gwup | die skeptiker

… denken kritisch seit 1987.

13. November 2019
von Bernd Harder
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Wissenschaftskommunikation: „Nachgefragt“ bei Natalie Grams

Wissenschaft im Dialog hat für die Reihe „Nachgefragt“ Natalie Grams interviewt:

Ein Auszug:

Ihr Arbeitsalltag in drei Schlagworten?

Schreiben, Twitter, Interviews. (Repeat)

Was war Ihr schönstes Erlebnis als Kommunikatorin?

Am schönsten sind für mich immer die Rückmeldungen in den sozialen Medien oder auch nach Vorträgen, in denen Menschen mir offenbaren, dass etwas, was ich gesagt oder geschrieben habe (oder manchmal auch „wie“), bei ihnen zu einem inneren Klick geführt und einen Umdenkprozess eingeleitet hat.

Auch für mich war es damals die Wissenschaftskommunikation der Skeptiker, die mich zum Umdenken gebracht hat. Es ist schön, bei anderen zur Aufklärung beitragen zu können.

Was war Ihr größtes Kommunikationsdesaster?

Das erlebe ich täglich auf Twitter ;-)

Zum Weiterlesen:

  • Nachgefragt – bei Natalie Grams, wissenschaft-im-dialog am 12. November 2019
  • Beliebtheit von Homöopathie und Freibier – finde den Unterschied, INH am 10. November 2019
  • Warum ich Kritik an der Homöopathie wichtig finde – Heute: Dr. Christian Lübbers, Onkel Michael am 10. November 2019

13. November 2019
von Bernd Harder
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Video von Skeptics in the Pub Wien: „Pflanzenschutz – Notwendigkeit oder Übel?“

Neues Video von Skeptics in the Pub Wien:

Pflanzenschutz: Notwendigkeit oder Übel?

mit Prof. Siegrid Steinkellner von der Wiener Universität für Bodenkultur (BOKU).

Pflanzenschutzmaßnahmen sind ein unabdingbarer Bestandteil jeder landwirtschaftlichen Produktion. Seit Beginn des Ackerbaus versucht der Mensch, Schäden durch Pflanzenkrankheiten, Schädlingen und Unkräuter in Grenzen zu halten, um seine Ernte zu sichern.

„Pflanzenschutz“ ist derzeit in der gesellschaftlichen Wahrnehmung vielfach auf den Einsatz chemischer Substanzen reduziert und führt damit, wie keine andere agrarische Maßnahme, zu einer enormen Polarisierung […]

Eine Vielfalt von vorhandenen Methoden und Maßnahmen in Kombination mit dem essentiellen Verständnis der Biologie von Schadorganismen ermöglichen es, der Entwicklung von Schadorganismen entgegenwirken und gleichzeitig die Risiken für Mensch, Tier und Umwelt so gering wie möglich zu halten.

Um welche Risiken handelt es sich dabei? Wie kann Problemlösung funktionieren?

Zum Weiterlesen:

  • Video: Mai Thi über Glyposat, GWUP-Blog am 22. Oktober 2019
  • Glyphosat: Die ganze Debatte – und was geht uns das an? GWUP-Blog am 29. Oktober 2017
  • SkepKon-Video: „Gentechnik, Glyphosat und die Legenden der Landwirtschaft“, GWUP-Blog am 22. Juli 2018
  • Nachgefragt 10: „Glyphosat“ vom 27. Januar 2018

12. November 2019
von Bernd Harder
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Video: Renaud Camus und der „große Austausch“ bei Spiegel TV

Das Gesicht zur Verschwörungstheorie vom „Großen Austausch“: Spiegel TV hat Renaud Camus auf seiner Burg Château de Plieux in Südfrankreich besucht (zirka fünf Minuten).

Auf den ersten Blick sieht er aus wie ein netter Onkel aus Frankreich. In Wahrheit liefert Renaud Camus mit seinen rechtsextremen und völkischen Texten den Nährboden für Attentate wie die in Halle oder Christchurch.

Schon in einem Interview mit der Welt hatte Camus empört zurückgewiesen, dass sein Buch „Le grand remplacement“ rassistisch motivierte Massenmörder beeinflusst oder inspiriert haben könnte – gleichwohl das „Manifest“ des Christchurch-Attentäters direkt und sogar namentlich daran anknüpfte:

Auch die sogenannten Manifeste der Attentäter von El Paso und Halle spiegeln Camus‘ Vorlage wider.

