WSC, zweiter Tag: “Science, no witchcraft!”

Über den sogenannten Bestätigungsfehler (confirmation bias) bei medizinischen Studien hatten heute die Vormittagsreferenten gesprochen – im Nachmittagsprogramm ging es dann unter anderem um den Publikationsbias in der Psychologie.

Es referierte Professor Christopher French, Leiter der Forschungsgruppe für Anomalistische Psychologie an der Psychologieabteilung der Goldsmiths Universität in London.

French hatte (zusammen mit Stuart J. Ritchie und Richard Wiseman) “die Studie, welche angeblich belegt, dass es PSI gibt”, mit gleicher Methodik repliziert – und fand nichts. Außer einer Menge Schlampigkeiten wie zum Beispiel Datenfischen.

Daraufhin traf French und seine beiden Mitstreiter “The Curse of the failed Replications”, wie der Guardian titelte.

Kein psychologisches Fachjournal wollte ihre Widerlegung der aufsehenerregenden Daryl-Bem-Studie publizieren. Also brachte French seine aufwändige Replikation “Failing the Future: Three Unsuccesfull Attempts to Replicate Bem’s Retroactive Facilitation of Recall’ Effect” online bei PlosOne heraus.

French:

Fachjournals interessieren sich nicht für negative Ergebnisse.”

Das ist fatal, weil es aufgrund des Publikationsbias zu einer Verzerrung der gesamten Studienlage kommen kann.

 Dass Wissenschaftler sich mitunter auch von einem “Sympathetic Bias” täuschen lassen, legte einer der Superstars der Skeptikerbewegung dar, nämlich Ray Hyman. Der emeritierter Psychologie-Professor ging der Frage nach, wieso ein anerkannter Physiker wie Karl Friedrich Zöllner seinerzeit dem “Medium” Henry Slade auf den Leim gehen konnte.

 Hyman extrahierte einige Muster, die so oder so ähnlich auch heute noch Gültigkeit besitzen. So hatte Zöllner sich wohl sehr schnell von der zurückhaltenden Freundlichkeit des Spiritualisten einwickeln lassen und sich deshalb die Untersuchungsbedingungen von Slade diktieren lassen.

Auch andere Wissenschaftler seien an der kritischen Untersuchung von vorgeblichen “Medien”, Hellsehern und Paragnosten gescheitert, weil sie das Studiensetting wie eine Art Gruppenarbeit nach den Vorgaben der Testperson gestaltet hätten.

Erst das Engagement von Zauberkünstlern wie James Randi oder Werner Geissler habe die Situation dann grundlegend verändert.

Ein Artikel über “Karl Friedrich Zöllner und die Geisterwelt” findet sich übrigens im Skeptiker 2/1995.

 Tomasz Witkowski, Psychologie-Professor und Gründer des Clubs polnischer Skeptiker, ging hartnäckigen Frauds in seinem Fach auf den Grund, darunter der 10-Prozent-Mythos und das Positive Denken.

Letzteres bezeichnete Witkowski als “grausame Farce”, wenn es etwa um völlig unhaltbare Versprechen gegenüber Krebskranken gehe. Er verwies in diesem Zusammenhang zum Beispiel auf die Studie “Emotional well-beeing does not predict survival in head and neck cancer patients” (Kurzfassung hier) und auf die Arbeiten von Kelly-Anne Philips.

Abschließend stellte Witkowski eine aktuelle Initiative der polnischen Skeptiker vor:

Psychology is science, not witchcraft!”

Hexenglaube hat etwas mit irrationalen Ängsten zu tun – darüber sprach am Rande des WSC der Astrodicticum-simplex-Blog mit dem Skeptiker Leo Igwe aus Nigeria.

Um das Thema Angst und Risikowahrnehmung ging es auch in zwei weiteren Nachmittagsvorträgen.

Der bekannte Statistiker und Bestsellerautor Professor Walter Krämer referierte über die “Angstindustrie” in Deutschland, aber auch anderorts. Die Bedeutung dieser Problematik für die Skeptiker unterstrich Krämer mit einem Zitat von Bertrand Russell:

Angst ist die Hauptquelle des Aberglaubens”,

und Angst zu bekämpfen der Beginn der Weisheit.

