gwup | die skeptiker

… denken kritisch seit 1987.

27. Juli 2026
von Felix Pfannstiel
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Skeptitalk: Homöopathie und Anthroposophie aus philosophischer Perspektive

Neue Folge Skeptitalk ist raus. Die Shownotes sagen:

In dem Gespräch stellt der Philosoph Mathis Lessau sein Buch zu den philosophischen und erkenntnistheoretischen Grundlagen von Homöopathie und anthroposophischer Medizin vor. Er erklärt, dass ihn vor allem die theoretischen Rechtfertigungen dieser Verfahren interessieren, also die Weltbilder und Argumentationsmuster, mit denen sie als wissenschaftlich dargestellt werden.

Lessau beschreibt die historischen Bezüge der Homöopathie zu Hahnemann und Humes Skepsis gegenüber Kausalität sowie die anthroposophische Medizin bei Steiner als noch stärker auf geistige Grundannahmen gestützt. Gegenüber Kritik plädiert er dafür, solche Positionen zunächst fair zu rekonstruieren und die Debatte sachlich zu führen, statt polemisch zu argumentieren.

Inhalt:

  • Vorstellung [ab 0:30 min]
  • Philosophie statt Wirksamkeit [ab 2:30 min]
  • Kein Glaube, sondern Wissenschaft [ab 6:50 min]
  • Polemik oder sachliche Debatte [ab 10:20 min]
  • Warum überzeugt das so? [ab 14:30 min]
  • Hahnemanns skeptische Wurzeln [ab 15:50 min]
  • Steiners Geistphilosophie [ab 23:10 min]
  • Geist, Bewusstsein und Moderne [ab 26:30 min]
  • Wirkt das auch bei Tieren? [ab 34:50 min]
  • Die Kernaussage des Buches [ab 37:10 min]
  • Mit Gedankenexperimenten argumentieren [ab 38:50 min]

Onkel Michael wünscht:

Fragen, Anmerkungen, Themenvorschläge oder Beschimpfungen gerne an skeptitalk@gwup.org

Neben Transistor.fm ist der Podcast auch auf weiteren Plattformen verfügbar: Apple PodcastSpotifyOvercastPocket CastsAmazon MusicYouTubeCastroGoodpodsMetacastCastboxPodcast AddictPlayer FMDeezer.

Zum Thema:

  • Video: Corona und Alternativmedizin – Dr. Mathis Lessau, Universität Freiburg am 03.03.2021
  • Buch: Mathis Lessau: Der Geist der Heilung. Philosophische Rechtfertigungsstrategien in Anthroposophischer Medizin und Homöopathie, Psychosozial-Verlag 2026, 348 Seiten, 49,90 €

Hinweis:

Falls ihr Ideen, Anregungen oder Empfehlungen habt bzw. selbst ein Gastkapitel für den GWUP-Blog schreiben möchtet, kontaktiert uns unter: blog@gwup.org.

24. Juli 2026
von Felix Pfannstiel
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Kritisches Denken als Teil der KI-Sicherheit: Johannes Zeller rückt den Menschen in den Mittelpunkt

Eine Frage, mit der sich die skeptische Szene künftig wohl verstärkt beschäftigen muss: Wie interagieren KI-Systeme mit den kognitiven Verzerrungen ihrer Nutzer?

GWUP-Mitglied Johannes Zeller hat dazu einen Fachartikel im Journal AI and Ethics veröffentlicht. Der Beitrag (Defending against AI-driven social engineering: a conceptual framework) ist nur hinter einer Paywall verfügbar:

Johannes Zeller argumentiert, dass der Anfälligkeitsfaktor Mensch noch zu wenig berücksichtigt werde:

Artificial intelligence (AI) systems capable of persuasive communication introduce new safety risks by exploiting human cognitive and emotional biases. Existing AI safety approaches, largely centered on alignment, robustness, and interpretability, focus on controlling system behavior while leaving human susceptibility to manipulation largely unaddressed.

Er denkt das Thema deshalb breiter. Sein Ansatz gegen KI-bedingtes Social Engineering reicht von der psychologischen Widerstandsfähigkeit des Einzelnen über technische Schutzmaßnahmen bis hin zu Regeln für Organisationen.

Der Fachartikel richtet sich in erster Linie an Forscher und Entscheidungsträger im KI-Bereich. Die zentrale Fragestellung berührt aber natürlich auch klassische skeptische Themen: kognitive Verzerrungen und die Bedeutung kritischen Denkens in einer zunehmend von KI geprägten Informationswelt. Deshalb wird Johannes Zeller die Ergebnisse seiner Studie auch für den Skeptiker allgemeinverständlich aufbereiten. Der Beitrag erscheint in den kommenden Wochen auf unserer Website.

