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Aussteiger, Mitläufer, Lenker: Die „Querdenker“-Doku von ProSieben ist jetzt online

| 8 Kommentare

Die (interessante, aber auch deprimierende) ProSieben-Doku

Deutschland radikal – Wie Hass unsere Gesellschaft spaltet

ist jetzt – nach unkomplizierter Anmeldung – auf der Homepage des Senders verfügbar.

Mit dabei ist auch die ehemalige Klagemauer TV-Redakteurin und Skeptiker-Interviewpartnerin Claudia M.

Meine persönlichen Highlights der über zweistündigen Sendung:

Ich habe wirklich Schwierigkeiten mit Menschen, die denken, dass alles in bester Ordnung ist und dass die Regierung das Beste für uns will

von ProSieben-Reporter Thilo Mischke ganz pragmatisch gekontert wird:

Aber das denkt doch kaum einer. Das ist eine Annahme, die Du hast, dass alle, die nicht Dir glauben, denken, alles sei gut. Aber das stimmt ja auch nicht.

Allein Ursulas Gesichtsausdruck in dieser Szene lohnt den ganzen Beitrag. Es ist wohl tatsächlich so, wie Giulia Silberberger vom Goldenen Aluhut heute der HNA erklärt:

Die „Querdenker“ glauben, alle anderen seien zu doof und nicht in der Lage zu kämpfen. Darum müssen sie befreit werden.

  • Und zweitens die „Querdenker“, die (bei Minute 1:26:00) eine Demo unter dem Motto „Grundrechte sind nicht verhandelbar“ aufführen – aber keine Presse dulden wollen und Journalisten einzuschüchtern versuchen.

Neben dem ganzen Video (zirka 1:43:35) kann man auf der Seite einzelne Clips aufrufen:

Auch bei Youtube hat ProSieben einige Sequenzen eingestellt:

Rechte Gesinnung auch in der Querdenker-Szene? Thilo Mischke hakt nach:

Wenn die eigene Mutter zur Querdenkerin wird: eine Familie zerbricht:

Thilo in der Freiburger Querdenker-Szene: gegen Impfungen und Wissenschaft:

Thilo Mischke auf Querdenker-Demo. Die Meinungsmacher der Szene:

Thilo Mischke und Aussteigerin Nadja: geschockt über Rechtsextremismus:

OCG & Kla.TV: Ein Blick hinter die Fassade von Querdenker-Sekten:

Das ZDF hat heute diesen Zwei-Minuten-Film online gestellt:

Der Umgang von Familienmitgliedern, die an Verschwörungserzählungen glauben, ist nicht einfach. Eine Beratungsstelle hat Martin geholfen, Kontakt zu seiner Ex-Frau zu halten.

Zum Weiterlesen:

  • „Querdenken“-Demos in Kassel: Expertin klärt auf – Deshalb sind Verschwörungstheorien so beliebt, hna am 8. September 2021
  • Erste Beratungsstelle für Opfer und Betroffene von Verschwörungserzählungen, GWUP-Blog am 6. Juni 2021
  • Wie Mütter und Väter zwei unterschiedliche Pandemien erlebten, rbb am 8. September 2021
  • Skeptiker-Interview: Hinter der Klagemauer – welche Ziele verfolgt das „alternative Medienportal“? GWUP-Blog am 24. Juni 2019
  • „Klagemauer-TV“: Angst und Verunsicherung schüren, Vertrauen erschüttern, GWUP-Blog am 26. Juli 2019
  • „Querdenken“: Radikalisierung als letztes Aufwallen vor dem Auseinanderbrechen? GWUP-Blog am 6. August 2021
  • Kein neuer Reichstags-„Sturm“ – aber die skurrilen Ideen gehen den „Querdenkern“ nicht aus, GWUP-Blog am 28. August 2021
  • Eine Berliner Eckkneipe zeigt uns, wie man mit Querdenkenden umgehen muss, vice am 3. September 2021
  • Matthias Pöhlmann: Rechte Esoterik – Wenn sich alternatives Denken und Extremismus gefährlich vermischen. Herder 2021, 304 Seiten, 22 €
  • Die Inszenierung einer empörten Öffentlichkeit, CeMAS am 2. September 2021

8 Kommentare

  1. Auch interessant

    https://open.spotify.com/episode/0O7PGKBP8XKZ5JbWobPAJH

    Expertengespräch: „Querdenken“-Demos sind wie umgestoßenes Ragout Fin
    Thilo Mischke – Uncovered Podcast

  2. Zu manchen dieser verlinkten Videos auf YT sind die Kommentare mal wieder ziemlich schräg. Da fühlen sich manche wohl so richtig persönlich angesprochen.

