gwup | die skeptiker

… denken kritisch seit 1987.

12. Oktober 2021
von Bernd Harder
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„It’s a lot of hate, but it’s really fun“ – Natalie Grams and the pseudoscience of homeopathy

Heute bei Bloomberg:

How Natalie Grams, who once abandoned her medical education to study alternative therapies, became Germany’s most prominent homeopathy skeptic.

Lately, Grams has lowered her public profile and makes headlines less often. She hosts a biweekly podcast, Grams’ Sprechstunde, where she’s discussed everything from childhood medicine to nursing home scandals and has interviewed mindfulness coaches, vaccination advocates, and palliative-care specialists.

She gets less hate mail, and while at first she was terrified to speak without a script on her podcast—for fear of retribution, legal or otherwise—she’s now more relaxed.

“I like being an activist,” she says. “It’s a lot of hate, but it’s really fun.”

Zum Weiterlesen:

  • Homeopathy Doesn’t Work. So Why Do So Many Germans Believe in It? bloomberg.com am 12. Oktober 2021
  • „Goldener Aluhut“ und der Preis für den Studierendenwettbewerb des INH werden am 30. Oktober in Berlin verliehen, GWUP-Blog am 11. Oktober 2021
  • Zwölfte Landesärztekammer streicht Homöopathie aus der Weiterbildungsordnung, GWUP-Blog am 10. Oktober 2021

12. Oktober 2021
von Bernd Harder
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Im #ferngespräch: Skeptizismus

Heute im #ferngespräch:

Mit dabei ist Florian Aigner.

Los geht’s um 20 Uhr.

Zum Weiterlesen:

12. Oktober 2021
von Bernd Harder
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Wie Verschwörungstheorien die ganze Familie belasten

Letzte Woche war die Autorin Kati Krause im Morgenmagazin (zirka vier Minuten) zu Gast:

Was tun, wenn die eigene Mutter Corona für eine Glaubensfrage hält? Und wo bekommt man Hilfe? Die Autorin Kati Krause erzählt, wie Verschwörungsideen die Familie belasten.

Ausführlich (zirka 44 Minuten) hat sie ihre Geschichte jetzt im Nachtcafé-Podcast erzählt:

Es beginnt mit einer Leidenschaft für Homöopathie und Esoterik. Doch im Laufe der Jahre werden die Weltanschauungen von Kati Krauses Mutter immer extremer. Heute hortet sie Lebensmittel für den nahestehenden Weltuntergang und glaubt daran, dass im Untergrund des Berliner Flughafens Kinder missbraucht werden.

Über die jahrelange Zerreißprobe, wenn ein Familienmitglied an Verschwörungen glaubt, berichtet Kati Krause im neuen Podcast mit Michael Steinbrecher.

Lesen konnte man Krauses Geschichte bereits im Zeit-Magazin (2/2021). Auf ihrer Homepage stellt die Berlinerin den Beitrag kostenlos zur Verfügung.

In der Süddeutschen Zeitung ist gestern der Artikel

Das Gift der Querdenker

erschienen.

Es geht darin um die neue Beratungsstelle „Veritas“ in der Bundeshauptstadt, über die wir hier berichtet hatten:

Der erste Rat, den Veritas den Betroffenen gibt: niemals in Diskussionen einsteigen.

Zum einen würden Verschwörungsgläubige mit immer neuen Quellen von irgendwoher dagegenhalten. Zum anderen sei es sinnlos, mit Fakten gegen ein geschlossenes Weltbild vorzugehen.

„Das wird als Angriff auf das Selbstbild verstanden. Wir koppeln ganz oft unser Weltbild ans Selbstbild, und wenn man sich Kritik daran eingesteht, würde man sich selbst ja auch herabsetzen.“

Stattdessen wird ein psychologischer Ansatz verfolgt. In der Beratung geht es darum herauszufinden, warum Angehörige abdriften. Während der Pandemie waren es etwa Existenzängste oder das Gefühl von Kontrollverlust, die Leute dazu brachten, Erklärungen in Verschwörungserzählungen zu suchen […]

Hier liegt dann auch die Lösung, sagt Meilicke. Das Bedürfnis nach Wertschätzung oder Kontrolle solle „idealerweise wieder im Umfeld gefunden werden“. Durch andere Themen, Hobbys, Ablenkung in der Familie.

