Sathya Sai Baba: Tod eines Wundergurus

Nun ja, der “weltweiten Trauer”, wie die Süddeutsche und Bild-Online und Die Welt in nahezu gleichlautenden kritikfreien Jubelartikeln schreiben, vermögen wir uns nicht so recht anzuschließen – dennoch sei zumindest vermeldet, dass der indische “Wunderguru” Sai Baba heute Nacht gestorben ist.

Da lag er wohl nicht so ganz richtig mit seiner Voraussage, diese Welt physisch erst 2020 verlassen zu wollen. Aber irgendeine “Inkarnation” des Krauskopfes wird gewiss sehr bald auf den Plan treten. “Guru” zu sein, war und ist eben eine prima Geschäftsidee.

Kritische Links zu dem populären Scharlatan finden sich zum Beispiel bei Esowatch, bei indian-skeptic, der AGPF oder Masala Skeptic.

Einen aktuellen Kommentar vom Vorsitzenden der Indian Rationalist Association zum Tod des Sektenführers gibt’s hier:

Sathya Sai Baba caused great damage to India. His irresponsible political patrons corrupted the political culture of India. Encouraged by the clout of Sathya sai Baba, a new clan of miracle mongers imitated him. India would have been a better place without Sathya Sai Baba.”

Ich weiß, “Friede seiner Asche” könnte jetzt als überaus geschmacklose Anspielung auf Sai Babas Lieblingstrick gedeutet werden – deshalb verkneifen wir uns das.

Und schauen lieber ein Video:

Zum Weiterlesen:

  • Swami versus Guru: Sai Baba was no godman or god, Doubtful News am 24. Juni 2014

24 Kommentare zu “Sathya Sai Baba: Tod eines Wundergurus”


  1. 1 dr.von schönfeld 24. April 2011 um 19:00

    Gerade Frauen mittleren Alters scheinen diese”hemmungslose Glaubensbereitschaft” zu haben,warum wohl??

  2. 2 Ram freischafender mystiker 24. April 2011 um 21:41

    Die bekannten indischen Guru sterben langsam aus. Sai Baba ist in meinen Augen nichts anderes als ein Scharlatan.

    Wobei seine Tricks eben nur Tricks sind und zudem ist er Pädophiel. Ich kenne nur zwei indische Gurus die ihr ganzes Leben ohne Sex auskamen, einige haben es versucht, diesen beiden ist es aber auf den Lebensweg gegeben worden. Ramana Maharshi und Ramakrishna. Beide waren könner der Meditation und Kontemplation, das ist der grosse Unterschied.

    Gruss Ram

  3. 3 lb 25. April 2011 um 07:26

    Uh, böser Karriereknick! Der wird er einiges zu erklären haben. Wir dürfen gespannt sein.

  4. 4 retiree 25. April 2011 um 08:32

    Ein Betrüger weniger, ein Heiliger mehr.

    Ändert nichts an der Lage. Das Geschäftsmodell läuft weiter, wie bei Bhagwan, die Org. nennt sich einfach anders, die führen sogar staatlich geförderte Kurse durch.

    http://www.uta-akademie.de/de/content/foerderungsmoeglichkeiten-ueber-staatliche-bildungspraemie

    Ich wette, das wird auch mit dem Erbe von Sai Baba und den Grün-Rot-Schwarzen passieren.

    Eine ausgemachte Sauerei, der verantwortlichen Politik. Darum gehört eine konsequente trennung von Kirche und Staat endlich durchgeführt.

  5. 5 chriss 26. April 2011 um 01:16

    egal ob sai baba rum getrickst hat oder nicht dieser mann war ein
    lebenlang extrem friedlich und hat vielen menschen hoffnung gegeben
    und damit leid erspaart ! tja dass irgendwie immer ein trottel einen
    promi verklagt sexuell missbraucht geworden zu sein , um sich wichtig zu machen das kennen wir doch alle , sai baba hatte kein eigenes
    besitz , wieso sollte er millionen anhaenger haben ,wenn er nichts fuer verlangt . sai baba war nicht so wie die kritiker immer sagen er war ein guter mensch , tja es gab nur ein sai baba
    schwachkoepfe die nur rumkritisieren gibt es wie sand am meer :)

  6. 6 Bernd Harder 26. April 2011 um 11:29

    @chriss: Jemand, der “trickst”, täuscht etwas vor bzw. will ein Bild von sich erwecken, dem er real nicht entspricht.

