gwup | die skeptiker

… denken kritisch seit 1987.

Bioscan-Test im Allergo Journal: „Der Leiche wurde beste Gesundheit attestiert“

| 9 Kommentare

Nach – wenn wir richtig gezählt haben – einem halben Dutzend TV-Beiträgen zum Thema „Bioscan“ ist jetzt auch ein Fachaufsatz im Allergo Journal erschienen.

An dem Test zweier moderner Bioresonanzgeräte (Bioscan-SWA und Vieva Vital-Analyser) nahmen teil: neun freiwillige Probanden (vier Frauen, fünf Männer), zwei männliche Patienten, eine Leiche, jeweils frischer Leberkäse (Fleischbrät) und ein feuchtes Tuch.

Unter gleichen oder fingierten Angaben von Namen, Geburtsdatum, Geschlecht, Körpergröße und Gewicht der Probanden beziehungsweise Patienten wurden wiederholt Einzelmessungen und Vergleichsuntersuchungen von Proband/Patient, Leberkäse und feuchtem Tuch durchgeführt (nach den Angaben der Hersteller).

Das Fazit:

Bestehende Diagnosen schwer erkrankter Patienten wurden nicht erkannt, der Leiche beste Gesundheit neben einer Fülle potenzieller Gesundheitsrisiken attestiert, ebenso wie allen Probanden.

Messungen an frischem Leberkäse sowie an einem feuchten Tuch unter verschiedenen Angaben zu Alter, Geschlecht, Körpergröße, Gewicht und Namen führten zu unterschiedlichsten Befunden mit relativen Standardabweichungen bis über 200 Prozent.

Andererseits waren Ergebnisse, die unter gleichen Probanden- beziehungsweise Patientendaten am feuchten Tuch und dem Fleischbrät gewonnen wurden, nahezu identisch mit denen, die von den Probanden beziehungsweise Patienten erzielt wurden.

Zum Weiterlesen:

  • Einfache Testverfahren zur Überprüfung der Aussagekraft von Bioresonanz-basierten medizinischen Befunden – der Leberkäse-Test, Allergo Journal June 2019, Volume 28, Issue 4, pp 22–30
  • „Bioscan“-Analysen: Kammer in Österreich warnt Apotheken vor Imageschaden, GWUP-Blog am 21. Juli 2019
  • „Bioscanner“ diesmal im Marktcheck beim SWR, GWUP-Blog am 11. Juli 2019
  • Video: Noch einmal „Bioscan“, GWUP-Blog am 20. Juni 2019
  • Wieder einmal Bioscan und Co., Gesundheits-Check am 19. Juni 2019
  • Video: Daniel Pugge über Bioscan-Geräte beim NDR-Magazin „Markt“, GWUP-Blog am 18. April 2019
  • Noch immer keine Beweise für die „Bioscan“-Diagnostik, GWUP-Blog am 26. Februar 2019
  • Bioscan-Geräte: Keine Messung nachweisbar, zeigt Daniel Pugge bei „Kontrovers“, GWUP-Blog am 25. Oktober 2018
  • „Report“-Video: Wenn Leberkäse und Reporter dieselbe Bioresonanz haben, GWUP-Blog am 16. Januar 2018

9 Kommentare

  1. Der Leberkäse-Test bei Bioresonanzgeräten entwickelt sich immer mehr zum Running Gag. Gibt es denn auch entsprechende Internet-Meme? :)

  2. Man sollte mal eine Frikadelle nehmen.

  3. @ Joseph Kuhn: Unbedingt! Als Ostdeutscher bin ich eher Freund der Boulette, als des Leberkäses. Schade übrigens, daß das Paper nicht open access ist.

    @ RPGNo1: „Wir empfehlen als einfache Tests für die Validität von Bioresonanzergebnissen den Leberkäse- oder verwandte Tests.“ – Geilomat!!

