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… denken kritisch seit 1987.

3. September 2026
von Felix Pfannstiel
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Prägen frühere Sexualpartner spätere Kinder? Der Telegonie-Mythos

Eine alte Vorstellung hat in der Esoterik wieder eine Hochphase, wie Hugo Stamm im Sektenblog auf Watson schreibt:

Die Theorie der Telegonie besagt, Kinder würden genetisch von den früheren Sexualpartnern geprägt. Vor allem vom ersten. Konkret: Töchter und Söhne würden den genetischen Abdruck des ersten Liebhabers ihrer Mutter aufweisen. Mit anderen Worten: Kinder erhalten nicht nur genetische Einflüsse vom leiblichen Vater, sondern auch von Männern aus früheren Liebschaften.

Als Beispiel nennt Stamm in seinem Beitrag die esoterische Beraterin Ivi Kappler:

In ihrem Video mit dem Titel «Genetische Fingerabdrücke und Einflüsse früherer Sexualpartner» fragt sie, weshalb sich manche Väter schwertun, ihre Kinder zu akzeptieren, und viele Frauen postnatale Depressionen entwickeln. Ihre Antwort: Sie würden spüren, dass fremde Gene eine Rolle spielten und das Baby nur teilweise ihr Fleisch und Blut sei.

In der Esoterikszene wird diese Angst erst konstruiert und anschließend damit Geld verdient:

Inzwischen gibt es Seminare, Coachings und esoterische Beratung zum Thema Telegonie. Das Geschäft mit der Angst wird kommerzialisiert und kennt keine Grenzen.

Wenig überraschend finden sich auch Verbindungen in die rechte und völkische Szene. Die Anastasia-Bewegung darf dabei nicht fehlen. Hier entlang zum kompletten Artikel.

Vor einigen Monaten erschien auch im GWUP-Blog ein ausführlicher Gastbeitrag eines anonymisierten Verfassers. Anlässlich der Verleihung des Goldenen Bretts 2025 beschäftigte er sich mit den historischen Hintergründen und der modernen Wiederkehr telegonischer Mythen:

Der Verfasser kommt darin zu folgendem Fazit:

Die moderne „Telegonie-Löschung“ ist kein isoliertes Kuriosum, sondern Teil eines Marktes, in dem pseudowissenschaftliche Narrative, ideologische Konzepte und kommerzielle Interessen ineinandergreifen. Dass die Skeptiker bei der Preisverleihung zum Goldenen Brett in Wien 2025 ein solches Angebot nominierten, zeigt eindeutig: Der alte Irrweg der Telegonie lebt aktuell in neuer, digitaler und kommerzieller Form weiter – und verdient weiterhin kritische Aufmerksamkeit.

Auch auf der SkepKon 2026 war Telegonie Thema eines Vortrags der Biologin Klara Müller. Der Vortrag wird zu gegebener Zeit auf unserem YouTube-Kanal veröffentlicht.

Zum Thema:

  • Artikel: Gastbeitrag: Die Wiederkehr eines widerlegten Konzepts: Was hinter der modernen „Telegonie-Löschung“ steckt, GWUP-Blog am 02.12.2025

Hinweis:

Falls ihr Ideen, Anregungen oder Empfehlungen habt bzw. selbst ein Gastkapitel für den GWUP-Blog schreiben möchtet, kontaktiert uns unter: blog@gwup.org.

1. September 2026
von Felix Pfannstiel
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Wer verdient das Goldene Brett 2026? Nominierungsphase für die 14. Verleihung ab sofort offen!

Pressemitteilung: Das Goldene Brett


Wer verdient das Goldene Brett 2026?

Der unwissenschaftlichste Unsinn des Jahres wird wieder ausgezeichnet: Ab sofort können Nominierungen eingereicht werden.

Gesucht: Der größte unwissenschaftliche Blödsinn des Jahres 2026! Welche Person oder Institution aus dem deutschsprachigen Raum hat sich dieses Jahr besonders durch die Verbreitung von absurdem, unwissenschaftlichen Unsinn hervorgetan? Wie jedes Jahr verleihen die Wiener Skeptiker das sprichwörtliche „Goldene Brett vorm Kopf“ an jene, die mit wissenschaftlich längst widerlegten Behauptungen oder absurden Verschwörungstheorien Geld, Ruhm oder Einfluss anstreben, obwohl sie es eigentlich besser wissen müssten. Von Arierknochen bis Zungendiagnostik, von Adrenochrom-Quatsch bis Zirbeldrüsen-Esoterik – der Unsinn gedeiht in vielfältigen Formen. Dieses Jahr waren u.a. auch fragwürdige Aussagen zum Klima wieder hoch im Kurs. Ließen sich etwa manche Akteure zu preisverdächtigen Behauptungen hinreißen, weil ihnen die sommerliche Hitze zu Kopf gestiegen ist?

