„Echte“ und Fake-Gurus: Das leichte Spiel der Scharlatane

Die Fake-Doku “Kumaré”, ein “wahrer Film über einen falschen Propheten”, ist jetzt bei Youtube zu sehen:

Um zu zeigen, welch leichtes Spiel Scharlatane haben, verwandelt sich der Filmemacher Vikram Gandhi aus Brooklyn in den weisen indischen Yogi Kumaré und kann rasch eine Gemeinde echter Anhänger um sich scharen.

Auf dem Höhepunkt seiner Popularität muss der selbst ernannte Guru jedoch seine wahre Identität preisgeben und das satirische Experiment findet ein unerwartetes Ende.”

“Kumaré” ist ein schönes Gegenstück zu einem anderen Film, der dieser Tage Schlagzeilen macht:

The Messenger of God”

Hauptdarsteller Gurmeet Ram Rahim Singh ist ein “echter” indischer Guru, der alle gezeigten “Wunder” selbst vollbracht haben will.

Das Guru-Unwesen in Indien nimmt anscheinend immer groteskere Formen an:

Gurus sind in Indien oft ungeheuer populär – und manche von ihnen nutzen die spirituelle Führerschaft schamlos aus”,

schreibt Spiegel-Online dazu.

Die Methoden folgen einem ähnlichen Muster: Es gibt das Versprechen auf Erleuchtung und Erlösung, eine kräftige Prise Personenkult und eine Fassade aus guten Werken, mit denen die Anführer Spendenaufrufe rechtfertigen.

So können die Organisationen Kranken- oder Waisenhäuser betreiben, Schulen bauen und Brunnen finanzieren – allerdings wird darauf oft nur ein Teil der Spenden verwendet. Fürstliche Anwesen und Flotten teuerster Automobile gehören für einige von Indiens spirituellen Führern dazu […]

Jeder fünfte Inder lebt in bitterer Armut, viele hungern, viele sind verzweifelt. Sie sind bereit, Mittelsmännern mit angeblich gutem Draht zu den Göttern für ein bisschen Fürsprache ihre letzte Rupie zu geben – leichte Beute für spirituelle Scharlatane.

“Die Ärmsten der Armen werden skrupellos abgezockt”, sagt Prabir Ghosh, Präsident des Verbands für Wissenschaft und Rationalismus in Indien.

Dass die Regierung nicht einschreitet, hält der in Kalkutta ansässige Autor für einen Skandal. “Die Prediger und die Politiker stecken unter einer Decke. Ein Guru kann Millionen Wähler mobilisieren und manipulieren. Jeder Politiker weiß, dass diese ‘Heiligen’ Betrüger sind, aber keiner von ihnen würde es wagen, das zu sagen.”

Zum Weiterlesen:

  • Kumaré – die Fake-Guru-Doku jetzt auf youtube, Wahrsagerchecks-Blog am 23. Februar 2015
  • Umstrittene Gurus in Indien: Erlöser in Wrestling-Kostümen, Spiegel-Online am 20. Februar 2015
  • Film: Falscher Prophet, wahre Geschichte, GWUP-Blog am 4. August 2012
  • Die Gurubusters von Indien, GWUP-Blog am 1. November 2013
  • Sathya Sai Baba: Tod eines Wundergurus, GWUP-Blog am 24. April 2011

2 Kommentare zu “„Echte“ und Fake-Gurus: Das leichte Spiel der Scharlatane”


  1. 1 Ralf 24. Februar 2015 um 21:24

    Man sollte auch nicht “Mary Carberry”, die es auch schaffte über vier Jahre eine Gruppe von “Gläubigen” zu verarschen…

    Die “Botschaften” von “Jesus”, “Maria”, “hl. Geist” und sogar von “Gottvater” selbst, waren nicht an “Kritiker” gerichtet, sondern an “Gläubige”, die sowieso jeden “Sch…” glauben (Zitat: Mary Carberry)

    Na ja, wenn es diesen Menschen eine Freude ist und das Geld so viel zählt, dann sage ich: “Viel Spaß!”

  2. 2 Nesselsetzer 25. Februar 2015 um 12:36

    “Dass die Regierung nicht einschreitet, hält der in Kalkutta ansässige Autor für einen Skandal. … Jeder Politiker weiß, dass diese ‘Heiligen’ Betrüger sind, aber keiner von ihnen würde es wagen, das zu sagen.”

    Ich bezweifle, ob tatsächlich “jeder Politiker” weiss, dass diese “Heiligen” Betrüger sind. Vielmehr scheint auch dort der Aberglauben tief verwurzelt zu sein und bis in die politischen Spitzen zu reichen.

    Als Beispiel brauchen wir ja nur nach Nordrhein-Westfalen zu schauen. Dort hat sich ja auch die Gesundheitsministerin allen Ernstes der Förderung homöopathischer und anthroposophischer Quacksalbereien verschrieben. Ein Skandal wäre das allemal – wenn der Quatsch nicht in der Bevölkerung so tief verwurzelt wäre.

    In dieser Hinsicht sind die indischen Politiker also auch nicht rückständiger als die deutschen.

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