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Querdenkende Ärzte in der Süddeutschen: „Superspreader von Falschinformationen“

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Schon im Mai fragte uns der NDR nach Ärzten unter den Corona-Verharmlosern, und wir machten damals vier verschiedene Typen aus:

  • Ärzte, die von fragwürdigen Produktempfehlungen gegen Covid-19 (wie zum Beispiel hochdosierte Vitamin C-Infusionen) profitieren
  • Ärzte, die seit jeher der „Schulmedizin“ ablehnend gegenüberstehen
  • Ärzte, die sich als „Experten“ in den Vordergrund spielen wollen
  • Ärzte, die wirklich an eine große Verschwörung glauben

Im weiteren Verlauf des Jahres häuften sich dann Berichte über Ärzte als Corona-Leugner, die falsche Atteste ausstellen, gefährliche Gesundheitstipps geben und bei „Querdenker“-Demos sogar mit strafrechtlich relevanten Äußerungen hervortreten.

Die Ärztekammern reagierten bislang zögerlich – allerdings prüft zum Beispiel die bayerische Landesärztekammer gerade, ob ein möglicher Corona-Leugner unter den Kolleg*innen seine Zulassung abgeben muss. In Hechingen und Passau ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Ärzte wegen „des Ausstellens unrichtiger Gesundheitszeugnisse“.

Mehrere Hundert Ärztinnen und Ärzte unterstützen namentlich die Gruppe „Ärzte für Aufklärung“, die vor einer„Fake-Pandemie“ warnt, vor angeblichen Zwangsimpfungen gegen Covid-19 und den vermeintlichen Gefahren des Maskentragens, besonders für Kinder,

schreibt heute die Süddeutsche Zeitung (auch bei SZ+):

Mehr als 280 Ärzte haben einen offenen Brief der Initiative „Ärzte stehen auf“ an Bundeskanzlerin Angela Merkel unterschrieben, in dem es heißt, Corona ähnele von Ausbreitung und Todesfallrate her einer Grippe und das Risiko eines neuen Impfstoffs sei „unverantwortlich“.

Aber wieso?

Warum ist dieser Berufsstand so anfällig für abstruse Theorien, obwohl er doch eine besondere Verantwortung und Sorgfaltspflicht hat? Gerade darum, glaubt Günther Jonitz [Präsident der Berliner Ärztekammer]:

„Das, was uns Ärzte stark macht, ist auch das, was potenziell zu Betriebsblindheit führt.“

Der Trieb zu helfen, der unbedingte Glaube daran, als Heilsbringer immer auf der richtigen Seite zu sein. Das, sagt Jonitz, gebe einem Arzt überhaupt erst die Kraft, auch in Extremsituationen Hochleistung zu bringen. Aber es erkläre auch, weshalb manche jeden Bezug zur Realität verlören.

Die SZ-Autoren Boris Herrmann und Henrike Roßbach nennen querdenkende Ärzte die „Superspreader von Falschinformationen“ und schildern in ihrem Seite 3-Artikel mehrere Fälle, die Patienten und Kammern ihnen berichtet haben.

Ein interviewbereiter Arzt, der den offenen Brief von „Ärzte stehen auf“ unterschrieben hat, gibt als einen seiner „Lieblingswissenschaftler“ Sucharit Bhakdi an, folgt dem Telegram-Kanal von Bodo Schiffmann und bezweifelt die Nachweisfähigkeit des PCR-Tests (mit dem Mediziner in der Infektionsdiagnostik seit vielen Jahren arbeiten):

Er erzählt, wie er schon früh damit angefangen habe, sich täglich die Corona-Daten anzusehen. „Irgendwann aber endete für uns spürbar die Infektionswelle“, sagt er. „Still und stumm“ sei es im April um sie herum geworden. Klaus Pricken sagt: „Da fängt man dann an zu überlegen: Was passiert hier eigentlich?“ […]

Natürlich, sagt Pricken, erkenne er an, was in der klinischen Medizin nicht zu leugnen sei. Aber als Arzt sei er verpflichtet, mit seinen Patienten „auf dem aktuellen Wissensstand alle vorhandenen Alternativen zu diskutieren“. Im öffentlichen Diskurs aber habe er das Empfinden, „dass andere Meinungen nicht gehört werden sollen“.

Zudem würden täglich Patientenrechte verletzt. Diagnostiken und Therapien fänden nicht statt, weil Betten für Covid- Patienten frei gehalten würden, andere würden ohne Entlassungsbriefe und Nachsorgeplan aus der Klinik entlassen.

