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Impfpflicht ja oder nein? Es bleibt schwierig

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In der kommenden Woche will die große Koalition über eine Impfpflicht sprechen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht

… inzwischen nicht nur eine gesellschaftliche Akzeptanz für eine Impfpflicht in Kindergärten und Schulen, sondern auch parteiübergreifende Zustimmung dafür.

In den Medien wird das Thema kontrovers diskutiert.

Das Bohemian Browser Ballet skizziert eine satirische „Entscheidungshilfe“:

www.facebook.com/bohemianbrowserballett/

Die Psychologin Prof. Cornelia Betsch, die seit Jahren zum Thema Impfmüdigkeit forscht, findet eine Pflicht unnötig. Man könne die Impfquoten auch auf anderem Wege steigern, sagt sie im Welt+-Interview:

Welt: Mangelndes Vertrauen in die Informationen ist nicht der Hauptgrund für die Impfmüdigkeit in Deutschland, oder?

Betsch: Nein. Mittlerweile kennt die Forschung fünf verschiedene Ursachen, mangelndes Vertrauen ist nur eine davon. Viele Menschen finden Impfen im Alltagsstress beispielsweise zu aufwendig und finden die Zeit nicht. Andere glauben, dass die betreffende Krankheit so selten ist, dass man sich nicht impfen lassen muss. Ein weiterer Grund ist, dass sie auf den Gemeinschaftsschutz setzen: Wenn alle anderen geimpft sind,  muss ich selbst das ja nicht tun.

Welt: Wie könnte man angesichts dieser Gründe die Impfraten am schnellsten erhöhen?

Betsch: Nach der aktuellen Datenlage sieht es so aus, als müsste man in  Deutschland die Barrieren abbauen, die das Impfen verhindern.

Welt: Was heißt das?

Stellen Sie sich vor, sie sind für das Impfen – wie fast alle Deutschen – und würden Ihr Kind morgens in der Kita oder Schule abgeben und nachmittags wäre es geimpft. Das wäre praktisch, oder?

Oder wenn man nicht extra einen Arzttermin bräuchte, sondern es in Gesundheitsämtern eine Impfmöglichkeit gäbe. Oder fehlende Impfungen bei der Schuleingangsuntersuchung nicht nur dokumentiert, sondern gleich nachgeholt würden.

Der Impfausweis ist auch so eine Sache: Den muss man erst mal finden, dann muss man herausfinden, welche Impfungen aufgefrischt werden müssen. Ein zentrales Register oder ein Eintrag auf der digitalen Gesundheitskarte mit automatischer Erinnerung würde eine Hürde nehmen. Ein solches Register wäre auch gut für die Forschung oder um zu  erkennen, wenn in einer Gemeinde oder einem Bezirk die Impfrate unter einen kritischen Wert fällt. Dann könnte man gezielt dort Maßnahmen  ergreifen […]

Die Schuld für die zu geringen Impfraten liegt auf keinen Fall nur beim Endverbraucher. Das Gesundheitssystem sollte hier einen gewaltigen Satz Richtung Bürger und Ärzteschaft machen: mit guter, aktiv verbreiteter Information und dem Abbau praktischer Hürden.

https://twitter.com/CorneliaBetsch/status/1110274446387015681

Auch bei Twitter erläutert Betsch in einem langen Thread „die Möglichkeiten, das System zu verändern, bevor eine Impfpflicht eingeführt werden muss“.

Völlig anders sieht das der deutsch-amerikanische Journalist und Welt-Korrespondent Hannes Stein:

In den USA erlauben derzeit siebzehn Bundesstaaten, dass Eltern ihre Kinder aus  weltanschaulichen Gründen nicht impfen lassen – Tendenz: steigend. Auf den Philippinen ist die Zahl der Leute, die Impfungen für effektiv halten, von 82 auf 22 Prozent gefallen. Machen wir uns nichts vor: Es ist ein Tsunami des Irrationalismus, der da auf uns zurollt […]

Hier leider hilft nur eine Lektion: die Katastrophe. Es wird Tote geben müssen, viele Tote, ehe die Impfgegner wieder in ihre Ecke zurückkriechen und für das nächste Vierteljahrhundert schweigen.