    Wenn Herr Baba so toll gewesen wäre, wie Sie behaupten, sollte man meinen, dass seine “Persönlichkeit” sich nicht auf Taschenspielertricks gründen musste.

    Insofern ist das überhaupt nicht egal, ob er ein Trickser war oder nicht – sondern seine persönliche Bewertung steht und fällt eben damit.

  7. 7 Noemi Schmidt 4. Mai 2011 um 20:33

    Nun habe ich Sai Baba persönlich gekannt, war eher skeptisch ihm gegenüber – dennoch läßt es sich nicht leugnen, dass er Vibuthi(heilige Asche) materialisiert hat (das habe ich aus unmittelbarer Entfernung mit meinen eigenen Augen klar und deutlich gesehen!). Er hat materialisiert um den Menschen zu zeigen, was möglich ist, denn wir sind die, die “Wunder” sehen wollen. Er hat immer das göttliche im Menschen betont, ich bin Gott,du bist Gott – der Unterschied zwischen uns besteht darin, dass ich es weiß und du es nicht weißt (glaubst). Er war bescheiden, friedlich und hat die Einheit der Religionen befürwortet. Was wollen wir mehr? Wenn wir dies auch tun würden, würden wir friedlicher miteinander leben können. Es gibt verschiedene, auch eine indischer Zeitrechnung, die mit unserem Kalender nicht überein stimmen!!! Was nun, wenn er seinen Tod doch exakt angegeben hat? Den Skeptiker wünsche ich mehr Gottesvertrauen.

  8. 8 Bernd Harder 4. Mai 2011 um 20:57

    @ Noemi: Nun, ich habe auch schon zwei Meter neben Uri Geller gestanden und mit eigenen Augen gesehen, dass er Löffel verbogen hat. Was genau wollen Sie mit Ihrer Einlassung sagen?

    Von James Randi stammt der schöne wahre Satz: “Ein Trickser kann nur von einem Trickser entlarvt werden.”

    Bei der GWUP-Konferenz 1993 in Wuppertal war übrigens der indische “Guru-Jäger” Premanand zu Gast und hat eben diesen Asche-Trick von Sai Baba mehrfach vorgeführt.

    Denken Sie wirklich, Sie könnten das durchschauen, wenn Sie keine Ahnung haben, wie solche Tricks funktionieren? Die youtube-Videos haben Sie aber schon gesehen, oder?

    Wir wünschen allen Esoterikern und “Gläubigen” mehr Skepsis und offene Augen und weniger Leichtgläubigkeit und Wunschdenken. *Das* würde dem Frieden auf der Welt weit mehr dienen, als irgendwelche krausköpfigen Möchtegern-“Erleuchteten”. Was Sai Baba tatsächlich in Indien angerichtet hat, können Sie in dem verlinkten Kommentar der Indian Rationalists nachlesen.

  9. 9 Janina 24. Juli 2014 um 19:03

    Es gibt tatsächlich noch fanatische Anhänger von Baba. Eine namhafte Baba Kontaktperson in Berlin tut es Baba gleich: Schwanzgesteuert, betrügt Frauen, ist verlogen. Aber was kann man von jemandem anderes erwarten, wenn er wöchentlich bei Kerzenschein, Blume und Baba Foto auf einem Altar im muffigen Ambiente die pädophile Persönlichkeit dieses Gurus assimiliert. Selbstbewusste und Selbstverantwortliche Menschen kommen wohl eher nicht auf die Idee sich solchem Kultus zu verschreiben.

  10. 10 Pierre Castell 24. Juli 2014 um 19:33

    @ Bernd Harder:

    “Wir wünschen allen Esoterikern und “Gläubigen” mehr Skepsis und offene Augen und weniger Leichtgläubigkeit und Wunschdenken!”

    Vor über drei Jahren geschrieben – ein frommer Wunsch;-)

  11. 11 Bernd Harder 24. Juli 2014 um 19:37

    @Pierre Castell:

    Seufz …

  12. 12 Tim S. 24. Juli 2014 um 22:44

    “Aber irgendeine “Inkarnation” des Krauskopfes wird gewiss sehr bald auf den Plan treten. “Guru” zu sein, war und ist eben eine prima Geschäftsidee.”

