Kinder- und Jugendärzte nehmen Stellung zu „Vaxxed“

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland hat einen Info-Flyer zu dem Film “Vaxxed” herausgegeben.

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Zu dem angeblichen CDC-”Skandal”, den Wakefield mit aller Gewalt (und dem “Whistleblower” William W. Thompson) herbeifilmen will, heißt es darin:

  • Das amerikanische CDC hat in 2004 eine Studie zu Autismusfällen in der Großstadtregion Atlanta durchgeführt und versucht, die Zusammenhänge zum Zeitpunkt der MMR-Impfung zu überprüfen. Dabei kam es, wie bei solchen Studien üblich, zur Korrektur bei der Auswahl der Daten zum Zwecke der Vergleichbarkeit.
  • William Thompson war Mitautor dieser Studie und bezweifelte die Datenqualität und die Korrektur der Daten.
  • Brian Hooker, selbst Vater eines Autisten, hatte bei der Nachbearbeitung der CDC-Daten zu einer eigenen Studie in 2013 und 2014 mehrfach mit Thompson telefoniert und diese Gespräche heimlich aufgezeichnet. Diese Mitschnitte sind die „Hauptbeweise“ des Films für eine „Datenfälschung“.
  • Die von B. Hooker in 2014 veröffentlichte Studie wurde nach einigen Monaten wegen nicht korrektem Gebrauch von Daten und mangelnder Offenlegung von finanzieller Abhängigkeit ebenfalls vom Herausgeber zurückgezogen.
  • W. Thompson hat sich nach Veröffentlichung des Films eindeutig zum Nutzen aller in den USA empfohlenen Impfungen bekannt.”

Der Flyer kann hier heruntergeladen werden.

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In einer Pressemitteilung dazu heißt es:

Besonders irritierend ist die Behauptung im Film, dass die Mono-Impfung gegen Masern angeblich ein geringeres Risiko für Autismus haben soll als die kombinierte Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln. Denn dazu gibt es weltweit keine einzige Untersuchung.

Ob diese filmische Einschätzung damit zusammenhängt, dass Andrew Wakefield ein Patent für die Masern-Mono-Impfung besitzt, ist der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin nicht bekannt.”

Zum Weiterlesen:

  • Impfnebenwirkungen: die Bilanz 2015 vom Paul-Ehrlich-Institut, GWUP-Blog am 25. April 2017
  • „Vaxxed“ im Kino, Fakefield und sein angeblicher Whistleblower, GWUP-Blog am 4. April 2017
  • Impfen: Kinderärzte setzen Fakten gegen Fehlinformationen, Ärzteblatt am 26. April 2017

Neu in der Homöopedia: Der Erfinder der Elektrohomöopathie

Neu in der Homöopedia:

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Mattei schenkte Papst Pius IX. einige militärisch wichtige Landstriche und wurde daraufhin in den päpstlichen Grafenstand erhoben. Im Apenin errichtete er ein burgartiges Schloss, auf dem er ab 1860 eine ganz eigene Variante der Homöopathie entwickelte, die er selbst “Elektrohomöopathie” nannte.

Zu Lebzeiten hielt Mattei die Methode für die Herstellung seine Mittel streng geheim. Heute ist bekannt, dass er dafür Elemente der klassischen Homöopathie mit Elementen der Spagyrik verband.

Zum Weiterlesen:

  • Neu in der Homöopedia: Melanie Hahnemann, GWUP-Blog am 14. April 2017
  • LMHI (4): Globuli gegen Aids, dieausrufer am 23. April 2017

Skeptiker vs. Paranormales, Fakten gegen Fühlen

Der Vorsitzende des GWUP-Wissenschaftsrats, Prof. Wolfgang Hell, erklärt bei Wissenschaftskommunikation, wer die Skeptiker sind und was sie so machen.

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Das Wort ist vom griechischen „skeptikos“ abgeleitet und bedeutet wörtlich ein „Ausschau haltender“ oder „Untersuchender“ – also einer, der genau hinschaut. Man findet mehrere Bedeutungen des Wortes Skeptiker in Lexika, aber die GWUP hat sich dem „wissenschaftlichen Skeptizismus“ verschrieben.