Ob wenigstens Unternehmen rational mit Risiken umgehen, beleuchtete der Physiker und Unternehmsberater Dr. Holm Hümmler. Er stellte drei Muster vor, wie Mangager typischerweise mit Risiken umgingen:

Wegleugnen, resignieren, wegrechnen.”

Dass dies höchst untaugliche Mittel seien, habe nicht zuletzt die Finanzkrise gezeigt.

Nüchterne Skeptiker werden also überall gebraucht – nicht nur in Medizin und Psychologie, sondern auch in den Wirtschaftswissenschaften und im Management.

Zum Weiterlesen:

  • Skeptiker: Stimmt es wirklich? Tagesspiegel am 19. Mai 2012

 

WSC-Presseschau II

Eine ganze Seite schreibt heute der Tagesspiegel über die 6. Weltskeptikerkonferenz in Berlin.

Überschrift:

Stimmt es wirklich?”

Ein paar Auszüge:

Moderne Skeptiker sind keine radikalen Allesleugner mehr. Längst steht man auf dem Boden der Wissenschaft, vertraut ihren rationalen Methoden und wendet sie an, um Wunderheilern oder Wahrsagern auf die Finger zu sehen.

„Trotzdem steht jede Erkenntnis unter einem allerletzten Irrtumsvorbehalt“, sagt der Biologe Martin Mahner von der deutschen Skeptikerorganisation GWUP, der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften. „Da gibt es noch einen letzten Funken des philosophischen Skeptizismus.“

Die GWUP sieht sich als Stiftung Warentest für Alternativmedizin und Esoterik. „Wir wollen das kritische Denken fördern, im Sinne des Verbraucherschutzes“, sagt der Ingenieur und GWUP-Vorsitzende Amardeo Sarma, der sich skeptisch mit Erdstrahlen und Wünschelruten, dem Turiner Grabtuch und der Homöopathie auseinandersetzt.

„Eine von der Stiftung Warentest schlecht benotete Waschmaschine oder ein miserabler Fernseher laufen immerhin noch“, sagt Sarmas Kollege Mahner. „Wasserenergie dagegen funktioniert überhaupt nicht.“

Zum Weiterlesen:

  • Skeptiker: Stimmt es wirklich? Tagesspiegel am 19. Mai 2012
  • Goodbye, Scharlatan! Kölner Stadtanzeiger am 19. Mai 2012
  • Zum Welt-Skeptiker-Kongress in Berlin, Esowatch am 19.Mai 2012
  • Esoteriker, Kreationisten und Astrologie, PCGames am 18. Mai 2012
  • Wissenschaft statt Esoterik: Die Skeptiker treffen sich, ntv-Video vom 19. Mai 2012
  • Was sind Skeptiker? rbb-Inforadio am 15. Mai 2012

 

WSC, zweiter Tag: May the CHI be with you!

Und weiter geht’s mit unserer aktuellen Berichterstattung vom World Skeptics Congress in Berlin.

Erster Referent des zweiten Tages war Professor Jürgen Windeler, Direktor des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Er legte dar, dass es …

… no Difference in Methods Evaluating the Benefits of Conventional and Complementary Medicince”

gibt.

Etikettierungen wie “unorthodoxe”, “alternative” oder “komplementäre” Medizin hätten keine inhaltliche Aussagekraft, sondern versuchten lediglich, einen besonderen Status herbeizuschreiben, welche die jeweilige Methode unter “Artenschutz” stellen soll.

Vom wissenschaftlichen Standpunkt her gebe es hingegen keinen Grund, die kritische Evaluation, etwa mit randomisierten, kontrollierten Studien, nicht auch auf CAM (Complementary and alternative medicine) anzuwenden.

Zu dieser Thematik hat Windeler sich auch im Deutschen Ärzteblatt geäußert.

Das Wichtigste bei guten Studien zur Bewertung von Therapien sei der Vergleich – allerdings nicht „Vorher/Nachher“, sondern der Vergleich zwischen Anwendung versus  Nicht-Anwendung einer Methode bei sonst gleichen Umständen.

