Heckaufsatz für den Traktor hat einwandfrei funktioniert.”
  • “An sich ist das Gerät einwandfrei (der wegen des engbauchigen Braukessels etwas zu hopfige Geschmack des Pils wird durch die schöne Schaumkrone mehr als aufgewogen), allerdings muss ich kritisieren, dass bei 40 Grad die Wäsche zu heftig geschleudert und dadurch knitterig wird.”
  • “Durch Zufall habe ich herausgefunden, dass in das Messer auch eine verkleinerte Version des CERN-Teilchenbeschleunigers eingebaut ist (dieser ist nur 24,3 km lang statt 27 km wie das Original). Ich wollte eigentlich nur eine Flasche Bier aufmachen, dann ist der Beschleunigerring rausgeklappt.”
  • “Ich habe den Eindruck, dass viele Rezensenten, dieses phantastische Messer gar nicht besitzen. Vielleicht habe ich aber auch nur eine aktuellere Version mit folgenden neuen unglaublichen Tools:
    - Märchenoma, die den Kindern stundenlang vorliest.
    - Echter Kamin mit Wärmespeicher (Speckstein).
    - Inflatable love doll ™.
    - komplette Staatsregierung einschließlich Opposition, falls man mal ein kleineres Land annektiert hat und wieder raus will.”
  • “Ich kann dieses Tool nur empfehlen, allerdings sollte man schon die Grundlagen der theoretischen Quantenphysik verstanden haben, insbesondere weil der Hersteller nur unzureichend auf die möglichen Gefahren hinweist.”
  • “Nettes Gerät für den täglichen Gebrauch. Ich habe begonnen, die Bankenkrise zu beheben. Allerdings gibt es Probleme beim Parallelbetrieb zur Rettung des Weltklimas.”
  • “Hallo, ich habe dieses Messer vor einiger Zeit erworben, um meinen Schwiegervater nach seinem Schlaganfall regelmäßig einer Comuptertomographie unterziehen zu können. In diesem Zusammenhang schien es mir praktisch, dass das Messer gleichzeitig über eine integrierte Geriatriestation verfügt.”
  • “Ich kann an dieser Stelle nur auf einige wenige Funktionen eingehen. Alle habe ich noch nicht probiert: #666: Klinge zum Atome spalten > wunderbare Funktion, die ich nicht mehr missen möchte.”
  • “Die eingebaute S-Bahn kommt immer mal wieder zu spät, aber  was soll’s.”
  • “Als Kölner hat mich insbesondere der im Taschenmesser verbaute Permanent-Rosenmontagszug überzeugt. Neben den verblüffenden ca. eine Million Zuschauern und 300 000 Tonnen Wurfmaterial besticht das Feature durch schöne Details wie 16 vollausgestattete Erste-Hilfe-Stationen und 48 Getränkestände.”
  • “Ich bin mir sicher: Wenn Gott ein Messer hätte, dann wäre es dieses.”
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