gwup | die skeptiker

… denken kritisch seit 1987.

9. Oktober 2019
von Bernd Harder
7 Kommentare

Nach „stern TV“: Landratsamt entzieht BG-Mun-Heilpraktikerin die Zulassung

Immerhin:

Zwei Wochen nach der stern TV-Sendung über eine Heilpraktikerin in Schrobenhausen, die Krebspatienten mit dem „Scharlatanerieprodukt“ (Psiram) BG-MUN behandelte, hat das Landratsamt des Kreises die Dame mit einem Berufsverbot belegt.

Allerdings:

Sie hat nun einen Monat Zeit, ihrerseits gegen das Berufsverbot vorzugehen. So lange kann sie weiterhin ihren Beruf ausüben. Sollte Klage erhoben werden, so die Landratsamts-Sprecherin, kann die umstrittene Heilerin sogar bis zu einer gerichtlichen Entscheidung und einer endgültigen Rechtsgültigkeit des Rücknahmebescheids weiter praktizieren. 

Parallel dazu …

… ermittelt die Staatsanwaltschaft in dem Fall wegen des Verdachts von Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz – und zwar nicht nur gegen die Heilpraktikerin, sondern noch gegen zwei weitere Personen. Nach der Berichterstattung in den Medien hatte die Staatsanwaltschaft Hausdurchsuchungen angeordnet, die Unterlagen werden derzeit noch ausgewertet.

Auf der Praxishomepage findet sich derzeit diese Stellungnahme:

stern TV hatte am 25. September berichtet, dass die Heilpraktikerin eine rosafarbene Flüssigkeit aus Wasser, Zucker und Nahrungsproteinen mit dem Phantasienamen „BG-MUN“ für 5900 Euro pro Packung an Krebspatienten verkaufte:

Eine an Speiseröhrenkrebs erkrankte Frau berichtete gegenüber „stern TV“, dass es sogar eine erhebliche Zunahme der Metastasen in Lunge und Leber gab, nachdem sie auf das Mittel umgestiegen war.

Die 52-Jährige starb im Juli.

Zum Weiterlesen:

  • Stern-TV-Video: Tödliche Abzocke bei der Heilpraktikerin mit einem Krebs-„Wundermittel“, GWUP-Blog am 29. September 2019
  • Nach dubioser Therapie: Berufsverbot für Heilpraktikerin, Augsburger Allgemeine am 7. Oktober 2019
  • Berufsverbot für Heilpraktikerin – weil sie Krebspatienten mit dubiosen Methoden behandelte, stern.de am 8. Oktober 2019
  • Schrobenhausener Heilpraktikerin bekommt Berufsverbot, donaukurier am 7. Oktober 2019
  • Gesundheit in Gefahr – unter den Augen der Politik? Gesundheits-Check am 3. Oktober 2019

9. Oktober 2019
von Bernd Harder
Keine Kommentare

Neu erschienen: Eine Anleitung zum Widerspruch von der „Besorgten Bürgerin“

Neu erschienen:

Anleitung zum Widerspruch: Klare Antworten auf populistische Parolen, Vorurteile und Verschwörungstheorien

von Franzi von Kempis.

Es geht um die Themen Klimawandel, Antisemitismus, Verschwörungstheorien, Islam, Gender und Geflüchtete.

Bei Youtube, Twitter und Facebook ist Franzi von Kempis unter dem ironisierenden Namen „Besorgte Bürgerin“ aktiv:

Eine Buchrezension und ein ausführliches Interview mit der Autorin gibt’s im nächsten Skeptiker, der Mitte Dezember erscheint.

