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Spiegel-Titelgeschichte: „Impfen auf Befehl – Stich fürs Leben“

| 37 Kommentare

Natürlich ist die Impf-Diskussion für diese Woche noch nicht beendet – wie wir eigentlich gedacht hatten.

„Impfen auf Befehl“ ist nämlich auch das aktuelle Spiegel-Titelthema (14/2019).

Schauen wir mal kurz rein, worum es geht.

Der Artikel beginnt mit der 13 Jahre alten Angelina, die an der Masern-Spätfolgeerkrankung SSPE leidet und schwerstpflegebedürftig ist:

Ein Verein kümmert sich um die Familie, organisiert Hilfe und Spendengelder. Doch auch Impfgegner meldeten sich und versuchten, Angelina auch noch für sich zu instrumentalisieren.

„Sie behaupteten, meine Tochter sei krank, weil sie einen Impfschaden habe“, sagt Angelinas Mutter. »Dabei haben die Ärzte definitiv Wild-Masernerreger in ihrem Hirnwasser gefunden.“ Andere hätten ihr vorgeworfen, sie habe vermutlich das Fieber ihres kranken Babys gesenkt, das sei falsch.

„Sie schrieben, ich solle meiner Tochter grüne Smoothies geben oder Globuli, dann werde sie wieder gesund.“

Das wird sie nie wieder sein. Sie ist ein Opfer der Masern geworden, weil es in Deutschland nicht gelungen ist, diese Krankheit auszurotten. Nun wird, etwas überraschend, der nächste Anlauf gemacht.

Die Forderung von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nach einer Impfpflicht gegen Masern („seit Jahren“, zuletzt im Januar) habe diesmal Wirkung gezeigt, weil sie von anderen aktuellen Meldungen getriggert worden sei, etwa vom Masernausbruch in Hildesheim, der Unicef-Warnung vor einer alarmierenden Zunahme von Masernfällen weltweit oder der Impfgegner-Ernennung zur „globalen Gesundheitsgefahr“ durch die WHO:

Weil kaum jemand auf den Vorstoß von Spahn und Lauterbach vorbereitet war, prüft das Gesundheitsministerium derzeit hektisch, wie eine Impfpflicht aussehen könnte. Keine leichte Aufgabe […]

Bislang handelt es sich lediglich um Gedankenspiele, aber eine Tendenz zeichnet sich ab: Es geht um eine Masernimpfpflicht für Kinder, weil die am einfachsten umzusetzen ist. Sie sollen Gemeinschaftseinrichtungen, also Kitas oder Schulen, künftig nur besuchen dürfen, wenn sie geimpft sind.

Spätestens bei der Anmeldung zur Schule hätte das eine durchschlagende Wirkung: In Deutschland herrscht Schulpflicht. Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen und damit den Schulbesuch unmöglich machen, müssten mit Konsequenzen rechnen. Schon heute drohen Eltern Geldbußen, wenn sie ihre Kinder nicht zum Unterricht schicken.

Im Weiteren kommen eine Impfverweigerin zu Wort („Eine positive Lebenseinstellung, ein guter Bezug zum Körper und zur Gesundheit ist die bessere Prävention als Impfungen. Gesundes Essen, Obst, frische Luft, einfach glücklich sein.“) sowie – wohl als Beispiel für einen „windigen Experten“ – Hans Tolzin.

Nichtsdestotrotz konstatieren die Autoren:

Die Zahl der Impfgegner ist klein und nimmt seit Jahren nicht zu. Wissenschaftler gehen davon aus, dass lediglich zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung in Deutschland Impfungen grundsätzlich ablehnen.

Von solchen Fanatikern sind die Impfskeptiker streng zu trennen. Ein Fünftel der deutschen Bevölkerung steht Impfungen unentschlossen gegenüber oder ist unsicher, etwa aus Sorge um das Kind, aus Misstrauen gegenüber der Chemie.

Zusammen mit denen, die es einfach vergessen haben, reicht das, um die Impfquote bei Masern auf 93 Prozent zu drücken. Für die sogenannte Herdenimmunität, bei der sich eine Krankheit nicht mehr ausbreiten kann, müsste es jedoch gelingen, mindestens 95 Prozent aller Kinder zwei Impfdosen zu verabreichen; die WHO kämpft dafür seit Jahren – und muss ständig Rückschläge hinnehmen.

