SKEPTIKER 2/09: “Pseudo-Ökonomie?”

Kam die Finanzkrise im letzten Herbst wirklich überraschend? Oder war das Desaster abzusehen? Mit einer provokanten These meldet sich im aktuellen SKEPTIKER Prof. Mario Bunge zu Wort. Der renommierte Philosoph und Wissenschaftstheoretiker ist überzeugt, dass die Standard-Wirtschaftswissenschaft auf falschen oder zumindest widersprüchlichen Grundsätzen fußt. Alles Kennzeichen einer Pseudowissenschaft. Aber trifft Bunges Analyse wirklich ins Schwarze? Kritik kommt vom Ökonom und Spieltheoretiker Ulrich Berger, Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien und Mitglied im Wissenschaftsrat der GWUP. Lesen Sie die Diskussion der beiden im aktuellen SKEPTIKER, der Zeitschrift für Wissenschaft und kritisches Denken.

Weitere Themen:

Evolution: Wie das Gute in die Welt kommt

Egoisten nehmen sich, was sie brauchen. In knappen Zeiten scheinen nur sie vital genug für Nachkommen - denen sie wiederum ihren Egoismus weitergeben. Der Anständige scheint im Kampf ums Dasein hoffnungslos unterlegen. Aber wie kommen dann Rücksichtnahme und sogar aufopferndes Verhalten in die Welt? Ist es Schöpferwille oder stecken ganz diesseitige Gründe dahinter? Mit einer Computersimulation hat Prof. Timm Grams gezeigt, wie sich auch in einer Welt aus lauter Egoisten kooperatives Verhalten ausbreitet - ohne dass eine übernatürliche Macht eingreift.

Prä-Astronautik: Götterdämmerung

Einen konstanten Erfolg über Jahrzehnte kann Erich von Däniken vorweisen - zumindest in Hinblick auf Bekanntheitsgrad und Buchauflagen. Weniger gut sieht seine wissenschaftliche Bilanz aus: bis heute ist der wohl bekannteste Vertreter der Prä-Astronautik den Beweis schuldig geblieben, dass seine “Astronautengötter” mehr sind als bloße Phantasie. In diesen Tagen hält Däniken eine Reihe von Vorträgen im wiedereröffneten Schweizer “Mystery-Park”, ab Herbst tourt er durch Deutschland. Der Astronom Florian Freistetter hat einen Auftritt des Mystery-Veterans besucht und einen Bericht mitgebracht.

Zu den Lieblingsthemen der Prä-Astronautik gehören die ägyptischen Pyramiden.  Was dran ist an den Spekulationen über außerirdische Architekten und Glühbirnen zur Pharaonenzeit und wie die alten Ägypter ganz ohne moderne Technik vor Jahrtausenden architektonische Mammutprojekte bewältigten, erklären Dr. Klaus Richter und Michael Haase.

Außerdem im neuen SKEPTIKER:

“Des Himmesl Irrlichter” heißt die aktuelle Sonderausstellung im Nürnberger turmdersinne: Die Marsoberfläche ist von Kanälen durchzogen, Felsen auf dem Planeten formen ein menschliches Gesicht, am Himmel  werden außerirdische Raumschiffe beobachtet… Tatsächlich?

Was wir wahrnehmen, ist nicht unbedingt wahr, so das Motto des Erlebnismuseums turmdersinne. Im Internationalen Jahr der Astronomie beschäftigen sich die Ausstellungsmacher mit alten und neuen Fehlinterpretationen von Himmelsbeobachtungen, aber auch mit wahrnehmungspsychologischen Hintergründen von echten Phänomenen.

