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Neue „Querdenker“-Studie: Misstrauensgemeinschaft mit eigenwilliger Auffassung von Kritik

| 70 Kommentare

„Querdenken“-Initiator Michael Ballweg will „bis auf Weiteres“ keine Corona-Demos mehr veranstalten. In einer Videobotschaft von Heiligabend kündigt er eine Pause bis zum Frühling an. Dies empfehle er auch anderen „Querdenken“-Gruppen in Deutschland.

Ballweg sieht sich zurzeit mit einer Klage vom „Goldenen Aluhut“ und Recherchen zum Finanzgebaren seiner Organisation konfrontiert.

Zugleich rief der ehemalige Unternehmer seine Anhänger dazu auf,

… das Verbot der Demonstrationen in Berlin zu akzeptieren und am 30.12., am 31.12. und am 1.1. nicht nach Berlin zu fahren.

In dem Video weist Ballweg (ab Minute 5:40) auch auf eine neue Studie der Uni Basel zur „Soziologie der Corona-Proteste“ hin. Ein Team um Prof. Oliver Nachtwey hat kurz vor Weihnachten die ersten 1150 Befragungen (online und Real-Life) von Corona-Protestlern veröffentlicht. Die Forscher betonen, dass es sich dabei um „explorative Ergebnisse“ handele:

Mit ihnen lässt sich ein Überblicküber den Forschungsgegenstand und bestimmte Einstellungsmuster gewinnen, es kann jedoch kein Anspruch auf Repräsentativität erhoben werden […]

Insgesamt gehen wir von einer großen Heterogenität innerhalb der Bewegung der Corona-Kritiker:innen und Querdenker:innen aus. Es handelt sich nicht um eine, sondern um mehrere, häufig disparate soziale Gruppen, die über geteilte Mentalitäten verbunden sind.

Gemeinsam ist ihnen, dass es sich mehrheitlich um gebildete Angehörige der Mittelschicht handelt. Unsere Analysen können deshalb nur als vorläufige Befunde einer Forschung betrachtet werden, die noch ganz am Anfang steht.

Als „typische Merkmale“ der Querdenker:innen arbeiten Nachtwey et al. heraus:

Sozialstrukturell handelt es sich um eine relativ alte und relativ akademische Bewegung. Das Durchschnittsalter der Umfrageteilnehmer:innen beträgt 47 Jahre, 31 Prozent haben Abitur, 34 Prozent einen Studienabschluss. Überraschend ist der hohe Anteil Selbständiger, mit 25 Prozent ist er deutlich höher als in der Gesamtbevölkerung.

Bei der letzten Bundestagswahl in Deutschland haben 18 Prozent die Linke und 23 Prozent die Grünen gewählt. Der AfD haben 15 Prozent ihre Stimme gegeben, bei der nächsten Bundestagswahl wären es allerdings rund 27 Prozent. Die Volksparteien spielen praktisch keine Rolle […] Es ist eine Bewegung, die mehr von links kommt, aber stärker nach rechts geht.

Kommentatoren der Studie weisen allerdings darauf hin, dass die Zahlen zur Parteipräferenz bei der vorigen Wahl in erster Linie wohl Aussagekraft für die Frage hätten, wer für die Forscher überhaupt noch erreichbar war.

Charakteristisch für die Bewegung sei „eine starke Entfremdung von den Institutionen des politischen Systems, den etablierten Medien und – zumindest für Deutschland – den alten Volksparteien“.

Das wird auch in dieser ZDF-Doku deutlich, die am 16. Dezember ausgestrahlt wurde:

Interessant, dass Nachtwey und sein Baseler Soziologen-Team die hohe Affinität der Corona-Demonstranten zu „Alternativmedizin“ und Esoterik bestätigen können:

Ein Großteil will die Alternativmedizin der Schulmedizin gleichstellen, zurück zur Natur und stärker auf ganzheitliches und spirituelles Denken setzen.

Was indes „eigentlich trivial ist“, kommentiert Welt-Online:

In der Corona-Pandemie geht es um Gesundheit. Um Medizin. Die Schutzmaßnahmen sind ein ungewohnt starker Auftritt der Schulmedizin. Denn an ihr, evidenzbasiert und am Stand der Naturwissenschaften ausgerichtet, sind die staatlichen Einschätzungen des Virus und seiner Infektiösität orientiert, ebenso die Beschränkungen, die verfügt werden.

Daraus folgt: Wer der Schulmedizin gründlich misstraut und ihre Geltungsansprüche zurückweist, muss sich in der Pandemie in hohem Maße provoziert fühlen.

Schon eher erstaunlich: Die Verschwörungsmentalität der „Querdenker“ scheint zunächst einmal nicht wesentlich stärker ausgeprägt zu sein als in der übrigen Bevölkerung:

Zum Vergleich die „Mitte-Studie“ von 2019:

Allerdings wird aus der Studie „Politische Soziologie der Corona-Proteste“ auch deutlich, warum die „Querdenker“ trotzdem keine „Kritiker“ der Corona-Maßnahmen sind – weil sie nämlich eine exzentrische Auffassung von Kritik pflegen, die im Kern deutlich näher an Verschwörungstheorien als an kritisches Denken heranrückt:

Die Kritik zielt weniger auf einzelne konkrete Massnahmen, sondern gewissermassen auf alles gleichzeitig. Es handelt sich um einen „Generalverdacht“, und die Coronakrise scheint eine gute Möglichkeit zu sein, einmal zu sagen, dass man eigentlich gegen alles ist – gegen die Reichen und Mächtigen, gegen die Wissenschaft, die Schulmedizin, die Justiz und Polizei etc.

Die Kritik schweift deshalb auch oft ab, schnell ist man bei 9/11 und zieht Parallelen zum Nationalsozialismus […] Hier findet sich das genuin romantische Motiv der mutigen, heldenhaft-standfesten Widerstandskämpfer:innen, die bereit sind, Opfer zu bringen

Kritik bekommt dadurch einen ethischen Eigenwert, sie wird sich selbst zum Hauptzweck, Dissens wird als solcher honoriert. Wichtig ist nicht, wogegen man konkret ist, sondern dass man dagegen ist.

Und genau deswegen verfangen in der Szene Typen wie Sucharit Bahdki oder Bodo Schiffmann so leicht:

Die Glaubwürdigkeit dieser Quellen beruht wiederum nicht (nur) auf fachspezifischen Expertisen, sondern vor allem darauf, dass es sich eben um kritische Stimmen handelt. Die Glaubwürdigkeit der Kritik ist also eigentlich eine Glaubwürdigkeit durch Kritik.

Hohe Zustimmungswerte gab es bei der Befragung zu Items wie:

  • Die Corona-Proteste werden in den etablierten Medien gezielt abgewertet und verzerrt.
  • Im Umgang mit dem Coronavirus geben die falschen Experten den Ton an.
  • Die Corona-Problematik wird von der Regierung dramatisiert oder übertrieben.
  • Die Regierung schürt im Umgang mit dem Coronavirus unnötig Angst.
  • Die Corona-Maßnahmen bedrohen Meinungsfreiheit und Demokratie.
  • Die Maskenpflicht ist Kindesmissbrauch.
  • Ich vertraue meinen Gefühlen und Intuitionen mehr als sogenannten Experten.
  • Die Regierung verschweigt der Bevölkerung die Wahrheit.

Das vorläufige Fazit der Forscher:

Die Bewegung der Querdenker:innen ist vor allem durch eine tiefe Entfremdung von Kerninstitutionen der liberalen Demokratie zu charakterisieren. Der parlamentarischen Politik und den Parteien, der Wissenschaft und den Medien – allen Institutionen schlägt großes Misstrauen entgegen.

Zeithistoriker der Uni Konstanz haben dafür schon im Herbst den Begriff „Misstrauensgemeinschaft“ geprägt. Demnach scheint eine persönliche Betroffenheit von den Corona-Maßnahmen nur wenig Einfluss auf die Ablehnung der Regeln zu haben. Vielmehr gehe es um das Ausmaß des Vertrauens in staatliche Institutionen.

Online steht die neue Studie „Politische Soziologie der Corona-Proteste“ hier und hier zur Verfügung.

Update vom 26. Dezember:

Erste Anmerkungen zu der Studie gibt es zum Beispiel hier:

Die Zahlen sind nur eingeschränkt aussagekräftig. Sie können aber beim Verständnis der Proteste helfen.

