BGH-Urteil gegen „Guru“: Alternativmedizin war wieder einmal beinahe tödlich

Guter Artikel in der Süddeutschen zum Urteil gegen den “Guru von Lonnerstadt”.

Der Mann ist ein Vollesoteriker, der sich “Lehrer der zeitlosen Weisheit” nennt und den schwerkranken Sohn seiner Lebensgefährtin mit “alternativen” Heilverfahren “quälte”, so der Vorsitzende Richter.


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Der Junge überlebte, weil er zu seinem leiblichen Vater floh.

Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe verwarf gestern die Revision der Angeklagten gegen die Verurteilung des Landgerichts Nürnberg-Fürth aus dem Jahr 2014 wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen.

Der Guru und seine Frau müssen drei Jahre in Haft.

Dazu schreibt die Medizinjournalistin Christina Berndt:

Wie häufig solche fatalen Fehlbehandlungen sind, lässt sich statistisch kaum erfassen. Schulmediziner müssen auf Nebenwirkungen hinweisen, doch diese Information findet bei alternativen Therapien gemeinhin nicht statt. So sind es vor allem Einzelfälle, die durch Juristen oder Journalisten bekannt werden [...]

Doch es sind nicht nur die extremen Fälle der unterlassenen Behandlung, die alternative Medizinmethoden gefährlich machen können.

“Die Therapien haben zum Teil auch direkte Nebenwirkungen”, betont Edzard Ernst. Das gilt besonders für pflanzliche Arzneimittel, die im Körper mit anderen Mitteln auf oft unerwartete Weise wechselwirken. Dass Patienten dies meist nicht ahnen, verstärkt die Probleme. Denn sie lassen ihre Ärzte im Unklaren über die zusätzlichen Mittel, die sie auf eigene Faust einnehmen [...]

Dabei ist es weniger das Problem, dass die Medizin abseits der Schulmedizin an sich gefährlich ist [...] “Viele Alternativbehandlungen sind harmlos”, so Ernst. “Aber leider sind die Behandler nicht immer harmlos.”

Dann nämlich, wenn sie ihre Kompetenzen überschreiten, Diagnosen verkennen oder lebensrettende schulmedizinische Behandlungen unterlassen.”

Zum Weiterlesen:

  • Naturheilunde: Wenn Eltern ihre Kinder gefährden, Süddeutsche am 4. August 2015
  • BGH bestätigt Haftstrafe für Esoterik-Paar, Ärztezeitung am 4. August 2015
  • “Guru von Lonnerstadt” muss drei Jahre in Haft, Welt-Online am 4. August 2015
  • „Another unnecessary death in the making, thanks to cancer quackery, Respectful Insolence am 28. Juli 2015
  • Alternativmedizin“ und der Krebstod der „Wellness Warrior“, GWUP-Blog am 10. März 2015
  • Steve Jobs und die Pseudomedizin, GWUP-Blog am 22. Oktober 2011
  • Kinder oder Religion? Vikas am 4. August 2015

Wenn „Hellseher“ vermisste Kinder finden wollen

Einfach widerlich:

“Hellseher” nutzen Fälle von vermissten Kindern zur schamlosen Eigenwerbung.

Die Märkische Allgemeine unterstützt dieses Treiben auch noch und gibt einem “Medium” ein Forum, das einen “konkreten Hinweis” zum Verbleib des sechsjährigen Elias aus Potsdam abgeben habe.

Ja und?

Rund 650 Personen haben Hinweise abgegeben – aber sicher keine davon hat anschließend der Lokalzeitung ein ausführliches Interview mit Namen und Foto gegeben.

Man weiß nicht, über wen man mehr den Kopf schütteln soll: über den “Seher” oder den willfährigen Stichwortgeber von der Presse.

Eine gewisse Evelyn Störzner (“Hellseherin & Medium”) interviewt sich gleich selbst und platziert das perfide Ergebnis in einem offenen Presseportal:

Ich kann sehen, wo die vermissten Kinder Inga oder Elias sind”

In der dritten Person fährt sie fort:

Auch im Fall des vermissten Elias, erhält die Hellseherin Evelyn Störzner Bilder von einem Ort, an welchem er sich aufhält. In diesem Fall war sie noch nicht bei der Polizei, denn was soll das bringen, wenn dies solange dauert und dann doch nicht nachgesehen wird?

Sie möchte sich nirgends aufdrängen, sie hielt sich hierbei lieber zurück. Jedoch lässt sie auch das Schicksal der Kinder und deren Angehörigen nicht los und sie möchte gerne helfen. Was wäre denn so schlimm, einfach mal nachzufragen ob die Eltern einem Telefonkontakt zustimmen?

In Amerika ist es normal das die Polizei mit einem Medium zusammenarbeitet, nur hier in Deutschland ist es noch nicht soweit.”

Letzteres aus gutem Grund, denn was bei dem Unfug mit “übersinnlichen Ermittlern” herauskommt, haben wir hier schon mal beschrieben, und zwar am Beispiel der Familie Tate aus Aylesbeare, Devon (England), deren Tochter Genette 1978 spurlos verschwand.

In der Folgezeit dienten sich zahllose Hellseher und Wahrsager den Eltern an, mit ihren “übersinnlichen Fähigkeiten” das Mädchen ausfindig zu machen. Ihr Vater John Tate sagte später dazu aus (zit. nach Lynne Kelly: „The Skeptic’s Guide to the Paranormal“):

Es kamen viele Leute zu uns, die uns einen Hoffnungsschimmer gaben. Am Anfang  griffen wir nach jedem Strohhalm. Doch die Versprechungen der ,Medien’ erwiesen sich allesamt als Lügengespinste. Sie weckten nur falsche Hoffnungen.

Manchmal glaubten wir wirklich, wir hätten eine Spur. Die Vorschläge und Ideen der „Sensitiven“ nagten an unserem Verstand. Doch immer, wenn es konkret wurde, führten die angeblichen Spuren nirgendwo hin – außer in tiefste Verzweiflung.

Wir merkten bald, dass die Hellseher, die vor unserer Haustür standen, so eine Art „Vertreter-Typen“ waren, die, wenn sie sich erst einmal eingeschlichen hatten, nicht mehr so einfach wieder fort gingen. Es waren Menschen mit übersteigertem Selbstbewusstsein, die sich unbedingt durchsetzen wollten.