Plötzlich unerklärliche Symptome. “Heimliche Krankmacher” wie Ausdünstungen, Zusatzstoffe oder Strahlen werden heftig disktuiert.  Was aber ist wirklich gesichert? SKEPTIKER-Redakteur Bernd Harder sprach mit Prof. Caroline Herr vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

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GWUP in WAZ: Skeptiker für Verbraucherschutz

Nach dem “taz”-Interview mit Dr. Mark Benecke von der GWUP legt nun heute die WAZ nach: Die Redaktion traf Klaus Schmeh, Vorsitzender der GWUP-Regionalgruppe Rhein-Ruhr, und plauderte mit dem Informatiker über Skepsis, Mythen, Codes und die GWUP-Konferenz 2009 in Hamburg. Dort spricht Klaus Schmeh am zweiten Konferenztag (Samstag, 23. Mai 2009) zum Thema “Parawissenschaftliche Codes: Wie findet man versteckte Nachrichten, wo keine sind?”. In der WAZ steht Schmeh schon heute Rede und Antwort:

WAZ: Warum glauben wir so gerne?

Klaus Schmeh: Die Welt ist kompliziert. Und da ist eine einfache aber falsche Erklärung für manche Menschen besser als gar keine. Nehmen wir das Thema Finanzen als Beispiel. Da blicken ja sogar Experten oft nicht mehr durch. Und bevor man sich dann durch Börsenkurse und Bücher quält, vertraut man lieber seinem Horoskop.

WAZ: Mit welchen Fragen beschäftigen sich die Skeptiker?

Klaus: Wir befassen uns mit Themen, die außerhalb der anerkannten Wissenschaften liegen. Astrologie oder alternative Medizin, zum Beispiel. Die GWUP ist ein Verein, in dem sich etwa 870 Mitglieder für kritisches Denken und gegen esoterischen Unfug einsetzen.

WAZ: Haben Sie einen Lieblings-Mythos?

Schmeh: Bibelcodes. Versteckte Prophezeiungen in der Bibel [mehr dazu im GWUP-Blog]. Wenn man, sagen wir mal, jeden fünften Buchstaben liest, soll man angeblich geheime Botschaften finden. So sollten zum Beispiel die Terroranschläge vom 11. September in der Bibel angekündigt worden sein. Herausgefunden hat das natürlich erst jemand nach dem 11. September. Nach unserer Ansicht ist das reine Willkür.

WAZ: Wie reagieren die “Enttarnten” denn auf die Ergebnisse Ihrer Arbeit?

Schmeh: Wir erleben ganz selten, dass sich jemand von unseren Argumenten überzeugen lässt. Wir haben zum Beispiel die Vorhersagen vieler Astrologen überprüft. Wenn sich ihre Prognosen nicht erfüllt haben, kamen immer nur Ausreden, warum es ausgerechnet dieses eine Mal nicht gestimmt hat. Und natürlich werden wir auch oft angefeindet. Schließlich geht es in vielen Fällen um materielle Interessen oder gar die Existenz. [...]

Das ganze Interview mit Klaus Schmeh von der GWUP lesen Sie hier auf derwesten.de (20.05.2009): Parawissenschaften: “Skeptiker” entzaubern Mythen und Wunderheiler.

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GWUP-Konferenz in Hamburg im ddp-Ticker

Die Nachrichtenagentur ddp verweist heute im Ticker auf die Jahreskonferenz der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Parawissenschaften e.V. (GWUP), die ab morgen in Hamburg stattfindet: Die Skeptiker treffen sich am Donnerstag, 21. Mai im Völkerkundemuseum und tagen bis Samstag, 23. Mai 2009.

Die ddp schreibt dazu (Auszug):

“Neben Deutschlands bekanntestem Kriminalbiologen Mark Benecke, der über das ‘Rätsel der spontanen menschlichen Selbstentzündung’ referiert, reist aus Italien Massimo Polidoro an. Der Psychologe und ‘Geisterjäger’ öffnet den Angaben zufolge exklusiv sein Archiv wahrer X-Akten und gewährt Einblicke in seine spektakulärsten Fälle - von Poltergeistern über Blutwunder und Totenflüsterer bis zu Ufos und Kornkreisen. Ebenso feiert das Bühnenstück ‘Die Wahrheit bringt Heilung - Ein ironisch wissenschaftliches Ding über die scheiß Esoterik’ der Wiener Künstler Anne Frütel und Jörg Wipllinger seine Deutschlandpremiere. Das Werk wird zweimal im Rahmen der dreitägigen Konferenz aufgeführt.”