Zum Weiterlesen:

  • Franzi von Kempis: Anleitung zum Widerspruch – Klare Antworten auf populistische Parolen, Vorurteile und Verschwörungstheorien. Mosaik-Verlag 2019, 288 Seiten, 15 €
  • Franziska von Kempis im Interview: So kontern Sie Hetze und Populismus, abendzeitung am 4. Oktober 2019
  • Rechtspopulisten: Den Kampf annehmen, ohne ihn zu führen, Zeit-Online am 8. Oktober 2019
  • Was provoziert, wird stärker verbreitet, uni-hamburg am 10. September 2019

9. Oktober 2019
von Bernd Harder
62 Kommentare

Neues Addendum-Projekt: „Klimaretter Atomstrom?“

Interessantes neues Addendum-Projekt:

Der Klimawandel ist in aller Munde und beschäftigt auch die Addendum-Redaktion. In den vergangenen Wochen haben wir uns deshalb intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, ob wir Kernkraftwerke zur Erreichung der Klimaziele brauchen.

Unsere Antworten finden Sie in elf Kapiteln, die sich mit mit genau jenen Einwänden und Bedenken befassen, die uns allen intuitiv in den Sinn kommen. Ganz im Sinne von: „Was? Atomkraft? Ja, aber was ist mit Tschernobyl und Fukushima?“

Und das sind die Themen:

Zum Weiterlesen:

  • Addendum-Projekt 099: „Klimaretter Atomstrom?“ vom 7. Oktober 2019
  • Energiepolitik: Wider das Schwarz-Weiß-Denken der Puristen, GWUP-Blog am 18. September 2017
  • SkepKon-Video: „Energiewende – aber wie?“ mit Dr. Norbert Aust, GWUP-Blog am 30. Juli 2019
  • Zur Problematik der Energiewende in Deutschland, Skeptiker 3/2019
  • Atomkraft, ja bitte! Wie bitte? Zeit-Online am 1. Oktober 2019
  • Bedeutung der Atomkraft sinkt weltweit, Spiegel-Online am 21. September 2019

8. Oktober 2019
von Bernd Harder
Keine Kommentare

Nein, liebe taz – eine neue wissenschaftliche Entdeckung stellt nicht „alles infrage“

Bisschen off-topic, ergänzt aber aktuell den Hinweis von Amardeo Sarma in der Klima-Debatte, dass die Medien in Sachen Wissenschaft gerne zu Übertreibungen neigen.

So stellt die taz gerade „die Evolutionsgeschichte infrage“ – aufgrund der Knochenfunde einer bislang unbekannten Menschenart (Homo luzonensis).

Nun ja. Als scinexx im April darüber berichtete, hieß es in dem Beitrag, unser Bild von der Evolution sei nunmehr „noch unübersichtlicher und komplizierter geworden – und ein ganzes Stück interessanter“.

Aber „In Frage gestellt“ wird da eigentlich gar nix – erklärt auch der Blog Fliegende Bretter:

Nein, werte taz, dass der „Fund einer neuen hominiden Spezies“, der meinetwegen „als eine der wichtigsten Entdeckungen der letzten Jahre“ gilt, bedeutet noch lange nicht, dass deswegen gleich „die Evolutionsgeschichte in Frage“ gestellt ist.

Unter anderem solcher Sensations-Quatsch führt dazu, dass immer mehr Menschen allen möglichen Mist glauben. Oder Wissenschaft gleich für eine einzige Übung in Beliebigkeit halten.

Der entscheidende Punkt, den sich auch alle Klimawandelleugner, Homöopathen und andere Pseudowissenschaftler an die Wand pinnen sollten:

Eine Entdeckung, die nicht recht ins bestehende Gesamtbild passt, ist etwas ziemlich Normales, das mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht gleich das große Ganze aus den Angeln heben wird.

Zum Weiterlesen:

  • Argh! Fliegende Bretter am 7. Oktober 2019
  • Neue Menschenart entdeckt, scinexx am 11. April 2019
  • Klimawandel: Eine aktuelle Bestandsaufnahme nach Greta, Rezo und Co. – Teil 3, GWUP-Blog am 6. Oktober 2019

8. Oktober 2019
von Bernd Harder
1 Kommentar

Video: „Bioscan“, die Siebte

Irgendwie scheinen die Öffentlich-Rechtlichen einen Narren an dem Thema „Bioscan“ gefressen zu haben. Gestern Abend lief – nach unserer Zählung – der siebte Beitrag dazu, diesmal im rbb-Magazin „Super.Markt“:

Kleines Rätsel: Sie gehen in die Apotheke, halten erst zwei Stäbe in der Hand, wenig später diverse Nahrungsergänzungsmittel – warum?