Nominieren Sie jetzt!

Ab sofort kann man online auf www.goldenesbrett.guru mitbestimmen, wer den Satire-Preis erhalten soll. Aus allen Online-Einreichungen, die bis zum 12. Oktober eingehen, wird eine Fachjury drei Finalisten auswählen und aus diesem Kreis anhand strenger Kriterien den diesjährigen Sieger oder die diesjährige Siegerin ermitteln.

Am 11. November 2026 werden bei der Verleihungszeremonie im Wiener Stadtsaal die „Highlights“ des Jahres präsentiert und der herausragendste Unsinn gekürt. Zusätzlich wird traditionsgemäß auch das Goldene Brett vorm Kopf fürs Lebenswerk vergeben, und die Gäste im Stadtsaal Wien werden live über den Publikumspreis abstimmen. Tickets sind bereits erhältlich. Es wird ein Abend zum Lachen, zum Kopfschütteln und zum Klügerwerden. Erstmals wird die Puls4-Moderatorin Manuela Raidl durch das Programm führen. Für aufklärerische Unterhaltung werden die Podcasterin und Science Buster Ruth Grützbauch sowie das Satirekollektiv Luksan Wunder aus Deutschland sorgen. Als Laudatoren fungieren Andreas Zajic (Historiker, Österreichische Akademie der Wissenschaften), Katharina Kropshofer (Redakteurin der Wochenzeitung Falter) und Prof. Marcus Huber (Physiker, TU Wien).

Das Goldene Brett vorm Kopf wird seit 2011 von den Wiener Skeptikern verliehen. Im Vorjahr ging der Preis an den Podcast “Hoss & Hopf”, der für seinen Hang zu Verschwörungstheorien und Pseudowissenschaftlichkeit sowie für das Schadenspotenzial bei jungen Menschen ausgezeichnet wurde. Der Podcast wurde kurz darauf eingestellt.

31. August 2026
von Felix Pfannstiel
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Janos Hegedüs über Heilpraktiker und den tragischen Tod eines Zweijährigen

Ein aktueller tragischer Fall ist das Thema von Janos‘ neuem Video:

Ein Kleinkind aus dem Waldachtal ist wegen fehlender Behandlung gestorben. Die Eltern glaubten, es mit Ölen behandeln zu können.

Das Kind starb an den Folgen einer schweren Bronchitis. Zum Hintergrund der Eltern sagt Janos:

Beide werden der sogenannten Reichsbürgerszene zugeordnet. Sie sollten ihr Kind nach einer Hausgeburt nicht bei den Behörden angemeldet und damit praktisch vor dem staatlichen Gesundheitssystem verborgen haben. Keine Geburtsurkunde, keine reguläre medizinische Betreuung, keine U-Untersuchungen.

Zum Reichsbürger-Hintergrund kommt hinzu, dass die Mutter Heilpraktikerin ist.

Reichsbürger, Heilpraktiker und ein vermeidbarer Tod

Janos‘ Videobeschreibung:

Ein zweieinhalbjähriges Kind bekommt kaum noch Luft. Statt einen Arzt zu rufen, behandeln seine Eltern es mit ätherischen Ölen. Als schließlich der Rettungsdienst alarmiert wird, ist es zu spät.

Der Fall wurde vor dem Amtsgericht Horb verhandelt. Die Eltern wurden wegen fahrlässiger Tötung zu jeweils einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt; sie gehen gegen das Urteil in Berufung. Besonders bemerkenswert: Die Mutter des Kindes ist Heilpraktikerin.

In diesem Video geht es deshalb nicht nur um diesen tragischen Einzelfall.

Ich schaue mir an, warum Atemnot bei kleinen Kindern so gefährlich sein kann, was ätherische Öle tatsächlich leisten können – und was nicht –, welche Rolle U-Untersuchungen spielen und warum die fehlende medizinische Betreuung dieses Kindes so problematisch war.

