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„Konsequente Schritte“: Verlag trennt sich von Bhakdi und lässt „Corona Fehlalarm?“ auslaufen

| 8 Kommentare

Das hat der Goldegg Verlag auf Facebook und im Börsenblatt bekanntgegeben:

Die aktuellen Aussagen von Prof. Bhakdi können wir nicht nur nicht nachvollziehen, sie stehen außerhalb unseres Verständnisses. Wir sind tief betroffen und distanzieren uns sowohl als Verlag als auch als Menschen klar von rechtem Gedankengut und Antisemitismus.

  • Der Antisemitismus-Beauftragte der jüdischen Gemeinde zu Berlin, Sigmount Königsberg, hat Strafanzeige gegen Bhakdi wegen Volksverhetzung gestellt.

Königsberg sieht eine enge Verbindung zwischen der „Querdenker“-Bewegung und antisemitischen Aussagen in deren Umfeld. Die Organisatoren hinter den „Querdenken“-Protesten hätten nie dafür gesorgt, dass Reichsbürger und Rechtsextreme von den Demos verbannt wurden.

„Bereits bei sogenannten Hygiene-Demos im April 2020 wurden der gelbe Stern getragen und so der Holocaust bagatellisiert.“ Durch die Tolerierung habe man der Verbreitung von antisemitischen Ansichten und Unwahrheiten Tür und Tor geöffnet.

  • Auch der österreichische Privatsender Servus TV plant „keine neuen Auftritte mit Herrn Prof. Bhakdi“, berichtet der Standard.

Was ist geschehen?

In einem Interview mit dem „Querdenker“ und Fotografen Kai Stuht tätigt Bhakdi Aussagen, die nach Auffassung zum Beispiel des Jüdischen Forums „klar antisemitisch sind“:

Zentral ist der Aspekt der Täter-Opfer-Umkehr – ein weit verbreitetes Ideologem des Sekundären oder Post-Shoa-Antisemitismus. Hier wird jüdischen Überlebenden des Holocaust unterstellt, „von Opfern zu Tätern“ geworden zu sein […]

Bhakdis Aussagen kulminieren in dem jahrhundertealten Stereotyp, dass jüdische Menschen besonders intelligent seien, was „schlimm“ sei. Laut Bhakdi hätten sie im NS das „Erzböse“ „erlernt“ und in ihrem „eigenen Land“ übertroffen – wie gesagt: Täter-Opfer-Umkehr […]

Es ist empörend, aber kaum überraschend, dass Bhakdi, eine zentrale Figur des corona-verschwörungsideologischen Spektrums, derartige Aussagen tätigt. Schließlich muss der moderne Antisemitismus als eine Art prototypische Verschwörungsideologie betrachtet werden.

Wir sind gespannt darauf, was uns Radikalisierungsforscher dereinst über Bhakdi, Schiffmann, Hildmann und Co. werden sagen können.

Was wir heute schon wissen, ist, dass Verschwörungstheoretiker ein starkes Bedürfnis nach Einzigartigkeit haben. Davon berichtet ein ehemaliger Student von Bhakdi bei den Ruhrbaronen:

Ich habe ihn vor zwanzig Jahren als einen Selbstdarsteller empfunden, aber einen, der auch gute Gründe hat, von sich selbst begeistert zu sein […]

Jetzt wirkt er müde und trotzig. Fast so, als wüsste er selbst, dass die Anerkennung und Aufmerksamkeit, die er sich nun mit widerlichen Aussagen wie der jüngsten holt, nur eine schmutzige Substitutionstherapie sind, für den Stoff, der ihn früher angetrieben hat.

Zum Weiterlesen:

  • Bhakdi, die Juden und das „Erzböse“, tagesschau.de am 14. Juli 2021
  • Goldegg Verlag beendet Zusammenarbeit: Antisemitische Äußerungen von Sucharit Bhakdi, boersenblatt am 15. Juli 2021
  • Antisemitismus: Anzeige gegen „Querdenker“-Prof. Bhakdi, morgenpost am 15. Juli 2021
  • Was treibt Herr Bhakdi? ruhrbarone am 15. Juli 2021
  • Nach antisemitischen Äußerungen: Verlag beendet Zusammenarbeit mit Bhakdi, volksverpetzer am 16. Juli 2021
  • Antisemitismus-Eklat um Corona-Bestsellerautor, t-online am 14. Juli 2021
  • „Die Basis“ – eine rechtsoffene Schwurbelpartei mit Sucharit Bhakdi als Bundestagskandidat, GWUP-Blog am 7. Juni 2021
  • „Schwurbelprofessoren“ jetzt auch als Hoaxilla-Podcast – und im Deutschlandfunk, GWUP-Blog am 6. Juni 2021

8 Kommentare

  1. „Captain Future arbeitet für dieBasis. Am 20. Juli #b2007 will der mit Afd-Stefan Bauer den Widerstandskämpfer mimen & „Impftoten in Israel“ gedenken. Ausgerechnet am Holocaustdenkmal. #Antisemitismus ist der DieBasis ins Mark geschrieben. Bhakdi keine Ausnahme, sondern Regel.“

    https://twitter.com/FriedensWatch/status/1415974468745302016

  2. hm.