Die Auflösung lautet: Weil Sie eine Analyse nach dem Bioresonanzverfahren bei sich haben durchführen lassen. Angeblich lässt sich damit unter anderem feststellen, ob Ihr Körper ausreichend mit Vitaminen und Spurenelementen versorgt ist – oder eben nicht.

Dann haben Apothekerin oder Apotheker selbstverständlich das entsprechende Präparat für Sie. Ist das seriös? Wir holen uns Rat bei Experten.

Andererseits: Solange Heilpraktiker wie Renate Gampl (siehe unseren Beitrag „Tödliche Abzocke bei der Heilpraktikerin mit einem Krebs-Wundermittel“) diese Pseudo-Diagnostik anbieten, kann man wohl nicht genug darüber aufklären.

Zum Weiterlesen:

  • Stern-TV-Video: Tödliche Abzocke bei der Heilpraktikerin mit einem Krebs-„Wundermittel“, GWUP-Blog am 29. September 2019
  • Bioscan-Test im Allergo Journal: „Der Leiche wurde beste Gesundheit attestiert“, GWUP-Blog am 22. August 2019
  • „Bioscan“-Analysen: Kammer in Österreich warnt Apotheken vor Imageschaden, GWUP-Blog am 21. Juli 2019
  • „Bioscanner“ diesmal im Marktcheck beim SWR, GWUP-Blog am 11. Juli 2019
  • Video: Noch einmal „Bioscan“, GWUP-Blog am 20. Juni 2019
  • Wieder einmal Bioscan und Co., Gesundheits-Check am 19. Juni 2019
  • Video: Daniel Pugge über Bioscan-Geräte beim NDR-Magazin „Markt“, GWUP-Blog am 18. April 2019
  • Noch immer keine Beweise für die „Bioscan“-Diagnostik, GWUP-Blog am 26. Februar 2019
  • Bioscan-Geräte: Keine Messung nachweisbar, zeigt Daniel Pugge bei „Kontrovers“, GWUP-Blog am 25. Oktober 2018
  • „Report“-Video: Wenn Leberkäse und Reporter dieselbe Bioresonanz haben, GWUP-Blog am 16. Januar 2018

6. Oktober 2019
von Bernd Harder
3 Kommentare

Drei Videos über Astrologie

Aktuell sind bei den Öffentlich-Rechtlichen drei Videos zum Thema Astrologie verfügbar:

Teil 1 des Terra XZweiteilers „Faszination Universum“ befasst sich mit der Sterndeuterei:

Im zweiten Teil geht es dann um tatsächliche kosmische Einflüsse auf die Erde.

Bei Terra X Lesch & Co wirft Harald Lesch …

… einen Blick auf die andere Seite der Astrologie – nicht auf die Sterne, sondern: auf uns.

Und auch der WDR hat ein kurzes Erklärvideo über Horoskope online gestellt:

Nur das blödsinnige „Hamlet“-Zitat am Schluss hätte es nicht gebraucht.

Zum Weiterlesen:

  • Astrologie: „Der Spiegel“ kollidiert mit den Zwillingsplaneten Auflagen- und Bedeutungsverlust, GWUP-Blog am 5. Oktober 2019
  • In der „Zeit“: Der neue Astro-Boom – „ein Trostpflaster, nur ein bisschen teuer vielleicht“, GWUP-Blog am 1. Oktober 2019
  • „Mein Horoskop stimmt immer!“ Ja und? GWUP-Blog am 4. Mai 2013

6. Oktober 2019
von Amardeo Sarma
29 Kommentare

Klimawandel: Eine aktuelle Bestandsaufnahme nach Greta, Rezo und Co. – Teil 3

Von Amardeo Sarma

Fortsetzung von Teil 1 und Teil 2

Nach einer Pause geht es weiter zur Darstellung in dem Video von Rezo und den Faktenchecks von Stefan Rahmstorf über Mai Thi Nguyen-Kim und Medien bis hin zum „Science Skeptical“.