Sie trampelten rücksichtslos auf unseren Gefühlen herum, die ohnehin schon an der Grenze der Belastbarkeit waren. Innerhalb kürzester Zeit versetzten sie uns seelisch völlig in Aufruhr und  der Einfluss dieser Leute begann sich äußerst unangenehm auszuwirken. Selbst wenn wir es nicht wollten – sie waren immer da, auf unserer Türschwelle, und erwarteten, dass sie mit offenen Armen empfangen würden.

Wir merkten bald, dass die Tätigkeit der ,übersinnlich Begabten’ nicht nur unsinnig und lächerlich war – sie war übel und bösartig. Als wir erst einmal in diesem Netz der Täuschungen – und genau darum handelte es sich – gefangen waren, war es für uns sehr schwer, uns wieder frei zu kämpfen.

Nichts von alledem führte jemals zu irgend etwas, außer zu immer neuen Enttäuschungen und Verwirrungen. Die Hellseher und Wahrsager hatten uns mit ihren Suggestionen zu Sklaven und Abhängigen gemacht.“

Zu den beiden mediengeilen “Psychic Detectives” aktuell in Deutschland hat gestern die Kriminalpsychologin Lydia Benecke vom GWUP-Wissenschaftsrat Stellung genommmen.

Bei Facebook schreibt sie:

Es ist eine Schande, dass einige Menschen solche Versprechungen machen, um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Besonders grauenvoll ist es, wenn es um Angehörige von Vermissten geht, denen nachweisbar falsche Hoffnungen in Aussicht gestellt werden. Das ist nicht einfach nur Scharlatanerie, sondern ein Spiel mit den Gefühlen von Menschen, die gerade wirklich ernsthafte Probleme haben und leiden.

In den USA sind Fälle bekannt, in denen Wahrsager vermisste Personen eindeutig für tot erklärt haben und diese lebend wieder aufgetaucht sind.

Dieser Art von egozentrischer, gewissenloser Masche sollte niemand mehr zum Opfer fallen. Gerade dort, in den USA, hat sich noch keiner der selbsternannten “psychischen Ermittler” den von James Randi vor über 50 Jahren ausgesetzten Preis abgeholt, obwohl solche Personen aufgefordert wurden, sich dem Test zu unterziehen.

Die selbsternannte Hellseherin Evelyn Störzner (von der ich heute zum ersten Mal gehört habe) sollte sich der wissenschaftlichen Überprüfung unterziehen, bevor sie auf eine solche Art um öffentliche Aufmerksamkeit bettelt – auf den Rücken leidender und verzwiefelter Menschen.”

Wir erwarten gespannt die Bewerbung von Frau Störzner zu unseren PSI-Tests.

Und raten in der Zwischenzeit allen Angehörigen von Vermissten, die Finger von diesem ans Verbrecherische grenzenden Humbug zu lassen.

Zum Weiterlesen:

  • Psychic Detectives: Was können “übersinnliche” Ermittler? GWUP-Blog am 12. August 2010
  • Wahrheit und Vision: Test eines “Mediums” bei Todesfällen, Skeptiker 1/2011
  • Sind Hellseher sympathisch? GWUP-Blog am 30. September 2012
  • Sind Hellseher seriös? GWUP-Blog am 1. Oktober 2012
  • Sind Hellseher anerkannt? GWUP-Blog am 2. Oktober 2012
  • Sind Hellseher Schwindler? GWUP-Blog am 2. Dezember 2012
  • Erstaunlich, was Hellseher so alles über eine Person wissen, die gar nicht existiert, GWUP-Blog am 9. Juni 2015

Update: Homöopathie in „Report“ jetzt mit Video – sehenswert

Heute Abend gab es bei Report Mainz einen Beitrag zum Thema

Homöopathie auf dem Vormarsch: Trotz zweifelhaftem Nutzen zahlen immer mehr Kassen”

Aus der Ankündigung:

Immer in Eile, so hat Irmhild Jakob ihren früheren Hausarzt erlebt. Heute hat sie dieses Problem nicht mehr. Sie ist Patientin eines Arztes, der zusätzlich auch Homöopath ist.

Er kann sich die Krankengeschichten seiner Patienten ausführlich anhören: Zum Beispiel beim ersten Patientengespräch mindestens eine Stunde lang. Viele Hausärzte dagegen haben gar nicht die Zeit dazu. Außerdem werden sie dafür auch noch schlechter bezahlt.

Wie kommt es zu dieser Ungerechtigkeit?

Ärzte, die auch Homöopathen sind, profitieren von sogenannten Selektivverträgen. Diese haben die Lobbyisten des Zentralvereins homöopathischer Ärzte mit vielen gesetzlichen Krankenkassen bundesweit abgeschlossen.

Vorgesehen ist darin zwar keine Übernahme der Medikamente durch die gesetzliche Krankenkasse, aber Arztkosten werden bezahlt. Obwohl der Nutzen homöopathischer Therapien wissenschaftlich höchst umstritten ist, erstatten immer mehr gesetzliche Krankenkassen die ärztliche Homöopathie.

Kritik daran äußert auch der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen: “Wie die Krankenkassen diese Leistungen propagieren, hat mit Versorgung von Patienten primär nichts zu tun, sondern es ist aus meiner Sicht in der Tat ein reiner Werbegag. Die Finanzmittel, die in solche Leistungen fließen, fehlen natürlich in der Haus- und fachärztlichen Versorgung.”

Dazu passen unsere Postings

Homöopathie, Ganzheitlichkeit und die sprechende Medizin vom 20. April 2013

Ein “Bund” zwischen Ärzten und Heilpraktikern? Das freut nur die Pseudomediziner vom 21. Juni 2015

Die absurde finanzielle Ungleichbehandlung von Ärzten und Heilpraktikern vom 18. Juli 2014

Homöopathie: Nicht Globuli sind entscheidend, sondern die ärztliche Zuwendung vom 18. Juli 2014

Bei Facebook wird die Sendung diskutiert.

Zum Weiterlesen:

  • Homöopathie: „Neue Gedanken“ dazu von einem Kassenvertreter und einer Ärztin, GWUP-Blog am 19. Mai 2015
  • Die Krankenkassen und die Paramed… äh, Alternativmedizin (1) – Wo kommt das her und wie wird man das los? Psiram am 4. November 2014
  • Die Krankenkassen und die Paramed… äh, Alternativmedizin (2) – Dürfen die das? Psiram am 4. November 2014
  • Krankenkassenvoodoo und Voodookrankenkassen: eine kleine Auswertung, Wahrsagerchecks-Blog am 4. Februar 2014
  • Homöopathie-freie Krankenkasse gesucht! Christian Buggischs Blog am 8. April 2015
  • Kranke Kassen und Voodoo, GWUP-Blog am 11. November 2014
  • Zum Beispiel TK: Was die Kassen so alles unterstützen, GWUP-Blog am 2. Februar 2014
  • Nachweislich wirkungslose Medikamente und Krankenkassen, FSMoSophica am 2. August 2014

Neue Studie zur Impfaufklärung: Proaktiv auf die Gefahren der Unterlassung hinweisen

Eine weitere Studie zur Impfaufklärung schlägt vor, statt …

… defensiv die Argumente des Gegenübers zu entkräften, lieber proaktiv die Gefahren der unterlassenen Impfung anführen.”

