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Iris Hundertmark am Freitag im SWR-Nachtcafé

| 10 Kommentare

Am Freitag (26. Juli) ist die Apothekerin Iris Hundertmark in der SWR-Talksendung Nachtcafé zu Gast.

Es geht um „Die heilende Kraft der Natur“.

Ob dabei auch solche aktuellen Fälle zur Sprache kommen?

Im aktuellen Skeptiker (2/2019) ist übrigens ein Interview mit Hundertmark erschienen, die in ihrer Weilheimer Apotheke keine Homöopathika mehr vorhält. Ein Auszug:

Skeptiker: Wie haben die Kunden reagiert?

Hundertmark: Nach der ersten allgemeinen Schockstarre, die auf meine öffentliche Kritik an der Homöopathie folgte, gab es tatsächlich auch sehr viele Kunden, die sich bei mir und meinem Team für mein Statement bedankt haben. Sie schätzen unser Wissen, unsere Neutralität und fühlen sich gut und ehrlich beraten. Ich werde als „mutige Apothekerin“ gesehen. Eigentlich ist es ein Armutszeugnis, dass man heute in einem Land der Aufklärung Mut braucht, um Aufklärung zu leben und wertzuschätzen.

Was spricht dagegen, bei harmlosen Krankheiten Homöopathika zu verkaufen, wenn sie keine Nebenwirkungen haben und die Kunden es verlangen?

Nichts spricht dagegen – vorausgesetzt mein Kunde ist darüber informiert, welche Wirkstoffe Globuli enthalten. Nämlich keine. Wenn in der Apotheke der Wunsch nach einem bestimmten homöopathischen Präparat geäußert wird, ist es die Aufgabe des Apothekers, im Beratungsgespräch zu erwähnen, dass es sich hierbei um ein nicht evidentes Mittel ohne messbaren Wirkstoff handelt.

Sie wären überrascht, wie viele Menschen homöopathische Mittel mit pflanzlichen Arzneimitteln verwechseln und aus allen Wolken fallen, wenn sie hören, dass ihre Kügelchen nichts anderes als Zucker enthalten.

Wie oft höre ich den Satz „Da steht Arnica C30 drauf, dann wird Arnica auch drin sein.“ Oft ergeben sich dann, falls man ein interessiertes und offenes Gegenüber vor sich hat, sehr gute Gespräche. Entweder ich konnte überzeugen und schlage ein nicht homöopathisches Alternativpräparat vor, von dem ich sicher weiß, dass es wirkt. Oder mein Kunde verlangt nach wie vor seine Globuli. Er alleine trifft am Ende meiner Beratung die letzte Entscheidung.

Ich habe nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft informiert. Das tue ich neutral, ehrlich und evident.

Kann es sich ein Apotheker überhaupt leisten, von alternativen Heilmitteln wie Homöopahika abzuraten? Schließlich hat man doch finanzielle Einbußen?

Finanzielle Einbußen sind, warenwirtschaftlich gesehen, natürlich im Sortiment der Homöopathie zu verzeichnen. Das ist klar. Homöopathen werden meine Apotheke in Zukunft sicher nicht als ihre homöopathische Stammapotheke in Betracht ziehen.

Sich auf diesen einen Aspekt zu beschränken, ist aber eindimensional gedacht. Ich bin als Arzneimittelfachfrau in der Lage, aus einem nahezu unendlich großen Pott verfügbarer Arzneimittel Alternativen anzubieten – sowohl pflanzliche als auch chemische. Ich schicke niemanden weg mit den Worten „Homöopathie führen wir nicht. Gehen Sie bitte in eine andere Apotheke.“

Meine Kunden verlassen meine Apotheke stets wissenschaftlich informiert, bestens beraten und mit dem für sie richtigen Arzneimittel in der Tasche. Sie kommen wieder, weil sie mir vertrauen.

Das Heft kann hier als Einzelausgabe oder hier als epaper bestellt werden.