  4. Immer der ewig gleiche (Leber-)Käse!
    Wer denkt an uns hier in Norddeutschland?
    Eine Testreihe darf nur valide Ergebnisse liefern, wenn mindestens je ein Matjes, Rollmops und Bismarckhering beteiligt sind. Meinetwegen auch noch ein bisschen Gravlax…

    Und trotzdem scheinen diese Bioscans immer noch lukrativ für Apotheken zu sein: als ich neulich hier in Hamburg an einer Ampel hielt, sah ich eine Apotheken-Schaufenstereko zum Thema. Leider hatte ich keine Zeit, sonst hätte ich mich doch zu gern einmal unverbindlich informiert.

  5. @borstel

    Es würde mich nicht wundern, wenn die beiden Autoren den Artikel mit breitem Grinsen und unter ständigem Kichern zu Papier gebracht haben.

    @Nanea

    Ich schlage Bregenwurst vor (ob mit oder ohne Grünkohl muss noch analysiert werden). Ersatzweise geht auch Labskaus.

  6. @borstel
    Hoffen wir, das den beiden Autoren das Lachen nicht vergeht, wenn sie, wie der arme Daniel Pugge, vielleicht auch eine mit allen juristischen Tricks zusammengeschusterte Klage am Hals haben: https://www.youtube.com/watch?v=dHjsJ1d1HMs

  7. Ihr seid Ignoranten. Die Bioscantechnologie ist hochmodern, auf Augenhöhe mit der funktionellen Magnetresonanztomografie: https://www.tagesspiegel.de/wissen/botschaft-aus-dem-jenseits-der-tote-lachs-im-hirnscanner/11311860.html

    Es gibt eben mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als sich ein Metzger vorstellen kann. Der Nachweis, dass Leberkäse fühlt und leidet, vielleicht sogar denkt, macht es notwendig, neu über die Ethik unseres Umgangs mit Leberkäse nachzudenken: Quäle nie nen Leberkäs zum Scherz, denn er fühlt wie Du den Schmerz!

  8. @Joseph Kuhn

    Ich unterhalte keine freundschaftlichen Beziehungen mehr zum Leberkäse. Bin total von seinem Verhalten enttäuscht. Er schmeckt mir einfach nicht mehr so wie früher. Sehe ich aber nicht gleich als Grund den Leberkäse mit einem Bioscan Gerät sadistisch zu quälen ;)

    Aber mal so allgemein. Mir fehlen echt oft die Worte. In der Geschichte um diese Geräte offenbart sich die menschliche Natur so dermaßen perfide offen, dass man sich wünscht jemand würde sofort einem ein weißes Lacken über den Kopf ziehen. Bei so viel traumatisierendem Fremdscham wünscht man sich so etwas eben. Ist nicht als eine Art Sexualpraktika zu verstehen *gg

    Da kann man sich nur wünschen man wird von seinen Mitmenschen nicht annähernd so gesehen wie ich die Protagonisten dieser Szene sehe und wahrnehme. Die Bioscan Geräte sind eine boden- und deckellose Dreistigkeit andere Menschen so über den Tisch zu ziehen.

  9. @ nota.bene: Ich bin kein Jurist, aber bei Herrn Pugge (das Video hatte ich schon gesehen) geht es um das Wettbewerbsrecht, das diese Scharlatane als Hebel angesetzt haben.

    Eher könnte ich mir bei den Autoren des Papers das „Modell Hevert“ vorstellen, damit würde der Hersteller aber wahrscheinlich vor Gericht krachend scheitern.

    Außerdem hoffe ich, daß beide Autoren genügend Geld haben, den Strauß im Zweifelsfall bis zur letzten Instanz auszufechten, wenn es nötig würde. Aber dafür würde ich sofort finanzielle Unterstützung geben.

    Sollen sich „Herr Rilling“ und Konsorten mit ihren Sonden doch gewisse Körperöffnungen penetrieren! Dürfte das einzige sein, wofür die Teile gut sind.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.