In einer Zusammenfassung bei spektrum.de heißt es:

Menschen, die Impfungen fürchten, tun dies letztendlich aus Sorge um ihre Kinder. Also setzen wir hier an: bei der Sicherheit der Kinder.”

Der Versuchsaufbau ähnelt dem einer Forschungsarbeit, über die wir im vergangenen Jahr hier berichtet hatten.

Das Ergebnis war allerdings ernüchternd: Keine der getesteten Strategien zeigte bei Eltern von Kindern im impffähigen Alter eine nenneswerte Wirkung.

Spektrum erklärt die jetzt neu gewonnen Erkenntnisse so:

Damals hatten die Studienautoren fünf verschiedene Personengruppen gebildet und ihnen jeweils nur eine Form der Impfaufklärung präsentiert: Die Probanden bekamen beispielsweise entweder Fotos kranker Kinder zu sehen oder den Text der Mutter eines erkrankten Kindes zu lesen.

In der aktuellen Studie scheint daher die mehrschichtige Information der zweiten Probandengruppe der Auslöser für den Erfolg gewesen zu sein [...]

Diese zweite Gruppe wurde auf vielfältige Weise mit möglichen Folgeschäden von Masern, Mumps und Röteln konfrontiert: Die Probanden bekamen jeweils Fotos von erkrankten Kindern zu sehen, zudem lasen sie den Text einer Mutter, die über die Masernerkrankung ihres Kindes schrieb, und bekamen zuletzt auch drei kurze Mahnungen zur Bedeutung von Impfungen zu lesen.

Dabei zeigte sich die größte Änderung der Meinung bei denjenigen, die zuvor beim Thema Impfen die größte Skepsis an den Tag gelegt hatten.”

Vor allem der Erfahrungsbericht der Mutter änderte die Einstellung der Befragten, ergänzt Spiegel-Online:

Eltern, die Impfungen skeptisch gegenüber stehen, sorgen sich um das Wohl ihrer Kinder. Sie wollen, dass ihre Kinder gesund sind. Das wollen auch die Ärzte. Anstatt ihre falsche Vorstellung zu bekämpfen, erinnert man sie besser daran, warum Impfungen die beste Möglichkeit sind, ihre Kinder zu schützen.”

Klar dürfte aber auch sein, dass der harte Kern der Impfgegner gegen jedwede Argumentation absolut resistent ist, wie man bei Dinge, die Impfgegner sagen jeden Tag nachlesen kann:

Kinderleben retten – vor was denn??”

Außerdem wachsen Impfstoffe doch auf Bäumen und jeder kann sie sich ganz einfach pflücken:

Impfen b

Impfen a

Da halten wir es wohl am besten mit Dr. David Bardens, der bei seinem Skepkon-Vortrag sagte:

Wir können diejenigen überzeugen, die noch im Zweifel sind, ob sie ihre Kinder impfen lassen sollen oder nicht. Mit den Hardlinern brauchen wir es gar nicht erst zu versuchen.”

Zum Weiterlesen:

  • Wie sich Impfgegner umstimmen lassen, spektrum.de am 3. August 2015
  • Impfen: Wie skeptische Eltern ihre Meinung ändern, Spiegel-Online am 4. August 2015
  • Was tun gegen Impfgegner? Jetzt sind Emotionen gefragt, GWUP-Blog am 18. Februar 2015
  • Impf-Aufklärung: Persönliche Storys zählen mehr als Fakten, GWUP-Blog am 20. März 2015
  • Jenny McCarthy, ein Shitstorm und die Frage nach der besten Impfaufklärung, GWUP-Blog am 17. März 2014
  • Video: Die “gefährlichen” Zusätze in Impfstoffen, GWUP-Blog am 2. August 2015
  • Das fatale Natürlichkeitsdenken der Impfgegner, GWUP-Blog am 11. Mai 2014

PSI-Tests 2015: So geht es weiter mit dem Überraschungskandidat

Der kurze Bericht über den ersten PSI-Test-Kandidaten Erich Schmid ist jetzt auch auf der Homepage von Spiegel-TV zu finden, und zwar hier.

Zum zweiten Kandidaten Bernd Textor hat Versuchsleiter Dr. Rainer Wolf heute folgende Erklärung abgegeben:

Für das überraschend gute Mutungsergebnis unseres Kandidaten Bernd Textor (36 Treffer bei 50 Versuchen; bei einem Zufallsergebnis wären nur zirka 25 Treffer zu erwarten) bieten sich aus meiner Sicht drei Erklärungsmöglichkeiten an:

1. Der Kandidat verfügt mit seiner Winkelrute über eine aus heutiger Sicht paranormale Fähigkeit. Dies wird sich bei weiteren Tests herausstellen, zu denen wir ihn einladen werden.

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Nach den von der GWUP festgelegten Regeln bekommt er das von uns ausgelobte Preisgeld von 10.000 Euro erst dann, wenn ihm beim Wiederholungstest 40 oder mehr Treffer gelingen und er danach auch den zweiten Testabschnitt besteht, bei dem er bei weiteren 60 Versuchen mindestens 46 Mal erfolgreich sein muss.

2. Es handelt sich schlicht um Zufallstreffer – der Kandidat hatte (sehr) viel Glück.

3. Es gab „sensory leakage“: Versuchsaufbau und -ablauf ermöglichten es dem Kandidaten, durch subliminale Reize, die er bewusst oder unbewusst verarbeiten konnte, überdurchschnittlich oft richtige Angaben zu machen.

Der Schlauch war zwar völlig undurchsichtig; selbst der grüne Lichtstrahl eines 200 mW starken Lasers drang nicht durch seine Wand. Und als Versuchsleiter konnten wir selbst weder am äußeren Erscheinungsbild des Schlauchs, noch anhand von Geräuschen ablesen, ob Wasser hindurchfloss oder nicht.

