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„Ein Kessel Schwurbel“: Die neue Aktion #allesaufdenTisch

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Die umstrittene Aktion #allesdichtmachen vom April diesen Jahres hat eine Fortsetzung gefunden:

Unter dem Hashtag #allesaufdentisch haben die Schauspieler Miriam Stein, Volker Bruch und Maxim Mehmet sowie die Regisseurin Jeana Paraschiva rund 50 Videos ins Netz geladen, in denen ein Künstler oder eine Künstlerin jeweils 20 bis 30 Minuten mit Kritikern der Corona-Maßnahmen diskutiert.

Eine Einordnung:

Die Reichweite

Gemessen an #allesdichtmachen ist die neue Aktion ein Flop.

Die Videos verzeichnen bei Youtube zur Minute zwischen 1466 und 69.848 Klicks (zum Vergleich: #allesdichtmachen zählt – allerdings nach nunmehr fünf Monaten – zwischen 101.641 und 1,6 Millionen Aufrufe pro Clip).

Bei Twitter folgen #allesaufdentisch derzeit 468 Personen, Instagram zählt 1625 Abonnenten.

Die Absagen

Die Initiatoren behaupten, dass eine Reihe von angefragten Experten ein Gespräch abgelehnt oder gar nicht geantwortet hätte – darunter Karl Lauterbach, Christian Drosten, Jens Spahn, Lothar Wieler, Mai Thi Nguyen-Kim und Melanie Brinkmann.

Dem widerspricht der Journalist Daniel Laufer:

Laufer berichtete schon am 1. August über eine „bizarre #allesdichtmachen-Nachfolgeaktion“ und postete dazu dieses Konzept, das ihm zugespielt worden sei:

Sollte das Dokument authentisch sein, dann wäre von dem damaligen hehren Ziel „Bilanz ziehen“ beziehungsweise der Fragestellung „Was hätte man anders oder besser machen können?“ und „Blick in die Zukunft“ praktisch nichts übriggeblieben.

Nach Eigenaussage geht es jetzt darum, „ExpertInnen Gehör zu verschaffen, die bisher, trotz ihrer oft hohen Reputation, in der öffentlichen Debatte kaum oder gar nicht wahrgenommen wurden“.

Die Teilnehmer

Diese Einschätzung ist zumindest fragwürdig, denn „wahrgenommen“ wurden viele der „ExpertInnen“ von #allesaufdentisch durchaus – wenn auch nicht unbedingt als seriöse und konstruktive Stimmen.

Einige Beispiele:

  • Der Kommunikationswissenschaftler Prof. Michael Meyen

von der LMU München spricht in seinem Video mit dem Initiator Volker Bruch über „Faktenchecker“ und bezeichnet zum Beispiel den Faktenfuchs des Bayerischen Rundfunks und den Faktenfinder der Tagesschau als „neue Medienpolizei“ und „Propagandamaschinen, die sich als Journalismus verkleiden“.

Meyens Verständnis von Journalismus besteht dagegen zum Beispiel darin, bei Ken Jebsen aufzutreten, den Verschwörungsideologen in seinem Blog als professionellen Journalisten zu loben und dessen Webseite KenFM im Einführungshandout zu einer seiner Vorlesungen zu verlinken.

Folgerichtig fällt in Meyens Video schon nach genau 2:40 Minuten der Name „George Soros“.

  • Der Jurist Joachim Steinhöfel

spricht mit Wotan Wilke Möhring über Meinungsfreiheit und beklagt die „digitale Massenvernichtung freier Rede“.

„Den Gegenbeweis liefern die Macher der Aktion gleich mit“, kommentiert der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) milde amüsiert:

Als Meinung können Meyen, Bruch, Möhring, Steinhöfel und die anderen das alles selbstverständlich verbreiten: Anders als in Ländern, in denen die Presse- und Meinungsfreiheit tatsächlich bedroht ist, verfolgt sie hierzulande niemand dafür, niemand verhaftet oder bedroht sie, niemand verbietet es – offensichtlich nicht mal der gesunde Menschenverstand.

Es lebe also die Meinungsfreiheit! Die gilt aber umgekehrt ebenso für scharfe Kritik an solchen Äußerungen. Meinungsfreiheit bedeutete noch nie die Freiheit von Gegenrede – ganz im Gegenteil.

  • Die Politikwissenschaftlerin Dr. Beate Ulrike Guérot

spricht mit Nina Proll über Demokratie und Eigenverantwortung. Inwiefern Guérot „in der öffentlichen Debatte kaum oder gar nicht wahrgenommen wird“, bleibt das Geheimnis der #allesaufdentisch-Initiatoren.

Deutschlandfunk, Markus Lanz, Der Spiegel, Der Freitag und Die Welt sind fünf Leitmedien, in denen die Politologin in jüngerer Zeit präsent gewesen ist. Nur muss sie sich zu ihren „eigentümlichen Ansichten“ (Verschwörung & Fakten) eben auch Kritik gefallen lassen, wie der DJV schon richtig angemerkt hat.

betreibt einen Blog mit dem beziehungsreichen Namen „Coronoia“ und ist als DZVhÄ-Mitglied und Vorstand des Vereins „Ärzte für eine individuelle Impfentscheidung“ keineswegs der altersweise Unparteiische in Sachen Kinderimpfungen, als der er sich gerne geriert.

ist ebenfalls Gründungsmitglied von „Ärzte für eine individuelle Impfentscheidung“ und Autor des in Impfgegnerkreisen überaus beliebten Buches „Impfen: Pro & Contra“.

  • Der Psychoanalytiker Prof. Dr. Klaus Jürgen Bruder

setzt der Schauspielerin Nina Maleika die Corona-Krise als „ein großes Milgram-Experiment“ auseinander, um die Bevölkerung „zum Gehorsam zu erziehen“.

  • Der Videokünstler Tilmann Krumrey

spricht nach exakt 33 Sekunden von einer „Plandemie“.

  • Die Sängerin Nina Maleika

veröffentlichte im Juni den Song „Nein zur Impfung“

  • Der Rechtsanwalt Dr. Michael Brunner

ist Bundesobmann der österreichischen Impfgegner-Partei MFG und bezeichnet im Gespräch mit der Schauspielerin Johanna Paliatsios die Covid-19-Impfung als „experimentelles Gentherapeutikum“.

ist ehemaliges Laienmitglied des Opus Dei und tritt öffentlich „in agressiver Weise als Verharmloser des CoV-2 und der Pandemie“ auf.

  • Der „Ganzheitsmediziner“ Dr. Wolfgang Grünzweig

erklärt dem Schauspieler Roland Düringer ironiefrei, dass Wissenschaftler den Menschen nur in seiner „reinen Körperlichkeit“ betrachten würden (was blanker Unsinn ist) und deshalb die „umfassende Misere“ der Corona-Krise „nur im Zusammenspiel von Geist, Energie und Körper“ gelöst werden könne.

  • Der Medizinstatistiker Prof. Gerd Antes

ist in der gleichen Position wie Ulrike Guérot. Wo Antes „in der öffentlichen Debatte kaum oder gar nicht wahrgenommen wird“, ist einigermaßen rätselhaft.

