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Halloween: „Orte, die Besucher das Fürchten lehren“ – aber was spukt da eigentlich?

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Schöne Halloween-Fotostrecke bei Spiegel-Online:

Krankenhäuser, Hotels, verlassene Burgen – es gibt Orte, die Besucher das Fürchten lehren.“

Schon vor zwei Wochen stellte SPON fünf Halloween-Hotspots in Deutschand vor, darunter auch die „Spuknacht“, eine Art geführte Geisterjagd an unheimlichen Orten.

Für das Buch „Reise ins Unbekannte – Den Geistern auf der Spur“ von „Spuknacht“-Initiatorin Dr. Lucia Moiné habe ich im Sommer ein Kapitel zum Thema „Ghosthunting“ aus skeptischer Sicht beigesteuert.

Zu Halloween hier der vollständige Beitrag:

John Sinclair. Professor Zamorra. Tony Ballard. Helden meiner frühen Jugend. Parapsychologie in Freiburg studieren, Geister jagen, übersinnliche Phänomene untersuchen – so sah Anfang der 1980er-Jahre meine Berufsplanung aus.

Stattdessen: Skeptiker geworden, der GWUP beigetreten, in Zeitungs- und Fernsehinterviews regelmäßig den „Miesmacher“ gebend, der die phantasievollen Höhenflüge von Esoterikern und Pseudowissenschaftlern sachlich erdet.

Was war passiert? Zwei (von vielen) Stationen vom Geisterglauben zur kritischen Geisteshaltung:

  • Die ersten „spiritistischen“ Erfahrungen mit dem rückenden Glas – zunächst spannend, dann nur noch öde. Simple Kontrollversuche führten zu eindeutigen Erkenntnissen:

Ein paar Tropfen Spülmittel oben, also auf dem Boden des umgestülpten Glases, brachten die Reibung der aufliegenden Finger auf null und das Glas rückte keinen Zentimeter mehr vor.

Oder: Die Pappkärtchen mit den Buchstaben nach unten im Kreis zu verteilen (also so, dass keiner meiner Schulfreunde sie lesen konnte), zeitigten im Ergebnis nur wirre und sinnlose Botschaften. Wie kann das sein, wenn doch angeblich Geister das Geschehen lenken?

  • „The Amityville Horror“ – 1979, mit 13 Jahren, ein verstörendes Kinoerlebnis, nach einigen Recherchen nur ein billiger Hoax.

Joe Nickell, ehemaliger Privatdetektiv und heute Senior Researcher der US-Skeptikerorganisation CSI, hat das Haus 112 Ocean Avenue Amityville, Long Islang, New York, untersucht. Die von wütenden Geistern malträtierte Tür? Wies noch die Original-Lackierung und keinerlei Spuren einer Reparatur auf. Die lokale Polizeidienststelle? Keiner der Beamten war je von Familie Lutz zu Hilfe gerufen worden, wie im Buch behauptet wird.

Die Nachbarn? Hatten nie etwas Ungewöhnliches mitbekommen. Die zahlreichen Nachmieter? Ebenso. Der Ortspfarrer Father Ralph J. Pecoraro, der bei einem Besuch der Spuk-geplagten Familie angeblich Brandblasen an den Händen davontrug? Hat nach eigener Aussage das Haus nie betreten. Mysteriöse klauenartige Fußabdrücke im verschneiten Garten? Kann es nie gegeben haben. Wie Nickell herausfand, herrschten an jenem Tag milde Witterungsverhältnisse ohne Schneefall auf Long Island vor.

Seltsam, dass bereits solche schlichten Nachforschungen die Fähigkeiten von Szene-Stars wie Lorraine Warren anscheinend weit übersteigen. Denn die selbsternannte Dämonologin hält den „Amityville Horror“ immer noch für absolut echt:

Amityville was horrible, honey. It was absolutely horrible“,

wollte sie 2013 bei einem Promotion-Termin zu dem Film „The Conjuring“ den Journalisten weismachen.

Damit liegt Lorraine Warren ebenso grotesk falsch wie mit ihrer Einschätzung der Erlebnisse von Andrea Perron in einem Farmhaus in Harrisville, Rhode Island, die dem Filmstoff „The Conjuring“ zugrunde liegen.