Nahm man jedoch den Schlauch in die Hand oder legte ihn ans Ohr (beides war dem Kandidaten selbstverständlich streng untersagt), konnte man leise Fließgeräusche wahrnehmen.

Mögliche Fehlerquellen waren auch, dass der Schaltraum, in dem Wasser bzw. Pressluft in den Schlauch eingeleitet wurden, zwar durch drei Türen vom Testraum abgeschirmt war, diese aber wegen der Schlauchdurchführung einen kleinen Spalt offen bleiben mussten.

Außerdem ging der Kandidat bei seinem Weg in den Warteraum regelmäßig außen an dem Schaltraum vorbei, von dem ihn dann nur eine fest verschlossene Tür trennte.

Obwohl es nach unserer Auffassung keine wahrnehmbaren Indizien gab, werden wir bei der Wiederholung unseres Tests – hoffentlich im Einvernehmen mit dem Kandidaten – einige wesentliche Änderungen vornehmen:

a) Um Fließgeräusche am Wasserhahn zu vermeiden, werden wir einige Stockwerke über dem Testraum ein großes Wasserreservoir schaffen, von dem aus wir lauwarmes Wasser durch einen Saugheber dank des hydrostatischen Drucks ganz von selbst nach unten fließen lassen (kaltes Wasser könnte durch Kondensation an der Schlauchoberfläche Indizien vermitteln).

b) Der Schlauch wird im gesamten Verlauf ein Gefälle haben, so dass der Zustand „leer“ sich nach kurzer Zeit dank der Schwerkraft auch ohne Pressluft einstellt, sobald das Schlauchende nicht mehr in das Wasser eintaucht. Damit scheidet auch die Pressluft, mit der wir bisher das Restwasser aus dem Schlauch trieben, als mögliche Geräuschquelle aus.

c) Das ausfließende Wasser wird per Gefälle mit dem Schlauch direkt in den kleinen See geleitet, der sich neben dem Biozentrum befindet. Ein Sichtschutz wird dafür sorgen, dass am See keine verräterischen Wasserströmungen sichtbar werden.

d) Sollte der Kandidat auf einem höheren Wasserdurchfluss sowie als Alternativzustand auf strömende Druckluft bestehen, werden wir eine mögliche Schallübertragung wirksam abdämmen und den Kandidaten außerdem bitten, Schallschützer an den Ohren zu tragen.

e) Es versteht sich von selbst, dass der Kandidat rechtsverbindlich erklären muss, keine unerlaubten technischen Hilfsmittel heimlich einzusetzen.

Ich bin auf das Ergebnis des geplanten Replikationsversuchs gespannt, sehe im aber mit Ruhe entgegen.”

Zum Weiterlesen:

  • PSI-Tests 2015: Bestes Ergebnis aller bisheriger Versuche, GWUP-Blog am 30. Juli 2015
  • PSI-Tests bei “Spiegel-TV”, GWUP-Blog am 3. August 2015
  • GWUP-Infos: Wie kommt die statistische Hürde zustande, die die Kandidaten im Erfolgsfall überspringen müssen?
  • Psi-Tests an der Uni: Paranormale Fähigkeiten entdeckt? Würzburg erleben am 3. August 2015

Das Morbach-Monster: Eine deutsche Werwolf-Sage

Die Fortean Times widmete ihre Juli-Titelgeschichte dem “Morbach Monster”, einer Werwolf-Sage aus dem Hunsrück.

Wir haben uns damit bereits im Skeptiker und in dem Buch “Sie sind mitten unter uns” beschäftigt.

Hier das entsprechende Kapitel daraus:

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Der Hunsrück. Ausgedehnte Wälder und breite Wiesen. Schmale Pfade, rauschende Bäche, schmucke Ortschaften. Einzigartige Natur – und Refugium des letzten Werwolfs in Deutschland?

Es ist ein nebliger Herbstabend im Jahr 1988. Die Dunkelheit hat sich schnell und vollkommen über die Luftwaffenbasis Hahn gesenkt und wird nur noch von einem kräftigen Vollmond beleuchtet.

Eine kleine Gruppe von amerikanischen Soldaten macht sich auf den Weg zu ihrem Posten. Die fünf jungen Männer bewachen ein großes Munitionsdepot bei Morbach.

Unterwegs kommen die Soldaten an einem Heiligenhäuschen vorbei, das der Jungfrau Maria geweiht ist. Normalerweise flackert in dem Schrein eine Kerze, die nicht bloß die Finsternis etwas zurückdrängt, sondern auch eine klassische Nachtgestalt von den Menschen fernhalten soll. In der nahen Kreisstadt Wittlich habe man nämlich dereinst ein Werwolf getötet.

Nach einer alten Legende kehrt die Bestie zurück, wenn die Kerze jemals erlischt. An diesem Abend erhellt kein schmales Lichtbündel das religiöse Wahrzeichen. Die Flamme ist ausgegangen.

Noch sät das merkwürdige Omen den Wachsoldaten keine Furcht ins Gemüt. Aber in derselben Nacht kommt es zu einem Zwischenfall. Sensoren an der kilometerlangen Umzäunung des Munitionslagers lösen Alarm aus.

Als Sicherheitsleute die Stelle erreichen, sehen sie eine hundeartige Gestalt, die sich auf die Hinterläufe stellt und über den drei Meter hohen Zaun springt. Das Wesen löst sich in der Dunkelheit auf.

Einer der Soldaten brüllt los:

Stehenbleiben, Sie nähern sich einem Sicherheitsgelände der US-Army. Wenn Sie sich nicht zu erkennen geben, habe ich den Befehl, von der Schusswaffe Gebrauch zu machen.“

Kein Laut durchschneidet die nächtliche Stille. Auch der Wind ist eingeschlafen.

Aber dann geschieht es:

Plötzlich lief das Ding wieder in meine Richtung!“,

berichtet der Wachmann später.

Ich habe meine Waffe in Anschlag gebracht und geschrien: Das ist meine letzte Warnung! Geben Sie sich zu erkennen oder ich schieße! Dann brüllte etwas im Wald. Ich habe noch nie einen Waldlöwen brüllen hören, aber mein Schwager hat mir davon erzählt. Er meinte, der Löwe hört sich an wie eine Frau, wenn sie in Todesangst nach Hilfe ruft. Und genau so hat sich das Ding angehört.

Natürlich weiß ich, dass es in Deutschland gar keine Waldlöwen gibt. Aber es war irgendetwas im Wald und es war mindestens zwei Meter groß und hat einen Lärm gemacht wie ein tollwütiger Wolf.”