Schon zu Beginn der Corona-Krise kam der ehemalige Direktor des Deutschen Cochrane Zentrums im Spiegel zu Wort, in den vergangenen Monaten unter anderem in der Apotheken Umschau, im Deutschlandfunk, im SWR und bei Cicero.

Mit seiner Selbstverortung „nahe am Lager der Querdenker“ (Minute 4:30) hat Antes sich für seriöse Auftritte nunmehr wohl disqualifiziert.

  • Und so weiter, und so fort.

Auch die neue Aktion ist eine wilde Mischung aus Sachen, über die man diskutieren kann oder sogar muss, und es meistens auch tut, und dem bis zum Erbrechen bekannten Querdenkergeschwurbel. Das muss also alles auf den Tisch? Manches gehört aus gutem Grund in die Toilette,

kommentiert der Gesundheits-Check.

[Update: Eine kurze Würdigung der Beteiligten gibt es in diesem Twitter-Thread.]

Wer dieses visuelle Sammelsurium also ernsthaft als „phantastische Aktion“ in den Himmel hebt, die „#allesaufdentisch bringt, was von den Massenmedien, Staatsvirologen und Politikern gern ausgeblendet wird“, muss in einer Parallelwelt leben.

Die Bewertung

So gesehen, hat der Politikwissenschaftler Claus Leggewie völlig recht, wenn er im Deutschlandfunk sagt:

Ich habe da nichts gehört, was ich nicht schon mal gehört hatte.

Trotzdem will Leggewie die Aktion nicht pauschal verurteilen:

„An einigen Stellen ist sie ein guter Beitrag zur Meinungsbildung. An anderen Stellen ist sie völlig daneben.“

Zum Impfen oder auch zur Definition von Pandemien gebe es dort interessante Beiträge. Diese könnten auch dazu beitragen, sich in der Argumentation mit Maßnahmen-Skeptikern zu stärken.

So gibt es eine durchaus amüsante Szene in dem Gespräch zwischen der Sängerin Emily Intsiful und dem Lungenarzt Prof. Dieter Köhler zu sehen:

Intsiful betont, wie stark Kinder durch das Maskentragen in der Schule belastet wären. Daraufhin entwickelt sich eine aufgeheizte Diskussion:

Kinder seien belastbarer, als man meine, sagt Köhler. Und auf Intsifuls Behauptung, dass Kinder durch die Masken nicht gut atmen könnten, widerspricht Köhler, dass Sauerstoff dabei kein Problem sei. „Das ist Ihre Meinung“, sagt schließlich Intsiful. „Nein, das ist untersucht“, sagt Köhler.

Dann beendet Intsiful das Gespräch. „Leider, leider“ sei die Zeit schon wieder vorbei.

Problematisch sei laut Leggewie aber unter anderem der Gesamteindruck, der vermittelt werde:

Der Name „alles auf den Tisch“ könne suggerien, dass bisher Dinge unter den Tisch gefallen seien. Die angesprochenen Themen, beispielsweise zur Problematik von Lockdowns und dem Schutz der Demokratie, seien auch in öffentlich-rechtlichen Medien kontrovers diskutiert worden.

Und das Entscheidende:

Die Aktion habe zudem ein problematisches Verständnis von Meinungspluralismus. Denn eine Voraussetzung für Pluralismus sei Qualitätskontrolle – die hätten die Initiatoren aber wegfallen lassen.

Einigen kann man sich mit den #allesaufdentisch-Initiatoren sicherlich, was die Forderung nach einem Runden Tisch „über das Corona-Krisenmanagement“ betrifft, „an dem WissenschaftlerInnen verschiedener Disziplinen mit unterschiedlichen Standpunkten zusammenkommen“.

Allerdings haben auch hier die Analysen von Politik und Wissenschaft längst begonnen. Ein „Kessel Schwurbel“ (FAZ) hätte es dafür wohl nicht noch gebraucht.

Was #allesaufdentisch aber deutlich werden lässt, sind zwei Punkte:

Auf die Frage „Wer ist wirklich Experte? Wem sollte man zuhören – und aus welchen Gründen?“ müssen wir klare Antworten finden und vermitteln.

So kritisiert die Sozialpsychologin Pia Lamberty:

Die Aktion #allesaufdentisch verbreitet in verschiedenen Videos verschwörungsideologisches Geraune und versucht, wissenschaftliche Außenseiterpositionen als dem wissenschaftlichen Konsens gleichwertig darzustellen.

Und:

Das richtige Format für eine konstruktive Debatte über die Corona-Krise muss noch gefunden werden.

Zum Weiterlesen:

  • Warum die neue Aktion #allesaufdentisch nicht kritisch genug ist, Welt+ am 1. Oktober 2021
  • #allesaufdentisch – neue peinliche Offensive der Querdenker-Schauspieler-Gruppierung, DMZ am 30. September 2021
  • Neue umstrittene Videoaktion zur Corona-Pandemie mit Volker Bruch, Deutschlandfunk am 1. Oktober 2021
  • #allesaufdenkopf, Zeit-Online am 1. Oktober 2021
  • Volker Bruch spricht mit dem Medienkritiker Michael Meyen, BR am 30. September 2021
  • #allesaufdentisch – Wotan Wilke Möhring über Corona-Debatte: „Wir sehen uns bei der Zensur“, Frankfurter Rundschau am 2. Oktober 2021
  • Psychologin: #allesaufdentisch verbreitet Verschwörungsideologie, rnd am 2. Oktober 2021
  • Alles auf den Tisch? Gesundheits-Check am 2. Oktober 2021
  • False Balance auf den Tisch, buntdenker am 3. Oktober 2021
  • Prominente gegen Coronapolitik: Ein zweiter Versuch, taz am 1. Oktober 2021
  • Warum die Trennung zwischen Werk und Autor*in nie ganz gelingen kann, eleabrandt am 30. September 2021
  • Video: Alles schlichtmachen, GWUP-Blog am 23. April 2021

50 Kommentare

  1. „Deutsche Schauspieler kommen nicht damit klar, dass Menschen auf Intensivstationen mehr Aufmerksamkeit bekommen als sie.“

    Ich denke, das ist genau der Punkt.

  2. Das Problem bei den allenthalben geforderten „Runden Tischen“ ist, dass die von ihren Einforderern ja praktisch nie als ergebnisoffen gedacht sind. Vielmehr soll dabei quasidemokratisch von allerlei Imperten (E. Berndt) „festgestellt“ werden, was man sowieso immer schon gesagt hat.

    Schön zu beobachten beim Auftritt von Harald Walach letztes Jahr im Petitionsausschuss, wo der von ihm unterstützte Petent so ein Gremium gleich mit dem Recht ausstatten wollte, dem Bundestag Entscheidungen vorzuschreiben.

    Zu Antes… das Video ist wegen des schleppenden und mit viel „äh“ bereicherten Eingangsmonologs des Interviewers ohnehin kaum erträglich. Antes hatte ich bisher eher als Verbündeten auf dem Schirm.