    Wäre es nicht viel besser, wenn man Kritik an Esoterikern/Pseudowissenschaftlern/Verschwörungstheoretikern von deren eigentlichen Person trennen würde? In der Sache darf man ja gerne soviel “debunken”, entlarven und kritisieren wie man will. Aber sobald es um die Menschenwürde von Pseudowissenschaflern oder Verschwörungstheoretikern geht, gibt es gewisse Spielregeln, an denen sich ALLE Bürger der Bundesrepublik Deutschland halten müssen (Stichwort: Artikel 1 Grundgesetz).

    Ein Beipiel: Der skeptische Journalist Will Storr hat ein Buch namens “The Unpersuadables: Adventures with the Enemies of Science” geschrieben, auf dessen Cover drei Affen abgebildet sind, die “nichts hören”, “nichts sehen” und “nichts sagen” wollen. Mit dem Bild der drei Affen soll wohl deutlich auf Verschwörungstheoretiker und Pseudowissenschaftler verwiesen werden.
    http://www.amazon.com/The-Unpersuadables-Adventures-Enemies-Science/dp/1468308181

    Ein weiteres Beispiel: Der Investigativjournalist Hans Leyendecker schrieb 2010 in der Süddeutschen Zeitung bezüglich der 9/11-Konspiareinen Artikel namens “Affen der Angst” – und setzt so zugleich Verschwörungstheoretiker mit einer niedrigeren Evolutionsstufe (nämlich mit Affen) gleich.
    http://www.sueddeutsche.de/politik/bingo-bibber-affen-der-angst-1.312421

    Angesichts solcher Entwicklungen MUSS die GWUP endlich einmal Position beziehen: Kritik gegenüber unsinnigen Verschwörungstheorien (z.B. Mondlandungslüge etc.) ist gerechtfertigt, aber eine Abwertung der Vertreter solcher Positionen ist in keiner Weise legitim! Mir geht dieses ganze “Verschwörungstheoretiker sind dumm und böse-Geschwafel” nämlich extrem auf die Nerven!

    Ich halte viele Verschwörungstheorien für falsch. Dennoch darf man nicht vergessen, dass sie einen positiven Beitrag zur Gesellschaft leisten, denn sie hinterfragen stets bestehende Machtstrukturen. Und wer behauptet, dass es heutzutage keine geheimen Manipulationen im Hintergrund gäbe, der möge sich bitte einmal vergegenwärtigen, dass z.B. das ZDF die Abstimmung zu “Deutschlands Beste” manipuliert hat und das die NSA die gesammte Welt ausspioniert – eine Tatsache, die man vor ca. 10 bis 20 Jahren wohl als “Verschwörungstheorie” abgetan hätte.

    Ich verlange von der GWUP nichts Unmögliches. Es ist absolut legitim, mit wissenschaftlichen Methoden Verschwörungstheorien widerlegen zu wollen, wie die Skeptikerbewegung es auch tut. Die Vertreter solcher Theorien jedoch als die Verkörperung des absolut Bösen oder Irrationalen hinzustellen oder sie in ihrer Menschenwürde anzugreifen halte ich für vollkommen inakzeptabel! Und was den neuesten Stand der Wissenschaft angeht, befinde ich mich da in bester Gesellschaft, wie folgende Publikationen zeigen:

    Anton, Andreas; Schetsche; Michael; Walter, Michael (Hg.): Konspiration. Soziologie des Verschwörungsdenkens. Wiesbaden: Springer VS, 2014.

    sowie die Dissertation:

    Dentith, Matthew Richard Xavier Xander Xanthias Xerxes Xanatos X Dracos Hieronymus Oliphant Ransome Dentith (nein, ich habe mir diesen Namen nicht ausgedacht und dies ist auch kein Troll-Post! Der Mann scheint wirklich so zu heißen, siehe auch Link!, Anmerkung Tim S.): In defence of conspiracy theories. Doctoral Thesis. University of Auckland, 2012.

    https://researchspace.auckland.ac.nz/bitstream/handle/2292/17107/whole.pdf?sequence=2

  13. 13 Bernd Harder 25. Juli 2014 um 10:57

    @Tim S.:

    Hier gehen viele Dinge durcheinander, die nichts miteinander zu tun haben.

