Prof. Beda Stadler: Homöopathen ohne Beweise

Vor wenigen Tagen kritisierte Prof. Edzard Ernst die Homöopathie als “widerlegte Methode” im Schweizer “Tagesanzeiger”. Wir haben hier im Blog der GWUP auf den Artikel verwiesen – und konnten umgehend Reaktionen dokumentieren, wie sie von Homöopathie-Anhängern nicht selten gezeigt werden: totale Faktenresistenz, aus tiefem Glauben genährt.

Mitte Mai wird wohl die Mehrheit der Schweizer für die Verankerung der Komplementärmedizin in der Verfassung abstimmen. Trotzdem hat sich jetzt ein weiterer prominenter Kritiker zu Wort gemeldet: Der Molekularbiologe Beda Stadler, Professor am Institut für Immunologie der Universität Bern, unterstützt ebenfalls öffentlich die Gegner des pro-homöopathischen Verfassungsartikels. Der scharfsinnige wie auch scharfzüngige Skeptiker nimmt dabei kein Blatt vor den Mund.

Dem Nachrichten-Portal suedostschweiz.ch sagte er im Interview:

“Die Homöopathen hatten 200 Jahre lang ihre Chance. Hier an der Universität Bern verfügen sie über einen eigenen Lehrstuhl. Sie hätten eine einzige Arbeit publizieren können, die die Wirksamkeit ihrer Methoden beweist. Sie konnten es nicht – niemand kann das. Mit gleichem Recht wie die Homöopathen könnte auch Sektenführerin Uriella mit ihrem angeblich heilenden Badewasser einen Uni-Lehrstuhl beanspruchen. […]

Die Leute sind nicht dumm, aber ihnen fehlt oft das Fachwissen, um in der Medizin die Dinge richtig beurteilen zu können. Früher einmal glaubten 99,9 Prozent der Menschen, die Erde sei flach. Dass sie rund ist, weiss die Menschheit heute dank wissenschaftlicher Untersuchungen und entsprechender Information. […]”

Lesen Sie hier das ganze Interview: “Homöopathie ist so wirksam wie Uriellas Badewasser” mit Prof. Beda Stadler zur Komplementärmedizin in suedostschweiz.ch.

Nachtrag vom 05.05.2009: Prof. Beda Stadler hat einen neuen Blog bei der NZZ! Den Grund nennt der streitbare Professor in seinem ersten Artikel vom 14. April: Sein zentrales Thema ist der fundierte Protest gegen eine Volksinitiative, die Homöopathie & Co. wieder von der Schweizer Grundversicherung bezahlt sehen will. In einem Blog-Artikel verweist Prof. Beda Stadler auf die freundlichen Skeptiker von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V. (GWUP). Die GWUP ist die größte und älteste Skeptiker-Organisation im deutschsprachigen Raum; natürlich ist die GWUP auch in der Schweiz vertreten. Mehr über den Blog von Prof. Beda Stadler lesen Sie hier!

Links zum Thema:

19 Kommentare zu “Prof. Beda Stadler: Homöopathen ohne Beweise”


  1. 1 Albert Wilfert 18. April 2009 um 09:55

    “Die Homöopathen hatten 200 Jahre lang ihre Chance. Hier an der Universität Bern verfügen sie über einen eigenen Lehrstuhl. Sie hätten eine einzige Arbeit publizieren können, die die Wirksamkeit ihrer Methoden beweist. Sie konnten es nicht – niemand kann das.”

    Die Dame scheint irgendwie in einer Paralellwelt zu leben. In der homöopathischen Literatur sind Beweise zu hauf angeführt, durch Publikation von Heilungen von Krankheiten. Und zwar auch schwerer chronischer Krankheiten. Die nicht einfach so weggehen, was bei vielen akuten Krankheiten der Fall ist.

    Sie nehmen sich nicht die Mühe das zu lesen, weil es nicht in ihre Ideologie passt.

    Und die ach so freien Diskussionsforen streichen dann einfach Beiträge raus die nicht in ihren Kram passen. Schade.