Zu Impfgegnern hat Stein eine dezidierte Meinung:

Das Erste, was an den Impfgegnern auffällt, ist ihre atemberaubende Eitelkeit. Sie haben eine halbe oder eine Stunde damit zugebracht, auf YouTube Videos zu betrachten – und voilà: Schon wissen sie besser über das Thema „Immunologie“ Bescheid als jemand, der zwölf Semester Medizin studiert hat […]

Ein zweites Merkmal der Impfgegner ist ihre Paranoia. Diese guten Leute glauben allen Ernstes, dass sich Pharmakonzerne und Ärzte, kurz: die „Eliten“ verschworen haben, um ihren Kindern Impfstoffe zu verabreichen, die ihnen schaden […]

Die Impfgegner zeichnen sich – drittens – durch eine seltsame Mischung aus Anarchismus und Autoritätshörigkeit aus. Einerseits sagen sie: „Ich lasse mir nichts vorschreiben, der Staat hat kein Recht, mir zu befehlen, welche Stoffe ich meinem Kind injizieren lasse!“ Andererseits erwählen sie sich starke Männer (in der Regel sind es Männer), denen sie dann alles glauben: etwa jenen britischen Arzt mit seiner fatalen Autismus-Studie.

Kein Wunder, dass viele autoritäre politische Bewegungen sich den Widerstand gegen Impfungen auf ihre Fahnen geschrieben haben.

Steins Fazit:

Vernünftige Menschen neigen dazu, Bewegungen wie jene der Impfgegner zu unterschätzen: Ihre Argumente seien lächerlich, ihre Vorschläge absurd. Aber es wäre falsch, die Impfgegner für eine dumme, kleine Sekte zu halten – schon deshalb, weil diese Sekte den amerikanischen Präsidenten unter ihre Mitglieder zählen darf.

BR24 hat die Argumente für oder gegen eine Impfpflicht in einem kurzen Video (zirka 1:14) dargestellt. Die darin zitierte Haltung des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte fasst deren Pressesprecher Hermann Josef Kahl nochmal bei Focus-Online zusammen:

Ein gängiges Argument gegen eine allgemeine Impfpflicht: die Selbstbestimmung über den eigenen Körper. Doch die meisten Impfgegner entscheiden nicht über ihren eigenen Körper, sondern über den ihres Kindes. Ärzte empfehlen eine Masernimpfung in den ersten zwölf Lebensmonaten. Zu diesem Zeitpunkt kann das Kind noch nicht selbst bestimmen, ob es gerne gegen Masern geimpft werden möchte oder nicht.

Kinderarzt Kahl berichtet: „Ich erlebe immer wieder, dass Kinder im Alter von 15 Jahren in meine Praxis kommen und geimpft werden wollen, weil eine USA-Reise bevorsteht. Dann werden Impfungen plötzlich hektisch nachgeholt.“ Jugendliche, die beispielsweise ein Auslandsjahr in den USA verbringen möchten, brauchen bestimmte Impfungen, um dort zur Schule gehen zu können.

Nicht nur deswegen stellt sich die Frage, ob Eltern tatsächlich im Sinne ihres Kindes handeln, wenn sie Impfungen kategorisch ablehnen.

Der „Faktenfinder“ der Tagesschau kommt zu dem Schluss, dass Impflücken auf verschiedenen Ursachen basieren – allerdings folgt die Argumentation im Wesentlichen Prof. Betsch:

Richtig ist, dass es bei Masern erhebliche Impflücken in der Bevölkerung gibt, allerdings vor allem bei Erwachsenen, die im Kinder- und Jugendalter gar nicht geimpft wurden – und bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die die zweite Masern-Impfung verpasst haben, die für einen umfassenden Schutz notwendig ist.

Da die Impfquoten für die erste Masernimpfung nach drei Lebensjahren bundesweit bei ca. 98 Prozent liegen, für die zweite jedoch deutlich darunter, liegt der Verdacht nahe, dass hier andere Gründe eine Rolle spielen als ideologische Impfgegnerschaft.

