Skepkon: Nazis über uns? Der Mythos “Neuschwabenland”

Es war ein Kinofilm, der 2012 die Verschwörungstheorie von den “Reichsflugscheiben” und den “Neuschwabenländlern” wieder ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit brachte:

“Iron Sky” ist eine Science-Fiction-Komödie, die …

… Bezug [nimmt] auf den Mythos der angeblich von Deutschland während des Zweiten Weltkriegs als Wunderwaffe entwickelten „Reichsflugscheiben“ sowie auf Behauptungen, die Nationalsozialisten hätten sich nach dem Krieg in eine geheime Militärbasis in Neuschwabenland zurückgezogen, um von dort aus einen erneuten Versuch der Welteroberung zu starten.”


Direktlink zum Video auf Youtube

“Ein Film voller Slapstick und Ironie”, schrieb ufo-information.de damals, warnte aber zugleich:

Das Thema der Reichsflugscheiben wird in der rechtsesoterischen Szene leider gar nicht so humorvoll behandelt wie in Iron Sky. Ganz im Gegenteil dazu werden hier braune Mythen geschürt und das rechte Klientel bedient.”

Darauf wies auch Dr. Holm Hümmler bei der Skepkon 2013 hin.

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In seinem Vortrag “Nazis über uns?” markierte der Physiker und Unternehmensberater zunächst die Eckpfeiler des Verschwörungsmythos:

  • Neuschwabenland wurde während einer Expedition 1939 von Deutschland in Besitz genommen.
  • Von U-Booten aus wurde dort 1942/43 die erste dauerhafte Militärbasis errichtet.
  • Gegen Kriegsende setzten sich hochrangige Nazis mit geheimen Technologien (Flugscheiben) nach Neuschwabenland ab.
  • Sowohl britische (1944/45) als auch amerikanische Eroberungsversuche (1947) scheiterten.
  • Die USA griffen das Gebiet mehrfach (1957, 1979, 1986, 2003) mit Atomwaffen an.
  • Von Neuschwabenland aus operierten deutsche Flugscheiben unter anderem im Golfkrieg 2003.

So weit, so bizarr.

Ein Blick auf die “extrem lebensfeindlichen Bedingungen” (Hümmler) in dieser küstennahen Region der Ostantarktis sowie die Tatsache, dass die tatsächlichen Forschungsstationen dort von ständiger externer Versorgung abhängig sind, sollte eigentlich schon genügen, um die Mär von “Hitlers Festung im ewigen Eis” als solche zu entlarven.

Weil aber Verschwörungstheoretiker dazu neigen, in winzigen Zeichen viel zu sehen, stürzen sie sich zum Beispiel auf den vielzitierten “wahren Kern” dieser Geschichte.

Der sieht jedoch bei Licht besehen lediglich so aus, dass 1938/39 das Schiff “Schwabenland” mit zwei Flugbooten die Region befuhr.

Sinn der deutschen Mission war jedoch nicht der Bau einer Festung, sondern im Mittelpunkt standen Vorbereitungen für die geplante Errichtung von Walfangbasen. Walfett und Tran benötigte man zur Produktion von Nitroglycerin, und deshalb wurde das Gebiet vermessen, wobei die beiden Flugzeuge auch deutsche Flaggen über der Antarktis abwarfen.

In den Kriegswirren gerieten die Kartografierungen schnell in Vergessenheit. Erst in den 1950er-Jahren wurden die Ergebnisse veröffentlicht.

Hinter dem angeblichen britischen “Angriff” wiederum steckt lediglich die “Operation Tabarin”, die 1943 lanciert wurde, um in der Antarktis drei permanent besetzte Stationen zu errichten.

Ach ja, amerikanische Kernwaffentests gab es auch noch, allerdings nur im Jahr 1958, und mehr als 2000 Kilometer vom Antarktis-Festland entfernt.

Was haben wir noch?

Zum Beispiel zwei deutsche U-Boote (U530 und U977), die bei Kriegsende das Weite suchten und schließlich in Südamerika wieder auftauchten.

Viele weitere U-Boote sind verschollen – wären aber definitiv nicht in der Lage gewesen, tonnenweise Material in die Antarktis zu transportieren.

Soviel zu Neuschwabenland.

Was hat es mit den “Reichsflugscheiben” auf sich?

Versuche mit Experimentalflugzeugen gab es wirklich, berichtete Hümmler.

Die sogenannten Nurflügler-Tests der Brüder Reimar und Walter Horten in den 1930er- und 1940er-Jahren gelten sogar als der Beginn der Stealth-Technologie.

Allerdings: Keiner der (nicht runden) Prototypen erreichte die Serienreife, da die unleugbaren Vorteile durch ein extrem instabiles Flugverhalten zunichte gemacht wurden.

Erst modernste Computertechnologie brachte 1989 den amerikanischen Nurflügel-Jet Northrop B-2 Spirit (“Tarnkappenbomber”) zur Einsatzreife.

Der einzige echte “Rundflügler” mit veritabel futuristischem Aussehen zur Zeit des Dritten Reiches war der Sack AS-6, der allerdings zugleich als echter Reinfall gilt:

Es wurde nie von einem geglückten Start, sondern immer nur von einigen kurzen Hüpfern berichtet”,

lesen wir bei Wikipedia.

Daneben kursieren diverse “Flugkreisel”-Mythen.

Zum Beispiel schreibt einestages über deutschen Flugzeugbau-Ingenieur Rudolf Schriever:

Dieser behauptete, bis zum 15. April 1945 an den Plänen für einen Leichtmetall-Flugkreisel gearbeitet zu haben, die er dem Reichsluftfahrtministerium vorlegen wollte. Getan hat er es nicht, und auch einen Beleg für seine Arbeit blieb Schriever schuldig. Die Flugkreiselpläne und das einzige Handmodell seien seit einem Einbruch in seine Werkstatt verschwunden, erklärte der Erfinder damals.”

Unwahrscheinlich, dass Schrievers Pläne, so diese jemals existierten, gestohlen und sich in “Reichsflugscheiben” realisierten, denn:

Auch nach dem Krieg kam wenig Nützliches heraus”,

erklärte Hümmler den Skepkon-Teilnehmern die weiteren Forschungen in Sachen “Flugkreisel” und “Flugscheiben”.

Auch die Tatsache, dass kauzige Hobby-Bastler wie etwa ein gewisser Viktor Schauberger als Antriebsenergie für “Flugscheiben” auf eine mystische “Kraft” namens “Vril” gesetzt hatten, mag ein limitierender Faktor gewesen sein.

Allerdings waren Gerüchte um die “Wunderwaffen” des Dritten Reiches durchaus bedeutsam für die Kampfmoral der Soldaten in den letzten Zügen des Zweiten Weltkriegs, belegte Hümmler mit dokumentierten Äußerungen deutscher Kriegsgefangener 1943/44.

Und genau hier schließt sich der Kreis zu den gegenwärtigen Neuschwabenland-Anhängern.

Noch 2010 fabulierte eine einschlägige Webseite über den “Ufo-Krieg am Südpol”:

Die Ereignisse werden sich nun zum Höhepunkt hin entwickeln. Die 3.Macht (DEUTSCHES REICH) wird den Sack nun zu machen und den längst überfälligen Paradigmen-Wechsel auf diesem Planeten einläuten! Der 2.Weltkrieg neigt sich dem ENDE zu! Alle Lügen dieser Welt werden ein jähes Ende finden und der Albtraum Zion wird ausgeträumt sein!!!”