STIKO, Impfrisiken, Impfhistorie, Impfen im Sozialismus, Herdenimmunität, die verpflichtende Impfberatung zum KiTa-Eintritt sowie die unterschiedlichen Positionen zur Impfpflicht (von Politikern, aber auch von Bundesärztekammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery und der Psychologin Cornelia Betsch) sind weitere Themen des Beitrags, der mit den Erfahrungen der nordhessischen Kinderärztin Meike Bökemeier endet:

Beratungsgespräche mit impfkritischen Eltern könne man „kaum sachlich führen, die sind immer sehr emotional und auch schnell latent aggressiv“. Manche Mütter möchten die Impfstoffe für ein paar Minuten auf sogenannten Engelkarten lagern, auf dass die bösen Stoffe sich verflüchtigen. Bökemeier macht das dann, „damit das Kind die Impfung bekommt“.

Nicht ganz leicht zu verstehen bleibt indes zum Schluss, warum das Blatt sein eigenes Fazit mit einer eher grenzdebil/psychotisch wirkenden Spahn-Montage optisch konterkariert:

Masern können sehr krank machen, können zu grausamen Behinderungen führen, zu einem frühen Tod. Es ist eine Krankheit, die unbedingt verschwinden sollte. Das wiegt schwerer als die Argumente gegen den Zwang, die vor allem rechtstheoretischer oder philosophischer Natur sind. Wenn es eine Chance gibt, die Masern auszurotten, sollte man sie nutzen. Lauterbach und Spahn haben diese Chance. Es kommt jetzt auf ihren Mut und ihr politisches Können an.

Zum Weiterlesen:

  • Warum Deutschland eine Impfpflicht braucht, Spiegel+ am 29. März 2019
  • Cornelia-Betsch-Interview in „Cicero“ zu Motiven von Impfgegnern, GWUP-News am 29. März 2019
  • Die Geschichte vom Hanswurst und den Impfungen, Onkel Michaels kleine Welt am 29. März 2019
  • Die Masern-Impfpflicht, die Medien und die Wissenschaft, Gesundheits-Check am 28. März 2019
  • Keine zwei Meinungen, derFreitag 13/2019
  • Impfpflicht ja oder nein? Es bleibt schwierig, GWUP-Blog am 26. März 2019
  • „Impfethik – Eine Skizze moralischer Herausforderungen und ethischer Kriterien“, Bundesgesundheitsblatt April 2019
  • Video: „Anti-Vax Charity Song“, GWUP-Blog am 29. März 2019
  • Geo-Titelgeschichte „Impfen! Oder etwa nicht?“ jetzt online, GWUP-Blog am 21. März 2019

37 Kommentare

  1. Um den Forderungen nach besserem Impfschutz, z.B. durch eine Impflicht, noch mehr Nachdruck zu verleihen, sind passend zu der Diskussion der letzten Tage jetzt auch bei uns im hohen Norden, in Bad Segeberg in Schleswig-Holstein, Masernfälle bekannt geworden.

    Der NDR und die lokale Presse berichten, dass ab Montag Impfausweise kontrolliert werden – und dass Ungeimpfte keine Schulen und Kitas mehr betreten dürfen.

  2. „Getriggert“ – naja, muss man sich ja schon drüber freuen, denn so etwas wie mittel- und langfristige Überlegungen und strategische Planung scheint es ja in der Politik nicht mehr zu geben.

    Was aber auch dazu führt, dass – zumindest erst einmal – die Fachleute übergebügelt werden. Hat jemand das RKI gefragt, dessen offizielle Haltung derzeit eine Ablehnung von Impfpflichten ist?

    Hört jemand auf Prof. Betsch, die über wissenschaftliche Erkenntnisse verfügt, die größten Wert haben und deshalb nicht unberücksichtigt bleiben dürfen?