Auch zur typischen CAM-Immunisierungsstrategie “Wir brauchen mehr Studien” bezog der IQWiG-Leiter klar Stellung. Diese Forderung sei vergleichbar mit dem Nutzen einer Untersuchung, ob der Gebrauch von Fallschirmen Unfälle oder Todesfälle beim Fallschirmspringen verhindern könne (ein satirisches Beispiel für Evidenzbasierte Forschung).

Dem Tagungsort angemessen, verwies Windeler hierzu auf “Murus Berlinensis”, ein Homöopathikum aus Resten der Berliner Mauer:

Let us laugh at it, let us ignore it, do not study it.”

Oder anders ausgedrückt: Wenn es keine auch nur halbwegs überzeugende Theorie hinter einer Methode gibt, dann sind auch Studienergebnisse dazu nicht interpretierbar – und damit hinreichend sinnfrei.

 Der Medizinstatistiker Dr. Gerd Antes vom Institut für medizinische Biometrie und medizinische Informatik an der Universität Freiburg, Leiter des deutschen Cochrane-Zentrums, stimmte den Ausführungen seines Vorredners in allen Punkten zu. Darüber hinaus umriss er insbesondere den “Publication Bias”, ein Phänomen im Bereich der wissenschaftlichen Publizistik, welches das bevorzugte Veröffentlichen von Arbeiten und Studien bezeichnet, die zu “positiven” oder auch nur zu signifikanten Ergebnissen gekommen sind.

Antes sprach sich unter anderem für eine verpflichtende Registrierung von klinischen Studien aus und verwies in diesem Zusammenhang auf ein neues Projekt der Uni Freiburg: OPEN = To Overcome failure to Publish nEgative fiNdings.

Auch die pensionierte Ärztin Dr. Harriet Hall (The SkepDoc) bezeichnete Wortschöpfungen wie “Alternativmedizin” als reine Werbe-Lyrik. Es gebe keine “konventionelle” und “alternative” Medizin, sondern nur gute und schlechte beziehungsweise wirksame und unwirksame Medizin. Nicht umsonst sprächen kritische Denker mittlerweile von “so called CAM”, was abgekürzt “scCAM” heiße (scam = engl. Betrug).

Die wissenschaftliche und medizinische Plausibilität von Homöopathie und Co. bewege sich in etwa auf dem Niveau der Zahnfee (“Fairy Tale Science”). CAM-Anhänger suchten keine Beweise, dass Methode XY funktioniert – sondern sie versuchten lediglich, anderen zu beweisen, dass Methode XY funktioniert.

Zu diesem Aspekt hatte am Vorabend der belgische Mediziner Wim Betz das Publikum mit dem Begriff “Overflooding” bekannt gemacht: Eine regelrechte Flut von immer neuen, aber gleichbleibend schlechten und wissenschaftlich minderwertigen Homöopathie-Studien sollten Politikern und der breiten Öffentlichkeit suggerieren, dass “etwas dran” sei.

Auf der Webseite sciencebasedmedicine kann man übrigens zahlreiche Aufsätze und Artikel von Dr. Harriet Hall nachlesen.

 Der Anästhesist Dr. med. Benedikt Matenaer (spezialisiert auf Schmerztherapie und Palliativmedizin) beschrieb den rund 300 Zuhörern im Berliner Crowne-Plaza-Hotel zunächst seine langwierige und kostspielige Zusatzausbildung zum Akupunkteur.

Erst nachdem er mit Skeptikern in Kontakt kam, habe er angefangen, das völlig unplausible System der Akupunkturpunkte und Phantasiebegriffe wie “Meridiane” oder “Chi” in Frage zu stellen, etwa dergestalt:

  • Wann fängt das Chi an zu fließen – und wann hört es auf?
  • In welche Richtung und mit welcher Geschwindigkeit fließt das Chi?
  • Was passiert mit dem Chi bei einer Operation am offenen Herzen?

Kein Verfechter der Akupunktur könne diese und weitere Fragen sinnvoll beantworten, weswegen Matenaer schließlich zu der Überzeugung gelangte, dass die Nadelung verschiedene unspezifische Effekte initiiert, etwa Hyperämie, die Freisetzung von Endorphinen etc.

Hauptsache, es sticht – wohin ist egal.