Nickell ist auch dieser Geschichte auf den Grund gegangen und kam zu dem Schluss, dass die vermeintlichen dämonischen Aktivitäten eher nach …

… strong winds, misperceptions, schoolgirl pranks, vivid dreams, simple suggestion, role-playing, and other factors“

aussahen.

Dabei ging er auch mit Geister- und Dämonenjägern à la Ed und Lorraine Warren hart ins Gericht,

… who made a dubious career of convincing such troubled people that they were plagued by demons while seeking book deals and encouraging their coauthors, some admit, to fabricate elements to make the books scary.“

In den vergangenen vier Jahrzehnten hat Nickell zahllose scheinbar unerklärliche Vorfälle untersucht. Zu seiner Ausrüstung sagt er:

Im Grunde nehme ich nur das mit, was ich benötige, um das Beweismaterial zu sichern – eine Kamera, Taschenlampe, Notizbuch, spezielle Fragebögen. Manchmal, wenn die Umstände es erfordern, auch Zusätzliches, etwa eine Lupe.“

Das klingt wenig spektakulär – und steht vollständig im Gegensatz zur Vorgehensweise von Ghosthunter-Gruppen. Dort gilt eher: Weil ektoplastische Inkarnationen mit bloßem Auge nicht wahrnehmbar sind, muss technisches Equipment her. Je mehr, desto besser. Aber ist das auch zielführend?

Die Methodik dahinter scheint folgende zu sein: Man besucht finstere, unheimliche Orte, benutzt alle möglichen Messgeräte und Kameras und sucht damit nach „Geistern” – also nach irgendetwas in den Aufzeichnungen, das merkwürdig oder auf den ersten Blick unerklärlich aussieht.

Je mehr Messkanäle man dazu aufbaut, desto eher kommt so etwas vor. Von der Fliege vor der Linse über digitale Aufzeichnungsprobleme bis zum eigenen Flüstern, das aus dem Nachbarzimmer zum Mikrophon getragen und dann beim extremen Verstärken entsprechend verzerrt wird.

Analoge Tonbandgeräte zum Beispiel haben ein gewisses Rauschen und behalten immer Reste der letzten Aufzeichnung zurück, die nicht vollständig überschrieben werden. Digitale Geräte weisen eher binäre Defekte auf, wie Aussetzer, Streifen, Bildpunkte und Ähnliches.

Denkt man dann noch typischerweise nach dem Muster „Was ich nicht erklären kann, muss ein Geist sein”, fängt man am Ende auch tatsächlich einen. Einen Geist der Lücken, vergleichbar mit dem „Gott der Lücken” von schöpfungsgläubigen Kreationisten. „Techno-Mystizismus” nennen Kritiker dieses Treiben von Ghosthunter-Gruppen, deren Mitglieder sich der Aufklärung von Spukfällen widmen.

Trifield-Meter, EMF-Messer, Mikrowellen-Prüfgeräte, Videokameras und Aufnahmegeräte stehen bei Ghosthunters hoch im Kurs. Aber keiner dieser Apparate ist für die Geisterjagd entwickelt worden noch ist nachgewiesen, dass sie für solche Untersuchungen überhaupt geeignet sind. Viele Gruppen hantieren trotzdem damit.

Aber in den meisten Fällen fehlt ihnen die wissenschaftliche oder technische Erfahrung, um zu verstehen, was ihre sensiblen und fehleranfälligen Geräte denn nun eigentlich genau anzeigen. Einige Beispiele:

  • Ghosthunter stellen bei ihrer paranormalen Untersuchung (PU) oft fest, dass es schlagartig kalt wird. Ihre Erklärung: Entitäten entziehen beim Materialisieren ihrer Umgebung Wärmeenergie.

Tatsächlich handelt es sich um sogenannte Cold Spots an Stellen, wo es durch Umwelt- und Witterungsverhältnisse, durch seitliche Luftströme oder Wirbelbildung kälter ist als drei Meter rechts oder zwei Meter links davon.

  • Das EMF-Meter schlägt aus: Entitäten haben ein hohes Energiefeld um sich herum.

In Gebäuden schlägt das EMF-Meter ständig aus, dafür genügt eine schlecht isolierte Leitung oder das elektromagnetische Feld von Elektrogeräten. In der freien Natur kann die Ursache sein: Messfehler, Erdkabel oder andere Geräte wie Handys und Kameras in der Nähe. Gerade Handys emittieren ja nicht immer gleich, sondern melden sich ab und zu bei der Basisstation zurück oder fahren ihre Leistung hoch, wenn der Empfang schlecht wird.