Zum Weiterlesen:

  • Corona-Demos: „Es hat sich sehr schnell gezeigt, dass die gar nicht reden wollten“, Welt-Online am 14. Dezember 2020
  • SWR-Doku: „Querdenker, Corona-Leugner, Wutbürger – woher kommt der Frust?“ GWUP-Blog am 2. November 2020
  • Video: Verschwörungsgläubige und Leistungsindividualisten, GWUP-Blog am 14. November 2020
  • Verschwörungstheorien: Die Heimwerker der alternativen Wissenskonstrukte, GWUP-Blog am 5. November 2020
  • Wie Herr Reimann zum Verschwörungsgläubigen wurde, GWUP-Blog am 25. November 2020
  • Der Goldene Aluhut verklagt „Querdenker“ Michael Ballweg, GWUP-Blog am 22. Dezember 2020
  • “Der Goldene Aluhut” verklagt Ballweg nach riesigem Querdenken-Eigentor, volksverpetzer am 23. Dezember 2020
  • Falsche Atteste & Impf-Lügen: Schwindel-Arzt Schiffmann soll Zulassung verlieren, volksverpetzer am 23. Dezember 2020
  • Michael Ballweg ist der Corona-Unternehmer des Jahres und gewinnt den „Goldenen Coroni“, GWUP-Blog am 18. Dezember 2020
  • „Querdenken“-Initiator Ballweg kündigt mehrmonatige Pause an, tagesspiegel am 25. Dezember 2020
  • „Querdenken“-Bewegung: „Wir müssen widersprechen“, Frankfurter Rundschau am 16. Dezember 2020
  • „Querdenker“ und Egoismus: Liebe zerstört unsere Demokratie, taz am 25. Dezember 2020
  • Studie: „Querdenker“-Frauen glauben eher an Verschwörung, t-online am 17. Dezember 2020

70 Kommentare

  1. … dass es sich mehrheitlich um gebildete Angehörige der Mittelschicht handelt.

    Sollte das tatsächlich so sein, dann hat das Bildungwesen versagt.

  2. Danke für den sehr interessanen Lesestoff!

    @RainerO: Nach meiner Wahrnehmung gehören die Homöopathieanhänger genau zu dieser Schicht. Die Analyse auf dieser Seite ist daher für mich eine Fortsetzung des ganzen.

    Udo Endruscheit hat das Thema Homöopathie und Bildung mal in einem seiner unnachahmlich guten Artikel thematisiert, leider finde ich ihn nicht wieder.

  3. Wundert mich nicht, so etwas sehe ich seit Jahren.

    Sei es in der Esoterik wie Homöopathie, Steine in den Wassergläsern, komplette Ablehnung von Gentechnik oder am rechten Rand (Flüchtlingsheim auf keinen Fall in der Grünen Gegend in Hamburg Eppendorf, Harvestehude…).

    Die gebildeten Grünen mit Geld sind ganz vorn dabei. Die „ungebildeteren Arbeiter“ haben keine Zeit sich selbst so einen Humbug auszudenken.

    Im Bildungssystem ist Religion und Esoterik gleichgewichtig zu Humanismus und Physik. Wobei es keinen Humanistischen Unterricht gibt.

  4. @RainerO

    Über diesen Satz mit der gebildeten Mittelschicht bin ich auch gestolpert.

    Dass das Bildungswesen dafür allein ursächlich ist, ist wahrscheinlich genau so richtig wie es auch falsch ist.

    Richtig ist, dass das Bildungssystem seit Jahren sträflich vernachlässigt wird. Statt ein oder zwei Mrd. in die Schulen und Schüler:innen zu investieren, rettet die Politik mit 9 Mrd. die Lufthansa. Statt einheitliche Linien für die Schulen und Universitäten in der Pandemie zu finden, profilieren sich die Kultusminister – und zwar jeder nach seiner Fasson.

    Das Schulsystem arbeitet nach einem hoffnungslos veralteten und aus der Zeit gefallenen Konzept und aktuelle Erkenntnisse der Hirn- und Verhaltensforschung finden kaum Beachtung. Lehrer:innen finden hier bestimmt noch mindestens 358 weitere Beispiele, was da alles schief läuft.

    Falsch ist die Annahme, weil jene, die da gerade auf den Straßen Quarkdenken, schon längst aus den Schulen raus sind (auch wenn sie selbst einmal Schüler:innen dieses Schulsystems waren).

    Und nicht alles läuft falsch in den Schulen. Es gibt dort, wie bspw. auch im Gesundheitssystem, jede Menge gute und engagierte Leute, die gegen alle Widrigkeiten ankämpfen und die Schüler:innen trotzdem dazu befähigen, den eigenen Verstand zu benutzen und zu Erkenntnissen zu gelangen. FFF ist dafür das allerbeste Beispiel.

    Ich denke, dass das fehlende Vertrauen in die Politik und staatliche Institutionen ein, wenn nicht sogar das Schlüsselproblem ist. Hier muss man schon fragen, woher das kommt und dabei die Aufmerksamkeit auf die Politik richten, ohne dabei gleich die Position eines Quarkdenkers einzunehmen.

    Beispiele gibt es hier viele. Das fängt bei der sich andauernd wiederholenden Farce um Doktortitel an, geht über ungeahntes und ungeahndetes Totalversagen wie bei Andreas Scheuer weiter und hört (leider) nicht bei demokratisch unakzeptablen Verhalten wie bei Jens Spahn auf (Causa Sterbehilfe).

    Da liegt für mich der Hase im Pfeffer und hier müsste es demokratische Konsequenzen geben. Das passiert wohl aber erst, wenn die Kinder in den Brunnen gefallen sind.

  5. Unser kaputtreformiertes und föderal divers durchideologisiertes Bildungswesen versagt sowieso jeden Tag. Ich habe jedenfalls wenig Hoffnung, dass das auch mal wieder besser wird.

    Was anderes… im Artikel heißt es, 31% der Befragten hätten Abitur und 34% einen Studienabschluss. Die Schnittmenge dürfte sehr groß sein, oder gibt es soviele Abiturienten ohne Studium?

    Nach einer Überrepräsentation höherer Abschlüsse („mehrheitlich gebildete Angehörige der Mittelschicht“) sieht das für mich nicht aus. Obwohl ich es übrigens genauso erwartet hätte, also einen übergroßen Akademikeranteil.

  6. Wodurch wird hier Bildung definiert? Bildung scheint nur noch als eine schwammige Ansammlung von Halbwissen begriffen zu werden. Fundierte Kritik, Methodik im besten Sinne der Aufklärung – wohl Fehlanzeige.

  7. Naja, schon, nur was bedeutet „gebildet“ zu sein? Viel zu wissen? Das reicht anscheinend nicht. Man sehe sich Rechtsradikale an, da sind etliche Studierte darunter.

    Am Bildungswesen allein liegt es nicht, eher an den Geschichten, mit denen Kinder und Jugendliche aufwachsen, an den Mythen, die sie sich in ihrer Entwicklung im Elternhaus o. dort, wo sie Einflüssen gegenüber offen sind, anhören und ggf. aneignen. Bildung allein macht nicht klug und/oder liberal-humanistisch. Die Schulbildung wird Einflüsse ausserhalb der Schuleinrichtungen auch nicht immer korrigieren können.

    Ein erfreulicher Aspekt ist, daß Kanäle, die Wissenschaftskommunikation machen, bei Jugendlichen anscheinend immer beliebter werden. Auch Podcasts dieser Richtung verbreiten sich glücklicherweise. :-) In meinen fortgeschrittenen Alter erfahre ich immer weiter Neues und stelle immer wieder fest, wie angenehm das ist.

  8. „… dass es sich mehrheitlich um gebildete Angehörige der Mittelschicht handelt.“

    Das nennt sich formale Bildung. Die Leute haben zwar einen Zettel mit der Bestätigung des Bildungsabschlusses, das dazugehörige relevante Wissen haben diese Leute aber nicht mehr, oder genauer, haben diese niemals besessen.

    Sei es, weil das angebotene und verlangte Bildungsniveau rudimentär (Nachweis von z.B. naturwissenschaflichem Wissen ist nicht notwendig, praktisch alle Fächer abwählbar) ist und schon damals war, sei es, weil man mit inhaltslosem dafür aber wichtigtuerischem Schwafeln und Erbringen von „Alternativleistungen“ (Bet-Hüpf-Sing-Abitur) durchgewunken wird und wurde.

  9. @ Wednesday

    „Naja, schon, nur was bedeutet „gebildet“ zu sein?“

    Herzensbildung ist für mich das Wichtigste!