Nach der Bewertung der Grundaussagen zum Klimawandel in Teil 1 und Kohlendioxyd und Temperaturen in der Vergangenheit in Teil 2 betrachtet Teil 3 Naturkatastrophen im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Welche Auswirkungen sind heute bereits erkennbar? Welche Wetterereignisse haben nichts bzw. noch nichts mit dem Klimawandel zu tun?

Auch wenn der Klimawandel eine globale Herausforderung darstellt, bezieht sich diese Bewertung auf die aktuelle Diskussion im deutschsprachigen Raum.

Gehen aktuelle Naturkatastrophen auf den Klimawandel zurück?

Unsicherheiten und Fehlermargen

Nach den weitgehend zustimmenden Aussagen zu der allgemeinen globalen Erwärmung wird es nun kritischer.

Für eine allgemeine Orientierung dienen die IPCC-Berichte, die weitgehend – wenn auch nicht immer – sehr zuverlässig sind.

Er herrscht in der deutschen Medienlandschaft weitgehend Konsens darüber, wir wüssten sowohl genau, was uns alles bevorsteht, als auch, was zu tun ist. Beides ist jedoch alles andere als das, was die IPCC-Berichte aussagen. Auf den letzten Aspekt – was zu tun ist – werde ich in Teil 4 eingehen.

Unsicherheiten gelten sogar bei der Aussage über den globalen Temperaturanstieg bei einer Verdoppelung des Kohlendioxid-Gehaltes in der Atmosphäre.

Recht sicher ist inzwischen, dass wir bei einer Verdoppelung des Kohlendioxid-Gehaltes eine mittelfristige Erwärmung zwischen 2 oC und 4,5 oC bekommen werden.

Wenn man noch sichere Spannen möchte, wären diese zwischen 1 oC und 6 oC, wobei 1oC deshalb sehr unwahrscheinlich ist, weil diese Erhöhung bereits ohne Verdoppelung erreicht worden ist.

Letztendlich obliegt es der Politik und deren Entscheidungsträgern, wie „optimistisch“ oder „pessimistisch“ sie planen wollen. Soll man sich auf den „Worst Case“ vorbereiten oder entspannt annehmen, dass alles doch nicht ganz so schlimm kommen wird?

Diese Unsicherheiten sind viel größer, wenn es sich um Wetterereignisse („Extremwetter“) der Gegenwart handelt.

Sind die Signale des Klimawandels bereits heute erkennbar oder könnten diese noch in die normale Spannweite fallen? Inwieweit ist der Klimawandel bereits heute für Hurrikans in den USA verantwortlich? Nehmen die Schäden aufgrund des Klimawandels bereits jetzt zu?

Klimasignale bei Wetterereignissen und Naturkatastrophen

Eine Antwort darauf, wie stark Wetterextreme auf den Klimawandel zurückgehen, muss sehr differenziert ausfallen. So sieht es auch der IPCC.

Nehmen Naturkatastrophen pauschal zu (Rezo 6:20)?

Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche haben wenig bis gar nichts mit dem Klima zu tun.

Es stimmt, dass wir bereits jetzt einige Extremwetter-Ereignisse haben, bei denen das „Klimasignal“ der globalen Erwärmung ziemlich sicher zu erkennen ist. Dazu gehören mehr sehr heiße Sommer, weniger sehr kalte Winter und mehr Starkniederschlag. Diese werden in den IPCC-Berichten als wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich angegeben.

Es stimmt auch, dass wir in Europa auf Hitze schlecht vorbereitet sind (Hirschhausen).

Langfristig sind eine Menge großer Probleme in Zukunft zu erwarten. Sie werden umso mehr und größer sein, je weniger und je später Emissionen reduziert werden.

Andere Phänomene und Krisen haben dagegen ganz andere primäre Ursachen. Oft sind die Ursachen unklar.

Nehmen zum Beispiel Wirbelstürme zu?

Einerseits kann man aus den Daten einen abnehmenden Trend herauslesen, wie es Science Skeptical mit einem besonders „günstigen“ Abschnitt tut. Das hatten wir schon einmal mit der Behauptung, es gäbe „nach 1998“ keine Erwärmung mehr.

