Angst essen Verstand auf oder „Die Akte Aluminium“

Ein Gastbeitrag von Stephan Angene

Wie erreiche ich es, dass so viele Menschen wie möglich mein krudes Weltbild akzeptieren?

Wie kann es funktionieren, dass meine wahnwitzigen wagemutigen Behauptungen ernst genommen oder sogar für wahr gehalten werden?

Wie verhindere ich am effektivsten, dass Menschen selbst nachdenken?

Solche und ähnliche Fragen könnte sich der Dokumentarfilmer und Impfgegner Bert Ehgartner gestellt haben.

Die Antwort darauf gibt er in seinen Büchern, vor allem aber in seinem phänomenalen 89-minütigen MachMeisterwerk, dem Dokumentarfilm mit dem Titel Die Akte Aluminium, der am 23. Juli 2013 bei Arte gezeigt wurde (Wiederholung am 12. August).

Ehgartners Antwort auf die obigen Fragen besteht darin, dass er über die Gefühle der Menschen die Akzeptanz seines Weltbildes und seiner Behauptungen erreichen will. Hierbei setzt er hauptsächlich auf eine spezielle und mächtige Emotion: die Angst.

Nun mag man einwenden, dass dies nun wirklich nichts Neues ist, denn so gehen Religionen, Gurus und Esoteriker aller Couleur schon seit ewigen Zeiten vor.

Das ist sicherlich richtig, aber Ehgartner macht das wirklich verdammt gut und spielt auf der Klaviatur der Gefühle wie ein Meisterpianist.

Er begnügt sich auch nicht mit Angst, sondern mischt noch eine ordentliche Portion Mitleid hinzu. Aber auch das reicht natürlich noch nicht, denn irgendjemand oder irgendetwas muss ja schuld sein. Deshalb präsentiert er dann den Schuldigen – nämlich immer Aluminium! Und der Zuschauer kann seine Angst und das Mitleid zornig auf dieses projizieren.

Zunächst einigen Fakten über Aluminium:

Aluminium ist das dritthäufigste Element und häufigste Metall in der Erdkruste. Wir sind als Menschen also schon immer dem Aluminium und seinen Verbindungen in der Natur ausgesetzt.

Es ist auch wichtig zu wissen, dass es einen Unterschied machen kann, ob man über den Schaden durch reines, elementares Aluminium redet oder irgendeine der zahlreichen Verbindungen, die Aluminium eingehen kann.

Man kann schließlich auch nicht von der potenziellen Gefährlichkeit von Natrium und Chlor auf die Gefährlichkeit der Verbindung Natriumchlorid schließen (NaCl ist nichts anderes als Kochsalz, das wir täglich zu uns nehmen).

Hinzu kommt, dass auch die Dosis das Gift macht.

Jeder Stoff ist ab einer bestimmten Konzentration und Menge gefährlich und giftig. Deswegen ist es wichtig darüber nachzudenken, in welcher Dosis wir diesen oder jeden Stoff überhaupt aufnehmen oder ihm ausgesetzt sind. Zur allgemeinen Toxizität von Aluminium sind am Ende dieses Artikels einige Verlinkungen aufgeführt.

Kommen wir nun zu den Inhalten seines Dokumentarfilmes.

Allein die Überschrift der Arte-Themenseite „Ist Aluminium so harmlos wie behauptet?“ ist, strategisch betrachtet, schon hervorragend gewählt.

Sie unterstellt, dass behauptet werde, Aluminium sei harmlos.

Wer behauptet das? Alle, die nicht behaupten, dass Aluminium absolut tödlich ist?

Wer weiß.

Man achte zudem darauf, wie der Filmemacher Ehgartner sich mit diesem Motto positioniert: Er ist der Held, Revoluzzer und Aufklärer in einem Kampf gegen den Rest der Welt.

Die zweite implizierte Frage ist, ob Aluminium gesundheitlich unbedenklich ist.

Und genau damit fängt der Film an.

Er zeigt die Hebamme Eva Glave, die Brustkrebs hat(te) und der deswegen eine Brust amputiert wurde. Im Film wird explizit behauptet, dass Deos mit Aluminiuminhaltsstoffen ein Risiko für die Entstehung von Brustkrebs darstellten.