Zum Weiterlesen:

  • Iris, der Homöopathen-Schreck, Onkel Michael am 29. August 2018
  • Solidarität mit Iris Hundertmark, Onkel Michael am 8. Januar 2019
  • Unfassbar: Wie homöopathische Ärzte auf die homöopathiefreie Apotheke in Weilheim reagieren, GWUP-Blog am 26. August 2018
  • „Rumgebrüllt wie ein Wahnsinniger“: Apotheke ohne Homöopathie bleibt ein Aufreger, GWUP-Blog am 30. August 2018
  • Pflanzliche Arzneimittel: Das Märchen von der sanften Natur, Spiegel-Online am 24. Juli 2019
  • Staatsanwalt ermittelt zu Iberogast: Regierungspolitiker wollen sich nicht äußern, medwatch am 24. Juli 2019

10 Kommentare

  1. Als anti-esoterischer Aufklärungssender ist der SWR noch nie aufgefallen. Und die Gästeliste lässt Übles vermuten: lediglich Iris Hundertmark vertritt eine skeptische Position, alle anderen sind überzeugte Naturapostel.

    Darunter auch ein Professor, der wieder mal von der friedlichen Koexistenz von Schul -und Alternativmedizin faseln darf. Der nach allen Seiten hin gefällige Michael Steinbrecher wird vermutlich auch nicht kritisch nachfragen. Höchstens bei iris Hundertmark…

    Ich werde mir die Sendung wohl nicht antun.

  2. @nota.bene

    Danke für den Hinweis auf die Gästeliste.

    – Eine ehemalige Krankenschwester und Schamanin(!), die glaubt, Krebs mit Gemüsesäften, Tees und Fastenkuren zu besiegen

    – Ein Imker(!), der nicht nicht bewiesene Aussagen die „Heilkraft der Bienenstockluft“ verbreitet

    – Eine Frau, die fahrlässiges Handeln propagiert, indem sie Geburten ohne jedwede Geburtshilfe propagiert

    – Ein Professor für integrative Medizin und Naturheilkunde

    Das ist nur noch gruselig und zudem beschämend für die Redaktion von Nachtcafé, dass der Irrationalität eine solche Bühne geboten wird.

    Iris Hundertmark darf das rationale Feigenblatt spielen. Ich kann nur hoffen, dass sie sich gut schlägt, und nicht von den Naturfans mit irrationalen Vorwürfen zu sehr unter Druck gesetzt wird.

  3. Leider etwas OT – aber weil der BR auch nicht besser ist:
    https://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/was-wir-noch-nicht-wissen/ploetzlich-gesund100.html
    Gerade gesehen – ein geradezu fürchterliches Machwerk!
    Wie kann es sein, dass ein solcher Mist völlig kritikbefreit im ÖR dargeboten wird?

  4. Um das etwas zu präzisieren: Es handelt sich tatsächlich um eine vom BR anno 2011 erstellte „Dokumentation“, die heute im „“Bildungskanal“ BR-Alpha““ zu dessen Schande aus unerfindlichen Gründen wiederholt wurde.

  5. Da überlege ich gerade, wie lange es BR-Alpha schon nicht mehr gibt … 5 Jahre ist die Umbenennung schon wieder her.

  6. Touché!
    BR-Alpha heißt jetzt ARD-Alpha – dieses unselige Filmchen wurde dann halt durchvererbt.
    Darin wird übrigens u.a. die Macht der Telepathie bewiesen, und ein Herr Walach serviert dazu exquisiten Quantenquark.

  7. Naja, ging so.

    Der Kräutermann war ganz nett und hat sich ja auch nicht als Heiler gesehen.

    Die Frau, die Naturgeburten propagiert, nachdem ihr die Idee dazu gekommen ist, als sie bei Verstopfung nach einem Waldspaziergang wieder konnte (weil die beiden Vorgänge ja fast gleich sind, ihrer Meinung nach), ist schon eine Nummer für sich.

    Allein die etwas naive Vorstellung, dass alle natürlichen Vorgänge sich von selbst regeln und daher kein Eingriff nötig sei, was die Menschheit früher und die Tiere sowieso ja zeigen, war schon schwer zu verdauen. Auf Mütter- und Säuglingssterblichkeit früher und heute wurde kaum ein Wort verschwendet (aber es klang mal kurz vom Herrn Professor an).