Die ganze ddp-Meldung zur GWUP-Konferenz lesen Sie bei Ad Hoc News unter der Überschrift “Konferenz der Parawissenschaftler widmet sich dem Übersinnlichen“. Ok, diese Headline ist ein bisschen missglückt, aber immerhin wurden alle Namen richtig aus der GWUP-Pressemeldung abgeschrieben - keine so üble Bilanz, oder?

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Illuminati: Erleuchtete oder Dunkelmänner?

Vor wenigen Tagen startete in Deutschland die Verfilmung des Bestsellers “Illuminati” von Dan Brown. Buch und Film verweben ihre fiktive Story mit historischen Halbwahrheiten, bekannten Mythen und aktuellen Verschwörungstheorien. Im Mittelpunkt steht der Geheimbund der Illuminaten.

Der Journalist Bernd Harder, Pressesprecher der freundlichen Skeptiker von der gemeinnützigen Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V. (kurz GWUP) hat die wichtigsten FAQs und Fakten zu den legendären Schattenmännern gesammelt. Zu diesem Thema referieren Bernd Harder und der Ex-CERN-Physiker Dr. Holm Hümmler auch bei der GWUP-Konferenz 2009, morgen am 21. Mai um 17.30 Uhr im Hamburger Völkerkundemuseum.

Bernd Harders Artikel “Erleuchtete oder Dunkelmänner? Der Mythos um ‘Illuminati’” erschien erstmals SKEPTIKER 4/2005 (Inhaltsverzeichnis). Aus aktuellem Anlass zum Filmstart von “Illuminati” veröffentlichen wir ihn jetzt hier auszugsweise im Blog der GWUP. Den SKEPTIKER 4/2005 können Sie im Shop der GWUP für 7,00 Euro inkl. Versand bestellen.

Worum geht es in “Illuminati”?

Im europäischen Zentrum für Teilchenphysik (CERN = Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire) in Genf wird der Kernforscher Leonardo Vetra auf grausame Weise ermordet. In seine Brust sind mysteriöse Schriftzeichen eingebrannt, die der Harvard-Professor und Experte für religiöse Ikonografie Robert Langdon (Tom Hanks) als so genannte Ambigramme identifiziert - geheime Botschaften, mit denen eine uralte und mächtige Verschwörergruppe namens “Illuminati” untereinander kommuniziert.

Vetras Adoptivtochter Vittoria findet heraus, dass dem ermordeten Wissenschaftler ein Behälter mit Antimaterie entwendet worden ist. Anscheinend wollte der Atomphysiker mit dieser hochgefährlichen Substanz im Labor den Urknall simulieren. Bei ihren Nachforschungen werden Langdon und Vittoria in den ewigen Widerstreit zwischen Glaube und Wissenschaft hineingezogen. [...]

Wer waren die Illuminaten?

In Dan Browns Roman bildeten sich die Illuminaten um das Jahr 1500 in Rom aus “Italiens klügsten Köpfen - Physiker, Mathematiker und Astronomen”. Ihr führendes Mitglied sei Galileo Galilei gewesen. Brown stilisiert die Illuminaten zur “gefährlichsten antichristlichen Macht auf Erden”, denn im Untergrund habe sich der Geheimbund im Laufe der Zeit “mit anderen Gruppierungen vermischt, die allesamt von der katholischen Kirche verfolgt wurden -Mystikern, Alchemisten, Okkultisten, Muslimen, Juden”. So sei daraus eine tief antichristliche Bruderschaft geworden, eine “sehr mächtige, sehr geheime Sekte”.

Und in Wirklichkeit?

Ein elitärer Club von naiv-harmlosen Weltverbesserern: Mehr vermag die seriöse Geschichtswissenschaft im “Bund der Illuminaten” nicht zu erkennen, der sich im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts in Bayern entwickelte. Am 1. Mai 1776 rief der Professor für Kirchenrecht Adam Weishaupt an der Universität Ingolstadt einen studentischen Lesezirkel ins Leben, der sich zunächst “Perfectibilisten” nannte - eine Art Stammtisch seiner besten Schüler. [...]