Es geht hierbei darum, Behauptungen über ungewöhnliche Befunde, Erlebnisse oder Erfahrungen genau und wissenschaftlich zu prüfen. Das Ergebnis einer solchen Prüfung steht nicht von vorneherein fest, sondern kann unterschiedlich ausfallen.

Die Antwort kann heißen, „stimmt einfach nicht“ – wie die Fähigkeit, Blicke zu spüren, aber dann bleibt immer noch die spannende Frage, welche subjektiven Erlebnisse solchen Behauptungen zugrunde liegen.

Die Antwort kann lauten – wie im Fall von Loch Ness – „nicht völlig ausgeschlossen, aber sehr, sehr unwahrscheinlich“. Die Antwort kann auch komplexer ausfallen: Homöopathie beispielsweise wirkt nicht besser als ein Placebo und garantiert nicht aus den von Homöopathen angegebenen Gründen.

Und natürlich kann die Antwort auch „stimmt“ sein, wie im Fall außerkörperlicher Erfahrungen – zumindest unter ungewöhnlichen physiologischen Bedingungen.”

Zum Weiterlesen:

  • Wo liegt die wissenschaftliche Wahrheit? wissenschaftskommunikation am 25. April 2017
  • Wolfgang Hell: Von Schafen und Ziegen. Der Sechste Sinn und die unbewusste Wahrnehmung, Skeptiker 2/2010
  • SkepKon-Vortragsvideo von Wolgang Hell: Wie tickt das Schaf? GWUP-Blog am 19. Juni 2014
  • Skeptical 2017: Fakten sind sexy, diesseits am 20. April 2017
  • Das “Skeptical” am 29. April in der Berliner Urania: Keine Alternative zu Fakten, hpd am 21. April 2017

Impfnebenwirkungen: die Bilanz 2015 vom Paul-Ehrlich-Institut

Das Paul-Ehrlich-Institut hat die Verdachtsfallmeldungen einer Impfnebenwirkung/Impfkomplikation im Jahr 2015 ausgewertet.

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Ein entsprechender Bericht in der Deutschen Apotheker Zeitung ist im Rahmen der europäischen Impfwoche momentan auch für Nichtabonnenten freigeschaltet:

Für das Jahr 2015 lagen dem PEI insgesamt 11.779 Meldungen zu unerwünschten Reaktionen nach Impfungen vor. Es wurden 1219 verschiedene Reaktionen gemeldet, fast die Hälfte der Reaktionen dabei nur ein Mal. Bekannte, in der Regel vorübergehende und milde Reaktionen an der Injektionsstelle, Fieber, Unwohlsein, Schüttelfrost und Gelenkschmerzen wurden am häufigsten mitgeteilt [...]

18 Meldungen mit Verdacht auf Todesfolge nach einer Impfung [erhielt das PEI 2015]. Betroffen waren elf Kinder im Alter von zwei Monaten bis 16 Jahren und vier Erwachsene ­zwischen 68 und 73 Jahren. Drei Verdachtsfälle bezogen sich auf eine erwachsene Person und zwei Kinder, wobei dem PEI hier keine Altersangaben vorliegen.

In 14 Fällen konnte das PEI keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Impfung und berichteter Todesursache feststellen. Vier Fälle konnten aufgrund fehlender Informationen nicht abschließend bewertet werden.”

Auch einen ursächlichen Zusammenhang zwischen bestimmten Impfungen und Symptomen einer Narkolepsie sieht die Bundesoberbehörde nicht, ebenso wenig ein erhöhtes Risiko für Autismus.

Bemerkenswert – und hart für Impfgegner: Die meisten Verdachtsmeldungen über mögliche Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Impfungen kommen von den Zulassungsinhabern selbst (also von Big Evil Pharma).