  2. 2 Jörg Heléne 18. April 2009 um 10:38

    Auch wenn das nichts direkt mit dem Thema Homöopathie zu tun hat, aber ich glaube nicht, dass man mit solchen Aussagen: “Früher einmal glaubten 99,9 Prozent der Menschen, die Erde sei flach”, sonderlich überzeugen kann, wenn man gleichzeitig behauptet, die Leute seien bloß schlecht informiert was Homöopathie betrifft. Dass die Menschen früher alle glaubten oder fast alle glaubten, die Erde sei flach, ist längst als Unsinn widerlegt.

  3. 3 Stefan 18. April 2009 um 17:08

    @ Albert Wilfert:

    “Die Dame scheint irgendwie in einer Paralellwelt zu leben. […] Sie nehmen sich nicht die Mühe das zu lesen, weil es nicht in ihre Ideologie passt.”

    Prof. Beda Stadler ist keine Dame! Das wüssten Sie, wenn Sie sich ordentlich informieren würden. Tun Sie aber nicht. Bereits mehrfach sind Sie hier mit unqualifizierten Beiträgen aufgefallen. Der Gipfel war Ihr dümmlicher Vergleich von Homöopathie-Kritikern mit Nazi-Schergen in diesem Thread. Trotzdem haben Sie eine zweite Chance erhalten – und sie nicht genutzt, um an Ihrem Stil zu arbeiten. Aus diesem Grund erscheinen hier keine Beiträge mehr von Ihnen: Weil Ihr flüchtig dahingetippter Unsinn redundant ist. Nennen Sie es Zensur. Wir nennen es Qualitätskontrolle.

  4. 4 ChrisW 18. April 2009 um 21:05

    @Jörg Heléne

    Das stimmt schon zum Teil. Leider hat Prof. Stadler keine Angaben dazu gemacht, welches Zeitalter er mit “früher” gemeint hat. Eratosthenes hat ja ca. 240 BCE den Erdumfang berechnet und damit klargestellt, dass die Erde nicht flach sein kann. Aber was dachten die Menschen davor? So rein oberflächlich sieht es ja tatsächlich so aus, als sei die Erde flach.

  5. 5 Lukas 18. April 2009 um 21:22

    Ja,

    ich bin tatsächlich auch Faktenresistent. :) Natürlich nicht immer. Eigentlich selten. Nur bei diesem speziellen Thema. Muss ich schon zugeben. Ich komme mit homöophathischen Mittelchen halt gut zurecht, Mag sein das es Placebo ist.. solange es mir hilft ist mir auch dieser Effekt aber auch recht.

    (Bin auf deinen/euren Blog wegen deines/eures Kommentares auf meinen Blog gestoßen.) Sieht interessant aus. Werde mich mal durch lesen.

    Gruß Lukas

  6. 6 Jörg Heléne 19. April 2009 um 10:38

    @ChrisW

    da es vom eigentlichen Thema weggeht, versuche ich mich möglichst kurz zu fassen (was mir – Warnung! – grundsätzlich schwerfällt ;-) ): klar, wir wissen weder, was der Bauer im Mittelalter, der nichts schriftlich hinterlassen hat, von der Gestalt der Erde gedacht hat (auch wenn das Symbol des Reichsapfels ein starker Hinweis auf das allgemein übliche Weltbild ist) und genauso wenig was Steinzeitmenschen glaubten.

    Nur: es gibt keinerlei Hinweis darauf, dass die an eine flache Erde geglaubt haben. Zu behaupten, 99,9% der Menschen hätte geglaubt, die Erde sei flach, ist schlicht falsch bzw. der Professor ist schlecht informiert, was diesen Punkt betrifft. Wenn er das dann dazu verwendet, um zu behaupten, die Menschen glauben an Homöopathie, weil sie schlecht informiert sind, ist das ein ziemliches Eigentor.