    << Ich halte viele Verschwörungstheorien für falsch. Dennoch darf man nicht vergessen, dass sie einen positiven Beitrag zur Gesellschaft leisten, denn sie hinterfragen stets bestehende Machtstrukturen. << Das tun sie eben gerade nicht. "Verschwörungstheoretiker" und echte Aufklärer (z.B. investigative Journalisten) haben einen völlig anderen Ansatz und eine völlig andere Vorgehensweise. Zum Beispiel: Aufklärer stellen Fragen. Verschwörungstheoretiker kommen mit fertigen Antworten bzw. Überzeugungen und konstruieren rückwärts die Fragestellung und "Beweise" dazu. << Und wer behauptet, dass es heutzutage keine geheimen Manipulationen im Hintergrund gäbe, << Das behauptet auch niemand - hat nur nichts mit Verschwörungstheorien zu tun. << der möge sich bitte einmal vergegenwärtigen, dass z.B. das ZDF die Abstimmung zu “Deutschlands Beste” manipuliert << Das ist eine Manipulation, keine Verschwörung. Es fehlt hier zum Beispiel der Aspekt des Illegalen, d.h. rechtswidrigen. << eine Tatsache, die man vor ca. 10 bis 20 Jahren wohl als “Verschwörungstheorie” abgetan hätte. << Nein, hätte man nicht. Eine "Tatsache" war nie eine "Verschwörungstheorie" und umgekehrt. Mir ist zumindest keine "Verschwörungstheorie" bekannt, die sich im Nachhinein als Tatsache herausgestellt hätte. Das heißt: Wo in der Literatur gab es eine breit diskutierte, ausgearbeitete (also kein "Ich denke mal so" oder "Könnte doch sein") Verschwörungstheorie, die sich nach intensiver Recherche von Verschwörungstheoretikern als wahr herausgestellt hätte? << << Ich halte viele Verschwörungstheorien für falsch. << So gesehen, sind eben ausnahsmlos "alle" Verschwörungstheorien falsch - unbenommen der Tatsache, dass es echte Verschwörungen gibt. Zu diesen gab es aber nie vorher eine Verschwörungs-"Theorie".

  14. 14 DarkKnight 25. Juli 2014 um 11:07

    @Tim S.:

    Verschwörungstheorien drehen sich um eingebildete Verschwörungen – folglich können Sie auch keinen realen Machtmissbrauch hinterfragen.

  15. 15 Bernd Harder 25. Juli 2014 um 11:20

    @trixi:

    Weiß ich, danke.

    Dann nehme ich auch gleich nochmal die vermutlich kommende Antwort vorweg:

    Nein, die Area 51 ist in meinen Augen keine “wahr gewordene” Verschwörungstheorie.

    Was stimmt:

    Die Existenz dieser Militärbasis ist lange geheim gehalten worden. Das ist aber keine “Verschwörung”.

    Die “Verschwörung” drehte sich auch nicht um die Existenz von Area 51, sondern um die Aufbewahrung von Aliens und außerirdischen Raumschiffen dort. Und dafür gibt es nach wie vor nicht den Funken eines Beweises.

  16. 16 Tim S. 25. Juli 2014 um 19:22

    Ich verstehe nicht, wo das Problem liegt. Wenn ein Verschwörungstheoretiker behauptet, die Mondlandung sei gefälscht gewesen oder in Area 51 würden Außerirdische aufbewahrt, dann ergibt sich aus solchen Behauptungen kein einziger Nachteil oder gar eine Gefahr für die Gesellschaft. Es gibt durchaus Verschwörungstheorien, die zur konkreten Bedrohung für Menschenleben werden können (z.B. der Unfug von der “jüdischen Weltverschwörung”, der viele Menschen das Leben gekostet hat), aber der überwiegend große Teil der Verschwörungstheorien sind harmlose Gedankenkonstrukte.

    Wenn demokratische Gesellschaften von ihren Bürgern verlangen, mündig zu sein und den eigenen Verstand zu gebrauchen, dann müssen sie auch die Existenz von Verschwörungstheorien hinnehmen. Verschwörungstheoretiker hinterfragen die Dinge. Natürlich liegen sie mit ihren Behauptungen falsch und man kann ihnen durchaus zum Vorwurf machen, dass sie trotz wissenschaftlicher Widerlegungen immer noch bei ihren Behauptungen bleiben – das bloße Hinterfragen allerdings kann man doch wohl kaum verurteilen.

