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„Granderwasser“ jetzt bewiesen – oder eher doch nicht?

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Was sagt man dazu? Die Firma Grander will „die Grundlagen der Grander-Wasserbelebung wissenschaftlich nachgewiesen“ haben.

Haben die Kritiker sich geirrt? Muss die Wasserphysik umgeschrieben werden? Bekommt der „Sonderling“ (Psiram) Johann Grander posthum den Nobelpreis verliehen?

Wohl eher nicht.

Der Physiker Dr. Florian Aigner hat sich die „Belege“ mal angesehen und dabei Kurioses zutage gefördert:

Wenn das zitierte Paper als „Beweis“ für die Grander-Technologie verwendet wird, ist das so, als würde man sagen: Die Weihnachtsgans wiegt 5 Kilogramm, daher gibt es keinen Klimawandel.

Oder: Auf der Autobahn darf man max. 130km/h fahren, daher ist es auf der Venus so heiß. Es gibt einfach keinen rationalen, kausalen Zusammenhang zwischen den beiden Dingen. Daher kann man hier auch nicht wirklich etwas fachlich widerlegen.

Bei mir bleibt am Ende nur Kopfschütteln.

Dafür bekam die Firma Grander gestern Abend denn auch das Goldene Brett für die Verbreitung eines „magischen, vorwissenschaftlichen Weltbilds“.

Doch trotz der offenkundigen Geldschneiderei ist „belebtes“ Wasser schwer angesagt, schreibt Welt+:

In der gesundheitsbewussten Ökomittelschicht ist mit Verwirblern und Steinen behandeltes Wasser zum Lifestyle- und Wellnessprodukt geworden. Der Optimierungswahn macht auch vor dem Wasser nicht halt – es muss strukturiert, belebt und vitalisiert werden. Das behaupten Anhänger der Wasseresoterik, die sich erstaunlich weit verbreitet hat.

Frauenzeitschriften bewerben Edelsteine in Wasserkaraffen als „Abnehmhelfer“. Durch die Steine oder andere Methoden vorbehandeltes Wasser soll die Haut glatt und schön halten, die Leistungsfähigkeit heben, Stress lindern. Wasser direkt aus dem Hahn kann das angeblich alles nicht. Schlimmer noch, normales Leitungswasser soll minderwertig oder sogar schädlich sein, heißt es. Das behaupten viele Hersteller, und das glauben viele Kunden.

Eine Begründung: Auf dem langen Weg zum Wasserhahn, eingezwängt in enge Rohre und unter hohem Druck, verliere das Wasser seine natürliche Vitalität. Es sei dann nicht mehr „zellverfügbar“ und von minderer „bioenergetischer“ Qualität. Oder schlimmer noch: Nach all den Anstrengungen sei das Wasser „tot“.

Einen wissenschaftlichen Beleg, dass sich das belebte Wasser von unbelebtem Wasser in irgendeiner Weise unterscheidet, sucht man vergebens.

Auf Anfrage präsentiert [die Firma] Grander Forschungsarbeiten. Die Arbeiten haben entweder keinen direkten Zusammenhang zum Grander-Wasser oder sie halten wissenschaftlichen Kriterien nicht stand. „Es scheint Effekte zu geben, die man nur mit der Quantenphysik erklären kann“, teilt ein Unternehmenssprecher mit. Quantenphysik also.

Andere Unternehmen werben längst damit, dass sie das belebte Grander-Wasser in ihrer Produktion einsetzen. Bäcker stellen Brot damit her, Gärtner gießen ihre Pflanzen damit. Sogar einige öffentliche Einrichtungen haben sich zum Einbau einer Grander-Anlage hinreißen lassen. Darunter sollen Schwimmbäder in Deutschland und ein Krankenhaus in Österreich sein.

Der Chemiker Helge Bergmann hält das für einen „Skandal erster Ordnung“. Die besonderen Eigenschaften des Grander-Wassers seien nie nachgewiesen worden, sagt er. „Die Geräte können schon allein aus physikalischen Gründen nicht funktionieren. Informationen ohne Energiequelle und ohne tatsächlichen Kontakt von einem Wasser auf das andere übertragen – das ist absurd und unmöglich.“

Auch im neuen Skeptiker (4/2019) geht’s um „Magisches Wasser“.

Der amerikanische Skeptiker Joe Nickell gibt einen Überblick „über die unterschiedlichen Formen des Glaubens an magisches Wasser, die das paranormale Denken hervorgebracht hat“. Es geht um „Wunderquellen“ ebenso wie um „heiliges“, „aufgeladenes“, „homöopathisches“, „magnetisiertes“ und „Edelstein“-Wasser.