Diese krude Mischung aus Esoterik und Nazi-Ideologie

… kompensiert die eigene Machtlosigkeit”,

sagte Hümmler am Ende seines Vortrags und gab mit Youtube-Ausschnitten kurze Einblicke in die “wirren Träumereien” der Szene.

Die abschließende Frage, ob die heutigen Neuschwabenland-Gläubigen harmlose Spinner oder eine ernsthafte Gefahr für unsere Demokratie sind, sorgte für eine kontroverse Diskussion.

Darum geht es unter anderem auch in dem esoterikkritischen Dokumentarfilm “Die Mondverschwörung”, über den wir mehrfach berichtet haben:

Zum Weiterlesen:

  • Dr. Holm Hümmler im Skeptoskop
  • Nazi-Flugscheiben aus Neuschwabenland, Hoaxilla-Podcast Nr. 38 vom 20. März 2011
  • Artikelsammlung “Reichsflugscheiben und deutsche Ufos” bei ufo-information.de
  • Holm Hümmler: Warum stürzte WTC 7 ein? GWUP-Blog am 1. September 2011
  • Holm Hümmler: Erdbebenmaschinen, GWUP-Blog am 4. Juni 2011
  • Holm Hümmler: Chi – Wunderkräfte oder Kung-Fu-Humbug? GWUP-Blog am 10. Juni 2010
  • Skepkon: Parawissenschaften als gesellschaftlich akzeptierte Parallelwissenschaften, GWUP-Blog am 19. Mai 2013
  • Skepkon: Globuli und Pharmazie – eine Liebesgeschichte? GWUP-Blog am 19. Mai 2013
  • Die Homöopathie-Lüge oder Wie wirksam ist ein Buch? GWUP-Blog am 18. Mai 2013
  • GWUP-Konferenz-Rückblick: Vorsicht Seelenpfuscher! GWUP-Blog am 18. Mai 2013
  • GWUP-Konferenz-Rückblick: Pseudomedizin bei Autismus, GWUP-Blog am 18. Mai 2013
  • GWUP-Konferenz-Rückblick: Der Publikumstag 2013, GWUP-Blog am 13. Mai 2013

 

 

Skepkon: Parawissenschaften als Parallelwissenschaften

Wie ist das eigentlich möglich, in einer hoch entwickelten Industrienation des 21. Jahrhunderts längst überkommene Irrlehren wie Homöopathie nicht nur aufrechtzuerhalten, sondern immer weiter zu etablieren, bis in Politik und Hochschulen hinein?

Dieser Frage ging Prof. Martin Lambeck bei der Skepkon 2013 in Köln nach.

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Der Physiker machte dafür eine Gemengelage aus wirtschaftlichen Interessen, politischem Opportunismus, intensiver Lobbyarbeit und echten Überzeugungstätern verantwortlich, was sich unter anderem in Stiftungslehrstühlen und in der rechtlichen Sonderstellung der “Besonderen Therapierichtungen” manifestiere.

Worauf sich die weltweit nahezu einzigartige Homöopathie-Affinität in Deutschland dagegen nicht stützt, ist eine nachgewiesene Wirksamkeit der Hahnemann-Erfindung.

Lambeck zitierte in diesem Zusammenhang unter anderem die gegenwärtige Inhaberin eines homöopathiefreundlichen Stiftungslehrstuhls der Carstens-Stiftung an der Berliner Charité, Claudia Witt, die den Forschungsstand zur Homöopathie so zusammenfasst:

Studien zeigen, dass Patienten, die sich homöopathisch behandeln lassen, meist chronisch krank und schulmedizinisch vorbehandelt sind. Ihre Beschwerden verbessern sich nachhaltig und die Effekte sind – soweit überhaupt erforscht ‐ mit denen schulmedizinischer Behandlung vergleichbar.

Inwieweit homöopathische Arzneimittel einem Placebo überlegen sind, ist unklar, für viele Indikationen gibt es keine Studien und vorhandene Studien finden widersprüchliche Ergebnisse. Bisher ist nicht eindeutig belegt, dass sich homöopathische Arzneimittel von Placebo unterscheiden.”

Das überrascht nicht wirklich, denn sollte sich alles, was zum Beispiel am Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften (IntraG) der Europa-Universität Viadrina behauptet und “erforscht” wird, tatsächlich belegen lassen, dann wären 75 Nobelpreise fällig.

Das war jedenfalls der Stand vor drei Jahren.

In seinem aktuellen Skepkon-Vortrag erhöhte Lambeck diese Zahl auf “mindestens 81″ – denn zwischenzeitlich hat beispielsweise das anthroposophische Pharmaunternehmen Weleda ein Mittel namens Neurodoron auf den Markt gebracht, das “potenziertes” (also stark verdünntes) Gold enthält.

Dieses “Neurodoron” vereinigt gleich mehrere Parallelwissenschaften in sich, denn Gold hat in der Anthroposophischen Medizin eine herausgehobene Bedeutung inne:

Durch seinen Bezug zur Sonne, damit zum Licht und zum Herzen, spielt Gold in der Anthroposophischen Medizin eine besondere Rolle.

Das Edelmetall ist das dichteste der medizinisch verwendeten Metalle, es ist fast doppelt so schwer wie Blei. Gold ist gleichzeitig sehr dehnungsfähig, ein Gramm Gold lässt sich zu einem zwei Kilometer langen Faden ausziehen, ohne dass er reißt.

Also sind Dichte und Weite, Konzentration und Ausdehnung im Gold vereint – eine Polarität, die eine Ähnlichkeit zwischen dem Herzen als Organ und dem Gold als Metall erkennen lässt. Diese Verwandtschaft wird in der Anthroposophische Medizin gezielt genutzt – denn Gold kann die Eigenschaft des Herzens, sich zusammenzuziehen und auszudehnen unterstützen und so den natürlichen Rhythmus stabilisiert und reguliert.”

Aber nicht nur das.

Mineralien und Metalle seien zwar tote Substanzen – dennoch tragen sie laut Anbieter …

… eine Art Biografie ihrer Entstehungsgeschichte in sich [...]

Mineralische und metallische Substanzen aus der Apotheke der unbelebten Natur sammelten ihre Heilkräfte während ihrer Entstehung im Laufe von Jahrmillionen in der Erdentwicklung.”

Na, da kann man nur hoffen, dass das Nobelpreiskomitee möglichst bald den Weleda-Katalog in die Hände bekommt.

Denn solche Sätze beschreiben genau das Gegenteil dessen, was die moderne Physik über die Nicht-Geschichtlichkeit der Atome lehrt.

Außerdem, so Lambeck weiter:

Hier wird das sogenannte Senkrechte Weltbild verwendet und die Signaturenlehre: Das Herz ist dehnbar, Gold ist dehnbar, also ist Gold ein Heilmittel für das Herz.

Sofern es auf die Dehnbarkeit ankommt, hätte man auch Silber oder Kupfer nehmen können. Außerdem soll das Herz sich nicht nur ausdehnen, sondern auch wieder zusammenziehen, also wäre die richtige Signatur Federstahl [...]