Zum Thema:

  • Artikel: „Zwischen apokalyptischen Warnungen und utopischen Visionen“ – Johannes Zeller mit Gastbeitrag auf Wissenschaftskommunikation.de über Künstliche Intelligenz, GWUP-Blog am 29.08.2025
  • Video: Konflikt & freier Diskurs – Johannes Zeller im Gespräch, Skeptische Gesellschaft vom 10.04.2025
  • Artikel: KI, Medien und skeptische Grundsätze – Johannes Zeller im Podcast „Kritische Köpfe“, GWUP-Blog vom 10.04.2025
  • Video: Deepfakes entlarvt: Mit Johannes Zeller in das KI-Zeitalter – Exklusiv zur SkepKon 2025, GWUP-YT-Kanal vom 03.04.2025

Hinweis:

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22. Juli 2026
von Felix Pfannstiel
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Schmeichelei mit Geschäftsmodell: Udo Endruscheit blickt in einem augenzwinkernd-informativen Blogartikel auf die Predatory Journals

Wer wissenschaftlich arbeitet, wird früher oder später mit so etwas konfrontiert:

Manchmal landen E‑Mails im Postfach, die so viel Schleim versprühen, dass man sie eigentlich mit Gummihandschuhen öffnen müsste.

So Udo Endruscheit in einem seiner neueren Blogartikel.

Es geht um die sogenannten Predatory Journals:

Kein Peer Review, keine Redaktion, keine wissenschaftliche Kultur – nur der Versuch, mit leicht fauligem semantischem Schaum eine Fassade zu errichten, die für manche Empfänger tatsächlich überzeugend wirkt. Gerade dort, wo Englischkenntnisse begrenzt sind, wird dieser Ton leicht als professionell missverstanden. Und genau deshalb funktionieren solche Mails immer noch.

Weil Udo eben schon in seriösen Journalen publiziert hat und er bei PubMed indexiert ist, erhält auch er regelmäßig Anfragen solcher dubiosen Anbieter.

Sie suchen Artikel, die sie veröffentlichen können, und – wie Udo feststellt –

gegen Kohle publizieren sie alles.

Hinter solchen Einzelfällen im Posteingang liegt aber ein größeres Problem:

Das wissenschaftliche Publikationswesen hat in den letzten zwei Jahrzehnten eine Ökonomisierung erlebt, die an vielen Stellen die Grenze zwischen seriöser Infrastruktur und Geschäftsmodell aufweicht. Wo Publikationsdruck, Open‑Access‑Gebühren und Reputationsökonomien zusammentreffen, entstehen zwangsläufig Grauzonen – und in diesen Grauzonen wuchern die Predatory Journals wie Algen in warmem Wasser.

Sein Fazit zu den Journals:

Sie sind nicht das Problem, sondern ein Symptom. Ein Symptom dafür, dass wissenschaftliche Kommunikation längst nicht mehr nur ein epistemischer Prozess ist, sondern ein Markt. Und auf jedem Markt gibt es Händler, die mit glänzenden Versprechen und fragwürdigen Waren unterwegs sind.

Zum Volltext.

Zum Thema:

  • Artikel: The threat by ‘Predatory Journals’: hard to over-estimate!, Edzard Ernst am 14.08.2023

Hinweis:

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18. Juli 2026
von Felix Pfannstiel
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Petition gegen geplante Änderungen am Denkmalschutz in Niedersachsen

Der Archäologe Leif Inselmann hat im Skeptischen Netzwerk mit klaren Worten auf eine Petition aufmerksam gemacht:

Die Politik setzt ihren Vernichtungskrieg gegen die Kultur fort. Mit der geplanten Änderung des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes soll der Schutz in Niedersachsen für 85 % aller bekannten und sämtliche noch unbekannten Bodendenkmale de facto abgeschafft werden – eine Katastrophe, die nicht nur zum Verlust zahlreicher hochqualifizierter Arbeitsplätze, sondern auch zu einer Zerstörung jahrtausendealten Kulturgutes ohnegleichen führen wird. Daher unterschreibt unbedingt die Petition gegen die niederträchtigen Pläne der niedersächsischen Landesregierung!

Besagte Petition ist auf openPetition zu finden:

Dort heißt es:

Die Landesregierung in Hannover will das Niedersächsische Denkmalschutzgesetz (NDSchG) ändern (Link zur PressemitteilungLink zum Gesetzentwurf mit BegründungLink zur Synopse). Das Ziel: Verfahren sollen einfacher, schneller und günstiger werden. Doch was zunächst elegant klingt, hätte weitreichende negative Folgen für die Archäologie in Niedersachsen, für Bauvorhaben und Bauherren – und sogar den Arbeitsmarkt. Im Namen aller, denen das kulturelle Erbe und die Geschichte in Niedersachsen am Herzen liegen, wehren wir uns gegen die geplanten Gesetzesänderungen. Wir fordern: Der bestehende Gesetzesentwurf muss vom Tisch!

Eine ausführliche Einordnung der geplanten Gesetzesänderung findet sich auf dem Blog Archaeologik.

Wer den Erhalt des archäologischen Kulturerbes unterstützen möchte, kann die Petition unterzeichnen. Bis zum Erreichen des nächsten Quorums werden noch einige Unterschriften benötigt.

