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profil-Titel: „Alternativmedizin“ im Test von Bach-Blüten bis Yoga

| 7 Kommentare

Das österreichische Nachrichtenmagazin profil nimmt das neue Buch von Edzard Ernst zum Anlass für eine zehnseitige Titelgeschichte:

Früher beforschte Edzard Ernst die Fließeigenschaften des Blutes. Wenn er jemandem davon erzählte, erntete er bestenfalls höfliches Interesse. Kein Mensch jedoch empfand den Drang, eine Meinung zu dem Fachgebiet zu äußern. Ganz anders, als der Mediziner begann, alternativmedizinische Verfahren systematisch zu untersuchen.

Plötzlich fühlte sich fast jeder selbst zum Experten berufen, artikulierte vehement die eigene Ansicht und erklärte, warum die Wissenschafter falsch lägen,

heißt es in der Einleitung:

Leicht irritierend findet Ernst diese Reaktion, denn für alle Methoden und Präparate im Gesundheitswesen gelten dieselben Regeln, ob Blinddarmoperation oder Akupunktur, Blutdrucksenker oder Globuli: Wirkung und Nutzen müssen nach dem genormten Prozedere der sogenannten evidenzbasierten Medizin studiert werden, um Patienten eine klare Empfehlung geben zu können.

Es gibt für diesen Zweck ebenso einen Werkzeugkasten bewährter Instrumente wie für eine komplizierte Operation, und da wie dort braucht es Expertise, um damit hantieren zu können – wodurch Medizin objektiv überprüfbar wird und die Notwendigkeit entfällt, sich auf eine Meinung zu verlassen, gleich welcher Seite.

Von etwa 400 bekannten „Alternativ“-Verfahren bewertet Ernst in seinem Buch die 20 besten sowie die 20 bedenklichsten Methoden. Davon stellt profil insgesamt 20 vor, „deren positive Effekte entweder durch solide Forschung belegt sind oder bei denen der Nachweis solcher Effekte gescheitert ist – plus zwei weitere, zu denen die Datenlage widersprüchlich ist“.

„Bestanden“ – allerdings in einem sehr wohlwollenden und eingeschränkten Sinn – haben demnach Alexandertechnik („positive Langzeiteffekte bei chronischen Rückenschmerzen“), Entspannungsmethoden wie Autogenes Training und progressive Muskelentspannung, Lymphdrainage („in Studien gut belegt sind entstauende Wirkungen bei Ödemen“), Phytotherapie, Ölziehen („lokal im Mund hat das Ritual tatsächlich hygienischen Sinn“), Triggerpunkt-Therapie („ermutigende Hinweise auf eine Wirkung in manchen Bereichen“), Pilates („eine plausible Methode, der günstige Effekte attestiert werden“), Fischöl und Glucosamin („gilt als gesund, gesichert sind nur wenige Effekte“), Feldenkrais („solide Evidenz, dass Feldenkrais das Gleichgewichtsgefühl verbessern kann“) und Yoga („gute Belege für einige Vorteile“).

„Durchgefallen“ sind Kinesiologie und Iridologie, Bach-Blüten, Anthroposophische Medizin, Cease-Therapie, Edta-Chelat-Therapie, Entschlackung, MMS, Kollodiales Silber, Chiropraktik, Orthomolekulare Medizin/Zellularmedizin und Homöopathie.

Als „Unentschieden“ gehen bei Ernst Akupunktur und Osteopathie durch – allerdings nur, weil „die Datenlage zu uneinheitlich oder zu widersprüchlich ist, um ein klares Urteil fällen zu können“.

Im profil-Talk zur Titelstory sprechen Chefredakteur Christian Rainer und Wissenschaftsredakteur Alwin Schönberger darüber, „was hilft und was nicht“ (als Podcast und Youtube-Video).