Allerdings werde in keiner Leitlinie einer medizinischen Fachgesellschaft Akupunktur explizit empfohlen. Nicht umsonst hatte Matenaer seine Präsentation “The Good, The Bad and The Ugly” überschrieben, um die verschiedenen Facetten dieses populären Verfahrens auszuleuchten:

Lässt es sich mit den Prinzipien der Weiterbildungsordnung von Ärztekammern vereinbaren, eine Pseudo-Ausbildung mit einer Zusatzbezeichnung zu adeln ? Warum wird von Ärzten einerseits die Anwendung evidenz-basierter Verfahren gefordert, andererseits aber der Akupunktur der Eintritt in das öffentliche Gesundheitswesens gestattet, einem Verfahren, dessen Grundlagen bislang reine Spekulation sind?”

Angehenden Akupunkteuren gab der Schmerzmediziner aus Bocholt zum Schluss noch einige ironische Ratschläge mit auf den Weg, die allesamt darauf abzielen, dem Patienten in einer entspannten Atmosphäre ein wohliges Gefühl zu vermitteln. Und dann:

May the CHI be with you!”

 Zum Weiterlesen:

  • Wo Aberglaube wirklich gefährlich ist: Skeptiker in Afrika, Astrodicticum simplex am 19. Mai 2012
  • Wie eine Kartoffel den Kindern die Freude an der Wissenschaft austreibt – und eine schwimmende Giraffe sie wieder zurückbringt, Astrodicticum simplex am 18. Mai 2012

 

Reason Award beim WSC: Ritterschlag für vier verdiente Skeptiker

Zum Abschluss des ersten Konferenztages wurden die Reason Awards (CSI) und die Outstanding Skeptics Awards (ECSO) verliehen.

Der Wissenschaftsjournalist und Autor Simon Singh nahm den Preis für seine Unerschrockenheit bei der gerichtlichen Auseinandersetzung mit der British Chiropractic Association (BCA) entgegen.

Bedeutsamer noch als der abschließende Sieg in dem Rechtsstreit für Singh persönlich sei die Bedeutung des ganzen Falles für die Rede- und Meinungsfreiheit in Großbritannien, erklärte der “Reason-Award”-Preisträger. Erst vor wenigen Tagen kündigte Elizabeth II. in ihrer traditionellen “Queen’s Speech” vor dem britischen Parlament eine Reform des umstrittenen englischen Verleumdungsgesetzes an.

Das sei auch bitter notwendig, legte Singh in seiner Dankesrede dar, und skizzierte exemplarisch einen aktuellen Fall: Das Promi-Medium “Psychic Sally” fordert von der Daily Mail eine Summe von 150 000 Pfund für eine angebliche “Verleumdung”, die in Wahrheit kaum mehr als kritischer Journalismus ist.

Die “National Petition for Libel Reform” kann übrigens hier gezeichnet werden.

Als hernach Professor Dr. Edzard Ernst auf die Bühne trat, verkniff er sich augenzwinkernd jeden Kommentar zu Prinz Charles,

… weil ich hoffe, dass sie mich doch noch zum Ritter schlagen.”

Das bleibt abzuwarten – aber jedenfalls darf der Homöopathie-Kritiker nun den “Reason Award” sein eigen nennen.

Auch Ernst ging auf den Streit Simon Singh versus BCA ein und verwies auf eine weitere positive Auswirkung: die Gründung der Nightingale Collaboration.

Die europäischen Skeptiker-Preise gingen an den italienischen Chemiker Luigi Garlaschelli, der sich mit religiosen “Wundern” aller Art befasst, beispielsweise mit dem Turiner Grabtuch, und an den emeritierten belgischen Medizin-Professor Wim Betz.

Betz kritisierte die gesetzliche Privilegierung der Homöopathie innerhalb der EU und forderte einen wirksamen Verbraucherschutz auch im Bereich der  Pseudomedizin, die weiterhin nur mit Absurditäten wie etwa dem “Eagle Remedy Maker” (Homöopathika zum Selberbasteln) und phantasievollen Ausreden glänze, nicht aber mit Belegen und Wirksamkeitsnachweisen.

 

WSC: Arche Noah und schwimmende Giraffen

Auch nach der Mittagspause ging es zunächst noch mit dem Thema “Kreationismus” weiter.