Die Beraterinnen und Berater bei Veritas geben den Angehörigen Anleitungen, wie man sich in Situationen, die zum hundertsten Streit über die Corona-Regeln oder das Impfen führen würden, anders verhält. Indem man Grenzen setzt und Sätze sagt wie: Wir haben schon oft darüber gesprochen, aber wir kommen nicht weiter.

Und indem man nicht auf die Inhalte eingeht, sondern auf die Gefühle dahinter. Das wiederum führe auch beim anderen zu einer Verhaltensänderung. „Man verändert sich nicht aufgrund von Fakten, sondern aufgrund von emotionalen Erfahrungen, und die regen wir an zu machen.“

Ein Ansatz, der sich schon in der Rechtsextremismus- und Islamismusprävention bewährt habe.

Zwei aktuelle Buchtipps:

Zum Weiterlesen:

  • Erfahrungsberichte: Familien leiden massiv unter Mitgliedern der „Querdenker“, DMZ am 5. Oktober 2021
  • Der Goldene Aluhut: Kontroverse mit einem Pandemieleugner
  • Wenn die Familie an Querdenkern zerbricht, Süddeutsche am 11. Oktober 2021
  • Veritas: Acht Tipps für den Umgang mit Verschwörungsgläubigen
  • Sekten-Experte über Umgang mit Verschwörungstheoretiker*innen: „Emotionen treffen auf Fakten“, sonntagsblatt am 7. Oktober 2021
  • Verschwörungstheorien: Die Suche nach Mustern, nd am 8. Oktober 2021
  • Fake News und Verschwörungstheorien: Kommunikation in Zeiten der Pandemie, tagesspiegel am 7. Oktober 2021
  • „How to Talk to a Science Denier“, GWUP-Blog am 11. Oktober 2021
  • Erste Beratungsstelle für Opfer und Betroffene von Verschwörungserzählungen, GWUP-Blog am 6. Juni 2021
  • Corona-Verschwörungsmythen sind praktisch unabhängig vom konkreten Pandemie-Verlauf, GWUP-Blog am 12. Oktober 2021
  • „Unsinn verdient Widerspruch“, Skeptiker 3/2021

12. Oktober 2021
von Bernd Harder
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Corona-Verschwörungsmythen sind praktisch unabhängig vom konkreten Pandemie-Verlauf

Zuletzt hatten wir zum Jahreswechsel über die Langzeitstudie (HBS-Panel-Erwerbspersonenbefragung) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung berichtet und dabei einen deutlichen Rückgang des Corona-Verschwörungsglaubens zwischen Juni 2020 (40 Prozent) und November 2020 (28 Prozent) konstatiert:

Im Sommer ist dieser Wert wieder leicht gestiegen, auf nunmehr 32 Prozent:

Das schreibt der Sozialwissenschaftler Andreas Hövermann im fünften Update.

  • Die insgesamt 32 Prozent Befürworter („Voll und ganz“ sowie „eher“) entsprechen praktisch dem Stand der „Mitte-Studie“ von 2019, die bei der Aussage

PolitikerInnen und andere Führungspersönlichkeiten sind nur Marionetten dahinterstehender Mächte

auf 32,7 Prozent Zustimmung kam. Auch die Leipziger „Autoritarismus-Studie“ 2020 förderte bei rund einem Drittel der Bundesbürger eine „manifeste Verschwörungsmentalität“ zutage.

Zudem stieg in der aktuellen Böckler-Erhebung die Zustimmung zu der stärkeren Behauptung

Ich kann mir vorstellen, dass hinter der Pandemie eine Elite steht, die eine neue Weltordnung schaffen will

um ein Prozent.

  • Diese 20 Prozent entsprechen der Zustimmung zu Verschwörungserzählungen („Corona ist ein Schwindel, ist menschengemacht“), wie sie auch in der neuesten COSMO-Studie (Juli/August 2021) gemessen wurde.

Als Ursache macht Hövermann aus:

Überdurchschnittlich verbreitet ist eine starke Zustimmung zu Corona-Zweifeln und Verschwörungsmythen unter Befragten mit niedrigem Einkommen oder niedrigem Schulabschluss, bei jüngeren Befragten und solchen, die bislang keine Corona-Infektionen in ihrem näheren Umfeld hatten, in Ostdeutschland, sowie bei Menschen, die unter der Corona-Krise finanziell gelitten haben.