Implizit wird behauptet, dass Aluminium die Ursache für Brustkrebs ist (zumindest: „sein kann“).

Jeder Zuschauer wird Mitleid für Eva Glaves Leidensgeschichte empfinden – und Angst davor bekommen, dass Aluminium Mammakarzinome verursachen kann.

Das ist kein Zufall, sondern von Ehgartner so beabsichtigt, denn die folgenden Fragen stellt sich der Durchschnittszuschauer schon gar nicht mehr:

  • Welche Argumente und Belege liefert der Filmemacher für diese Behauptung, dass Deos, die Aluminium enthalten, die Ursache für Brustkrebs sind?

Natürlich Eva Glave, die Brustkrebs hat, und solche Deos benutzte.

Man muss hier selbstverständlich darüber hinwegsehen, dass ein Einzelfall keineswegs geeignet ist, die Ursache von irgendetwas feststellen zu können. Gibt es wissenschaftliche Studien, die diese Behauptung belegen?

Nun, Ehgartner lässt die Onkologin Philippa Darbre auftreten, die herausgefunden haben will, dass Aluminium gesunde Brustzellen in der Petrischale in Krebszellen verwandelt.

Ist ein solches Experiment überhaupt geeignet, die Behauptung zu belegen?

Nein, denn das Aluminium in den Deos müsste dafür erst einmal in ausreichender Dosis die Haut durchdringen, was es nicht tut. Mit welchen Konzentrationen Frau Darbre gearbeitet hat, ist unklar.

Sonstige Belege? Fehlanzeige.

Werden gegenteilige Belege erwähnt? Nein.

Allerdings wollen wir Ehgartner fair behandeln, denn es kommt kurz der Toxikologe Nicholas Priest zu Wort.

Dieser erklärt, dass es keine Belege für einen Zusammenhang gibt, gerade im Hinblick auf die niedrigen Dosierungen, die verwendet werden.

Jedoch wird Priest als Lobbyist der Aluminiumindustrie vorgestellt, was seine Aussagen in Zweifel ziehen und ihn als Handlanger der Industrie erscheinen lassen soll.

Das Petrischalen-Experiment von Frau Darbre scheint jedenfalls nicht überzeugend zu sein, wie man z.B. bei folgenden Quellen nachlesen kann:

Sogar die Frauenzeitschrift Brigitte kommt zu einer nüchternen Einordnung des Darbre’schen Experiments:

Seit Jahren sind Deos mit Aluminiumsalz in der Kritik: Behauptungen, sie könnten Brustkrebs oder Demenz auslösen, wurden bisher aber nicht bewiesen. Krebsexperten sehen den Verdacht als unbegründet. Zwar zeigte ein Laborversuch der Universität Genf, dass Aluminiumsalze im Reagenzglas Brustzellen schädigen können – aber aus dieser Studie lässt sich eine krebserzeugende Wirkung auf den lebenden Organismus nicht ableiten.”

Kurz gesagt, es gibt keinen ernstzunehmenden Beleg, dass aluminiumhaltige Deos die Ursache für Brustkrebs sind.

Aber mit solch unwichtigen Details wie Belegen wollen wir uns nicht lange aufhalten. Der Film geht ja schließlich weiter und wir haben noch viel zu entdecken.

  • Als nächstes wird behauptet, dass Aluminium die Ursache für Alzheimer sei.

Um das zu zeigen, wird Günter Paroll präsentiert, der an Alzheimer erkrankt ist.

Er hat über längere Zeit Medikamente gegen Sodbrennen eingenommen, die Aluminiumhydroxid bzw. Aluminiumhydroxychlorid enthielten.

Wie bei der Behauptung „Deos verursachen Brustkrebs“ wird ein Einzelfall gezeigt, der Mitleid erregt und Angst auslöst. Auch hier gilt, dass man aus einem Einzelfall keinen seriösen Schluss auf einen ursächlichen Zusammenhang ziehen kann und darf.

Welche ernstzunehmenden Belege für die Behauptung werden aufgeführt? Wiederum keine.

Im Gegenteil zeigt die Beleglage, dass eben gerade nicht darauf geschlossen werden kann, dass Aluminium(hydroxid) die Ursache für Alzheimer ist.