    Mir ist eine rustikale Putzfrau (ich wähle absichtlich diese veraltete Bezeichnung) mit einem guten Herzen und einer liebevollen Einstellung anderen Mitmenschen gegenüber tausendmal lieber als eine hochgebildete Akademikerin, die aber vielleicht arrogant oder hinterhältig ist.

  10. „… dass es sich mehrheitlich um gebildete Angehörige der Mittelschicht handelt.“

    Sollte das tatsächlich so sein, dann hat das Bildungwesen versagt.

    @Rainer O: ja, im Bildungswesen läuft sicherlich einige schief, aber meine Hypothese ist eher, dass das Ganze sehr viel mit Globalisierung und Neoliberalismus zu tun hat.

    Wenn die „Sozial“demokraten zu Neoliberalisten werden und Dich ausverkaufen und Dein Job nach Asien abwandert wegen „wirtschaflichen Zwängen“, die jahrzehntelang als „unabwendbare Fakten“ verkauft werden, dann wächst Du damit auf, dass Fakten kaltherzige Dinge sind, die Deine Existenz bedrohen. Und daher abzulehnen. Als Selbständiger umso mehr.

    Ebenso im Gesundheitswesen, das seit Ewigkeiten kaputtgespart wird. Wenn Du siehst, wie Deine Verwandten mit MRSA-Schäden aus dem Krankenhaus kommen, oder Du ohne Diagnose im Regen stehen gelassen wirst, dann wirst Du der „Schulmedizin“ gegenüber „skeptisch“.

    Dass das daran liegt, dass der Betreuungsschlüssel den Krankenschwestern nicht genug Zeit läßt, sich die Hände richtig zu desinfizieren oder dem Hausarzt genug Zeit, sich mit Dir ausführlich zu unterhalten weil überall nurmehr Excel-Sparfüchse mit MBA das Sagen haben, das steht auf einem anderen Blatt, an das der Durchschnittsmensch in dem Moment nicht denkt.

    Als Frau, wo Dir von der Gesellschaft immernoch „Fürsorge“ und „Sanftheit“ nahegelegt werden, wendest Du Dich dann tendenziell eher in Richtung alternative Medizin und Esoterik (umso mehr, weil Du als Frau in der Medizin jahrzehntelang bis inkl. heute sowieso Mensch 2. Klasse bist), als Mann tendenziell eher in die Richtung „gute, alte Zeit“, wo „Männer noch Männer waren“ und landest eher im rechten Eck.

    Da man sehr ähnliche Effekte weltweit sieht – siehe Brexit, siehe tlw. die Zusammensetzung der Gelbwesten-Bewegung, siehe Trumpisten usw. und die Bildungssysteme in diesen Ländern doch extrem unterschiedlich sind, tippe ich sehr, sehr stark auf den Verlust des Gefühls der Sicherheit durch Neoliberalismus / Globalisierung und Angst vor dem gesellschaftlichen Abstieg. Wenn Menschen das Gefühl haben bedroht zu sein, greifen sie eben gern auf Ur-Programme zurück wie Tribalismus.

    Daraus wird dann eben Nationalismus a la „America first“ und Brexit oder extremes In-Group-Out-Group-Denken, wie in den diversen Telegram-Gruppen, dass dann Scharlatane gütlich ausnutzen können (und typischerweise weiter befeuern). Leg die durch Algorithmen erzeugten Bubbles oben drauf und Du hast 2016-2020.

    Fast vergessen: der „wahre Kern“. Ich habe neulich erst diverse Bücher über die Koch-Brüder und ihre Machenschaften (Astro-Turfing, Lobbying) gelesen, oder so Sachen wie, dass air bnb vor der Pandemie in Brüssel massiv auf Personalsuche war nach Lobbyisten.

    Wenn man sich als normaler Bürger ärgert, dass in der EU-Gesetzgebung vieles nicht zum Wohle der Bürger passiert oder viel zu lange dauert und nachher in der arte-Doku sieht, wie Konzerne da via Lobbyismus an den Rädern drehen, wie weit ist es denn da wirklich noch zu den „geheimen Mächten“, die „die Regierung steuern“?

    Im Grunde müsste man all diesen Dingen einen Riegel vorschieben mit klaren Regularien und Konsequenzen bei Verstößen. Und die Weltwirtschaft sehr grundlegend ändern. Handel, ja, schon. Aber wenn 80% der Güter nur mehr in China hergestellt werden, dann wird dieses Land zum Single Point of Failure. Und dass das auf Dauer nicht gutgeht sollte zumindest eine der Lehren sein, die wir aus der Pandemie ziehen.

  11. @ Pierre Castell,
    Ja, die Herzensbildung. Die seh ich grade bei vielen Leugnern. Ganz schön verfettete Herzen zum Teil. Oder verkalkt. Oder transplantiert.

    Dass es hier nicht darum geht, ist doch klar.

  12. @ Pierre Castell:

    Wenn die „hochgebildete Akademikerin“ Ärztin ist, lasse ich mir trotzdem lieber von ihr den gebrochenen Arm richten als von der „rustikalen Putzfrau“. ;-)

    Vielleicht muss man das mit der „Bildung“ auch als historische Entwicklung sehen: Die Zeiten des Halbgotts in Weiß mit unhinterfragter Autorität sind vorbei, wobei die Medizinkritik lange von einem bildungsbürgerlichen Milieu getragen worden ist, das immer schon anfällig für obskure alternativmedizinische Richtungen war (von der Anthroposophie bis zur Homöopathie).

    Inzwischen gibt es mehr und mehr rationale Medizinkritik (EBM etc.), mit etwas Glück wächst sich das aus.

  13. Mir ist die Aussage, dass die Bewegung „von links kommt“, unangenehm aufgestoßen. Dies ist ja eine Schlußfolgerung aus dem hohen Anteil an Die Linke- und Grünen-Wählern. Beides sind (in der Praxis) keine linken Parteien.

    Die Linke ist sehr heterogen mit viel Sozialdemokratie, reichlich rechtsoffenen Auslegern aus dem Wagenknecht/Lafontaine/Aufstehen-Lager und einigen versprengten linken Pragmatikern/pragmatischen Linken.

    Die Grünen sind vor allem bürgerlich und offen für alle Richtungen, solange ein bisschen Umweltschutz dabei ist. Erfolgreich ist aber nur die Ausdehnung nach rechts (Kretschmann), daher gibt es wenig Hemmungen, mangels Perspektive mit rot/rot schwarz-grüne Koalitionen vorzubereiten. Esoterik wird auch groß geschrieben.

    Die Bewegung hat daher ihren Ausgangspunkt eher in der „radikalen Mitte“, also Bürgerlichen, die nach außen hin liberale Werte vertreten, sich beim kleinsten Anlaß aber nach ganz rechts lehnen. Entsprechend die Parolen von „Freiheit“ und „Liebe“ etc., die nicht mit dem Handeln übereinstimmen.

  14. @ Pierre Castell

    ich würde dir ja zustimmen, nur aber halt – ist „Herzensbildung“ eine Bildung. Deshalb hab ich mir das Buch „Die 10 Gebote des gesunden Menschenverstands“ erstmal bestellt.

  15. Bemerkenswert, wie sich die Kommentare zu den Ergebnissen der Studie befassen, besonders zum Bildungswesen.

    Ein anderer Blick stattdessen lenkt auf die Problematik solcher Umfragen. Es nützt dabei nicht der Hinweis, es sei nur ein Überblick auf bestimmte Einstellungsmuster ohne Anspruch auf Repräsentativität. Das Dilemma wird offensichtlich: ab wann und wodurch wären die Ergebnisse einer Umfrage denn repräsentativ statt explorativ?

    Fast perfide sind allerdings die Schlussfolgerungen der Forscher, die Kritiker ergingen sich im Generalverdacht. Das ist ein Eigentor der um Wissenschaftlichkeit Bemühten. „Kritik bekommt dadurch ethischen Eigenwert, sie wird sich selbst zum Hauptzweck“. Unzulässige Deutung, die sich aber als objektive Zusammenfassung der verfügbaren Daten verstanden wissen will. Dabei steckt der Teufel im Detail, nämlich in der Art der voreingenommenen Fragestellung. Das kommt dabei raus, wenn man Verschwörungstheorien präzisiert um „geheime Organisationen, die großen Einfluss auf politische Entscheidungen haben“.

    Als gäbe es nicht TATsächlich eine Fülle von Absprachen der Industrie und Politik auf globaler Ebene, für die Öffentlichkeit nicht einsehbar. Das ist nicht gleich Betrug, aber wohl Machtmissbrauch in vielen Fällen, um die eigenen Interessen durchzusetzen. Das passiert auch in kleinen, regionalen menschlichen Zusammenkünften und Beziehungen.