Zum Weiterlesen:

Gesund ins Leben starten: Neue GWUP-Broschüre für junge Eltern über „Alternativmedizin“

Um Akupunktur, Homöopathie, Impfungen, Osteopathie/Craniosakral-Therapie, vegetarische und vegane Ernährung, Wochenbettdepressionen und falsche Heilsversprechen wie “Natürlich ist gut” oder “Stimulierung des Immunsystems” geht es in der neuen GWUP-Broschüre für junge Eltern.

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Die Broschüre kann hier heruntergeladen werden.

Ab dem 8. Mai ist die Publikation auch in gedruckter Form (20 Seiten, DIN A 5) bei der GWUP-Geschäftsstelle kostenlos erhältlich. Bei größeren Mengen sind Portospenden willkommen.

Die Veröffentlichung wurde vom Deutschen Konsumentenbund finanziell unterstützt.

Zum Weiterlesen:

  • Gesund ins Leben starten: eine neue Broschüre für junge Eltern, GWUP-News am 24. April 2017

Neuer skeptischer Podcast: „Nachgefragt“

Die erste Folge des neuen skeptischen Podcasts Nachgefragt ist erschienen.

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Die Physikerin Michaela Voth spricht mit Caroline Snijders von der GWUP-Regionalgruppe Hamburg über kritisches Denken.

Zum Weiterlesen:

  • Warum ist skeptisches Denken wichtig? Nachgefragt am 23. April 2017

Nach dem March for Science

Von Amardeo Sarma

Vermutlich war es der Tropfen auf dem heißen Stein mit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten, der Zehntausende auf die Straße brachte. Denn „alternative Fakten“, gekoppelt mit der Leugnung wissenschaftlicher Erkenntnisse, sind per se nichts Neues. Und die Frage nach den vielen Reden beim “March for Science” am Samstag ist jetzt die, ob den Worten auch Taten folgen werden.

Die Vertreterinnen und Vertreter der Politik und von wissenschaftlichen Institutionen und Universitäten haben bei der Veranstaltung die allgemeine Bedeutung der Wissenschaft durchaus gut angesprochen.

Aber: Unbequeme Inhalte und Themen wurden weitgehend, mit wenigen Ausnahmen, außen vor gelassen. Ein positives Beispiel in Berlin war der Beitrag der Integrations- und Migrationsforscherin Prof. Naika Fourutan zu den Fakten über die aktuellen Flüchtlingszahlen.

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Wir als GWUP werden nun mit unserer 30-jährigen Erfahrung anhand von drei weiteren Beispielen nachhaken. Sind wir bereit zu handeln?

Für eine an Wissenschaft orientierte Medizin

Wir brauchen ein klares Zeichen für eine wissenschaftliche Medizin und gegen Pseudomedizin an Universitäten und Kliniken. Wissenschaftliche Institutionen sind an dieser Entwicklung nicht ganz unschuldig. Es ist nicht tragbar, dass die Homöopathie an über 30 medizinischen Fakultäten in Deutschland angeboten wird.

Bei den Reden wurde viel über die Freiheit der Forschung gesprochen. Hat diese aber auch für die Lehre „alternativer“ Fakten und Pseudowissenschaften zu gelten? Würde man eine Einhorn- oder Flache-Erde-Fakultät dulden? Wenn nicht, dann muss neben der Freiheit auch die Balance mit Qualität und Wissenschaftlichkeit eingefordert werden.

Und das heißt: Kein Platz für Homöopathie & Co. an Universitäten und Kliniken und auch ein klares Nein für die „Integrative Medizin“ als trojanisches Pferd der Pseudomedizin.

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Unsere Forderung an die Politik: Der Binnenkonsens muss beendet und die Apothekenpflicht für Homöopathika aufgehoben werden. Wir müssen dagegen Ärzte für eine „sprechende Medizin“ viel besser honorieren.

Interesse für Wissenschaft ab der Grundschule wecken

In der Schule gilt es, das natürliche Interesse von Kindern an Sternen, Planeten, Tieren und Dinosauriern fördern. Es gibt kaum etwas Spannenderes, als die Evolution des Lebens und des Weltalls, um Kinder für Wissenschaft zu begeistern. Das sollte Bestandteil der Grundschulbildung sein. So können wir auch kreationistischem Gedankengut vorbeugen.