Vor allem geht es aber um eine grundsätzliche Frage:

Wenn Heilpraktiker eigenverantwortlich Krankheiten diagnostizieren und behandeln dürfen und dabei medizinische Kompetenz für sich beanspruchen – welche Verantwortung entsteht daraus eigentlich, wenn etwas schiefgeht?

Denn während bei Ärzten Ausbildung, Approbation und die daraus entstehenden besonderen Pflichten selbstverständlich berücksichtigt werden, bescheinigt die Heilpraktikerüberprüfung ausdrücklich keine medizinische Fachqualifikation.

Wie passt das zusammen?

Darüber möchte ich in diesem Video sprechen.

Zum Thema:

  • Artikel: Ätherische Öle statt Hausarzt: Ist wegen dieser Ideologie ein Zweijähriger gestorben?, SWR am 13.07.2026
  • Artikel: Video zu SkepKon-Vortrag: Pseudomedizin im Praxisalltag – Janos Hegedüs analysiert Heilpraktiker-Angebote, GWUP-Blog am 30.12.2025

Hinweis:

Falls ihr Ideen, Anregungen oder Empfehlungen habt bzw. selbst ein Gastkapitel für den GWUP-Blog schreiben möchtet, kontaktiert uns unter: blog@gwup.org.

29. August 2026
von Felix Pfannstiel
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„Scientific Temper“ und skeptische Aufklärung: Aufzeichnung vom Skeptischen Salon mit Amardeo Sarma jetzt als Video verfügbar

Am Tag vor der SkepKon sprachen Amardeo Sarma und Nikil Mukerji im Münchner Café Luitpold über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Skeptikerbewegung. Jetzt ist die Aufzeichnung des Gesprächs verfügbar:

Was unterscheidet verlässliches Wissen von Wunschdenken? Und wie kann uns eine wissenschaftliche Haltung helfen, die Welt besser zu verstehen? Mit „Scientific Temper“ – einem Begriff, den der erste Ministerpräsident Indiens Jawaharlal Nehru prägte – beschreibt Amardeo Sarma eine Tugend: geprägt von Bescheidenheit, einer Bereitschaft zum Irrtum und Respekt vor der Wahrheit.

Sein Buch führt durch fünf Jahrzehnte skeptischer Aufklärung: von Uri Geller und der Homöopathie bis zur heutigen Desinformationskrise. Im Gespräch mit Nikil Mukerji diskutieren die beiden, welche Aufgaben der Skeptikerbewegung heute zukommen – und wie wir Vernunft und Aufklärung stärken können.

Die Skeptikerbewegung: „Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft“ | Amardeo Sarma & Nikil Mukerji / GWUP

Inhalt:

  • Die Ursprünge der GWUP [ab 0:00 min]
  • Wünschelruten, Erdstrahlen und PSI-Tests [ab 10:30 min]
  • Skeptisch argumentieren [ab 17:00 min]
  • Energiewende und Kernkraft [ab 23:00 min]
  • Biologisches Geschlecht [ab 39:00 min]
  • Diskussionen in der GWUP [ab 50:00 min]
  • Fragen [ab 1:00:00 h]

Zum Thema:

  • Artikel: Warum wir mehr „Scientific Temper“ brauchen: Amardeo Sarmas neues Buch beim Alibri-Verlag, GWUP-Blog am 01.02.2026
  • Artikel: The Global Retreat from Scientific Temper, Amardeo Sarma via Skeptical Inquirer am 20.11.2025
  • Artikel: Amardeo Sarma im Podcast „Sein und Streit“: Über die Skeptikerbewegung und das „Scientific Temper“, GWUP-Blog am 22.07.2025

Hinweis:

Falls ihr Ideen, Anregungen oder Empfehlungen habt bzw. selbst ein Gastkapitel für den GWUP-Blog schreiben möchtet, kontaktiert uns unter: blog@gwup.org.

28. August 2026
von Felix Pfannstiel
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Gastbeitrag: Parawissenschaft – neu gedacht

ein Gastbeitrag von Timm Grams


Parawissenschaft – neu gedacht

Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) sollte wissen, was Parawissenschaft bedeutet. Vor zwei Jahrzehnten tastete ich mich an die Skeptikerbewegung heran und fand in der Satzung des Vereins diese Begriffsbestimmung: »Unter Pseudowissenschaften werden Aussagesysteme verstanden, die Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben, ohne ihn einzulösen; unter Parawissenschaften solche, bei denen Zweifel besteht, ob sie diesem Anspruch genügen.« Das leuchtete mir ein.