Andererseits muss man festhalten, dass der IPCC einen gegenwärtigen Klima-Trend hin zu mehr Hurrikans oder Toronados nicht mit ausreichender Sicherheit bestätigt.

Die Darstellung bei Science Skeptical ist aber deshalb irreführend, weil sie ein „Cherry Picking“ ist. Andere Trends (Hitzewellen, Starkregen) sind sehr wohl bestätigt.

Die Taktik scheint offenbar: Unsichere Teile hervorheben, um andere Klimasignale mit wesentlich höherer Sicherheit mit in Abrede zu stellen.

Somit kommen wir zu einem großen Problem der aktuellen Diskussion:

Viele Aktivisten übertreiben zum Teil massiv, machen Fehler ohne ausreichende Recherche und verschweigen die Unsicherheiten mancher Aussagen. Solche Patzer werden dann von Wissenschaftsleugnern dankbar aufgegriffen, um die Klimaforschung insgesamt zu diskreditieren.

Auch die Tendenz mancher Klimaforscher, tatsächlich existierende Unsicherheiten kleinzureden, schadet der eigenen Glaubwürdigkeit.

Problematischer wird es, wenn auch ansonsten zuverlässige Quellen wie Skeptical Science (nicht zu verwechseln mit dem deutschsprachigen Science Skeptical) Wissenschaftler wie etwa Robert Pielke Jr. persönlich angreifen und als „Obfuscator“ brandmarken, wenn sie auf bestehende Unsicherheiten hinweisen.

Pielke hat in zahlreichen Veröffentlichungen gezeigt, dass die Schäden (Versicherungsschäden) durch Wirbelstürme nicht auf den Klimawandel zurückzuführen sind. Der IPCC hat einen früheren Bericht korrigiert.

Der Anstieg der Kosten durch Schäden geht nicht auf den Klimawandel, sondern vor allem auf die zunehmende Bebauung an der Küste zurück, wodurch auch gleich starke Wirbelstürme mehr Schaden verursachen.

Der IPCC-Bericht von 2012 mit dem Titel Managing the Risks of Extreme Events and Disasters to Advance Climate Change Adaptation kommt zu folgendem Schluss:

Increasing exposure of people and economic assets has been the major cause of long-term increases in economic losses from weather- and climate-related disasters (high confidence). Long-term trends in economic disaster losses adjusted for wealth and population increases have not been attributed to climate change, but a role for climate change has not been excluded (high agreement, medium evidence).

Im IPCC AR5 WG2, Kapitel 10.7.3, heißt es in Bezug auf “Observed and Projected Insured Losses from Weather Hazards”:

Economic growth, including greater concentrations of people and wealth in periled areas and rising insurance penetration, is the most important driver of increasing losses.

Kurz: Die höheren Schäden und Kosten durch Wirbelstürme sind vor allen darauf zurückzuführen, dass viel mehr und teurer in Küstengegenden gebaut wird. Wenn dann diese Gebiete durch Stürme heimgesucht werden sind die Kosten viel höher als früher.

Die Schäden aufgrund unterschiedlichster Ursachen sind in der folgenden Grafik zusammengefasst:

Die großen Ausschläge sind auf Erdbeben zurückzuführen, die wenig mit dem Klima zu tun haben.

Die folgende Grafik über die globalen Verluste durch Katastrophen stammt von der Münchener Rückversicherung, die auch im Rezo-Video zitiert wird:

Bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt gibt es insgesamt keinen Trend.

Sterben heute mehr Menschen wegen des Klimawandels?

Glücklicherweise gibt es auch viel mehr kostspielige Hilfsmaßnahmen, wodurch die Zahl der Opfer bei Naturkatastrophen ständig sinkt. Die Kosten aber steigen, und das ist gut so.

Kosten und Todesfälle gehen auf eine Menge unterschiedlicher Faktoren zurück. Gerade wenn wir in Zukunft größere Probleme, unter anderem durch einen steigenden Meeresspiegel, haben werden, heißt es nicht automatisch, dass wir mehr Todesfälle zu beklagen haben.