Ähnlich sieht es der Gesundheitswissenschaftler Dr. Joseph Kuhn im Science-Blog Gesundheits-Check:

Als „ultima ratio“, als letztes Mittel, wurde die Impfpflicht bei den Masern immer bezeichnet. Das würde bedeuten, dass man vorher die anderen Mittel ausgeschöpft hat.

Aber wo ist denn die Aufstockung des Personals in den Gesundheitsämtern, damit sie in Kitas, Schulen und Universitäten gehen können, um zu informieren und Impflücken zu schließen? Auch in die Berufsschulen übrigens. Wo sind die großen Masern-Aufklärungskampagnen, wie oft hat z.B. der Deutsche Fußballbund in den Stadien für die Masernimpfung geworben, wie viele Fernsehspots kommen dazu im Vorabendprogramm, wie oft hat Herr Spahn darüber im Bundestag gesprochen, oder sein Helferlein Lauterbach?

Wie oft wird bei den U-Untersuchungen oder beim Check-Up-35 der Impfstatus von Eltern kleiner Kinder überprüft? Was hat man unternommen, um sicherzustellen, dass wenigstens das Personal in Erziehungs-, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen geimpft ist? Wo bleibt die fernsehübertragene Durchsicht der Impfpässe der Minister, Abgeordneten, Landräte und Bürgermeister mit öffentlichkeitswirksamer Impfung der Ungeimpften?

Und was genau will man eigentlich mit einer Masernimpfpflicht für Kinder erreichen, wenn die Impflücken woanders sind?

Es bleibt schwierig.

https://twitter.com/skt_johann/status/1110081560420728832

Zum Weiterlesen:

  • Was Impfgegner bewegt, Spiegel-Online am 26. März 2019
  • Impfpflicht – die Untote unter den Debatten. Ein Rant, Gesundheits-Check am 25. März 2019
  • Geo-Titelgeschichte „Impfen! Oder etwa nicht?“ jetzt online, GWUP-Blog am 21. März 2019
  • Impfgegner und soziale Medien: Forscher ergründen Verschwörungstheorien, tagesspiegel am 24. März 2019
  • Wollt ihr die totale Impfpflicht? Gesundheits-Check am 29. Mai 2017
  • Impfen: Eigenverantwortliche Selbstüberschätzung, hpd am 26. März 2019
  • Impfpflicht pro und contra, Welt-Online am 19. April 2017

22 Kommentare

  1. Sehr gute Idee mit der niedrigen Schwelle für Impfungen. Vor allem endlich mal ein digitalen Impfpass, ich komm mir vor wie in den 1980er Jahren. Wirklich 2019 und schleppe hier so ein olles vergilbtes Impfbuch mit mir rum.

  2. Was gegen die Vorschläge von Frau Betsch sprechen:

    Wenn die Wahrscheinlichkeit einer Umsetzung 10 % betragen oder ihrer guten Ideen 10 Jahre zur Umsetzung brauchen, dann bin ich für die Impflicht- JETZT.

    Ich glaube Frau Betsch überschätzt das Innovationstempo der Entscheider (Gesundheitspolitik, Krankenkassen etc.), ich lass mich empirisch aber gern widerlegen.

  3. @ Nutintheshel:

    Wer sollte Ihrer Meinung nach konkret zur Impfung verpflichtet werden und was konkret ist das Ziel?

    Zu den 10 Jahren Umsetzungszeit: Bei der Pockenimpfpflicht hat es von der Einführung der Impfpflicht 1807 in Bayern bis zum letzten Fall in Deutschland 1972 165 Jahre gedauert.

  4. Ich kann Joseph Kuhns Hinweis auf „wo bleiben denn…“ einerseits nur unterstützen.

    Vor zwei Jahren haben wir in einem Beitrag bei „Susannchens kleiner Impfkunde“ die Positionen dargestellt, ohne eindeutig Partei zu nehmen und dabei ausdrücklich auf die Ansicht des RKI-Präsidenten verwiesen, es müssten erst alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft werden.

    Volle Zustimmung. Vor allem auch zum aktuellen Statement von Prof. Betsch, das ich als wohltuend empfinde, da die rein politische Debatte (ohne fachliche Stimmen) populistische Färbung anzunehmen begann.