Der Wissenschaftsphilosoph Johan Braeckman von der Universität Gent (Belgien) beleuchtete erst einmal schlaglichtartig die Szene der Evolutionsleugner in Europa und stellte unter anderem den Niederländer Johan Huibers vor, der die Arche Noah nachgebaut hat. Leute gibt’s …

Braeckman warnte davor, Kreationisten und deren Argumentationsfähigkeit zu unterschätzen. Er präsentierte Beispiele von promovierten Wissenschaftlern, die sich selbst als Evolutionsleugner bezeichnen, und folgerte:

Auch kluge Menschen können sich furchtbar irren.”

Der Biologe und Philosoph riet den rund 300 Besuchern des WSC, den Begriff “Darwinismus”, der stark negativ konnotiert sei, und das Wort “Zufall” im Zusammenhang mit der Evolutionslehre zu vermeiden.

Für den Schulunterricht empfahl Braeckman, die staunenswerte Anpassungsfähigkeit vieler Lebewesen (etwa bestimmter Schmetterlingsarten) zu thematisieren, um die Evolution zu vermitteln.

Aber auch mit den besten Argumenten der Wissenschaft sei die Auseinandersetzung mit dem Kreationismus und seinen Vertretern schwierig. Nicht selten sei die Zurückweisung der Evolutionslehre für Gläubige eine Identitätsfrage, vergleichbar mit der fanatischen Unterstützung eines Fußballvereins.

Wissenschaftsvermittlung stand auch im Mittelpunkt der letzten beiden Nachmittagsvorträge.

Kylie Sturgess (ein GWUP-Interview mit der Philosophielehrerin gibt es hier) verwies auf den Aufsatz

Why Can’t a Teacher be More like a Scientist?”

und wandte sich dann verschiedenen Pseudomethoden im Bereich der Pädagogik vor, darunter Brain Gym, Gestützte Kommunikation sowie die hierzulande wenig bekannte Methode Dore.

Zum Schluss appellierte Sturgess an die Skeptiker, sich “so für die Wissenschaft zu engagieren, wie Kreationisten sich für Kreationimus einsetzen”.

Diskutieren, publizieren, Lobbyarbeit und vieles mehr seien die Mittel der Wahl.

Die Kolumnistin und Bloggerin macht es vor, zum Beispiel bei Token Skeptic.

Auch auf der Webseite der James Randi Educational Foundation schreibt Kylie Sturgess regelmäßig.

 Samantha Stein widmet sich ebenfalls der Wissenschaftsvermittlung und sprach zu dem Thema

Engaging Children in Science.”

Die Psychologin ist Gründerin und Direktorin von Camp Quest UK, einem Sommerferienlager zur Förderung von Wissenschaft, Philosophie und kritischem Denken für Kinder und Jugendliche von 9 bis 16 Jahren.

Da Stein nach eigenem Bekunden Wissenschaft in der Schule todlangweilig fand und sich noch heute mit Schrecken an sperrige Osmose-Experimente und ähnliches erinnert, sann sie über Möglichkeiten nach, nicht nur pures Faktenwissen, sondern das Verständnis des jeweiligen Faches und vor allem die verbindende wissenschaftliche Methodik von Physik, Chemie, Biologie, Informatik, Medizin etc. zu vermitteln.

In Camp Quest beschäftigen die Teilnehmer sich zum Beispiel mit der Frage, wer schneller schwimmen kann: ein Mensch oder eine Giraffe?

Mehr dazu gibt es hier oder hier.

Zum Weiterlesen:

  • Weltskeptikerkonferenz: Kreationismus I, dieausrufer am 18. Mai 2012

 

WSC-Presseschau I

Die ersten Medienberichte zum World Skeptics Congress sind schon draußen.

Welt-Online bringt heute ein Interview mit Dr. Julia Offe:

Warum Esoterik und Ufos ernst zu nehmen sind”

tip-berlin interviewt Kathrin Goldammer, die Organisatorin des gestrigen Publikumstages.

Auch “merdeister” war da und hat über den Publikumstag gebloggt.

Zeit-Online berichtet ebenfalls über uns:

Lobbyisten gegen esoterische Umtriebe.”