Weil ein Menschenleben heute gesellschaftlich viel mehr wert ist als vor 100 Jahren, wird glücklicherweise mehr investiert, um die Auswirkungen auf Menschen zu reduzieren.

So obliegt es uns und der Politik, durch Anpassungsmaßnahmen die Auswirkungen auf die Menschheit zu mindern. Auch die Unbekümmertheit, mit der wir an Stellen zu viel bauen, wo Naturkatastrophen wahrscheinlich sind, kann man überdenken.

Todesfälle durch Extremwetter nehmen ebenfalls nicht ab:

Eines sollte man sich allerdings klar machen, was manche unberechtigte Hinweise auf diese Statistiken verschweigen: Weniger Todesfälle durch Extremwetter bedeuten nicht (automatisch) weniger Extremwetter: Sehr effiziente Rettungs- und Hilfsmaßnahmen können auch den Effekt von mehr Extremwetter überkompensieren.

Zurück zum Rezo-Video, wo wir ein wiederkehrendes Problem haben: Die Aussagen gehen teils weit darüber hinaus, was „die Wissenschaft sagt“. Das gilt insbesondere für die Dramatisierung der Auswirkungen, die angeblich schon jetzt zu sehen sind.

Nehmen wir die Behauptung (Rezo 6:30), „ganze Landstriche“ seien untergegangen. Diese wird in Zusammenhang mit den Flüchtlingen in Bangladesch gebracht.

Stimmt das? Hat der Klimawandel bereits jetzt zu mehr Flüchtlingen und „Flüchtlingswellen“ geführt? Erwarten wir wirklich 230 bzw. 400 Millionen Flüchtlinge aufgrund des Klimawandels?

Schauen wir uns das zitierte World Migration Report 2018 an.

Es wird von 230 Millionen Flüchtlingen als Schätzung des Jahres 2003 ausgegangen, was auf 400 Millionen im neuesten Bericht korrigiert wurde, da die erste Zahl bereits überschritten ist.

Warum? Wir haben bereits 258 Millionen Flüchtlinge. Die Zahlen stimmen also, sie kommen aber nicht „zu uns.“

Zentral ist aber, dass im Bericht diese Zahlen nicht als Auswirkung des Klimawandels angegeben werden. Der Klimawandel wird erwähnt, aber nicht im Zusammenhang mit dieser Zahl. Die Forscher schreiben explizit, „Better data on climate change are required“ und sprechen von der Notwendigkeit, die Bevölkerung besser gegen den Klimawandel zu wappnen.

Dass es in Bangladesch eine Million Flüchtlinge durch den Klimawandel gibt, ist schlicht und einfach falsch. Die Rohingya werden als Muslime in Myanmar von der buddhistischen Mehrheit politisch verfolgt und sind deshalb nach Bangladesch geflüchtet.

Man kann postulieren, dass es möglicherweise zu Flüchtlingsbewegungen kommen wird, wenn die Meeresspiegel steigen und keine ausreichenden Anpassungsmaßnahmen vorgenommen worden sind. Diese Zahlen aber im Zusammenhang mit heutigen Flüchtlingsbewegungen zu nennen, ist irreführend.

Mai Thi hat diese Aussage als „korrekt“ durchgehen lassen. Meine Empfehlung: Die verlinkten Quellen erst einmal lesen.

Dass die Gefahr von Krankheiten, wie Malaria in Gebieten, in denen sie noch nicht vorhanden war, steigt, stimmt hingegen.

Allerdings gibt es kein Indiz dafür, dass dies bereits außerhalb der Subsahara, wo sie schon immer gewütet hat, zu einem immer größeren Problem wird. Man sieht an der Grafik von Our World in Data, dass die Zahl der Todesfälle durch Malaria in allen Kontinenten seit Anfang dieses Jahrtausends nach Erreichung eines Spitzenwertes sinkt.

Malaria ist ein weltweites Problem, das noch immer nicht gelöst ist, vor allem für die Menschen in Afrika.