    Immerhin ist ja nach wie vor die aktuelle offizielle Position des RKI eine Ablehnung genereller oder partieller Impfpflicht.

    Ja, im Februar 2017, vor zwei Jahren, beschwor der RKI-Präsident die Ausschöpfung aller anderen Möglichkeiten – aber was ist denn in dieser Hinsicht von Seiten der Gesundheitspolitik geschehen? NICHTS!

    Nun, wo die Lage sich verschärft und die öffentliche Diskussion dichter wird, mit einer rein politischen Impfpflichtdebatte aus dem Nebel aufzutauchen, ist wahrlich keine Glanzleistung.

    Ich schwanke andererseits in meiner persönlichen Haltung. Noch im Oktober 2017, als der Susannchen-Artikel erschien, hätte ich mich sehr klar gegen eine Impfpflicht ausgesprochen. Ich bin mir da nicht mehr so sicher, sehe aber eine falsch initiierte Debatte und auch ein Übersehen des Faktors, dass eine Impfpflicht (die ja noch keinen Impfzwang bedeutet, auch in den letzten Jahren der alten Impfpflicht nach dem Reichsimpfgesetz wurde nicht mehr sanktioniert) keinen Hardcore-Impfgegner bekehren, sondern im Gegenteil verhärten wird.

    Und die anderen, ja, die kann ich tatsächlich durch massive Erleichterungen beim Impfen erreichen. Ich selbst in alt genug (so alt…?), dass ich mich noch an Impfungen in der „Stadtarztstelle“ erinnern kann, im Stadtteil. Durch den Niedergang der öffentlichen Gesundheitsleistungen ist das alles dahin… Soweit ich das noch richtig erinnere, gab es die erste Polio-Schluckimpfung sogar vom „Stadtarzt“ in der damaligen Volksschule.

    Impfen und Impfberatung muss eben wieder eine gut verfügbare Leistung der „öffentlichen Gesundheitsdienste“ werden. Ein schwerer Fehler, diese „neoliberal“ austrocknen zu lassen. Heute findet man kein Personal mehr dafür, angesichts der Besoldungseinstufungen aus dem vorigen Jahrtausend. Wenn überhaupt mal irgendwo versucht wird, da etwas wieder aufzubauen.

    Und deshalb denke ich, dass man eine Impfpflicht möglicherweise wird tolerieren können / müssen – als ultima ratio aber nur in dem Sinne, dass man schlicht die anderen Alternativen verpennt hat.

    Aber nun eine politische Show draus machen…

  5. Als einer derer der die genannten 12 Semester absolviert hat und der meint sich ein qualifiziertes Urteil bilden zu koennen : nein zu Feldversuchen auf Kosten der Bevoelkerung, dazu noch unter Zwang. Der Staat soll sich zuruecknehmen, nicht immer weitere Felder mit Zwangsmassnahmen an sich reissen. Schon gar nicht wenn massiv wie bei einer Impfpflicht in Persoenlichkeitsrechte eingegriffen wird.

  6. Man muss sich immer wieder in Erinnerung rufen, dass sich jede Form von Engagement in ganz realem Aufwand niederschlägt, d.h. ein Mehr an Personalaufwand, Materialaufwand, Organisationsaufwand, technischem Aufwand, Forschungsaufwand, …… (praktisch eine endlose Liste).

    Wenn also irgendjemand im institutionellen Establishment dazu aufruft, „alle Mittel auszuschöpfen“ (diverse Beispiele dafür sind in Herrn Kuhns Blog-Post genannt) oder „mehr Mittel einzusetzen“, dann meint dieser Jemand damit, den Aufwand (beträchtlich) zu erhöhen. Und das wiederum heißt natürlich: mehr Ausgaben für die gemeinte öffentliche Leistung.

    Nur damit ich hier nicht falsch verstanden werde: persönlich finde ich, dass Public Health-Aufgaben höhere Ausgaben rechtfertigen, wenn sie nach bestem Wissen sinnvoll sind. Und bei Impfungen ist die Sinnhaftigkeit an sich außer Frage.