Diese Aussagen der Anthroposophen markieren den Graben zwischen ihnen und der Physik. Dieser Graben ist unüberbrückbar. Nur eine der beiden Lehren kann richtig sein [...] Wenn diese Aussagen richtig sind, müssen Physik, Chemie und Medizin radikal geändert werden.

Jetzt verstehen Sie, warum Neurodoron mein Lieblingsmedikament ist.”

Doch von solcherlei Petitessen lassen Politiker sich keineswegs abschrecken.

Gleichwohl anthroposophische und homöopathische Mittel überwiegend von den fünf “Parallelwissenschaften” Alchemie, Romantische Naturphilosophie, Signaturenlehre, Esoterik und Falschphysik geprägt seien, erfreuen sich die “Besonderen Therapierichtungen” des besonderen Wohlwollens der Politik.

Exemplarisch verwies Lambeck auf die Besuche der damaligen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und der derzeitigen baden-württembergischen Ministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren, Katrin Altpeter, bei der Firma Heel in Baden-Baden.

Man kann eigentlich nur Cornelius Courts vom Science-Blog BlooDNAcid zustimmen, der das Skepkon-Referat “Parawissenschaften als gesellschaftlich akzeptierte Parallelwissenschaften” so kommentiert:

Wenn Lambeck vorträgt, wird einem immer wieder klar oder noch klarer, wie absurd aber zugleich weitreichend die Annahmen sind, auf die sich gesamte Bereiche der Esoterik stützen, und wie unglaublich es tatsächlich wäre, wenn diese Annahmen stimmen würden. Unsere Welt wäre eine gänzlich andere.

Im gleichen Maße entsetzt es einen aber auch, wie hoch die Akzeptanz dieser Verfahren selbst bei Politikern und Fachleuten ist, und wie wenig die Wahrheit und die Bemühung, sie zu finden, noch zu gelten scheint.

Lambecks Vortrag war gut, aber so ernüchternd, dass ich geneigt war, mich einem Kommentator aus dem Publikum anzuschließen, der Lambeck nach einem guten Mittel gegen Depressionen fragte.”

Zum Weiterlesen:

  • Martin Lambeck: Die Unterstützung der Homöopathie und ähnlicher Therapierichtungen durch die Krankenkassen, Skeptiker 3/2001
  • Martin Lambeck: Irrt die Physik?
  • Martin Lambeck: Was tun 20 000 deutsche Ärzte? Die Hufelandgesellschaft, das holistische Weltbild und ein Gegenentwurf. In: Skeptiker 1/2009
  • Martin Lambeck: Harter Test für sanfte Heiler, ZeitWissen 2/2006
  • Youtube-Video: Prof. Martin Lambeck kritisiert die Homöopathie
  • Martin Lambeck im Skeptoskop
  • Neues von der Ministerin für Homöopathie, Psiram am 6. Mai 2013
  • Skepkon: Globuli und Pharmazie – eine Liebesgeschichte? GWUP-Blog am 19. Mai 2013
  • Die Homöopathie-Lüge oder Wie wirksam ist ein Buch? GWUP-Blog am 18. Mai 2013
  • GWUP-Konferenz-Rückblick: Vorsicht Seelenpfuscher! GWUP-Blog am 18. Mai 2013
  • GWUP-Konferenz-Rückblick: Pseudomedizin bei Autismus, GWUP-Blog am 18. Mai 2013
  • GWUP-Konferenz-Rückblick: Der Publikumstag 2013, GWUP-Blog am 13. Mai 2013
  • Von der 22. GWUP-Konferenz in Köln, BlooDNAcid am 12. Mai 2013

 

Skepkon: Globuli und Pharmazie – eine Liebesgeschichte?

Eine junge Mutter, deren zwei Jahre alte Tochter an wiederkehrender Mittelohrentzündung leidet, wird in der Apotheke vorstellig.

Der Arzt habe schon wieder Antibiotika verordnet, das wolle sie aber nicht – welche Alternativen es denn gebe?

“Keine”, müsste ein Apotheker jetzt redlicherweise antworten, und seine Kundin mit ihrem Kind zum Arzt schicken.

Denn vor allem wegen der Möglichkeit schwerer, auch lebensbedrohlicher Komplikationen ist die Gabe eines geeigneten Antibiotikums dringend zu empfehlen.

Als Claudia Graneis mit der oben skizzierten Legende in sieben verschiedenen Apotheken die Probe aufs Exempel machte, erlebte sie jedoch das nicht für möglich Gehaltene:

Nur in einer der sieben Apotheken bekam die Pharmaziestudentin die korrekte Auskunft zu hören. Dagegen legten fünf sofort ein Homöopathikum auf die Theke und eine auf gezielte Nachfrage.

Das berichtete Graneis bei der Skepkon 2013 in Köln.

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Globuli und Pharmazie – Eine Liebesgeschichte?”

war ihr Vortrag überschrieben.

Doch die Liaison zwischen Apothekern und Homöopathen ist wohl weder Liebesheirat noch Vernunftehe, sondern schlicht eine Zweckgemeinschaft zum beiderseitigen Vorteil.

Die Homöopathie braucht die Apothekenpflicht für ihren Zauberzucker vor allem aus Imagegründen, denn diese umkränzt die wirkungslosen Hoch- und Niedrigpotenzen mit einer Art Gütesiegel.

Die Apotheken wiederum brauchen die Homöopathie aus kommerziellen Gründen, denn frei verkäufliche OTC-Produkte (“over the counter”) sind ein unverzichtbares ökonomisches Standbein.

Vor diesem Hintergrund ist unschwer zu verstehen, warum Claudia Graneis selbst bei ihren Kommilitonen im Studiengang Pharmazie kaum offene Ohren für Homöopathie-Kritik findet.

Überraschender ist da schon die Stellungnahme des Bundesgesundheitsministeriums auf Graneis’ schriftliche Anfrage, was denn das “Homöopathische Arzneibuch” im Bücherregal eines jeden Apothekers und des Weiteren Irrlehren wie Homöopathie, Anthroposophie und Spagyrik im staatsexamensrelevanten Gegenstandskatalog angehender Pharmazeuten verloren hätten?

Offenbar geht das BMfG ernsthaft (oder populistisch) davon aus, dass …

… das Homöopathische Arzneibuch als Sammlung von Regeln über die Qualität, Prüfung, Lagerung und Bezeichnung von homöopathischen Mitteln und die bei ihrer Herstellung und Prüfung verwendeten Stoffe, Materialien und Methoden Basis für das erforderliche Grundlagenwissen [ist], um Patientinnen und Patienten sachgerecht beraten zu können [...]

Über die Approbationsordnung für Apotheker ist sichergestellt, dass Apothekerinnen und Apotheker nach Beendigung der pharmazeutischen Ausbildung generell über die erforderliche Sachkenntnis bei Arzneimitteln, also u. a. auch bei Homöopathika, verfügen. Dies ist zur Sicherheit der Patientinnen und Patienten unerlässlich.”

Nun ja.

Die Realität jenseits der wohlfeilen Gebrauchslyrik aus der Ministerialschreibstube sieht anders aus, wie Graneis in ihrem Referat darlegte:

Erstens führt der gesetzlich verordnete Zuckerguss über der Apothekerausbildung in Deutschland keineswegs zu mehr Patientensicherheit, wie unser Eingangsbeispiel zeigt.