Diese Muster deuteten darauf hin, dass sowohl Gefühle von „Ohnmacht und Kontrollverlust“ eine Hinwendung zu Corona-Zweifeln und Verschwörungsmythen begünstigen können als auch der Eindruck, persönlich nicht oder weniger stark vom Virus bedroht zu sein.

Ein weiterer Faktor sei das „deutlich höhere politische Institutionenmisstrauen“ in Ostdeutschland.

Im Fazit hält der Soziologe fest:

  • Zweifel und Mythen orientieren sich nicht unbedingt an dem Verlauf der Pandemie.
  • Verschwörungsmythen und Corona-Skepsis sind kein Randphänomen, sondern reichen bis weit in die Mitte der Gesellschaft.
  • Kern von Verschwörungsmythen ist es, immun gegen Beweise zu sein, da sie erklärtermaßen abgeschottet sind. Dies macht es plausibel, dass selbst große Fortschritte in der Bewältigung der Pandemie, wie die Entwicklung und Verimpfung eines Vakzins und die Senkung von Fall- und Todeszahlen, kaum zu einer Revidierung der Ansichten führen.
  • Der Verschwörungsglaube wirkt unabhängig von der Pandemie und findet wahrscheinlich auch nach der Pandemie ein geeignetes Mobilisierungsthema.
  • In der Studie wurde nochmal deutlich, wie gering die Bindung von Verschwörungsmythiker:innen an demokratische Parteien ist: AfD ist einzige Partei im deutschen Bundestag, die diese Klientel anspricht. Ansonsten wird hier vor allem nicht oder ungültig gewählt.
  • Unter Impfunwilligen ist das Ausmaß an Mythen und Zweifeln […] enorm: Unter ihnen stimmen 82 Prozent im Schnitt den sechs Aussagen zu.

Zum Weiterlesen:

  • Neue Zahlen zum Corona-Verschwörungsglauben, GWUP-Blog am 19. Juli 2020
  • Neue Umfragen: Ist der Verschwörungsglaube rückläufig? GWUP-Blog am 29. Dezember 2020
  • Monster und Ufos kommen – der große Plan hat immer Recht, GWUP-Blog am 11. Oktober 2021
  • Verschwörungstheorien: Die Suche nach Mustern, nd am 8. Oktober 2021
  • Knapp ein Fünftel der Erwerbspersonen teilen Corona-Zweifel und Verschwörungsmythen in hohem Maße – Neigung zu riskantem Verhalten, boeckler.de am 7. Oktober 2021

12. Oktober 2021
von Bernd Harder
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ARTE-Doku: „Alternative Fakten“ vs. „objektive Wahrheit“?

Nichts zum nebenbei hören, aber ganz interessant:

Der Philosoph Dorian Astor diskutiert mit dem Physiker Etienne Klein über Fake News – ausgehend von Kellyanne Conway legendärer Wortschöpfung „Alternative Fakten“ (zirka 26 Minuten).

In diesen unsicheren Zeiten, in denen konträre Meinungen in Talkshows unversöhnlicher denn je aufeinanderprallen, wird die allgemeine Ungewissheit für viele zur Qual. Ist aber die wissenschaftliche oder dogmatische Wahrheit das wirksamste Mittel gegen Desinformation?

Und muss „alternativen Fakten“ mit objektiver Wahrheit begegnet werden? In Anlehnung an Nietzsches Ausspruch „Nicht der Zweifel macht wahnsinnig, sondern die Gewissheit“ ließen sich gerade die Ungewissheit und der legitime, aufgeklärte Zweifel als Chance begreifen.

Mit dabei ist auch Sylvain Cavallier, der den französischen Youtube-Kanal DeBunKer des Etoiles gegen Verschwörungsmythen betreibt.

Zur ARTE-Mediathek geht es hier.