Für die Skeptikerbewegung fundamental ist die Abgrenzung der empirischen Wissenschaft von den Pseudowissenschaften. »Ein empirisch-wissenschaftliches System muss an der Erfahrung scheitern können.« Dieses Abgrenzungskriterium hat Karl Raimund Popper in seinem bahnbrechenden Werk »Logik der Forschung« formuliert (1934, I. Kapitel, 5. Erfahrung als Methode). Das Kriterium ist einfach und elegant und wurde zum Mantra der Skeptikerbewegung.

Etwa um 2014 kam große Unruhe auf. Den Grund lieferte Larry Laudan mit seiner Schrift „The demise of the demarcation problem“ (1983). Er schreibt, dass Poppers Falsifizierbarkeitskriterium alle möglichen seltsamen Ideen mit dem Gütesiegel der Wissenschaftlichkeit adle; sie müssten nur widerlegbare Aussagen machen.

Das schlagende Beispiel dafür ist die Homöopathie. Ihre Heilungsversprechen sind prüfbar, dennoch hält der Skeptiker die Lehre des Samuel Hahnemann für unwissenschaftlich. Darüber schrieb ich bereits im Artikel »Wie eine Denkfalle die Skeptikerbewegung verunsichert hat«.

Das Falsifizierbarkeitskriterium nach Popper gibt keine Rechtfertigung für abseitige Erkenntnissysteme her. Genau genommen ist es gar kein Kriterium im Sinne einer Grenze, bei der es ein Hüben und ein Drüben gibt – hüben sind die wissenschaftlichen Aussagen und drüben die nichtwissenschaftlichen.

Statt von einem Kriterium würde ich lieber von einem Merkmal sprechen oder von einer notwendigen Bedingung für Wissenschaftlichkeit. Hinreichend ist die Bedingung nämlich nicht, wie wir am Beispiel der Homöopathie sehen können. Es bleibt also die Frage: Woran können wir Pseudowissenschaften zuverlässig erkennen.

Die derzeit gültige Satzung spiegelt im Grunde die Ratlosigkeit in dieser Frage weder: »Inhaltlich befasst sich der Verein dabei mit Parawissenschaften aus kritisch-wissenschaftlicher Sicht. Unter diesem Sammelbegriff behandelt er vor allem das, was in der Öffentlichkeit als Aberglaube, Esoterik, Okkultismus und Pseudowissenschaft verstanden wird. Dabei bedient er sich wissenschaftlicher Methoden, um bloße Behauptungen und Fehlvorstellungen von verlässlichen Erkenntnissen abzugrenzen.«

Ich versuche einzuordnen und beginne mit der »Drosophila« der Skeptikerbewegung, mit der Homöopathie. Darüber schreibe ich in meinem Buch »Klüger irren – Denkfallen vermeiden mit System«, 2016, 2020, S. 204. Ich meinte, auf den Begriff »Parawissenschaft« verzichten zu können und schrieb, »dass die Homöopathie entweder widerlegte Wissenschaft ist oder aber Pseudowissenschaft«. Pseudowissenschaft war für mich ein nicht falsifizierbares Erkenntnissystem mit dem Anspruch der Wissenschaftlichkeit.

Für die von mir aufgegriffene Debatte ist dieses Korsett zu eng. Es berücksichtigt nicht die Erkenntnissysteme mit Wissenschaftsanspruch, die zwar falsifizierbar, aber noch nicht falsifiziert sind und bei denen große Zweifel bestehen, ob sie gültig sind. Das gilt vor allem für solche Erkenntnisssysteme, die im gängigen Wissenschaftsverständnis nicht unterzubringen sind: Astrologie, Wahrsagerei, Gedankenübertragung, Psychokinese und all das, was unter Parapsychologie läuft. Auch die Homöopathie gehört dazu. Das Problem in all den Fällen ist, dass die Widerlegung immer wieder scheitert oder bezweifelt wird und weil das daran liegen könnte, dass die Effekte klein sind und der Verursacher launisch. Dieses Problem habe ich in einem Forum-Artikel im skeptiker unter dem Titel »Überheblichkeitstest?« aufgespießt (2/2020, S. 104-106).