Befreier von Aberglauben und Tyrannei

Adam Weishaupt (geb. 1748) sah sich ganz im Geiste der Aufklärung als Befreier der von Aberglauben und Tyrannei unterjochten Menschheit und als natürlicher Gegner und Antipode der Jesuiten in Ingolstadt. Zeitgenossen schildern den Sohn eines Universitätsprofessors als bleichen, anscheinend harten und stoischen, in sich selbst verschlossenen Mann, der nur einigen wenigen Akademikern den Zutritt zu sich gestattete. Ähnlich unschmeichelhaft fällt das Urteil heutiger Historiker aus: ein weltfremder, misstrauischer und unduldsamer Stubengelehrter sei Weishaupt gewesen.  [...]

Was wollten die Illuminaten?

Die traditionelle religiöse und politische Autorität zur Zeit des fürstlichen Absolutismus abschaffen - so lautet die kurze Standardantwort der meisten Experten auf diese Frage. Doch die Sachlage ist etwas komplizierter. Tatsächlich bestehen in der Illuminatenforschung “beträchtliche Meinungsunterschiede über die politischen Ziele und Aktivitäten des Ordens”, merkt der Historiker W. Daniel Wilson an. Unklar ist vor allem, wie der Geheimbund die angestrebten gesellschaftlichen Veränderungen eigentlich erreichen wollte: gewaltlos oder umstürzlerisch?

Der so genannte Illuminatismus galt seinerzeit neben dem Jakobinismus als Inbegriff eines die herrschende Gesellschaftsordnung umstoßenden Systems - und geistert heute noch als Sinnbild konspirativer Politik und Machtentfaltung durch die aktuelle Verschwörungsliteratur. Aber ist diese Lesart der eher kläglichen, nicht einmal ein Jahrzehnt lang währenden Geschichte des Illuminatenordens haltbar? Sehr wahrscheinlich nicht. [...]

Existieren die Illuminaten immer noch?

Wer ist für die hohen Benzinpreise verantwortlich? Oder dafür, dass am Wochenende kein Klempner mehr ins Haus kommt? Natürlich die Illuminaten - erklärt der Autor der skurrilen “Illuminatus!”-Triologie, Robert Anton Wilson, augenzwinkernd.

Und Wilson muss es schließlich wissen, wird er doch von Konspirations-Fans immer wieder geziehen, einer der Anführer der Illuminaten-Bruderschaft zu sein, die vom 18. Jahrhundert bis in unsere Gegenwart hinein fortbestehe. Dass der Kultautor dem ebenso kundig wie vehement widerspricht - natürlich nur ein weiterer Beweis für die große Verschwörung, oder?

“Von den 39 verschiedenen Theorien zu den Illuminaten, die in ‘Illuminatus!‘ enthalten sind, mag eine der Wahrheit näher kommen als die anderen 38″, lässt Wilson sich diesbezüglich ein. “Doch meine eigene diesbezügliche Meinung scheint nicht mehr Geltung zu besitzen als die von jedermann sonst. Ich will nicht, dass meine Leser meine Vermutungen schlucken. Ich will, dass sie für sich selbst denken.” [...]

Sie wollen mehr wissen?

Den SKEPTIKER 4/2005 (Inhaltsverzeichnis) mit dem kompletten Artikel “Erleuchtete oder Dunkelmänner? Der Mythos um ‘Illuminati’” können Sie im Shop der GWUP für 7,00 Euro inkl. Versand bestellen. Darin finden Sie viele weitere Fakten, Quellen, Belege und weiterführende Literatur.

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CERN & Illuminati: Dichtung und Wahrheit?

Im Film “Illuminati” nach dem Roman von Dan Brown stehlen Bösewichte aus Europas Kernforschungszentrums CERN eine Bombe mit Antimaterie, um den Vatikan zu vernichten. Das ist Unsinn, aber das ist man von Dan Brown gewohnt: Dan Brown ist Schreiber fiktionaler Romane, kein Journalist. Er spielt mit Legenden und verarbeitet sie zu Thrillern. Dan Brown ist also ein Geschichtenerfinder. Macht ja nix, das kann kreativ und spannend sein. Mit der Realität hat es aber so viel zu tun wie die ZDF-Mainzelmännchen mit der ARD-Tagesschau, nämlich wenig.