Wir brauchen eine frühe methodenbezogene wissenschaftliche Bildung für unsere Kinder schon ab der Grundschule. Wir brauchen ein Programm, kritisches Denken an den Schulen zu vermitteln, damit Kinder Täuschung und unhaltbare Behauptungen erkennen können.

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Ende der anti-wissenschaftlichen Verteufelung der Gentechnik

Im Sinne der Verantwortung für eine Welt ohne Hunger gilt es, eine heilige Kuh in Deutschland und Europa zu schlachten: die antiwissenschaftliche und pseudofaktische Propaganda der GMO-Gegner. Wir können nicht den wissenschaftlichen Konsens und den Stand der Wissenschaft in Sachen Klimawandel propagieren und diesen gleichzeitig bei der Gentechnik ignorieren.

Dabei gilt es auch, Pseudofakten bei den Rückzugsargumenten bezüglich der sozialen Folgen bloßzustellen.

Hier müssen wir von Wissenschaftlern aller Disziplinen Rückgrat für ihre Kollegen einfordern, die auf diesem Gebiet hervorrangende Arbeit für die Ernährung der Welt leisten. Dass der Miterfinder von Golden Rice aus Deutschland, Peter Beyer, nicht öffentlich von Wissenschaft und Politik gefeiert wird, ist ein Skandal.

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Von der Politik verlangen wir eine Kehrtwende in Sachen Gentechnik. Die derzeitige deutsche und europäische Politik ist mit verantwortlich für die Erblindung von Kindern und dafür, dass der Hunger auf der Welt nicht effektiver bekämpft wird.

Deutschland und Europa sollten großzügig in die Forschung in eine moderne und zukunftsweisende Agrarwissenschaft einschließlich der Gentechnik investieren. Ein besonderer Augenmerk auf Afrika wäre wichtig, um Wissenschaftler vor Ort zu fördern. Afrika muss in die Lage versetzt werden, sich selbst auch angesichts der zu erwartenden erheblichen Probleme durch die globale Erwärmung zu ernähren. Das wäre gut investiertes Geld.

Wir fordern eine europaweite Gleichstellung der Zulassungskriterien von gentechnisch veränderten Produkten mit denen der konventionellen und der Bio-Landwirtschaft. Die Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln muss abgeschafft werden, um Lebensmittel aus Afrika, Asien und Lateinamerika nicht zu diskriminieren.

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Lackmustest nach dem Marsch

Jetzt, nach dem March for Science, kommt der Lackmustest: Wer unter den Leiterinnen und Leitern großer wissenschaftlicher Institutionen und Universitäten ist bereit, sich für Wissenschaft einzusetzen, wenn das Einstehen für wissenschaftliche Erkenntnisse kein Heimspiel mehr ist und Mut erforderlich ist?

Gibt es auch unter den Politikerinnen und Politikern solche, die sich auch bei kontroversen Themen ohne ängstlichen Blick auf die nächsten Wahlen für Wissenschaft einsetzen?

Zum Weiterlesen:

  • Leopoldina befürwortet Evolution in der Grundschule, diesseits am 21. April 2017
  • “March for Science” in Heidelberg: Weil es keine Alternative zu Fakten gibt, rnz am 24. April 2017
  • Trump Just Responded To The Science Marches In A Disturbing Way, occupy democrats am 22. April 2017
  • Ein Zeichen gegen postfaktisches Denken, spektrum am 23. April 2017
  • Fotos: March for Science in Freiburg, Badische Zeitung am 22. April 2017
  • Fakten sind sexy: 2500 Teilnehmer beim “March for Science”, Taunuszeitung am 23. April 2017
  • “Baut Labore, keine Mauern”, Zeit-Online am 23. April 2017
  • ScienceMarch: Spät, aber wichtig, telepolis am 24. April 2017
  • Die Science Marches waren wichtig, Laborjournal am 24. April 2017

Neuerscheinung: Abwarten ist oft die beste Medizin

Dass Homöopathie-Kritik keineswegs mit “Pharma-Lobbyismus” gleichzusetzen ist, erklärte Dr. Christian Weymayr 2012 in einem Skeptiker-Interview:

Wir sagen ganz klar, dass man auch in der wissenschaftsbasierten Medizin wesentlich defensiver agieren sollte. Jedes Antibiotikum, das unnötig verabreicht wird, stellt im Grund einen Kunstfehler dar.