    Von einer kurzen und ob seiner herablassenden Art eher enttäuschenden persönlichen Begegnung nach seinem Skepkon-Vortrag abgesehen kannte ich den aber eigentlich nicht. Sein explizites Bekenntnis zu den Querdenkern finde ich trotzdem betrüblich.

    Zum Glück kam das recht früh in dem Machwerk, so dass ich das dann getrost ausmachen konnte.

  3. Offenbar ist bei Dreharbeiten zu Rosamunde Pilcher oder Tatort was im Kaffee …

  4. Diese Schlaumeier wollen an einem Tisch mit Drosten, Cisek, Lauterbach und Co sitzen?! Am Kindertisch MIT Maske, mehr ist nicht drin.

    Und jetzt was persönliches: Welchen Tatort kann man noch schauen?!

  5. Richard Dawkins sagte mal sinngemäß, er lehne Debatten mit Kreationisten ab, weil sie der kreationistischen Position Respektabilität und Anerkennung verleihen würden.

    Fachleute wie Wieler oder Drosten bzw. eine Wissenschaftsjournalistin wie Nguyen-Kim denken sicherlich ähnlich.

    Warum sollte sie den Querdenkern bzw. Querdenkerfans (noch mehr) Respektabilität und Aufmerksamkeit ermöglichen (so sie denn zum „Interview“ vielleicht doch eingeladen wurden), indem sie bei so einer solchen Veranstaltung teilnehmen?

  6. schade, daß es heute den Nobelpreis nicht für den medizinischen „Durchbruch“ mRNA-Impfstoff gab. Vielleicht saßen ja im Komitee zu viele mit Bauchschmerzen wegen „#allesaufdentisch“ dieser Welt.

    erinnert an Einstein, obwohl 20mal vorgeschlagen, ihn 1922(21) nicht für die Relativitätstheorie kriegte

  7. „…Der „Ganzheitsmediziner“ Dr. Wolfgang Grünzweig erklärt dem Schauspieler Roland Düringer ironiefrei, dass Wissenschaftler den Menschen nur in seiner „reinen Körperlichkeit“ betrachten würden (was blanker Unsinn ist) und deshalb die „umfassende Misere“ der Corona-Krise „nur im Zusammenspiel von Geist, Energie und Körper“ gelöst werden könne. …“

    Definitiv blanker Unsinn.

    Mai-Thi hat (auf Ihrem Kanal maiLab, wenn ich mich recht erinnere) vor einiger Zeit sehr schön dargelegt, wie der Resonanzraum von Verständnis, Vertrauen und Zusprache zwischen Arzt und Patient bereits als Form einer wirkungsvollen Behandlung verstanden werden kann.

  8. @ Peter Friedrich,

    ergänzend:

    Zumal das die Definition von Wissenschaft auf einen sehr kleinen Teil derselben reduziert. Als ob die Psychologie, Soziologie, Erziehungswissenschaft, Philosophie, Juristerei und der gesamte Komplex der (anderen) Geisteswissenschaften inexistent seien resp. keine Wissenschaft.

    Dieses dichotome, binäre Entweder-Oder-Denken gepaart mit ein bisschen Fernost-Esoterik (Energie ist hier sicher jenseits von kJ und Kohlenstoffverbindungen gemeint) ist echt furchtbar, noch furchtbarer ist, dass, so scheint’s, so wenige den nackten Kaiser auch benennen…

  9. Mein Gesamteindruck:

    Schon wieder eine Horde von halb- und unwissenden, insgesamt zu einer diffusen Grundsatzopposition neigenden Popularitätskamarilla, die wirklich glauben, die Botschafter der wirklich wahren Wahrheit spielen zu müssen.

    Betonung auf „spielen“.

  10. Wir hatten den Ex-Verfassungsgerichtspräsidenten Hans-Jürgen Papier schon mal als seriösen Corona-Kritiker erwähnt.

    Auch heute spricht er sich für eine sinnvolle Aufarbeitung der Corona-Krise aus:

    Epidemien oder andere Katastrophen werden immer schwerwiegende Grundrechtseingriffe des Staates erfordern. Aber es muss wieder klarer werden, dass der gute Zweck in einem freiheitlichen Rechtsstaat nicht jedes Mittel heiligt. „Not kennt kein Gebot“, dieser Satz darf nicht Raum greifen.

    Auch das allgemeine legitime Ziel, die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen, rechtfertigt nicht jeden Grundrechtseingriff. Nutzen und Schaden müssen stets in einem angemessenen Verhältnis stehen, und die Beweislast für das Vorliegen der Verhältnismäßigkeit trägt der Staat.

    Schwerwiegende Freiheitsbeschränkungen aus bloßer Vorsorge sollte es künftig nicht mehr geben. Wir müssen uns rechtsstaatlich wappnen – das waren wir diesmal lange Zeit nicht.

  11. Herr Papier macht sinnvolle Vorschläge. Wir müssen bei der nächsten Pandemie (denn die kommt bestimmt) oder auch anderen Katastrophe rechtsstaatlich besser vorbereitet und abgesichert sein.

    Das wird eine schwere Aufgabe für die zukünftige Bundesregierung und ebenso die 16 Landesregierungen.

  12. Hallo,

    Ich habe nur den Beitrag von Prof. Gerd Antes gesehen. Und da bin ich schon ziemlich baff, wenn ich in einem GWUP-Blog sehe, auf welchem Niveau sein Beitrag kommentiert wird. Anstatt, dass etwa auf seine Aussagen eingegangen wird, wird darauf aufmerksam gemacht, dass er ja gar kein Unbekannter auf der öffentlichen Bühne ist, wie die Macher der #allesaufdentisch-Aktion behaupten. Als ob das das Wesentliche war.

    Der ganze Blog-Beitrag scheint mir im Grunde eher da zu sein, die Meinung bestimmter Personen ins Lächerliche zu ziehen, bzw. diese Personen gar zu diskretisieren; warum ist mir nicht ganz klar. Auf jeden Fall scheint mir das ziemlich unangemessen für einen Blog zu sein, der sich dem kritischen Denken verschreibt.

  13. @MS:

    Und mir ist nicht ganz klar, was genau daran so schwer zu verstehen ist?

    Seine „Meinung“ bleibt ihm ja unbenommen, und er hatte permanent die Möglichkeit, die „öffentliche Bühne“ dafür zu nutzen, kann also nicht behaupten, dass er nur in „Alternativ“-Medien Gehör fände und ihm deshalb keine andere Wahl bleibe.

    Seine Meinung aber ganz explizit als „Querdenken“ auszugeben, ist einfach nur grotesk. Damit macht er sich ohne jede Not gemein mit den Corona-Verharmlosern und Verschwörungsgläubigen, die neben ihm bei #allesaufdentisch auftreten.

    Warum, ist mir nicht ganz klar.

    Wie bereits häufig gesagt (zuletzt hier heute um 14.06 Uhr): Man kann die Corona-Maßnahmen auch seriös und auf einer angemessenen „Bühne“ kritisieren, ohne sich auf das Niveau der Leugner und Verharmloser herabzubegeben und diese aufzuwerten.

  14. @MS

    Lesen hilft.