    Besonders heute, jetzt und hier wäre doch das wünschenswert: Nutze den eigenen Verstand, sieh genau hin, wenn Forscher Ergebnisse zur Aufklärung anbieten. Denn wer in Schubladen gezwängt wird, die zu eng und von anderen gezimmert wurden, kommt schwer wieder raus eigener Kraft.

  16. @maybemaybelle:

    Es nützt dabei nicht der Hinweis, es sei nur ein Überblick auf bestimmte Einstellungsmuster ohne Anspruch auf Repräsentativität.

    Dieser Hinweis nützt dabei durchaus, denn auf Seite 2 der Studie können Sie lesen:

    Weitere, tiefergehende Analysen folgen zu einem späteren Zeitpunkt.

    Dass man Studienergebnisse immer kritisch betrachten muss, ist ja nun keine sensationelle Erkenntnis und erfolgt auch im vorliegenden Fall (siehe z.B. das „Update“).

    Worauf Sie konkret hinauswollen, erschließt sich mir allerdings nicht so ganz – liest sich ein wenig wie der Versuch, die „Querdenker“ mal wieder von jedem Verdacht einer Verschwörungsmentalität reinzuwaschen und sie als „Kritiker“ darzustellen.

    Das kommt dabei raus, wenn man Verschwörungstheorien präzisiert um „geheime Organisationen, die großen Einfluss auf politische Entscheidungen haben“.

    Dieser Satz bzw. diese Frage ist eine Standard-Formulierung zu diesem Item, die seit Jahren in fast allen Studien zu diesem Thema verwendet wird (so können Sie z.B. im obigen Beitrag den direkten Vergleich mit der „Mitte“-Studie sehen).

    Und seit ebenso langer Zeit sind den Forschern diese Einwände gegen die Fragestellung bekannt und werden auch berücksichtigt, um weitgehend auszuschließen, dass die Befragten darunter nur „Lobbyismus“ oder Wachsamkeit gegen Versuche mächtiger Interessen, die Marktwirtschaft und die Demokratie zu unterlaufen, verstehen.

    Außerdem sind „geheime Organisationen“ durchaus etwas anderes als „eine Fülle von nicht einsehbaren Absprachen“.

    Der entscheidende Punkt dieser Studie ist der, dass es den befragten „Querdenkern“ gar nicht darum geht, ein notwendiges Korrektiv (z.B. gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen) zu sein. Und das hat nichts mit der Antwort auf eine (möglicherweise missverständliche) Frage zu tun, sondern ergibt sich aus dem Gesamtergebnis.

  17. Zugleich rief Ballweg seine Anhänger dazu auf, das Verbot der Demonstrationen in Berlin zu akzeptieren und am 30.12., am 31.12. und am 1.1. nicht nach Berlin zu fahren.

    Jetzt wird Anwalt Jun aber gemein:

    „Lieber Herr @Michael_Ballweg, Sie haben für die Organisation Querdenken 711 zweckgebundene Zahlungen erhalten – auch von mir. Würden Sie diese entsprechend Ihrer Vermögensbetreuungspflicht bitte zurückzahlen oder versuchen Sie das Geld zu behalten? § 266 StGB“

  18. @2xhinschauen:

    Die Standard-Frage in solchen Umfragen lautet:„Welchen höchsten allgemeinen Schulabschluss haben Sie?“ Antwortmöglichkeiten: … Abitur, Studium, Promotion, d.h. 31% haben Abitur, aber keinen Hochschulabschluss, weitere 34% ein abgeschlossenes Studium.

    Zum Thema Bildung:

    In skeptisch-säkularen Kreisen wird regelmäßig der Bildungsmythos wiederholt. „Wer so gebildet ist (wie ich), kann diesen Unsinn doch nicht wirklich glauben.“ Dabei gibt es statistisch keinen starken Zusammenhang zwischen religiösen Überzeugungen und dem Bildungsniveau (Quellen: ALLBUS, ESS, EVS etc.).

    Weltanschauliche Überzeugungen (Politik, Religion, Verschwörungsmythen, etc.) sind nicht faktenbasiert, sondern erfüllen bestimmte psychische oder soziale Funktionen. Es ist auch keine Frage der Intelligenz, sondern eher des mind sets.

    Verschwörungsgläubige sind vielleicht wie SUV-Fahrer*innen. SUV fahren hängt nicht vom Bildungsniveau ab. Sie meinen etwas Besonderes zu sein, fühlen sich unantastbar und räumen sich selbst Rechte im Verkehr ein, die sie Anderen absprechen.

  19. „Fotografinnen auf „Querdenken“-Demos: Wir wurden durchgehend angeschrien“

    https://www.monopol-magazin.de/fotografie-querdenken

  20. @Bernd Harder
    Sie haben ja Recht – Dank für die Antwort. Manches ist kurzatmig formuliert.

    Aber was ich sagen wollte, war dies: Begriff der Wissenschaftlichkeit, Bedeutung der Wissenschaft, Zahlen, Tabellen, Daten, verstehen wissenschaftlicher Erkenntnisse, Notwendigkeit, wobei Not fraglich ist – des Einsatzes moderner Technik – all das wird durch die Pandemie auf die Spitze getrieben und zu einer Überforderung des einzelnen statt zur Herausforderung.

    Wenn Wissenschaft, auch in der Mehrzahl, einzige Quelle der Aufklärung ist, trägt das nicht zu einer besseren Welt bei. DIE Querdenker – DIE Kritiker – eben genau davon spreche ich: die gibt es nicht. Der Versuch, sie in Kategorien mithilfe von Statistik einzuteilen, hat für mich geringen Erkenntniswert, oder anders: keinen praktischen Nutzen für das Eindämmen von Corona.

    Es ist vielleicht ein wenig anstrengend, aber es lohnt sich doch, den eigenen Kopf in Bewegung zu setzen. Das wollte ich sagen und dabei nichts wegwaschen. Und das kommt mir auch gerade in den Sinn….. „Fernrohre und Mikroskope verwirren den reinen Menschensinn“ (Goethe). Ich bin immer noch auf der Suche danach und will nicht aufgeben – besonders in diesen Zeiten.

    Das wird hoffentlich nicht als wissenschaftsfeindlich gedeutet.

  21. @maybemaybelle:

    Das wird hoffentlich nicht als wissenschaftsfeindlich gedeutet.

    Durchaus nicht, danke für Ihre Antwort.

    Der Versuch, sie in Kategorien mithilfe von Statistik einzuteilen, hat für mich geringen Erkenntniswert, oder anders: keinen praktischen Nutzen für das Eindämmen von Corona.

    Dafür vielleicht nicht – aber möglicherweise für ähnliche Phänomene wie Klimawandel etc., denen wir uns gegenwärtig oder in Zukunft noch gegenübersehen werden und bei denen eine „Leugner“-Szene (ich nenne es jetzt mal verallgemeinernd so) gezielt versucht, den Stand der Wissenschaft zu untergraben.

    Wenn Wissenschaft, auch in der Mehrzahl, einzige Quelle der Aufklärung ist, trägt das nicht zu einer besseren Welt bei.

    Wissenschaft entscheidet ja aus gutem Grund auch nicht über die Corona-Maßnahmen, sondern gewählte Politiker. Soweit ich mich entsinne, hat auch zumindest hier im Blog noch nie jemand eine Scientokratie gefordert.

    Trotzdem finden wir die Frage interessant, warum, aus welchem Grund, Wissenschaft und Technik zu einer „Überforderung“ des Einzelnen führen.

  22. @Carsten Ramsel

    Danke für die Klärung bei den Bildungsabschlüssen. 31%, die „nur“ Abitur haben, kommt mir trotzdem viel vor. Als ob man überdurchschnittlich viele Bachelorstudenten befragt hätte. 34% mit Studium klingt wiederum nicht exzessiv, angesichts der unaufhaltsamen (und unheilvollen) Akademisierung der gesamten Berufsbildung in Deutschland. „Jemand“ „müsste“ das „mal“ checken ;)

    Zur Bildung allgemein: Ich war wohl nicht der einzige her, bei dem RPGNo1’s erster Kommentar eine vorgefasste Meinung getriggert hat.

    Ich hätte differenzieren können, dass „Bildung“, gemessen am Abschluss, nicht dasselbe ist wie „viel wissen“ oder „viel können“, schon gar nicht auf allen Feldern. Auch „höhere Bildung“ nicht. Hoch gebildete Leute sind nicht notwendig auch hochgebildet.