    Theoretisch kann ich durchaus nachvollziehen, warum das eine „gute“ Nachricht für wissenschafts- und evidenzorientierte Leutchen ist – immerhin erfolgt wie im „Science“-Business eine Korrektur und dies auch „systemkonform“.

    Allerdings empfinde ich so eine Nachricht außerhalb der (natur)wissenschaftlichen Bereiche als gar nicht so „gut“ – denn meiner Ansicht nach ist es die Pflicht *seriöser* (oder sich als „seriös“ gebender) Verlage, solche offensichtlich grundfalschen Publikationen gar nicht erst ins Programm zu nehmen.

    Die Filterfunktion der hochbezahlten Redaktion hat in solchen Fällen schlicht versagt.

    Wenn die paar zehntausend Exemplare abgesetzt sind (in D.), die solch ein Machwerk max. erreichen kann (was leider schon lange für eine Position auf den „Hitparaden“ ausreicht), dann braucht man als Verlag nicht mehr großspurig seine Redlichkeit rückerobern wollen, wenn man keine weiteren Auflagen rausgibt, die eh nur als Remittenden enden.

  3. Irgendwann platzen alle „Lügenballons“!

  4. Der Goldegg Verlag hat immer noch nicht gemerkt, daß er nur auf einem Auge sehend ist(immerhin +).

    Völlig übersehen hat man dort „vor“ der Veröffentlichung daß, durch die Verniedlichung von covid und die Panikmache vor der Impfung Erkrankungen und Tode auf das Konto dieses „Professors“ kommen, was durch den beherzten Wurf in den Papierkorb vermeidbar war. Dann hätte ich gesagt „meine Hochachtung“ , so nur- wurde höchste Zeit.-

  5. @ajki:

    Die Filterfunktion der hochbezahlten Redaktion hat in solchen Fällen schlicht versagt.

    Das ist kein Versagen. Auch Lübbe weiß ganz genau, wen man sich mit Clemens Arvay ins Haus geholt hat.

  6. Ich würde nicht vom Versagen einer Filter- bzw. Kontrollfunktion sprechen. Es ist meiner Ansicht nach eher das Bedürfnis, dass man doch beide Seiten einer Medaille betrachten müsse.

    Die falsche Ausgewogenheit hat hier zugeschlagen, wie sie es in den vergangenen 1,5 Jahren der Pandemie auch immer wieder in eigentlich seriösen Medien tat (wie z.B. die Lobeshymne einer Wissenschafttsredakteurin der FR auf Clemens Arvay Buch).

  7. Zu oben Harder/RPGNo1:

    Tatsächlich habe ich noch nicht mal nachgeschaut, in welchem Verlag das Machwerk erschienen ist. Das liegt leider daran, dass von den außerwissenschaftlichen Verlagen meiner persönlichen Meinung nach bestenfalls ein paar übriggeblieben sind, denen man in (populär)wissenschaftlichen Veröffentlichungen ein stringentes, rigides und auch wirksames Lektorat nachsagen kann – vielleicht grad mal soviel, dass man sie an den Fingern einer Hand abzählen kann.

    Der große Rest ist ähnlich allen anderen Medienplattformen rein verkaufsorientiert unterwegs und damit eben NICHT „seriös“. DAS unterstelle ich ohne genaueren Blick auf die Veröffentlichungshintergründe auch dem Verlag des hier angesprochenen Machwerks.

    Deshalb ist die Veröffentlichung einer unsinnigen Pressemeldung (wenn sich der Schinken eh nicht mehr verkaufen lässt) meiner Meinung nach auch nur ganz simples Marketing, genauso wie die Aufnahme des Machwerks in das Programm.

  8. „Die Basis-Kandidat Sucharit Bhakdi: Impfskepsis und Antisemitismus“:

    https://taz.de/Die-Basis-Kandidat-Sucharit-Bhakdi/!5781717/

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