    Es gab zwar ein paar mittelalterliche Autoren, die tatsächlich eine flache Erde postulierten, aber die waren verglichen mit jenen, die von der Kugelgestalt ausgingen, eine verschwindend kleine Minderheiten. Das wäre vergleichbar, als würden Historiker in 500 Jahren behaupten, wir hätten zu 99,9 Prozent geglaubt, die Erde sein hohl und in ihrem Innern würden Menschen leben, nur weil das ein paar Leute im Internet und Esoterikbüchern behaupten. Das Verhältnis ist hier wahrscheinlich sogar größer als Flache-Erde-Gläubigen des Mittelalters.

  7. 7 Ulrich Berger 19. April 2009 um 13:09

    @ Jörg: Die englische Wikipedia meint: “Various cultures have had conceptions of a flat Earth, including ancient Babylon, Egypt, pre-Classical Greece and pre-17th century China.” (Artikel: Flat Earth)

  8. 8 Rouven 19. April 2009 um 13:40

    Folgenden interessanten Artikel kann ich empfehlen:

    Ganzheitlich würgen. Von Werner Bartens: Für die vermeintlichen Besserversteher in unserer Gesellschaft sind “elende” Schulmediziner nicht mehr gut genug und erwarten von der Homöopathie Wunder.

  9. 9 Jörg Heléne 19. April 2009 um 16:49

    @Ulrich Berger: ich bezweifle stark, dass Prof. Stadler mit der Aussage “Früher einmal glaubten 99,9 Prozent der Menschen, die Erde sei flach” sich auf Babylon oder das Pharaonen-Ägypten bezogen hat. Letztendlich hätte sich dieser Zustand ja geändert “dank wissenschaftlicher Untersuchungen” – er dürfte hier wohl Wissenschaft im modernen Sinn meinen und nicht die vagen Philosophierereien der alten Griechen.

  10. 10 Stefan 20. April 2009 um 08:16

    @ Jörg Heléne et al.:

    Die Flache-Erde-Diskussion ist interessant, hier aber leider off topic. Ob Samuel Hahnemann im 18. Jahrhundert nun von einer Scheiben-, Kugel- oder Teekannen-Gestalt der Erde ausging, ist für die Homöopathie nicht relevant. Nicht um den Globus geht’s, sondern um Globuli – und um deren fehlende Wirksamkeit (jenseits des Placebo-Effekts).

  11. 11 wolfgang 22. April 2009 um 15:03

    Wieso glaubten an die Scheibenform der Erde?

    Das wird ja heute noch geglaubt

    http://www.theflatearthsociety.org/forum/

    fragt sich doch nur wieviele dieser Flacherde Typen auch an die Wirksamkeit der Homöopathie glauben.

    Es gibt ja verschiedene Gruppen mit Realitätsverlust: Homöopathen, Scheibenweltler, Impfgegner, AIDS-Leugner, Virenleugner, Homosexuellenheiler … Unklar ist doch nur wieviel Überschneidungen es hier gibt

  12. 12 Olive 25. April 2009 um 10:50

    “der Professor ist schlecht informiert, was diesen Punkt betrifft. Wenn er das dann dazu verwendet, um zu behaupten, die Menschen glauben an Homöopathie, weil sie schlecht informiert sind, ist das ein ziemliches Eigentor.”

    Ich weiss aus eigener Erfahrung, wenn man sich einmal richtig informiert über Homöopathie, wird man erkennen müssen, dass sie nicht funktionieren KANN.

    Spannend ist einfach immer wieder zu sehen, wie die Aussage: “200 Jahre altes Wissen” imponiert. Statt einmal zu überlegen, was Hahnemann mit seinem damaligen Wissen von Physiologie und Anatomie für eine Theorie zusammenbastelte. Man glaubt solches bedingungslos.

    Bei der verhassten Schulmedizin schaut man genau hin und kritisiert, was das Zeug hält, ohne die Zusammenhänge zu verstehen. Lieber wirft man einem, der immerhin etwas gelernt hat, Engstirnigkeit, Unwissen, nicht über den Tellerrand gucken vor. Jeder ein Fachmann in diesem Bereich und bereit, die Schulmedizin zu verurteilen und zu verteufeln.