    Passend zu Deiner Beobachtung wähne ich eine Variante des Dunning-Kruger-Effekts am Werk, hier also eine Kombination aus Bildung(sdünkel), durchaus vorhandener Analysefähigkeit qua Intelligenz, aber mangelnder Kompetenz in Medienkritik und allgemein in kritischem Denken – ein Mangel, den sie selbst aber nicht erkennen oder nicht anerkennen.

  23. Irgendwie gehen viele Kommentare hier am Kern vorbei, dass das einigende Element das Misstrauen gegen die Politik ist. Leider hat die Politik aber in den letzten Jahren viel getan für dieses Misstrauen und im letzten Jahr, gerade zu Beginn der Pandemie, besonders viel.

    Warum sollte man jetzt jemandem glauben, dass Masken wichtig sind, der vor weniger als einem Jahr öffentlich gesagt hat, dass Masken nicht helfen? Experten sind so oft nur deshalb herangezogen worden, um die vorgefasste Meinung zu begründen, dass man das auch jetzt für den einzigen Anhaltspunkt hält.

  24. @Knochenschrauber:

    Beim ersten Punkt stimme ich Ihnen zu, beim zweiten weniger.

    „Ein Jahr“ ist halt lange her, und wenn die Experten nur dazu da wären, um „die vorgefasste Meinung zu begründen“, dann hätte sich an der Empfehlung ja bis heute nichts geändert.

  25. „31%, die „nur“ Abitur haben, kommt mir trotzdem viel vor.“

    Vom Gefühl her geht es mir ähnlich, kommt aber recht nah an die Zahl der Studienabbrecher.

  26. @2xhinschauen

    31% mit Abitur klingt viel. Es würde aber gut in die von Dir skizzierte Interpretation von „Bildung(sdünkel)“ passen. Die Studie betont zudem, dass die Stichprobe nicht repräsentativ für die Bevölkerung sei.

    @Knochenschrauber

    Die Experten sind deswegen glaubwürdig, weil sie – im Gegensatz zu den Gläubigen jeder couleur – in der Lage sind, ihre Einschätzungen zu ändern, wenn neue Erkenntnisse vorliegen.

    Wenn der Eindruck entsteht, dass die Experten ihre Erkenntnisse nach einer politischen Agenda ausrichten, ist in der politischen Kommunikation etwas falsch gelaufen. Und ich glaube, dass in der politischen Kommunikation einiges falsch läuft.

    Außerdem mache ich für diesen Eindruck eine mangelnde Ambiguitätstoleranz bei großen Teilen der Bevölkerung verantwortlich.

  27. @Pierre Castell/Joseph Kuhn

    Wir dürfen gleichermaßen dankbar sein für Herzensbildung wie für die moderne Medizin.
    Und die weihnachtliche Frage darf gestellt sein, ob der Arm gebrochen wäre, hätte es mehr herzensgebildete Putzfrauen auf der Welt…

  28. @Bernd Harder

    Da hab ich mich wohl etwas unpräzise ausgedrückt, schon vor der Pandemie wurden Experten derart oft für eine politische Agenda herangezogen , dass es mittlerweile quasi egal ist, ob die Experten diesmal gut sind und recht haben oder nicht. Das Vertrauen ist einfach weg, weil sie herangezogen werden und demzufolge der Politik dienen.

    Und die Empfehlung zu Masken hat sich ja nicht geändert, weil die Experten ihre Meinung zur Wirksamkeit geändert haben, sondern weil sich die Verfügbarkeit der Masken geändert hat.

  29. @Knochenschrauber:

    Und die Empfehlung zu Masken hat sich ja nicht geändert, weil die Experten ihre Meinung zur Wirksamkeit geändert haben, sondern weil sich die Verfügbarkeit der Masken geändert hat.

    Ich kann nicht ganz nachvollziehen, ob das so korrekt ist.

    Ende März waren wohl auch „Virologen und Ärzte“ uneins, was das Maskentragen angeht.

    Anfang bis Mitte April gaben dann Leopoldina und RKI eine eindeutige Empfehlung ab, der praktisch unmittelbar auch die Politik folgte.

    Auch Drosten z.B. hat sich erst am 3. April eindeutig für Masken ausgesprochen:

    https://twitter.com/c_drosten/status/1246022917399478272

    Aber Sie haben natürlich recht, dass davor das Thema weitgehend abgetan worden ist, möglicherweise auch aus Ressourcengründen, und der Sinneswandel schlecht oder auch gar nicht kommuniziert wurde.

  30. @maybemaybelle:

    Ich denke, das ist so bisschen der Punkt:

    Klimawandel stoppen? Nach den Corona-Erfahrungen bin ich pessimistisch

    https://www.welt.de/politik/deutschland/article223275012/Kampf-gegen-Klimawandel-Lauterbach-wegen-Coronazeit-pessimistisch.html

  31. Dass es eine Bewegung ‚Dagegen‘ im Allgemeinen hier gibt, ist ein sehr gutes Ergebnis dieser Zusammenstellung. Ein Sammelbecken von allen, die sich gegen irgendwelche Eliten stellen wollen.

    Da sind eben die Wissenschaftler und Ärzte nur ein Bestandteil dieses Systems. Und, wenn diese Dagegenbewegung sich nicht mehr in den ‚etablierten Parteien‘ (z.B. Grünen)wiederfindet, dann suchen sie sich was Eigenes. Die AfD ist da wohl ein gewisses Sammelbecken.

    Es könnte aber sein, dass das nicht von Dauer ist und diese Querlenker sich ein neues Ventil suchen…

  32. „Was die Pause des „Querdenken“-Initiators Michael Ballweg bedeutet“:

    https://www.watson.de/!854967643

  33. Man sollte auch daran denken, dass die Experten vielleicht nicht immer das gesagt haben, was man so hört, dass sie es gesagt haben sollen:

    https://www.philologenverband.de/diverses/texte/news/bildungsministerium-hoert-nicht-zu-und-verliert-sich-stattdessen-in-reiner-propaganda-zu-den-pressea.html

    Es macht sich vielleicht nicht jeder die Mühe, dann auch öffentlich zu widersprechen.

  34. Oliver Nachtwey ist schon geübt in solchen Studien. Schon seine Untersuchung über die Occupy-Bewegung 2011/12 in Deutschland war beeindruckend, und aufschlussreich – damals war das noch eher positiv für die Untersuchten, von 1000 Befragten waren nur 2 in einer rechtsextremistischen Partei. Das war schon beruhigend, angesichts von vorher kursierenden Verdächtigungen tiefergehender Unterwanderung.

    IMHO: Erschrocken konnte man dennoch sein, schien die Bewegung offiziell doch keine Ziele zu verfolgen, also irgendwie obskur, wiewohl bei den Demos und Veranstaltungen eine ganze Menge Forderungen laut wurden und die Protestthemen auch von größeren Teilen der Bevölkerung geteilt wurden – ich stellte mindestens ein halbes Dutzend verfolgter Ziele von Occupy in Deutschland fest, aber auch Verirrungen, wie eine „gefühlt ganz eigene Ideologie“ einer der zentralen deutschen Occupy-Gruppen – eine Bewegung, die keine Ziele hat, müsste doch eigentlich ohne Ideologie auskommen, oder? Folge: Die EZB wurde zum Sündenbock gemacht.

    Immerhin: Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom Mai 2020 bestätigte, dass die damals zur Überwindung der Finanzkrisen 2008/2010 von der EZB gewählte Strategie in ihren Auswüchsen, sprich ihren Übertreibungen verfassungswidrig, sprich nicht mehr verhältnismäßig ist – sprich: Das Ausmaß des Anleihenaufkaufprogrammes der EZB ist gelinde gesagt etwas zu monströs, und das bis heute. Kläger war ein bekannter Euro-Skeptiker, der für seine Euro-Skepsis sogar einmal eine Partei gründete, allerdings eine zu monströse! Und nun werden wir weder die monströsen Anleihekaufprogramme der EZB noch die monströse Partei so schnell wieder los :( Den Euro sollten wir lieber behalten, aber Lagarde zu etwas anderem als dem „weiter so“ (wie Draghi) ermuntern.

    Konkret im größeren Wirkungsmaßstab wurde Occupy IMHO im Wesentlichen in USA mit den Projekten Occupy Debt (Schuldtitel-Eliminierungs-Projekt) und Occupy Sandy (Katastrophenhilfsaktion), in Istanbul mit Protest gegen Erdogans Großmannssucht (Occupy Gezi Park), und Occupy Hongkong (ging auf in der Demokratiebewegung), auch in Taiwan waren, allerdings weniger beachtete Proteste gegen die Regierung zustande gekommen.