    Mit seiner [Gerd Antes‘] Selbstverortung „nahe am Lager der Querdenker“ (Minute 4:30) hat Antes sich für seriöse Auftritte nunmehr wohl disqualifiziert.

    Gerd Antes wandelt gefährlich nahe an einem Abgrund, den z.B. Christian Kreiß, Andreas Sönnichsen oder Ulrike Guérot bewusst übersehen haben. Sie alle waren ohne Zweifel seriöse Wissenschaftler und haben auch kritische Bemerkungen in Bezug ohne Corona abgegeben.

    Dann jedoch haben sie sich entschieden, Wissenschaftlichkeit und Rationalität in den Wind zu schießen und lieber Schwurbel zu verbreiten.

    Ich wünsche Gerd Antes, dass er den Dreh noch bekommt und nicht die gleichen Fehler wie die o.g. Personen begeht.

  15. @MS

    ab ca. 11:00min beklagt sich Scheuer, dass z.B. Drosten keinen Dialog gesucht hat mit so renommierten Wissenschaftlern wie Bhakdi und Wodarg. Im folgenden pflichtet Antes Scheuer diesbezüglich bei.

    Damit ist Antes ausgeschieden.

  16. @Bernd Harder:

    Seine Meinung aber ganz explizit als „Querdenken“ auszugeben, ist einfach nur grotesk. Damit macht er sich ohne jede Not gemein mit den Corona-Verharmlosern und Verschwörungsgläubigen, die neben ihm bei #allesaufdentisch auftreten.

    Meines Wissens ist „Querdenker“ ein recht vager Begriff, der im Grunde nur aussagt, dass man mit den Maßnahmen gegen Corona nicht einverstanden ist. Gewiss sind darunter extreme VT und Verharmloser; aber offensichtlich auch solche wie der Antes, der mir zumindest bis jetzt nicht als Verbreiter groben Unsinns aufgefallen ist. Sollte es anders sein, würde mich das interessieren. Auf jeden Fall finde ich es wenig hilfreich im Sinne einer guten Diskussionskultur, aus der Aussage „ich bin nah bei den Querdenkern“ sofort zu schließen, dass man dieser Person nicht mehr zuhören braucht.

    Seine „Meinung“ bleibt ihm ja unbenommen, und er hatte permanent die Möglichkeit, die „öffentliche Bühne“ dafür zu nutzen, kann also nicht behaupten, dass er nur in „Alternativ“-Medien Gehör fände und ihm deshalb keine andere Wahl bleibe.

    Permanent? Bei „permanent“ kommen mir Drosten, Streeck, Lauterbach in den Sinn. Aber klar, Antes hat auch seinen Platz in den Medien.

    Zum Schluss möchte ich anmerken, dass man von einer GWUP, die jeden Wünschelrutengänger im Rahmen der PSI-Tests ernst nimmt, auch erwarten kann, dass sie sich mit Ansichten/Meinungen argumentativ auseinander setzt, die dem aktuellen Corona-Narrativ nicht zu 100% entsprechen.

    Eine GWUP, die stattdessen Stempeln wie „Querdenker“ und „Alternativmedien“ einsetzt, um damit Personen als diskussionsunwürdig bzw. unseriös zu kennzeichnen, möchte ich eigentlich mit meinem Mitgliedsbeitrag nicht unterstützen.

  17. @Lutz Homann

    Damit ist Antes ausgeschieden

    So, und damit ist alles was der Antes sagt, nicht mehr ernst zu nehmen, und seine fachlichen Aussagen sind falsch. Ist das wirklich die heutige State-of-the-Art des Umgangs miteinander, bzw. die Art eine Diskussion zu führen, die an Erkenntnisgewinn orientiert ist?

    Mit ist es zumindest unbegreiflich, wie aus der Tatsache, dass sich jemand eine fachliche Diskussion zwischen Drosten und Bahkdi (egal, was man vom letzteren hält) gewünscht hätte, schließen kann, dass dieser jemand eine absolute fachliche Niete ist.

  18. > [Update: Eine kurze Würdigung aller Beteiligten gibt es in diesem Twitter-Thread.]

    Ich zitiere die Würdigung von Antes:

    • Antes, der Mathematiker und Medizinstatistiker, der die Ansicht vertritt: „Wer heute geradeaus denkt, kommt nicht umhin ein Querdenker zu sein“,

    • wurde in der Vergangenheit mehrfach gesichtet bei Veranstaltungen der Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften [11] (GWUP).

    Wie ist den der letzte Punkt zu verstehen? Soll das jetzt für Antes oder gegen ihn sprechen?

  19. @MS:

    Soll das jetzt für Antes oder gegen ihn sprechen?

    Das hat die Autorin selbst erklärt:

    https://twitter.com/BinGanzBrav/status/1445053249862737925

  20. @MS:

    Meines Wissens ist „Querdenker“ ein recht vager Begriff, der im Grunde nur aussagt, dass man mit den Maßnahmen gegen Corona nicht einverstanden ist.

    Vor 1,5 Jahren – ja.

    Ich zitiere mal einen Journalisten, damit Sie sehen, dass wir uns unsere Einschätzung nicht einfach so zurechtbiegen:

    Zu den „Querdenkern“ zählten ursprünglich viele Menschen, die die Grundrechtseinschränkungen übertrieben fanden, Sorge um die Demokratie hatten und deshalb mit Grundgesetz, Herzchenluftballon und Gleichgesinnten demonstrierten.

    Heute zeigt sich, dass in der neuen Initiative oft Menschen nach vorne drängten, die bereits seit Jahren mehr oder weniger erfolglos versucht hatten, Widerstand zu organisieren […] Unter der „Querdenken“-Oberfläche ist unterdessen ein unüberschaubares Gewirr von Initiativen und Gruppen entstanden.

    Und das scheint mir der Punkt zu sein.

    Heute, im Herbst 2021, ist der Begriff „Querdenker“ eben nicht mehr neutral, sondern hat schon lange eine konkrete Bedeutung als Bezeichnung für eine bestimmte Gruppe von Personen.

    Diesen Begriff im Oktober 2021 als Selbstbezeichnung zu benutzen, kann ich nicht mehr mit Naivität oder mangelnder Medienkompetenz erklären.

    Und bevor ich persönlich an so einer Aktion wie #allesaufdentisch teilnehme, würde ich mir erst mal sehr genau die Initiatoren und die übrigen Teilnehmer ansehen.

    die stattdessen Stempeln wie „Querdenker“ und „Alternativmedien“ einsetzt, um damit Personen als diskussionsunwürdig bzw. unseriös zu kennzeichnen,

    Das sind keine „Stempel“.

    Sorry, wir verfolgen die „Querdenker“-Bewegung seit ihren ersten Anfängen im März 2020 und die s.g. „Alternativmedien“ noch viel länger. Unser Urteil darüber ist also nicht in den letzten paar Tagen entstanden.

    Ein Wissenschaftler, der sich im Herbst 2021 selbst in die Nähe der „Querdenken“-Bewegung rückt, weiß genau, was er tut. Davon muss ich jedenfalls ausgehen.