  • Die Batterien sind ganz plötzlich leer.

Wenn Batterien schwach sind, funktionieren sie oft noch im Warmen, aber sobald es kalt wird, steigen sie komplett aus.

  • Man hört Stimmen auf dem Aufnahmegerät, aber immer erst bei der Auswertung, wenn die Aufzeichnungen verlangsamt abgespielt werden.

Eine Mischung aus Physik und Wahrnehmungspsychologie, ein Interpretationsphänomen, das unter dem Begriff „Pareidolie“ bekannt ist. Dafür spricht auch, dass wirklich brauchbare Informationen den meist nur bruchstückhaften und schwer verständlichen „Einspielungen“ nicht zu entnehmen sind.

Die „Geister“ stammeln so einsilbig daher, als sei es im Jenseits etwa so spannend wie ein Ballermann-Urlaub im Winter. Jedenfalls wissen wir immer noch nicht, wer Jack The Ripper war, wie Uwe Barschel starb oder wo sich das Grab von Alexander dem Großen befindet.

  • Auf manchen Fotos kann man diffuse, helle und kreisrunde „Geisterflecke“ (Orbs) sehen.

Fotografische Artefakte, die entstehen, wenn das Streulicht eines Blitzes von kleinen Teilchen zurückgeworfen werden, die zwischen Bildmotiv und Kamera schweben. Wegen der durch die Nähe und den Fokus bedingten Unschärfe entstehen hierbei grobe, scheibenförmige Lichtbilder.

Die Abbildung der Teilchen ist deutlich größer als das Teilchen selbst. Die Form des Orbs orientiert sich an der Form der jeweiligen Blende. Schneeflocken, Staubpartikel und Regentropfen sind typische Teilchen, die „Orbs“ entstehen lassen.

Man merkt da ein wenig das US-amerikanische Technophile, nach dem Motto: Was ein kompliziertes Messgerät misst, muss auch irgendwie aussagekräftig sein. Auf diese Weise sammeln Ghosthunter eine Unmenge von Daten.

Völlig unklar bleibt aber, was diese Daten aussagen beziehungsweise was damit anzufangen ist. Für eine seriöse wissenschaftliche Arbeit bräuchte man indes eine Theorie, wonach genau man eigentlich sucht – also was Geister sind, welche Eigenschaften sie haben und wie man diese messen beziehungsweise belegen kann.

Diese Theorie oder auch nur eine allgemeine Übereinkunft gibt es aber nicht bei den Ghosthuntern.

Was Geister eigentlich sein sollen, darüber verbreiten Geisterjäger unbekümmert Mutmaßungen, von denen keine eine höhere Wahrscheinlichkeit für sich beanspruchen kann als eine x-beliebige andere:

  • Auf die Erde zurückkehrende Seelen?
  • Tote, die sich noch nicht aus ihrem weltlichen Leben lösen wollen oder können?
  • Gestalt gewordene Gedanken von Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten?
  • Nicht-menschliche Lebewesen, Kreaturen aus einer anderen Dimension?
  • Außerirdische?
  • Psychokinetische Energien?

Gerade bei der Untersuchung von stark subjektiven Phänomenen, von Phänomenen mit sehr geringen (oder nicht vorhandenen) Effektstärken oder unregelmäßig auftretenden, nicht replizierbaren Effekten müssen aber besonders umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen gegen Fehlinterpretationen getroffen werden.

Selbst wenn mehrere Zeugen übereinstimmend von einer Beobachtung berichten, kann sie damit keineswegs immer als zweifelsfrei erwiesen gelten. Skeptikern geht es hier nicht darum, die Aussagen von Augenzeugen in Zweifel zu ziehen, sondern deren Beweiskraft kritisch zu bewerten.

Auch die kulturelle Überlieferung – Motive, Bilder und Geschichten, die sich in bestimmten Fällen zur Interpretation „Spuk“ verdichten können – sind zu berücksichtigen.

Denn es besteht durchaus die Gefahr, dass Ghosthunter auf Menschen treffen, die psychische Störungen haben – und die ernsthaft Schaden erleiden können, wenn man sie mit unreflektiertem Hokuspokus wie einem Hexenbrett oder einer Spiritbox und rein subjektiven Deutungen in ihrem Krankheitsbild bestärkt.