    Welcher konkrete Schaden entsteht denn bitteschön für das Gemeinwohl, wenn Verschwörungstheoretiker ihre Thesen verbreiten? Keiner! Bei Homöopathen etwa ist ja noch ersichtlich, dass der Globuli-Wahn konkret Menschenleben gefährden kann, wenn Patienten auf eine evidenz-basierte Therapie verzichten und stattdessen Zuckerkügelchen schlucken. Aber ich habe noch nie davon gehört, dass Verschwörungstheorien Leib und Leben gefährden (mit Ausnahme der bereits erwähnten antisemitischen Verschwörungstheorien).

    Darüber hinaus ist es absolut inakzeptabel, Verschwörungstheoretiker als “Affen” zu bezeichnen. Eine solche Redeweise ist menschenverachtend.

    “Das tun sie eben gerade nicht. “Verschwörungstheoretiker” und echte Aufklärer (z.B. investigative Journalisten) haben einen völlig anderen Ansatz und eine völlig andere Vorgehensweise.”

    Sehe ich anders. Ein investigativer Journalist stellt – wenn auch nur für sich und im Stillen – immer erst eine Verschwörungstheorie auf bzw. nutzt eine solche als Arbeitshypothese für seine weiteren Schritte. Indem er sich nämlich denkt “Moment mal, an dem und dem Vorgang stimmt doch etwas nicht, da spielt sich doch was hinter den Kulissen ab” formuliert er nämlich schon für sich eine Verschwörungstheorie. Allerdings geht er dieser dann natürlich sorgfältig nach und überprüft seine These auf ihren Wahrheitsgehalt. Das tun richtige Verschwörungstheoretiker leider nicht, da sie trotz Widerlegungen ihr Weltbild immunisieren.

  17. 17 Tim S. 25. Juli 2014 um 20:45

    “Das ist eine Manipulation, keine Verschwörung. Es fehlt hier zum Beispiel der Aspekt des Illegalen, d.h. rechtswidrigen.”

    Das ist im Übrigen schlichtweg falsch, denn das deutsche Strafrecht kennt, anders als etwa der angelsächsische Raum, keinen Straftatbestand namens “Verschwörung”.

    Wikipedia definiert Verschwörung als “heimliches Bündnis mehrerer Personen mit dem Zweck, einen Plan auszuführen; dieser kann ein selbstsüchtiges, verwerfliches Ziel haben und den Schaden anderer beinhalten, aber auch die Beseitigung tatsächlicher oder vermeintlicher Missstände umfassen. Eine Verschwörung beruht also nicht notwendigerweise auf moralisch niederen Motiven, sie basiert jedoch stets auf Geheimhaltung und Konspiration.”

    Eine clevere Abrechnung mit der These, wir dürften Verschwörungstheorien weder glauben noch untersuchen, liefert Pidgen, Charles: Conspiracy Theories and the Conventional Wisdom. Episteme: A Journal of Social Epistemology, 4:2, pp. 219-232.
    http://philpapers.org/archive/PIGCTA.pdf

    Dass der Begriff “Verschwörungstheoretiker” eine stigmatisierende Diskursstrategie darstellt, um unerwünschte Positionen schon im Vorfeld als vermeintlich lächerlich zu brandmarken, wird klargestellt in: Husting, Ginna; Orr, Martin: Dangerous Machinery: “Conspiracy Theorist” as Transpersonal Strategy of Exclusion. Symbolic Interaction 30.2 (2007): 127-150.