Zum Weiterlesen:

  • Methodenkritik: Wie nützlich sind alternativmedizinische Heilverfahren? profil Nr. 15/2021
  • profil-Talk: Was hilft und was nicht? Alternativmedizin im Check
  • Edzard Ernst: Alternativmedizin – was hilft, was schadet. GU Verlag 2021, 224 Seiten, 14,99 €
  • Neues Buch von Edzard Ernst: „Heilung oder Humbug? 150 alternativmedizinische Verfahren von Akupunktur bis Yoga“, GWUP-Blog am 2. Januar 2021
  • Edzard Ernst: Der Irrwitz der anthroposophischen Medizin, publikum.net am 15. März 2021
  • Edzard Ernst: Integrative Medizin ist Unsinn, publikum.net am 10. April 2021
  • Gelesen: Ernst, Edzard: Alternativmedizin – Was hilft, was schadet, Onkel Michael am 8. April 2021
  • „Profil“-Titel zu „Alternativmedizin“, GWUP-News am 11. April 2021

7 Kommentare

  1. gut Arbeit Leute und toll recherchiert
    unbedingt sinnvoll, gute Aufklärungsarbeit

    „es gibt nur eine Medizin, die, die (nachweislich) wirkt“

    wie schaut’s mit thai chi / qi qong aus als alternative zu Yoga

  2. stimme voll und ganz zu, es geht nicht um Meinung diesbezüglich – wenngleich Meinungsfreiheit natürlich gegeben ist – es geht darum was wissensbasiert wirkt ..

  3. @Volker Grötzinger:

    wie schaut’s mit thai chi / qi qong aus?

    In dem Profil-Artikel ist das nicht drin, aber vielleicht hat jemand das Buch zur Hand und kann mal nachschauen?

  4. Tai-Chi wird von Edzard Ernst als überwiegend positiv vermerkt. Auf S. 188/189 schreibt er:

    „Die Wirksamkeit von Tai-Chi ist in zahlreichen Studien getestet worden. Es stehen daher auch mehrere systematische Übersichtsarbeiten zur Verfügung, die zum Beispiel zu folgenden Ergebnissen kommen:

    – Tai-Chi ist eine effektive Therapie des Bluthochdrucks.

    – Tai-Chi verbessert die Lebensqualität von [sowie diverse objektive Messgrößen] von Patienten nach Herzinfarkt.

    – Tai-Chi hat positive Effekte bei Patienten mit Herzinsuffizienz.

    – Tai Chi verbessert die Lungenfunktion bei chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen.

    – Die Effekte von Tai-Chi bei Depressionen und Angstzuständen sind mit denen einer Standardtherapie vergleichbar.

    – Tai Chi verbessert die Lebensqualität von Krebspatienten.

    Insgesamt bekammt man allerdings gelegentlich den Eindruck, als würde Tai-Chi unkritisch als ein Allheilmittel angepriesen.

    Es muss daher betont werden, dass die allermeisten Studien zu Tai-Chi methodisch schach sind und die Evidenz somit weniger überzeugend ist, als uns viele Anbieter glauben machen wollen.“

  5. Leider hinter Bezahlschranke:

    „Yoga hilft Millionen von Deutschen durch die Pandemie. Aber seit Corona teilen einflussreiche Lehrer Verschwörungsmythen oder fantasieren vom Umsturz. Reise in eine achtsame Welt mit einem braunen Problem.“

    https://projekte.sueddeutsche.de/artikel/gesellschaft/corona-und-die-yoga-szene-schwierige-haltung-e847336/?reduced=true

  6. „Traditionelle chinesische Medizin: Heilmittel mit beschränkter Wirkung“:

    https://www.derstandard.at/story/2000125913451/tcmheilmittel-mit-beschraenkter-wirkung

  7. @Martina:

    „Yoga hilft Millionen von Deutschen durch die Pandemie. Aber seit Corona teilen einflussreiche Lehrer Verschwörungsmythen oder fantasieren vom Umsturz.“

    Einer von diesen Typen wurde am Donnerstag im Südkurier (Bodenseekreis) kritisch beleuchtet:

    Zu Corona hat David Scherwey eine ebenso klare wie bedenkliche Meinung angesichts nahezu einer Million an oder mit Covid-19 Verstorbener allein in Europa. Er bezeichnet Corona als „Krankheit wie viele andere“.

    Die Maßnahmen zieht Scherwey in Zweifel, sagt, sie „dienen der Schwächung jedes Einzelnen“. Als Ursache macht er ein Phänomen unter „den Verantwortlichen rund um die Politik“ aus, das er als „Gier nach unserer seelischen Kraft“ bezeichnet […]

    „Das „Einschränken und Zerstören seelischer Werte anderer, um für sich Kraft zu erhalten, sehe ich als die eigentliche Corona-Krankheit“. Auf lange Sicht bringe sie „für Bürger eines jeden Staates mehr Zerstörung als der Holocaust“.

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