Die Welt schreibt dazu:

Mit anderen Worten: Camus fühlt sich missverstanden, falsch oder gar nicht gelesen und hält alle Medien, mit ganz wenigen Ausnahmen, für Teil jener großen Verschwörung der europäischen Elite, deren bewusstes Ziel es sei, Europäer durch Afrikaner, Christen durch Muslime zu ersetzen.

Wer eine Verbindung mit dem Attentat in El Paso oder Christchurch herstelle, bezeuge lediglich die Unkenntnis seines Werkes, in dem das Konzept der „in-nocence“, der „Un-Schuld“, zentral sei. „Nicht schaden“ sei der Kern seines Denkens. 2002 hat er deshalb die Partei der „In-Nocence“ gegründet. Eher Gandhi als Gräuel also.

Tatsache ist allerdings, dass es kaum einen ausführlichen Artikel über den jüngsten amerikanischen Massenmord gibt, der seinen Namen nicht erwähnen würde. Auch in den sozialen Medien wird die Verbindung vielfach hergestellt.

Sind tatsächlich alle schief gewickelt, die die Terroristen vielleicht nicht als willige Vollstrecker seiner Theorie, aber doch als von ihr inspiriert sehen? Nein. Und man darf vermuten, dass Camus diese schlechte Werbung nicht so unangenehm ist, wie er behauptet.

Camus mag Gewalt ablehnen, er füttert dennoch Terroristen mit seiner Ideologie, wenn er behauptet, dass der Bevölkerungsaustausch das „größte Verbrechen gegen die Menschlichkeit im 21. Jahrhundert ist“.

Für Camus ist die „Überfremdung“ ein so „offensichtliches Phänomen wie die Nase im Gesicht“, das er es lediglich benannt hat: „Der Bevölkerungsaustausch ist bei Weitem das wichtigste Ereignis unserer Epoche“, notiert er in unserer Korrespondenz […]

Camus’ Fall ist Ausdruck eines Dilemmas: Er zeigt, dass sich Gedanken von ihren Autoren unabhängig machen. Seinen „Kampf mit rein intellektuellen Mitteln“ setzen andere mit Waffen fort. Ob er die Tat von El Paso öffentlich verdamme? „Selbstverständlich, mit Abscheu, und lieber zehn als ein Mal. Aber warum müsste ich?“, fragt Camus zurück.

Vielleicht, weil er die Monster füttert?

Mehr über die Verschwörungstheorie vom „Großen Austausch“ findet sich zum Beispiel bei Wikipedia, Belltower News, Youtube und im Standard.

Zum Weiterlesen:

  • Der Hetzer von der Burg, taz am 9. August 2019
  • „Wie hätte mein Buch solche Gräueltaten provozieren können?“ Welt+ am 6. August 2019
  • Halle: „Antisemiten glauben an eine Weltverschwörung aus Juden und Nichtjuden“, GWUP-Blog am 12. Oktober 2019
  • „Der große Austausch” oder die spinnerte ideologische Grundlage der Neuen Rechten, Belltower News am 26. Oktober 2017
  • Wenn es quakt wie eine Ente, war es im Zweifel die Regierung, heise am 24. August 2019

12. November 2019
von Bernd Harder
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SkepKon-Video: „Warum halten sich Pseudo-Erklärungen so hartnäckig?“ mit Axel Ebert

Ein weiteres SkepKon-Video ist jetzt online:

Warum halten sich Pseudo-Erklärungen so hartnäckig?

von Axel Ebert.

Unrealistische Wissenschafts-Analogien, wie z.B. das postulierte Quantenfeld in der systemischen Aufstellung, lassen sich als Cargo-Kult darstellen, als naive Simulation. Doch so bildstark die Cargo-Kult-Analogie auch ist, sie erklärt nicht, warum sich viele Pseudotheorien so lange halten.

Müssten wirkungslose Theorien nicht rasch verschwinden?