Wo verläuft die Grenze zwischen Dichtung und Wahrheit am CERN?

Die freundlichen Skeptiker von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V. (GWUP) haben einen gefragt, der sich damit auskennt: einen ihrer vielen Physiker. Dr. Detlef Küchler arbeitet seit über zehn Jahren am CERN und schrieb im Blog der GWUP bereits über den LHC und Schwarze Löcher. Sein Insider-Bericht “Das CERN - Dichtung und Wahrheit” erschien erstmals im SKEPTIKER 4/2005. Aus aktuellem Anlass zum Filmstart von “Illuminati” veröffentlichen wir ihn jetzt hier im Blog der GWUP:

Das CERN - Dichtung und Wahrheit:
Ein Insider-Bericht von CERN-Mitarbeiter Dr. Detlef Küchler

Das CERN ist das europäische Kernforschungszentrum. Es befindet sich in Genf an der Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich. Es wurde 1954 gegründet, um im Nachkriegseuropa eine Keimzelle der friedlichen Kooperation und der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zu legen. 2004, zum 50-jährigen Bestehen, kamen am Tag der offenen Türen über 30.000 Gäste aus weiten Teilen Europas, um einen Eindruck vom größten Beschleunigerlabor der Welt zu bekommen. Unter ihnen waren sicher auch einige, die Dan Browns Buch gelesen hatten und nun vor Ort sehen wollten, was dran ist an der Geschichte von den “Illuminati”.

Der erste Unterschied zwischen Dichtung und Wahrheit, der sofort ins Auge fällt: Hier sind weder eine Glaskathedrale noch rote Ziegelsteinbauten zu finden. Die Gebäude des CERN wurden zu verschiedenen Zeitpunkten der 50-jährigen Geschichte gebaut, die meisten sind weiß und aus Beton. Das CERN beschäftigt etwa 2.600 Mitarbeiter, und es halten sich beständig mehr als 6.000 Gäste aus aller Welt in den Räumlichkeiten auf - nicht nur Physiker, sondern auch Informatiker, Ingenieure und Techniker.

CERN-Mitarbeiter und -Gäste sehen nicht irgendwie besonders aus und machen auch keine irgendwie verrückten Sachen. Allerdings besteht durchaus die Möglichkeit, beim Mittagessen einem Nobelpreisträger über den Weg zu laufen. Der Generaldirektor des CERN ist gegenwärtig Dr. Robert Aymar [Update: Rolf-Dieter Heuer seit 2009]. Aber im Gegensatz zu seinem literarischen Pendant in Dan Browns “Illuminati” ist er Manager eines wissenschaftlichen Großunternehmens und handelt dementsprechend.

Die Suche nach den fehlenden Bausteinen der theoretischen Physik

Viele der Beschäftigten arbeiten für das zurzeit größte Projekt am CERN - das LHC (Large Hadron Collider). Diese Maschine befindet sich ca. 100 Meter unter der Erde und hat einen Umfang von 27 Kilometern. Sie soll 2007 in Betrieb gehen. Jedoch nicht um Antimaterie zu produzieren, sondern für die Suche nach den noch fehlenden Bausteinen in den Modellen der Theoretiker - dem Higgs-Boson und den leichtesten supersymmetrischen Teilchen sowie einem besonderem Zustand der Materie, dem Quark-Gluonen-Plasma, von dem man annimmt, das es kurze Zeit nach dem Urknall existiert hat.

Für diese Experimente werden Protonen bzw. Bleikerne mit Energien von einigen Teraelektronenvolt im LHC kollidieren, und vier riesigen Detektoren werden die entstehenden Teilchenspuren für die spätere Auswertung aufzeichnen. Für den Betrieb der Anlage sind viele Spezialisten notwendig, einer allein (wie der Kernforscher Leonardo Vetra in “Illuminati”) kann diese große Maschine nicht bedienen. Außerdem ist der Aufenthalt während des Betriebes an der Maschine aufgrund technischer und strahlentechnischer Überlegungen nicht gestattet.