  13. 13 Binoctim 11. August 2010 um 16:01

    Man muss doch unterscheiden zwischen homöopatischen Tiefpotenzen, Hoch-und sogar Höchstpotenzen, wobei die Wirkung der hochpotenzierten Substanzen eben (noch) nicht nachgewiesen werden kann.
    Aber daß Tiefpotenzen wirken ist ja wohl klar.
    Die Homöopathie verwendet nicht nur Substanzen wie Planzen u Mineralien usw, sondern auch z T Gifte, welche unbedingt potenziert (also entsprechend stark verdünnt) werden MÜSSEN, damit sie nicht schaden sondern Anstoß zur Heilung geben können.
    Ich war einst auch ein “ungläubiger Thomas” und habe die Homoopathie belächelt.
    Aber Leute, die keine oder zu wenig Ahnung von der Materie haben, sollten sich keine feste Meinung darüber erlauben.
    Schade, daß die Wissenschaft hauptsächlich eher die Nicht-Wirksamkeit als die Wirksamkeit beweisen will.
    So gesehen ist bis heute noch nicht bewiesen, das die Homöopathie nicht wirkt!

  14. 14 Bernd Harder 11. August 2010 um 17:24

    @Binoctim:
    <<Man muss doch unterscheiden zwischen homöopatischen Tiefpotenzen, Hoch-und sogar Höchstpotenzen <<

    Mit "Tiefpotenzen" meinen Sie, dass noch geringe Mengen an materiellem Wirkstoff in dem homöopathischen Mittel vorhanden sind?
    Das ist insofern richtig, als dass Homöopathika bis etwa D8 durchaus auch als Allergieauslöser in Frage kommen. "Tiefpotenzen" werden hauptsächlich in der Komplexmitteltherapie verwendet, was mit klassischer Homöopathie indes wenig zu tun hat.
    Außerdem ist etwas seltsam, dass nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Mai 2005 (AZ: C-444/03) auch bei homöopathischen Kombinationspräparaten die therapeutische Wirksamkeit "ausdrücklich nicht erforderlich" ist. Warum wohl?

    << wobei die Wirkung der hochpotenzierten Substanzen eben (noch) nicht nachgewiesen werden kann. <<

    Wo nichts ist, kann auch nichts nachgewiesen werden:

    https://blog.gwup.net/2010/08/08/homoopathie-brauchen-wir-mehr-forschung/

    <<<Die Homöopathie verwendet nicht nur Substanzen wie Planzen u Mineralien usw, sondern auch z T Gifte, welche unbedingt potenziert (also entsprechend stark verdünnt) werden MÜSSEN, damit sie nicht schaden sondern Anstoß zur Heilung geben können. <<<

    Die Mittel sind so stark verdünnt, dass sie gar nichts anstoßen können. Die Vorstellung, das Impfprinzip auf die Homöopathie übertragen zu können, ist ein gerne benutzter, scheinbarer Ausweg aus der Wirksamkeitsdebatte – funktioniert aber nicht, da schlichtweg falsch.

    <<Aber Leute, die keine oder zu wenig Ahnung von der Materie haben, sollten sich keine feste Meinung darüber erlauben.<<

    Definieren Sie bitte "Ahnung haben".
    Bis dahin muss ich Sie so verstehen, dass nur Gläubige und Homöopathie-Fans darüber urteilen dürfen. Das hat aber mit "Ahnung haben" sehr wenig zu tun, sondern mit Glauben und persönlichen Wunschvorstellungen. Die Kritiker kennen in aller Regel die Prinzipien, Grundlagen, Studien etc. zur Homöpathie weitaus besser als die Anwender.

    <<Schade, daß die Wissenschaft hauptsächlich eher die Nicht-Wirksamkeit als die Wirksamkeit beweisen will. <<

    Die Wissenschaft will a priori überhaupt nichts beweisen – sondern sie überprüft Behauptungen und schaut, welches Ergebnis dabei herauskommt. Bei der Homöopathie kam bislang absolut nix Positives heraus.

    <<So gesehen ist bis heute noch nicht bewiesen, das die Homöopathie nicht wirkt! <<

    Doch, ist es:

    https://blog.gwup.net/2010/08/08/homoopathie-brauchen-wir-mehr-forschung/

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