Aber von einer sinnvollen wahrnehmungspsychologischen oder folkloristischen Einordnung der zahlreichen Augenzeugenberichte sind die meisten Ghosthunter weit entfernt. Ein eigener Forschungsbeitrag ist derzeit vom Ghosthunting nicht zu erwarten. Dazu fehlen unter anderem einheitliche Standards.

Für die Wissenschaft dagegen ist die Sache ziemlich eindeutig: Geister kann es nicht geben. Denn: Wenn ein Geist einen bestimmten Ort aufsuchen soll, etwa den Schauplatz eines Verbrechens oder auch eine bestimmte Person, muss er sich an diesen Ort erinnern beziehungsweise ihn wiederfinden können. Er braucht also ein Gedächtnis.

Nach alle, was die heutige Physik weiß, benötigt man zur Speicherung von Information Materie. Materie ist nicht Information, wohl aber eine notwenige Voraussetzung dafür. Auch Genies wie Goethe, Beethoven, Einstein waren auf Materie angewiesen – Papier und Tinte beispielsweise –, um ihre Gedanken als Information für ihre Mitmenschen wirksam werden zu lassen.

Also müsste auch ein Geist informationsspeichernde Materie besitzen. Dann aber unterliegt er den bekannten Gesetzen der Physik, kann also nicht durch Wände gehen oder ähnliches.

Skeptische Forscher wie Prof. Richard Wiseman von der Universität Hertfordshire sind davon überzeugt, dass auch ein angeblicher Spuk keinen Beweis für eine Aktivität von Geistern darstellt. Er sei vielmehr die Reaktion von Menschen, die – auch ganz unbewusst – auf normale Faktoren in ihrer Umgebung reagieren, wie etwa die besagten Cold Spots, magnetische Schwankungen, Infraschall oder Lichtveränderungen.

Als erstem Wissenschaftler erlaubte anno 2000 Queen Elizabeth II. Richard Wiseman, die königlichen Gemäuer von Hampton Court zu untersuchen. Der Palast gilt als der prächtigste Ihrer Majestät – und als der schaurigste. Neben dem Geist von Catherine Howard, der unglücklichen fünften Frau Heinrichs VIII., sollen dort mehr als 20 weitere Geister ruhelos umgehen.

Wiseman schickte 462 Testpersonen durch die Korridore und untersuchte anschließend jene Plätze, an denen die Freiwilligen von eigenartigen Gefühlen heimgesucht wurden. Überall dort konnte der Forscher mit Messinstrumenten Cold Spots ausmachen, magnetische Schwankungen, Infraschall oder Lichtveränderungen.

Ein Jahr später wiederholte Wiseman die groß angelegte „Geisterjagd“ im Schloss von Edinburg. Wieder verspürten seine 218 Testpersonen plötzliche Kälte, unerklärliche Gerüche und sogar Berührungen, hörten Atemgeräusche direkt neben sich oder bestätigten, einen Geist gesehen zu haben.

Im letzten Raum, da war irgendwas, ganz bestimmt! Es war sehr kalt und ich hatte das Gefühl, dass jemand hinter mir steht. Und dann hörte ich so etwas wie ein Weinen. Ich habe so etwas noch nie vorher erlebt“,

berichtete beispielsweise eine junge Frau.

Und wieder entmystifizierte der Psychologe den Spuk mit Hilfe von Thermoscannern, Magnetometern, Lichtwärme-Projektoren etc. als körperlich-seelische Reaktion auf bestimmte Umwelteinflüsse.

Sind Geister also nur „tiefe Töne“, wie die Presse nach den beiden Wiseman-Studien titelte? Das nun wiederum auch nicht. Denn ebenso wenig, wie es eine gemeinsame Ursache für sämtliche Autounfälle gibt, lassen sich alle Aspekte des jahrhundertealten Phänomens „Spuk“ ausschließlich mit Infraschall erklären. Weitere Möglichkeiten:

  • Innerseelische Projektionen und Halluzinationen.

