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Impfen oder nicht als moralische Pflicht – und die Impfgegner-Kita „Pustelblume“

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Interessanter Essay bei Zeit-Online:

Der Autor meint Hinweise dafür gefunden zu haben, dass unter Impfgegnern „die vermeintliche Reinheit oder Natürlichkeit des Körpers“ zum „moralischen Prinzip“ erhoben wird:

Das zeigt auch die Forschung der Soziologin Jennifer Reich, die Eltern befragt hat, die ihre Kinder nicht oder nicht vollständig haben impfen lassen. Zeit-Online erklärte sie in einem Interview: „Das Baby ist für die meisten der Inbegriff eines perfekten und natürlichen Körpers. Und die Eltern haben Sorge, dass ein Eingriff wie eine Impfung diesen natürlichen Zustand verdirbt.“

Viele Eltern glaubten, die natürliche Immunität, also eine Krankheit durchzumachen, sei besser als die Immunität, die Impfungen versprechen. Eine Annahme, die nicht nur falsch, sondern auch gefährlich ist. Denn anders als an Impfungen können Kinder an Masern, Diphtherie oder Tetanus sterben.

Viele, die Impfungen ablehnen, argumentieren also moralisch, auch wenn ihnen das nicht bewusst sein mag. Das sollten vor allem Ärztinnen, Hebammen und Krankenpfleger berücksichtigen. Denn es bedeutet, dass es zu kurz greifen könnte, Impfmythen nur zu entkräften […]

Ein weiterer Schritt, um Impfskeptiker zu überzeugen, könnte daher sein, andere Moralmodule zu aktivieren. Zum Beispiel, indem man an ihre Fairness appelliert.

Allerdings macht der Zeit-Redakteur keinen Hehl daraus, dass er solche moralischen Reinheitsurteile für ein überkommenes evolutionäres Relikt hält:

Am dringendsten aber – daran besteht kein Zweifel – sollten aber die Impfskeptiker sich und ihre Überzeugungen infrage stellen. Und mit ihnen all jene, bei denen man eine Ausweitung von moralisch aufgeladenen Reinheits- und Natürlichkeitsideen beobachten kann. All jene, die wider bessere Evidenz die Gentechnik kategorisch als unnatürlich ablehnen und die natürliche Behandlung eines Heilpraktikers der Schulmedizin vorziehen.

Derweil hat sich das Bohemian Browser Ballet Gedanken darüber gemacht, wie eine „Impfgegner-Kita“ aussehen könnte.

Zum Weiterlesen:

  • Impfgegner: Bitte nur, wenn es rein und natürlich ist, Zeit-Online am 14. Mai 2019
  • Video: Walulis über den „Impf-Krieg im Internet“, GWUP-Blog am 9. Mai 2019
  • Wissen und Meinungen, Gesundheits-Check am 14. Mai 2019

2 Kommentare

  1. „Eigentlich gelten die Masern in den USA seit 2000 als ausgerottet. Diesen Status droht das Land zu verlieren. 2019 sind bereits knapp 1000 Menschen erkrankt – vor allem Kinder von Impfgegnern.“

    https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/masern-infektionen-in-den-usa-erreichen-hoechststand-seit-1992-a-1270141.html

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