  3. Heute bei Welt+:

    „Reichsbürger infiltrieren ‚Querdenker‘-Szene mit rechtsextremen Ideen“

    Die sogenannten Reichsbürger werden immer mehr – und nun hat die Bundesregierung einen Grund dafür ausgemacht: die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen. Dies zeigt eine Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion, die WELT vorliegt. Das Personenpotenzial der „Reichsbürger und Selbstverwalter“ wird für das Jahr 2020 erstmals mit 20.000 Personen beziffert, ein Anstieg von 1000 Personen seit 2019.

    Die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie „haben zu einer erhöhten Dynamik und Aktivität in Teilen der ‚Reichsbürger‘- und ‚Selbstverwalter‘-Szene geführt“, heißt es seitens der Bundesregierung. „Die Ideologie der meisten Szeneangehörigen begünstigt eine Anschlussfähigkeit an verschiedenste Verschwörungserzählungen.“ Motivierend für die sogenannten Reichsbürger sei es dabei gewesen, dass diese durch andere Kritiker der Corona-Maßnahmen nicht ausgegrenzt worden seien, sondern diese gemeinsam mit ihnen protestierten.

    Im Zuge der Proteste seien den Sicherheitsbehörden weitere Personen bekannt geworden, die dem Reichsbürger-Spektrum zuzuordnen sind; der Anstieg des Personenpotenzials sei „vor allem“ auf die Corona-Proteste zurückzuführen.

    „Die Reichsbürger erkennen anscheinend die Chance, die ,Querdenker‘-Szene mit ihren rechtsextremen Ideen von der Delegitimierung des Staates zu infiltrieren“, sagte Irene Mihalic, innenpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion. „Wenn wir nicht aufpassen, braut sich da etwas zusammen, was ein echtes Problem für die innere Sicherheit werden könnte.“

  4. Es wird deutlich, wie breit das Spektrum der Ansichten und vor allem der Motivationslagen für solcherlei Spurfehler sind. Der Hinweis auf „rechts“ und die Verbindung mit der Reichsbürgerszene deutet auf Obrigkeitsablehnung und Autoritätsmisstrauen als Kernmotivation hin.

    Problem dabei: auch diese Faktoren sind ja nichts „Originäres“, bedürfen auch wiederum der Ursachenanalyse. Aber es scheint ein wesentlicher verbindender Faktor zu sein.

    Ich hatte in der letzten Woche zwei Gespräche mit netten Menschen aus meinem erweiterten Bekanntenkreis, eines davon auf Bitten und Vermittlung enger Angehöriger desjenigen. Ich glaubte, mir bislang ein einigermaßen zutreffendes Bild von beiden gemacht zu haben. Ich scheine mich getäuscht zu haben: beide erklärten, dass sie seit jeher mit einem Grundmisstrauen gegen „die da oben“ (oder auch „die Mächtigen“) gelebt hätten, im Grunde seit der Schulzeit (!).

    Nun seien ihnen in der Pandemie „die Augen geöffnet worden“. Eine Art Erweckungserlebnis also. Immerhin waren beides sehr zivilisierte und durchaus tiefgehende Gespräche, bei dem vielleicht ein wenig Eindruck hinterlassen hat, dass das „Augen geöffnet bekommen“ ja keine Garantie für die Richtigkeit der latenten Sichtweise sei, sondern nur ein Trigger, der das Abbiegen intensiviert.

    Klar, anekdotische Evidenz. Aber das hat mir doch wieder zu dem Potenzial zu denken gegeben, das potenziell Gefahr läuft, Bestätigung bei Rattenfängern zu finden. Übrigens sagte mir einer der beiden „Du bist doch auch Skeptiker!“.