Sogar Richard Wiseman gibt zu, schon mal einen Geist zuhause, in seinem eigenen Schlafzimmer gesehen zu haben: „Eines Nachts bin ich aufgewacht und habe plötzlich ein Gespenst am Fuß meines Bettes stehen sehen“, erzählt der Wissenschaftler. Seine Erklärung dafür geht über einen rein physikalischen Ansatz hinaus:

Mein Gehirn versucht mich wieder auszutricksen, habe ich gedacht. Das ist nur eine Figur aus meinem Traum von vorhin, die ist gleich wieder weg.“

Tatsächlich gibt es sowohl beim Einschlafen wie auch beim Aufwachen Phasen, in denen man sich selbst hellwach glaubt, obwohl man noch dahindämmert. In solchen Momenten sind unsere Sinne nicht in der Lage, eindeutig zwischen Wirklichkeit und Träumerei zu unterscheiden. Auch Wunschdenken kann Geister erscheinen lassen, vorzugsweise die von unlängst verstorbenen Angehörigen.

„Das Gehirn hat von einem geliebten Menschen noch einen riesigen Fundus von Erinnerungen“, erklärt dazu der Psychologe Wolfgang Hell von der Universität Münster.

Den Geruch, den Gang, den Atem, die Stimme, das Gefühl seiner Anwesenheit. Im Rausch oder im Halbschlaf kann das Gehirn solche Erinnerungen und die Wirklichkeit vermengen. Wenn man dann mit halber Aufmerksamkeit ein solches Wahrnehmungsbild vor sich hat, weiß man oft schon eine Minute nach dem Erleben nicht mehr, ob man wach war oder nicht.“

  • Fehldeutungen natürlicher Ursachen.

In den 1950er-Jahren wurde ein Haus im englischen Yorkshire von mysteriösen und unheimlichen Geräuschen „befallen“. Explosionen und das Schlagen von Türen wurden mehrere Monate lang andauernd gehört. Die lautesten dieser Geräusche erschütterten buchstäblich die Mauern des Hauses.

Zwei Ärzte, die in dem Gebäude ihre Praxen hatten, ließen die Wasserleitungen und später auch noch die Gas- und Elektrizitätsleitungen überprüfen. Sogar die Polizei kam und durchsuchte das Haus von oben bis unten. Aber niemand fand eine Ursache für die Geräusche.

Ein Team von Technikern und Psychologen entdeckte schließlich Risse in den Wänden des Spukhauses, schlecht eingepasste Türen und eine Delle im Dach. All das schienen Anzeichen dafür zu sein, dass sich das Fundament bewegte. Bei der Untersuchung des Untergrundes fand man im Garten einen stillgelegten Abwasserkanal.

Er führte nahe am Haus vorbei, und da er früher einmal abgesunken war, hatte man ihn mit Erde aufgefüllt. Somit war es nicht möglich, durch den Abwasserkanal hindurchzukriechen, aber es war offensichtlich, dass er in einen Fluss mündete. Der Wasserstand des Flusses war hier, in Mündungsnähe, von den Gezeiten abhängig. Er stieg also bei Flut und senkte sich bei Ebbe.

Die Forscher stellten fest, dass bei Flut Wasser in den Kanal hinaufgedrängt wurde und – obwohl der Kanal verstopft war – unter dem Haus in den Boden sickerte. Dadurch senkte sich das Fundament des Hauses, und diese Bewegung verursachte die unheimlichen Geräusche. Endgültige Gewissheit brachte schließlich die Beobachtung, dass die Geräusche immer dann am lautesten zu hören waren, wenn die Flut am höchsten stand.

Will heißen: Viele Geisterberichte beruhen auf Irrtümern. Da gibt es etwa merkwürdige Klopfgeräusche, die von den Rohren der Zentralheizung verursacht werden; „Phantome“, die sich als Nebelschwaden herausstellen oder unheimliche Lichter, die Spiegelungen des Mondlichts auf einer Fensterscheibe sind.

  • Schwindel und Betrug.

In früheren Zeiten waren vor allem Schmuggler dafür bekannt, Gespenstersagen in die Welt zu setzen oder zu reaktivieren, um ihre illegalen Aktivitäten zu verschleiern. Angeblich soll einer sogar sein Pferd überall weiß angemalt haben, außer am Kopf. An die Kutsche, mit der der finstere Geselle die geschmuggelte Ware transportierte, hängte er eine Reihe von Lampen. Jeder, der ihn so bei Nacht zufällig beobachtete, schwor Stein und Bein, eine Gespensterkutsche gesehen zu haben, die von einem Pferd ohne Kopf gezogen wurde.

