Chuck Norris, die Evolution und Verschwörungsspiele

Darf man im Skeptiker-Blog eigentlich Chuck Norris zum 70. Geburtstag gratulieren?

Keine Ahnung, aber ich tu’s trotzdem – auch wenn man seinen Schwarzgurt-Patriotismus ja nicht unbedingt teilen muss.

Zur Feier des Tages mein Lieblings-Chuck-Norris-Witz:

Es gibt keine Evolution, es gibt nur Kreaturen, denen Chuck Norris erlaubt hat, zu leben.”

Na denn. Apropos Film und Wirklichkeit: Netter Spiegel-Artikel heute über Alternate Reality Games:

Mysteriöse Briefe, gruselige Akten, rätselhafte Websites – plötzlich landet man in einer Parallelwelt voll Verschwörungen und übersinnlicher Phänomene. Alternate Reality Games verbinden reale und digitale Welt zur Schnitzeljagd. Meist geht es um PR, trotzdem macht es Spaß.”

Ich kenne sogar Skeptiker, die sowas spielen. In dem Zusammenhang: Hallo R., wann darf ich denn mal wieder fingierte Mails an Deine Mitspielerinnen schreiben???

Zum Weiterlesen:

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Buchtipp: Warum die Uhr stehenblieb, als Opa starb

“Warum die Uhr stehenblieb, als Opa starb” war nicht nur das Motto des Publikumstages bei der GWUP-Konferenz 2009 in Hamburg – sondern ist auch der Titel meines neuen Buches, das gerade erschienen ist. Untertitel: “Merkwürdige Zufälle und unerklärliche Phänomene”.

Warum geht’s? Natürlich ums Paranormale. Und um Skeptizismus. Also um beides.

Damit das funktioniert und wirklich jeder das Buch in die Hand nehmen kann, weist jedes Kapitel eine dreiteilige Struktur auf:

  • Die “Nachtseite” beschreibt das jeweilige Thema/Phänomen aus Sicht der “Gläubigen” und der sogenannten “Grenzwissenschaften”
  • Im “Dämmerlicht” werden dann persönliche Erfahrungen und Erlebnisse erzählt, wie sie sich zum Beispiel in Online-Foren und Diskussionsboards finden. Als kurze Stories, in der Ich-Perspektive, aber in eine lesbare Form gebracht, also umgeschrieben und zugespitzt. So ähnlich wie die “urban legends” in den Büchern von Prof. Brednich. Nur aus dem Bereich des “Übersinnlichen”. Und hoffentlich etwas besser geschrieben …
    Die Geschichten handeln von Todesomen, Geistern, okkulten Praktiken, PSI bei Tieren, Vorahnungen, unsichtbaren Helfern und solchen Dingen.
  • Und dann gibt’s noch die “Tagseite”. Das ist der kritische/skeptische Standpunkt. Also Erklärungen, soweit möglich.

Mal schauen, ob das so hinhaut.  

Etwa die Sache mit der Uhr. Warum bleibt manchmal die Uhr plötzlich stehen, wenn ein geliebter Mensch stirbt?
Sogar der berühmte Physiker Richard Feynman erlebte dieses Phänomen beim Tod seiner ersten Frau. Er sah, dass ihr Wecker auf dem Tisch neben ihrem Krankenhausbett genau zu der Minute stehenblieb, in der seine Frau laut Sterbeurkunde gestorben war.
Diese seltsame Übereinstimmung ließ dem genialen Naturwissenschaftler keine Ruhe. Er begann nachzuforschen. Und im Nachhinein stellte Feynman fest, dass der Arzt die Todeszeit, die in der Sterbeurkunde angegeben war, von eben jenem Wecker am Krankenbett abgelesen hatte. Zu diesem Zeitpunkt war die Uhr aber schon lange stehengeblieben, mindestens eine halbe Stunde zuvor.

Ist das die einzige Erklärung für dieses Phänomen? Natürlich nicht. Genauso wenig, wie es eine gemeinsame Ursache für sämtliche Autounfälle gibt.