Ein Blick in die Geschichte verdeutlicht, dass die emotionale Nützlichkeitswahrnehmung zentral für den Erfolg von Pseudo-Erklärungen ist …

Zum Weiterlesen:

  • Video: Der Bullshit-Buster Axel Ebert beim „Skeptical“ in Köln, GWUP-Blog am 2. Juni 2018
  • Christoph Wirl/Axel Ebert: Bullshit Busters – Irrtümer und Mythen aus Vorträgen, TV und Büchern. Goldegg-Verlag 2017, 22 €
  • SkepKon-Video: Das Phänomen Jordan Peterson – wichtiger Denker oder gefährlicher Pseudointellektueller? GWUP-Blog am 11. September 2019
  • SkepKon-Video: „Energiewende – aber wie?“ mit Dr. Norbert Aust, GWUP-Blog am 30. Juli 2019
  • SkepKon-Video: Mondlandung – Fakt oder Fake? GWUP-Blog am 20. Juli 2019
  • SkepKon-Video: „Die Geschichte der Kurpfuscherei in Deutschland“ mit Sylvia Stang, GWUP-Blog am 15. Juli 2019
  • SkepKon-Video: „Energie aus dem Nichts – der Traum vom Perpetuum Mobile“, GWUP-Blog am 8. Juli 2019
  • SkepKon-Video: Nostradamus, Rose Stern und der Polsprung, GWUP-Blog am 2. Juli 2019
  • SkepKon-Video: „Impfen – Pro und Contra. Eine Einordnung“, GWUP-Blog am 10. Juni 2019
  • Video: Tommy Krappweis und „Harpo Speaks“ live beim Skeptical 2019 in Augsburg, GWUP-Blog am 20. Juni 2019
  • SkepKon-Video: Impfakzeptanz bei Ärztinnen und Ärzten in Deutschland, GWUP-Blog am 27. September 2019
  • A Festival Feeling in Augsburg: SkepKon 2019 Includes Myths about Pet Diets, Homeopathy, and Perpetual Motion Machines, CSI am 3. Juli 2019
  • Das war die SkepKon 2019, hpd am 28. Juni 2019
  • SkepKon 2019: Das Skeptical, hpd am 18. Juni 2019
  • SkepKon: Wissenschaft braucht Geschichtenerzähler, humanistisch.net am 12. Juli 2019

12. November 2019
von Bernd Harder
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Das Goldene Brett 2019: Jetzt Kandidaten online nominieren

Ab sofort können Kandidaten für das Goldene Brett vorm Kopf 2019 nominiert werden:

Die Ausschreibung läuft bis zum 2. Dezember. Die öffentliche Verleihungsfeier findet am Freitag, dem 13. Dezember, um 20 Uhr in der Wiener Urania statt.

Wer hat sich in diesem Jahr mit besonders wundersamen esoterisch-skurrilen Aussagen hervorgetan? Der Negativpreis geht an Personen oder Institutionen, die mit wissenschaftlich widerlegten oder unsinnigen Behauptungen Medienpräsenz anstreben, Angst machen oder Geld verdienen wollen.

Der Jury gehört unter anderem die Publizistin Ingrid Brodnig an.

Zum Weiterlesen:

  • Das Goldene Brett 2018: And the Winner is …, GWUP-Blog am 28. November 2018

12. November 2019
von Bernd Harder
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Flacherdler und ihre Form der Garagenforschung

Im aktuellen Laborjournal gibt’s ein interessantes Editorial von dem Neurologen Ulrich Dirnagl zum Thema „Wissenschaftsskepsis“.

Dirnagl geht davon aus, dass gegen die Ablehnung relevanter Ergebnisse aus der Wissenschaft weder „mehr Wissenschaft“ (in der Schule und in den Medien) noch „die Eindämmung von Falsch­information in den sozialen Netzen“ hilft.

Denn:

Es geht den Kritikern nicht um wissen­schaftliche „Wahrheit“. Es geht um ganz konkrete Dinge, die ihnen nicht passen – die aber im Namen der Wissen­schaft verordnet werden […]

Warum Ablehnung von Evolutions­theorie? Weil die Wissen­schaft hier der Religion ganz grundsätzlich widerspricht! Warum Impfgegner­schaft? Weil sich Eltern ernste Sorgen um ihre Jüngsten machen! Warum Klima­wandel? Weil die Leute nicht ihren Lebensstil ändern wollen, sondern lieber weiter SUV fahren und mit dem Flieger nach Mallorca jetten! Warum Homöo­pathie? Weil die klassische Medizin ihnen oft nicht hilft und manchmal sogar schadet!

Anders ausgedrückt:

In der Kritik steht nicht die Wissen­schaft – sondern vielmehr Institutionen, Autoritäten und Eliten.