Auch heute geht so mancher berühmte Spukfall auf Habgier oder auf einen Jux zurück. Neben dem „Amityville Horror“ und „The Conjuring“ ist auch das meist umspukte Haus Englands, das Pfarrhaus von Borley in der Grafschaft Essex, wenig mehr als ein „Kartenhaus, erbaut aus platten Lügen“, urteilt die englische Parapsychologenvereinigung Society for Psychical Research.

Noch vor kurzem stand ein „Schlossgeist“ sogar vor Gericht: Weil sie die Bewohner in einem alten Schloss in Südtirol als Gespenst in Angst und Schrecken versetzt hatte, musste eine 42-jährige Polin ins Gefängnis. Die Frau hatte über Wochen in einem Gemäuer in der Nähe von Meran, in dem ein Kulturzentrum untergebracht ist, nachts mysteriöse Geräusche produziert.

Knarrende Dielen, ins Schloss fallende Türen sowie Schritte auf den Fluren brachten die Schlossherrin und Leiterin des Kulturzentrums dazu, die Carabinieri zu alarmieren. Diese kamen ihr mit Videokameras auf die Schliche. Die Polin sei aus Ärger über die Schlossherrin, bei der ihr Ehemann angestellt sei, zu ihrem nächtlichen Treiben veranlasst worden. Ein Richter verhängte vier Monate Haft wegen Belästigung.

Manche „Geisterforscher“ wie etwa der Amerikaner Jeff Belanger (der das Onlineportal ghostvillage.com betreibt) behaupten, skeptische Wissenschaftler sähen die Welt nur als Abfolge von Einsen und Nullen, und was sie nicht erklären könnten, mache sie wütend.

Das ist Unsinn. Es macht sie neugierig darauf, ob und wie eine Erklärung für ungewöhnliche Phänomene gefunden wird.

Auch Joe Nickell sagt zu dem Vorwurf, die Skeptiker würden deswegen nie ein unerklärliches Phänomen finden, weil sie mit einer „negativen“ Einstellung an die Sache herangehen würden, Folgendes:

Wenn man an Geister glauben muss, um sie zu sehen, sind sie vielleicht doch nur ein Produkt von starkem Wunschdenken. Die Befürworter sollten keine Mysterien aufbauschen, wo keine sind, die Skeptiker nicht herablassend oder von Vorneherein ablehnend auftreten. Die angeblichen Geisterphänomene sollten einfach gründlich untersucht werden.“

Vor wenigen Wochen habe ich vor einer Reise mal wieder einen John-Sinclair-Roman am Flughafen gekauft. Die ersten 200 Hefte, die ich heute noch besitze, waren besser, aber die Faszination für Geister, Spuk, Mystery packte mich beim Lesen wie eh und je.

Aber Wunsch und Wirklichkeit sind nun mal nichts eins.

Sollte es Menschen geben, die sich mit Spukphänomenen beschäftigen? Eindeutig ja. Sind die Ghosthunter immer die Richtigen dafür? Ich weiß es nicht – das hängt vom Vorgehen der einzelnen Gruppe ab. Ich frage mich zum Beispiel: Wie fühlt sich ein Ghosthunter-Team, wenn es bei einer PU bloß eine schlecht isolierte Leitung findet?

Ist das dann ein Erfolg, weil man mit dieser nüchternen Erklärung den Betroffenen möglicherweise Ängste nimmt und sie in die Realität zurückführt? Oder ist das eine Enttäuschung, weil man sich etwas ganz Anderes von der Investigation erhofft hat?

Zum Weiterlesen:

  • Lucia Moiné: “Reise ins Unbekannte 3 – Den Geistern auf der Spur”. CreateSpace Independent Publishing Platform, 290 Seiten, 18,70 €
  • „Neue Augenzeugenberichte unheimlicher Phänomene” mit GWUP-Interview, GWUP-Blog am 28. November 2015
  •  Sonderbare Erfahrungen an unheimlichen Orten: Spuk? GWUP-Blog am 10. Juni 2015
  • Wolfgang Hell: Von Schafen und Ziegen – Der sechste Sinn und die unbewusste Wahrnehmung, Skeptiker 2/2010
  • “Ist da was?” Unterwegs mit Geisterjägern, Skeptiker 4/2009
  • Sebastian Bartoschek/Alexa Waschkau: Ghosthunting – Auf Spurensuche im Jenseits. Alibri-Verlag, Aschaffenburg 2013
  • Sebastian Bartoschek/Alexa Waschkau: Auf die Geister, fertig, los! MIZ 4/2013
  • Die Phänomenjäger: Interview mit Lucia Moiné, Skeptiker 1/2015
  • Hoaxilla #63 – „Waverly Hills Sanatorium“ vom 30. Oktober 2011
  • Das Spukhaus von Stanz, skeptiker-blog am 29. Dezember 2011
  • Why Do People See Ghosts? gizmodo am 30. Oktober 2017