    Der RKI-Präsident sagte 2017, dass „Impfskepsis (also Ablehnung von Impfungen) nicht das Hauptproblem sei, sonst gäbe es bei Schulanfängern keine Impfquote von fast 97 Prozent für die erste Masernimpfung.“ Daraus schließt er, dass es eher um Gleichgültigkeit und Vergesslichkeit geht als um Impfgegnerschaft.

    Daran anknüpfend bevorzugt er erst einmal „Erinnerungssysteme als probates Mittel, um Impfquoten zu erhöhen“. Es gebe „noch eine Menge Luft nach oben, bevor die drastische Maßnahme einer Impfpflicht in Erwägung gezogen werden sollte.“ Da wird er vermutlich Recht gehabt haben.

    Und wo sind solche Systeme, was hat die Politik derweil getan, um die „Luft nach oben“ auszuschöpfen? Nichts. Dafür holt sie jetzt die Impfpflicht hervor wie den Springkasper, tritt eine öffentliche Debatte los, die von allen Seiten befeuert wird.

    Wäre es so schwer gewesen, eine konzertierte Aktion von Politik, RKI, PEI und Gesundheitswissenschaft vorzubereiten und damit an die Öffentlichkeit zu gehen, statt einen Tanz rein auf dem politischen Parkett aufzuführen?

    Den derzeitigen Umgang mit diesem wichtigen Thema finde ich deshalb wahrlich nicht toll.

  3. Eine der besten Ideen die ich in langer Zeit gehört habe: Wir geben impfpräventablen Krankheiten die Beinamen prominenter Impfgegner. „Tut mir leid, Ihr Sohn hat McCarthy-Masern, Tolzin-Tetanus und einen schweren Fall von Lanka-Diphterie. Kindersärge gibt’s nebenan.“

    https://twitter.com/NiemandesWorte/status/1106744388091289601

  4. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mir nicht unbedingt sicher bin ob ich eine Impflicht befürworten würde oder nicht. Ich mag derartige Zwangsmaßnamen nicht.

    Andererseits bin ich Polen der aufgewachsen und ging auch dort zur Schule. Wir wurden alle in der Schule geimpft. So zurückblickend, empfand diese Maßnahme kaum jemand als etwas negatives, außer vielleicht der gerade geimpften Kindern selbst. Der Gegenteil schien der Fall zu sein. Zumindest ist mir so eine Antihaltung der Impfung gegenüber nicht bekannt. Es gab andere, viel mehr fundamentale Dinge die die Bevölkerung auf die Palme trieben.

    Wie gesagt. Eine klare Haltung zu dem Thema einzunehmen fällt mir ziemlich schwer. Ich hoffe wohl noch immer, dass sich die Vernunft irgendwie durchsetzt.

  5. Nachtrag:

    Was mir gerade aber noch einfällt. Ich hatte mit ca. 32-33 eine sogenannte „Kinderkrankheit“. Windpocken haben mich heimgesucht und mich ziemlich nieder gestreckt. So mit allem drum und dran. Ordentlich Fieber und all den anderen Erscheinungen. Ich glaube, ich wurde gegen Windpocken nie geimpft. Ich bin 1981 aus Polen ausgewandert. Mit 14. Ich weiß gerade gar nicht, ob es damals schon so eine Impfung gab. Aber ich wurde sonst so gegen alles mögliche geimpft. Sogar gegen die ganz bösen Pocken *g

  6. Passt zwar nur grob zum Thema, aber hier:

    Ich hätte nie gedacht, einmal eine gute Schlagzeile in der BILD zu lesen, aber heute fett und rot auf Seite 1:

    „Eine Warnung an alle Impfgegner, meine Tochter stirbt an den Masern!“

    Natürlich kann man jetzt einwenden: typisch Bild, die machen wieder Angst.

    Auf der anderen Seite aber, wenn man auf diese Art Menschen zum Nachdenken bringen kann, warum nicht?

    Könnte ja sein, dass das sogar besser wirkt, als eine Impfpflicht.

    Diesem Blatt ist zu eigen, dass es bei beliebten Themen nicht bei dem einen Artikel bleibt.

    Bleibt abzuwarten, was draus wird.

  7. Sorry, aber m.M.n. hat der Staat auch die Aufgabe, die Kranken und Schwachen zu schützen. Wenn diese fortgesetzt durch das Wirken der Impfgegner gefährdet werden, bleibt nur noch das Impfobligatorium.