Das hat auch die Physikerin und SZ-Redakteurin Marlene Weiß festgestellt, als sie die internationale Flat-Earth-Konferenz Ende September in Amsterdam besuchte:

Man könnte sich ärgern über diese bizarre Veranstaltung. Auch wenn es lustig zugeht, treten die Teilnehmer über Jahrhunderte gesammeltes und akribisch dokumentiertes Wissen in die Tonne, nur weil es ihrer Intuition widerspricht. Sie sind stolz auf ihr kritisches Denken, plappern aber den erstbesten Mist aus dem Internet nach – na toll.

Wenn man aber die Irritation über den offensichtlichen Unsinn herunterschuckt, kann man viel lernen über das, was es bedeutet, Mensch zu sein auf einer Erde, deren schnelle Drehung doch so einige überfordert. Man lernt freundliche Männer und Frauen kennen, die Dinge infrage stellen und ernsthaft versuchen, ihr Bild von der Welt mit ihrem Gefühl in Einklang zu bringen.

Wie konnte es eigentlich passieren, dass sie auf diesem Weg so falsch abgebogen sind, dass es keinen Rückweg zu geben scheint? Und was sagt das aus über den Stand der Wissenschaft in der Gesellschaft?

Den entscheidenden Punkt beschreibt Weiß so:

Für die Leute hier in Amsterdam heißt „beobachtbar, überprüfbar“ nicht, dass Experimente nur dann einen Wert bekommen, wenn sie reproduzierbar sind. Sie meinen damit vielmehr: Ich kann es sehen, in meinem Vorgarten, ohne weitere Vorkenntnisse.

Dass ihre Messungen der Erdkrümmung mit selbstgebastelten Instrumenten und irgendwelchen Lasern wenig zuverlässige Ergebnisse produzieren, ist zweitrangig – Hauptsache, die Daten kommen aus erster Hand, immerhin ist da nichts getrickst oder gefälscht.

Historisch betrachtet ist diese Form der Garagenforschung ein schrecklicher Rückschritt, und zwar in doppelter Hinsicht. Erstens macht sie die systematische Erforschung der Natur unmöglich, die ein weiteres Grundprinzip evidenzbasierter Wissenschaft ist: Die Arbeit des einen baut auf jener vieler anderer auf.

Und zweitens sollte man seinen Eindrücken – wie dem Gefühl, dass sich da nichts bewegt und nichts krümmt – nicht allzu blind vertrauen. Oder noch schlimmer, sie zu einer Pseudowissenschaft überhöhen.

Eine Antwort haben weder Weiß noch Dirnagl auf die Frage, warum wir eigentlich glauben sollen, dass der Globus eine Tatsache ist, oder mit welchen Argumenten wir auf der Rolle des Menschen beim Klimawandel beharren.

Dirnagls Vorschlag:

Wir [sollten] vermitteln, wie Wissen­schaft ganz grund­sätzlich funktioniert, welcher Mechanis­men der Akzeptanz oder Wider­legung von Resultaten sie sich bedient.

Dass ihre Hypothesen logisch konsistent, durch Evidenz (empirisch) belegt und falsifi­zierbar sein müssen. Dass ihre Ergebnisse reprodu­zierbar zu sein haben.

Dazu käme das Aufzeigen und Vorleben der Normen von Wissen­schaft. Allgemein akzeptiert sind dies (nach Robert Merton): Kommu­nismus (nicht erschrecken, hier gemeint als gemein­sames geistiges Eigentum und kollektive Zusammen­arbeit), Univer­salismus, Selbstl­osigkeit sowie organisierte Skepsis.

Neumodisch mit dabei: Transparenz (Open Science).

Lassen wir mal so stehen.

Zum Weiterlesen:

  • Warum trauen WIR dem Weltklimarat …? Laborjournal am 29. Oktober 2019
  • Die Erde, so flach, SZ+ am 8. November 2019
  • Brazil’s flat Earthers to get their day in the sun, The Guardian am 6. November 2019
  • How the Internet Made Us Believe in a Flat Earth, medium am 12. Dezember 2018
  • Wenn es quakt wie eine Ente, war es im Zweifel die Regierung, heise am 24. August 2019
  • Flacherdler und ihre vorgebliche Suche nach „Gegenbeweisen“, GWUP-Blog am 22. Juli 2019
  • Mimikama und die Verschwörungstheorien zu HAARP, GWUP-News am 9. November 2019
  • Klimawandel: Wissenschaftliche Skepsis versus Wissenschaftsleugnung, hpd am 29. Oktober 2019

11. November 2019
von Bernd Harder
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Homöopathie: „Beliebt“ ist nicht „wirksam“

Neu beim INH:

Es geht um die immer wieder publizierten Jubel-Umfragen der Globuli-Lobby, wie schrecklich beliebt ihre Zuckerzauberei doch sei.