    Und zu Ihrem anderen Kommentar, aus meiner Sicht:

    Mit ist es zumindest unbegreiflich, wie aus der Tatsache, dass sich jemand eine fachliche Diskussion zwischen Drosten und Bahkdi (egal, was man vom letzteren hält) gewünscht hätte, schließen kann, dass dieser jemand eine absolute fachliche Niete ist.

    Darum geht es doch überhaupt nicht, ob jemand eine „fachliche Niete“ ist.

    Darauf hat @RPGNo1 doch bereits hingewiesen. Auch z.B. Herr Sönnichsen oder Frau Guérot sind keine „fachlichen Nieten“, sogar Herr Bhakdi mag in seinem Fach gut gewesen sein, deshalb können sich diese Personen trotzdem im Bereich Corona vergaloppieren.

    Und wenn man das weiß und – wie wir – die andauernden Fehleinschätzungen von Herrn Bahdki über anderthalb Jahre hinweg und seine Wahlkampfreden für „Die Basis“ verfolgt hat – dann kann man einen Wissenschaftler, der eine „fachliche“ Debatte zwischen Bhakdi und Drosten wünscht, nicht ernstnehmen.

    Oder gehen Sie davon aus, dass Herr Antes weder weiß, wer Bhakdi überhaupt ist, noch jemals von Volker Bruch gehört hatte und auch nicht weiß, was der Begriff „Querdenker“ nach anderthalb Jahren Demos und vielen anderen Aktivitäten dieser Gruppierung bis hin zu Parteigründungen bedeutet?

  21. @MS:

    Antes ist ganz und gar keine fachliche Niete (wer hat das denn behauptet?), umso schlimmer. Er zimmert aber aus banalen Tatsachen eine Wolke aus „alles ganz falsch, was politisch/wissenschaftlich gemacht wurde“.

    Hier die banalen Tatsachen:

    Normen brauchen verlässliche Daten, letztere waren am Anfang der Pandemie nicht ausreichend für einen wirklich fundierten Maßnahmenkatalog, man wusste aber: Covid-19 ist eine respiratorische Infektionserkrankung, die Basisreproduktionszahl lag bei etwa 3, das Virus trifft auf eine immunnaive Population, IFR etwa 5 mal höher als bei Influenza.

    Was nun?

    Erstmal ausreichend Daten sammeln bevor man handelt?

    Die epidemiologischen Daten und die Daten aus Maßnahmen sind auch heute teils widersprüchlich, das werden sie auch immer bleiben, weil sie immer nur aus Beobachtungsstudien stammen, niemand wird z.B. jemals ein infiziertes Kind in eine Klasse stecken und schauen, was dann passiert.

    Was nun?

    Wegen unsicherer Daten nichts tun und eine paar Jahre warten, bis wir genau wissen, wie viele Kinder wie stark an Spätfolgen der Infektion leiden?

    Wissenschaft lebt vom Diskurs, das ist trivial. Ein Dialog aber mit Lügnern und Manipulatoren, die ihren Status nutzen um im Rampenlicht zu stehen und dazu beitragen, dass dieser Scheixxx sich noch länger hinzieht, ist gänzlich inakzeptabel. Um den einen Gedankengang von Antes weiter zu spinnen: Wer mit Bhakdi über die Pandemie diskutiert, kann auch mit einem Flacherdler über unser Sonnensystem diskutieren.

    Wissenschaft braucht Querdenker, aber keine QuerdenkerTM. Letztere sind nämlich nicht kreativ, sondern plappern lediglich die Phrasen ihrer Blase nach. Wie schade und fatal, dass Antes es nicht schafft, eine Wortgleichheit von einer Bedeutung und Intention zu trennen.

    Und wie traurig, dass so ein intelligenter Mensch nicht merkt, dass er damit Hetzer aufwertet, die dann später mit seinem Namen werben.

    Darum ist er ausgeschieden, nicht weil seine fachlichen Aussagen falsch sind.

  22. @Lutz Homann/MS:

    Und wie traurig, dass so ein intelligenter Mensch nicht merkt, dass er damit Hetzer aufwertet, die dann später mit seinem Namen werben.

    Sehr wichtiger Punkt – vgl. zum Beispiel den Auftritt von Karin Mölling bei KenFM.

    Natürlich hat sie dort eine legitime wissenschaftliche Position vertreten.

    Aber seriöse Wissenschaftler diskutieren auf solchen Kanälen nicht, weil sie fortan immer als Beispiel für die vermeintliche Seriosität von solchen Verschwörungsideologen herhalten müssen.

  23. „Eine Beleidigung für jeden echten Querdenker, dass sich diese Leute als solche bezeichnen, bzw. diese als solche bezeichnet werden. Denn bis vor der Pandemie waren Querdenker diejenigen, die neue Wege aufzeigten, und Querköpfe waren die, die diese versperrten. Die besten Vordenker und die geradlinigsten Denker waren eigentlich Querdenker. Mit der Massnahmengegnerschaft wurde dieser Begriff aber definitiv ad absurdum geführt und in einen Begriff der sinnbildlichen Lächerlichkeit gewandelt.“

    https://www.mittellaendische.ch/2021/10/05/erfahrungsberichte-familien-leiden-massiv-unter-mitgliedern-der-querdenker/#gsc.tab=0

  24. Ich habe in dem Interview von Scheuer mit Antes den Eindruck, die beiden haben größten Teils aneinander vorbeigeredet.

    Norbert Scheuer ist nun wohl vermutlich noch verwirrter als vorher. Mehr als ein paar nebulöse Andeutungen über die Verquickung von Wissenschafts-, Medien- und Politikbetrieb bekam er ja von Antes über die gesamten zwanzig Minuten nicht.

    Was sagt Antes denn nun zu Bhakdi und Wodarg?

    Wenn sein Gegenüber schon die Namen in die Runde wirft, dann hätte er wenigstens hier mal konkret antworten können.

    Wie als Entschuldigung dafür, dass er es nicht tut, schildert Antes dann in Minute 13:15 die absurden Ansichten von Leuten aus seinem Bekanntenkreis, die tatsächlich fest davon überzeugt seien, aufgrund der Impfung in dreieinhalb Jahren sterben zu müssen – was dann seiner Meinung nach doch eine Grenzüberschreitung darstellt.

    Wo haben Ihre Bekannten wohl diese Ansichten her, Herr Antes?

  25. @Lutz Homann, @Bernd Harder

    Antes ist ganz und gar keine fachliche Niete (wer hat das denn behauptet?), umso schlimmer. Er zimmert aber aus banalen Tatsachen eine Wolke aus „alles ganz falsch, was politisch/wissenschaftlich gemacht wurde“.

    Finden Sie nicht, dass es z.B. gerade eine Aufgabe der GWUP wäre, hier diese Wolke systematisch zu untersuchen und aufzuzeigen, was darin berechtigt ist und was weniger? Denn das würde mich als Skeptiker interessieren, nämlich eine Auseinandersetzung auf der Inhaltsebene und die Untersuchung selbst abseitiger Meinungen mit wissenschaftlichen Methoden. Dafür steht doch die GWUP in meinen Augen. Ob sich der Antes als Querdenker oder Geradeausdenker bezeichnet, interessiert mich zumindest in diesem Zusammenhang weniger.