Das könnte unter anderem daran liegen, dass die esoterische Pharmaindustrie eine intensive Lobbyarbeit bei Apothekern und Pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTA) betreibt, inklusive Werbegeschenken, Fortbildungsveranstaltungen und Informationsabenden für Kunden in der jeweiligen Apotheke.

Spätestens hier wird die Kritikfähigkeit mürbe gemacht.

Mit der Folge, dass selbst der eine oder studierte Pharmazeut, der es aufgrund seiner Ausbildung besser wissen müsste, irgendwann selbst überzeugt ist – und auch Skeptiker keine Kritik mehr äußern.

Zweitens verpflichtet die Politik damit Apotheken nicht nur zur Lagerung von hochgiftigen homöopathischen “Ursubstanzen” wie Quecksilber- und Chromverbindungen, sondern darüber hinaus auch die Mitarbeiter zu einer “entwürdigenden Tätigkeit”, wie Graneis aus eigener Erfahrung erklärte, nämlich:

stundenlang schütteln oder verreiben und dabei positiv denken.”

Abschließend formulierte Claudia Graneis einige Vorschläge, wie man diesem Treiben Einhalt gebieten könnte.

Dazu zählt vor allem die Aufhebung der Apothekenpflicht für Homöopathika.

Dieser Forderung schließt sich die GWUP vorbehaltlos an.

Zum Weiterlesen:

  • “Homöopathie in der Pharmazie” von Claudia Graneis (Teil 1), BlooDNAcid am 8. Oktober 2012
  • “Homöopathie in der Pharmazie” von Claudia Graneis (Teil 2), BlooDNAcid am 5. November 2012
  • “Heiße Luft für Hebammen” von Claudia Graneis, BlooDNAcid am 15. März 2013
  • Claudia-Graneis-Interview: “Homöopathie ist gefährlich”, GWUP-Blog am 15. Mai 2013
  • Zauberzucker aus der Apotheke, GWUP-Blog am 23. November 2012
  • Claudia Graneis: So war die Skepkon – für mich, Cloudpharming am 16. Mai 2013
  • Von der 22. GWUP-Konferenz in Köln, BlooDNAcid am 12. Mai 2013
  • Die Homöopathie-Lüge oder Wie wirksam ist ein Buch? GWUP-Blog am 18. Mai 2013
  • GWUP-Konferenz-Rückblick: Vorsicht Seelenpfuscher! GWUP-Blog am 18. Mai 2013
  • GWUP-Konferenz-Rückblick: Pseudomedizin bei Autismus, GWUP-Blog am 18. Mai 2013
  • GWUP-Konferenz-Rückblick: Der Publikumstag 2013, GWUP-Blog am 13. Mai 2013

 

 

 

 

 

 

 

 

“Die Homöopathie-Lüge” oder Wie wirksam ist ein Buch?

Klar, wenn jemand ein kritisches Buch zur Homöopathie schreibt, kann er nur “von der Pharmaindustrie gesponsert” sein oder aber vollkommen “inkompetent”.

Und außerdem betreibt er “ein gefährliches Spiel mit Vorurteilen”.

Das sind nur drei von zahlreichen Attributen, mit denen Dr. Christian Weymayr, Mitautor von “Die Homöopathie-Lüge”, in den vergangenen Monaten bedacht worden ist.

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Bei der Skepkon 2013 in Köln fragte der promovierte Biologe einmal nicht nach der Wirksamkeit der Hahnemann-Erfindung, sondern vielmehr:

Wie wirksam ist ein Buch?”

Interessant die “Kontra”-Typologie, die Weymayr aus amazon-Kommentaren, E-Mails und diversen Blog-Debatten extrahierte.

Offenkundig sind Homöopathie-Anhänger keinesfalls gewillt, ihren Glauben an die Kraft der Zuckerkügelchen zu hinterfragen – oder hinterfragen zu lassen.

Stattdessen …

  • … schotten sie sich geistig ab (“Meine Zeit ist mir für solch einen Schund zu schade”).
  • … sind sie offen für Irrationales (“Zum Glück gibt es noch Dinge zwischen Himmel und Erde …”).
  • … pochen sie auf Erfahrung (“Warum wirkt z.B. Arsenicum album bei meinem Hund, wenn er sich den Magen verdorben hat?”).

Eigentlich seltsam, wo doch gerade Huschi-Fuschi-Fans stets und bei jeder Gelegenheit mehr “Offenheit” von den Skeptiker einfordern.

Allerdings erhielt Weymayr auch viel Zustimmung, etwa von Medizinern, die zum Beispiel schrieben:

Ich habe den Eindruck, dass Patienten, aber auch Ärzte (und bei denen ist es besonders schlimm!!!) ihre Logik und rationales Denken völlig über Bord geworfen haben.”

Ein Patient wiederum “weigerte” sich erklärtermaßen nach der Lektüre,

… die Mittelchen weiter zu nehmen.”

Alles in allem jedoch konnte Weymayr nur eine mäßige Wirkung seines Buches konstatieren, wenn alle Adressaten in die Bewertung mit einbezogen werden, nämlich Patienten, Ärzte, Industrie, Apotheken, Politik, Krankenkassen und Medien.

Bei Zeitungen und Zeitschriften etwa sei eher die Tendenz zu beobachten, dass Homöopathie-kritische Artikel kaum noch Chancen hätten oder sogar kurz vor Drucklegung noch von der Chefredaktion zurückgezogen werden, aus Angst vor Abo-Kündigungen.

Im zweiten Teil seines Vortrags warb Weymayr explizit für sein “Konzept zum Umgang der Evidenzbasierten Medizin mit Homöopathie und anderen Lehren der Glaubensmedizin”, das er und Co-Autorin Nicole Heißmann “Scientabilität” nennen.

Darüber hatten wir auch schon bei unserem Interview hier im Blog gesprochen.

Zur Erinnerung:

Frage: Wie definieren Sie „Scientabilität“?

Weymayr: Man könnte Scientabilität mit ,klinischer Überprüfbarkeit’ übersetzen.

Das bedeutet: Bevor es an klinische Studien geht, sollte man erst einmal fragen, ob das behauptete Verfahren im Einklang mit den gesicherten Erkenntnissen der Naturwissenschaften steht. Ist das nicht der Fall, sollte es keine klinische Untersuchung geben, weil die Ergebnisse irrelevant sind.

Damit wird sichergestellt, dass positive Ergebnisse, die zum Beispiel auf dem Hidden Bias oder auch nur auf Zufall beruhen, nicht missbraucht werden können.”

Obwohl es sich dabei um den Goldstandard der medizinischen Forschung handelt, um das nachgewiesen beste Studiendesign, nämlich randomisierte kontrollierte Studien.

Ja, selbst im Rahmen der EbM-Methodik und deren inneren Logik finden sich für homöopathische Arzneimittel scheinbar positive Ergebnisse. Es bringt uns daher überhaupt nicht weiter, in Diskussionen zu behaupten, es gäbe keine Belege für die Homöopathie.”

Das hat auch den einen oder anderen Zuschauer bei Ihrem Stern-TV-Auftritt etwa ratlos zurückgelassen.