Kameraden rücken zur Verstärkung aus, auch ein Suchhund wird zu dem Waldstück gebracht. Aber das Tier zieht den Schwanz ein und bewegt sich keinen Meter in das Dickicht hinein.

Der amerikanische Sagenforscher D.L. Ashliman staunte nicht schlecht, als ihn im Oktober 1997 diese Geschichte anonym und per E-Mail erreichte. Ein deutscher Werwolf? Im ausgehenden 20. Jahrhundert?

Bald nach der Veröffentlichung meldete sich ein weiterer US-Soldat, der das Monsterwesen sah und die nächtliche Begebenheit als real bestätigte:

I was stationed at Hahn Air Base, Germany, from May 1986 to August 1989 as a security policeman, and it was my group that witnessed the Morbach Werewolf. Whoever told you the story about the monster that you put on your website had very accurate information.

The creature that we saw was definitely an animal and definitely dog or wolf like. It was about seven to eight feet tall, and it jumped a twelve-foot security fence after taking three long leaping steps.”


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Nicht nur in dem Volksmärchen „Rotkäppchen“ verbirgt sich eine Werwolf-Saga aus deutschen Landen.

Auch durch den Hunsrück streift mit unverminderter Lebenskraft ein dämonisches Ungeheuer, das zum Standardrepertoire des Gruselpersonals zählt. In fiktionaler und möglicherweise auch nicht-fiktionaler Literatur.

Schon antike Historien und Mythologien spiegelten den Werwolf-Glauben wider und beinhalteten Geschichten von Wer-Bestien, gewöhnlich mit einem persönlichen Kommentar des Autors versehen.

Herodot etwa, der antike griechische Geschichtsschreiber, berichtet von einer osteuropäischen Volksgruppe, den Neuri, die sich laut dem Zeugnis ihrer Nachbarn, der Scythianer, einmal jährlich allesamt in Werwölfe verwandelten.

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Herodots Anmerkung:

Ich persönlich glaube diese Geschichte nicht, aber sie versichern es dennoch und schwören, es sei die Wahrheit.“

Ähnlich zurückhaltend äußert sich Plinius der Ältere in seiner Naturalis Historia:

Mit allem Nachdruck verurteilen wir die Geschichten von Menschen, die in Wölfe verwandelt werden und dann zu ihrer ursprünglichen Gestalt zurückkehren, als unwahr.“

Und das Monster von Morbach?

Müssen wir die Erzählungen und Berichte vom deutschen Werwolf in freier einheimischer Wildbahn ebenfalls als unwahr verurteilen? Auch wenn wiederum viele es versichern und schwören, dies sei die Wahrheit?

Und was hat es mit Wittlich (im rheinland-pfälzischen Landkreis Bernkastel-Wittlich) als dem angeblich letzten Schauplatz einer Werwolfjagd auf sich?

Wir finden die Geschichte auf einer amerikanischen werewolfpage, die Originalquelle bleibt im Dunkeln. Und so fängt es an:

The town of Wittlich is said to be the last place in Germany where a werewolf has been killed.”

In seiner menschlichen Gestalt hieß das Untier Thomas Johannes Baptist Schwytzer, ein Elsässer, der als Soldat in Napoleons Armee diente. Der Russlandfeldzug von 1812 geriet jedoch zum Desaster für die französischen Truppen. Schwytzer desertierte und versuchte sich bis in seine Heimat durchzuschlagen.

Bei Wittlich überfiel er völlig ausgehungert einen Bauernhof. Er brachte den Gutsbesitzer um, der sich ihm in den Weg stellte, und meuchelte die drei Söhne. Die Bäuerin schrie Schwytzer eine grässliche Verwünschung entgegen, auf dass er sich bei jedem Vollmond in ein Tier verwandeln solle. Dann schlug er auch ihr den Schädel ein.

Aber der Fluch verfehlte seine Wirkung nicht. Mit Thomas Johannes Baptist Schwytzer ging eine unfassbare Veränderung vor sich. Er verlor alle Hemmungen, wurde brutal und unmenschlich.

Er raubte, mordete, plünderte, brandschatzte. Selbst das Gesindel, das er um sich geschart hatte, bekam es mit der Angst zu tun und floh vor seiner Bosheit. Hinter vorgehaltener Hand flüsterte man sich Gerüchte zu, von einem großen Wolf, der wie ein Mensch auf zwei Beinen lief und in hellen Vollmondnächten Mensch und Tier grausam dahinschlachtete.

Werwolf

Eines Tages schändete Schwytzer ein junges Mädchen namens Elisabeth Beierle, die liebreizende Tochter eines ansässigen Bauern. Diese Tat rüttelte endlich die Bevölkerung auf. Der Ex-Soldat und Deserteur wurde gejagt und schließlich gestellt, als er nichtsahnend an seinem Lagerfeuer saß.

Ein Fluchtversuch endete in der Nähe von Morbach. Schwytzer wurde getötet und an einer Wegkreuzung begraben. Dort errichteten seine Häscher ein Heiligenhäuschen und entzündeten eine geweihte Kerze, die den Geist des mutmaßlichen Werwolfs für immer bannen sollte.

Elisabeth Beierle brachte neun Monate später ein Kind zur Welt. Der Junge wuchs zu einem respektablen Bürger Morbachs heran und zeigte keinerlei Anzeichen des Werwolffluchs.

Soweit die zwei Jahrhunderte alte Vorgeschichte des Morbach-Monsters, das heute in den dunklen Forsten des deutschen Mittelgebirges umgeht.

Sogar bis nach Chicago, zur Metal-Band „Usurper“, ist das schaurige Geheul der Bestie vorgedrungen.

In „Return of the Werewolf” singen die Schwermetaller:

Wittlich Deutschland. The site of the Last werewolf slayed

There is a shrine to the beast Protected by eternal flame

Never to extinguish – The candle must burn

For when the light dies – The creature will return

Winds of chaos summon this lycanthropic spell

Smoke now rises – light soon killed

In the shadow of the full moon – reborn by a dying flame

The candle now extinguished – The curse now spawned again.”

Lebt der Fluch wieder auf? Oder haben wir es bloß mit Ulk und Mummenschanz zu tun?

Das jedenfalls behauptet ein namenloser Kommentator auf der Webseite ufo-und-alienforum:

Als eines Abends im Jahre 1988 wieder mal heftig gefeiert wurde, verkleidete sich ein GI (Größe ca. 210 cm!!) als Werwolf und begab sich zum Depot, um seinen Kameraden auf der Wache mal so richtig einzuheizen. Er rüttelte am Zaun und brach in ein Wolfsheulen aus, dass es seinen Kameraden Angst und Bang wurde.