    Ich bin daher schon enttäuscht, wenn ich hier im Blog einen Beitrag sehe, der über das übliche Twitter-Niveau nicht hinaus geht. Und noch enttäuschter bin ich, wenn ich sehe, wie der Autor dies auch rechtfertigt. Ich frage mich, für welchen Leser ein solcher Beitrag ein wirklicher Informationsgewinn darstellt.

    @Berd Harder

    Heute zeigt sich, dass in der neuen Initiative oft Menschen nach vorne drängten, die bereits seit Jahren mehr oder weniger erfolglos versucht hatten, Widerstand zu organisieren […] Unter der „Querdenken“-Oberfläche ist unterdessen ein unüberschaubares Gewirr von Initiativen und Gruppen entstanden.

    Ein unüberschaubares Gewirr. Und was bedeutet es dann genau, wenn sich jemand heute als Querdenker bezeichnet?

    Heute, im Herbst 2021, ist der Begriff „Querdenker“ eben nicht mehr neutral, sondern hat schon lange eine konkrete Bedeutung als Bezeichnung für eine bestimmte Gruppe von Personen.

    Ich vermute, Sie haben sich hier unglücklich ausgedrückt. Denn hier widersprechen Sie mMn eigentlich Ihrer Quelle, die eben gerade nicht von einer bestimmten Gruppe spricht, sondern von dem unüberschaubaren Gewirr.

    Ich möchte jetzt aber auch nicht einen „Streit“ über den Querdenkerbegriff lostreten. Mein Wissen über diese Szene beschränkt sich auf ein durchschnittliches Maß. Sie haben aber die Querdenker über einige Zeit verfolgt. Haben Sie eventuell Ihre Erkenntnisse und Analysen systematisch zusammengefasst veröffentlicht? Das wäre z.B. etwas, was ich in einem GWUP-Blog gerne lesen würde: Wie groß ist diese Szene? Welche unterschiedlichen Positionen werden dort vertreten? Was ist der prozentualer Anteil der Nazis, harten Corona-Leugner, Verschw.theoretiker, Verharmloser, seriösen Kritiker, etc? Wie sind die Bildungsgrade verteilt?

    Und bevor ich persönlich an so einer Aktion wie #allesaufdentisch teilnehme, würde ich mir erst mal sehr genau die Initiatoren und die übrigen Teilnehmer ansehen.

    Würde ich vermutlich auch machen. Andere eben nicht. Das reicht bereits aus, um die Seriosität einer Person (bzw. ihrer Aussagen) zu beurteilen? Es ist ja nicht so, dass die Teilnehmer Kriminelle wären, sodass sich eine Zusammenarbeit mit ihnen in jeder Hinsicht verbieten. Schlimmstenfalls sind das doch irgendwelche Spinner, die dummes Zeug von sich geben (ich möchte das nicht verharmlosen, aber eine Demokratie muss das verkraften). Nach Ihren strengen Maßstäben müsste ich eigentlich – überspitzt gesagt – als Atheist die Zusammenarbeit mit jedem Katholiken einstellen, angesichts der zahlreichen Verbrechen, die die katholische Kirche zu verantworten hat.

    Aber seriösAe Wissenschaftler diskutieren auf solchen Kanälen nicht, weil sie fortan immer als Beispiel für die vermeintliche Seriosität von solchen Verschwörungsideologen herhalten müssen.

    Konsequenterweise müsste man dann auch sagen, dass alle, die der Bild-Zeitung ein Interview geben, ihre Seriosität verspielt haben. Ich finde so etwas absurd.

  26. @MS:

    Sorry, aber ich sehe nicht, was diese Diskussion noch weiter bringen soll.

    Wir sind jetzt im Bereich „Meinungen“, die nun mal jedem zu eigen sind.

    Wenn Sie „enttäuscht“ von dem Artikel sind, bedauere ich das persönlich und danke für die Info – aber dann sind Sie eben enttäuscht. Ich schätze, wir werden über Ihren subjektiven Eindruck keine objektive Einigung erzielen.

    Und wenn Sie von meinen ausführlichen Erklärungen dazu noch „enttäuschter“ sind – dann bedauere ich das ebenfalls, aber dann ist es eben so. Warum soll ich dann noch weitere Erklärungen nachschieben, die nur zu noch größerer Enttäuschung führen?

    Dennoch ein paar Sätze dazu:

    Ich vermute, Sie haben sich hier unglücklich ausgedrückt. Denn hier widersprechen Sie mMn eigentlich Ihrer Quelle, die eben gerade nicht von einer bestimmten Gruppe spricht, sondern von dem unüberschaubaren Gewirr.

    Nein, auch innerhalb einer großen Gruppe kann es ein schwer durchschaubares Gewirr von unterschiedlichen Einstellungen und Protagonisten geben.

    Haben Sie eventuell Ihre Erkenntnisse und Analysen systematisch zusammengefasst veröffentlicht?

    https://www.gwup.org/zeitschrift-skeptiker/archiv/147-wurzel/archiv-zeitschrift-skeptiker/2263-zeitschrift-skeptiker-2-2021

    Das wäre z.B. etwas, was ich in einem GWUP-Blog gerne lesen würde:

    Sie finden in der Suchfunktion rechts oben aktuell 110 Beiträge zum Stichwort „Querdenken“.

    Darunter z.B. der Hinweis auf eine kürzliche TV-Doku:

    https://blog.gwup.net/2021/09/08/aussteiger-mitlaeufer-lenker-die-querdenker-doku-von-prosieben-ist-jetzt-online/

    Und eine Analyse vom Frühjahr dieses Jahres:

    https://blog.gwup.net/2021/04/19/eine-querdenken-analyse-strippenzieher-ideologen-und-medizinveraechter-buendnisse-von-aggressivem-misstrauen/

    Das ist zum Teil überholt, weil in jüngster Zeit eine starke Radikalisierung der Bewegung eingesetzt hat, die den Begriff als scheinbar positive Selbstbezeichnung endgültig unverwendbar macht.

    Schlimmstenfalls sind das doch irgendwelche Spinner, die dummes Zeug von sich geben (ich möchte das nicht verharmlosen, aber eine Demokratie muss das verkraften).

    Wir kommen an diesem Punkt nicht zusammen.

    Welche Probleme unsere Demokratie mit diesen „irgendwelchen Spinnern“ hat, sehen Sie zum Beispiel am stagnierenden Impfgeschehen in Deutschland und auch an der Einschätzung der Sicherheitsbehörden bezüglich der „Querdenker“, wie sie etwa aktuell in dem Zeit-Artikel „Dann kam er mit der Waffe“ (Nr. 40/21) dargelegt wird.

    Und nein, ich werde jetzt hier nicht referieren, was da drinsteht. Jedenfalls ist das hochproblematisch, sich als seriöser Wissenschaftler „nahe am Lager der Querdenker“ zu verorten.