Dass wir dennoch ein massives Problem haben zeigt Folgendes: Laut Bill Gates wird im Moment viermal so viel für die Behandlung von Glatzen bei Männern ausgegeben (2 Milliarden US-Dollar) wie für Malaria (547 Millionen US-Dollar).

Bessere Prioritäten zu setzen wären schon sinnvoll.

Ich persönlich schätze, dass eine Ausweitung der Malaria in „unsere“ Gegende möglicherweise eher zu weltweit höheren Investitionen führen wird, um das Problem zu bekämpfen, siehe die Erfolge bei AIDS, einer Krankheit, die im reichen Norden virulent war.

Auch ist die Aussage, es sei schon jetzt alles schlimmer geworden und es gäbe nur Verlierer, stimmt so nicht.

Mai Thi bemerkt hierzu richtig, dass manche Regionen (Sibirien, Kanada) zumindest mittelfristig profitieren könnten. Die Gesamtbilanz ist allerdings negativ. Dieser Unterschied ist mitunter auch ein Problem bei den Klimaverhandlungen. Manche russischen Experten, die keineswegs den Klimawandel leugnen, betonen, das alles sei bei ihnen kein Problem.

Dass es ein massives Problem mit den Korallenriffen wegen der Übersäuerung der Meere gibt, stimmt ebenfalls. Das NOAA ist eine von vielen Quellen, die darauf eingehen.

Probleme bei der Berichterstattung

Bei aller Anerkennung der großen Probleme ist es aber nicht okay, jede Wetterkapriole auf den Klimawandel zurückzuführen.

Eine voreilige und nach genauerer Recherche unrichtige Erklärung aufkommender Naturkatastrophen durch den Klimawandel schädigt letztendlich die Glaubwürdigkeit des Journalismus und der Klimaforschung und liefert den echten Klimawandel-Leugnern Munition.

Beispiel 1: Der Ausbruch von Feuer im Regenwald von Amazonas geht vor allem auf Brandstiftung zurück, nicht auf den Klimawandel. Hierzu Alberto Setzer vom Brasilianischen Weltraum-Forschungszentrum INPE:

There is nothing abnormal about the climate this year or the rainfall in the Amazon region, which is just a little below average

Beispiel 2: Cyclone Idai, über den Paulo Ceppi vom Grantham Institute am Imperial College London schreibt:

There is a direct link between global warming and cyclone intensity.

Wobei diese Zunahme laut einer Analyse der letzten 60 Jahre alles andere als klar ist.

Es lohnt sich, nicht gleich den Klimawandel als Übeltäter zu proklamieren, sondern erst nüchtern die Fakten zusammenzutragen und ggf. die wissenschaftliche Literatur zu konsultieren.

Zusammenfassend kann man feststellen, dass bezüglich der heutigen Auswirkungen des Klimawandels oft – auch in den Medien – maßlos übertrieben wird. Manche Auswirkungen sind belegt, andere aber (noch) nicht.Es hilft der Diskussion und der Glaubwürdigkeit der Wissenschaft nicht, jedes Wetterereignis und jede Krise auf den Klimawandel zurückzuführen.

Zum Weiterlesen:

5. Oktober 2019
von Bernd Harder
Keine Kommentare

Der Mythos von den „wahren Impfschäden“

Aktueller Beitrag im Berliner Tagesspiegel:

Die Autoren von „Klartext Impfen“, Thomas Schmitz und Sven Siebert, schreiben über Impf-Nebenwirkungen.

Fragen nach der Sicherheit und Wirksamkeit von Impfstoffen sind berechtigt. Es ist aber eine Legende, dass diesen Fragen nicht sorgfältig nachgegangen würde. Es mag mitunter der Fall sein, dass Ärzte die Bedenken ihrer Patienten bei einer Impfentscheidung ungeduldig oder sogar barsch abtun. Nicht selten landen diese dann bei Ärzten, die dem Impfen kritisch oder sogar ablehnend gegenüberstehen, weil sie dort „endlich verstanden werden“. Das allerdings ist dann ein eindeutig negativer Effekt der Impfmedizin.