Zum Weiterlesen:

  • Fake News und die Erosion der Fakten: Tatsachen und Meinungen im Widerstreit, telepolis am 9. Oktober 2021
  • Fakten und ihre Einordnung: Was Ansichtssache ist und was nicht, telepolis am 10. Oktober 2021
  • Umfrage zum Weltmädchentag: Falschinformationen hindern Mädchen an gesellschaftlicher Teilhabe, klicksafe am 11. Oktober 2021
  • Neuerscheinung: Steven Pinkers Plädoyer für „mehr Rationalität“, GWUP-Blog am 2. Oktober 2021
  • Neuerscheinung: „How to Talk to a Science Denier“, GWUP-Blog am 11. Oktober 2021

11. Oktober 2021
von Bernd Harder
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Janos Hegedüs goes Patreon

Kurzes Update zum Youtube-Kanal von Dr. Janos Hegedüs:

Ein Gericht hat entschieden, dass die Nonprofit-Videos, die der Facharzt für Innere Medizin aus Überzeugung produziert, rein juristisch dennoch als „geschäftliche“ Angelegenheit betrachtet werden müssen.

Nach dem Gerichtsurteil muss sich leider etwas ändern. Ich darf meinen Kanal nicht mehr so betreiben, wie ich es eigentlich wollte. Meine Online-Tätigkeit zählt als geschäftliche Handlung und ich muss mich an die Regeln halten.

Das bedeutet zum Glück nicht, dass sich etwas an meinen Videos ändern muss, aber ich muss ab jetzt diesen Kanal irgendwie finanzieren. Ich habe eine Idee …

Nämlich Patreon.

Auf dieser Plattform kann man ab sofort Unterstützer oder Mitglied von „Sprechstunde mit Dr. Hegedüs“ werden.

Zum Weiterlesen:

  • Corona-Impfung als Infektionsverstärker? Janos Hegedüs über das neue Video von Clemens Arvay, GWUP-Blog am 1. September 2021
  • Video: Janos Hegedüs über die neuen „brisanten“ Erkenntnisse Arvays zur Corona-Impfung, GWUP-Blog am 26. August 2021
  • „Tipps fürs Gespräch mit einem Impfskeptiker“ von Dr. Hegedüs, GWUP-Blog am 16. April 2021
  • Video: Jan Hegedüs über den Mythos „Immunstärkung“, GWUP-Blog am 14. August 2021
  • Bhakdi debunked: Janos Hegedüs über die Falschbehauptungen des Corona-Verharmlosers, GWUP-Blog am 11. August 2021
  • „Ein Jahr Corona – Im Schatten des Aluhuts“: Dr. Janos Hegedüs blickt zurück, GWUP-Blog am 1. Mai 2021
  • Kraftraumpodcast #44: „Scharlatane, Placebos & YouTube“ mit Dr. Janos Hegedüs

11. Oktober 2021
von Bernd Harder
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„Goldener Aluhut“ und der Preis für den Studierendenwettbewerb des INH werden am 30. Oktober in Berlin verliehen

Satte 31 Prozent für „Die Basis“ – noch besser als in Michelrieth lief es für Fuellmich und Co. bei der Wahl zum „Goldenen Aluhut“:

Die Siegerehrung findet am 30. Oktober in Berlin (Theater Heimathafen) statt. Tickets gibt’s für 15 Euro (ermäßigt 12 €), das Streaming kann man für sechs Euro verfolgen.

Der Ticketshop findet sich hier.

Im Rahmen der Veranstaltung verleiht auch das INH die Preise für den Studierendenwettbewerb 2021. Die drei GewinnerInnen hatten eine homöopathische „Vorzeigestudie“ nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin analysiert.

Zum Weiterlesen:

  • Also doch: „Absolute“ Mehrheit für „Die Basis“ – in Michelrieth, GWUP-Blog am 10. Oktober 2021
  • Homöopathie hinterfragen: Der Studierenden-Wettbewerb von INH und GWUP ist entschieden, GWUP-Blog am 9. August 2021
  • Merkel zerstört Desinformations-Blogger Reitschuster mit nur einem Satz, volksverpetzer am 22. Juli 2021
  • Bodo Schiffmann bei Psiram
  • Sananda bei Psiram
  • Michael Wendler bekommt Negativpreis „Der goldene Aluhut“, tagesspiegel am 11. Oktober 2021

11. Oktober 2021
von Bernd Harder
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Buchtipp: „Klimaschutz: Wissen und Handeln“ bei der bpb

Bei der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) gibt’s jetzt das Buch

Klimaschutz: Wissen und Handeln

für 4,50 €.