    Und das Recht der Schwachen wiegt m.E. nun einmal schwerer als die Persönlichkeitsrechte Einzelner.

    Okay, als Ehemann einer Masern-Geschädigten bin ich da vielleicht ein wenig parteiisch… aber ich habe mit den Folgen auch praktisch täglich zu tun…

  8. Natürlich ist es nicht gut, wenn ein Kind lebensgefährlich an den Masern erkrankt. Das wollte ich damit natürlich nicht sagen. Mir ging es nur um die Öffenlichkeitswirkung.
    Sorry.

  9. @Flo:

    Vollkommene Zustimmung, leider beginnen die Probleme hier schon im Grundgesetz. Niemand wird daran gehindert, zu schnell zu fahren, obwohl dadurch Menschen ums Leben kommen. Warum?

    Technische Lösungen wären kein Problem.

    Die Freiheit des einzelnen wird höher bewertet als das Gemeinwohl.

    Niemand ist verpflichtet, den Pieks zu ertragen, aber jeder muss in Kauf nehmen, dass seine lieben von Betrunkenen überfahren werden können. Oder entsprechend von Unvernünftigen angesteckt werden.

    Warum?

    Warum darf sich ein Fahranfänger mit 18 eine tödliche Waffe, eine Ramme mit 2t Gewicht und 300 PS kaufen? Und warum darf ein Mensch mit Masern oder Keuchhusten in ein voll besetztes Wartezimmer eines Kinderarztes gebracht weden, das voll mit Säuglingen ist?

    Das sind Fragen, die ich unserer politischen Führung gerne stellen würde.

  10. Etwas, das mich dieses Wochenende sehr bewegt hat, und das mich zu dieser ausschweifenden Teilnahme an diesem Thread bewegt, ist folgendes:

    NDR-Talkshow vom Freitag. Als Gast war Frau Held dabei, eine kraftvolle Persönlichkeit, welche sich seit Jahren um behinderte Pflegekinder kümmert.

    Sie erzählte die Geschichte ihrer Schwester, welche durch eine angeborene Muskeldegeneration an den Rollstuhl gefesselt war. Kurz umrissen:

    Mediziner gaben ihrer Schwester keine hohe Lebenserwartung. Aber erstaunlicherweise wurde das Mädchen durch gute Pflege und Zuspruch 15 Jahre alt.

    Dann wurde sie von einem Autofahrer überfahren und starb daran.

    Diese Geschichte lässt sich auch auf die ewig dämliche und unnötige Impfdisskussion übertragen.

    Als meine Schwester an Brustkrebs erkrankte und ihre Chemo begann, war es für mich absolut und zweifelsfrei klar, mich gegen alles zu impfen lassen, wogegen ich keinen Schutz besaß und dem ich womöglich ausgesetzt war. Weil sie mit grade mal 200 Leukozyten im Blut (Kenne mich damit nicht aus, aber der Wert ist verdammt niedrig) keinerlei Abwehr mehr hatte.

    Wo ist das Problem dieser Leute, sich eben nicht egoistisch zu verhalten, sondern ein Ipfrisiko von 0,0001 % für Schäden einzugehen. Obwohl sie täglich mehrfach ein hunderttausendfach höheres Risiko im Straßenverkehr eingehen. Nicht nur für sich selbst, sondern in erster Linie für andere. Und das macht ihnen auch noch Spaß.

    Mir persönlich ist es ein albtraumverursachender Horror, ein kleines Kind mit einer lebensgefährlichen Krankheit anzustecken, bloß weil ich irgendwo gelesen habe, die Impfung könnte MIR schaden und deshalb lasse ich es bei mir nicht machen. Was stimmt denn mit unserer Gesellschaft nicht?

  11. @ Carsten:

    Du stimmst mir in bemerkenswert vielen Punkten zu – aber wie genau würdest Du Dir präzise Eingriffspunkte des Staates vorstellen?

  12. @Flo:

    Das ist doch nicht schwer, oder?

    Wir haben eine Politik, die sich nur ums Geld und die Interessen der Lobby dreht.