Hier können wir von der Homöopathie lernen, und zwar dergestalt, dass Abwarten und Nichtstun eine immer noch weit unterschätzte Therapie-Option ist.”

In dieselbe Richtung geht die Ärzte-Initiative “Gemeinsam Klug Entscheiden” und die Buchneuerscheinung “Fragen Sie weder Arzt noch Apotheker” von der Medizinerin Ragnhild Schweitzer und dem ZeitWissen-Redakteur Jan Schweitzer.

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In einem Spiegel-Gespräch (16/2017) sagt Ragnhild Schweitzer:

Akute Schmerzen im Kreuz etwa verschwinden meist nach ein paar Wochen von ganz allein. Atemwegsinfektionen gern noch viel früher. Da braucht es keine Spritzen oder Antibiotika, die haben nur potenzielle Nebenwirkungen. Es ist oft viel gesünder, nicht gleich zum Arzt zu rennen.”

Spiegel: Lassen sich die Ärzte auch von der Erwartungshaltung der Patienten treiben?

Mit Sicherheit. Die Menschen sitzen ja nicht stundenlang im Wartezimmer, damit der Arzt ihnen sagt: Wir warten erst mal ab. Viele fühlen sich erst dann gut versorgt, wenn der Doktor sie mit moderner Technik untersucht und eine Therapie angeordnet hat.

Mein Mann und ich machen da keine Ausnahme. Wir haben oft auch direkt losgelegt, wenn es um die Gesundheit unserer Kinder ging – obwohl wir es eigentlich besser wussten. Unser Sohn ist wegen dieses Aktionismus sogar einmal operiert worden.”

Und was soll man tun, wenn man einen aktionistischen Arzt gerät?

Ein guter Trick ist, ihn Folgendes zu fragen: Was passiert eigentlich, wenn wir gar nichts tun und erst mal abwarten? Das wird ihn sicher zum Nachdenken bringen. Und vielleicht hilft es, sich vor Schaden zu bewahren.”

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Abwarten ist nach Aufassung der beiden Autoren “oft die beste Medizin”.

Und würde fraglos auch mit dazu beitragen, den Nimbus von Homöopathie und Co. zu entzaubern, der wesentlich von der “Regression zur Mitte” lebt.

Zum Weiterlesen:

  • “Nicht gleich zum Arzt rennen”, Der Spiegel 16/2017
  • Arztbesuche mit unerwünschten Nebenwirkungen, Deutschlandradio Kultur am 12. April 2017
  • Jetzt aber mal langsam! FAZ am 19. April 2017
  • Hintergrund zum Buch: Fragen Sie weder Arzt noch Apotheker, radioeins am 1. April 2017
  • Skeptiker als Pharma-Söldner? GWUP-Blog am 21. April 2013
  • Die Homöopathie-Lüge – Ein Interview (2), GWUP-Blog am 23. Dezember 2012
  • Jan Schweitzer: Glauben und Globuli, ZeitWissen am 9. Dezember 2010
  • „Gemeinsam klug entscheiden“ – Fachgesellschaften stellen neue Initiative vor, Ärzteblatt am 14. Oktober 2015
  • Patientenbeteiligung verwirklichen: „Gemeinsam Klug Entscheiden“ setzt auf Kommunikation, idw am 3. November 2015
  • Jan Schweitzer/Ragnhild Schweitzer: Fragen Sie weder Arzt noch Apotheker. KiWi-Paperback, 272 Seiten, 14,99 €

Ärzteblatt wirbt für die Kooperation von „Schulmedizin“ und „Heilerin“

Wieso wundern wir uns eigentlich über “Apfeltorte mit Bologneser Sauce” (= “Integrative Medizin”)- Geschichten in bild der wissenschaft, wenn selbst die berufsständische Selbstverwaltung der Ärzte Werbung für Kooperationen mit Esoterikern macht?