Antimaterie gibt es wirklich!

Für die Untersuchungen von Antimaterie gibt es eine spezielle Maschine: den Antiprotonen Decelerator (AD). Hier werden pro Jahr etwa eine Million Millionen Antiprotonen “hergestellt”. Um ein Gramm Antiprotonen zu erzeugen, müsste indes die Ausbeute von 1.000 Milliarden Jahren gesammelt werden. Eine sichtbare Menge, wie sie in “Illuminati” beschrieben wird, ist also so ohne weiteres gar nicht herstellbar. Für die Experimente am AD reichen die zur Verfügung stehenden Mengen Antimaterie jedoch aus. Die Forscher suchen dabei unter anderem nach der Asymmetrie zwischen Materie und Antimaterie.

Antimaterie annihiliert mit Materie. Es findet dabei eine vollständige Umwandlung von Masse in Energie statt. Aus geringen Mengen Antimaterie könnte man so gewaltige Mengen Energie bei einem Wirkungsgrad von 100 Prozent gewinnen. Aber die Herstellung der Antimaterie ist äußerst ineffizient und verschlingt viel größere Energiemengen. Um die sofortige Annihilation zu verhindern, werden die am AD erzeugten Antiprotonen in Ionenfallen eingefangen.

In diesen Fallen muss ein sehr gutes Vakuum herrschen, um die Wechselwirkung mit dem Restgas zu minimieren, da jede Wechselwirkung den Verlust der Antiprotonen durch Annihiliation bedeutet. Da ein absolutes Vakuum nicht erzeugbar ist, ist die Lebensdauer in der Falle begrenzt. Die für die elektromagnetischen Felder der Falle notwendigen Stromversorgungsgeräte, die Falle selbst und deren Vakuumsystem können nicht - wie im Buch geschildert -  in einem tragbarem Gerät vereinigt werden, und somit ist es unmöglich, Antimaterie in großen Mengen zu stehlen.

Fakten versus “Illuminati”: die Webseite des CERN

Das CERN hat neben diesen grundlegenden Arbeiten auch Ergebnisse vorzuweisen, die das tägliche Leben betreffen. Tim Berners-Lee entwickelte hier die Grundlagen für das WWW (nicht für das Internet, wie häufig kolportiert wird). Gegenwärtig wird hier auch am Nachfolger des WWW, dem Grid, gearbeitet. Die Entwicklung der Detektoren für die Großexperimente kann als Ergebnis Detektorkristalle vorweisen, die auch in der medizinischen Diagnostik eingesetzt werden. Aber ein eigenes Fluggerät wie die X33 in “Illuminati” besitzt das CERN nicht.

Dan Browns Buch hat dem CERN zu mehr Popularität verholfen. Das ist gut, aber leider bekommt der Leser einen falschen Eindruck von den realen Gegebenheiten. Aufgrund der vielen Anfragen bezüglich der im Roman aufgestellten Behauptungen hat die Pressestelle des CERN eine eigene Webseite dafür eingerichtet: Angels & Demons: The Science Behind The Story.

Der Mythos um die “Illuminati” ist auch Thema bei der GWUP-Konferenz 2009, die morgen am 21. Mai in Hamburg (Völkerkundemuseum) beginnt: Der Autor und Journalist Bernd Harder spricht am 21. Mai um 17.30 Uhr zum Thema “Dunkelmänner oder Erleuchtete? Der Mythos um Illuminati”. Den gleichnamigen SKEPTIKER-Artikel dazu lesen Sie hier im GWUP-Blog.