Weniger bekannt ist, dass es von Allensbach auch eine Befragung dazu gab, ob diejenigen, denen die Homöopathie bekannt war, mindestens ein Wirkprinzip benennen könnten. Was eigentlich die Kernfrage ist, denn wie kann etwas als „beliebt“ attributiert werden, über das man gar nichts weiß, zudem auch noch im Kontext von Gesundheit? […]

Interessanter noch wäre eine Befragung, die Aufschluss darüber gäbe, ob die Leute nach einer Aufklärung über die wirklichen Grundprinzipien der Homöopathie immer noch an ihren Ansichten festhalten würden. Und genau das haben die amerikanischen Skeptiker vom Center for Inquiry (CFI) im September 2019 getan.

Zum Weiterlesen:

  • Beliebtheit von Homöopathie und Freibier – finde den Unterschied, INH am 10. November 2019
  • Homöopathen werben wieder mit skurrilen Jubel-Umfragen, GWUP-Blog am 21. Oktober 2014
  • Umfrage-Sensation: 87 Prozent der Homöopathie-Fans finden Homöopathie gut, GWUP-Blog am 14. September 2014
  • Warum ich Kritik an der Homöopathie wichtig finde – Heute: Dr. Christian Lübbers, Onkel Michael am 10. November 2019
  • Homöopathie – Wunderglaube? Keine Ahnung von Garnix am 14. April 2019
  • Homöopathie an der LMU München: Seitenwechsel in chronologischer Reihenfolge, Gesundheits-Check am 10. November 2019
  • Der homöopathische Arzt, der mit mir in den Krieg zog, medium am 6. November 2019
  • Homeopathy as an alternative to antibiotics? It’s official: the Bavarian government has gone barmy, edzardernst am 8. November 2019
  • Children respond particularly well to homeopathy. Time to abandon this dangerous myth, edzardernst am 9. November 2019
  • CFI Survey on Homeopathy: Consumers Feel Scammed by Walmart and CVS, Skeptical Inquirer Volume 43, No. 6, November/December 2019

11. November 2019
von Bernd Harder
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Video: Welche Rolle spielt aktuell Exorzismus in Deutschland?

Für das ARD-/ZDF-Content-Netzwerk funk (bzw. das Youtube-Format STRG_F) hat Inga Mathwig das zusammengetragen, was es aktuell zum Thema „Exorzismus“ zu recherchieren gibt:

Befreiung von Dämonen – Wie ticken Exorzisten?

Kurze Zusammenfassung von uns:

Von „Exorzismus“ spricht kaum noch jemand – dafür firmiert das Ganze unter „Befreiung“ beziehungsweise „Befreiungsdienst“.

Verlässliche Zahlen gibt es keine.

Halboffiziöse Organisationen wie die „Internationale Vereinigung für den Befreiungsdienst“ sind auf diesem Feld recht aktiv, aber verschwiegen, und lassen sich von Journalisten nicht in die Karten schauen.

Der Pallottinerpater Jörg Müller (Freising) ist nach wie vor der einzige katholische „Exorzismus-Experte“, der sich mit seinen seltsamen Ansichten („geistige Wesen, dämonische Wesen, das gibt’s“) vor eine Kamera traut, wohingegen „die deutsche Kirche Angst vor den Medien, vor der Blamage“ habe.

In evangelikalen Glaubensgemeinschaften (richtiger: pfingstlerische und neocharismatische Gruppen über Konfessionsgrenzen hinweg) spielt die Dämonenaustreibung eine große, nahezu glaubenskonstituierende Rolle. „Verstörende“ Videos dazu kursieren im Netz. Hintergrund ist ein streng dualistisches Weltbild, das die Welt in „Gut“ und „Böse“ teilt.

Eine „Austreibung“/“Befreiung“ hilft sogar bei „brutalen Nackenschmerzen“.

Oh Mann.