Zum Weiterlesen:

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Mit den Clowns kam das Grauen

Unser Blogging „Wer hat Angst vor den bösen Clowns?“ hat anscheinend einen Nerv getroffen.

Neben der Anfrage eines TV-Senders, ob ich im Fernsehen etwas psychologisch Hintergründiges zum Thema Coulrophobie sagen könnte (kann ich natürlich nicht), gab es Literaturwünsche von Betroffenen, die ich aber ebenfalls nicht bedienen kann. Weil mir kein Fachbuch bekannt ist, das sich explizit mit der Angst vor Clowns beschäftigt.

Dafür ist im Ernst-Reinhardt-Verlag gerade die Handreichung „Der Clown in der pädagogischen Arbeit“ erschienen. Na, die haben vielleicht Nerven.

Darüber hinaus hat uns per E-Mail die folgende Geschichte erreicht, verbunden mit der Frage, was die freundlichen Skeptiker von der GWUP denn davon halten.

Also, hier zunächst die Story:

Im Theater fällt einem Ehepaar ein, dass es vergessen hat, der neuen Babysitterin eine Handynummer zu geben, mit der es im Notfall zu erreichen ist. Der Mann geht raus ins Foyer und ruft zuhause an. Die Studentin notiert sich die Nummer und fragt bei der Gelegenheit, ob sie im Elternschlafzimmer fernsehen darf.

Denn das TV-Gerät dort ist an eine Satellitenschüssel angeschlossen, während im Wohnzimmer nur wenige Kanäle zu empfangen sind, damit die Kinder nicht so oft vor der Glotze hocken.

Klar, sagt der Mann, kann sie tun.

Gerade als er das Gespräch beenden will, möchte die Babysitterin noch etwas loswerden: Ob sie vielleicht die lebensgroße Clownsfigur neben dem Kleiderschrank außer Sichtweite schieben dürfe – irgendwie sei der Anblick etwas gruselig und mache sie nervös.

Der Mann wird bleich und schreit die Studentin an, sie solle auf der Stelle mit den Kindern die Wohnung verlassen und zu den Nachbarn laufen. Das Ehepaar rast nach Hause und alarmiert noch unterwegs die Polizei, die gleichzeitig mit den Eltern eintrifft. Mit der Babysitterin durchsuchen sie das Schlafzimmer.

Die Rollläden sind hochgezogen, das Fenster steht weit offen, die Clownsfigur ist verschwunden.

Not so bad, würde mein alter Englischlehrer jetzt sagen. Und doch wenig mehr als eine klassische Scary Story.

Scary Stories sind schaurig, schreckenerregend und furchteinflößend. Und implizieren zumeist eine Warnung vor den mannigfaltigen Gefahren, die um uns herum lauern. Etwa vor listigen und skrupellosen Gewaltverbrechern.

Dass die Wandersage von der vermeintlichen Clown-Statue keine reale Entsprechung findet, haben auch die Experten von About.com: Urban Legends recherchiert – allerdings nicht ohne auf den berüchtigten Serienmörder John Wayne Gacy hinzuweisen, den „Killerclown“.

Das war in den 1970ern. Und seither sind die schrecklichen Spaßmacher fester Bestandteil der Populärkultur. Auch in „Zombieland“ leidet einer der Protagonisten an Clown-Phobie.

Sind Clowns nun scary oder nicht? Hier können Sie abstimmen.

Zum Weiterlesen:

  • Massenmörder hinter der Clownsmaske, Spiegel-Online am 12. März 2010
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Gentechnik, Klimawandel und Politik