Zum Thema:

  • Artikel: Abwicklung des Denkmalschutzes in Niedersachsen – Petition unterschreiben!, Archaeologik am 15.07.2026
  • Artikel: Landesregierung stutzt den Denkmalschutz, Rundblick Niedersachsen am 07.07.2026

Hinweis:

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16. Juli 2026
von Felix Pfannstiel
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Von Alexandria bis Pizzagate: Eine Geschichte antisemitischer Verschwörungstheorien in der neuen Skeptitalk-Folge

Onkel Michael steigt in der neuen Skeptitalk-Folge tief in die Geschichte antisemitischer Verschwörungstheorien ein. Er schreibt:

In dieser Folge begeben wir uns auf eine historische Spurensuche – von der antiken Metropole Alexandria über das mittelalterliche Europa bis in die sozialen Netzwerke der Gegenwart. Wir verfolgen die Geschichte der Ritualmordlegende, einer der langlebigsten und folgenreichsten antisemitischen Verschwörungserzählungen überhaupt, und zeigen, wie sich ihre Motive über mehr als zweitausend Jahre hinweg immer wieder neu erfunden haben. 

Dabei geht es nicht nur um Geschichte. Es geht auch um die Psychologie von Gerüchten, Propaganda und Verschwörungserzählungen – und um die Frage, weshalb sie bis heute so wirkungsvoll sind. 

Eine dokumentarische Reise durch Geschichte, Psychologie und Mediengeschichte – und ein Blick darauf, warum historisches Wissen helfen kann, Manipulation in der Gegenwart besser zu erkennen.

Inhalt:

  • Einleitung [ab 0:00 min]
  • Alexandria [ab 8:00 min]
  • Ritualmordlegende [ab 25:30 min]
  • William von Norwich und weitere Morde [ab 34:00 min]
  • Warum wurden/werden diese Geschichten geglaubt? [ab 51:40 min]
  • Mord in Xanten 1891 [ab 1:00:30 h]
  • Warum verschwanden die antisemitischen Verschwörungstheorien nach Auschwitz nicht? [ab 1:10:40 h]
  • Alte Geschichten in neuem Gewand: Pizzagate, QAnon [ab 1:20:00 h]
  • Fazit [ab 1:29:00 h]

Onkel Michael wünscht:

Fragen, Anmerkungen, Themenvorschläge oder Beschimpfungen gerne an skeptitalk@gwup.org

Neben Transistor.fm ist der Podcast auch auf weiteren Plattformen verfügbar: Apple PodcastSpotifyOvercastPocket CastsAmazon MusicYouTubeCastroGoodpodsMetacastCastboxPodcast AddictPlayer FMDeezer.

Zum Thema:

  • Artikel: Von Brunnenvergiftung bis Zinswucher – Eine Übersicht antisemitischer Narrative, Onkel Michaels kleine Welt am 08.11.2023
  • Buch: Michael Scholz: Antisemitische Verschwörungstheorien. Eine aktuelle Darstellung von Brunnenvergiftung bis Zinswucher, Alibri 2024, 175 Seiten, 16,00 €

Hinweis:

Falls ihr Ideen, Anregungen oder Empfehlungen habt bzw. selbst ein Gastkapitel für den GWUP-Blog schreiben möchtet, kontaktiert uns unter: blog@gwup.org.

14. Juli 2026
von Felix Pfannstiel
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„Moderner Skeptizismus muss epistemisch nachrüsten“ – Udo Endruscheit im Interview zu seinem neuen Buch

Was bedeutet Wahrheit in einer Zeit von „alternativen Fakten“ und „I speak my truth“? Mit dieser Frage (und weiteren) beschäftigt sich Udo Endruscheit in seinem neuen Buch Vom Zweifel zur Haltung – Eine Reise durch die Geschichte der Erkenntnis, das vor wenigen Wochen im Alibri-Verlag erschienen ist.

Im Skeptitalk hat er mit Onkel Michael bereits über das Buch gesprochen. Nachdem ich es nun selbst gelesen habe, wollte ich ihm noch einige weiterführende Fragen stellen.

Vom Zweifel zur Haltung – Eine Reise durch die Geschichte der Erkenntnis

von Udo Endruscheit

GWUP-Blog: Hallo Udo! Herzlichen Glückwunsch zur Veröffentlichung Deines Buchs „Vom Zweifel zur Haltung – Eine Reise durch die Geschichte der Erkenntnis“, das seit Ende Mai beim Alibri-Verlag erhältlich ist. Du zeichnest darin die Entwicklung des Wahrheitsbegriffs von den Anfängen der antiken Philosophie bis hin zu aktuellen Debatten (Stichwort “alternative Fakten” und “I speak MY truth.”) nach. Damit schlägst Du den Bogen über mehr als zwei Jahrtausende Philosophiegeschichte. Im Buch vermittelst Du nicht nur einen historischen Überblick, sondern gibst den Lesern mit den Literaturhinweisen, dem Personenverzeichnis und dem Glossar auch etliche Möglichkeiten zur eigenen Vertiefung. Was hat Dich dazu bewogen, gerade diese historische Perspektive einzunehmen, statt Dich nur auf die aktuellen Debatten über Wahrheit und Wissenschaft zu konzentrieren?