    IMHO, ich gehörte ja auch dazu, war Occupy ein Muster einer Bewegung mit definiertem Anfang und Auslaufen wesentlicher Gruppenaktivitäten spätestens nach vier Jahren, wie ich es auch vorausgesagt hatte. Im Endeffekt hat sie viele Menschen auf die eine oder andere Weise zu Aktivisten gemacht, sofern sie es nicht schon waren und nur den Impuls der Bewegung mit aufgriffen. IMHO darf eine in die Gesellschaft Impulse liefernde, aus dem Moment heraus entstandene Bewegung nicht den Anspruch erheben, viel länger aktiv und bedeutend sein zu wollen.

    Schon damals, bei seiner Occupy-Studie, wusste Nachtwey die Leute anzusprechen für die Teilnahme an seiner Untersuchung, ein Wissenschaftler, der zielorientiert z.B. solchen Bewegungen auf den Grund gehen will.

    Die heutigen, klar zielorientierten Bewegungen haben einerseits wie Occupy eine Idee davon, wie man diffuse Unzufriedenheit vieler Leute in Protest bündeln kann, aber andererseits auch davon, diesen Protest ritualmäßig zu wiederholen wie die einst „Wutbürger“ geschimpften S21-Gegner.

    Zwischenzeitlich gab es Friedenskundgebungsriten einer alternativen Friedensbewegung, die diese Prinzipien kombinierte. Dann taten desgleichen aber auch Pegida und nun die Coronaleugner. Wobei bekanntlich die rechtsextreme Unterwanderung der beiden letzteren Bewegungen ernst zu nehmende Ausmaße angenommen hat, wenn nicht bedrohlich für die Demokratie.

  35. Regierungen machen ja viel Mist sowie der Tag lang ist. Und sie haben leider auch während der Pandemie damit nicht aufgehört.

    Sie haben teilweise zu spät und zu widersprüchlich reagiert, waren unvorbereitet auf ein im Grunde vorhersehbares Ereignis. Sie haben im Gesundheitssystem gespart und jetzt sehen wir die Folgen dieser verheerenden Politik. Sie haben die Lufthansa gerettet und sie haben Pharmakonzerne mit Milliardenspritzen bedient.

    Letzteres ist besonders fragwürdig: Private Konzerne bekommen öffentliche Gelder, um etwas zu produzieren, für das die öffentliche Hand die Haftung übernehmen soll und gleichzeitig müssen eben diese Konzerne nicht auf die Patente verzichten. Und das alles, weil die Herstellung von Impfstoffen nicht profitabel ist. Da müsste man sich doch fragen, warum man nicht überhaupt die Produktion von Medikamenten und Impfstoffen vergesellschaftet.

    Wir sollten doch gerade jetzt anfangen, umzudenken und den kostenlosen Zugang zu medizinischer Versorgung für alle Menschen weltweit sichern. Das hieße eben, die WHO stärken und mehr öffentliche Mittel in die Prävention und Gesundheitsversorgung stecken.

    Also gäbe es genügend Gründe, (unter Einhaltung der Infektionsschutzmaßnahmen) zu protestieren.

    Was die Querdenker aber tun, ist genau gegen die Maßnahmen zu protestieren, die im Wesentlichen vernünftig sind und Hass gegen die Regierungen dafür schüren, dass sie sich bemühen, das Leben und Gesundheit der Bürger*innen zu schützen (egal wie bescheuert sie das auch machen).

    Sie stellen sich schlicht gegen den gesellschaftlichen Konsens, dass dermaßen hohe Todeszahlen, die durch Pandemie und Kollaps des Gesellschaft nicht tatenlos hingenommen werden dürfen. Anstatt dieses hier entwickelte Bewusstsein später aufzugreifen und Mittel und Wege zu finden, um die Sterblichkeit z.B. auch bei künftigen Grippewellen zu senken, werden vergangene Grippewellen unzulässigerweise und dann noch falsch mit Covid-19 verglichen.

    Wenn die Mortalität nicht erhöht ist, dann sei Covid nicht so schlimm, heißt es, dann wenn die Übersterblichkeit dann doch höher ist, wird das schlicht ignoriert oder auf die „Panik“ und die Maßnahmen geschoben. So leicht kann man es sich machen.

    Es ist ja richtig, dass Panik ein schlechter Ratgeber ist. Ertrinkende haben auch Panik. Nur deswegen ersaufen sie letztlich daran dass sie eben nicht schwimmen können oder nicht mehr die Kraft haben, sich über Wasser zu halten.

    Das, was die Querdenker tun, erinnert an einen Nichtschwimmer, der einem Ertrinkenden vom Ufer zuruft: Keine Panik!

    Ich hoffe, dass die Gesellschaft etwas aus dieser Krise lernt. Auch wie gegen dieses Quacksalbertum in der Ärzteschaft vorgegangen werden kann.

    Ich muss zugeben, dass ich diesbezüglich in der Vergangenheit auch eher naiv war, aber die Leichtfertigkeit mit dem gerade einige Ärzt*innen ihren hippokratischen Eid brechen, indem sie Dinge tun und Falschmeldungen verbreiten, die Patient*innen schaden, ist erschütternd und muss Konsequenzen haben.

    Es ist erschreckend, dass hier einige Leute in ein Milieu abdriften, dem sie ursprünglich gar nicht zuzurechnen waren und in eine Irrationalität abdriften, die deprimierend ist. Da tun sich Abgründe auf, die den Weg in eine bessere Zukunft verbauen.

  36. Sorry aber mir ist völlig unverständlich dieses Gejammer über zu frühes und gleichzeitig zu spätes reagieren auf die coronapandemie, das ist jammern um zu jammern.

    Hat irgend ein Land der Welt (außer Inseln wie Taiwan/S-Korea mit entsprechender Regierungsmacht) es auch nur in etwa besser gemacht als unsere Regierung?

    Und NEIN staatliche Medizinherstellung und Impfstofforschung ist weder erfolgreicher noch billiger und auf gar keinen Fall flexibler.
    Auch das Gejammer um abgebaute Bettenkapazitäten ist unüberlegt denn auch leere Betten+Personal kosten Unsummen die wir dann als KK-Beitrg bezahlen.

    Wie sinnlos es ist mit Querstänkern zu diskutieren sieht man doch an Antworten wie ich höre nur auf mein Bauchgefühl und noch dämlicheres.

  37. Planwirtschaft in der pharmazeutischen Industrie – tolle Idee, besonders dann, wenn wir auf die Forschungs- und Produktionsleistungen ausländischer bzw. multinationaler Konzerne angewiesen sind.

    Anders gesagt: Die pharmazeutische Industrie geht derzeit bei der Impfstoffentwicklung ins Risiko und in Vorleistung, und es ist aus meiner Sicht nichts ehrenrühriges daran, wenn die Gesellschaft dafür bezahlt.

    Noch etwas: Ich weiß ja, daß es gut gemeint ist, aber ich bekomme regelmäßig eine hypertensive Entgleisung, wenn ich Verweise auf den hippokratischen Eid höre! Und das ist mal ziemlich schlecht, denn ich sitze gerade selber positiv getestet in Quarantäne und kann mir kein Nitrospray aus der Apotheke holen.

    Weder habe ich Apollon angerufen, noch habe ich Maimonides‘ Eid geschworen und auch nicht das Genfer Gelöbnis bei meiner Ehr‘ abgelegt. Meine Approbation ist mir mit PostIdent vor vielen Jahren zugestellt worden – war seeehr erhebend.

    Ansonsten: Zustimmung!

  38. @ diabetiker
    „Sorry aber mir ist völlig unverständlich dieses Gejammer über zu frühes und gleichzeitig zu spätes reagieren auf die Coronapandemie, das ist jammern um zu jammern!“

    Bin voll Ihrer Meinung!

  39. Ich schrieb schon 2018 beim hpd im Zusammenhang mit Impfgegnerschaft, die mE geradezu die Blaupause für die heterogene Ich-bin-eigentlich-gegen-alles-Community abgibt, die derzeit unter der Corona-Flagge segelt:

    „Kritisches Denken ist eine Tugend. Aber sie verkommt zur Untugend, wenn sie sich selbstverliebt nur darin gefällt, die eigene Kritikfähigkeit als solche unter Beweis zu stellen. So einfach ist es nicht mit dem kritischen Denken.