Warum befasst sich die GWUP mit Gentechnik? Warum befassen sich Skeptiker (nicht zu verwechseln mit Klimaskeptikern) mit dem Klimawandel? Weil beides – wie die “klassischen” Parawissenschaften auch – emotional aufgeladene Themen sind, über die sich viele Menschen feste Grundüberzeugungen gebildet haben. Hinzu kommt, dass bei der Diskussion um Gentechnik und Klimawandel handfeste Partikularinteressen im Spiel sind. Sachargumente gehen in solchen Diskussionen leicht unter.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist die jetzige globale Erwärmung real und durch Menschen verursacht. Die Forschungsergebnisse sprechen eine deutliche Sprache, unter Wissenschaftlern herrscht Konsens. Daran ändern auch die Lobbyisten nichts, die Pannen des Weltklimarates IPCC in ihrem Interesse instrumentalisieren. Nicht umsonst beklagen auch Chris Mooney und Sheril Kirshenbaum in ihrem Buch „Unscientific America“, dass die USA aus politischen Gründen bei der Bekämpfung  dieses Problems 20 Jahre verloren haben.

Im Fall der Grünen Gentechnik sind es nicht die US-Republikaner oder die Öl-Lobby, sondern Umweltschützer, die aus ideologischen Gründen die Augen vor den Tatsachen verschließen. In wissenschaftlichen Fragen sind alle Beteiligten gut beraten, sich bei ihren Aussagen an der  Realität zu orientieren und sich von politischem und weltanschaulichem Wunschdenken frei zu halten. Es kann keine Rücksichtnahme auf Rechte oder Linke, Öko-Bewegung oder Öl-Lobby, Christentum, Islam oder Atheismus geben. Wir können uns keine Wunschwelt herbeizaubern. Insofern begrüße ich den Artikel zur Grünen Gentechnik im aktuellen SKEPTIKER und hoffe auf weitere Themen, wie globale Erwärmung. Obwohl sie nicht zum klassischen Arbeitsgebiet der GWUP gehören, werden sie allzu oft von pseudowissenschaftlicher Argumentation beherrscht.

Natürlich haben alle genannten Themen neben der wissenschaftlichen auch politische und soziale Dimensionen, die ernst genommen werden müssen. Dürfen wir Lebewesen überhaupt patentieren? Werden durch Patente auf Gene und Lebewesen die Entwicklungsländer benachteiligt? Bekommen manche Konzerne zu viel Macht? All dies sind wichtige Fragen moralischer und sozialer Art. Sie betreffen die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen sollen. Sie sollten gestellt werden. Wie auch immer die Antworten lauten, sie ändern nichts an den wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Zutiefst unwissenschaftlich und unmoralisch ist dagegen das Schüren von irrationalen Ängsten. Wissenschaft dient dem Erkenntnisgewinn und darf sich keinem politischem Wunschdenken beugen. Die Folgen wären verheerend, wie uns die historischen Beispiele Nationalsozialismus und Stalinismus lehren. Die Gefahr der politischen Förderung von Pseudowissenschaften besteht auch in unserer demokratischen Gesellschaft, wie wir im Übrigen auch bei Homöopathie und Kreationismus erleben. Hier entgegenzuwirken ist unsere Pflicht, gerade als GWUP.

Wissenschaftlichkeit ist nicht zum Nulltarif zu haben. Wir müssen bereit sein, den Sachstand der Wissenschaft über unser Wunschdenken zu stellen, gerade wenn er die eigenen politischen oder religiösen Weltanschauungen in Frage stellt. Nur so können wir als Wissenschaftler morgens wieder ohne schlechtes Gewissen in den Spiegel schauen.

Link zum Thema:

Zum Weiterlesen:

  • Chris Mooney, Sheril Kirshenbaum (2009): Unscientific America. How Scientific Illiteracy Threatens Our Future. Basic Books.
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Tierhomöopathen aufgepasst: Nobelpreise zu gewinnen!

Bei den Leserkommentaren zum Welt-Artikel über die GWUP ist mal wieder alles dabei: von “Wer heilt, hat Recht” über den Lobgesang auf eine nicht näher definierte “Offenheit” bis hin zu den vielen, vielen Dingen zwischen Himmel und unserer dreidimensionalen Erde, von denen …
Und so weiter, und so fort.

Ein Beispiel:

Heute noch Phänomene, morgen Erkenntnisse. Man sollte Demut vor der eigenen Unkenntnis haben und offen auf das Nichterklärbare zugehen.”