    Ich erklärte ihm, dass ich das vielleicht, er das aber keineswegs sei. Auch das verblüffte – erfreulicherweise.

    Zu dieser Konstellation schrieb ich in einem früheren Artikel schon einmal:

    „Eine auf Selbstbespiegelung der eigenen Kritikfähigkeit gerichtete pseudokritische Haltung, die die Vernunftgrenzen der eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse durchbricht, bringt zwangsläufig eher radikale und verfestigte Anschauungen hervor und gelangt leicht in die Nähe von Verschwörungstheorien. Die sozialen Medien eröffnen heutzutage Nährböden und Schutzräume, wo unter der Flagge des „mündigen Bürgers“ die Ergebnisse solch pseudokritischen Denkens Verbreitung finden und sich dabei gegen jeden Einwand „von außen“ immunisieren.“

    Das war 2018. Von Querdenkern noch keine Spur … Damals ging es um den Einfluss von Anthroposophen auf die impfkritische Szene und das Untergraben von Vertrauen in Institutionen und Autoritäten.

  5. Den Ausschnitten nach zu urteilen ist die Pro7-Doku nicht-wertend, frei von Häme, Spott und Überheblichkeit. Das gelingt bei weitem nicht allen, die sich mit der Querdenker-Szene beschäftigen.

  6. @Christian:

    Das gelingt bei weitem nicht allen, die sich mit der Querdenker-Szene beschäftigen.

    Das muss auch nicht allen und jedem „gelingen“. Eigentlich ist es doch ganz einfach:

    Wenn sich jemand selbst täuscht, ist das immer verzeihlich. Wenn jemand in unverfrorener Ignoranz eindeutig bekannter Fakten andere täuscht, dann ist irgendwann auch mal Schluss mit lustig.

    Ich glaube, es ist wichtig, eine rote Linie zu ziehen: Zwischen legitimem Irrtum und aggressiver Faktenverdreherei.

    Ich würde drei Diskussionsgebiete unterscheiden:

    1) Diskussionen innerhalb der Wissenschaft, über Fragen die ev. tatsächlich noch nicht ganz geklärt sind,
    2) Pseudowissenschaft: Klar falsch, aber hier ist freundliche Aufklärungsarbeit nötig
    3) Aggressive Fake-News-Propaganda

    1) Soll die Impfung für Kinder freigegeben werden? Legitime wissenschaftliche Diskussion.
    2) Macht die Impfung unfruchtbar? Nein. Längst widerlegt, muss man freundlich erklären.
    3) Will uns die Regierung mit der Impfung alle töten? Da habe ich keine Lust mehr auf Freundlichkeit.

    Ich glaube, es ist wichtig, zwischen 2 und 3 zu unterscheiden: Nicht alles, was falsch ist, ist inakzeptabel. Aber es gibt Grenzen.

    Die hängen auch ein bisschen vom Kontext ab: Mit einem pensionierten Virologen, der Unsinn erzählt, bin ich strenger als mit Tante Adelheid. Aussagen von Promis, die Millionen Leute beeinflussen, sind strenger zu bewerten als Aussagen am Stammtisch.

    https://twitter.com/florianaigner/status/1436262941368758281

  7. Die Zeit startet einen Dialogversuch:

    Neben Warnungen vor der „Corona-Diktatur“ war die Gefährlichkeit des Impfens immer eine Kernerzählung der Querdenkerbewegung. Mittlerweile aber gibt es in fast jeder Familie Menschen, die sich gegen das Coronavirus haben impfen lassen und diese Impfung – anders als von Impfgegnerinnen prognostiziert – gut überstanden haben.

    In Telegram-Gruppen wird mittlerweile darüber gesprochen, wer sich nun doch hat impfen lassen. Einzelne fragen sogar, ob eine Impfung für sie nicht doch eine Möglichkeit sein könnte – wenn man deren Folgen mit homöopathischen oder naturheilkundlichen Mitteln behandele.

    Unter Querdenkern sind also mittlerweile leichte Anzeichen des Zweifels zu erkennen.

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