22 Kommentare

  1. @crazyfrog:

    Wie immer lässt Herr Lucadou es weitestgehend im Unklaren, ob er das nicht selber alles weiß und nur für sein Publikum (Klienten und Medien) verquast rumschwurbelt, oder ob er wirklich „alles“ für irgendwie möglich hält und dafür seltsame „Theorien“ bastelt.

    Am besten finde ich diesen Satz:

    “ Laien würden sofort sagen: Das ist ihr Mann, der sich aus dem Jenseits meldet. “

    Äh – nein, *das* würde in der beschriebenen Situation so ziemlich niemand sagen.

  2. Darf ich das hier posten?

    H. P. Lovecraft ist der einflussreichste Horror-Autor der Welt. Ohne ihn kein Stephen King, auch kein „Fluch der Karibik“. Seine Motive: Rassenneurose und bodenlose Furcht. Eine Hommage zu Halloween.

    https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article170179648/Wie-ein-Rassist-und-Angstpatient-die-Horrorliteratur-erfand.html

  3. Wer nochmal wissen will, worum es in dem „Tatort“ ging, zu dem Herr Lucadou befragt wird:

    http://www.zeit.de/kultur/film/2017-10/tatort-frankfurt-fuerchte-dich-obduktionsbericht

  4. Hat Bernd ein Kinesiotape kleben?

  5. @roman:

    Bei dem „Spukt’s“-Video?

    Ja, das war bei der SkepKon 2013 zu Demo-Zwecken.

  6. @noch’n Flo:

    Interessant.

    „Das hat Sebastian Bartoschek zum Anlaß genommen, eine Gruppe von Übersetzern zu versammeln und eine Sammlung von H.P.L.s Texten zum Atheismus und gegen Religion ins Deutsche übertragen herauszugeben.“

  7. @Bernd
    Äh, „Kinesiotape zur Demo“, danke.
    Mutig!

  8. Zu dem genannten Frankfurt-„Tatort“ „Fürchte dich“ habe ich mir ein paar Gedanken gemacht:
    https://occulturedblog.wordpress.com/

  9. Auch nett:

    Halloween Treat: NASA Releases a Playlist of the Universe’s Spooky Sounds

    https://www.space.com/38610-nasa-soundtrack-spooky-space-sounds.html

  10. Simon Pegg and Nick Frost Are Working on a Show About Paranormal Investigators:

    https://io9.gizmodo.com/simon-pegg-and-nick-frost-are-working-on-a-show-about-p-1822196341

  11. Wie blöd kann man nur sein :-)
    http://www.polizei.bayern.de/unterfranken/news/presse/aktuell/index.html/276169

    Früher war ich öfters dort, da dort das traditionelle 1.-Mai-Besäufnis stattfand…mittlerweile ist die „Teufelsmühle“ geschlossen, wobei die „wahre“ Teufelsmühle nur noch eine Mauerruine ist.

    Mitten in der Nacht im Spessartwald herumherzufahren, wobei es hier einen recht gut ausgebauten Feldweg gibt, ist keine gute Idee, besonders wenn es so geregnet hat. :-)

  12. Hier der Filmbeitrag von main.tv, der den Familienvater zu dieser Tour inspirierte:
    https://www.main.tv/mediathek/video/halloween-stories-die-teufelsmuehle

  13. „Orte, die uns das Fürchten lehren…“

    Lehren uns diese Orte automatisch das Fürchten oder lehren sie uns das Fürchten nur weil wir gelernt haben, dass wir uns vor solchen Orten fürchten sollen ?

    Ich vermute letzteres, da der Mensch eine Lernmaschine ist und Steinzeitmenschen vor zehntausenden Jahren wohl vor alten Schlössern oder Burgen nie Ängste entwickelt hätten, weil es diese Bauten damals noch nicht gab. Die Furcht vor solchen Bauten wurde also erst gelernt(konditioniert).

    Gelernt von anderen Menschen bzw. der Gesellschaft (dem Zeitgeist).

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