    Unsere hochkomplexe arbeitsteilige Welt erfordert Expertise und damit verbunden Vertrauen – dem Automechaniker gegenüber genauso wie dem Bäcker an der Ecke. Jeder wird aus seinem beruflichen und persönlichen Umfeld eigene Expertise auf irgendeinem Gebiet haben, von der er definitiv weiß, welche Komplexität sie hat, was sie wert und wie schwer sie zu erlangen ist.

    Aber in Gesundheitsfragen macht man sich mal eben selbst zum Experten und spricht den Wissenschaftlern und Gremien, die im öffentlichen Auftrag ihre Expertise einbringen, sein Misstrauen aus?

    Eine auf Selbstbespiegelung der eigenen Kritikfähigkeit gerichtete pseudokritische Haltung, die die Vernunftgrenzen der eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse durchbricht, bringt zwangsläufig eher radikale und verfestigte Anschauungen hervor und gelangt leicht in die Nähe von Verschwörungstheorien.

    Die sozialen Medien eröffnen heutzutage Nährböden und Schutzräume, wo unter der Flagge des „mündigen Bürgers“ die Ergebnisse solch pseudokritischen Denkens Verbreitung finden und sich dabei gegen jeden Einwand „von außen“ immunisieren.“

    Passt.

    Und ja, das Bildungssystem hat versagt. Symptomatisch dafür der Anglist Dietrich Schwanitz mit seinem Beststeller „Bildung“ vor etlichen Jahren – als ich an die Stelle kam, als er Mathematik und Naturwissenschaften rundweg einen Platz im Bildungskanon absprach, habe ich die Schwarte in den Non-Grata-Teil des Bücherregals verbannt.

  40. @Udo Endruscheit:

    Da habe ich ein schönes Beispiel von gestern, wenn ein „Lehrer a.D.“ mit Kant gegen die Corona-Maßnahmen wettert. Völlig mit jedweder Komplexität überfordert, verzweifelt auf der Suche nach einfachen Antworten – aber sich für den mega-kritischen Denker haltend:

    https://donotlink.it/VvNk6P

  41. @ Udo
    Betr Schwanitz gebe ich Dir recht. Wer den gelesen hat, versteht auch das deutsche Wort für Feuilleton: „Dünkelseiten“.

    Die Erwiderung von Ernst Peter Fischer unter dem Titel „Die andere Bildung“ fand ich wegen ihrer Wehleidigkeit aber auch nur wenig besser.

    Bildungsprobleme, wo man hinguckt :)

  42. @ Bernd Harder: Danke für die Verlinkung zum „Charismatismus“! Aufklärung mit Ultramontanismus zu verbinden – das ist ja eine Hegelsche Synthese vom Feinsten. Fehlt nur noch der Schopenhauer (oder so ähnlich).

  43. @borstel:

    Da füge ich gern einen Schopenhauer hinzu. „Ist dies nun Dummheit oder Perfidie?“

    Was übrigens auf Hegels Lehre gemünzt war…

  44. @ Udo Endruscheit:

    Im Falle Schopenhauer/Hegel war es eindeutig Perfidie – seitens Schopenhauer. Ansonsten präferiert Hanlon’s Law bekanntlich bei dieser Frage die Dummheit ;-)

    Zur Bildung, nur mal spekulativ: Ob der Bildungsgradient womöglich teilweise auch ein Artefakt der Befragungsmethode ist, weil man damit eher bewusste, aktiv vertretene, angelesene Verschwörungstheorien abgreift, aber an eher latente Einstellungen nicht so gut herankommt?

  45. @ Joseph Kuhn:

    Wieder ein Beweis dafür, daß nicht nur das Fernsehen, sondern auch das Internet bilden kann: Dem Hanlon sein Gesetz (wie man in meinem Ortsteil sagen würde) war mir bislang noch kein Begriff. Wieder was gelernt, danke dafür!

    @ Martina Rheken:

    Schätze mal, daß es so sein wird, wie vermutet: Wunden lecken, Geld eintreiben, und dann im Frühjahr wieder auf den Pudding hauen. Unsere „lieben“ Leerdenker eben.

  46. @Udo Endruscheid

    Symptomatisch dafür der Anglist Dietrich Schwanitz mit seinem Beststeller „Bildung“ vor etlichen Jahren – als ich an die Stelle kam, als er Mathematik und Naturwissenschaften rundweg einen Platz im Bildungskanon absprach, habe ich die Schwarte in den Non-Grata-Teil des Bücherregals verbannt.

    Deswegen hat der Wissenschaftshistoriker und Wissenschaftspublizist Ernst Peter Fischer Herrn Schwanitz auch kritisiert und das Buch „Die andere Bildung“ als Gegenrede veröffentlicht.

  47. @Bernd Harder

    Ich habe mir diese „Charismatismus“-Seite kurz angeschaut. Ein wahres Schatzkästchen. Nur dass die „Schätze“ ziemlich stark nach brauner Soße müffeln, welche mit mit katholischem Fundamentalismus vermengt und durch eine Dosis VT abgerundet wird.

    – Aufwärmen den trumpschen Mythos vom Wahlbetrug in den USA
    – Verlinkungen auf zweifelhafte Quellen wie z.b. unzensuriert, sciencefiles.org, extremnews
    – rechte Gastautoren (http://www.sancta-simplicitas.de/rechte-hetze-im-christlichen-forum/)
    – „Lebensschützer“
    – Coronaleugnung

  48. @RPGNo1:

    Ich muss fairerweise dazusagen, dass ich das nicht immer so wahrgenommen habe – im Gegenteil: Die Seite hatte früher immer mal wieder „Wunder“-kritische Artikel aus unserem Blog übernommen, wogegen ich nichts einzuwenden hatte.

    Ich bin überhaupt erst darauf gekommen, weil ich dieser Tage, erstmals nach langer Zeit, mal wieder die Betreiberin auf unseren neuen Medjugorje-Artikel hingewiesen habe und keine Antwort bekam.

    Jetzt ist mir auch klar, warum.

  49. Naja, wie man Vertrauen abbauen kann kann ich nur immer am eigenen Beispiel demonstrieren:

    Nach zwei Wespenstichen in den rechten Unterarm war der kleine Finger ganz taub und der andere daneben halb (ja wirklich nur bis zur Hälfte ;) ). Eigentlich sind sechs Wochen für einen Termin beim Neurologen ja fast rekordverdächtig, die Aussage „Wären sie mal früher gekommen!“ ist es aber auch ^^

    Es gibt keine Verschwörung gegen meine rechte Hand von perfiden Neurologen, wir haben nur ein sich selbst organisierendes System erschaffen das solche Vorgänge begünstigt. DAS muss man abschalten und bekommt so in zehn Jahren das Vertrauen wieder zurück.

    Ob der Herr Spähnchen oder der Schwätzer von der SPD Idioten sind ist vollkommen egal, man muss nur einen finden der das umstellen will.

  50. @Bernd Harder

    Ich muss fairerweise dazusagen, dass ich das nicht immer so wahrgenommen habe.

    Es gibt keinen Grund für eine Entschuldigung. :)

    Ich liebe solche Fundstücke und buddele dann gerne etwas tiefer, weil man oft überraschende Einblicke in die verquere Gedankenwelt der Betreiber erfährt.

    https://scienceblogs.de/gesundheits-check/2020/11/29/spiel-nicht-mit-den-schmuddelkindern-oder-darf-man-mit-wolfgang-wodarg-diskutieren/#comment-101338

    Sie selbst, die Betreiber, sehen das natürlich ganz anders.

  51. Ganz grundsätzlich kann ja auch eine Ansicht aus einem ganz anderen Blickwinkel (wie eben beispielsweise theologische Kritik an vermeintlichen Wundern) durchaus etwas erfrischendes haben, auch wenn man sonst nicht mit der weltanschaulichen Sicht konform geht. –

    Interessant fand ich z.B., daß laut WP insbesondere die für Medjugorje zuständige katholische Diözese so gar nicht mit dem Treiben daselbst einverstanden zu sein scheint, während Rom selbst offenbar immer ambivalenter wird. Das aber nur als Fußnote, weil es gerade hier im Blog Thema war.

    Unabhängig davon ist es schon traurig, wenn die politische Ausrichtung einer Publikation sich innerhalb von relativ kurzer Zeit so stark verändert, daß man sie kaum noch wiedererkennt.

    Ich bin mir sicher, daß das Charismatismus-Forum es sonst auch nicht auf die Linkliste in Herrn Austs Blog (Beweisaufnahme Homöopathie) geschafft hätte. Ich werde mal bei ihm nachfragen, wie er das sieht.

  52. @borstel:

    Ja stimmt, hatte ich fast vergessen: Auch die Homöopathie-Artikel sind dort häufig retweetet worden oder wie man das nennt.