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Das Ärzteblatt (4/2017) der Ärztekammer Schleswig-Holstein gefällt sich darin, die “ganzheitliche Betreuung” von Patienten einer Kinderarztpraxis durch die Zusammenarbeit mit einer “Heilerin” ausführlich zu preisen – von jedweder kritischen Rückfrage ungetrübt.

“Das ist auf so schrecklich vielen Ebenen unpassend”, möchte man da eigentlich nur noch Charlie Harper zitieren.

Man muss auch bedenken, dass ich in der Kinderarztpraxis mit den vielen Patienten nur eine sehr begrenzte Zeit habe. Fünf bis zehn Minuten pro Patient, manchmal auch weniger. Da kann man manche Ansprüche, für die man etwas länger Zeit bräuchte, nicht  immer erfüllen”,

erklärt die Pädiaterin zum Beispiel.

Und anstatt diesen realen Missstand anzuprangern und von der Politik Abhilfe zu fordern, besteht der Lösungsvorschlag der ÄKSH in pseudomedizinischen Praxiskooperationen?

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Jedenfalls darf die Ärzeblatt-Autorin den ideologischen Kampfbegriff “Schulmedizin” sowie inhaltsleere esoterische Phrasen wie “energetische Heilbehandlung” oder “spirituelle Arbeit” verwenden und Nonsens wie Homöopathie und Mentaltraining einbringen.

Natürlich dürfen auch die “persönlichen Erfahrungen” der Praxisinhaberin mit “tibetanischem Heilwissen” bei Migräne nicht fehlen (Lesetipp: “Warum meine Erfahrung nicht zählt”) – die bei Licht betrachtet anscheinend auf einer Placebo-Wirkung (Akupunktur) plus Entspannung und Elimination von ernährungsbedingten Einflüssen beruhen.

Fraglich, ob für man solche Erfolge einen esoterischen Überbau und eine “Heiler”-Kooperation braucht. Oder ob gar, wie es die Autorin formuliert, bei solchen und anderen Fällen wirklich “die Schulmedizin an ihre Grenzen stößt”.

Und mit der Unvereinbarkeit von evidenzbasierter Medizin und “alternativer” Medizin haben wir uns hier bereits ausführlich beschäftigt.

Die “Heilerin” ist marketingtechnisch fraglos dazu zu beglückwünschen, dass sie es nach der Lokalpresse nun auch (mit Foto) in die ärztlichen Fachmedien schafft.

Die Ärzteblatt-Redaktion indes sollte eigentlich wissen:

Statt Alternativmedizin braucht Deutschland eine Medizin, die Patienten auf der Basis wirksamer Therapien und Medikamente behandelt. Der Placeboeffekt gehört dazu. Homöopathische Arzneien nicht.”

Zum Weiterlesen:

  • Integrative Medizin in „Bild der Wissenschaft“: Apfeltorte mit Bologneser Sauce, GWUP-Blog am 24. Februar 2017
  • Warum “meine Erfahrung” nicht zählt, Homöopathie neu gedacht am 1. Oktober 2015
  • Homöopathie, Ganzheitlichkeit und die sprechende Medizin, GWUP-Blog am 20. April 2013
  • Ein „Bund“ zwischen Ärzten und Heilpraktikern? Das freut nur die Pseudomediziner, GWUP-Blog am 21. Juni 2015

„Skeptical“ 2017: Das Wissenschaftsevent in Berlin

Heute bei diesseits.de:

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Hier geht’s zu unserer Pressemitteilung und hier zum Programm.

Zum Weiterlesen:

  • Fakten sind sexy, diesseits am 20. April 2017
  • Das “Skeptical” am 29. April in der Urania, GWUP-News am 20. April 2017




NEU: Skeptiker1/2017

SKEPTIKER 4/2016

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