UE: Die historische Perspektive war für mich kein Selbstzweck, sondern eine Notwendigkeit. In den aktuellen Debatten über Wahrheit, Wissenschaft und „alternative Fakten“ wird oft so getan, als seien diese Phänomene neu. Tatsächlich ist die historische Linie der Suche nach Wahrheit und Erkenntnis vielfach gewunden – und vieles ist heute auch nicht neu. Wer verstehen will, warum Wahrheit heute als „perspektivisch“ oder „relativ“ gilt, muss sehen, wie sich der Wahrheitsbegriff von der Antike über die Aufklärung bis zur Postmoderne verschoben hat. Die Historie ist ja auch nicht der alleinige Inhalt des Buches – sie führt in der zweiten Hälfte hin zu den Auseinandersetzungen der Gegenwart und will diesen Verständnistiefe geben.

Ein Auslöser für das Buch war eine Einsicht, die ich in der skeptischen Arbeit der letzten Jahrzehnte immer deutlicher gespürt habe: Moderner Skeptizismus muss epistemisch nachrüsten. Wir argumentieren oft sehr gut auf der Faktenebene – aber wir unterschätzen, wie sehr irrationale Grundüberzeugungen aus kulturellen Weltbildern entstehen. Die Pseudomedizin hat epistemisch längst aufgerüstet, auch mit dem Arsenal der Postmoderne, und Homöopathie ist dafür ein gutes Beispiel: Die fachlichen Argumente dagegen sind seit Jahrzehnten klar, aber sie stoßen auf die Grenzen epistemischer Verzerrungen. Diese gilt es zu verstehen.

Deshalb wollte ich nicht nur die Geschichte des Wahrheitsbegriffs erzählen, sondern zeigen, warum wir überhaupt eine gemeinsame Vorstellung von Wahrheit brauchen, um sinnvoll miteinander sprechen zu können – und warum Skeptizismus heute nicht nur Fakten verteidigen muss, sondern auch die Bedingungen, unter denen Fakten überhaupt zählen.

GWUP-Blog: Beim Lesen fällt auf, dass Du die einzelnen Philosophen nicht einfach chronologisch vorstellst, sondern ihre Positionen immer wieder mit dem skeptischen Erkenntnisideal in Beziehung setzt. So erscheint z. B. David Hume mit seinem Induktionsproblem bei Dir als jemand, der auf die Grenzen unseres Wissens aufmerksam macht, ohne jedoch den Wahrheitsbegriff aufzugeben. Ähnlich differenzierst Du auch beim Historismus gegenüber späteren postmodernen Positionen. War es Dir wichtig, die Unterscheidung zwischen wissenschaftlichem Skeptizismus und relativistischen Positionen stets sichtbar zu halten?

UE: Ja, diese Unterscheidung war mir sehr wichtig. Der historische Teil des Buches ist ja kein Selbstzweck, sondern der notwendige Vorlauf für die zweite Hälfte, in der ich die gegenwärtigen Debatten epistemisch einordne. Skeptizismus ist für mich kein bloßes „Zweifeln“, sondern eine Haltung, die Wahrheit ernst nimmt, gerade weil sie weiß, wie schwierig sie zu erreichen ist. Deshalb wollte ich zeigen, dass Skepsis nicht automatisch in den Relativismus führt.

Viele Positionen der Philosophiegeschichte – Hume ist ein gutes Beispiel – markieren die Grenzen unseres Wissens, ohne den Wahrheitsbegriff aufzugeben. Das unterscheidet sie deutlich von späteren Strömungen, in denen Wahrheit als Perspektive oder als Ausdruck von Identität verstanden wird. Diese Differenz ist für die Debatten der Gegenwart zentral.

Der historische Teil des Buches sollte daher nicht nur zeigen, was gedacht wurde, sondern warum bestimmte epistemische Linien zu den heutigen Konflikten geführt haben. Die zweite Hälfte des Buches entwickelt sich genau aus dieser Genealogie: Sie versucht zu erklären, weshalb wir heute zwischen wissenschaftlichem Skeptizismus und relativistischen Positionen so klar unterscheiden müssen – und weshalb moderner Skeptizismus ein epistemisches Fundament braucht, das über reine Faktenargumentation hinausgeht.

GWUP-Blog: Obwohl Du die erkenntnistheoretischen Konsequenzen der Postmoderne kritisch beurteilst, setzt Du Dich mit ihren Vertretern differenziert auseinander. Auch in Deiner Blogreihe zum Erkenntnisrelativismus betonst Du etwa, dass Denker wie Lyotard Dein eigenes Weltbild durchaus beeinflusst haben. Welche Einsichten der Postmoderne sollten Skeptiker und Aufklärer aus Deiner Sicht ernst nehmen und wo beginnt für Dich der Punkt, an dem sie problematisch werden?