    Das wird definitiv nicht langfristig funktionieren. Unsere Welt wird uns zeigen, dass ein Naturgesetz nicht sagt „Du darfst nicht“, sondern „Du kannst nicht“. Auch bei Krankheiten. Und beim Klima.

    Das haben viele noch nicht begriffen.

    Ich habe dir nicht in vielen Punkten zugestimmt, sondern nur dem einen, den Du in deinem Post angeführt hast.

    Muss man denn noch angesichts der Disskussionen extra anführen, wo der Staat (Wen meinst Du mit Staat?) eingreifen müsste?

    Ich kann auf der Autobahn auch 280 fahren, weil mein Auto es kann.

    Ich darf nicht, aber ich kann. Ich kann dabei Menschen töten. Ich darf nicht, aber ich kann.

    Wenn mein Auto aber vom Hersteller aus technisch nur 130 fahren kann, dann KANN ich keine 280 fahren. Und damit allein würden tausende Leben gerettet.
    Mit dem Impfen ist es genauso.

    Wenn ich die Masern habe und rücksichtslos in die Fußgängerzone oder zur Arbeit gehe, interessiert das niemanden. Weil ich darf.

    Dass ich bei alledem ein rücksichtsloses Arschloch bin, das seine Freiheit über das Leben anderer stellt, interessiert das Grundgesetz nicht.

    Ob ich meine Kinder impfe oder nicht, interessiert ausser den kleineren Medien auch niemanden. Wenn sich eine Mutter in der Whattsapp-Kita-Gruppe echauffiert, ist das ja zu belächeln, es ist ja nicht schlimm, wenn nur der Justin Angst vorm Autismus hat. Die Masern werden ihn davon heilen. (Ja, solcher Schwachsinn wird verzapft.)

    Wo der Staat da eingreifen könnte, sollte dir selbst klar sein.

    Wie stellst Du dir, lieber Flo, Eingriffspunkte der Gesellschaft vor?

  13. Eine generelle Impflicht wird es in Deutschland nicht geben – spätestens unser wehleidiges BVerfG würde solchen Plänen ein unmissverständliches Ende bereiten („Nur ja niemanden ärgern“).

    Das amerikanische Prinzip „no shot, no school“ ist hier nicht anwendbar, da es drüben keine Schulpflicht gibt. Impfunwillige Eltern können ihre Kinder selbst unterrichten. Denkbar wäre hier höchstens eine Impflicht für Kitas und Kindergärten, denn für diese gibt es kein Besuchsgebot.

    Wer sein Kind nicht impfen lassen will, muss es eben anderweitig betreuen. Wäre da nicht das BVerfG, das mehr und mehr zur eigentlichen Regierung in Deutschland geworden ist.

  14. @Carsten und Flo:

    Wird ein Kind der Zeugen Jehovas in kritischem Zustand eingeliefert, und benötigt das Kind eine Bluttransfusion, haben die Krankenhäuser eine spezielle Notrufnummer vom Familiengericht, das das Sorgerecht temporär aufheben muss . Somit kann das Kind behandelt werden.

    Nur soviel zu rechtlichen Möglichkeiten. Bei der zitierten Raserei auf Straßen und Autobahnen wird mit zweierlei Maß gemessen. Die Bußgelder sind im europäischen Vergleich lächerlich gering.

    Und noch dazu liefern die öffentlich-rechtlichen Sender Blitzerwarnungen, von denen der Raser profitieren kann: Erst mal schön bremsen, und dann umso mehr aufs Gas latschen.

  15. Leider eiert der SPIEGEL-Beitrag ziemlich durch’s Thema.

    Da heißt es z.B., 93 % der Schulanfänger seien gegen Masern geimpft, aber das reiche nicht, um zu verhindern, dass sich die Krankheit immer wieder lokal ausbreite (S. 14).

    Das stimmt sogar „irgendwie“, spricht aber die wesentlichen Punkte nicht an: Die 93 % bei den Schulanfängern reichen erstens nicht, weil es größere Impflücken in anderen Altersgruppen gibt, und zweitens, weil der Durchschnitt nicht überall erreicht wird und lokale Ausbrüche auch durch kleinräumige Impflücken zustande kommen können.