Das scheint die Einschätzung vom Berliner Kammerpräsidenten Jonitz zu bestätigen – und deckt sich weitgehend mit dem psychologischen Profil von Verschwörungsgläubigen (Mustersuche, Bedürfnis nach Einzigartigkeit, „Bauchgefühl“ etc.). Auch den Unterschied zwischen berechtigter Kritik an einzelnen Corona-Maßnahmen und deren Folgen und haltlosen Verschwörungstheorien hätte man an diesem Beispiel herausarbeiten können.

Diesen Strang verfolgt der Artikel aber nicht weiter, stattdessen geht es am Ende noch um einen falschen Kreuzberger Arzt, der Geschäfte mit Fake-Attesten für Masken-Verweigerer macht:

Ein offenbar nicht existierender Arzt verkauft also Fake-Atteste für die Befreiung von der nicht existierenden Corona- Diktatur – so was kann sich wahrscheinlich auch nur das Jahr 2020 ausdenken.

Erste Reaktionen auf den Artikel gibt es schon:

Zum Weiterlesen:

  • NDR-Video: „Der Arztkittel als Aushängeschild, um die Pandemie zu verharmlosen“, GWUP-Blog am 13. Mai 2020
  • Video: Ärzte „für Aufklärung“ oder eher mit Aversionen gegen die Corona-Vorschriften, GWUP-Blog am 8. Juli 2020
  • Ärzte ohne Schamgrenzen: Halbkreise und Vitamin C gegen Corona-Virus, derStandard am 17. März 2020
  • Wenn Ärzte Unsinn behaupten und Kammern dennoch wegschauen, medwatch am 25. Mai 2020
  • Wenn Ärzte von der Coronakrise als einer „kriminellen Inszenierung“ sprechen, medical tribune am 22. Juli 2020
  • Corona-Leugner unter den Ärzten in Mitteldeutschland? jump am 24. November 2020
  • „Halbwahrheiten, Panikmache und Netzgerüchte“: Der Auftritt eines Arztes und Coronaleugners, GWUP-Blog am 21. September 2020
  • Die Ärztekammern und coronaleugnende Kolleg*innen, GWUP-Blog am 13. November 2020
  • Mediziner als Corona-Leugner: Ärzte auf Abwegen, Zeit-Online am 21. November 2020
  • Pandemie an Praxistür für beendet erklärt: Ärger für Altöttinger Arzt, Süddeutsche am 13. Dezember 2020
  • Der „Corman-Drosten-Reviev“ und der PCR-Test, GWUP-Blog am 12. Dezember 2020
  • Video: PCR-Test – Gibt es gar keine Epidemie nach dem Infektionsschutzgesetz? GWUP-Blog am 26. November 2020
  • Das gibt’s doch nicht, Süddeutsche+ am 22. Dezember 2020

21 Kommentare

  1. Der Deutsche Zentralverband homöopathischer Ärzte hat akutell ca. 7000 Mitglieder.
    7000 Ärzte, die in der Lage sind den Stand der Wissenschaft zu verleugnen um Geld damit zu verdienen.

    Daher finde ich es zwar erschreckend, aber nicht verwunderlich was hier berichtet wird.

  2. Bernd, eine super aufbereitete Zusammenfassung!

    Vielen Dank für dein unermüdliches Engagement! Das bringt Hoffnung durch Aufklärung in diese frustrierende Zeit.

    Gruße aus Mittelfranken,

    Julian

  3. @Julian:

    Ich habe allen LeserInnen und KommentatorInnen zu danken.

  4. In diesem neuen Video behauptet Bodo Schiffmann, dass er seine Approbation verliert und seine Praxisräume (und Bankkonto) gekündigt worden seien:

    https://www.youtube.com/watch?v=DOcKlNcrIeI

  5. Die Angabe des Passauer Arztes Ronald Weikl, dass im Passauer Raum mehrere SchülerInnen „unter der Maske“ so kollabiert seien, dass „Notarzt-Einsätze gefahren werden mussten“, [BR 24-Video] kann sehr leicht abschließend verifiziert oder falsifiziert werden.

    Wegen der gesetzlichen Versicherung für SchülerInnen werden derartige Vorkommnisse während der Unterrichts-Zeit doppelt dokumentiert.
    Einerseits von der Schule, andererseits auch, wegen der Frage der Kostenübernahme von den behandelnden Notärzten und etwaig tätig gewordenden Rettungs-Organisationen.