 Mag sein, dass das für die Skeptiker unbefriedigend war, aber damit würde man sich auf ein Niveau begeben, das nicht angemessen ist. Außerdem wäre die Sendung dann auf eine Studiendiskussion hinausgelaufen – also etwa Shang gegen Linde. Erstens wären da die allermeisten Zuschauer ganz ausgestiegen. Und zweitens beherrschen die Homöopathen solche Debatten mittlerweile ganz gut.

Führt man als Kritiker die vielen Studien an, die zuungunsten der Homöopathie ausgegangen sind, schieben die Homöopathen die Schuld auf widrige Umstände oder betonen trotz insgesamt negativer Ergebnisse einzelne positive Details. Am Ende bleibt dann beim Zuschauer nur hängen: Die einen sagen so, die anderen so.

Diese leidige Studiendiskussion führt zu nichts – ganz im Gegenteil. Sie hat im Grunde dafür gesorgt, dass die Wissenschaft heute die beste Freundin der Homöopathen ist, weil auch sie auf gute Studien verweisen können. Zwar sind das nur einzelne und nicht reproduzierbare, aber dem normalen Hörer, Leser oder Zuschauer kann man das so verkaufen, und oft genug auch Ärzten.

Deshalb ist unser Ansatz, zu betonen, dass alle klinischen Studien zur Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel irrelevant sind.”

Das klingt ein wenig nach „Change the Rules“, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Denn man könnte jetzt natürlich einwenden: Kaum gibt es positive Studienergebnisse für die Homöopathie, rütteln die Skeptiker sogar an ihrem eigenen Goldstandard. Es kann eben nicht sein, was nicht sein darf.

 Aus diesem Grund gehen wir einen Schritt weiter und schlagen einen neuen Begriff vor: Scientabilität.

Homöopathische Arzneimittel sind „nicht scientabel“, “, also nicht mit den üblichen Werkzeugen der evidenzbasierten Medizin greif- und erforschbar, weil sie Naturgesetzen widersprechen. Allein schon deswegen ist ihre Untersuchung von vorneherein sinnlos und die Methodik der Evidenz-basierten Medizin nicht anwendbar.”

Bisher galt es bei kritischen Medizinern und Skeptikern als Konsens, dass prinzipiell jedes Therapieverfahren und jedes Heilmittel überprüfbar nach den EbM-Kriterien ist.

 Das halten wir in gewisser Weise für überheblich, denn die Methoden der Evidenz-basierten Medizin – also etwa RCTs – haben definitiv nicht die Macht, Naturgesetze zu bestätigen oder zu widerlegen. Niemand, der sich mit EbM beschäftigt, ist so vermessen zu behaupten, dass es auch nur eine einzige Studie gibt, die frei von Fehlern ist.

Selbst wenn keine Fehlerquellen zu erkennen sind, gibt es den Begriff des „Hidden Bias“, also der verborgenen Verzerrung. Und damit ist eine klinische Studie per se nicht aussagekräftig genug, um etwas so Aberwitziges wie Homöopathie belegen oder widerlegen zu können.”

Klinische Studien, die gesicherte Erkenntnisse aus Grundlagenexperimenten negieren, seien kontraproduktiv, weil sie wissenschaftliches Denken untergraben, legte Weymayr bei seinem Skepkon-Referat nach.

Aus diesem Grund bekräftigte er die Forderung nach Prüfung der Scientabilität:

Bevor eine medizinische Maßnahme in klinischen Studien untersucht wird, soll überprüft werden, ob sie mit gesicherten Erkenntnissen aus Grundlagenexperimenten übereinstimmt. Ist das Ergebnis negativ, sind klinische Studien abzulehnen.”

Dazu entspann sich eine lebhafte und kontroverse Diskussion mit den rund 250 Konferenzteilnehmern im KOMED-Saal.

Auch der GWUP-Vorstand wird das Thema “Scientabilität” in den nächsten Wochen und Monaten noch eingehend erörtern.

Zum Weiterlesen:

  • “Die Homöopathie-Lüge” – ein Interview (Teil 1), GWUP-Blog am 23. Dezember 2012
  • “Die Homöopathie-Lüge” – ein Interview (Teil 2), GWUP-Blog am 23. Dezember 2012
  • Skeptiker als Pharma-Söldner? GWUP-Blog am 21. April 2013
  • Homöopathie: Wenn Skeptiker Hoffnungen zerstören, GWUP-Blog am 18. April 2013
  • Homöopathie im BR: Peinlichkeit kennt keine Grenzen, GWUP-Blog am 24. April 2013
  • Homöopathie bei Kindern und Tieren, GWUP-Blog am 5. März 2010
  • GWUP-Konferenz-Rückblick: Vorsicht Seelenpfuscher! GWUP-Blog am 18. Mai 2013
  • GWUP-Konferenz-Rückblick: Pseudomedizin bei Autismus, GWUP-Blog am 18. Mai 2013
  • GWUP-Konferenz-Rückblick: Der Publikumstag 2013, GWUP-Blog am 13. Mai 2013

 

 

GWUP-Konferenz-Rückblick: Vorsicht Seelenpfuscher!

Käme jemand auf die Idee, einen kranken Zahn von einem “spirituellen” Hobby-Zahnklempner anbohren zu lassen, der sein “Wissen” um Wurzelbehandlungen und Vollnarkosen aus der Akasha-Chronik channelt?

Oder wie wär’s mit “Operieren nach Zahlen” für den ambitionierten Do-it-yourself-Chirurgen?

Das mag absurd klingen – aber wenn es nicht um körperliche, sondern um die seelische Gesundheit geht, sind wir vom Druidentum nicht weit entfernt.

“Therapeut” darf sich in Deutschland jeder nennen. Und 20 000 bis 30 000 “Rebirther”, “Engelbotschafter”, “Familienaufsteller” und Co. bieten rund 1000 Verfahren für praktisch alle Probleme und Krankheiten an, sagte Heike Dierbach bei der GWUP-Konferenz in Köln.

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Dierbach ist diplomierte Psychologin, Wissenschaftsjournalistin und Autorin des Buches

Die Seelen-Pfuscher: Pseudotherapien, die krank machen”.

Oft enttäuscht von kassenfinanzierten Psychotherapien seien Patienten bereit, sich auf „unkonventionelle” Methoden einzulassen – zumal, wenn diese sich mit Beschreibungen wie „ganzheitlich” oder „sanft” schmücken.

Unter den Anbietern fänden sich auch Ärzte und Psychotherapeuten, die Mehrheit seien jedoch “Berufswechsler mit Heilpraktikerschein”.

Und diese beschränken sich keineswegs auf ein bisschen Huschi-Fuschi mit Duftkerzen und Klangschalen – auch “Hilfe” bei schweren Erkrankungen wie Krebs liege voll im Trend.

Nicht selten werde der Tumor den Betroffenen als “Zeichen” erklärt, das ein “Umdenken” erfordere.

Generell kommen in der Heilerszene Krankheit und Schicksal “nicht von ungefähr”.

Sie beruhen auf “falschem Denken”, gelten als Ausdruck eines seelischen Konflikts oder als “Sühne für Unrecht” (Bert Hellinger) oder gar als Folge von schuldhaften Handlungen in früheren Leben:

Alle Krankheiten sind angeblich psychisch verursacht oder beeinflusst”,

fasste Dierbach ihre Recherchen zusammen.

Das widerspricht indes wissenschaftlichen Erkenntnissen, nach denen es zum Beispiel so etwas wie eine “Krebspersönlichkeit” definitiv nicht gibt.