Der Erfolg blieb nicht aus: ein ziemlich heftiger Alarm und tatsächlich eine Suche nach dem vermeintlichen Eindringling (man bedenke, es war kalter Krieg).“

Ah ja, ein über zwei Meter großer Soldat, der mal eben so ein Werwolf-Kostüm griffbereit hat und eine Lon-Chaney-Gedenkveranstaltung aufführt? Da ist man ja eher versucht, an einen echten Werwolf zu glauben, als an diese pseudo-rationale Deutung.


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Das sieht übrigens auch der Mainzer Volkskundler Matthias Burgard so:

Diese Nachricht ist die übliche Erklärung für ein sagenhaftes Phänomen von jemandem, der nicht an den Wahrheitsgehalt von Sagen glauben mag.“

Und er, der professionelle Sagenforscher? Was hält Burgard vom Morbach-Monster?

Ich bin prinzipiell ein Skeptiker und gehe daher bei den Augenzeugenberichten von Wahrnehmungsirrtümern aus“,

erklärt der Kulturwissenschaftler.

Nichtsdestotrotz stellte Burgard beim Spaziergang im Hunsrücker Wald doch fest, dass sich „mit dem Hintergedanken an die Sage mein eigenes, unterbewusstes Bild dieses Ortes ein wenig zur amerikanischen Perspektive hin verändert hat.”

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Amerikanische Perspektive?

In seiner lesenswerten Forschungsarbeit „Das Monster von Morbach“ schreibt Burgard, die monströse Kreatur gebiete Ehrfurcht vor den düsteren Hunsrückwäldern:

In der dunklen Nacht verwandelt sich die friedliche, abgelegene Hunsrück-Region in eine gefährliche Welt. Die US-amerikanischen Soldaten, die auf Patrouille gehen, verlassen ihre Gemeinschaft und geraten in ein Gebiet, in dem sie ungeschützt sind.


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Wenn der Mond scheint, Nebel vom Grund aufsteigt und der Wind pfeift, kommt eine Furch erregende Landschaft zum Vorschein. Ein unbekanntes Territorium, weit entfernt von der Heimat, breitet sich vor den Soldaten aus.

Gruselige Geräusche aus den windigen Wäldern stören die ansonsten unheimliche Stille in der verlassenen Gegend. In der Ferne ist ein Hundebellen zu hören, oder war es doch ein Wolf? Die Landschaft scheint nicht mehr vom Menschen beherrscht zu sein.“

Sondern von etwas, das in dem Augenblick geboren wurde, als die Menschheit entschied, dass sie nun nicht länger Teil des Tierreichs war.

Auf der ganzen Welt verbreiteten sich Geschichten über menschliche Monster, in denen sich die Tierhaftigkeit des Menschen ausdrückte, die offiziell verleugnet wurde. Der betreffende Mensch erhielt den Körper des Tieres, das in der jeweiligen Gegend am meisten gefürchtet war:

Wer-Tiger und Wer-Bären strichen in Asien umher, Wer-Hyänen lauerten in Afrika auf Beute, Wer-Kojoten machten Mittelamerika unsicher und Wer-Echsen schlängelten sich durch Neuseeland.


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Und in Europa?

Hier waren Wölfe nicht eben beliebt. Sie galten als ebenso schlaue wie bösartige Tiere. Sie wagten es, Menschen anzugreifen und gewannen sogar hin und wieder. Das brachte ihnen den Ruf ein, selbst beinahe menschlich zu sein.

In ihnen manifestierten sich einige unserer schlimmsten Ängste vor verdrängten tierischen Instinkten.

Sollte das schon alles sein?

Ein Schmuddelmonster, das Körperlichkeit, Instinktnatur und dunkle, aufbrechende Triebe symbolisiert? Ist es letztendlich nur unsere Sehnsucht nach einer Wiederverzauberung der spätkapitalistischen Welt, die immer neue Monster gebiert?

Nicht ganz.

Moderne Sagen haben immer auch einen Gegenwartsbezug, sind Reaktion auf psychosoziale, kulturelle und politische Befindlichkeiten, sagt Burgard:

Die Sage ,The Morbach Monster’ dient dazu, sich von der Langeweile, dem Stress und der Spannung zu befreien. Die Geschichte wird auch benutzt, um neue Rekruten einzuschüchtern und eine Gruppenidentität auszudrücken. Sagen haben nicht zuletzt eine Gemeinschaft stiftende Funktion, sie dienen gleichzeitig zur Abgrenzung oder Ausgrenzung des Fremden.”

Die Popularität des Werwolfes sorgt also weiterhin für sagenhaften Gesprächsstoff.

Denn:

Das Angsterlebnis und das magisch-mythische Denken sind zeitlos und gehören zum Dasein des Menschen, das auch in der hochtechnisierten Gegenwart seine ungelösten Rätsel bereithält.”

Zum Weiterlesen:

  • Bernd Harder: Sie sind mitten unter uns – Die Wahrheit über Vampire, Zombies und Werwölfe. Herder-Verlag, Freiburg 2012
  • Skeptiker jagt Werwolf: The Morbach Monster, GWUP-Blog am 5. April 2009
  • Echter Werwolf oder Opfer? GWUP-Blog am 2. Februar 2013
  • German Werwolf statt American Werewolf, GWUP-Blog am 19. Oktober 2010
  • Grün ist der Werwolf, GWUP-Blog am 31. Januar 2010
  • Drei seltene Erkrankungen machen noch keinen Werwolf, GWUP-Blog am 15. August 2012
  • Werwölfe und Vollmond, GWUP-Blog am 17. August 2012
  • Die „Bestie von Gévaudan“: Werwolf, Hybride oder Serienmörder? GWUP-Blog am 30. Juni 2014
  • Hoaxilla #113 – „Der Werwolf von Bedburg“ vom 27. Januar 2013

PSI-Tests bei “Spiegel-TV”

Gestern Nacht gab’s bei Spiegel-TV einen Bericht über die PSI-Tests der GWUP.

Die Wiederholung läuft heute (3. August) um 19.15 Uhr bei n-tv.

Das Video findet sich hier.

Allerdings geht es in dem Beitrag nur um den ersten Kandidaten Erich Schmid, dessen Ergebnis im Rahmen der Zufallserwartung lag – nicht um Bernd Textor, der aufgrund seiner Trefferzahl zu einem zweiten Test eingeladen worden ist.