Zwischen dem Wissen über Ursachen, Folgen und geeignete Strategien zur Eindämmung der Klimakrise einerseits und der Umsetzung in Handeln andererseits klafft eine große Lücke. Vor diesem Hintergrund plädieren die Autorinnen und Autoren dieses Sammelbandes dafür, naturwissenschaftliche Prognosen über den Verlauf des Klimawandels und die damit verbundenen Gefahren ernst zu nehmen.

Zugleich beleuchten sie Potenziale, Erfolgsbedingungen und Grenzen verschiedener Ansätze zum nachhaltigen Klimaschutz, etwa die einer klugen Digitalisierung, des Klima-Geoengineerings oder eines veränderten Mobilitätsverhaltens.

Die Herausgeber sind MitarbeiterInnen am Institute for Advanced Sustainability Studies in Potsdam.

Hier geht’s zur Bestellung.

Zum Weiterlesen:

  • K3-Preis für Klimakommunikation: Das sind die sechs ausgezeichneten Projekte, klimafakten am 7. Oktober 2021
  • Nicht mehr übers Ob – es ist höchste Zeit, über das Wie im Klimaschutz zu sprechen, klimafakten am 28. September 2021
  • Der menschliche Fingerabdruck im Wetterrauschen, mpg am 5. Oktober 2021
  • Nobelpreisträger Hasselmann: Menschengemachten Klimawandel früh erkannt, zdf.de am 5. Oktober 2021
  • Video: Klimawandel im Hochgebirge, ARTE am 11. Oktober 2021

11. Oktober 2021
von Bernd Harder
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Neuerscheinung: „How to Talk to a Science Denier“

Vor vier Wochen haben wir auf das Buch

Wir lieben Wissenschaft – Mit einer wissenschaftlichen Grundhaltung gegen Betrug, Leugnung und Pseudowissenschaft

des Wissenschaftsphilosophen Lee McIntyre (Übersetzung von Alexa Waschkau) hingewiesen.

In den USA ist gerade ein weiteres Buch von ihm zum Thema Wissenschaftsleugnung erschienen:

How to Talk to a Science Denier – Conversations with Flat Earthers, Climate Deniers, and Others Who Defy Reason

Der Chefkorrespondent Wissenschaft der Welt, Norbert Lossau, hat mit McIntyre gesprochen.

Ein Auszug:

Welt: Wie definieren Sie einen Wissenschaftsleugner?

Lee McIntyre: Ein Wissenschaftsleugner lehnt nicht nur einen in der Wissenschaft bestehenden Konsens ab, sondern er ist zudem nicht bereit, sich von neuen Erkenntnissen oder einer überwältigenden Evidenz überzeugen zu lassen.

Bei vielen wissenschaftlichen Fragen gibt es keinen 100-prozentigen Konsens.

Richtig, und das öffnet den Raum für wissenschaftliche Diskussionen und neue Erkenntnisse. Skeptisch zu sein, ist ein Markenzeichen von Wissenschaftlern. Der Kern von Wissenschaftlichkeit ist jedoch die Bereitschaft, eigene Ansichten zu ändern, sobald neue Erkenntnisse und Evidenzen das nahelegen.

Genau diese Bereitschaft gibt es bei Wissenschaftsleugnern nicht. Sie sind ideologisch festgelegt und beziehen aus ihren Ansichten oft sogar ihre Identität.

Wie können Sie unterscheiden, ob ein Mensch offen für neue Argumente oder ideologisch festgelegt ist?

Indem man fragt, welche Evidenz es geben müsste, um die Meinung zu ändern. Wissenschaftsleugner antworten darauf in aller Regel erst gar nicht. Und falls doch, dann reichen ihnen die geforderten Fakten, wenn man sie präsentiert, ihnen dann doch nicht und es werden plötzlich andere Aspekte in den Vordergrund gestellt.

Der Besuch einer „Flat Earth Conference“ habe McIntyre die Augen dafür geöffnet, dass viele dieser Menschen „von ihren Überzeugungen Gequälte sind“, denen es weniger um die Sache gehe als um ihre Identität und das Erleben von Gemeinschaft mit Gleichgesinnten.

Welt: Sie bezeichnen in Ihrem Buch eine Studie der deutschen Wissenschaftler Cornelia Betsch und Philipp Schmid als bahnbrechend. Warum?