Kein Problem. Machen wir sowieso. Nehmen wir zum Beispiel die Sache mit der Homöopathie bei Tieren, von der ein User mit dem Pseudonym “SoWhat” Folgendes zu berichten weiß:

Homöopathie wird seit Jahren erfolgreich in der Veterinärmedizin eingesetzt, das ist doch n alter Hut. Eine Bekannte von mir arbeitet in ner Tierarztpraxis und da ist das ganz selbstverständlich … Ich persönlich wende homöopathische Medizin seit etwas über einem Jahr erfolgreich an. Übrigens: Da diese auch bei Tieren und Säuglingen funktioniert, kann von einem Placebo-Effekt keine Rede sein.”

Prima – dann wandern ja endlich mal wieder diverse Nobelpreise in den Naturwissenschaften nach Deutschland. Vorher müsste nur ein kleiner Versuch erfolgreich durchgeführt werden, den der Physiker Prof. Martin Lambeck vom GWUP-Wissenschaftsrat schon seit Jahren vorschlägt:

Homöopathen verteidigen ihre Lehre gerne mit dem Argument, sie wirke auch bei Tieren, die mangels Denkvermögens keine Placebowirkung zeigen könnten. Das Placeboargument stimmt meines Erachtens bei Haustieren nicht, wohl aber kann es durch sorgfältige Versuchsführung bei Nutztieren ausgeschlossen werden.

Grundlage der Homöopathie ist, dass das Medikament beim Gesunden ein klar definiertes Arzneimittelbild hervorruft. Bei meinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg sehe ich gerne Herden von Kühen, die auf großen Weiden gemütlich in ihrer Herde und mit ihren Kälbchen grasen. Sie sind also materiell, sozial und emotional gesund.
Ich schlage daher vor, etwa 200 Kühe, die ohnehin numeriert sind, nach einem Zufallsverfahren in zwei Gruppen einzuteilen. 100 Kühe erhalten ein Hochpotenzmedikament, 100 ein Placebo. Hierbei ist auf die Vermeidung eines häufig begangenen Fehlers zu achten. Das Placebo zu Belladonna D30 ist nicht reines Lösungsmittel, sondern Lösungsmittel D30, da beim Potenzieren Inhaltsstoffe der Luft und herausgelöste Bestandteile des Schüttelgefäßes in das Medikament gelangen.
Die Kosten des Experiments liegen im Prozentbereich anderer wissenschaftlicher Forschungen.

Ein homöopathischer Tierarzt, der die Gruppeneinteilung nicht kennt, hat dann nach einer selbstgewählten Frist festzustellen, welche Kühe ein Arzneimittelbild zeigen und welche nicht. Gelingt der Versuch, ist seine Bedeutung für die Medizin zu vergleichen mit der Entdeckung Robert Kochs, dass viele Krankheiten durch Bakterien verursacht werden und für die Physik mit der Entdeckung der Röntgenstrahlen. Bei positivem Ausgang könnte das Experiment Nobelpreise und Wirtschaftserfolge nach Deutschland bringen.”

Also denn, liebe Homöopathen und Huschi-Fuschi-Fans: Stockholm wartet auf Euch!

Zum Weiterlesen:

  • Auch hinter der sanften Medizin steht eine harte Industrie. Bei Plazeboalarm.
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Amflora II: Die Sache mit dem Resistenz-Gen

Die Zulassung der genetisch veränderten Kartoffelsorte Amflora hat Kritiker auf den Plan gerufen. Von Ulrike Höfkens fragwürdigem Argument mit der “gentechnik-kritischen Öffentlichkeit” war an dieser Stelle bereits die Rede.

Etwas anders geht der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) die Sache an. Denn Amflora enthält ein Antibiotika-Resistenzgen. Genauer gesagt, das Gen für die Neomycin Phosphotransferase II (npt II), das eine Resistenz gegen die Antibiotika Kanamycin und Neomycin bewirkt. Deshalb befürchtet der BUND,

“… dass beim Verzehr der Genkartoffel das Antibiotikaresistenz-Gen auf Bakterien übertragen wird, die im Magen-Darm-Trakt von Mensch und Tier leben. Bakterien mit Antibiotikaresistenz-Genen können dazu führen, dass Krankheitserreger gegen bestimmte Antibiotika unempfindlich werden und damit nicht mehr mit diesen Antibiotika bekämpft werden können.”