    Wer Verschwörungstheorien für irrational hält, sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Deutung, Al-Qaida-Terroristen hätten am 11. September Flugzeuge in das World Trade Center gesteuert, auch eine Verschwörungstheorie ist – allerdings natürlich eine, die sich als wahr herausgestellt hat, im Unterschied etwa zur Behauptung, die Amerikaner seien nie auf dem Mond gewesen. Doch das ändert nichts am Status der Theorie: “Nach positivistischem Verständnis sind Theorien mit dem Anspruch verknüpft, sie durch Beobachtungen (z. B. mittels Experimenten oder anderer Beobachtungsmethoden) prüfen zu können (Empirie). Diese Beobachtung liefert dann direkt die Wahrheit oder Falschheit der Theorie, d.h. sie verifiziert (bestätigt) oder falsifiziert die Theorie.” (Wikipedia). Die Theorie von Al-Qaida als Urheber der Terroranschläge vom 11. September ist wahr – also verifiziert. Das ändert aber nichts an ihrem wissenschaftheoretischen Status: Sie ist – auch wenn sie zweifelsfrei wahr ist, was ich nie leugnen würde – trotz allem rein wesensmäßig eine Theorie, allerdings eine wahre Theorie. Die Mondlandungslüge ist eine – falsche – Theorie, die falsiziert wurde. Beiden Aussagesystemen aber teilen das Merkmal, dass sie ein Bündel von Behauptungen und Aussagen über Geschehnisse in der Welt sind. Diese Definition reicht meines Erachtens vollkommen hin, damit sich eine Theorie auch Theorie nennen darf. Auf den Wahrheitsgehalt kommt es also für eine solche Definition nicht an. Auch die Phlogistontheorie hat sich als falsch erwiesen, bleibt aber nach wie vor von ihrem wissenschaftlichen Charakter her eine Theorie, wenn auch eine, die sich als falsch erwiesen hat.

    Das Kriterium, dass sich Verschwörungstheoretiker irren und Falschaussagen treffen, reicht nicht, um Verschwörungstheorien zu verdammen. Es besteht in unserer Gesellschaft keine Pflicht, wahre Aussagen zu treffen – NUR in ganz speziellen Diskursformen ist dies so, etwa wenn der Diskurs ein wissenschaftlicher ist (denn würde jeder Forscher lügen, würde der Wissenschaftsbetrieb aufhören zu existieren) oder vor Gericht (denn wenn man dort lügt, macht man sich strafbar). Es mag weitere Diskursformen geben, in denen es eine Pflicht ist, die Wahrheit zu sagen. Aber dennoch gibt es auch viele diskursive Rahmen, in denen man nicht unbedingt die Wahrheit sagen muss – etwa, wenn ein Politiker im Wahlkampf gewinnen will oder aber ein Künstler vor seinem Bild steht und behauptet, sein Gemälde drücke Gefühl XY aus. Im Beispiel des Künstlers etwa trifft er – der Künstler – auch eine Aussage, die im wissenschaftlichen Sinne nicht falsifizierbar ist (“Dieses Gemälde drückt für mich unendliche Harmonie aus”), aber trotzdem kriegt er nicht wütende Anrufe von Skeptikern, die ihm Pseudowissenschaftlichkeit vorwerfen. So gesehen bewegen sich Verschwörungstheoretiker mit ihren Behauptungen im öffentlichen Raum, und in diesem muss man nicht unbedingt die Wahrheit sagen, dies gilt nur, wie bereits gezeigt, für einige spezielle diskursive Formen. Autoren von Fantasy-Roman etwa treffen in ihren Werken auch keine wahren Aussagen und niemand nimmt ihnen dies Übel.

    Gäbe es überdies hinaus keine Verschwörungstheorien, würde das einen immensen kulturellen Verlust bedeuten, denn Verschwörungstheorien haben bedeutende kulturelle Erzeugnisse hervorgebracht, egal ob nun Filme wie Independence Day (in einer Szene besucht der Präsident der Vereinigten Staaten Area51) oder die Werke von Dan Brown.

  18. 18 AluIstGesundSagtHahnemann 26. Juli 2014 um 07:13

    Lieber Tim, Sie übersehen auch eines…

    Wenn einer der BRD-Gmbh-Experten andere Menschen (Vom Bundespräsidenten abwärts bis zum einfachen Blogschreiber) bepöbelt, verunglimpft usw – ist das in Ordnung -weil der ja von allen und jedem verfolgt wird.

    Wehrt sich der Blogschreiber – wird er erst recht von Anwälten und Abmahnungen überzogen. DANN wissen die BRD-Leugner sehr genau, welche Rechte sie haben.

    Und das gilt für Chemtrails genauso und Heilpraktiker schon ganz…

    Ach ja – ich selber war schon Opfer eines Chemtrail-Anwalts…

  19. 19 Tim S. 26. Juli 2014 um 15:20

    @AluIstGesundSagtHahnemann
    Vielen Dank für Ihren Hinweis! An die Szene der “BRD-GmbH-Anhänger” und Chemtrail-Fans hatte ich tatsächlich noch gar nicht gedacht!

