26. Februar 2023
von Bernd Harder
12 Kommentare
Alles nur ein „Experiment“?
Die TikTokerin „malice in wQnderland“ aka „rebelsoulyah“ hat heute ein Video veröffentlicht, in dem sie ihre monatelangen verschwörungsideologischen Aktivitäten als Fake ausgibt.
Dieses „soziale Experiment“ sei für sie „erschreckend erfolgreich“ gewesen und hätte gezeigt, „wie einfach man die Massen mit den richtigen Methoden in die rechte Falle locken kann“.
Bei Telegram und TikTok hatte die junge Frau mit dem Synonym „rebelsoulyah“ seit Mitte August letzten Jahres vor allem die QAnon-Ideologie verbreitet. Ihre Kanäle haben hunderttausende Follower.
Wie glaubhaft ist dieser Naidoo-Move?
Zunächst einmal nicht sehr, denn:
Ihr „Bekenntnis“ trägt sie in dem gleichen nervig-exaltierten Habitus vor wie ihre früheren Clips. Von seriös wirkender Distanziertheit zu ihrer angeblichen „Kunstfigur“ ist praktisch nichts zu merken.
Die Erkenntnisse, die sie aus ihrem „Selbstexperiment“ gewonnen haben will, sind berückend banal und erschöpfen sich in Phrasen wie „Was es in den sozialen Medien sehr eindeutig gibt, ist eine Echokammer“ oder „Es fehlt Medienkompetenz“ oder „Was sagt das über die Sicherheit im Netz aus“.
In den letzten anderthalb Minuten ihres neuen Videos scheint sie lediglich das Geschäftsmodell zu wechseln und hebt (ab Minute 5:00) zu einer Art fundamentalchristlichen Erweckungspredigt mit unverändert verschwörungsideologischen Untertönen an.
Ansonsten kein Wort der Entschuldigung, keine weiteren Pläne, nichts zu den Spendengeldern, die sie wohl generiert hat.
Entsprechend negativ fallen auch die Reaktionen in den sozialen Medien aus, etwa bei Nothing but the Truth oder Twitter:
Es bleibt wohl abzuwarten, ob dieses angebliche „Experiment“ von irgendeiner Institution begleitet wurde und was in den nächsten Tagen noch folgen wird.
Bei ihrem Youtube-Video findet sich zwar der Hinweis In Zusammenarbeit mit Hey Wolfi.
Der aber hat darunter kommentiert:
„Zusammenarbeit“. Alles klar :)
Update
Mittlerweile hat Hey Wolfi eine Stellungnahme veröffentlicht.
Genau wie wir hat auch der Medienmacher seine Zweifel an dem angeblichen „Selbstexperiment“ und hält den Tenor des Videos insgesamt für wenig glaubwürdig:
Selbst wenn rebelsoulyah nur eine Kunstfigur sein soll, wenn Alice das alles als Experiment gemacht hat, hat sie doch Menschen aktiv geschadet. Die schlimmsten Lügen im Internet verbreitet, andere aufgestachelt und dafür gesorgt, dass Hass, Wut und Ungleichheit im Internet zugenommen haben.
Am Ende bleibt nur das übrig: mehr Schaden als jemals Nutzen entstehen könnte aus dieser Aktion. Ansonsten sagt sie leider nichts. Sie entschuldigt sich auch nicht für ihre Taten, sie hat ihren Account nicht gelöscht und kein einziges ihrer Videos wurde entfernt.
Wie glaubhaft ist also diese Aussage, dass alles nur ein Fake, ein Experiment war?
Zum Weiterlesen:
- Video: „Hey Wolfi“ über die QAnon-Queen auf TikTok und Telegram, Teil 2, GWUP-Blog am 7. Januar 2023
- Video: Hey Wolfi über die „Schwurblerkönigin bei TikTok“ aka malice in wQnderland, GWUP-Blog am 18. November 2022