    Daran wäre nichts anders, wenn bei den Schulanfängern im Schnitt das WHO-Ziel von 95 % erreicht würde. Es gibt keine Schulanfänger-Herde mit eigener Herdenimmunität.

    Oder es wird auf die gemischten Erfahrungen mit der Impfpflicht etwa in der DDR verwiesen (S. 18) – ein interessanter Punkt, aber am Ende trotzdem geradezu hymnisch die Impfpflicht beschworen, und zwar explizit für das Ziel der Masernausrottung (S.19).

    Genau dafür reicht eine Impfpflicht bei Kindern nicht, zumindest nicht, bevor der damit erzielte Kohorteneffekt die Gesamtbevölkerung prägt.

    Darauf, dass den Autoren vermutlich auch der Unterschied zwischen Eradikation (Ausrottung) und Elimination nicht klar ist und was daraus folgt, will ich gar nicht erst eingehen.

    Nur nebenbei: Auch die Pocken wurden nicht allein durch die Pockenimpfpflicht ausgerottet, sondern vor allem durch die damit einhergehenden Impfprogramme. In Bayern gab es noch nach mehr als 100 Jahren Pockenimpfpflicht Erkrankungen und in manchen Ländern Afrikas haben vermutlich viele Menschen nie etwas von der 1967 ausgerufenen weltweiten Pockenimpfpflicht gehört – aber sie wurden geimpft.

    Wo sind in Deutschland die großen Masernimpfprogramme, z.B. vor dem Berufseinstieg, in den Berufsschulen, vor Großevents …?

  16. @ Carsten:

    „Niemand wird daran gehindert, zu schnell zu fahren, obwohl dadurch Menschen ums Leben kommen.“

    Nicht überall. Aber die grundsätzlichen Höchstgeschwindigkeiten innerorts und auf Landschaften haben doch genau diesen Zweck. Und auf immer mehr Autobahnen gelten auch Geschwindigkeitslimite.

    Hier in der Schweiz sogar landesweit: 120km/h reichen völlig aus (sage ich aus eigener Erfahrung).

    Trotzdem wird hier keine Impfpflicht diskutiert.

    Komisch, was?

  17. @ noch’n Flo:

    Eine Impfpflicht ab 120 km/h? Auch ne interessante Variante.

  18. Ich finde es unglaublich bedauerlich, daß ausgerechnet eine Zeitschrift wie der Spiegel zu diesem wichtigen Thema ein so Ängste weckendes TITELBLATT wählt.

    Impfen – Befehl – das Bild des angstablösenden „Behandlers“ -welche Intention verfolgen Sie mit dieser Abbildung und dem Text? Hier werden Emotionen ausgelöst, die weiter die Vorbehalte gegen und Ängst vor Impfungen verstärken. Sind Sie sich eigentlich Ihrer Verantwortung bewußt frage ich mich?

    Es kostet viel Zeit und Empathie ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient aufzubauen.

    Ihr Titel verstärkt schlicht die Verunsicherung der Eltern, die möglicherweise dann eine Entscheidung gegen das Impfen treffen – betroffen von den Komplikationen der Krankheiten sind aber insbesondere die Kinder, deren Unversehrtheit, zum Teil lebenslang.

    Ich hätte mir zu dem an sich ausgewogenen Artikel unbedingt einen NEUTRALEN Titel gewünscht !

  19. @Dr. Grumler:

    „Sind Sie sich eigentlich Ihrer Verantwortung bewußt frage ich mich?“

    Ich gehe davon aus, dass Sie diesen Kommentar als Brief, E-Mail o.ä. direkt an den „Spiegel“ gerichtet haben und zusätzlich zur allgemeinen Info auch hier einkopieren?

  20. @ J. Kuhn:

    „Eine Impfpflicht ab 120 km/h?“

    Nee, Impfen mit 120km/h.

  21. Im Dezember hab ich einen Vortrag einer französischen Immunologin gehört.

    In F wurde die Einführung einer Impfpflicht diskutiert. Anfangs waren alle Impfspezialisten dagegen. Aber dann gabs auch einige Veranstaltungen und Diskussionen auch mit Laien. Argumente zB ja wenn die Impfungen für den Staat so wichtig sind, dann müssen die Impfungen ja sehr wirksam und sicher sein.