    @trixi
    “Demnach wäre also meine Schwester als Kindergärtnerin eine Ober-Verschwörerin, weil sie mit ihren Kids ständig “ein heimliches Bündnis mehrerer Personen mit dem Zweck, einen Plan auszuführen” ausheckt. Zum Beispiel Muffins backen, wovon die Eltern nichts wissen dürfen, weil es eine Überraschung werden soll.”

    Im strengen Sinne ja, nur dass es hier natürlich keine Schadensabsicht gibt.

    Aber gut, ich höre mir auch gerne andere Meinungen zu dem Thema an. Wie würdest du denn den Begriff “Verschwörung” definieren?

  20. 20 AluIstGesundSagtHahnemann 26. Juli 2014 um 16:02

    Tim, technisch kann es keine Verschwörung geben. Setz mal die Logik ein…

    Wir beide beschliessen, die Weltherrschaft anzutreten. Du im kriegst den Westen und ich den Osten. Das ist eine Verschwörung – weil wir uns damit über Recht und Gesetz aller möglichen Staaten usw. stellen und vor allem – zum Schaden derselben.

    ABER! Das werden wir nicht alleine schaffen – wir brauchen Mitwisser. Und jetzt endet technisch die Verschwörung(m.E.) – denn wir wollen immer noch die Herrschaft – aber bei 3000 Mitwissern ist unsere Verschwörung kaum noch aufrecht zu erhalten.

    einer WIRD plappern – und das wars… Daher ist alles, was mehr wie einen Mensch erfordert – von vornherein zum Scheitern verurteilt. Es kommt immer raus!

    Und da braucht es keinen Snowdon oder Assange… es reicht die Profilierungssucht oder die Profilneurose eines der Beteiligten… (die beiden genannten sind selber für mich typische Typen mit Profilierungssucht – die allen und jedem allen Sch* erzählen MÜSSEN – sonst platzen die vor lauter “Herr Lehrer ich weiß was…”

  21. 21 Tim S. 26. Juli 2014 um 17:37

    “ABER! Das werden wir nicht alleine schaffen – wir brauchen Mitwisser. Und jetzt endet technisch die Verschwörung(m.E.) – denn wir wollen immer noch die Herrschaft – aber bei 3000 Mitwissern ist unsere Verschwörung kaum noch aufrecht zu erhalten.”

    Ich habe keine Ahnung, wie viele Mitarbeiter die NSA unterhält. Aber diesem Geheimdienst ist es gelungen, die gesamte (!) Menschheit auszuspionieren – was im Übrigen nie aufgeflogen wäre, wenn Snowden es nicht enthüllt hätte. Man sieht also, dass dein Zahlenargument nicht in allen Fällen zutrifft. Ich gebe ja zu, dass ich es recht überzeugend finde, aber was die NSA-Affäre angeht, versagt es völlig. Da wussten nämlich einige Hunderte, wenn nicht gar mehr Personen davon, dass sie den gesamten Globus aushorchen konnten.

  22. 22 Pierre Castell 26. Juli 2014 um 20:45

    @ Tim S.
    “Aber gut, ich höre mir auch gerne andere Meinungen zu dem Thema an.”

    Sehr großzügig…

  23. 23 Beobachter 27. Juli 2014 um 05:48

    @ AluIstGesundSagtHahnemann:

    Ganz so einfach darf man es sich nicht machen.
    Ein spinnerter “Weltherrschafts-Beschluss” zwischen zwei Kumpels nach dem dritten Bier ist doch keine “Verschwörung”, die auch nur irgendwen anderen im Geringsten juckt und irgendwem “schadet”, geschweige denn “allen möglichen Staaten” !
    Du liebe Zeit, was hat das alles mit “Logik” und “Technik” zu tun ?!
    Ist schon erstaunlich, was hier so verzapft wird …