    Was ein institutioneller Jemand also tatsächlich fordert ist ein Aufwuchs ein öffentlichen (Finanz-)Mitteln in seinem institutionellen Sektor. Und dies – damit das Ganze auch real spür-/erfahrbar und wirksam wird für die Öffentlichkeit – in einem so kurzen Zeitraum, dass eine Besserung einer als schlecht dargestellten Situation sich auch verknüpfbar realisiert.

    Gar nicht schlecht ist z.B. der weiter oben erwähnte Zeitraum von „zwei“ Jahren. Oder zumindest so was wie eine Amts- oder Legislaturperiode oder sonstiger Zeitrahmen, der sich für die Forderung mit dem erlebbarem Ergebnis verknüpfen lässt. Alles andere wäre mehr die fortlaufende, „unmerkbare“ systemische Anpassung, die sich sehr wohl auch auf Verbesserungen hin erstrecken kann, nicht nur auf neutrale Anpassungsergebnisse oder Verschlechterungen (wie Verknappungen der Mittel).

    Da ergibt sich dann natürlich sofort ein echtes Problem – es gibt in dem fein austarierten Haushaltssystem für die Institutionen, die nach diesem System bemittelt werden, praktisch überhaupt keine „freien“ Spielräume. Beispielsweise auch nur eine einzige „echte“ Personalstelle zusätzlich in irgendeinem Ressort hinzu zu bekommen, kann und wird real manchmal viele Jahre dauern oder überhaupt nie gelingen.

    Mit anderen und einfacheren Worten: der institutionelle Jemand, der da forderte, bekam und bekommt nicht mehr Mittel. Bestenfalls kann er/sie im eigenen Bereich optimierend herumschichten, aber eigentlich kann er/sie das auch nicht wg. Austariertheit der HH-Positionen.

    An dieser Stelle kommt dann eine mögliche „Lösung“ ins Spiel. Wenn die politische Seite aufgrund irgendwelcher Initiativen Haushaltsschwerpunkte von „oben“ her ändert, dann kann für die Institution „unten“ tatsächlich auf einmal mehr im Etat sein. Es gibt auch durchaus Anreize für politische Vertreter mit Initiativen hervorzutreten – die Belohnung für sie ist öffentliche Aufmerksamkeit und damit schon ein „wichtiger“ Erfolg im Kampf um Bedeutung.

    Für solche typischen Hahnenkämpfe in den Parlamenten braucht man eingängige Slogans – mit dem bekannten Nachteil, dass damit zum Teil radikale Simplifizierungen einhergehen, die möglicherweise sogar dem eigentlich Beabsichtigten durchaus schaden können im Ergebnis.

    Das hier ist so etwas wie ein solcher Fall. Einerseits wäre dem Public Health-System ganz sicher eine Optimierung aller Bereiche aus sachlich/fachlichen Gründen zu wünschen, andererseits bekommt der Sektor ohne parlamentarischen Pulverdampf keinen Eurocent mehr an Mitteln.

    Und wenn der Arenakampf der Gockel beendet ist, steht der Public Health-Sektor zwar vielleicht mit mehr Mitteln da, aber eben auch auf einmal mit etwas, das allermindestens kontrovers bleiben wird wie eine „Pflicht zu irgendwas“. Im Zeitalter der Wutbürger kann man hierbei auf erhebliche Folgen durchaus warten.

  7. @fufu:
    Was für Feldversuche?

  8. @ Udo Endruscheit:

    Die Impfpflichtbefürworter sollen vor allem sagen, was sie wollen, weil nur dann klar wird, ob das Mittel überhaupt dem Zweck dient. Wer z.B. den Individualschutz in Kitas verbessern will, kann damit für eine Impfpflicht vor Kita werben.

    Wer aber argumentiert, es gäbe in Deutschland immer noch zu viele Masernerkrankungen und das Eliminationsziel sei nicht erreicht, der kann nicht als Mittel eine Impfpflicht für Kinder oder gar nur vor Kita fordern. Damit ist die Herdenimmunität nicht zu erreichen.

    Wenn das Ziel wiederum nur sein sollte, den Impfgegnern zu zeigen, was eine Harke ist, dann wäre das ein gefährliches Spiel, siehe die Befunde von Cornelia Betsch.