    Der Herr Professor kam komisch rüber. Er hat immer wieder klar für die „Schulmedizin“ plädiert, aber eben integrativ mit Naturheilkunde, zu der er dann wohl doch auch die Homöopathie zählt oder wenigstens einfach mal mitnimmt. Zu der hat er sich nämlich auch wohlwollend geäußert, ebenfalls behauptet, es gebe gute Studien, die ihre Wirksamkeit belegen und mehr Forschung dazu gefordert (ebenso wie zur Naturheilkunde).

    Aber insgesamt ist er doch wohl der Ansicht, dass die richtige Medizin bei schweren Erkrankungen den Vorrang hat, Naturheilkunde aber integriert werden darf/soll – denn er warnte, als die Schamanin zum Schluss von ihrer eigenen Krebsheilung erzählt hat, dass dies keinesfalls ein Weg für alle sein kann (die Schamanin hat sogar zugestimmt, fand ich erstaunlich und gab einen Pluspunkt).

    Der Imker ist total von seiner Stockluft überzeugt, bietet das Ganze wohl auch ohne Gewinnabsichten an und vertritt auch nicht die These, dass er der einzige Heilsbringer ist. Eher harmlos also. Ob die wundersamen Heilungen, die er erzielt zu haben glaubt, alle echt sind, weiß nur er. Aber er rät Leuten ja nicht von Arztbesuchen ab, also was soll’s.

    Am Ende kam er dann aber noch mal als Lobbyist für die deutschen Imker rüber, als er über Bienenschutz und Insektensterben an die Leute appellierte, sie mögen doch bitte DEUTSCHEN Honig kaufen.

    Die Apothekerin stellte erstmal klar, weil’s ja die Leute immer missverstehen und offenbar auch die Redaktion (das Thema der Sendung war ja „Heilkräfte der Natur“), dass Homöopathie nichts mit Naturheilkunde zu tun hat und dass sie selbst natürliche Arzneimittel toll findet, so es denn Evidenz dafür gibt. Sie stellte klar, dass es für die Homöopathie eben keine gebe und dann ging das Bullshit-Bingo schon los.

    Doch, die gibt es; es gibt nur in D keine; in Indien sei Homöopathie Staatsmedizin und alle machen das da mit großem Erfolg; man braucht mehr Forschung (wandte der Professor ein – als ob es nicht schon genug gäbe und gegeben hätte) und natürlich durfte auch nicht fehlen, dass wenn man die Wirksamkeit heute nicht erklären kann, dass doch in 100 Jahren ganz anders aussehen könnte – als ob es darum ginge, einen Wirkmechanismus zu finden. Das wird schwer, wenn man schon die Wirkung nicht findet.

    Die Schamanin war esoterisch verschwurbelt, wie zu erwarten, propagierte in der Sendung aber immerhin nicht, dass sie allein Heilen könnte.

    Insgesamt meiner Meinung nach eine eher nichtssagende Sendung. Es sollte hier offensichtlich auch kein Urteil darüber gefällt werden, wie sinnvoll die Methoden sind.

    Eher so ein Kaffeekränzchen, wo jeder mal was sagt und am Ende steht halt alles so im Raum und jeder darf sich aussuchen, was er möchte.

  8. 2011 war Herr Walach noch auf dem Höhepunkt seines Ruhms. Da ist es nur „natürlich“, dass er in solchen antiaufklärerischen Filmen auftaucht.

  9. @Christian Becker

    Danke für die Zusammenfassung.

    Also war von 6 Gästen EINE(!) Person rational eingestellt (nämlich Iris Hundertmark), zwei eher harmlose Märchenonkel (Imker und Kräuterwastl) und drei nicht zur Weiterempfehlung geeignet (Prof, Schamanin, Geburtsprophetin).

    Die Bemerkung mit dem Kaffekränzchen passt übrigens gut auf alle Freitagabend-Talkshows bei den Dritten, ob sie Nachtcafé, Riverboat oder 3 nach 9 heißen. Mehr oder weniger gediegende Unterhaltung zum Wochenendeinstand, mal witzig, mal langweilig, viel Smalltalk, aber oft wenig Substanzielles. Dient alles der Entspannung und leichten Unterhaltung.

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