Zum Weiterlesen:

  • PSI-Tests 2015: Bestes Ergebnis aller bisheriger Versuche, GWUP-Blog am 30. Juli 2015

Frag-würdige VTs oder wie man den „König von Deutschland“ vorführt

Die Frage als Mittel des Zweifels zu gebrauchen”

empfiehlt in diesem Vortrag der Bildungswissenschaftler Merlin Wolf gegen Verschwörungstheorien (Minute 46:30):


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Der “Reichsdeppen”-Kritiker Josef A. Preiselbauer macht’s vor und formuliert “Fragen an Reichsbürger und Staatsleugner”, etwa:

Wer ist heute in Deutschland Besatzungsmacht?

  • Ist die Sowjetunion noch Besatzungsmacht oder ist das auf die einzelnen ehemaligen sowjetischen Teilrepubliken übergegangen? Wie wurde das aufgeteilt? Wo sind die Truppen dieser (ehemals sowjetischen) Besatzungsmacht? Wer organisiert die Belange dieser (ehemals sowjetischen) Besatzungsmacht heute?
  • Oder hat die Sowjetunion das Besatzungsrecht an die USA abgegeben, wenn ja wann und warum und zu welchen Bedingungen? Wie ist der Status für die französische und britische Besatzungsmacht?
  • Wenn die US-amerikanischen Truppen und Stützpunkte in Deutschland Beweis für die Besatzung durch die USA sein sollen, sind dann die über 35 Staaten weltweit, in denen die USA Militärbasen haben, ebenfalls besetzt? Sind die Türkei und der Golfstaat Katar von den USA besetzt
  • Sind die USA und Kanada von Deutschland besetzt, da dort deutsche Soldaten stationiert sind? Sind Afghanistan und die Türkei von Deutschland besetzt, da auch dort deutsche Truppen sind?
  • Wenn BRD & DDR nicht souverän waren bzw. es heute nicht sind, warum konnten sie dann als nichtsouveräne Staaten 1977-78, 1980-81, 1987-88, 1995-96 und 2011-12 nicht-ständige Mitglieder im UN-Sicherheitsrat sein?”

Derweil hat die halbsatirische Webseite Sonnenstaatland den “König von Deutschland”, Peter Fitzek, vorgeführt:

Peter Fitzek gehen die finanziellen Mittel aus und so ist er stets auf der Suche nach neuen Einnahmequellen. Seine neueste Idee: Gemeinden sollen mit Ihren bestehenden Strukturen einfach in seinen Fantasiestaat übertreten und ihre Infrastruktur gleich mitbringen.

Nicht mit uns! Wir haben Fitzek zu einem Termin in ein Frankfurter Hotel bestellt und Ihn sowie seine Entourage kräftig auf den Arm genommen.

Am Ende wird der souveräne Herrscher auch noch handgreiflich, aber seht selbst: Film ab!”


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Über die Aktion “Dein ist der Korb” berichtet auch Vice ausführlich:

Frohen Mutes und gewiss in freudiger Erregung stieg der „König” am 11. Juli mit seinem Gefolge in Wittenberg ins Auto und fuhr 456 Kilometer nach Frankfurt am Main.

Dort angekommen erwartete ihn eine dicke Überraschung. Statt einer Delegation einer hessischen Gemeinde erschien eine Delegation des Sonnenstaatlandes und überreichte ihm symbolisch einen Korb.

Im Korb fand sich neben ein paar Leckereien ein Brief mit folgendem Text: „Lieber Peter! Genau so nah wirst Du Deinem Wunschtraum kommen, dass sich Dir eine Gemeinde anschließt – und nicht weiter! Unsere Gemeinde hat sich leider gegen Dich entschieden [...]

An dieser Geschichte ist ablesbar, wie leichtgläubig Anhänger von Verschwörungstheorien sind – denn bei der „Reichsbürger-Ideologie” handelt es sich um eine klassische Verschwörungstheorie. Aber auch, wie unmöglich es ihnen ist, sich das einzugestehen.

Lieber glaubt man an eine weitere Verschwörung.”

Zum Weiterlesen:

  • Fragen an Reichsbürger und Staatsleugner (BRD-GmbH, Friedensvertrag etc.), Preiselbauer am 29. Juli 2015
  • Bundesregierung gibt zu: Wir sind „Reichsbürger“ – oder vielleicht doch nicht? GWUP-Blog am 7. Juli 2015
  • Viagra in Chemtrails und anderer Nonsens: Verschwörungsfans sind leichtgläubiger, GWUP-Blog am 4. Juni 2015
  • Sind Verschwörungstheoretiker “vernünftiger“? Natürlich nicht, GWUP-Blog am 18. Januar 2015
  • Steuern sind illegal und Beamte gibt es nicht? Kostenloses Buch klärt über „Reichsbürger“ auf, GWUP-Blog am 2. Juni 2015
  • Video: “Verschwörungstheorien im Aufwind?” bei Skeptics in the Pub in Köln, GWUP-Blog am 20. Juli 2015
  • NeuBraunland ist abgebrannt – trotz einer nur milden Geldstrafe für den „König“ Peter Fitzek, GWUP-Blog am 9. Januar 2015
  • Volker Pispers: Die böse Welt, plump erklärt, NDR am 31. Juli 2015
  • Erste Gemeinde wechselt von der Bundesrepublik ins Königreich Deutschland – fast, Vice am 31. Juli 2015
  • Dein ist der Korb! Das Video, sonnenstaatland am 27. Juli 2015
  • Dein ist der Korb! Ein weiteres Kapitel, sonnenstaatland am 17. Juli 2015
  • Königreich Deutschland – Dein ist der Korb – Vorgeschichte, Niederrheiners Blog am 15. Juli 2015

Selbstlose Flüchtlinge – und Fakes von „selbstlosen Flüchtlingen“

Schon wieder …

… findet ein Flüchtling aus Syrien 50 Euro und übergibt sie feierlich dem Rathaus.”

Tatsächlich? Nein.

Diese Meldung, die auf desinformativen rechtspolitischen Seiten kursiert, ist aus einem Bericht im Westfalen-Blatt zusammenmontiert worden.

Auf dem Original-Foto hält der junge Mann aus Eritrea zwar tatsächlich einen Fünfziger in der Hand – es geht jedoch um etwas völlig anderes:

Er hat nur einen 50-Euro-Schein zum Bezahlen dabei. Der Busfahrer der Busverkehr Ostwestfalen GmbH kann diesen nicht wechseln und verweigert ihm die Fahrt.”