    Und ich möchte auch gerne wissen, ob man nur die Masern im Blick hat, weil darüber so prominent in den Medien diskutiert wird, oder auch andere impfpräventable Erkrankungen, falls ja, auch hier wieder: mit welchem Ziel. Und warum man beim Thema Impfpflicht so wenig über Influenza, HPV und Erwachsene spricht.

    Die ganze Debatte ist auf dem Niveau der hundert Lungenärzte, in dem Fall mit Lauterspahn statt Scheuer als Leadsänger.

  9. Dazu:

    „Impfethik – Eine Skizze moralischer Herausforderungen und ethischer Kriterien“:

    https://link.springer.com/article/10.1007/s00103-019-02915-z

  10. „Mein bestes Argument gegen Impfskepsis“ in der Medical Tribune:

    „Wo sind die skandinavischen Autisten und Immunkrüppel?“

    https://twitter.com/Susannchen01/status/1110600679171784705

  11. @ fufu:

    Welche 12 Semester?

  12. Wie wäre es denn wenn man es wie in der guten alten DDR macht … rein mit den Spritzen, keine Fragen stellen und fertig :) Ganz erst gemeint!

  13. @ Andreas:

    Die DDR ist gottseidank Geschichte. In der Bundesrepublik darf man Fragen stellen und soll das auch tun. Ganz ernst gemeint!

    Sind Sie eigentlich gegen Grippe und HPV geimpft?

  14. @Terri

    Die Impfstoffe neuer Generation haben nichts mehr mit denen gemein, die Sie wahrscheinlich kennen und mit den es lange Erfahrungen gibt. Bisher bestanden Impfstoffe im wesentlichen aus abgeschwaechten Erregern, bei Impfstoffen der neuen Generation wird genetisches Material direkt in die Zellen eingeschleust, der Koerper wird sozusagen veranlasst den Impfstoff selbst zu bilden. Dazu benoetigt man noch verschiedene Zusatzstoffe um eine adequate Immunstimmulation zu erreichen. Ich nenne das einen Feldversuch. Ich glaube kaum, dass diese Details in der Diskussion ausreichend beruecksichtigt werden.

  15. Als wäre der Eiertanz der Grünen ums Impfen nicht schon unappetitlich, greift die Nach-Merkel-CDU zu Methoden, die man eigentlich bei einer ganz anderen Partei erwarten würde.

    https://www.salonkolumnisten.com/schlimmer-als-die-gruenen/

  16. @ fufu:

    12 Semester in Hogwarts?

  17. re. „… Impfstoffe neuer Generation …“

    Ich vermute mal, damit ist die sogenannte „DNA vaccination“ gemeint (bzw. „mRNA vaccination“) oder überhaupt die (sehr sogennannten) „Third Generation Vaccines“ (die es eben noch nicht mal auf den Reißbrettern der GenTech-Firmen gibt).

    siehe dazu zur ersten oberflächlichen Einordnung https://en.wikipedia.org/wiki/DNA_vaccination (hier die engl. Version, weil die dt. eher ein stub ist)

    Da sind seit einiger Zeit ein paar Versuchsreihen imgange, weil man sich davon langfristig Vorteile bei der Produktion verspricht (wenn man die Nachteile beseitigen kann). Die Versuche bewegen sich im veterinärmedizinischen Bereich mit praktisch derzeit keinen Aussichten auf humanmedizinische Übertragbarkeit.

    Und wie gesagt, auch das sind nur erste *Versuche* – vielleicht meint der obige Poster, mit dem schicksalsträchtigen Wort „Feldversuche“ ein bisschen mehr an Sensation rauskitzeln zu können.

  18. @fufu:
    Ähm, das ist jetzt nicht so ganz richtig…

  19. @ J. Kuhn:

    „12 Semester in Hogwarts?“

    Nee, die Absolventen von dort sind deutlich schlauer.

    @ fufu:

    Ich nehme mal an, es waren 12 Semester auf der YouTube-Universität, korrekt?

    Schöne Grüsse an Dein Impfgegner-Forum!

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