Fatal ist vor allem der Umkehrschluss, der aus diesem Zerrbild von körperlichem und seelischem Leid folgt – und der vor allem von “Wünschelwichten” wie Rhonda Byrne (“The Secret”) suggeriert wird:

Alles Negative haben wir selbst verursacht. Und scheitert die “Therapie”, ist ausschließlich der Patient verantwortlich.

Weil er seine Gedanken nicht kontrolliert hat. Er gar nicht gesund werden will. Oder seine Seele noch nicht bereit ist “für diesen Quantensprung”. Oder was auch immer.

Auch aus diesem Grund schaden Nonsens-Verfahren mehr, als dass sie nutzen, erklärte Dierbach:

Die Seele ist einer der verletzlichsten Teile des Menschen. Pfusch daran hat gravierende Folgen. Vielen Menschen geht es nach der Teilnahme an einer Pseudotherapie schlechter als vorher.”

Denn letztendlich bleibe der Patient mit seiner Not allein.

Seelische Wunden werden in Windeseile aufgerissen, für die Heilung bleibt keine Zeit.”

Außerdem sind die Anbieter kaum therapeutisch ausgebildet (Dierbach: “Eigene Erfahrungen mit Krankheiten sind noch keine Qualifikation”) und gerieren sich als eine Art Guru, der ein tiefes Machtgefälle zwischen Anbieter und Ratsuchendem herstellt – und damit Abhängigkeitsverhältnisse schafft.

Als Merkmale von Seelenpfuschern nannte die Referentin unter anderem ein “übersinnliches Element” in der Therapie (z.B. Engel), hohe Kosten bei kurzer Dauer, Heilungsversprechen, die Werbung mit Fallgeschichten und Dankschreiben sowie die subtile Verächtlichmachung der wissenschaftsbasierten Medizin.

In ihrem Fazit wandte Dierbach sich dezidiert gegen die Ausübung der Psychotherapie durch Heilpraktiker.

Die GWUP unterstützt diese Forderung nachdrücklich.

Zum Weiterlesen:

  • Heike Dierbach: Die Seelen-Pfuscher: Pseudotherapien, die krank machen. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 2009
  • Rezension in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 8. Januar 2010
  • “Es gibt keine Krebspersönlichkeit”, Zeitung des Klinikums Nürnberg Nr. 4/2010
  • Psychische Einflüsse auf die Krebsentstehung, krebsinformationsdienst.de
  • Morbus Dahlke: Mein Schnupfen und ich, GWUP-Blog am 17. Januar 2011
  • GWUP-Konferenz-Rückblick: Der Publikumstag 2013, GWUP-Blog am 13. Mai 2013
  • GWUP-Konferenz-Rückblick: Pseudomedizin bei Autismus, GWUP-Blog am 18. Mai 2013

 

 

 

 

GWUP-Konferenz-Rückblick: Pseudomedizin bei Autismus

Wie kaum eine andere Erkrankung haben Impfgegner, Verschwörungstheoretiker und Pseudomediziner sich Autismus zur Beute gemacht.

Möglicherweise hat das damit zu tun, dass Autismus ungewöhnlich vielschichtig ist und sich nicht immer auf konkrete Symptome festlegen lässt.

Außerdem ist noch unklar, warum ein Mensch zum Autisten wird. Diskutiert werden unter anderem genetische Faktoren.

Und immer, wenn es um komplexe Zusammenhänge geht, sind die Simplifizierer nicht weit.

1998 veröffentlichte der britische Chirurg Andrew Wakefield mit einer Gruppe von Co-Autoren eine Studie in der renommierten Fachzeitschrift The Lancet.

Darin wird ein Zusammenhang zwischen der Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMR) und kindlichem Autismus hergestellt.

2010 zog The Lancet den Artikel vollständig zurück, nachdem Wakefields Thesen keiner kritischen Überprüfung standgehalten hatten und zudem der Vorwurf der bewussten Datenfälschung laut wurde.

Nichtsdestotrotz gilt der mutmaßliche Betrüger Wakefield in einschlägigen Foren als eine Art Märtyrer, der “aufgrund seiner unerwünschten Forschungsergebnisse” vehement “angegriffen, kritisiert und verspottet” werde.

Aber nicht nur bei der Frage nach den Ursachen von Autismus schlagen Wissenschaftsfeinde jede Menge Lärm – auch in der Therapie machen sich Scharlatane breit.

Darüber referierte Jan Oude-Aost bei der diesjährigen GWUP-Konferenz in Köln.

Skepkon_Jan

Er arbeitet als Arzt in der Autismus-Ambulanz der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Dresden.

Exemplarisch nannte Oude-Aost die CEASE-Therapie (Complete Elimination of Autistic Spectrum Expression) des niederländischen Homöopathen Tinus Smits.

Smits ist Autor eines Buches mit dem beziehungsreichen Titel

Autism, Beyond Despair: Homeopathy has the Answers”

CEASE ist aus verschiedenen Pseudo-Methoden zusammengeclustert, darunter Homöopathie und orthomolekulare Medizin.

Oude-Aosts lapidares Urteil:

Mit Wasser, Zucker und Vitaminen kann man keinen Autismus heilen.”

Selbiges gelte für diverse “Wundermittel” wie Sekretin (ein gastrointestinales Peptidhormon) oder Vancomycin (ein Antibiotikum).

Dass auch Persönlichkeiten von ansonsten hervorragender Intelligenz nicht vor Fehlschlüssen und seltsamen Verirrungen gefeit sind, zeigte Jan Oude-Aost am Beispiel von Luc Montagnier, der 1983 das HI-Virus entdeckt hatte und dafür 2008 mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

Montagnier propagiert in Sachen Autismus den “microbial track”, was in etwa bedeutet, dass der französische Virologe für die Erkrankung elektromagnetische Signale verantwortlich macht, die Bakterien und Viren (beziehungsweise deren DNA) ins Blut abgeben.

Letztendlich ist das nichts anderes als eine Art “neue Homöopathie” – die allerdings auch dann nicht glaubwürdiger wird, wenn …

… HIV-Entdecker Luc Montagnier indirekte ,Erklärungen’ dafür liefert”,

merkt derStandard an.

Vielmehr ist Montagnier

… auf dem besten Weg, die Galionsfigur der Pseudowissenschaften zu werden.”

Oude-Aosts Fazit:

Autismus ist nicht heilbar und es gibt gegen die Kernsymptome keine Medikamente.

Die Therapie des Autismus ist symptomatisch und verhaltenstherapeutische Ansätze sind aktuell die vielversprechendsten und in ihrer Wirksamkeit am besten belegten. Ziel ist es dabei, das für das Individuum höchstmögliche Maß an Autonomie zu erreichen. Doch die Verhaltenstherapie von Kindern mit Autismus ist ein langer und für alle Beteiligten anstrengender Weg.

Hier öffnet sich ein Tätigkeitsfeld für Pseudomediziner. Mit einfachen Erklärungen und Lösungen für eine komplexe Störung kosten sie im besten und häufigsten Fall Zeit und Geld, im schlechtesten und seltensten das Leben.”