Alle diese vermuteten Phänomene liegen in einem Graubereich zwischen den akzeptierten und den widerlegten Theorien. Wir können diese Behauptungen den Parawissenschaften zurechnen. Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften, unsere GWUP, sieht ihre Aufgabe darin, diesen Bereich klein zu halten und möglichst viel davon den Pseudowissenschaften zuzuordnen, so dass eine fundierte Aufklärungsarbeit darüber möglich wird.

Wir suchen Sicherheit in einer unsicheren Welt. Vielen hilft der Glaube an einen Gott. Andere finden Halt im Glauben an das Wesen der Dinge, nämlich dass alles Materie ist, die gewisse Eigenschaften besitzt. Versuche, »die Natur der Dinge« zu erfassen, gibt es seit der Antike. Diese Vorstellungen haben sich als sehr wandelbar erwiesen. Sie sind Zeugnis des jeweiligen Standes der naturwissenschaftlichen Forschung und folglich zeitabhängig. Derartige Ontologien sind Glaubensangelegenheiten. Sie bieten nur trügerische Sicherheit. Dennoch meint Martin Mahner (2018): »Der ontologische Naturalismus bildet […] eines von vielen Abgrenzungskriterien«. Einen weiteren Weg eröffnet Nikil Mukerji mit seinem aktuellen Text über Wissenschaftsfreiheit unter dem Titel »Ethos der epistemischen Rationalität« (Juli 2026).

Das alles sind Überlegungen, die man sich bei der Beurteilung von Parawissenschaften durch den Kopf gehen lassen kann. Zwingend sind sie nicht.

Aber da ist noch ein dritter Weg. Im Verlaufe des Streits mit den Psi-Forschern haben die Skeptiker die Messlatte für den Existenznachweis von Psi-Effekten immer höher gehängt; sie haben die Psi-Forscher förmlich vor sich hergetrieben. Das hat dazu geführt, dass die Psi-Forschung wie beispielsweise die des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) heute die höchsten wissenschaftlichen Standards erfüllt. Mein Urteil lautet, dass diese Psi-Forscher heute mehr denn je Experten für die Untersuchung des Paranormalen sind.

Aufschlussreich ist ein Interview des Skeptikers Mark Benecke mit dem Vorstand des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene, Eberhard Bauer (2017). Bauer sagt: „Diese Phänomene, die wir auch im Spontanbereich kennenlernen, wie die Wahrträume, wie manche dieser Spukerfahrungen. Da würde ich immer noch so eine offene Stelle sehen, die ich momentan als nicht erklärbar einschätze. Deshalb halte ich mir einen Überschuss an Deutungsmöglichkeiten offen.“ (Benecke, Mark: Überschuss an Deutungsmöglichkeiten. Interview mit Eberhard Bauer. skeptiker 3/2017, S. 147 – 153). Es zeichnet sich ab, dass wir mit dem Graubereich der nicht widerlegten aber unglaubwürdigen Theorien leben müssen. Immerhin kann in die Aufklärungsarbeit einfließen, dass Tests keine positiven und vor allem negative Ergebnisse erbracht haben und dass sich eine endlose Fortführung von Tests nicht lohnt, weil die vermuteten Effekte klein und launisch sind. Und genau diesen Stand haben wir im Falle der Homöopathie erreicht.

Wir sollten zur Formulierung in der alten Satzung zurückkehren. Natürlich lässt auch sie offen, was unter Wissenschaftlichkeit zu verstehen ist. Sie lässt eine gewisse Flexibilität zu und die Möglichkeit, die Begriffsbestimmungen im vereinsinternen Diskurs zu präzisieren. Für die Naturwissenschaften ist Poppers Falsifizierbarkeitskriterium ein belastbarer Ausgangspunkt.

Die strenge Begrenzung auf die Naturwissenschaften kann entfallen. Die Gesellschaftswissenschaften müssen nicht außen vor bleiben. Soweit ich sehen kann, steht hier die Begriffsbestimmung der Wissenschaftlichkeit noch aus. Mein Artikel »Argumente zählen, Wahrheiten nicht« lässt erkennen, dass die GWUP da noch ein gehöriges Stück Arbeit vor sich hat.

26. August 2026
von Felix Pfannstiel
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Team Wallraff recherchiert an Waldorfschulen – mit André Sebastiani im Interview

Der Fernsehsender RTL hat Anfang der Woche in der Reihe Team Wallraff eine Dokumentation über das System hinter den Waldorfschulen ausgestrahlt. Dafür war das Team undercover an Waldorfschulen unterwegs.