UE: Die Postmoderne hat wichtige Einsichten geliefert, die man nicht einfach abtun sollte. Sie hat uns gelehrt, wie sehr Wissen situiert ist, wie stark Machtstrukturen unsere Wahrnehmung prägen und wie vorsichtig wir mit großen vermeintlich sinnstiftenden Erzählungen sein müssen. Diese Impulse haben auch mein eigenes Denken beeinflusst. Sie schärfen den Blick dafür, dass Erkenntnis nie völlig voraussetzungslos ist und dass jede Form von Wissenschaft in gesellschaftliche Kontexte eingebettet bleibt.

Problematisch wird die Postmoderne aber dort, wo aus der berechtigten Kritik an Wahrheitsansprüchen die Ablehnung von Wahrheit als solcher wird. Wenn jede Perspektive als gleich gültig erscheint, verlieren wir die gemeinsame Welt, in der Gründe zählen. Dann wird Skepsis nicht mehr zur Methode, sondern zur Haltung der Beliebigkeit. Genau an diesem Punkt kippt erkenntniskritische Vorsicht in epistemische Unverbindlichkeit.

Für Skeptiker und Aufklärer ist diese Grenze entscheidend. Wir können die Einsichten der Postmoderne ernst nehmen – etwa die Sensibilität für Prägung durch Macht, Sprache und Kontext –, ohne den Wahrheitsbegriff preiszugeben. Skeptizismus braucht ein epistemisches Fundament, das erklärt, warum wir überhaupt zwischen begründeten Urteilen und bloßen Behauptungen unterscheiden können. Die Postmoderne zeigt uns, wo Wahrheit kompliziert wird; sie darf uns aber nicht dazu verleiten, Wahrheit für verzichtbar zu halten.

GWUP-Blog: Auf Seite 92 deutest Du an, dass die Rezeption dekonstruktivistischer Ansätze in Teilen der Sozial- und Geisteswissenschaften zu Entwicklungen beigetragen haben könnten, die schließlich in der Replikationskrise mündeten. Möchtest Du diesen Zusammenhang noch näher erläutern?

UE: Ich wollte mit dieser Bemerkung keinen Kausalzusammenhang behaupten. Die Replikationskrise ist ein komplexes Phänomen, das viele methodische und strukturelle Ursachen hat – von kleinen Stichproben über p-Hacking bis hin zu Publikationsdruck. Aber wenn man genauer hinschaut, erkennt man auch eine epistemische Hintergrundkorrelation, die man nicht übersehen sollte.

In Teilen der Sozial- und Geisteswissenschaften hat sich seit den 1980er-Jahren ein Klima etabliert, in dem Interpretation oft höher bewertet wurde als Überprüfbarkeit. Objektivität galt als Machtinstrument, Methode als kulturelle Praxis, und Erkenntnis wurde zunehmend als Narrativ verstanden. Das sind einerseits legitime theoretische Impulse, aber gleichzeitig auch postmodern infiltriertes „Grundwasser“, wie ich es im Buch nenne. Dies hat in der Breite dazu geführt, dass die normative Kraft epistemischer Strenge geschwächt wurde. Wenn Forschung primär als Interpretation gilt, verliert die Frage nach Replizierbarkeit und Robustheit ihren verpflichtenden Charakter.

Die „Bruchlandung“ von Daryl Bem, die die Replikationskrise auslöste, war in diesem Sinne kein Ausreißer, sondern ein Symptom. Er arbeitete bereits innerhalb eines Systems, das narrative Überzeugung belohnte und methodische Schwächen zunehmend weniger als Problem erkannte. Dass die Replikationskrise genau in diesen Feldern besonders stark auftrat, ist daher kein Zufall – nicht als Kausalität, aber als Ausdruck des „epistemischen Grundwassers“, das sich über Jahrzehnte verändert hatte.

Die Gegenmaßnahmen – Präregistrierung, Open Data, robuste Statistik – sind deshalb mehr als technische Korrekturen. Sie markieren eine Rückkehr zur epistemischen Verantwortung. In diesem Sinne kann man die Replikationskrise durchaus als Wendepunkt sehen: Sie zeigt, dass wir die Einsichten der Postmoderne ernst nehmen können, ohne die Bedingungen aufzugeben, unter denen wissenschaftliche Erkenntnis überhaupt möglich ist.

GWUP-Blog: Im Epilog erwähnst Du die Beobachtung, dass die Philosophie die Postmoderne allmählich hinter sich lässt. Wie könnte so eine “Post-Postmoderne” aussehen? Welche Rollen werden Wahrheit, Wissenschaft und Skeptizismus Deiner Einschätzung nach dabei spielen?

UE: Am Schluss des Buches gehe ich ja darauf ein. Es gibt deutliche Marker dafür, dass die Philosophie die Postmoderne hinter sich lässt, ohne ihre Einsichten zu vergessen. Eine „Post-Postmoderne“ wäre keine Rückkehr zu alten Gewissheiten, sondern eine epistemische Neuorientierung, die zwei Dinge gleichzeitig ernst nimmt: die Situiertheit von Wissen und die Notwendigkeit eines verbindlichen Wahrheitsbegriffs.

