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„Geisterjagd“ bleibt ein weltweites Phänomen

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Vor einigen Tagen ist in den USA die zehnte Staffel der Doku-Soap „Ghost Hunters“ angelaufen.

Zugleich verkündete der Sender SyFy, dass immer mehr Lizenznehmer für die neuen Folgen dazukommen, darunter Stationen in Europa, Kanada, Australien, Lateinamerika und Südostasien.

Die Doubtful News kommentierten dies folgendermaßen:

Dear world: We’re sorry for sending more stupid TV your way. Signed, America.“

Aber auch die Konkurrenzserie „Ghost Adventures“ vom Travel Channel macht Schlagzeilen: „Geisterjäger“ und Produzent Zak Bagans hat für 35 000 Dollar das angebliche Spukhaus in Gary, Indiana, gekauft, über das wir kürzlich hier berichteten:

As of now,  Bagans will be using the home for paranormal research and a new documentary.“

Dagegen sieht das neue Lego-Set zum 30. Jubiläum des „Ghostbusters“-Film von 1984 ja richtig alt aus.

Apropos „Ghost Hunters“:

Im aktuellen Skeptiker (4/2013) gibt es ein Interview mit Alexa Waschkau und Sebastian Bartoschek zu ihrem Buch „Ghosthunting – Auf Spurensuche im Jenseits“.

Ein Auszug:

Frage: Die Geisterjägerei scheint ein typisch amerikanisches Phänomen zu sein. Wie ist dieser Trend nach Deutschland gekommen?

 Alexa Waschkau: Die deutsche Ghosthunterszene hat ihre Wurzeln eindeutig in den USA. Der Trend ist vor allem ab 2004 durch die erfolgreiche TV-Serie „Ghost Hunters“ zu uns rübergeschwappt. Da werden Geisterjäger einer Organisation namens TAPS (The Atlantic Paranormal Society) von einem Fernsehteam begleitet.

Seit 2008 gibt es das Spin-off „Ghost Hunters International“, für das auch Spukorte in Europa und in Deutschland besucht werden, zum Beispiel Burg Frankenstein oder Schloss Fürsteneck bei Passau.

Was die Techniken, die eingesetzten Geräte und den Ablauf einer sogenannten Paranormalen Untersuchung angeht, haben sich die Geisterjäger hierzulande ganz eindeutig an den amerikanischen Vorbildern orientiert.“

Welche Zukunft hat dieser Importschlager bei uns? Ist Geisterjagd in Deutschland mehr als eine vorübergehende Modeerscheinung?

Alexa Waschkau: Die Szene hat sich sehr schnell entwickelt und es herrscht eine hohe Fluktuation in Bezug auf die Teams. Aber der Untersuchungsgegenstand ist zeitlos und immer in unseren Hinterköpfen. Es geht schließlich um die Themen Tod, Verlust und Angst, die werden nie unmodern.

Die Szene wird sich verändern, vielleicht auch die Techniken. Aber Geisterjäger wird es sicher in vielen Jahren noch geben.“

 Wie darf man sich diese Szene in Deutschland überhaupt vorstellen?

Sebastian Bartoschek: Die Ghosthunterszene ist zersplittert und ständig im Umbruch. Es gibt weit über dreißig Teams in Deutschland, wobei ein „Team“ mitunter auch nur aus einer Person besteht, während andere Gruppen mehr als zehn Mitglieder haben.

Übereinstimmungen gibt es, was die eingesetzten Geräte, den Ablauf einer Untersuchung und die Aufbereitung der Ergebnisse angeht. Aber wenn es ins Detail geht, sind die Unterschiede groß. Vor allem das „Interpretieren“ der gewonnen Daten ist nicht einheitlich.

Es gibt keine Standards bei der Geisterjagd, die eingehalten werden müssen, deshalb bleiben die Ergebnisse auch zwangsläufig vage.“

 Von welchen „Ergebnissen“ reden wir denn überhaupt? Also wonach genau suchen Geisterjäger?