Neben den Undercover-Aufnahmen kommen in der Dokumentation verschiedene Interviewpartner zu Wort. Darunter auch der GWUP-Vorsitzende André Sebastiani.

Die vollständige Dokumentation ist inzwischen nur noch über den RTL-eigenen Streamingdienst verfügbar. Die ersten 13 Minuten sind allerdings öffentlich auf dem YouTube-Kanal von RTL zu sehen:

Team Wallraff undercover: 647 Millionen Euro für Waldorfschulen – wie gut ist das System? | RTL DOKU

In diesem Ausschnitt erklärt André die Temperamentenlehre Rudolf Steiners, auf dessen Lehren die Waldorfpädagogik beruht:

Das ist ein Relikt aus der Antike, fußt auf der 4-Säfte-Lehre. Steiner überträgt das auf Charaktergrundtypen, die er behauptet, dass es sie gibt. Einen Nachweis gibt’s dazu nicht. Das Problematische daran ist, dass es ein rein esoterisches Weltbild ist, das keinerlei Grundlagen hat aus wissenschaftlicher Sicht.

Es ist ein Schubladendenken. Also, wenn an Waldorfschulen behauptet wird, man versuche das Kind ganz individuell zu erkennen, wie es ist, dann sieht man an diesem Beispiel [siehe Video], dass es gerade nicht so ist.

Zum Thema:

  • Buch: André Sebastiani: Anthroposophie. Eine kurze Kritik, Alibri 2019, 12,00 €, 176 Seiten

Hinweis:

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25. August 2026
von Felix Pfannstiel
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Richard Traunmüller im SPIEGEL-Interview und bei den Skeptics in the Pub Wien

Der SkepKon-Referent Prof. Dr. Richard Traunmüller wurde vom SPIEGEL zum Thema Meinungsfreiheit interviewt.

Das Interview liegt leider hinter einer Bezahlschranke.

Screenshot von spiegel.de

U. a. spricht Traunmüller über diese Punkte:

  • Gefühlte Einschränkung der Meinungsfreiheit
  • Selbstzensur aus Angst vor sozialen oder beruflichen Konsequenzen
  • Migration als besonders sensibles Thema
  • Zusammenhang zwischen politischer Einstellung und gefühlter Meinungsfreiheit
  • Meinungsfreiheit als Grundlage einer funktionierenden Demokratie
  • Kritik am Umgang verschiedener Parteien mit Meinungsfreiheit
  • Kritik am § 188 StGB („Politikerbeleidigung“)
  • Bedeutung einer offenen Streitkultur
  • Forderung nach mehr Mut, die eigene Meinung zu äußern

Passend dazu ist er morgen bei den Skeptics in the Pub Wien mit dem Vortrag „Ist die Cancel Culture wirklich ein Mythos?“ zu Gast.

  • Zeit: Mittwoch, 26. August 2026, ab 19:30 Uhr
  • Ort: Aera, Gonzagasse 11, 1010 Wien
  • Eintritt ist frei!

In der Vortragsbeschreibung heißt es:

Dieser Vortrag leistet einen empirischen Beitrag zur Debatte über akademische Freiheit und „Cancel Culture“, indem er zentrale Annahmen und Argumente dieser Debatte einer systematischen Überprüfung unterzieht. Er untersucht Einstellungen zur akademischen Freiheit und Erfahrungen mit Einschränkungen der akademischen Meinungsäußerung an deutschen Hochschulen. Die Analyse stützt sich auf eine groß angelegte Befragung von rund 9.000 Wissenschaftlern. Im Mittelpunkt stehen die Fragen, wie kontroverse Positionen bewertet werden und inwieweit die Betroffenen selbst von sozialem Druck oder Sanktionen berichten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Bedenken hinsichtlich der „Cancel Culture“ im Hochschulbereich nicht unbegründet sind, auch wenn ihre Formen und Ausprägungen einer sorgfältigen Differenzierung bedürfen.