  53. @ Bernd Harder: „Gepingbackt“ oder „getrackbackt“? „Rückverwiesen“ bzw. „gebacklinkt“? Gute Frage, da kenne ich mich echt nicht aus ;)

  54. Zum „Christlichen Forum“: Leider zeichnete sich dieser Trend schon seit einigen Jahren ab.

    Vor vielen Jahren bin ich auf dieses Forum gestoßen, als ich nach Kritik zum Warnung-Unfug suchte und auch Medjugorje-Kritik, so wie auch Kritik zu Garabandal und sogar zu den kirchlich Anerkannten, wie Fatima.

    „Legendär“ ist der Thread, in dem der Unsinn der Warnung-Botschaften kommentiert wurde, damals war ich sogar in einem Jahr der Kommentator mit den meisten Kommentaren :-)

    In den Anfangsjahren ging es um Glaubensinhalte und Aufklärung über Wunder-Glauben, aber mit den Jahren wurde das Forum immer AfD-naher, das ist schade, da man denken könnte, daß bodenständige Katholiken der AfD nahestünden.

  55. „Polizisten für Aufklärung“: Klären Polizisten nicht immer Verbrechen auf? Dass manche jetzt dafür einen Verein gründen? Was haben die bisher gemacht? Gibt es auch schon einen Verein „Sexualkundelehrer für Aufklärung“?

  56. @ MX:

    Wahrscheinlich wird der Schupo um die Ecke uns jetzt entweder über Kant oder aber über Beate Uhse „aufklären“. Wir dürfen gespannt bleiben, denn wahrscheinlich weiß der Verein das selbst noch nicht so recht.

  57. Ich möchte meine Gedanken zu dieser schrägen Interpretation der „Aufklärung“ einbringen:
    Der Autor nimmt ja den Aspekt des „ohne Anleitung“ Denkens als Synonym für das „selbständige Denken“.
    Nun gibt es da den eher unterkomplexen Spruch, „Erwachsen sein“ sei, wenn man auch ohne Anwesenheit der Eltern wisse, was man dürfe und was nicht.
    Was ja eher die Ebene der Körperpflege oder des Eigentums betrifft (meins!) – und noch weit vom eigenständigen oder gar abstrakten Denken entfernt ist. Aber das ist die „Krux“, sogar recht wörtlich, denn weiter kommt der Herr May nicht.
    Er scheint bei der Abstraktion von „Abwesenheit einer Autorität“ die Bedeutung der Eltern auszublenden und setzt recht verwegen die Abwesenheit „Gottes“ mit jeglicher Autorität gleich.
    Aber wir putzen uns ja nicht die Zähne, weil Gott oder die Zahnfee uns sehen würden, wir „glauben“ an Vernunft und einen Binnenkonsens über Bakterien im Mundraum und „deren Wirken“.

    „Ohne Anleitung von“ bedeutet nicht, dass wir selber über Parodontose auslösende Bakterien forschen sollen, sondern dass wir „die freie Wahl“ haben, uns wegen unserer Zähne, einer Bemerkung des Zahnarztes, einer Werbung über Holzzucker (der tötet die Baktis!*) oder sonstiger Anlässe mit dem Thema auseinander zu setzen.
    Nicht, aber, wie Herr May meint, diese Wahl auszuschlagen, wenn es dringend scheint, sich selbst ein Bild über die individuellen, sprich eigenen, Zahn- oder Bildungslücken zu machen.
    Kant meinte nicht die Freiheit, kindisch bleiben zu dürfen.
    Die Querdenker schon.
    Unsicherheiten sollen nicht gepflegt werden, auch nicht „erlöst“ oder „ausgemerzt“, sondern, mit Verlaub, „transzendiert“. (Ich trau mich kaum, das Wort hier zu gebrauchen, was anderes passt aber nicht. Es ist halt das, was passiert, wenn die Unsicherheit „integriert“ wird , damit aus „eigenen“ Fragen korrekte Antworten synthetisiert werden können und das „Denken“ vom Selbstzweck (Beruhigung) zu „Sicherheit“ (Bezug) führen kann. Es ist dann ein „anderes Denken“. Erwachsen halt.)

    Wir haben kein Recht darauf, gefüttert zu werden, uns wachsen Zähne, die wir pflegen sollten.

    Und, nur halb o.t.: @Uli Schoppe, ich musste grad so grinsen bei deinem Finger: „der andere daneben halb (ja wirklich nur bis zur Hälfte ;)“ – ich glaub es dir. Ich weiß sogar, warum das so war – du schriebst ja, dass die Stiche im Unterarm waren, nicht auf der Hand.
    Und du hast echt keine mitfühlende, klugscheixxende Arzthelferin erwischt, die dir was von „als Fritz vom Rad fiel…“ erzählte? (schwor er beim heiligen Medianus, sich nie mehr die Ulnar zu krallen https://www.thieme.de/viamedici/vorklinik-faecher-anatomie-1506/a/eselsbruecke-neuroanatomie-23558.htm)
    Dann möchte ich an diesem Beispiel das mit der „erwachsenen Aufklärung“ näher beleuchten. Ich glaube nicht, dass du viel „Anleitung“ brauchst, um das Wissen über die Handinervation für dich aufzubereiten. Nur die Hinweise, dass es diese gibt und sie, im Falle z.B. der Beugung des Ringfingers*, aus zwei Strängen besteht. Wenn nur einer ausfällt, funktioniert der andere noch – in einem solchen Kontext völlig „normal“, als plötzlich auftretendes Symptom aber bestimmt „richtig“ schräg.
    (Das hat jetzt eher Bezug zur „Unsicherheit“ wegen dem „fehlenden Interesse“ des Arztes in den 6 Wochen und weniger zur eigentlichen Diagnose. Ist´s denn wieder gut?)

    *Ich bitte, die „Kurzformen“, die ich wähle, zu entschuldigen. Parodontose Bakterien werden nicht „getötet“ (können den Holzzucker aber nicht verdauen) und das Nervensystem der Hand ist hochkomplex.

    Es geht mir aber auch nicht um die Komplexität der Dinge, sondern um den Bezug zur Realität, den man nicht leugnen dürfen sollte, nur weil man nicht peilt, von wo nach wo man schaut.
    Man darf ohne Anleitung denken, aber ohne „Orientierung“ fehlt dem Weg nicht nur das Ziel, sondern auch der Anfang; der „Standpunkt“ ist (noch) keiner, zu dem man mit einer Erkenntnis zurück kommen kann. Er ist noch zu kindlich, egoistisch by nature, psychologisch gesehen zu wenig „Ich“. Und Gesellschaftlich zu viel „freier Wille“.

    In diesem Sinne müsste „Orientierung“ bedeuten: „ich weiß, Wo(von) ich nichts weiß“.
    Erst die Fähigkeit, damit umzugehen, macht eine „erwachsene Person“ aus, die „sich selber“ anleiten kann.
    Nicht dieser quergedachte Trotz.
    Allerdings träfe dies in einer „idealen Welt“ auch auf Politiker zu – und da finde ich die Wahrnehmung der Querläufer „nachvollziehbar“.

    Jetzt müssen wir als Gesellschaft damit klar kommen, eine „Grenze zu ziehen“, die dann, ironischerweise, sowohl diese Querköpfe als auch die Politik wieder in vertretbare Bahnen lenkt.
    Ganz schöne Hausnummer.

    Aber, für mich zumindest, leichter zu bewältigen, wenn ich darüber orientiert bin, warum die Querdenker gefüttert und die Politiker gepflegt werden wollen, obwohl mir die Frage, was ich denn gleich esse, näher ist.

  58. Anwalt Jun klärt auf: Was #WirMachenAuf an Haft & Bußgeldern droht

    https://www.volksverpetzer.de/corona/wirmachenauf-haft-bussgelder/

  59. Die Soziologen Oliver Nachtwey und Nadine Frei haben in einer Studie untersucht, wer an den Corona-Protesten teilnimmt und wie sie denken. Im Interview sprechen sie über überraschende Ergebnisse, anti-autoritäre Autoritäre und die Dialektik des Emanzipationsprozesses.

    https://www.philomag.de/artikel/querdenken-die-erste-wirklich-postmoderne-bewegung

  60. Polizisten auf der Demobühne: Beamte, die zu Querdenkern und Corona-Leugnern werden, könnten die Polizei in die nächste Krise stürzen.

    https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2021-01/polizei-corona-krise-querdenker-demonstration-beamte-5vor8

  61. Pingback: Auf ein Wort #2: Querdenker – EINBILDUNGSKANAL

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