Zum Weiterlesen:

  • Das mulmige Gefühl vor der nächsten Impfung, tagesspiegel am 3. Oktober 2019
  • „Klartext Impfen“ – Susannchens Buchempfehlung, Susannchen braucht keine Globuli am 26. September 2019
  • Die Grippe. Die echte! INI am 25. September 2019
  • SkepKon-Video: Impfakzeptanz bei Ärztinnen und Ärzten in Deutschland, GWUP-Blog am 27. September 2019

5. Oktober 2019
von Bernd Harder
5 Kommentare

Astrologie: „Der Spiegel“ kollidiert mit den Zwillingsplaneten Auflagen- und Bedeutungsverlust

In „unsicheren Zeiten“, in denen man sich „auf gar nichts mehr verlassen kann“, gebe die Astrologie „Antworten auf ein System, das nicht mehr funktioniert“ – analysierte vor zwei Wochen Die Zeit.

Und wo ist die Not derzeit am größten?

Beim Spiegel zum Beispiel. Zuerst die Relotius-Affäre, dann konnte das Blatt eine angebliche „Enthüllung“ über Schiebereien bei der Fußball-Weltmeiserschaft in Brasilien nicht belegen. Und jetzt verliert auch noch das renommierte „Gesellschafts“-Ressort seinen exklusiven Status und geht künftig im schnöden Alltag der Hauptredaktion auf.

Angesichts dieser Schmach hat es bei der „Edelfeder-Truppe“ (Horizont) anscheinend endgültig ausgesetzt.

In der aktuellen Ausgabe (41/2019) befragt die „Gesellschafts“-Redaktion die Sterne respektive den Herrn Ludwig vom Deutschen Astrologen-Verband, wie das alles weitergehen soll. Also mit den „unsicheren Zeiten“. Und der „Unruhe“. Und wann’s wieder „besser wird“.

Wie ein schwer verunsicherter Mittfünfziger, den in der Midlifecrisis die Angst vor Jobverlust, Scheidung, Hormonproblemen und höheren Alkoholpreisen umtreibt, lassen die Kollegen sich von den Standardphrasen des Astro-Fabulanten einlullen.

Möglicherweise soll das Ganze ja irgendwie selbstironisch wirken. Stattdessen belegt das traurige Kasterl auf Seite 44 wohl eher den Abschied des Spiegel von jedweder Qualitätskontrolle. Denn nicht einmal einen Journalisten namens „Max Plonyi“ (bei der Spiegel+-Version) gibt es.

Sondern nur einen Max Polonyi.

Die Grabrede hält der Charismatische Guru Lorenz Meyer:

Bis vor kurzem stand der „Spiegel“ ganz im Zeichen des Märchenplaneten Relotius. Nun droht die Konjugation mit dem Boulevard-Planeten. Orientierungslos torkelt Ihr durch das All. Eine Kollision mit den Zwillingsplaneten Auflagen- und Bedeutungsverlust sendet ihre ersten Vorzeichen.

Zum Weiterlesen:

  • In der „Zeit“: Der neue Astro-Boom – „ein Trostpflaster, nur ein bisschen teuer vielleicht“, GWUP-Blog am 1. Oktober 2019

4. Oktober 2019
von Bernd Harder
Keine Kommentare

Video: „Science Busters“ und „Methodisch inkorrekt“ bei Barbara Karlich

Reinhard Remfort von Methodisch inkorrekt und die „Science Busters“ Elisabeth Oberzaucher, Martin Moder und Florian Freistetter in der Barbara Karlich Show:

Sie möchten wissen, wie man Kometen herstellen kann oder warum so viele Menschen auf Homöopathie schwören? Dann werden Sie Zeuge von spannenden Experimenten und Erklärungen der „Science Busters“ und ihrer Kollegen aus der Wissenschaft.

Hier geht’s zum Video (zirka 51 Minuten).

Zum Weiterlesen:

  • Die Science Busters im Interview mit dem Skeptiker: „Überall steckt Wissenschaft drin“, hpd am 15. Dezember 2017
  • Minkorrekt-Podcast Folge 151: „Ig-Nobelpreise 2019“ vom 24. September 2019