Im August ist in der Süddeutschen Zeitung der mehrseitige Artikel „Erlöse uns von dem Bösen“ erschienen. Darin schildert der Ostbayern-Korrespondent Andreas Glas seine über drei Jahre währenden Besuche bei einer Familie Hofmaier im Bayerischen Wald, die glaubt, dass ihre älteste Tochter Claudia vom Teufel besessen ist:

In der Stube ist es hell, draußen nebeldunkel, und man bekommt eine Ahnung davon, warum dieses teuflische Drama hier spielt und nicht in München […]

Die Hofmaiers schauen misstrauisch zu, wie die Welt sich verändert, auch im Bayerischen Wald. Wie die Globalisierung die nächste Schneekanone, den nächsten Skilift in die Landschaft rammt. Auch Maria Hofmaier [die Mutter] nennt sich „Mystikerin“. Aber ihr wolle ja keiner glauben, dass hinter all den Krisen und Katastrophen das Böse stecke. Dass die Kirche schuld ist, wenn der Teufel die Welt auf den Kopf stellt.

Die Kirche müsse das rückgängig machen: die Irrtümer des Zweiten Vatikanums, den Modernismus, diese liberale Freimaurerei.

Die ärztliche Diagnose für die 47-jährige „besessene“ Tochter Claudia lautet übrigens Schizophrenie – genau wie damals bei Anneliese Michel. Michel wurde von zwei Pfarrern zu Tode exorziert, mit Beihilfe der Eltern. Und Claudia?

Die Geschichte endet offen. Immerhin bringt der dazu befragte Freisinger Pater Jörg Müller (allerdings ohne persönliche Kenntnis des Falls) die Möglichkeit einer „Folie à deux“ in das Gespräch ein, also eine von der Mutter induzierte wahnhafte Störung Claudias, und einen möglichen Missbrauchshintergrund.

Das ist wenigstens ein kleiner Fortschritt gegenüber 1976.

Im Skeptical Inquirer (September/Oktober 2019) schreibt der Psychologe Stuart Vyse über den „New Wave of Exorcism“.

Nach einem kurzen Schlenker zu der neuen Live-Bühnenshow „Devil’s Exorcist“ (die 2020 auch nach Deutschland und Österreich kommt) verweist Vyse auf die fünfte Auflage des amerikanischen „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“ (DSM-5 = „Diagnostischer und statistischer Leitfaden psychischer Störungen“). In diesem psychiatrischen Klassifikationssystem wird „Besessenheit“ als eine Form der Dissociative Identity Disorder beschrieben:

In the possession form, the identities usually manifest as though they were outside agents, typically a supernatural being or spirit (but sometimes another person), who has taken control of the person, causing the person to speak and act in a very different way. In such cases, the different identities are very overt (readily noticed by others).

Die deutsche Übersetzung findet sich hier.

Süffisant erklärt Vyse, dass der konservativ-republikanische TV-Sender Fox News den beobachteten Anstieg von „Besessenheits“-Fällen und Exorzismen in den USA mit dem Wirken des „Satanic Temple“ erklärt.

In der Realität indes kämpft diese neue Organisation „einfallsreich, mit hintergründigem Witz […] für die Trennung von Kirche und Staat, für Religionsfreiheit und gegen korrupte geistliche Autoritäten“.

Das kann ja nur mit dem Teufel zugehen!

Vyse abschließend:

The irony of this explanation for an increase in exorcisms is that The Satanic Temple is a science-based organisation that expressly does not believe in the actual satan […] The Satanic Temple is clearly a thorn in the side of traditional Christianity, and the group has grown in size and visibility.

Da kann man wohl nur viel Erfolg wünschen.

Zum Weiterlesen:

  • Erlöse uns von dem Bösen, Süddeutsche am 16. August 2019
  • Exorzismus im 21. Jahrhundert: So wird Teufelsaustreibung heute betrieben, web.de am 22. Oktober 2016
  • Exorzismus-Doku „The Battle with Satan“ im Mai in drei Berliner Kinos, GWUP-Blog am 16. April 2017
  • Seltsame Erkenntnisse eines Exorzismus-Beauftragten im Deutschlandfunk, GWUP-Blog am 3. Januar 2015
  • Pater Jörg Müller zwischen Mystik und Magie, Christliches Forum am 5. Juni 2011
  • The New Wave of Exorcism, Skeptical Inquirer Volume 43, No. 5, September/October 2019
  • American Exorcism, The Atlantic 12/2018

10. November 2019
von Bernd Harder
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Homöopathie-Kritik bei „Onkel Michael“ mit Christian Lübbers

Bei Onkel Michael ist eine neue Folge von

Warum ich Kritik an der Homöopathie wichtig finde

erschienen, diesmal mit Dr. Christian Lübbers.