    Und wenn Herrn Antes das nicht bewusst gewesen sein sollte, weil er die Bedeutungsverschiebung des Wortes nicht kennt und in den Tiefen der aktuellen Debatte über die „Querdenken“-Bewegung nicht so drin ist, dann könnte man das zumindest öffentlich klarstellen.

    So aber bleibt der Eindruck bestehen, den Herrn Homann aufgezeigt hat: dass ein angesehener Wissenschaftler die verquasten Ansichten von Impfverweigerern, Corona-Leugnern, Verschwörungsgläubigen und Systemgegnern (das alles sind aktuelle Synonyme für „Querdenker“) aufwertet und salonfähig macht. Zum einen durch die Teilnahme an dieser Aktion und zum anderen durch die verbale Sympathiebekundung für „Querdenker“.

    Der Vergleich mit der „Bild“-Zeitung oder dem Katholizismus hinkt hier also ganz gewaltig.

    nämlich eine Auseinandersetzung auf der Inhaltsebene und die Untersuchung selbst abseitiger Meinungen mit wissenschaftlichen Methoden.

    Das tun wir doch, und wenn wir es nicht tun, dann haben es andere schon getan und wir verweisen in den sozialen Medien oder hier im Blog darauf.

    [Ein Blog ist übrigens laut Definition „ein meist auf einer Website geführtes und damit meist öffentlich einsehbares Tagebuch oder Journal, in dem mindestens eine Person, der Blogger, Aufzeichnungen führt, Sachverhalte protokolliert (postet) oder Gedanken niederschreibt.“ Ein Blog ist kein wissenschaftliches Fachjournal – vielleicht haben Sie auch einfach falsche Erwartungen an dieses Medium.]

    Jüngste Beispiele sind u.a. die Hintergründe der „Querdenker-Schule“, die „Pathologenkonferenz“ oder die Wahl-Nachlese im Bezug auf die „Querdenker“-Parteien dieBasis und MFG.

    Finden Sie nicht, dass es z.B. gerade eine Aufgabe der GWUP wäre, hier diese Wolke systematisch zu untersuchen und aufzuzeigen, was darin berechtigt ist und was weniger?

    Wenn ich es richtig verstehe (was mir zugegebenermaßen schwer fällt, da wir offenkundig diametrale Sichtweisen haben), entzündet sich Ihr ganzer Unmut daran, dass wir *hier* – gemeint ist wohl hier im Blog, in einem eher lockeren, tagesaktuellen, nachrichtlichen Online-Medium) keine tiefschürfende Analyse der Aussagen von Herrn Antes in diesem #allesaufdentisch-Video vornehmen?

    Diese Erwartung können Sie natürlich haben – aber dann muss ich diese Erwartung nun mal eben enttäuschen.

    Noch einmal: Die Kritik von Herrn Antes an den Corona-Maßnahmen ist doch lange und in aller Ausführlichkeit bekannt, ein Teil seiner Interviews dazu sind in dem Beitrag doch sogar verlinkt. Zu keinem Zeitpunkt haben wir diese Äußerungen inhaltlich kritisiert. Ich wiederhole mich: Seine Meinung (bzw. jene „Wolke aus alles ganz falsch, was politisch/wissenschaftlich gemacht wurde“) bleibt ihm ja unbenommen.

    Ich frage mich, für welchen Leser ein solcher Beitrag ein wirklicher Informationsgewinn darstellt.

    Für jene Leserinnen und Leser (und das sind nach den Klickzahlen zu urteilen sehr viele), die sich tagesaktuell z.B. über die Aktivitäten der „Querdenker“, über Verschwörungsmythen, über Impfgegner-Aktivitäten etc. informieren wollen.

    Und genau das leistet der Artikel: die neuen Aktivitäten des Herrn Bruch und seines Künstler-Ensembles darzustellen, die Teilnehmer kurz vorzustellen und die Problematik dieser Aktion zu analysieren – auch im Bezug auf Teilnehmer, denen möglicherweise nicht ganz klar war, wo sie da mitmachen.

    Dass das etwas anderes ist, als Sie erwarten – sorry, wie gesagt, dann kommen wir eben nicht zusammen. Und normalerweise sollte das gerade unter „Skeptikern“ auch ok sein.

  27. @Bernd Harder

    Sorry, aber ich sehe nicht, was diese Diskussion noch weiter bringen soll.

    Sehe ich auch so, beenden wir sie daher. Ich habe auch nichts Neues beizutragen. Auf jeden Fall danke für die Links.

  28. Ich hab den Eindruck, dass @MS die GWUP für ein nüchternes Wissenschaftsinstitut hält, die einfach wissenschaftliche Paper veröffentlicht oder darüber nüchtern berichten soll. Ihm oder ihr, scheint der lockere Stil von Bernd Harder gegen den Strich zu gehen. Ich finde die Kombi eigentlich ganz gut.

    Im Skeptiker oft sachlich und auch mal trocken, im Blog und auf Twitter etwas lockerer, halt Wissenschaftskommunikation. Die GWUP will doch aufklären, Zusammenhänge verdeutlichen, Wissenschaft und ihre Methoden anwenden und fördern.

    Zu Herrn Antes, dessen Beiträge ich bisher sehr schätzte, muss sich doch auf fragen, mit wem er sich zusammen auf die Bühne stellt. Hier kann man sicherlich geteilter Meinung sein, ob das fahrlässig oder mit Vorsatz war

  29. Danke, Bernd Harder, ich fühle mich gut informiert. Manchmal fehlen mir einige gesellschaftspolitische Themen, aber die gehören nicht in diesen Blog.

  30. @Tina72:
    Damit, dass Antes sich bei #allesaufdentisch interviewen ließ, habe ich persönlich gar kein Problem.

    Bloss wenn man an so einem Format „Laie (evtl. mit Hang zu Verschwörungstheorien) fragt Experten“ mitwirkt, dann sollte man sich als Experte halt nicht alles aus der Nase ziehen lassen und mit einsilbigen Antworten und Plattitüden glänzen.

    Da muss man sich nicht wundern, wenn man missverständlich rüber kommt.

  31. Gerd Antes hat auch gestern im SWR2-Forum mitdiskutiert:

    https://www.swr.de/swr2/leben-und-gesellschaft/3g-2g-impfpflicht-was-hilft-uns-im-corona-herbst-swr2-forum-2021-10-06-100.html

    (Soviel zur medialen Präsenz)

    Fachlich-sachliche Kritik ist in diesem Format meist inklusive, so auch im gestrigen kontroversen Gespräch.

    Christina Berndt und Wolfram Henn haben (ihm) laxe Vergleiche und undifferenzierte Oberflächlichkeiten nicht durchgehen lassen, sondern nachgehakt und widersprochen, war gut zu hören (ich oute mich aber auch als tendenziell voreingenommener Forum-Fan).

  32. Auch Andreas Gassen, KBV-Chef, ist Schwurbeleien nicht abgeneigt (Stichwort Positionspapier vom letzten Oktober). Und nun das:

    https://www.volksverpetzer.de/social-media/gassen-lauterbach-maischberger/

    Ob Gassen es bedauert, nicht bei #allesaufdentisch von „kundigen“ Schauspielern luschig befragt zu werden, um stattdessen von Karl Lauterbach einen auf den Deckel zu bekommen?