Trailer zum Film “Illuminati”:


Direktlink zum Video auf Youtube

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GWUP in taz: Dr. Benecke über Parawissenschaften

Dr. Mark Benecke ist nicht nur einer der renommiertesten Forensiker Deutschlands und als Autor durch Print, Funk und Fernsehen bekannt, sondern auch Mitglied im Wissenschaftsrat der gemeinnützigen Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V., kurz GWUP. Vom 21. bis 23. Mai 2009 tagt die GWUP - die größte und älteste Skeptiker-Organisation im deutschsprachigen Raum - in Hamburg. Dr. Benecke hält dann einen Vortrag über spontane menschliche Selbstentzündung (SHC). Die taz nahm das zum Anlass für ein kleines Interview mit dem GWUP-Mitglied:

taz: Herr Benecke, beim Kongress der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Erforschung von Parawissenschaften (GWUP) werden Sie einen Vortrag zur “Spontanen menschlichen Selbstentzündung” (SHC) halten. Dabei sollen Menschen ganz plötzlich von innen heraus verbrennen und nur die äußeren Gliedmaßen übrig bleiben. Wie erforschen Sie so etwas?

Mark Benecke: Früher konnten wir keine Fälle direkt angucken, sondern unsere Informationen nur aus der Literatur und den Polizeiakten rausziehen. Dann haben die Leute angefangen, mir zu schreiben und mich auf Fälle hinzuweisen, schließlich konnten wir sogar eine Frau in Belgien besuchen, die eine solche “Selbstentzündung” überlebt hatte. Darüber werde ich auch meinen Vortrag halten.

Normalerweise glaube ich Zeugen zwar nichts, dort war aber die eigene Familie dabei, dazu ein ganz unbeteiligter Mensch und die Leute im Krankenhaus, daran gibt es also nichts zu rütteln. Auch durch die Presse ging es nicht. Das Ganze ist vor zirka vier Jahren geschehen, und wir haben bis jetzt an der Aufklärung gearbeitet. Wir haben in den letzten Jahren auch neue Zündquellen für diese Fälle gefunden, beispielsweise aus Brandbomben des Zweiten Weltkriegs. [...]

Das ganze Interview mit Dr. Mark Benecke von der GWUP lesen Sie hier auf taz.de (18.05.2009): Kriminalbiologe über Parawissenschaften: “Vampire haben meine Sympathie”.

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Hohe Dosis: Homöopathie x 3 in den ScienceBlogs

Schnell getippter GWUP-Lesetipp: Die freundlichen Skeptiker von der GWUP empfehlen drei kritische Artikel zur Homöopathie drüben bei den netten Kollegen von den ScienceBlogs - frisch gebloggt, sanft geschüttelt und echt unverdünnt:

  • Legalisiert die Homöopathie!“, fordert Jürgen Schönstein im Geograffitico-Blog. Klingt komisch, ist aber so. Und wäre gar nicht mal so uninteressant: “Weil man dadurch nämlich die Homöopater zwingen könnte, nach den Regeln der Wissenschaft zu spielen. Erstattung durch die Krankenkassen? Gerne, aber dann werden homöopatische Präparate auch dem Arzneimittelgesetz unterworfen - und das heißt, dass sie in ihrer Werbung und ihrer Verpackung in gesetzlich geregelter Form auf alle Risiken und Nebenwirkungen hinweisen müssen.” - Den ganzen Geheimplan zum Sturz der Globuli-Branche lesen Sie drüben in den ScienceBlogs … aber nicht weitersagen!
  • GWUP-Mitglied Prof. Ulrich Berger widmet sich im Kritisch-Gedacht-Blog der ganz speziellen Art von Wahrscheinlichkeitsrechnung, die Homöopathie-Apologeten praktizieren: “Homöopathische p-Werte: eine Collage” heißt sein Artikel. Fazit daraus: In der Erforschung der Homöopathie werkeln manche Zeitgenossen scheinbar nach der Langstrumpf’schen Methode, auch bekannt als Pippi-Paradigma: “Ich mach’ mir die Welt, wie sie mir gefällt.” - Mehr zum kreativen Umgang mit p-Werten lernen Sie hier. (Zum Mitsingen hier klicken.)
  • Und zuletzt danken wir Christian Reinboth vom Frischer-Wind-Blog, der ein nettes kleines Video von und mit James Randi gefunden hat: James Randi erklärt die Homöopathie. Den Video-Link haben wir gleich geklaut … sorry!