Ein beängstigendes Szenario. Aber auch realistisch? Gelassener beurteilt der Biologe und SKEPTIKER-Autor Johannes Bergler die Situation:

“Sowohl die stabile Aufnahme loser DNA-Fragmente aus der Nahrung als auch die Übertragung des Gens von der Pflanze auf Bakterien ist sehr unwahrscheinlich und wäre zudem bei Abwesenheit desAntibiotikums kein Selektionsvorteil, daher ginge das Fragment sehr schnell verloren.

Im Übrigen braucht es keine “Genkartoffel”, um mit dem fraglichen Gen (nptII-Gen) in Kontakt zu kommen. Vor allem in Krankenhäusern, aber auch in der freien Natur ist es anzutreffen. Und zwar nicht nur als Fragment, sondern in Form von so genannten Plasmiden, kreisförmigen DNA-Molekülen mit einem oder wenigen Genen, die ständig zwischen Bakterien übertragen werden.

Noch einmal Bergler:

“Wer also nicht konsequent nur mit Schutzanzug das Haus verlässt und sein Vieh im Reinraum hält, der kommt ohnehin regelmäßig mit resistenten Bakterien in Kontakt, die  im Fall einer Antibiotika-Behandlung Probleme machen können – sofern es sich um Krankheitserreger handelt und ausschließlich mit Kanamycin behandelt wird.”

Mehr Informationen über Grüne Gentechnik gibt es im aktuellen SKEPTIKER 1/2010.

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Amflora I: Die Skeptiker und die Genkartoffel

In diesen Tagen hat die EU-Kommission den Anbau der genetisch veränderten Kartoffelsorte Amflora erlaubt. Amflora ist nach der Maissorte MON 810 die zweite gentechnisch veränderte Pflanze, die in der EU angebaut werden darf.

Für den Kochtopf ist die Knolle nicht bestimmt. Vielmehr liefert sie als Industriekartoffel Stärke, beispielsweise zur Papier-, Garn- und Klebstoffherstellung. Normalerweise enthalten Kartoffeln zwei Sorten Stärke, Amylopektin und Amylose. Weil für die industriellen Anwendungen nur Amylopektin gebraucht wird, muss die Amylose in einem aufwändigen Prozess abgetrennt werden. Bei Amflora ist dies nicht mehr nötig, da sie fast ausschließlich Amylopektin enthält.

Scharfe Kritik an der Zulassung von Amflora kam von der Grünen-Bundestagsabgeordneten Ulrike Höfken. Die Entscheidung “brüskiert die gentechnik-kritische Öffentlichkeit”, wird Höfken in der FAZ zitiert.

“Gentechnik-kritische Öffentlichkeit”?! Moment mal:

Zwar schneidet die Grüne Gentechnik bei Befragungen tatsächlich schlecht ab. So lehnten bei einer Forsa-Umfrage im Mai letzten Jahres 78 Prozent der Befragten gentechnisch veränderte Lebensmittel ab.

Aber genügen solche Meinungsbilder als Argument?

Sagen wir mal so: Um eine Technologie angemessen zu beurteilen, müssen Chancen und Risiken abgewogen werden, und dazu braucht es fundiertes Wissen.

Genau daran mangelt es in der aktuellen Gentechnik-Diskussion, bedauert der Biologe Johannes Bergler, der sich im aktuellen SKEPTIKER mit häufigen Argumenten gegen die Grüne Gentechnik beschäftigt. Kein Wunder angesichts der großteils verzerrten, gentechnik-feindlichen Berichterstattung im Fernsehen und im Web, findet Bergler:

“In den Medien haben es die Gegner (…) wesentlich leichter, da ein plakatives irrationales Argument in wenigen Sekunden vorgebracht ist, während seine sachliche Widerlegung mindestens die zehnfache Zeit beansprucht.”