Nachzulesen z.B. bei folgenden Quellen:

Es bleibt natürlich die Möglichkeit bestehen, dass sich irgendwann doch herausstellt, dass Aluminium ein Faktor ist, der die Entstehung von Alzheimer begünstigt (oder sogar verursacht), siehe z.B. hier.

Die Wissenschaft bleibt stets offen für neue Erkenntnisse und ist in der Lage, sich von widerlegten Vorstellungen zu verabschieden.

Das ist der Unterschied zwischen Bert Ehgartner und der Wissenschaft.

Denn auf der Basis der Belege und Gegenbelege, die zurzeit vorliegen, ist es unseriös und völlig unverhältnismäßig, einen Zusammenhang zwischen Aluminium und Alzheimer zu konstruieren.

Das ist schlicht Panikmache.

Bert Ehgartner schafft es sogar, die Anschläge vom 11. September 2001 mit Aluminium in Verbindung zu bringen.

Die „angeblichen“ Explosionen, kurz bevor die Twin Towers in sich zusammenstürzten, sollen durch flüssiges Aluminium (welches aus den Flugzeugen stammt) plus Wasser (aus den Sprinkleranlagen) ausgelöst worden sein.

Er macht sich sogar lustig über die „herkömmliche“ Verschwörungstheorie, die von gezielten und geplanten Sprengungen und einem „Inside-Job“ der Regierung ausgehen.

Dabei merkt er gar nicht, dass er diese Verschwörungstheorie nur durch seine „Aluminium-ist-an-allem-schuld”-Konspiration ersetzt.

Zu einer eigenen Verschwörungstheorie macht er sie, als folgender Satz aus dem Off weht:

Im offiziellen Regierungsbericht zum Einsturz der Twin Towers wird Aluminium mit keinem Wort erwähnt.“

Nun, viele Dinge wurden im offiziellen Regierungsbericht zum Einsturz der Twin Towers wohl nicht erwähnt, und das gibt Bert Ehgartner die Chance, nochmal gänzlich andere Verschwörungstheorien zu 11/9 in die Welt zu setzen.

  • Weiter geht es im Film mit einem Unfall in England (Camelford) im Jahr 1988.

Dort gelangten versehentlich 20 Tonnen Aluminiumsulfat ins Trinkwasser.

Wieder werden Einzelschicksale von Menschen gezeigt, denen es gesundheitlich sehr schlecht ging.

Ob Aluminium ursächlich daran beteiligt war, bleibt natürlich wieder ohne Belege.

Dass vielleicht die Schwefelsäure, die sich aus Aluminiumsulfat entwickelt, Gesundheitsschäden verursachte, ist uninteressant. Dass einige Menschen nach einem solchen Unfall eventuell die Chance ergreifen, ihre schon vorhandenen Gesundheitsprobleme mit dem Unfall zu verknüpfen und so Entschädigungen zu erhalten, wird natürlich auch nicht erwähnt.

In diesem Zusammenhang wird auch behauptet, dass Aluminium im Trinkwasser eine große Gefahr sei, was natürlich nicht belegt wird und falsch ist.

  • Zum Abschluss des Filmes kann es sich der Impfgegner Bert Ehgartner natürlich nicht nehmen lassen, zu behaupten, dass Aluminium(hydroxid), welches als Adjuvans (Verstärker) in manchen Impfmitteln enthalten ist, schädlich und gefährlich sei.

Es mag sich wie eine kaputte Schallplatte anhören, aber auch für diese Behauptung liefert er keinerlei Belege.

Zum Thema Impfungen empfiehlt sich generell die 20-Fragen-Liste des Robert-Koch-Institutes.

Selbst wenn Aluminium enthalten ist, ist die Dosis viel zu gering, um irgendeinen Schaden anzurichten.

Was von einem angeblichen Zusammenhang zwischen Aluminium(verbindungen) in Impfstoffen und ADHS zu halten ist, kann man bei Prof. Ulrich Berger vom GWUP-Wissenschaftsrat nachlesen.

Bleiben noch zwei Dinge, die geklärt werden müssen:

  • Erstens wird in dem Film auch über von Aluminium ausgelöste Allergien geredet.