Zum Thema:

  • Video: Prof. Dr. Traunmüller schaut in die Daten | SKEPKON 2026, SinansWoche am 22.05.2026
  • Homepage: skeptiker.at

Hinweis:

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24. August 2026
von Felix Pfannstiel
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Antimoderne Sehnsüchte und die offene Gesellschaft (Seb Schnelle im Skeptitalk)

Seit Kurzem ist Seb Schnelles neues Buch Gemeinsam gegen die moderne Welt erhältlich. Im Skeptitalk spricht er über die Themen und Thesen des Buches:

Was haben die Neue Rechte, religiöser Fundamentalismus und Islamismus miteinander gemeinsam? In dieser Folge des Skepti-Talks spreche ich mit dem Philosophen Sebastian Schnelle über sein neues Buch Gemeinsam gegen die moderne Welt. Seine zentrale These: Hinter scheinbar gegensätzlichen Bewegungen verbirgt sich eine erstaunlich ähnliche Ablehnung der Moderne – von Aufklärung und Wissenschaft über gesellschaftlichen Pluralismus bis hin zur offenen Gesellschaft.

Wir sprechen darüber, warum der Verlust vermeintlich fester Wahrheiten und Ordnungen antimoderne Sehnsüchte befördert und verfolgen deren ideengeschichtliche Wurzeln von Helena Blavatsky, Rudolf Steiner und René Guénon über Julius Evola und die Konservative Revolution bis zur heutigen Neuen Rechten. Parallel dazu geht es um die Entstehung des modernen Islamismus bei Hassan al-Banna und Sayyid Qutb sowie um die überraschenden Gemeinsamkeiten beider Denktraditionen: Niedergangserzählungen, Kulturpessimismus, restriktive Sexualmoral und die Sehnsucht nach einer vermeintlich ursprünglichen Ordnung.

Zum Schluss diskutieren wir Karl Poppers Idee der offenen Gesellschaft und die Frage, wie eine liberale Demokratie ihre Gegner abwehren kann, ohne selbst illiberal zu werden. Sebastian Schnelles Fazit fällt trotz aller Gefahren vorsichtig optimistisch aus: Demokratie braucht Engagement, eine starke Zivilgesellschaft – und manchmal auch etwas mehr Gelassenheit.

Inhalt:

  • Sebs neues Buch und seine 2 Thesen: [ab 0:00 min]
    • Die radikale Rechte und die Islamisten verfolgen ein ähnliches Projekt.
    • Zentral für dieses gemeinsame Projekt ist die Ablehnung der Moderne.
  • Was ist die Moderne? [ab 4:00 min]
  • Wo Neue Rechte und Islamisten zusammenfinden. [ab 14:00 min]
  • Bezug auf esoterische Schriften (Blavatsky, Guénon, Evola) [ab 18:00 min]
  • Neuausrichtung der politischen Rechten nach dem 2. WK [ab 28:00 min]
  • Die Wirkmacht der Erzählung vom baldigen Niedergang [ab 35:00 min]
  • Frauenemanzipation und Homosexualität als Feindbilder auf beiden Seiten [ab 45:30 min]
  • Karl Poppers Idee der offenen Gesellschaft [ab 49:00 min]

Onkel Michael wünscht:

Fragen, Anmerkungen, Themenvorschläge oder Beschimpfungen gerne an skeptitalk@gwup.org

Neben Transistor.fm ist der Podcast auch auf weiteren Plattformen verfügbar: Apple PodcastSpotifyOvercastPocket CastsAmazon MusicYouTubeCastroGoodpodsMetacastCastboxPodcast AddictPlayer FMDeezer.

Zum Thema:

  • Video: Sebastian Schnelle • Gemeinsam gegen die moderne Welt, bfg Bayern am 07.05.2026
  • Buch: Sebastian Schnelle: Gemeinsam gegen die moderne Welt. Wie Rechtsradikalismus und religiöser Fundamentalismus die offene Gesellschaft bedrohen, Alibri 2026, 15,00 €, 129 Seiten

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21. August 2026
von Felix Pfannstiel
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Neue Executive Order: Trump greift in die US-Impfpolitik ein

Die US-Regierung unter Donald Trump setzt ihren Umbau der Impfpolitik fort. Eine neue Executive Order verpflichtet die US-Gesundheitsbehörde CDC, ihre Impfempfehlungen wieder zu überprüfen.

Auf dem eingeimpft-Blog gibt es zu dem Vorstoß einen neuen Artikel:

Präsident Trump hat eine neue Executive Order zur Impfpolitik erlassen, die auf den ersten Blick wie ein technischer Verwaltungsakt aussieht. In Wirklichkeit ist sie ein Angriff auf die Grundlagen epidemiologischer Vernunft — und ein Wiederaufleben eines Musters, das wir hierzulande bereits kennen.