Und nicht zuletzt der Humanistische Pressedienst war vor Ort:

World Skeptics Congress eröffnet.”

  

 

Konferenz-Auftakt in Berlin: Kreationismus

Der 6. World Skeptics Congress in Berlin hat begonnen.

In seiner Eröffnungsansprache betonte der GWUP-Vorsitzende Amardeo Sarma den universellen Charakter von Wissenschaft.

Begriffsschöpfungen wie “Christliche Wissenschaft”, “Chinesische Medizin” oder “vedische Mathematik” seien dagegen pure Ideologie und müssten bei jedem kritisch denkenden Menschen die Alarmglocken läuten lassen.

Sarma führte weiter aus, Skeptizismus sei keine intellektuelle Spielerei für passionierte Besserwisser – vielmehr erbrächten die organisierten Skeptiker-Bewegungen auf der ganzen Welt eine wichtige Dienstleistung für die Gesellschaft: nämlich Information über und damit Schutz vor Scharlatanerie, welche in einigen Bereichen (wie etwa der Pseudomedizin) auch zur Gefahr für Leib und Leben werden könne.

Als erste Referentin trat Eugenie Scott vom US-amerikanischen National Center for Science Education ans Rednerpult.

Sie referierte über “Creationism In and Outside the USA” und machte dabei vor allem das Erstarken des evangelikalen Protestantismus für den weltweiten Vormarsch des Anti-Evolutionismus verantwortlich.

Eine der Hauptstrategien von Evolutionsleugnern sei die Forderung nach “Fairness und Ausgewogenheit” in den Lehrplänen und Curricula von öffentlichen Schulen und Universitäten. “Wissenschaft ist keine Demokratie”, konterte Scott dieses Ansinnen. Schließlich käme auch niemand auf die Idee, Schüler oder Studenten einfach darüber abstimmen zu lassen, ob die Erde sich um die Sonne bewegt.

Hierüber gibt es nichts zu verhandeln”,

sagte die Anthropologin.

Scott wandte sich darüber hinaus gegen die Vorstellung, der Kreationismus sei ein rein US-amerikanisches Problem. Auch in Italien, Serbien, Brasilien, Großbritannien und Russland zum Beispiel seien entsprechende Tendenzen zu beobachten.

Weiterführende Informationen finden sich auf der Webseite des National Center for Science Education.

Im Anschluss daran stellte Professor Dr. Dittmar Graf vom Lehrstuhl für Biologie und ihre Didaktik an der Universität Dortmund Vergleichsstudien über die Akzeptanz der Evolution in Deutschland und der Türkei vor.

In einer eigenen Untersuchung aus dem Jahr 2007 mit zukünftigen Lehrerinnen und Lehrern aus Dortmund und Ankara wurden zur Einstellung zur Evolution elf verschiedene Fragen gestellt. Es zeigte sich, dass von den Studierenden in Deutschland 16 Prozent zwei oder weniger der elf Fragen im Sinne von Evolution beziehungsweise Evolutionstheorie beantwortet haben, in der Türkei waren es über 70 Prozent.

Von den Studierenden im Fach Biologie waren es in Dortmund etwa acht Prozent, in Ankara erneut mehr als 70 Prozent.

Mann könne davon ausgehen, dass Personen, die so antworten, Evolution und Evolutionstheorie nicht akzeptieren.

Aber wieso?

In Grafs Untersuchungen zeigte sich weiter, dass eine allgemein positive Einstellung zu Wissenschaft sowie Kenntnisse über wissenschaftliche Methodik signifikant positiv mit dem Akzeptieren der Evolution korrelieren, während eine starke religiöse Überzeugung sich signifikant negativ auswirkte.

Graf abschließend:

Es wäre ein großer Fehler, den Kreationismus in Mitteleuropa als unbedeutendes Randphänomen abzutun.”

Eine besondere Rolle komme der Biologielehrerausbildung zu. Hier müsse die Evolutionsbiologie künftig eine größere Rolle spielen.

Außerdem muss die Argumentationsstruktur der Evolutionsgegner aufgedeckt und aufgezeigt werden, dass es sich bei ihren Argumenten um keine schlüsssigen Konzepte handelt, die zudem dem eigenen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit nicht gerecht wird.”