    Und wenns eine Impfpflicht gibt, dann müssen die Impfungen kostenfrei angeboten werden. letztlich haben die Laien die Impfspezialisten von der Sinnhaftigkeit einer Impfpflicht überzeugt.

    Wenn man eine Impfpflicht überlegt, sollte man das breit in der Öffentlichkeit diskutieren. Hard core Impfgegner brauch man ja dabei nicht einbeziehen.

    Ich persönlich glaube ja , dass die Fürsorgepflicht der Eltern ja schon greifen sollte. Warum sollten Eltern ihren Kindern eine (Impf) Medizin nach state of art vorenthalten?

    Ja und dann gibts ja auch noch UNICEF und WHO bzw die Kinderrechtskonvention. Nach dieser haben Kinder ein Recht auf Impfungen. Siehe auch hier eine Presseerklärung aus 2002:

    https://www.unric.org/html/german/kinder/presse/7.htm

    Und in der Kinderheilkunde ist es ganz klar: Ungeimpfte Kinder sind vernachlässigte Kinder, eine Form der Kindesmisshandlung. Findet sich seit 20 Jhr in Pädiatrie Lehrbüchern, in Leitlinien, in Fortbildungen etc pp.

    Pädiater sagen das nicht gerne, weil sie hoffen, die Kids doch noch impfen zu können, bzw sie wollen die Kids auch nicht an esoterische Homöopathen verlieren.

  22. @ WolfgangM:

    100% Zustimmung!

  23. Ich habe ein wenig recherchiert, ob das inzwischen auch in Polen ein Thema ist. Ja, ist es. Inzwischen genau so kontrovers wie auch hier.

    Mit dem steigendem Wohlstand steigt scheinbar die Bereitschaft der Menschen auch bewerte medizinische Methoden als unwirksam an zu sehen. Keine Ahnung was mit der Menschheit los ist. Wir sind irgendwie total kaputt. Ein homo sapiens zu sein ist schon echt schwer *g

  24. Zitat @Flo:

    Niemand wird daran gehindert, zu schnell zu fahren, obwohl dadurch Menschen ums Leben kommen.

    Nicht überall. Aber die grundsätzlichen Höchstgeschwindigkeiten innerorts und auf Landschaften haben doch genau diesen Zweck. Und auf immer mehr Autobahnen gelten auch Geschwindigkeitslimite.

    Hier in der Schweiz sogar landesweit: 120km/h reichen völlig aus (sage ich aus eigener Erfahrung).

    Trotzdem wird hier keine Impfpflicht diskutiert.

    Komisch, was?

    Du hast ja recht, aber dir scheint nicht klar zu sein, was ich meine.

    Wer wird daran gehindert? Niemand.

    Trotzdem kann absolut jeder 280 fahren, auch wenn es verboten ist. Er bringt 3 Leute damit um, danach greift erst das Gesetz. Wenn es zu spät ist.

    Ich komm mit meinem Auto in die Schweiz und werde dort stundenlang 200 auf allen Autobahnen fahren, bevor sie mich stoppen, und ich kann hunderte damit gefährden. Und wenn ich betrunken bin, werde ich vielleicht Menschen töten, ohne mir darüber klar zu sein.

    Wird’s jetzt klar?

    Was ist daran denn so schwer zu verstehen, Flo?

    Zwischen „Du darfst nicht“ und „Du kannst nicht“ besteht ein sehr großer Unterschied.

    Und so nötig das im Straßenverkehr ist, so nötig ist es auch bei Impfungen.

    Der Idiot schert sich nicht um Verbote. Im Straßenverkehr wie bei Impfungen.

    Man muss es wegen diesen Vollpfosten physikalisch unmöglich machen, gegen Regeln zu verstoßen, wenn dadurch Menschenleben gerettet werden. Funktioniert in der Industrie hervorragend, nennt sich „Poka-Yoke“.

    Im Endeffekt wird es physikalisch unmöglich gemacht, einen Fehler zu begehen.