Es mag sein, dass Aluminium Allergien auslösen kann, allerdings gilt das auch für viele andere Stoffe, und dieses Thema wird auch nur kurz angesprochen, weil es wohl nicht sensationell genug ist.

Es werden auch die Umweltzerstörung (durch den Bauxit-Abbau) und die schlechten Arbeitsbedingungen kritisiert, was grundsätzlich völlig legitim ist. Das macht Ehgartners andere Behauptungen aber nicht plausibler oder wahrer.

Der “Toxikologe und Aluminiumexperte” Chris Exley von der Keele-University bei Manchester ist der „Running Gag“ des Films.

Alle 10-15 Minuten taucht er auf und sagt etwas dramatisch Klingendes, wie z.B.:

Wir wissen nicht, ob Aluminium zu der Erkrankung von Alzheimer beiträgt oder diese sogar auslöst. Aber das ändert nichts daran, dass Aluminium ein Nervengift ist.

Dass Aluminium genau jene pathologischen Nervenveränderungen auslöst, die mit Alzheimer assoziiert sind. Dass man ein höheres Alzheimerrisiko hat, wenn das Trinkwasser im Wohnbezirk mit Aluminium behandelt wird. Alle diese Zusammenhänge existieren nach wie vor. Keiner davon beweist, dass Aluminium Alzheimer auslöst oder fördert.

Auf der anderen Seite konnte aber auch niemand zeigen, dass das nicht so ist.“

Ob diese Zusammenhänge überhaupt existieren, ist im besten Fall zweifelhaft. Selbst wenn sie existieren, beweist dies nichts, wie er sogar selbst zugibt.

Und dann dreht er die Beweislast um und fordert, dass andere beweisen sollen, dass Aluminium Alzheimer nicht auslöst.

Exley:

Ich bin absolut sicher, dass es die Alzheimerkrankheit auch ohne Aluminium gäbe. Doch würde sie in so jungen Jahren auftreten? Möglicherweise müsste man ohne Aluminium 150 Jahre alt werden, um daran zu erkranken.“

Gleiches Spiel wie immer. Er spekuliert und nennt Möglichkeiten. Argumente? Belege? Keine.

Exley:

Forschungen über Aluminium wurden mit Absicht gestoppt. Weil das passiert ist, wissen wir viel zu wenig über die Auswirkungen von Aluminium auf die menschliche Gesundheit.“

Ob diese Aussage so überhaupt korrekt ist, dass Forschungen gestoppt wurden, ist schwer zu beurteilen.

Aber nehmen wir einmal an, es sei so. Vielleicht wurden bestimmte Forschungen gestoppt, weil sich gezeigt hat, dass Aluminium ungefährlich ist?

Natürlich ist Forschung grundsätzlich gut, aber es stehen in der Realität eben nur begrenzte Mittel zur Verfügung, und da muss man sich entscheiden, was vielversprechender ist.

Auch diese Aussage von Exley fischt nur im Trüben und klingt mehr nach Verschwörungstheorie als nach der Aussage eines seriösen Wissenschaftlers.

Exley:

Die Büchse der Pandora wurde geöffnet. Aluminium wurde freigesetzt.“

Am Schluss schürt er noch einmal so richtig Angst. Was soll man dazu weiter sagen?

Auf der Seite von Arte zur Alu-Doku ist noch ein Interview mit Chris Exley; auch diese Aussagen sollten wir kurz analysieren:

Exley:

Dass das Aluminium auf die Schweißdrüse einwirkt, kann aber weitere Konsequenzen haben als das alleinige Unterbinden der Achselschweißbildung. Folgen, die man bis jetzt überhaupt noch nicht vermutet.“

Was für eine Nullaussage:

Ja, alles, was wir machen oder nehmen, kann theoretisch irgendwelche Folgen haben, die wir nicht vermuten oder übersehen haben. Das ist eine Aussage, um Angst zu machen, nicht mehr.

Exley:

Inzwischen gibt es Unmengen von Hinweisen eines direkten Zusammenhangs zwischen Aluminium und Brustkrebs: Bei Frauen mit Brustkrebs konnte ein erhöhter Aluminiumgehalt in der Brust nachgewiesen werden.