Man kann diese Bewegung bereits bei Denkern wie Jürgen Habermas und Vittorio Hösle beobachten. Beide stehen für sehr unterschiedliche Traditionen, aber sie markieren denselben Übergang: Sie nehmen die kritischen Impulse der Postmoderne ernst, ohne den Wahrheitsbegriff preiszugeben. Bei Habermas geschieht das über die Idee einer kommunikativen Rationalität, bei Hösle über eine erneuerte Form normativer Objektivität im Sinne einer ethischen Qualität. Das wäre in etwa die „Haltung“ einer epistemischen Redlichkeit, wie sie im Buchtitel schon benannt ist. In beiden Fällen wird deutlich, dass Wahrheit wieder als regulative Idee verstanden wird – nicht absolut, aber verbindlich.

Wissenschaft spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie ist die Praxis, in der wir diese regulative Idee operationalisieren – durch überprüfbare Methoden, transparente Verfahren und die Bereitschaft, Irrtümer zu korrigieren.

Skeptizismus wird in einer solchen Post-Postmoderne nicht nur als Faktenprüfung verstanden, sondern als Haltung, die die Bedingungen der Erkenntnis reflektiert. Er muss erklären können, warum wir Fakten brauchen und warum bestimmte epistemische Standards unverzichtbar sind. In diesem Sinne ist Skeptizismus ein Teil der Lösung: Er verbindet die kritische Sensibilität der Postmoderne mit der normativen Kraft eines aufgeklärten Wahrheitsbegriffs.

Aus dem Klappentext:

Dieses Buch rekonstruiert die Entwicklung des Wahrheitsbegriffs von der antiken Philosophie über die Aufklärung bis zu den postmodernen Infragestellungen des 20. Jahrhunderts. Es zeigt, wie diese Denkbewegungen bis heute in unsere öffentlichen Debatten hineinwirken: in der Gleichsetzung von Meinung und Wissen, der Berufung auf persönliche Erfahrung statt auf überprüfbare Begründung und der moralischen Aufladung von Diskursen.

Wahrheit ist kein abstrakter Begriff, sondern eine kulturelle Praxis – und sie hat eine Geschichte. Wer heute über Wissenschaft, Öffentlichkeit oder Wirklichkeit spricht, muss diese Geschichte kennen, um die Dynamiken unserer öffentlichen Debatten zu verstehen. Dieses Buch legt die verschütteten Zusammenhänge frei und bietet Orientierung in einer Zeit, in der Wahrheit zugleich bestritten, relativiert und dringend gebraucht wird.

Zum Thema:

  • Artikel: Neues Buch: Udo Endruscheit fragt nach Wahrheit und Erkenntnis (Interview im Skeptitalk), GWUP-Blog am 26.05.2026
  • Artikel: Erkenntnisrelativismus und seine Folgen – eine Artikelreihe, Udo Endruscheit (Science and Sense) am 19.06.2025

Hinweis:

Falls ihr Ideen, Anregungen oder Empfehlungen habt bzw. selbst ein Gastkapitel für den GWUP-Blog schreiben möchtet, kontaktiert uns unter: blog@gwup.org.

12. Juli 2026
von Felix Pfannstiel
11 Kommentare

Nikil Mukerji startet eigenen YouTube-Kanal

Nikil Mukerji hat einen eigenen YouTube-Kanal gestartet. Unter dem Namen System 2 möchte er nach eigener Aussage

[k]lare Gedanken zu aktuellen Themen für Deine intellektuelle Selbstverteidigung

liefern.

Da kam jetzt diese Woche das erste Video:

Was die kranke Debatte über Apollo News zeigt

Nikil steigt ins Video ein:

Ein Reporter liegt am Boden. Um ihn herum Menschen, die ihn verfolgt und bedrängt haben. Dann Tritte gegen den Kopf. Das war am letzten Wochenende in Erfurt. Drei Reporter von Apollo News wurden bei Protesten gegen den AfD-Parteitag körperlich angegriffen. Polizei ermittelt und das Netz kocht.

Für Nikil ist dabei nicht nur der Vorfall selbst bemerkenswert, sondern vor allem die Art, wie anschließend darüber diskutiert wurde:

Diese Debatte ist krank.

Warum? Er macht drei Mechanismen aus, die aus seiner Sicht eine rationale Auseinandersetzung erschweren:

  • Morality binds (Gruppensolidarität kann uns den Blick auf die Wirklichkeit verstellen.)
  • Morality blinds („Was muss wahr sein, damit meine Seite Recht hat?“ statt „Was ist wirklich passiert?“)
  • Morality ‚kills‘ (Moral teilt Menschen in Freund und Feind ein.)