    Anders wird es nicht funktionieren, in Zeiten der neuen Facebook-Medien.

    Deswegen: Impfpflicht.

  25. @ Carsten:

    Auch Impfpflichten lassen sich umgehen, wenn man bereit ist, die entsprechende kriminelle Energie aufzubringen.

    Und viele Temposünder werden erwischt, bevor sie andere Verkehrsteilnehmer umgebracht haben. Nota bene: nicht alles, was hinkt, ist auch ein Vergleich. Du vergleichst ein Verbot (Du DARFST NICHT zu schnell fahren) mit einer Vorschrift (Du MUSST impfen). Das sind Äpfel und Birnen.

  26. @ Carsten:

    „Deswegen: Impfpflicht.“

    Bitte wenigstens das Nötigste dazu sagen: Für wen (Altersgruppen?), gegen was (nur Masern?), mit welchen konkreten Ziel (nur besserer Schutz von Kitakindern oder mehr) und mit welchen Folgen (wenn der Impfpflicht nicht nachgekommen wird)?

    Zur Erinnerung: Nicht die Impfpflicht schützt, sondern die Impfung, und zwar dort, wo sie fehlt.

  27. @ J. Kuhn:

    „Nicht die Impfpflicht schützt, sondern die Impfung, und zwar dort, wo sie fehlt.“

    Schwurbelfaktor 9.5

  28. @ noch’n Flo:

    „Schwurbelfaktor 9.5“

    Ist das ein Schweizer Argument? Oder war da keins?

  29. @ J. Kuhn:

    Nö, nur eine Analyse der Formulierung. Und mit Deinem Kommentar

    „Eine Impfpflicht ab 120 km/h? Auch ne interessante Variante.“

    bist Du doch selber ins Blödeln abgebogen. Oder sollte ich den irgendwie ernst nehmen? :P

  30. Empfehle „Verrat“/“False Allegation“ von Andrew Vachs
    und „American Hero“ von Larry Beinhart (ja,der heisst so!)
    Wie man im grossen Masstab falsche Fährten legt und bestimmte Schwachheiten,die öffentlich werden sich als Teil einer Kampagne entpuppen könn(t)en…
    Nicht weil ich ein VTler bin oder sein könnte,hihihihihi
    sondern weil ich denke das manches mal ein Plan dahinter steckt um Aufmerksamkeit abzulenken und/oder gezielt zusteuern.
    Nicht immer,auch nicht immer öfter,gelingt es oder es gelingt nicht weil sich (vermeintliche) Siegertypen eines Ego befleissigen das nicht tricken will,weil er es nicht braucht…
    Aber ob der Siegertyp immer über alles informiert werden muss…?!
    nur ein bisserl was einfaches zum Nachdenken!

  31. @ noch’n Flo:

    Im Absatz über der Formulierung, die Du mit „Schwurbelfaktor 9.5“ bewertest, steht, was man bei der Forderung nach einer Impfpflicht mindestens dazu sagen muss. Ziele und Mittel müssen zusammenpassen.

    Wer z.B. die Masernelimination als Ziel hat, kommt mit einer Impfpflicht für Kinder nicht weit. Er sollte erklären, warum er ein dafür ungeeignetes Mittel wählt und nicht ein Vorgehen, das die tatsächlichen Impflücken zu schließen verspricht.

    Insofern hat eher die pauschale, undifferenzierte Forderung nach einer „Impfpflicht irgendwie für irgendwen“ einen hohen Schwurbelfaktor.

  32. Am meisten verstört mich die Dame, die sich eine Babypuppe an den Haarreif getackert hat. Ist das jetzt in? Naja, ich hab ja eher eine Schwäche für Bären, aber die würde ich mir auch nie auf den Haarreif tackern und das nicht nur, weil ich mangels Haar keine Haarreifen trage.

  33. @ J. Kuhn:

    Noch pauschaler wird bei mir ein Schuh draus: alle gegen alles impfen. Da bleibt dann kein Raum mehr für Geschwurbel.

  34. @Bernd:

    Gratuliere, immerhin ein Satz vom Artikel heute als Spiegel-Leserbrief!

  35. @crazyfrog:

    Aha, ja … danke.

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