Nicht umsonst heißt ein kritisches Buch zum Thema “Bad Science” und “Risky Medicine” in der Autismustherapie:

Autism’s False Prophets”

Zum Weiterlesen:

  • Autismus und Pseudomedizin: Notizen und Links, diaphanoskopie am 11. Mai 2013
  • Evaluation, diagnosis, and treatment of gastrointestinal disorders in individuals with ASDs: a consensus report, Pediatrics. 2010 Jan;125 Suppl 1:S1-18. doi: 10.1542/peds.2009-1878C
  • BJM: Autismusstudie war eine Fälschung, aerzteblatt.de am 7. Januar 2011
  • Autismus, Impfungen und fünf fehlende Affen, derFreitag am 22. September 2012
  • Die wundersame Welt des Luc Montagnier, WeiterGen am 29. Oktober 2009
  • Der tiefe Fall des Andrew Wakefield, impfblog.de am 18. Februar 2010
  • GWUP-Konferenz-Rückblick: Der Publikumstag 2013, GWUP-Blog am 13. Mai 2013
  • Von der 22. GWUP-Konferenz in Köln, BlooDNAcid am 12. Mai 2013
  • So war die Skepkon – für mich, Cloudpharming am 16. Mai 2013
  • Skeptiker-Konferenz: Dialoge sind am schönsten zu zweit, diesseits am 16. Mai 2013

 

 

Forscher wollen Impfgerüchte bei Twitter und Co. überwachen

In Bayern warnen die Behörden vor einer Masernepidemie.

Schuld an der rasanten Ausbreitung der Infektionskrankheit ist nicht zuletzt eine “fatale Impfskepsis“, berichtet die Süddeutsche Zeitung:

Impfgegner wiederholen unermüdlich ihre in vielerlei Hinsicht mehrfach widerlegten Warnungen.

So wird in Internetforen noch immer die Legende verbreitet, die bei Kindern routinemäßig eingesetzte Kombinations-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (“MMR-Impfung”) könne Autismus auslösen. Diese Behauptung setzte der britische Arzt Andrew Wakefield 1998 in die Welt. Längst ist seine These widerlegt und seine Arbeit als Fälschung enttarnt.

Doch noch immer verweisen Impfgegner auf ihn, um vor der Immunisierung zu warnen.”

Solchen Impfgerüchten haben britische Forscher jetzt den Kampf angesagt.

Ein Team der London School of Hygiene & Tropical Medicine will entstehende Gerüchte mit Hilfe sozialer Netzwerke wie Twitter in Echtzeit überwachen – und dann gezielt Überzeugungsarbeit leisten.

Die Forscher nutzen dazu ein bereits bestehendes Monitoring-System namens “HealthMap” (“Gesundheitskarte”), das weltweit Meldungen aus sozialen Netzwerken und Medienberichte zu Infektionskrankheiten dokumentiert. Mediziner können damit viel schneller als mit offiziellen Dokumentationen feststellen, wo gerade potenziell gefährliche Krankheitsherde ausbrechen, etwa Grippewellen.

Die “HealthMap”-Funktionen sollen künftig gezielt auf Nachrichten über Impfkampagnen angewendet werden.

Bei einer Pilot-Analyse zwischen Mai 2011 und April 2012 wurden mehr als 10.000 Berichte zu Impfungen aus 144 Ländern registriert. Davon hatten 69 Prozent einen positiven/neutralen Grundcharakter, während 31 Prozent eindeutig negativ getönt waren.

Die Echtzeitüberwachung von Bedenken gegenüber Impfungen könnte Regierungen und Gesundheitsbehörden auf mögliche Probleme aufmerksam machen”,

berichtet Spiegel-Online über das Vorhaben.

Ob und wie dann gehandelt wird, ist indes noch nicht ausgemacht.

Zum Weiterlesen:

  • Soziale Netzwerke: Ärzte starten Warnsystem für Impfgerüchte, Spiegel-Online am 13. Mai 2013
  • Neues System zum Aufspüren von Impfgerüchten, Welt-Online am 14. Mai 2013
  • Measuring vaccine confidence, Homepage der London School of Hygiene & Tropical Medicine am 13. Mai 2013
  • Die Argumente der Impfgegner, GWUP-Blog am 22. Oktober 2009
  • “Impfkritik” bei Psiram
  • Nationale Impfkonferenz 2013, Gesundheits-Check am 17. Mai 2013
  • Masernimpfung statt Masernparty: Wissen ist gesund, Gesundheits-Check am 18. November 2011
  • GWUP-Konferenz-Rückblick: Pseudomedizin bei Autismus, GWUP-Blog am 18. Mai 2013
  • Impfflicht, Impfempfehlung, Impfangebot und öffentliches Interesse, Gesundheits-Check am 19. Mai 2013

Die Strichcode-Verschwörung: Bar jeder Vernunft

Es gibt manchmal Presseanfragen, da wissen auch wir Skeptiker nicht so recht, ob überhaupt und was wir dazu sagen sollen.

So vor einigen Wochen, als Spiegel-TV zum Thema “Barcode-Verschwörung” recherchierte.

Klar, die Lesart von Fundamentalchristen und Verschwörungstheoretikern ist uns bestens bekannt:

Der Strichcode auf unseren Waren sei das vorausgesagte “Zeichen”, ohne das “niemand kaufen oder verkaufen kann”, wie es in der biblischen Johannesoffenbarung heißt. In dem aufgedruckten Zebrastreifen sei nämlich durchweg die “teuflische” Zahl 666 verborgen.

Das haben wir hier schon mal erklärt.

Dass aber die senkrechten Striche “Antennen” sein sollen, die irgendwelche “Strahlen” aus der Umgebung aufnehmen, die sich dann auf unser “biologisches System” übertragen, was wiederum in unserer “Aura” nachweisbar sei – das war uns neu.

Und ist so absurd, dass man vielleicht einfach nur höflich dazu schweigen sollte.

Gesendet wurde der Beitrag trotzdem, das Video dazu gibt es hier oder hier:


Direktlink zum Video auf Youtube

Was uns das Ganze nun sagen soll, wird eigentlich nicht so recht deutlich, außer einem achselzuckenden “Was es nicht alles gibt …” und dem lapidaren Fazit:

Unterm Strich bleibt ein Strich ein Strich.”

Auch die FAZ hat im April schon mal über das “Kreuz mit den Strichen” geschrieben.

Der Artikel findet sich hier, daraus zitieren möchten wir nicht, denn die “klugen Köpfe” beim F.A.Z.-Verlag sind sich durchaus nicht zu schade dafür, auch bei kleinsten vermeintlichen oder auch tatsächlichen Urheberrechtsverletzungen kräftig abzukassieren.

Vielleicht hat das ja auch was mit den “Strahlen” vom Barcode zu tun.

Zum Weiterlesen:

 

Neuer Blog: Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie

Der Diplom-Ingenieur Norbert Aust hat ein Homöopathie-kritisches Buch geschrieben – darüber haben wir hier berichtet.

Ein neuer Blog

… ist nun die Fortsetzung dieser Arbeit, denn die Menge des Materials hätte den Rahmen des Buches deutlich gesprengt.”

Er heißt

Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie”

und umfasst bislang sechs Beiträge:

Außerdem hat Aust einen Offenen Brief an das Bayerische Fernsehen wegen der Schwachfug-Doku “Homöopathie – Medizin oder Mogelpackung?” verfasst, in dem er die Verantwortlichen nach einer “dezidierten Gegendarstellung” fragt.