Nun, so viel Zeit muss sein.

Zum Weiterlesen:

  • Johannes Bergler: Grüne Gentechnik. Eingebildete Gefahren. SKEPTIKER 1/2010, S. 13-21.
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Skeptiker oder Gläubiger – Wie hast du’s mit der Astrologie?

Einmal im Jahr finde ich morgens auf meinem Schreibtisch eine wirklich prima Eierlikör-Torte vor – dann weiß ich, dass ich mal wieder ein Jahr älter geworden bin. 
Zur Feier des Tages gleich mal mein Horoskop gegoogelt:

Fische 19.2-20.3.

Fische haben eine sehr hochentwickelte Sensibilität und nehmen diese als Vorwand, um fehlende Intelligenz zu vertuschen.
Dabei machen sie sich zum Hampelmann der Nation.
Zu allem Unglück sind Fische auch noch so naiv, dass sie gar nicht merken, wer sich alles über sie lustig macht.
Um eine gewisse Schadensbegrenzung bei den Fischen zu erreichen, müssen sie ständig beaufsichtigt werden.
In der Öffentlichkeit sind Fische an der Leine zu führen. Idealberuf: Klofrau/mann”

Soso. Oder hier:

Fische

Illusionen:

Die leicht verführbaren Fische lieben Magie und Märchen. Sie lassen sich so gerne belügen und betrügen, aber im wahren Leben wird ja eher davon abgeraten. Nur wenn ein Zauberkünstler auftritt oder ein Erzähler aus 1001 Nacht, dann geben sich Fische losgelöst vom harten Alltag schwerelos dem Vergnügen hin.”

Na, ist das wirklich so? Warum “einige Menschen an Astrologie glauben und andere nicht”, möchte die Psychologiestudentin Nathalie Rohde von der WWU Münster herausfinden. Dazu schreibt sie uns:

“Es wäre super, wenn Sie mich bei meinem Vorhaben unterstützen könnten, indem Sie den Link zu dem Fragebogen in Ihren Blog stellen, sodass ich möglichst viele Teilnehmer für meine Studie gewinnen kann.”

Machen wir gerne. Zumal die Arbeit von Prof. Wolfgang Hell, zweiter Vorsitzender des GWUP-Wissenschaftsrats, betreut wird. Und hier ist der Link.

Viel Erfolg!

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Homöopathie bei Kindern und Tieren

Schöner Artikel über die GWUP heute in der Welt: “Nach Ufos kommt nun die Homöopathie für Tiere”.

Leserkommentare ließen natürlich nicht lange auf sich warten. Darunter auch der folgende, von einem User, der anscheinend nur die Überschrift gelesen hat:

 Was heißt hier “nun”? Homöopathie wird seit Jahren erfolgreich in der Veterinärmedizin eingesetzt, das ist doch n alter Hut. Eine Bekannte von mir arbeitet in ‘ner Tierarztpraxis und da ist das ganz selbstverständlich.
Ich persönlich wende homöopathische Medizin seit etwas über einem Jahr erfolgreich an. Übrigens: Da diese auch bei Tieren und Säuglingen funktioniert, kann von einem Placebo-Effekt keine Rede sein.”

Mal wieder die uralte Leier. Aber schließlich wusste schon der französische Schriftsteller André Gide: “Alles ist schon einmal gesagt worden. Aber weil niemand zuhört, muss man es immer wieder aufs Neue sagen.”

Also denn, beginnen wir mit dem Grundlagenaufsatz “Erfolge der Homöopathie – Nur ein Placebo-Effekt?” von Dr. Rainer Wolf und Prof. Jürgen Windeler auf unseren GWUP-Seiten:

“Bei Kleinkindern und Tieren gebe es keinen Placebo-Effekt, also sei in diesen Fällen der Behandlungserfolg direkt abzulesen? Weit gefehlt! Selbstverständlich gibt es Placebo-Effekte in Form von Suggestion auch bei Kindern. Jeder Kinderarzt weiß, dass man die Mutter in die Behandlung einbeziehen muss: Sie ist Hauptempfänger der psychosozialen Botschaft und gibt sie als ihre Erwartungshaltung unbewusst an das Kind weiter.