Ein Auszug:

Kommen wir gleich zum Kern der Sache: Wer bezahlt Dich, dass Du gegen die Homöopathie angehst?

Lübbers: Es ist in der Tat verwunderlich, dass sich so viele Menschen nicht vorstellen können, dass man völlig selbstlos und uneigennützig Aufklärung betreibt. Es gibt weder einen Auftrag- noch einen geheimen Geldgeber im Hintergrund. Der Lohn der Homöopathie-Aufklärung ist es, wenn mittlerweile immer mehr Menschen verstehen, dass Homöopathie keine Naturheilkunde ist und immer weniger Menschen auf die falschen Versprechungen der Pseudomedizin hereinfallen.

Das #TeamGlobukalypse-Bändchen war ja in kürzester Zeit in aller Munde und hoch begehrt. Hat Dich dieser Erfolg überrascht?

Nachdem mir in den sozialen Medien aufgefallen war, dass es immer mehr Menschen wurden, die Kritik an der Homöopathie übten, habe ich mich immer besonderes über Aufklärerinnen und Aufklärer gefreut, die ihr Gegenüber ernst nehmen und sachlich fundiert und vor allem respektvoll ausklären. Das #TeamGlobukalypse war geboren.

Diese seriösen Mitstreiterinnen und Mitstreiter wollte ich durch eine kleine Aufmerksamkeit auszeichnen und habe die ersten Prototypen der #TeamGlobukalypse-Armbänder entworfen und verschickt.

Ich hatte niemals damit gerechnet, dass es so ein Hype werden würde und so viele mit dabei sein möchten. In kürzester Zeit tauchten hunderte Fotos der Armbänder bei Twitter, Instagram und Facebook auf. Selbst in den Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages haben es die #TeamGlobukalypse-Armbänder bereits geschafft.

Ich gebe zu, das macht mich sehr stolz und zeigt mir: Aufklärung hilft!

Zum Weiterlesen:

  • Warum ich Kritik an der Homöopathie wichtig finde – Heute: Dr. Christian Lübbers, Onkel Michael am 10. November 2019
  • Homöopathie-Kritik bei „Onkel Michael“ mit Susanne Aust, GWUP-Blog am 9. September 2019
  • Zwischen Kopfschütteln und Belustigung: Reaktionen auf die bayerische Globuli-Debatte, GWUP-Blog am 8. November 2019
  • Sonntagsfrage: Wie finden Sie, dass der bayerische Landtag prüfen lassen will, ob Homöopathie gegen multiresistente Keime helfen kann? der-postillon am 10. November 2019
  • Homöopathie an der LMU München: Seitenwechsel in chronologischer Reihenfolge, Gesundheits-Check am 10. November 2019

10. November 2019
von Bernd Harder
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Podcast: Warum Sternbilder keine Sternzeichen sind

Im Zeitsprung-Podcast („Geschichten aus der Geschichte“) gibt es eine Folge über die Sternbilder:

In dieser Folge schauen wir in den Himmel und beschäftigen uns mit Sternbildern – und der Geschichte, wie sie im 20. Jahrhundert festgelegt wurden. Denn heute sind genau 88 Sternbilder am Himmel zu sehen und sie unterscheiden sich grundlegend von ihren historischen Vorbildern. Wir sprechen über die Entstehung und Bedeutung von Sternbildern und über einige, die es nicht in den offiziellen Katalog geschafft haben, wie die Katze oder die Buchdruckerwerkstatt.

Die einzelnen Sternbilder werden übrigens in dem Podcast Sternbildung von Florian Freistetter und Holger Klein besprochen:

Es gibt jede Menge klassische Astronomie – wir werden aber auch über die Geschichte der Astronomie; werden erklären, warum Sternbilder keine Sternzeichen und Astrologie Unsinn ist und uns mit außerirdischem Leben beschäftigen.

Zum Weiterlesen:

  • Wieder mal … alle Horoskope falsch, GWUP-Blog am 15. Januar 2011
  • Schock! Entsetzen! Empörung! Die NASA verschiebt eben mal einfach so die Sternzeichen, GWUP-Blog am 21. September 2016
  • Drei Videos über Astrologie, GWUP-Blog am 6. Oktober 2019