Die Tatsache, dass Aust kein Mediziner ist, sondern auf dem Gebiet “Thermische Turbomaschinen” promoviert hat, sieht er selbst durchaus nicht als Nachteil:

Was meine Skepsis erregt, ist die Tatsache, dass es für die Wirkung homöopathischer Arzneimittel keine auf anerkannten physikalischen Erkenntnissen basierende Erklärung gibt, dass noch nicht einmal belastbare Nachweise dafür existieren, dass es eine solche Wirkung überhaupt gibt.

Sich mit diesen Fragen zu beschäftigen, dazu fühle ich mich sehr wohl qualifiziert. Hierzu genügen intensive Kenntnisse in der Physik, in Versuchsgestaltung und Auswertung, in Mathematik, Statistik und allgemeiner Logik [...]

In meinem früheren Arbeitsgebiet hat man es in hohem Umfang mit klassischer Physik zu tun: Mechanik, Thermodynamik, Strömungslehre sind die Grundlagenfächer.

Im Bereich Forschung und Entwicklung beschäftigt man sich mit wissenschaftlicher Literatur, man untersucht Wirkzusammenhänge experimentell und steht oft vor der Frage, ob die erlangten Ergebnisse auch aussagekräftig sind.

Prinzipiell würde man zwar ’nur’ Geld vernichten, wenn man das falsch macht, aber die Problematik, warum ein Produkt beim Kunden nicht wie erwartet funktioniert, die Suche nach Abhilfemaßnahmen, die Überprüfung der Wirksamkeit eingeführter Produktänderungen, ist prinzipiell nicht sehr verschieden von dem, wie bei der Bewertung der Wirksamkeit von Therapien und Arzneien vorgegangen wird.

Daher glaube ich, hier wesentliche Beiträge liefern zu können.”

Die Anfänge lesen sich jedenfalls vielversprechend.

Zum Weiterlesen:

 

 

 

Esoterik in der “Zeit”: Wenn das kritische Denken aussetzt

Jenseits der Vernunft”

heißt das Titelthema der aktuellen Zeit (21/2013).

Auf vier Seiten beleuchtet das Wissens-Ressort den Esoterik-Boom.

Unter anderem schildert Bernd Kramer einen Selbstversuch als professioneller “Hellseher”.

Der Journalist bewirbt sich incognito bei einem Internetportal, das kostenpflichtige “Lebensberatung” vermittelt:

Nicht dass ich medial begabt wäre. Ich will bloß verstehen, wie das System funktioniert.”

Mit verschiedenen Psychotechniken (die wir hier beschreiben) gelingt es Kramer tatsächlich, Klientinnen (“Es melden sich ausschließlich Frauen bei mir”) zur vollsten Zufriedenheit zu beraten.

Google und Facebook erweisen sich dabei ebenfalls als hilfreich, wie auch in diesem bekannten Video demonstriert wird:


Direktlink zum Video auf Youtube

Wohl in seiner Rolle als “medialer Lebensberater” fühlt Kramer sich indes nicht:

Silke (Name geändert) erschreckt mich mit ihrer Dankbarkeit [...] Ich finde es beklemmend, wie sich große Fragen des Lebens mit einem Set gefühliger Floskeln abtun lassen.

Aber ich spüre auch die Versuchung, doch an mein Talent zu glauben. Ich unterdrücke sie und halte fest: Ein guter Wahrsager ist entweder skrupellos oder Opfer seiner eigenen Täuschung.

Ich weiß nicht, was ich schlimmer finde.”

Der Hauptartikel “Was suchen die da?” von Max Rauner fragt nach den Ursachen der gegenwärtigen “Renaissance der Unvernunft”.

Einer der Gründe seien “Individualisierungstendenzen”, konkret das Bedürfnis, sich …

… Elemente für ein selbst konstruiertes Weltbild zusammenzusuchen und danach zu handeln”,

wird der Bayreuther Religionssoziologe Christoph Bochinger zitiert.

Auch das Gefühl, “in einer von der empirischen Wissenschaft dominierten Welt festzustecken”, treibe die Leute massenhaft der Esoterik zu.

Die Zahl der Anbieter, also der esoterischen Dienstleister, sei um das Jahr 2005 herum sprunghaft angestiegen, will die Augsburger Volkskundlerin Sabine Doering-Manteuffel beobachtet haben.

Ihre Erklärung:

Viele Angestellte aus therapeutischen Berufen seien damals durch die Gesundheitsreform arbeitslos geworden, manche machten sich als Geistheiler oder Heilpraktiker selbständig.

Der Bericht endet mit dem Zitat eines Betroffenen, der sich fragt, wie …

… das kritische Denken bei normalen Menschen so aussetzen kann.”

Lesenswert ist auch die “Jargonkritik” von Stefan Schmitt, der den Missbrauch von wissenschaftlichem Vokabular in der Esoterik seziert, etwa “Energie” oder “Quanten”.

Zur Quantentheorie schreibt Schmitt:

Ihnen (den Esoterikern; Anm. d. Autors) kommt zugute, dass die meisten Menschen zwar eine gewisse Autorität der Physik anerkennen, aber nur wenig davon verstehen. So fällt leicht unter den Tisch, dass die Quantentheorie nur die Interaktion subatomarer Teilchen beschreibt – und keine Vorgänge in der Größenordnung von Menschen, Steinen oder Gestirnen. Erst recht ist sie keine Lizenz zur Aufstellung jeder beliebigen pseudophysikalischen Behauptung.”

Vervollständigt wird die Zeit-Titelgeschichte von einem Interview mit dem Religionssoziologen Detelf Pollack (“Wie die Esoterik zum modernen Leben passt”) und einem Plädoyer für die Vernunft von Evelyn Finger:

Esoteriker ziehen sich lieber zurück in ihr Paradies auf Erden, bevölkert von erleuchteten Menschen, in die man sich verwandeln kann – mit kostspieliger Hilfe professioneller Engel, Medien und Jenseitscoachs. Deren Angebote zielen auf den Narzissmus des Einzelnen, sie locken ihn in eine Endlosschleife der Selbstbefragung und Selbstoptimierung.

Von dort ist es oft nur ein kleiner Schritt zum Selbstbetrug.”

Zum Weiterlesen:

  • Sind Hellseher sympathisch? GWUP-Blog am 30. September 2012
  • Sind Hellseher seriös? GWUP-Blog am 1. Oktober 2012
  • Sind Hellseher anerkannt? GWUP-Blog am 2. Oktober 2012
  • Sind Hellseher Schwindler? GWUP-Blog am 2. Dezember 2012
  • Barnum-Effekt und Geschlecht: Sind Frauen leichtgläubiger? Skeptiker 4/1999
  • Wie Esoterik die Köpfe leert und die Kassen füllt, GWUP-Blog am 15. April 2013
  • Esoterischer Selbstversuch: “Erleuchtung gefällig?”, GWUP-Blog am 13. April 2013
  • Esoterik: Jeder zweite Westdeutsche glaubt an Wunder, Die Welt am 16. Mai 2013
  • Die Verschwörungslobby und die Politik, Skeptics.de am 17. Mai 2013
  • Wie Esoterik funktioniert, Astrodicticum simplex am 6. April 2011

 




Skeptiker-Konferenz 2013

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