 Placebo-Effekte wies man in Doppelblindversuchen auch bei Haustieren nach. Diese können die Körpersprache vertrauter Bezugspersonen lesen. Erleben sie deren Vertrauensverhältnis zu dem ihnen unbekannten Therapeuten, so reagieren sie konditioniert im Sinn einer Placebowirkung. Wird das Placebo-Präparat auch noch mit liebevoller Hinwendung verabreicht, hat die Heilung gute Chancen. Zusätzlich führt die Erwartungshaltung des behandelnden Arztes bei diesem selbst zu selektiver Wahrnehmung: Er neigt dazu, Heilerfolge zu diagnostizieren, die er unbewusst zu finden erwartet.”

 

Weiter geht’s mit einem Artikel aus der Süddeutschen Zeitung von 2008:

“Warme Luft ist bei Kindern oft genauso wirksam wie eine Schmerztablette. Auch wenn die Wunde noch so brennt: Sobald die Eltern pusten, ist der Schmerz meist schon wieder vergessen. Der Lufthauch ist eines der besten Placebos der Welt – ein Medikament ohne chemischen Wirkstoff also.
Wie stark gerade Kinder auf solche Scheinmedikamente reagieren, haben französische Wissenschaftler nun erneut gezeigt. In der Fachzeitschrift Public Library of Science Medicine berichten sie, dass der Placeboeffekt bei Kindern mit Epilepsie doppelt so groß ist wie bei Erwachsenen (Bd.5, S.e166, 2008)”

Alles Einbildung? Oder noch besser: eingeredet? Nein – lesen wir zum Beispiel bei der Stiftung Warentest:

“Die Placebowirkung ist keine Einbildung. Placebos bewirken im Körper messbare Veränderungen. So aktiviert die Gabe eines Placebo-Schmerzmittels im Gehirn die gleichen Regionen wie das wirkstoffhaltige Medikament, und es werden körpereigene schmerzhemmende Substanzen ausgeschüttet. Wenn ein Parkinsonkranker ein Medikament erhält, das seine Beweglichkeit verbessern soll, steigt der Spiegel von Dopamin im Gehirn, einem Botenstoff im Nervensystem. Die Dopaminkonzentration erhöht sich aber auch, wenn er ein Placebo einnimmt.

Der Grund dafür ist die Erwartung, die der Patient mit der Einnahme des Mittels verknüpft. Und weil sich auch kranke Kinder und Tiere von einer Behandlung Linderung und Besserung erhoffen und positiv auf die intensive Zuwendung reagieren, weisen Therapien auch bei ihnen Placeboeffekte auf.”

Ein erhellendes Video (Englisch) hat Florian Freistetter bei Astrodicticum simplex hochgeladen. Dort erklärt der englische Arzt und Publizist Ben Goldacre nochmal explizit, dass Placebos auch bei kleinen Kindern und Tieren wirken.

Vielleicht hört ja mal jemand zu.

Ach ja, prüfbar ist die Frage, ob Homöopathie bei Tieren tatsächlich über konkrete Mechanismen (also über “die Kraft in der Pille”) oder bloß über die kulturelle Bedeutung der Therapie wirkt, übrigens auch. Mit vergleichsweise geringem Aufwand wären damit zudem mehrere Nobelpreise zu gewinnen.

Wie, verraten wir nächste Woche.

Zum Weiterlesen:

  • L. Hektoen: Review of the current involvement of homeopathy in veterinary practice and research. In: Vet Rec. 2005 Aug 20;157(8):224-9.

