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„Z340“: Die Botschaft des Zodiac-Killers entschlüsselt

| 1 Kommentar

Am Wochenende machte die Entschlüsselung einer Botschaft des berüchtigten „Zodiac-Killers“ von 1969 Schlagzeilen. Es handelt sich um ein Schreiben an die Zeitung San Francisco Chronicle, das allerdings wenig Aufschlussreiches offenbart und auch keinen Hinweis auf die bis heute ungeklärte Identität des Serienmörders enthält.

GWUP-Mitglied Klaus Schmeh, der sich vielen Jahren mit versteckten Botschaften und Para-Codes beschäftigt, hat natürlich in seinem Blog Klausis Krypto Kolumne über „die Krypto-Sensation des Jahrzehnts“ berichtet.

Hier eine Kurzfassung:

  • Wer war der Zodiac-Killer?

Der Zodiac-Killer tötete 1968 und 1969 mindestens fünf Menschen im Raum San Francisco. Zwei weitere Opfer wurden schwer verletzt. Trotz intensiver Fahndung konnte die Polizei den Täter nie ermitteln.

  • Was ist Z340?

Der Fall des Zodiac-Killers sorgte für besonderes Interesse, weil der Täter zahreiche anonyme Briefe an die regionale Presse schickte, in denen er sich mit seinen Taten brüstete und die Polizei verhöhnte. Vier seiner Briefe enthielten verschlüsselte Botschaften.

Die erste verschlüsselte Zodiac-Botschaft (408 Buchstaben) wurde innerhalb von Tagen von einem Lehrerehepaar gelöst. Die dritte und die vierte verschlüsselte Nachricht (13 bzw. 33 Buchstaben) sind recht kurz und dürften daher kaum lösbar sein. So ruhte die Hoffnung über Jahrzehnte hinweg auf der dritten verschlüsselten Botschaft des Killers, die nach der Zahl der enthaltenen Buchstaben als Z340 bezeichnet wird.

  • Wie wurde Z340 gelöst?

Am 11. Dezember 2020 verbreitete sich die sensationelle Nachricht: Z340, die zweite Nachricht des Zodiac-Killers, ist geknackt. Ein Team von drei Computerexperten konnte diesen Erfolg vermelden. Das folgende Video der drei Codeknacker erklärt, wie die Verschlüsselung funktioniert:

Das FBI prüfte die Lösung und bestätigte, dass diese Sinn ergab. Es zeigte sich, dass der Zodiac-Killer zwei Verschlüsselungsmethoden gleichzeitig angewendet hatte:

Zum einen ersetzte er jeden Buchstaben des Klartexts durch ein Symbol. Für die häufigen Buchstaben, insbesondere das E, verwendete er nicht immer das gleiche Symbol, sondern wählte eines von mehreren aus. Dies bezeichnet man als homophone Verschlüsselung. Der Vorteil für den Nutzer ist, dass ein Codeknacker nicht ohne Weiteres aus den Symbolhäufigkeiten auf deren Bedeutung schließen kann. Schon die erste Zodiac-Nachricht war auf diese Weise verschlüsselt.

Die zweite Methode, die der Zodiac-Killer anwendete, ist das Umordnen der Buchstaben im Text (Transpositionsverfahren). Er teilte die Nachricht in drei Teile auf und ordnete jeden Teil so um, dass die korrekte Reihenfolge im Rösselsprung-Verfahren (zwei vor, eins quer) ausgelesen werden konnte. Durch die Kombination eines homophonen Verschlüsselungsverfahrens mit einem Transpositionsverfahren war die resultierende Nachricht extrem schwer zu lösen.

  • Wie lautet der Klartext?

Die drei erfolgreichen Codeknacker ermittelten folgenden Klartext:

I HOPE YOU ARE HAVING LOTS OF FUN IN TRYING TO CATCH ME  THAT WASN’T ME ON THE TV SHOW  WHICH BRINGS UP A POINT ABOUT ME  I AM NOT AFRAID OF THE GAS CHAMBER BECAUSE IT WILL SEND ME TO PARADICE ALL THE SOONER BECAUSE I NOW HAVE ENOUGH SLAVES TO WORK FOR ME WHERE EVERYONE ELSE HAS NOTHING WHEN THEY REACH PARADICE SO THEY ARE AFRAID OF DEATH  I AM NOT AFRAID BECAUSE I KNOW THAT MY NEW LIFE WILL BE AN EASY ONE IN PARADICE DEATH.

Leider enthalten diese Zeilen keine Angaben, die unmittelbar auf die Identität des Zodiac-Killers schließen lassen.

  • Wer hat Z340 gelöst?

Für den Erfolg zeichnen drei Computerexperten verantwortlich, die zusammengearbeitet haben.

David Oranchak: Der Software-Entwickler aus Roanoke im US-Bundesstaat Virginia gilt als weltweit führender Experte für die Verschlüsselungen des Zodiac-Killers. Der Autor dieses Beitrags hat ihn 2014 interviewt.

Jarl Van Eycke: Der belgische Software-Entwickler hat sich in den letzten Namen mit einigen spektakulären Dechiffrier-Erfolgen einen Namen gemacht. Unter anderem knackte er zwei schwierige Challenges, die der Autor dieses Beitrags auch in seinem Blog veröffentlichte.

Sam Blake: Der australische Mathematiker war bisher nicht in der Szene der Code- und Verschlüsselungsexperten aktiv.

  • Gibt es weitere spektakuläre verschlüsselte Botschaften?

Es existieren mehr als 100 verschlüsselte Nachrichten aus den vergangenen 500 Jahren, die bislang nicht gelöst werden konnten. Am bekanntesten ist das Voynich-Manuskript, ein verschlüsseltes Buch aus dem späten Mittelalter.

Es sind außerdem mindestens acht ungelöste verschlüsselte Botschaften bekannt, die mit einem ungelösten Kriminalfall in Verbindung stehen.

Auch der Fall des Zodiac-Killers birgt noch Rätsel: Zum einen sind zwei seiner Botschaften noch ungelöst (sie sind sehr kurz und dadurch möglicherweise unlösbar); zum anderen gab es mehrere Trittbrettfahrer, die ähnliche verschlüsselte Nachrichten versendeten.

Vor wenigen Tagen hat Schmeh das Buch „Codebreaking: A Practical Guide“ veröffentlicht (mit Elonka Dunin).

Zum Weiterlesen:

  • Leser dieses Blogs lösen Verschlüsselung des Zodiac-Killers nach 51 Jahren, Klausis Krypto Kolumne am 13. Dezember 2020
  • Der Mörder, der in Rätseln spricht, Süddeutsche am 14. Dezember 2020
  • „Skeptics Track“-Videos: Scary Clowns, Ayurveda und Para-Codes, GWUP-Blog am 6. September 2020
  • Verraten Tote Geheimwörter? Video-Vortrag mit Klaus Schmeh bei der Dragon Con 2020, GWUP-Blog am 3. September 2020
  • Hoaxilla #81: „Zodiac-Killer“ vom 18. März 2012

Ein Kommentar

  1. Unglaublich, da will man sich zur Abwechslung interessante Krypto News ,fern von der aktuellen Lockdowndiskussion zu Gemüte ziehen,schon taucht in den Kommentaren von Klausis Krypto Kolumne ein Schwurbler auf.

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