Gerade weil moralische Fragen aber wichtig sind, müsse man sich dieser Mechanismen bewusst werden:

Und deswegen ist es wichtig, dass wir, wenn wir über moralische Fragen reden, genau diejenigen Module abschalten, die automatisch anspringen, wenn es um moralische Fragen geht.

Zum Schluss beschreibt Nikil noch, was er unter intellektueller Selbstverteidigung versteht. Entscheidend sei die richtige Reihenfolge bei der Urteilsbildung:

Erst die Tatsachen, dann die Bewertungsmaßstäbe und dann aufbauend darauf das Urteil.

Alles Weitere im Video.

Zum Thema:

  • Artikel: Pressefreiheit gilt auch für Rechte, Leon Holly via taz am 06.07.2026
  • Artikel: Auf die Fresse, Stefan Niggemeier via Süddeutsche Zeitung am 06.07.2026 (Bezahlschranke)

Hinweis:

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11. Juli 2026
von Felix Pfannstiel
4 Kommentare

Termine: Zwei Vorträge über reaktionäre Ideologien in Konstanz und Hamburg

Zwei Termine in der kommenden Woche, die sich mit reaktionären Ideologien und den Herausforderungen liberaler Demokratien beschäftigen:


Gemeinsam gegen die moderne Welt

Das hbbk hat Seb Schnelle eingeladen. Am Dienstag berichtet er in Konstanz über die Verbindungen zwischen zwei reaktionären Strömungen: Rechtsradikalismus und religiösem Fundamentalismus.

  • Zeit: Dienstag, 14. Juli, ab 19 Uhr
  • Ort: hbbk Bodensee, Zähringerplatz 32, Konstanz
  • Eintritt: 8 € (5 € für Mitglieder, Schüler & Studenten. Frei für Premium-Mitglieder.)

Die rassistische Rechte und der islamische Fundamentalismus werden als Gegenspieler wahrgenommen, die sich scharf voneinander abgrenzen und sogar bekämpfen. Doch zugleich definieren sie sich über einen gemeinsamen Feind: die moderne Welt, die offene Gesellschaft, die großstädtische Lebensweise. Bei genauer Betrachtung erweisen sich beide als einander sehr ähnliche reaktionäre Antworten auf die Herausforderungen der Moderne.

Der Philosoph und Podcaster Sebastian Schnelle arbeitet die oft übersehenen Schnittmengen zwischen Neuer Rechter, Alt-Right und Islamismus heraus. Dazu gehören die Ablehnung der Vernunft, Frauenfeindlichkeit, die Geringschätzung der Menschenrechte und Demokratieverachtung. Dabei spannt er den Bogen von den ideologischen Vorläufern zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis zu den Online-Welten der Gegenwart. (Verlagstext)


Demokratie in der Krise – hilft mehr Souveränität gegen den aufkommenden Faschismus?

Am Mittwoch ist Ulrich Steinvorth bei den Skeptics in the Pub Hamburg zu Gast. Sein Thema: „Demokratie in der Krise – hilft mehr Souveränität gegen Faschismus?„.

  • Zeit: Mittwoch, 15. Juli, ab 19 Uhr
  • Ort: Mathilde Bar Ottensen, Kleine Rainstraße 11, Hamburg
  • Eintritt: frei, Spenden sind gern gesehen

Ein Rechtsruck und zunehmende Sympathie für faschistische Ideen ist heute in allen entwickelten Gesellschaften zu beobachten. Was sind die Gründe?

Einen Grund kann die politische Philosophie nennen: der Gesellschaftsvertrag, mit dem die Politiktheorie den Staat rechtfertigt, unterscheidet nicht zwischen Selbstbestimmung und Gesetzgebung. Wie sich das auf die Praxis und Theorie der Politik auswirkt, darum soll es an diesem Abend gehen.

Der Vortragende Ulrich Steinvorth ist emeritierter Professor für Praktische Philosophie der Universität Hamburg.

Zum Eventeintrag im Skeptischen Netzwerk.


Zum Thema:

  • Video: Sebastian Schnelle • Gemeinsam gegen die moderne Welt, bfg am 07.06.2026
  • Homepage: Skeptics in the Pub Hamburg

Hinweis:

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10. Juli 2026
von Felix Pfannstiel
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Wie wahrscheinlich ist außerirdisches Leben? Stefan Uttenthaler im Skeptrum-Podcast

imp hat den Astrophysiker Dr. Stefan Uttenthaler in die neue Skeptrum-Folge eingeladen. Es geht um die Themen Astronomie, Astrologie und Ufo-Sichtungen.

Zur Frage nach außerirdischem Leben sagt Stefan Uttenthaler:

Das ist sehr plausibel. Ich würde eher sagen, dass es sogar unwahrscheinlich ist, dass es das nicht gibt, weil es so viele Planeten gibt – also man hat die letzten Jahren und Jahrzehnte über 5000 Planeten und andere Sterne entdeckt, den ersten 1995. […] Und mittlerweile kennt man auch Planeten, die in der sogenannten habitablen Zone um deren Mutterplaneten kreisen, also in einer Zone, wo flüssiges Wasser existieren kann.