    *Ironie off*

  33. Nochmal zum Begriff:

    Der Begriff Querdenken sei jetzt auf Dauer fundamental umgewertet und in einen neuen Kontext gestellt, meint Pörksen: „Diese Entwertung, Umwertung und Neukontextualisierung ist passiert und wird noch lange nachwirken.“

    https://www.swr.de/swr2/leben-und-gesellschaft/querdenker-erklaert-von-bernhard-poerksen-100.html

    Wie der Begriff des Querdenkens missbraucht wird

    https://www.sueddeutsche.de/politik/querdenker-corona-proteste-1.5280950

  34. Wenn mein erster Post ganz oben betr Prof Antes missverständlich war: Ich bedaure den Weg, den er gerade geht, und bin enttäuscht.

    Eben gerade diskutiert er bei „Talk im Hangar-7“ auf Servus-TV mit. Er ist mit seinen Äußerungen quasi beim point of no return in einer Ecke angekommen, aus der er nicht mehr herauskommt. Ich wäre ihm gern in jeden zweiten Satz hineingegrätscht. Besonders haarsträubend seine Umdefinition von „false balance“.

    Und er macht gerade deutlich, dass seine Teilnahme bei #allesaufdentisch nicht auf Irrtum oder Ahnungslosigkeit beruhte.

  35. Liefers ist schockiert, nachdem er eine Intensivstation mit Covid-Erkrankten besucht und dort als Praktikant gearbeitet hat.

    https://www.spiegel.de/politik/deutschland/corona-jan-josef-liefers-schockiert-nach-besuch-auf-intensivstation-a-c72b35d3-3ffd-4775-80f2-18afa0184980

    Jetzt kommt das ABER:

    »Allerdings, da waren sich Pfleger wie Ärzte einig, wäre keiner hier gelandet mit einer Impfung.«

    Direkt zum Impfen aufrufen wollte Liefers nicht: »Ist das nun doch ein Impfaufruf? Tja, was soll ich sagen? Ich befürworte die Impfung Erwachsener, absolut klarer Fall. Aber ich gebe keine medizinischen Ratschläge, ich erzähle hier nur meine Geschichte. Die Entscheidung liegt bei jedem selbst.«

    Dazu fällt mir nur ein: „Du verkappter Leerdenker! Hast du noch immer nicht begriffen, was das Virus anrichten kann, dass du dir ein Hintertürchen in Bezug auf die Impfung offen lässt und von individueller Impfentscheidung faselst?“

  36. Und jetzt andersrum:

    Der große alte Jürgen Habermas spricht sich in den „Blättern“ für strenge Corona-Maßnahmen aus – und wird z.B. in der Welt heftig kritisiert (Bezahlschranke):

    https://www.welt.de/kultur/plus234125124/Die-Habermas-Diktatur-In-der-dunklen-Herzkammer-des-Corona-Staates.html

  37. @Martina:

    Angeblich zwei bis jetzt.

  38. Ich habe jetzt erst mitbekommen, dass Kristina Schröder bei der Aktion mitgemacht hat und sie nun (natürlich) von der falschen Seite Beifall dafür erhält.

    Sehr schade, dass sich Frau Schröder so hat instrumentalisieren lassen. Aber vielleicht muss man als Welt- (Springer)-Kolumnistin heute so handeln (Vorsicht Ironie).

  39. Nachdem Liefers einmal geschluckt hat, redet er jetzt von einem „verzerrten Bild der Realität“ und dass er nicht wisse, warum man Ungeimpfte „bis an den Rand der Erpressung unter Druck setze“ – weia, das tut weh!

    Ich finde keine Formulierung, die nicht eine schwere Beleidigung beinhaltet.

    https://www.hna.de/politik/karl-lauterbach-jan-josef-liefers-corona-impfung-intensivstation-nichts-dazugelernt-zr-91042980.html

  40. @vincent:

    Es geht noch schlimmer. Der Herr Liefers zeichnet neuerdings als „Dozent“ an einer Schwurbel-„Akademie“ mit Ganser, Kaiser, Guerot und anderen Bekannten.

  41. Ob Herr Liefers auch bei so etwas mindestens einmal schluckt, oder ist das auch ein „verzerrtes Bild der Realität“, was bei n=22.000.000 ja absolut vorstellbar ist, oder?

    https://www.epi-phare.fr/rapports-detudes-et-publications/impact-vaccination-covid-octobre-2021/

    (Impfung senkt Risiko schwerer Verläufe um 90 Prozent)

  42. @ Bernd Harder

    Und sogar unser neuer Bundespräsident Ruppert wirkt dort mit…

    Eine verheißungsvolle Email wollte ich mir nicht verkneifen, und zwar unter dem Betreff „Geld allein macht nicht unglücklich“:

    Sehr geehrte Professoren und Honoratioren,

    Zum guten Gelingen Ihrer so ausgezeichnet, ja, nachgerade umwerfend besetzten akademischen Einrichtung will ich Ihnen sofort unbedingt unglaublich viel Geld schenken.

    Vorzügliche Hochachtung

  43. @Peter Friedrich:

    Wundert mich, dass sie Ken Jebsen noch nicht angeheuert haben mit seiner geplanten Akademie für alternative Medien o.ä.

  44. @ Bernd Harder

    Richtig, die hohe Reputation des Medienwissenschaftlers Jebsen würde dafür sprechen. Sicherlich würde Bundeskanzler Füllmich das bestätigen.

  45. OK, das macht mir die Entscheidung leicht. Liefers ist endgültig unten durch. Ich werde mir keinen Film mit ihm mehr ansehen und jeden Auftritt im Fernsehen konsequent ignorieren.

  46. Hannah-Arendt-Akademie der Denker (Querdenker)
    Desiderius-Erasmus-Stiftung (AfD)

    Was kommt als Nächstes?
    Paul-Feyerabend-Symposium (DZVHAE)

  47. Wer zahlt für Schwurbelsemester 150€ und vergeudet Lehrjahre für einen wertlosen Teilnahmeschein?

    Wenn Querdenker namhafte Namen mißbrauchen, wer vertritt das Vermächtnis von Hannah Arendt? Ist dem juristisch nicht entgegenzutreten, was wird der Zentralrat dazu sagen, geht’s noch?

  48. @ Bernd Harder.

    Der WELT-Artikel fängt so an:

    „Darf der Staat im Namen des Infektionsschutzes die Grundrechte seiner Bürger außer Kraft setzen, womöglich auf Dauer? Diese Frage beschäftigt seit Beginn der Corona-Krise die bürgerliche Öffentlichkeit – oder zumindest das, was in Deutschland nach einer Serie langer und harter Lockdowns davon übrig ist.“

    Gottseidank ist der Rest hinter der Paywall, ich hätte mich sonst sicher übergeben müssen. „WELT“ und „BILD“ zeigen einmal mehr, was sie immer waren: demagogische Hetzblätter. Fast möchte man „Lügenpresse“ sagen, aber der Begriff ist ja anderweitig belegt.

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