Die weiteren Themen der aktuellen Ausgabe finden sich hier.

Zum Weiterlesen:

  • Helge Bergmann: Trübes Wasser. Alibri-Verlag, Aschaffenburg 2015
  • Esoterik-Boom um das Wasser, GWUP-Blog am 7. Februar 2016
  • Video: Warum Masaru Emotos Kristall-Fotos von den Emotionen des Wassers Bullshit sind, GWUP-Blog am 12. Juni 2017
  • Die Auferstehung des Wassers, Welt+ am 13. Dezember 2019
  • Vorsicht, Falle! Seit über 50 Jahren erzählen Quacksalber denselben Blödsinn, GWUP-Blog am 21. November 2019
  • „Wasser-Hokuspokus“: Webseite von Dr. Helge Bergmann
  • Video: Das dubiose Geschäft mit dem Granderwasser
  • „Granderwasser“ bei medizin-transparent
  • Magisches Wasser, Skeptiker 4/2019

9 Kommentare

  1. Die Publikation, auf die sich Grander da jetzt im Jahr 2019 bezieht, ist von 2016.

    Wohl ein Zufallsfund, der denen einfach nur gut in den Kram passt. Die übliche Methode: Einfach behaupten, auch wenn nichts dran ist, denn den Links folgt eh niemand und Details überfordern die Zielgruppe sowieso.

    Ich fühlte mich da spontan an Baumgartner und seine Wasserlinsenversuche erinnert (1)(2), die zwar mit Hahnemann oder einer der zahlreichen Varianten der Homöopathie (3) so gut wie nichts zu tun hatten, innerhalb der Homöopathie aber als „Grundlagenforschung“ gelten und angeblich die grundsätzliche Wirksamkeit einer „Hochpotenz“ bewiesen haben.

    Meine Gegenfrage ist dann immer: Du gibst Deinen Kindern Pillen, weil sie an Pflanzen getestet worden sind?

    (1) https://www.homöopedia.eu/index.php/Artikel:Oft_gehörte_Argumente_-_Verweise_auf_konkrete_Studien_und_Experimente#Wasserlinsenexperimente_von_Stephan_Baumgartner

    (2) http://www.beweisaufnahme-homoeopathie.de/?p=724

    (3) https://www.homöopedia.eu/index.php/Artikel:Varianten_der_Homöopathie

  2. @ RPGNo1
    Wobei Grander eindeutig in der Esoterik verortet ist. Froböse versucht mit pseudowissenschaftlichem Gehabe und Angstmacherei überteuerten Nonsens zu verkaufen. Legt man seine Ausbildung und die wahrscheinlich vorhandene Intelligenz zugrunde, fällt es einem schwer, keine Betrugsabsicht zu vermuten.
    Bei psiram überlegen sie gerade, dieses Konstrukt im Wiki zu verewigen.

  3. Naja, etwas beunruhigend sind die Ingenieure bei Daimler und BASF. Sie verwenden Grandersachen und sagen frei heraus, daß sie nicht verstehen, was da funktionieren soll. Aber daß ihre Firmen dadurch Geld sparen, weil einige chemische Prozesse beim Lackieren dadurch weniger Komplikationen machen. (ich weiß nicht mehr, wie diese TV-Doku heißt, in der sie interviewt werden)
    Muß ich mir jetzt Gedanken machen, daß diese Ingenieure alle Spinner sind? Was sagt das über Daimler und BASF aus?

  4. @Vera Werner:

    Was für „Grandersachen“ denn?

    Dabei geht es um angebliche „Wasserbelebung“, nicht um „chemische Prozesse“ beim Lackieren. So etwas vertreibt Grander gar nicht.

  5. @ Bernd Harder

    Die „feinen“ Unterschiede.

    Da wurde mal wieder irgendwas aufgeschnappt und nicht richtig hingehört.

  6. @ Bernd Harder:
    Wie gesagt, es gibt da diese TV-Doku und ja, es ging ums Lackieren. Fand das auch verwunderlich, aber wenn die Herrn Ingenieure meinen, daß das nur in ihrer Fertigung genutzt wird, weil es einen Prozess effektiver und billiger macht und nicht, weil sie es gut finden oder nachvollziehen können, dann wollen wir ihnen den Spaß doch nicht verderben, oder?

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