Dabei muss man den Hintergrund berücksichtigen:

Anfang des Jahres versuchte Robert F. Kennedy Jr., die Impfempfehlungen der CDC (Centers for Disesae Control) politisch zu kürzen. Nicht, weil neue Daten vorlagen, sondern weil die Zahl der Impfungen ihm persönlich zu hoch erschien. Ein Gericht stoppte diesen Eingriff — weil die CDC als wissenschaftliche Behörde gesetzlich verpflichtet ist, Impfempfehlungen auf wissenschaftlicher Basis herauszugeben. Und deshalb nicht per Ministerdekret uminterpretiert werden darf. Das war ein Moment, in dem die rechtsstaatliche Architektur funktionierte.

Nun also Trumps neuer Vorstoß:

Nun versucht Trump, denselben Effekt über einen anderen Weg zu erzielen. Seine neue Executive Order zwingt die CDC, sämtliche Impfempfehlungen erneut zu prüfen — allerdings nicht entlang epidemiologischer Evidenz, sondern entlang politisch definierter Kriterien. Die Zahl der Impfungen wird als Problem markiert, die „medizinische Freiheit“ als übergeordneter Wert gesetzt, und die Rolle der CDC als fachliche Autorität wird relativiert.

Dieses Muster kennt man aus der Corona-Pandemie:

Was hier geschieht, ist bemerkenswert: Die Inhalte werden nicht angegriffen, sondern die Form, in der Inhalte überhaupt erst entstehen. Die CDC soll nicht widerlegt werden, sondern entwertet. Das ist ein Muster, das wir aus der Pandemie kennen. Auch damals richtete sich die Kritik selten gegen konkrete Daten, sondern gegen die Institutionen, die Daten interpretieren: das Robert Koch‑Institut, das Paul‑Ehrlich‑Institut, wissenschaftliche Fachgremien. Man versuchte, ihnen die Legitimation zu entziehen, indem man ihre Rolle als fachliche Autorität infrage stellte.

Was Trump hier macht:

Trumps neue Executive Order ist deshalb mehr als ein politisches Signal. Sie ist ein Symptom einer institutionellen Erosion, die weit über die Impfpolitik hinausreicht. Sie zeigt, wie politische Akteure versuchen, die Infrastruktur des öffentlichen Gesundheitswesens zu marginalisieren — nicht aus fachlichen Gründen, sondern aus ideologischen. Und sie zeigt, wie wichtig es ist, die Grundlagen epidemiologischer Vernunft zu verteidigen.

Zum Volltext.

Zum Thema:

  • Artikel: Chef der Ständigen Impfkommission: „Zweifel sind Gift fürs Impfen“, FAZ am 18.08.2026
  • Artikel: US-Präsident Trump streicht Empfehlungen für Kinderimpfungen zusammen, Deutsches Ärzteblatt am 11.08.2026

Hinweis:

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20. August 2026
von Felix Pfannstiel
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Video: Viele wilde Theorien zur Sonnenfinsternis

Eine Sonnenfinsternis ist ein natürliches astronomisches Ereignis. Der Mond schiebt sich zwischen Erde und Sonne, und von bestimmten Orten aus wird die Sonne teilweise oder vollständig verdeckt.

Doch selbstverständlich kann ein so ein Ereignis im Jahr 2026 nicht stattfinden, ohne von allerlei merkwürdigen Theorien im Internet begleitet zu werden.

In einem lockeren Video hat die YouTuberin Aerri einige der kuriosesten Behauptungen zur Sonnenfinsternis der vergangenen Woche zusammengetragen und kommentiert.

Der Sonnenfinsternis-Schwurbel ist ein Fiebertraum

Aus der Videobeschreibung:

Eine Sonnenfinsternis ist ein einfaches, natürliches astronomisches Ereignis … sollte man meinen. Doch im Internet wird daraus plötzlich eine Verschwörungstheorie, eine religiöse Offenbarung, oder der Beweis für die Matrix. Die absurdesten Auswüchse des Sonnenfinsternis-Schwurbels schauen wir uns heute gemeinsam an.

Zum Thema:

  • Artikel: Sonnenfinsternis am 12. August 2026: Sonnensichel bei uns, totale Sonnenfinsternis in Island und Nordspanien, ARD alpha am 01.07.2026

Hinweis:

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