 

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PSIdiotie II: Studenten, die auf Trickser starren

Von den “Hirnis” im Pentagon und leichtgläubigen Geheimdienstlern war in unserem letzten Blogging die Rede. Doch Militärs und Schlapphüte haben keineswegs ein Monopol auf den Irrationalismus.
Heute deshalb ein weiterer Auszug aus “Parapsychologische Kriegsführung“, dem Buch des Journalisten Ronald M. McRae, der sich schon zwanzig Jahre vor Jon Ronson mit den “streng geheimen Psi-Forschungen der Großmächte” beschäftigte. Diesmal geht es um Studenten an einer amerikanischen Uni.

Der Glaube an Psi-Phänomene, die aus reinem Bluff bestehen, ist leicht zu erzeugen und nur schwer zu erschüttern. Die vielleicht beste Demonstration der Bereitwilligkeit von sogar hochgebildeten, alles hinterfragenden Menschen, Psi-Mummenschanz zu schlucken, wurde 1980 von den Psychologen Barry Singer und Victor A. Benassi von der California University in Long Beach in dem Aufsatz Wie man Leute ständig hereinlegt gemeldet.

Singer und Benassi ließen vor vier Klassen den Bühnenzauberer Craig Reynolds auftreten. Zwei Klassen schwindelten sie vor, der in einem purpurnen Chorgewand, Sandalen und einem Sternschnuppen-Medaillon auftretende Reynolds sei ein “graduierter Student, der sich für die Psychologie des Paranormalen bzw. Psi-Fähigkeiten” interessiere.

Die Lehrer wiesen darauf hin, dass sie von den medialen Fähigkeiten Reynolds oder irgend eines anderen “persönlich nicht überzeugt” seien. In zwei anderen Klassen wurde Reynolds als Zauberkünstler vorgestellt, und man versah die Studenten mit dem Hinweis, sämtliche Kunststückchen, die er vorführe, seien “leichte Amateurtricks, die seit Jahrhunderten praktiziert und sogar in Zauberkästen für Kinder erklärt” werden.

Dann las Reynolds in jeder Klasse mit verbundenen Augen dreistellige Zahlen vor, verschmierte Zigarettenasche auf die Handrückseiten einer Studentin, transferierte sie anschließend auf ihre Handinnenflächen und verbog eine Eisenstange, indem er sie mit den Fingern streichelte. Die Studenten sangen derweil im Chor “Verbieg sie!”

Die Ergebnisse des Experiments waren für jeden beunruhigend, der die Absicht hatte, an der University of California zu studieren. Es war nicht nur so, dass drei Viertel der Studenten in den Klassen, wo man Reynolds als Medium vorgestellt hatte, seine Show schluckten – zwei Drittel der Studenten jener Klassen, in denen er als Zauberkünstler eingeführt worden war, waren ebenso fest davon überzeugt, er müsse ein Medium sein. Es gab Studenten, die ihre Papiere mit Talisman-Symbolen zum Schutz gegen den Teufel bedeckten und Exorzismen anstimmten. Achtzehn prozent meldeten “Furcht und gefühlsmäßige Erregung”,

Singer und Benassi waren bei beiden Reynoldsschen Vorstellungen zugegen. In der Mitte des Verbiegungsgesanges, berichteten sie, “war die Klasse in einem schrecklich erregten Zustand. Die Studenten saßen starr auf ihren Stühlen, hatten glasige Augen, den Mund weit aufgerissen und sangen im Chor.
Als die Stange sich verbog, keuchten und murmelten sie. Nachdem die Unterrichtsstunde beendet war, saßen sie still auf ihren Stühlen, starrten leer vor sich hin, schüttelten den Kopf oder rannten aufgeregt auf Craig (Reynolds) zu, um ihn zu fragen, wie sie solche Kräfte entwickeln könnten.”

Singer und Benassi nennen die Ergebnisse ihres Experiments “bizarr” und weisen darauf hin, dass “Menschen stur den Glauben an jemandes geistige Kräfte aufrechterhalten, auch wenn sie es besser wissen. [...] Sind wir Menschen wirklich so närrisch? Ja.”
Zum Weiterlesen:
  • Andreas Hergovich: Die Wirkung von Zaubertricks auf Para-Gläubige und Skeptiker. In: Skeptiker 1/2003
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