Bereits im März hatten wir auf dem Blog die schwierige Lage der Wissenschaft in den USA unter Donald Trumps Präsidentschaft. Durch massive Kürzungen von Forschungsgeldern gerät die Wissenschaftsfreiheit dort zunehmend unter Druck.
Vergangene Woche veröffentlichten das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie die Allianz der Wissenschaftsorganisationen eine gemeinsame Erklärung, in der sie die Bedeutung der Wissenschaftsfreiheit und die Stärkung des Forschungsstandorts Deutschland bzw. Europa betonen:
Eine freie Wissenschaft gehört zum Kern liberaler, demokratischer Gesellschaften. Gleichzeitig ist eine an Erkenntnisgewinn und Fakten orientierte Wissenschaft ohne Freiheit nicht denkbar. Es ist daher in höchstem Maße besorgniserregend, dass die Freiheit der Wissenschaft in verschiedenen Regionen der Welt zunehmend unter Druck gerät.
Besondere Sorge gilt dabei der Situation in den USA:
Forscherinnen und Forschern, die in ihrer Heimat nicht mehr die Möglichkeit sehen, frei zu arbeiten, können und wollen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten im deutschen Wissenschaftssystem eine Perspektive bieten. Um die globalen Herausforderungen unserer Zeit, wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust, soziale Gerechtigkeit, Fragen der Friedens- und Konfliktforschung oder biomedizinische Probleme, adäquat adressieren zu können, möchten wir unsere internationalen Kooperationen insbesondere auch in diesen Bereichen stärken.
Damit einhergehend kam es zu einer 30-minütigen Pressekonferenz mit Bundesminister Cem Özdemir und Prof. Otmar D. Wiestler, dem Präsidenten der Helmholtz-Gemeinschaft.
Wiestler sieht in der aktuellen Entwicklung auch eine Chance, herausragende Wissenschaftler nach Deutschland bzw. Europa zu holen:
Der Standort Deutschland muss attraktiver werden für internationale Talente.
Özdemir über die Situation in den USA:
Es gibt gar keinen Anlass für Schadenfreude, für Überheblichkeit. Auch wir in der Bundesrepublik Deutschland wissen, dass Wissenschaftsfreiheit keine Selbstverständlichkeit ist.
Er hebt die globale Bedeutung der USA für die Forschung hervor:
Wissenschaft macht nicht an nationalen Grenzen Halt. Sie ist international vernetzt. […] Die USA sind nicht irgendein Land; es ist DAS Land schlechthin, wo Wissenschaft auf höchstem Niveau stattfindet. Und es ist ja auch kein Zufall, dass dort eben nicht nur Wissenschaftler aus den USA selber arbeiten, sondern im Prinzip aus der ganzen Welt. Das hat ja den Wissenschaftsstandort USA so stark gemacht […]
Gerade jetzt sei es umso wichtiger, auf internationale Zusammenarbeit zu setzen:
Es geht nicht um „Brain Drain„, sondern um „Brain Circulation„, also nicht einfach nur Abwerbung, sondern auch Angebote zum Austausch auf Augenhöhe. Man kann das auch als eine Art Talentkreislauf nennen für freie Forschung.
Ich will nochmal – um die ganze Dramatik deutlich zu machen – sagen: In den kommenden 10 Jahren werden rund 44 % der Professuren neu zu besetzen sein. Allein in den kommenden 5 Jahren immerhin rund 20 %.
Um Deutschland als Forschungsstandort zukunftsfähig zu machen, setzen sich die Beteiligten für Bürokratieabbau und eine engere Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft ein.
Zum Thema:
- Artikel: Özdemir kündigt an: „Werden auch in Zukunft mit den USA zusammenarbeiten“, Frankfurter Rundschau vom 28.03.2025
- Artikel: Wissenschafts-Community uneinig über „Abwerben“ von US-Forschenden, Forschung & Lehre vom 27.03.2025
- Artikel: Gemeinsame Erklärung der Allianz der Wissenschaftsorganisationen und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, BMBF vom 26.03.2025
- Artikel: Freie Wissenschaft gehört zum Kern liberaler, demokratischer Gesellschaften, Helmholtz vom 26.03.2025
- Artikel: Trump und die Wissenschaft: Kürzungen, Proteste und der Kampf um die Forschung, GWUP-Blog vom 18.03.2025
- Homepage: Allianz der Wissenschaftsorganisationen
Hinweis:
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