Ob wir außerirdischen Lebensformen begegnen werden:

Das ist sehr unwahrscheinlich. Man muss das unterscheiden: Leben auf anderen Planeten – das ist durchaus wahrscheinlich und ich kann mir vorstellen, dass wir das zu unseren Lebzeiten erleben, dass die Entdeckung von Leben auf einem anderen Planeten bekannt gegeben wird. […] Das muss man unterscheiden von Besuchen von Außerirdischen auf der Erde. Die Abstände zwischen den Sternen sind einfach so gigantisch groß, dass das extrem aufwendig wäre, auch nur ein oder wenige Individuen einer außerirdischen Lebensform von einem Stern zum anderen zu schicken.

Astronomie, UFOs, Aliens & Horoskope mit Dr. Stefan Uttenthaler | Skeptrum

Inhalt:

  • Einleitung [ab 0:00 min]
  • Vermeintliche Ufo-Sichtungen [ab 1:40 min]
  • 3I/Atlas und Avi Loeb [ab 11:00 min]
  • Astronomie [ab 22:00 min]
  • Astrologie [ab 33:00 min]
  • Sonnenfinsternis [ab 53:00 min]

Und nicht von imps üblichen Videolängen abschrecken lassen: Mit gut einer Stunde Laufzeit ist diese Folge für seine Verhältnisse fast schon ein „Short“.

Zum Thema:

  • Artikel: Skeptitalk mit Stefan Uttenthaler: „Beweist ein Artikel die Existenz von Alien-Sonden?“, GWUP-Blog am 10.11.2025
  • Artikel: Gastbeitrag: Der mögliche Einfluss des Mondes auf die menschliche Biologie und astrophysikalische Argumente dagegen, GWUP-Blog am 19.09.2025
  • Artikel: Gastbeitrag: Ein interstellarer Komet und verzerrte Wissenschaft in der Astrophysik, GWUP-Blog am 31.07.2025

Hinweis:

Falls ihr Ideen, Anregungen oder Empfehlungen habt bzw. selbst ein Gastkapitel für den GWUP-Blog schreiben möchtet, kontaktiert uns unter: blog@gwup.org.

9. Juli 2026
von Felix Pfannstiel
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Wissenschaftlich statt quer denken: Tilmann Betsch über die Grundlagen und Bedeutung der Wissenschaft

Aus der Vortragsreihe Vom Reiz des Übersinnlichen ist eine weitere Aufzeichnung auf dem YouTube-Kanal von Kortizes erschienen. Der Psychologe Prof. Dr. Tilmann Betsch spricht über wissenschaftliches Denken und die Grundlagen verlässlicher Erkenntnis.

Aus der Beschreibung:

Was ist Wissenschaft? Diese Frage wird angesichts globaler Herausforderungen wie COVID-19, dem Klimawandel u.a. zunehmend neu diskutiert. Wir erleben eine beängstigende Zunahme des Widerstands gegen wissenschaftliche Methoden aufseiten sogenannter Querdenker, Verschwörungstheoretiker und Faktenleugner. Doch viele kritisieren die Wissenschaft, ohne den Kern wissenschaftlichen Denkens und Arbeitens verstanden zu haben! Mit anschaulichen Beispielen und Anekdoten tritt der Referent diesem Trend mit seinem Vortrag entschlossen entgegen und hält ein leidenschaftliches Plädoyer, warum Wissenschaft unverzichtbar ist.

Tilmann Betsch • Die Evolution der Erkenntnis – Wissenschaftlich statt quer denken

Inhalt:

  • Einleitung [ab 0:00 min]
  • Wahrscheinlichkeiten, Theorien und Kausalerklärungen – die unangenehme Seite der Wissenschaft [ab 8:00 min]
  • Die Fälle Natalie Grams und Klaus Fiedler [ab 11:20 min]
  • Die wesentlichen Prinzipien der Wissenschaft [ab 16:20 min]
  • Strategien der Antiaufklärung [ab 32:30 min]
  • Selbstermächtigung und Wissenschaftsskepsis [ab 43:00 min]
  • Fragen [ab 48:00 min]

Prof. Dr. Tilmann Betsch ist Inhaber der Professur für Sozial-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie und Direktor des Erfurt Laboratory for Empirical Research an der Universität Erfurt. Die Psychologie des Urteilens und Entscheidens, insbesondere das Zusammenspiel von analytischem Denken und Intuition bilden seine Forschungsschwerpunkte. 2022 erschien sein Sachbuch »Science matters! Wissenschaftlich statt querdenken« bei Springer.

Zum Thema:

  • Podcast: Tilmann Betsch: Science Matters, Kortizes am 15.11.2023
  • Buch: Tilmann Betsch: Science Matters, Springer Nature, 2022, 352 Seiten, 22,99 €

Hinweis:

Falls ihr Ideen, Anregungen oder Empfehlungen habt bzw. selbst ein Gastkapitel für den GWUP-Blog schreiben möchtet, kontaktiert uns unter: blog@gwup.org.