Aber wozu dieser Fake? Weshalb sollten rassistische Honks “selbstlose Flüchtlinge” erfinden?

Der Antwort auf diese Frage müssen wir uns ausgerechnet über einen Umweg durch das Hetzportal für “Asylkritiker” annähern – Kopp-Online.

Dort echauffiert sich ein gewisser Peter Harth über eine aktuelle “Medienkampagne” mit der Stoßrichtung

Flüchtlinge sind ehrlicher als der hässliche Deutsche”

Und darum geht es angeblich:

In unseren Asylunterkünften leben selbstlose Engel: Überall im Land gehen prall gefüllte Geldbörsen verloren. Prompt werden sie von Flüchtlingen gefunden und zurückgebracht.

So viel verblüffende Ehrlichkeit soll die beste Medizin sein gegen die »Parolen schmetternden Stammtischbrüder« in Deutschland – schreiben Journalisten [...]

Die Mechanik dahinter ist klar. Durch ein schlechtes Gewissen entsteht Mitgefühl. Aus den anonymen Flüchtlingen werden »Helden des Alltags«.”

Kopp-Online wähnt dahinter “inszenierte Alltags-Märchen”.

Doch in Wahrheit inszenieren hier ganz andere Kreise ihre wohlfeilen Märchen.

Mimikama ist der Sache nachgegangen und hat “das neue Hobby von Rechtsaußen” entdeckt:

Finder erfinden”

Das hat folgenden Grund:

Es gibt ein paar bestätigte Finder-Meldungen von Polizei und Presse.

Die stören so manche Menschen, daher stehlen sie Bilder, die Flüchtlinge abbilden, und bauen eine Pressemitteilungen nach, die einen “weiteren zufälligen Finder” zeigen. Diese Meldungen werden über Facebook verbreitet.

Die Leser bekommen bei der Menge an Meldungen das Gefühl, dass bei den vielen Findermeldungen doch so einiges nicht stimme, und fühlen sich getäuscht von den Medien. Sie können nicht erahnen, dass genau dieses Ziel erreicht werden soll [...]

Das Ziel ist: Durch Falschmeldungen und Verleumdungen soll die normale berichterstattende Presse als Lügner hingestellt werden. Man versucht ein Bild der “Lügenpressse” aufzubauen.

Die Gewinner sind am Ende die selbsternannten “alternativen Nachrichtenportale”, welche “gegen den Mainstream” berichten.”

Und deshalb schreibt sogar Kopp-Online gerne über “ehrliche Flüchtlinge”.

Ja, da kann einem tatsächlich “ein bisschen schwindelig” werden, wie ein Kommentator bei Nothing but the Truth anmerkt.

Zum Weiterlesen:

  • Das neue Hobby von Rechtsaußen: Finder erfinden, mimikama am 1. August 2015
  • Verschwörungstheorien und die “Lügenpresse”, GWUP-Blog am 4. Juli 2015
  • Haben wir eine “Systempresse”? Was ist das überhaupt? Kann man denn noch guten Gewissens Zeitung lesen? Indub.io am 3. November 2014
  • Die Wahrheit über die Lügen der Journalisten, Krautreporter am 24. Oktober 2014
  • Medienkritik, Paranoia und “Alternativ-Journalismus”, GWUP-Blog am 2. November 2014
  • Video: “Verschwörungstheorien im Aufwind?” bei Skeptics in the Pub in Köln, GWUP-Blog am 20. Juli 2015
  • Kopp-Autor in Höchstform: IS-Enthauptungsvideo soll nur eine Inszenierung sein, GWUP-Blog am 28. Juli 2015
  • Flüchtlingsdebatte: Der Terror der besorgten Bürger, SPON am 1. August 2015
  • Der kleine dumme Arier, diaphanoskopie am 14. Juli 2015
  • Freitaler Selbstverständnis, diaphanoskopie am 9. Juli 2015
  • Rassismus in den sozialen Netzwerken: Schäm dich, Facebook! Huffington Post am 29. Juli 2015

Vorsicht Tierheilpraktiker!

Acht Jahre nach der Presseerklärung “Das gibt’s doch nicht: Tierheilpraktiker” warnt die Bundestierärztekammer erneut vor

Tierleid durch falsche Diagnose”

Ein Auszug:

Im Internet und anderen Portalen werben Tierheilpraktiker, Tierpsychologen oder Tierphysiotherapeuten zunehmend mit alternativen Methoden oder geben Ratschläge zur Selbstbehandlung von Hund, Katze und Co. Doch diese sind oft nicht nur wirkungslos, sondern können im schlimmsten Falle auch fatale Folgen für das Tier haben [...]

Was dabei herauskommen kann, zeigen einige Beispiele, die die BTK dokumentiert hat:

  • Ein Hund mit einer schmerzhaften Pfote bekommt vom Besitzer übers Wochenende homöopathische Globuli. Durch die nicht erkannte Vereiterung entsteht eine Blutvergiftung, die umso länger mit Antibiotika bekämpft werden muss.
  • Die seit Tagen verklebten Augen eines Kaninchens werden auf Anraten eines Nicht-Tierarztes mit Augentropfen behandelt. Die Ursache war aber eine in die Augenhöhle durchgebrochene Zahnwurzel. Bei rechtzeitiger Untersuchung und Behandlung durch einen Tierarzt könnte dasTier noch leben.
  • Die Katze reißt sich büschelweise Fell aus. Auf Anraten zahlreicher Internetforen probiert die Besitzerin eine neue Futtersorte nach der anderen. Ein tierärztlicher Hautcheck hätte die verursachenden Parasiten leicht erkannt und der Katze wäre wochenlanges Leiden erspart geblieben.
  • Das Pferd speichelt seit Tagen, ein „Heilkundiger“ raspelt die Zähne. Ein rechtzeitig zugezogener Tierarzt hätte bei genauer Untersuchung erkannt, dass das Tier an einem schmerzhaften Zungentumor leidet.”

Bei der GWUP-Regionalgruppe Rhein-Ruhr gab’s schon mal einen Vortrag zu dieser Thematik:


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Und auch MDR exakt hat darüber berichtet:


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Dass es tatsächlich Menschen gibt, die glauben, dass “Menschen, Tiere, Engel miteinander verbunden [sind] wie mit unsichtbaren Fäden”, zeigte am vergangenen Freitag eine “Tiertelepathin” im Nachtcafé.

Zum Weiterlesen:




NEU: Skeptiker 2/2015

SKEPTIKER 2/2015

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