    Und Snowden und Assange als bloße, wichtigtuerische Profilneurotiker und Profilierungssüchtige zu diffamieren, weil es (“bei 3000 Mitwissern” als imaginäre Personenkreisbegrenzung) sowieso herausgekommen wäre und irgendeiner “geplappert” hätte, wäre mehr als verkürzt gedacht und läßt ganze gesellschaftspolitische Entwicklungen außer Acht.
    Es wäre jeder Whisteblower und investigative Journalist ein Spinner mit gestörter Persönlichkeitsstruktur.
    Außerdem denke ich nicht, dass eine Profilneurose so weit gehen kann, dass man sich deshalb lebenslanger Verfolgung durch staatliche Behörden bis hin zur berechtigten Angst um Leib und Leben aussetzt.
    Was einzelne Leute letztendlich trotzdem antreibt, die Öffentlichkeit (anhand von Dokumenten und belegbar) zu informieren, sei dahingestellt; im besten Fall ihr Gewissen und Verantwortungsbewußtsein. Gott sei Dank gibt es sie, sonst wüssten wir heute (noch) weniger. Was die Konsequenzen aus diesem “mehr wissen” sind/sein werden, ist eine politische Frage.

    Die derzeitigen realen Entwicklungen stellen m. E. jegliche Verschwörungstheorien in den Schatten: NSA-Globalüberwachung; Verselbständigung der Geheimdienste; Massendatenspeicherung; bestimmender Einfluss des Lobbyismus; Macht globaler Konzerne, IT-Unternehmen, Banken etc.

    Aktuell:
    Privatisierung der Forschung im Gesundheitsbereich durch IT-Gigant Google (!):
    http://www.sueddeutsche.de/wissen/baseline-studie-google-auf-dem-egotrip-1.2063068 :
    ” … “Mit Google steigt jetzt erstmals eine Privatfirma in diese bislang öffentlich finanzierte Forschung ein”, erklärt Nöthen. “Es ist beeindruckend zu sehen, wie viele Daten auf einmal der Konzern sammeln will.” Und gleichzeitig verfüge Google über das Wissen, diese Daten auch auszuwerten. … ”
    Wie wird die Vermarktung dieser Daten/dieses Wissens wohl aussehen ?!

    Das heißt aber noch lange nicht, dass man angesichts der realen Gefahren/Bedrohungen auch noch zum Verschwörungstheoretiker werden muss.
    Bsp.:
    “Das Weltjudentum ist an allem schuld”; Big Pharma produziert Impfstoffe und Medikamente zur Schädigung und Reduzierung der Menschheit; Handys werden deshalb massenhaft produziert/verkauft, um die Menschheit durch deren Strahlung zu schädigen und Demenz und Krebs zu verursachen; “Klimalüge”; “Mondlandungslüge”; “Chemtrails”; “Reichsdeppen” etc.

    Da man als kritischer, wacher Mensch aber sozusagen nicht alle Felder gleichzeitig beackern kann, muss man sich auf Teilbereiche beschränken, wenn man überhaupt etwas dagegen tun will.
    Was aber einen Tunnel-Blick ausschließen sollte, denn Kritikfähigkeit bzw. eine kritische Sichtweise darf sich nicht nur auf Teilbereiche beschränken.
    Bsp.:
    Wenn ich die Auswüchse in der “Alternativmedizin” kritisiere, muss ich auch die Missstände in der “Schulmedizin” bzw. in unserem Gesundheitssystem sehen.
    Um Gurus, Scharlatanen, Wunderheilern und politischen “Führern” keine Chance zu geben, muss ich gegen streng hierarchische und sektenähnliche Strukturen gewappnet sein; gelernt haben, zu hinterfragen.

    Die Welt ist schon bekloppt genug, als dass man auch noch auf Gurus jedweder Couleur, Heil(ung)sversprechungen, irrationale/geschürte Ängste, Esoterik, Verschwörungtheorien oder schlicht Betrüger hereinfallen sollte/müsste …

  24. 24 AluIstGesundSagtHahnemann 27. Juli 2014 um 07:22

    Tim, andersherum wird ein Schuh draus.

    Eben weil es keine Verschwörung gegen wen auch immer war, ist das auf kleiner Flamme geblieben.

    Jeder der NSA-Leute macht halt seinen Job – mehr nicht. Wenn dein Chef sagt, kuck mal was die doofen krauts treiben – dann machst du das – du hast nämlich Heim und Familie zu versorgen! Und komme mir nicht, das du die Ausnahme bist.

    Geh lieber in dich und frag dich mal, wie oft du schon einfach getan hat, was man dir gesagt hat. Nennt man Mitläufer und ist leider menschlich.

    auch ich zähle mich dazu….

    Weil ich von Ehre usw. meine Familie nicht ernähren kann

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