Die beiden haben in USA und Deutschland eine brillante Studie mit 1700 Personen durchgeführt. Sie konnten damit erstmals empirisch belegen, dass Wissenschaftsleugner allein durch technisches Hinterfragen von Mechanismen von Überzeugungen abgebracht werden können, also ohne inhaltlich über das Thema zu diskutieren.

Die Studie [PDF] ist von großer Bedeutung, weil sie zeigt, dass jeder von uns etwas gegen Wissenschaftsleugnung tun kann. Man muss dazu kein Experte sein oder einen Doktortitel haben. Es reicht, im Gespräch die Strategien der Wissenschaftsleugner zu hinterfragen.

Haben Sie selbst Wissenschaftsleugner überzeugen können?

Nein. Ich habe es auf der „Flat-Earth“-Konferenz versucht, doch es ist mir nicht gelungen. Zum einen ist das in einer so großen Gruppe von Gleichgesinnten besonders schwierig. Zum anderen bin ich dafür einfach zu ungeduldig.

Heute weiß ich, dass ich nicht genug Zeit investiert habe, um erfolgreich sein zu können.

Zum Weiterlesen:

  • Verschwörungsmythen: „Jeder von uns kann etwas gegen Wissenschaftsleugnung tun“, Welt+ am 7. Oktober 2021
  • Lee McIntyre: How to Talk to a Science Denier – Conversations with Flat Earthers, Climate Deniers, and Others Who Defy Reason. MIT Press 2021, 280 Seiten, $ 24,95
  • Empathie, Konsens, Geschichten: US-Wissenschaftsphilosoph Lee McIntyre über den Umgang mit Corona-Leugnern, GWUP-Blog am 20. August 2020
  • Buchtipp: Mit Wissenschaft gegen Betrug, Leugnung und Pseudowissenschaft, GWUP-Blog am 4. September 2021
  • skeptisCH – Folge 75: „Flache Erde“ vom 4. April 2018
  • Die Zerstörung der flachen Erde, hpd am 29. September 2020
  • Christian Drosten über das PLURV-Prinzip der Desinformation, GWUP-Blog am 4. April 2021
  • The Debunking Handbook auf Deutsch: „Widerlegen, aber richtig“ als kostenloses PDF, GWUP-Blog am 21. November 2021

11. Oktober 2021
von Bernd Harder
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Monster und Ufos kommen – der große Plan hat immer Recht

Ironie – versteht der Schwurbler nie.

Da wollte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe mal ähnlich originell sein wie die Amerikaner (die mit der „Zombie-Apokalypse“ für Notfallvorsorge oder strategisches Denken werben) und die Kanadier („Heart and Stroke campaign uses zombies to promote CPR“).

Also stellte man im Rahmen der aktuellen Kampagne „Für alle Fälle vorbereitet“ verschiedene Videos online, die unter anderem von Monstern

… und Ufos handeln:

In Wahrheit gehört das natürlich alles zum großen Plan – an den wir Schlafschafe mit solchen Versatzstücken sukzessive herangeführt werden:

Eigentlich nicht verwunderlich, wenn man sich nochmal die Panik in Erinnerung ruft, die „Querdenker“ und Verschwörungsgläubige beim #facebookdown vor einer Woche schoben.

Schon seltsam:

Einerseits sehen manche Verschwörungsgläubige alle möglichen Katastrophen herandräuen:

Andererseits halten sie Aufrufe zu einer pragmatischen Krisenvorsorge für eine perfide Täuschung.

Gutes Beispiel für die Erkenntnis, dass Konspirologen kein Problem mit widersprüchlichen Konstrukten haben – solange nur die „offizielle“ Version damit abgewehrt werden kann.

Denn die kann niemals stimmen.

Zum Weiterlesen:

  • Live bei Skeptics in the Pub Wien: Krisenvorsorge – „Nach dem Lockdown das Blackout?“, GWUP-Blog am 18. Januar 2021
  • Zombie-Apokalypse als Übung für strategisches Denken, Deutschlandfunk Nova am 24. April 2021
  • Preparedness 101: Zombie Apocalypse, CDC am 16. Mai 2011
  • The „Walking“ Dead: Zombies als Erste-Hilfe-Trainer und Fitness-Coach, GWUP-Blog am 14. Januar 2014
  • Die Widersprüche der Verschwörungstheoretiker, orf am 27. August 2012