Zum Weiterlesen:

  • Dittmar Graf: Kreationismus in Europa, Skeptiker 1/2009

Live-Stream: Publikumstag des Welt-Skeptiker-Kongresses

Jetzt startet der Welt-Skeptiker-Kongress 2012 mit dem Publikumstag! Wir haben einen Live-Stream und hoffen, die Bandbreite genügt für Ton und Bild in ausreichender Qualität:

http://www.ustream.tv/channel/gwup

Nachtrag: Leider ist das WiFi im Kaiserin-Friedrich-Haus ziemlich schwachbrüstig, daher reißt uns die Verbindung immer wieder einmal ab. Daran können wir unglücklicherweise nicht ändern. Aber den Versuch war’s wert. Unsere Partner vom WissensMagazin dokumentieren aber weite Teile des gesamten Kongresses und werden nachträglich auf YouTube berichten.

Zitty: Wilde Zweifler am Donnerstag in Berlin

Das Berliner Stadtmagazin zitty hat den offenen “Publikumstag” des WSC am Donnerstag (17.Mai, ab 13 Uhr) angekündigt:

Zweifler aus aller Welt kann man vom 16. bis zum 20 Mai auf der Welt-Skeptiker-Konferenz treffen. Am Donnerstag öffnet sie auch für normales Publikum ihre Tore.

Die Referenten sind Meister ihres Fachs und kennen sich mit Mysteriösem und Übernatürlichem aus. In den vier Vorträgen „2012“, „Skeptische Zaubershow“, „Paul McCartney is dead“ und „Skeptisches mit Mark“ wird wild über Wissenschaft und Gesellschaft diskutiert.

Letzteren hält Mark Benecke, der durch Beiträge auf Radio eins und als Kandidat für Die Partei bekannt geworden ist. Eintritt 13 Euro (inklusive Verzehrbons).”

Nett.

Alles Weitere gibt’s auf unserer Webseite zum 6. World Skeptics Congress.

Berlin: “2012″-Aufklärung im Doppelpack

Bekanntlich steht der 6. World Skeptics Congress unmittelbar vor der Tür:

Am Freitag morgen geht’s los, im Crowne Plaza Hotel in Berlin.

Der letzte Weltkongress der Skeptiker, der von der GWUP organisiert wurde, fand übrigens 1998 in Heidelberg statt.

Damals hielt Paul Kurtz den Eröffnungsvortrag, und zwar zum Thema “Fears of Apokalypse”. Die Jahrtausendwende stand bevor, und alle möglichen Unheilspropheten erhoben ihren Schwanengesang, weshalb der Kongress auch unter dem Motto “Amargeddon and the Prophets of Doomsday” firmierte.

Und heute?

Dreizehn Jahre später beginnt die Skeptiker-Weltkonferenz wieder mit dem Weltuntergang – zumindest inoffiziell, nämlich am Publikumstag im Hörsaal der Kaiserin-Friedrich-Stiftung.

Am Donnerstag (17.Mai, Christi Himmelfahrt) geht es ab 13.15 Uhr um “2012″.

Astrodicticum-simplex-Blogger Dr. Florian Freistetter und ich werden dann gemeinsam über den Maya-Kalender, Nibiru, Sonnenstürme und andere Kataklysmen sprechen.

Danach geht es ebenso spannend wie bunt weiter, und zwar mit einer skeptischen Zaubershow (Wolfgang Hund), Verschwörungstheorien um Paul McCartney sowie dem Kriminalbiologen Dr. Mark Benecke.

Abends (ab 20 Uhr) gibt’s dann noch einen Science Slam, der von Dr. Julia Offe organisiert worden ist.

Der Publikumstag kostet 13 Euro Eintritt, der Science Slam 5 Euro.

Man sieht sich! Und ein Aufruf, wie und wo sich die “geneigten Science-Blogs-Stammleser und -kommentatoren” während des WSC mal treffen könnten, ist auch schon online.

Zum Weiterlesen:

  • Dr. Florian Freistetter: 2012 – Keine Panik. jmb-Verlag, Hannover 2012
  • Bernd Harder: 2012 – Leitfaden für Endzeitliebhaber. Herder-Verlag, Freiburg 2011




World Skeptics Congress 2012

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