Direktlink zum Video auf Google-Video

Was sind die ScienceBlogs?

Auf ScienceBlogs schreiben Forscher, was sie bewegt. Journalisten veröffentlichen unredigiert. [...] Denn Wissenschaft prägt unsere Gesellschaft wie nie zuvor. Neue Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften, Evolutionsbiologie und Genetik revolutionieren unser Verständnis dafür, wer wir sind, woher wir kommen und geben uns neue Zukunftsvisionen. In der Diskussion um den Planeten Erde sind Erkenntnisse aus der Weltraum-, Klima- und Umweltforschung zentral. Fortschritte in Medizin, Biotechnologie, Stammzellforschung bis hin zu den Ernährungswissenschaften haben Auswirkungen auf unsere Lebensqualität und Gesundheitsversorgung. ScienceBlogs ist das Portal für diesen weltweiten Dialog - der digitale Salon führender Blogger unterschiedlicher Fachbereiche. Sie präsentieren, kommentieren und diskutieren aktuelle Themen. Mehr über die ScienceBlogs …

Was will die GWUP?

Die GWUP ist ein gemeinnütziger Verein, dessen fast 900 Mitglieder sich für Wissenschaft und kritisches Denken engagieren. Gegründet wurde die GWUP 1987. Damit ist sie die älteste und größte Skeptiker-Organisation im deutschsprachigen Raum. In der GWUP treffen sich Mediziner, Physiker, Biologen, Ingenieure, Professoren, Studenten, Lehrer und viele andere Menschen, die sich für Wissenschaft, Forschung und kritisches Denken begeistern. Mehr über die GWUP …

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Prof. Stadler bloggt nett über die GWUP: Merci!

Der Berner Immunologe Prof. Beda Stadler, bekannt als so scharfsinniger wie auch scharfzüngiger Kritiker der Komplementärmedizin, bloggt seit Mitte April bei NZZ Online. Den Grund nennt der streitbare Professor in seinem ersten Artikel vom 14. April: Sein zentrales Thema ist der fundierte Protest gegen eine Volksinitiative, die Homöopathie & Co. wieder von der Schweizer Grundversicherung bezahlt sehen will.

Prof. Beda Stadler im NZZ-Blog:

“Habe mir geschworen, nie Blogger zu werden. Nun, Prinzipien muss man den Bach hinab schicken, wenn äussere Umstände danach schreien. Der Gegenentwurf zur Volksinitiative ‘Ja zur Komplementärmedizin‘ ist genau so wie die Alternativmedizin eine geistige Verunreinigung und Grund genug. [...] Wellness ist ok, aber nicht über unsere Krankenkassen! [...] Hilft die kleine Schar der Rationalisten hier mitzuschreiben, damit wenigstens versucht wurde, die Verankerung der Irrationalität in unserer Verfassung zu verhindern?”

In seinem aktuellen Artikel “Esoterik an den Schweizer Unis” verweist Prof. Beda Stadler auf die freundlichen Skeptiker von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V. (GWUP). Die GWUP ist die größte und älteste Skeptiker-Organisation im deutschsprachigen Raum; natürlich ist die GWUP auch in der Schweiz vertreten. Von der GWUP hat Prof. Stadler übers Bloggen erfahren. In der NZZ schreibt Beda Stadler über die GWUP:

“Dank diesem NZZ Blog habe ich die Webseite der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) kennen gelernt. Auf den GWUP-Seiten hat es alles was das Herz begehrt, um sich eine Meinung zur Komplementär- und Alternativmedizin zu bilden. Nur eben, man müsste sowas auch lesen. [...]“

Merci, lieber Prof. Stadler! Da verweisen die freundlichen Skeptiker von der GWUP im Gegenzug natürlich auch gerne auf Ihre Artikel:

Unsere Empfehlung an die skeptische Blogosphäre: Weitersagen und Prof. Stadlers neuen NZZ-Blog “Alles Placebo oder was?” in die Blogroll nehmen, wo’s noch nicht passiert ist!

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