Alexa Waschkau: Geisterjäger suchen zunächst mal nach einer Erklärung für vermeintlich Unerklärliches. Mit ihren vielen Geräten wollen sie sicht-, hör- und spürbar machen, was sonst verborgen bleibt. Dabei sehen sie sich selbst als Skeptiker“.

 Und? Sind sie’s?

 Alexa Waschkau: Wir sehen sie eher als kritische Gläubige an.“

Sebastian Bartoschek: Klar spielt beim Ghosthunting auch der Nervenkitzel eine Rolle. Und die Jagd nach dem ultimativen Beweis für ein Leben nach dem Tod sicher auch. Aber mit überbordender Religiosität hat das nicht viel zu tun. Das sieht in den USA teilweise anders aus. Da kommen auch Medien zum Einsatz, die religiöse Begrifflichkeit benutzen.“

Welche Rolle spielen dabei die eingesetzten Geräte? Kann diese Technikgläubigkeit im Einzelfall den Blick auf mögliche psychologische Probleme bei den Spuk-Betroffenen nicht sogar verstellen?

Sebastian Bartoschek: Ohne die entsprechende Ausrüstung läuft beim Ghosthunting nichts, das stimmt. Aber bevor bei einem Spukopfer die geballte Technik zum Einsatz kommt, werden in der Regel einige ausführliche Gespräche geführt. Es wird abgeklärt, ob eine Paranormale Untersuchung überhaupt nötig ist.

Und wenn die Geisterjäger den Eindruck haben, es mit einer psychisch kranken Person zu tun zu haben, werden sie auch entsprechende professionelle Hilfe hinzuziehen. Wie gut das wirklich funktioniert, kann man schlecht sagen. Die Ghosthunter haben ja selbst keine psychologische Ausbildung.“

Alexa Waschkau: Was die Messgeräte angeht: Klar, messen die was. Aber wieso das dann Indizien für Paranormales sein sollen, bleibt letztlich unklar. Man merkt da ein wenig das US-amerikanische Technophile, nach dem Motto: Was ein kompliziertes Messgerät misst, muss auch irgendwie aussagekräftig sein.“

Zum Weiterlesen:

 

4 Kommentare

  1. Diese Sendungen müssen den Zuschauer das Gefühl vermitteln, in der Welt gingen Dinge vor, die von der Wissenschaft nicht erklärt werden kann, ohne dafür Beweise liefern zu müssen. Oberflächliche Erklärungen reichen. Wenn es wirklich Beweise für die Existenz von Geistern gäbe, würde es die Gesellschaft in einem Ausmaße verändern, wie viele es nur aus den Serien kennen würden.

  2. @Randifan
    Ich kenne weder die eine noch die andere Serie, aber grundsätzlich müssen Mystery- oder Fantasyserien nicht unbedingt schlecht sein. Kommt halt immer drauf an, wie sie gemacht sind und welche Botschaften sie transportieren. Sofern eine gewisse, augenzwinkernde Distanz gewahrt wird, lassen sich bestimmt gute und spannende Geschichten schreiben zumindest theoretisch. Schließlich glaubt ja auch niemand wirklich an die Existenz von Halblingen, Orks und Jedi-Rittern oder daran, dass dereinst mal eine Enterprise durch die Weiten des Raumes gleiten wird.

  3. @nota.bene:

    << aber grundsätzlich müssen Mystery- oder Fantasyserien << Das Problem ist ein wenig, dass "Ghost Hunters" als "Reality" und "Dokumentation" daherkommt, auch wenn Wikipedia das Fazit zieht: "Trotz mehrerer tausend Stunden Bild- und Tonmaterial kann TAPS nur geringe vermeintliche paranormale Phänomene vorweisen."

  4. @Bern Harder
    Ja, sag ich doch – es kommt drauf an, wie man die Geschichten präsentiert.

    Fehlt die erkennbare Distanz – ab in den Müll.

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