  6. @ Karsten Hilsen: Auf diese Statistiken der BG bin ich schon sehr gespannt …

    @ Bernd Harder: YT hat Schiffmanns Video bereits gelöscht – wenigstens etwas, das funktioniert.

  7. @borstel:

    Seine Anhänger laden das immer wieder neu hoch:

    https://www.youtube.com/watch?v=b197Q7RGXks

  8. @ Bernd Harder: Danke für die erneute Verlinkung, hatte die Premiere zur Folge: 35 Minuten Schiffmann.

    Kurzkritik: Wer sich selbst überschätzende, zugleich wehleidige und beleidigte Leberwürste mag, der wird den Bodo lieben. Auch wenn Bodo noch nicht einmal den Begriff der ferneren Lebenserwartung kennt.

    Rat unter Freunden: Bodo, wenn Du wirklich auf der Flucht vor der Justiz untertauchen willst, dann suche Dir ein Dominastudio! Dort kannst Du Dir Deinen Hintern professionell versohlen lassen. Ich glaube, Du hast es nötig …

  9. Oh, da kann ja Schiffmann jetzt für immer als Busketier durch die Lande tingeln.

  10. Ich hätte nichts dagegen, wenn Schiffmann seine Approbation und seine Praxisräume verliert. Wie hoffentlich so manch andere Querdenkerärzte auch. Dann können diese Leute sich endlich einen Job suchen, in welchem sie weniger Schaden anrichten.

    Aber kann denn ein Bankkonto auch so einfach gekündigt werden? Weiß jemand näheres?

  11. Hier habe ich noch einen Artikel gefunden, in dem näher erläutert wird, warum die Praxisräume von Schiffmann gekündigt wurden und er eventuell seine Approbation verliert.

    https://www.rnz.de/nachrichten/sinsheim_artikel,-praxis-in-sinsheim-gekuendigt-darf-bodo-schiffmann-bald-nicht-mehr-behandeln-_arid,600346.html

  12. Diesem Lügner zuzuhören ist schmerzhaft und ekelerregend, allein die Behauptung der Impfstoff wäre nicht getestet stinkt zum Himmel, bei über 80 000 Testimpfungen.

    Und auch ein HNO doc sollte wissen daß in der Medizin kein Medikament das wirkt ohne Nebenwirkungen gibt.

    Besonders ekelhaft ist sein Bezug auf den KZ „Arzt“ Mengele.

    Der Bhagdi nervt und ich könnte an seiner Stelle -Verharnlosung und Verniedlichung von covid – angesichts der vielen Toten nicht mehr schlafen, denn da ist er mitschuldig.

    Schiffmann mit seinen Lügen ist nur ekelhaft.

  13. @ RPGNo1:

    https://www.gesetze-im-internet.de/zkg/__42.html

    – in Bezug auf ein sog. Basiskonto. Mutmaßlich: Schiffmann hatte bereits ein Konto (z.B. das bei der Apobank, auf das seine Anhänger jetzt einzahlen sollen) und die Deutsche Bank hat sich das jetzt zu Nutze gemacht.

    Übrigens, kannst Du Dir *wirklich* einen Beruf vorstellen, in dem Schwindelbodo keinen Schaden anrichten würde?

  14. Wegen falschen Attesten & Impf-Lügen: Schwindel-Arzt Schiffmann soll Zulassung verlieren

    https://www.volksverpetzer.de/bericht/schiffmann-zulassung/

  15. Die Staatsanwaltschaft in Hamburg ermittelt gegen Walter Weber von den „Ärzte für Aufklärung“, wegen Verstoßes gegen § 278 des Strafgesetzbuches (beinhaltet u.a. falsche Beurkundungen – z.B. Befreiung von Maskenpflicht)

    https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Staatsanwaltschaft-ermittelt-gegen-Arzt-aus-Impfgegner-Szene,corona6056.html

  16. Tja, das Schiffmann-Video war zu hart für mich. Ich habe es nur halb geschafft…

  17. @borstel
    kannst Du Dir *wirklich* einen Beruf vorstellen, in dem Schwindelbodo keinen Schaden anrichten würde?

    Straßenkehrer? Auf Neuwerk?

  18. @ RPGNo1: Überzeugt!

  19. Pingback: Das EBM-Netzwerk im Elchtest? Es ist genug, Herr Sönnichsen! – Gesundheits-Check

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