Woher das Aluminium kommt? Womöglich von aluminiumhaltigen Deos. Um das endgültig zu beweisen, fehlen uns die Untersuchungen.“

Auch hier impliziert er zumindest einen kausalen Zusammenhang, den seriöse Wissenschaftler nicht bestätigen können.

Es ist falsch, dass es Belege dafür gibt.

Wieder eine Nullaussage, mit der er Angst schürt: Wir brauchen mehr Untersuchungen, weil die Belege fehlen.

Auf die Idee, dass eventuell seine Hypothese falsch ist und er deshalb niemals Belege dafür finden wird, kommt er leider nicht.

Exley:

Als Hilfsstoff in Impfstoffen steigert Aluminium die Immunreaktion. Die Sicherheit von Aluminium in diesen Anwendungen wurde allerdings nie getestet.“

Ist das so? Ist das überhaupt notwendig bei den winzigen Konzentrationen von Aluminium in Impfstoffen? Gibt es Hinweise oder Belege für die Gefahren von Aluminium in diesem Zusammenhang?

Wieder nur eine Aussage, die Angst machen soll.

Exley:

Man müsste die genauen Daten des Patienten kennen, aber es gibt vergleichbare Fälle: 1988 war eine Frau sehr hohen Dosen im Trinkwasser ausgesetzt und verstarb 2005. Bei der Obduktion ihres Gehirns stellten wir eine aggressive Form der Alzheimer-Krankheit und einen hohen Aluminiumgehalt fest.

Und selbst im Beipackzettel von Tabletten gegen Sodbrennen wird dazu geraten, das Medikament nicht über lange Zeiträume einzunehmen, um einen erhöhten Aluminiumspiegel zu vermeiden. Dieser Hinweis gehört in Großbuchstaben auf die Packung – wie es bei Zigaretten der Fall ist.“

Und ich nehme seit acht Jahren Aluminiummedikamente gegen Sodbrennen und habe keinen Alzheimer.

Beweist das nun, dass Aluminium unschädlich ist? Ich weiß, ich wiederhole mich, aber er will Angst auslösen, reitet auf Einzelfällen herum und spekuliert nur.

Exley:

Die Behörden für Lebensmittelsicherheit wie die EFSA vertreten in erster Linie die Industrie. Als unser Institut an der Keele University Daten über den viel zu hohen Aluminiumgehalt in Säuglingsmilchpulver veröffentlichte, gaben die EFSA oder die Food Standard Agency hier in Großbritannien nicht einmal einen Kommentar ab.“

Ok, nun sind wir wieder bei Verschwörungstheorien. Es wird immer lächerlicher. Kein Kommentar.

Exley:

Gibt es einen wissenschaftlichen Konsens über die Gefahren von Aluminium? Das Thema polarisiert. Und der Einfluss der Aluminiumlobby auf Regierungen und deren Forschungssubventionen ist immens.

Doch sollte man beweisen können, dass Aluminium eine Ursache für Alzheimer ist, wären ganze Industriezweige betroffen. Das käme einem Einbruch der Börsenkurse gleich.“

Was soll man dazu sagen?

Da geht nur noch Satire:

Gibt es einen wissenschaftlichen Konsens über die Form der Erde? Nun ja, das Thema polarisiert. Der Einfluss der Befürworter einer runden Erdform auf Regierungen und Forschungssubventionen ist immens.

Doch sollte man irgendwann beweisen können, dass die Erde doch eine Scheibe wäre, wären ganze Industriezweige wie die Schifffahrt- und Luftfahrtindustrie betroffen. Das Wasser der Ozeane würde über den Rand ins Universum laufen und wir müssten alle sterben!“

So viel zur „Akte Prof. Chris Exley“.

Es bleibt wohl ungeklärt, weshalb er sich zu solchen Aussagen hat hinreißen lassen.

In guter Tradition zu diesem Film könnte man spekulieren, dass er einmal ins Fernsehen kommen wollte. Oder Angst um seinen Job hat und deshalb die Forschung über Aluminium ankurbeln will, indem er selbst Angst schürt. Alles ist möglich, wer weiß das schon.

Was ist schlimmer?

Dass es Menschen gibt, die versuchen, die Wissenschaft auszunützen und damit die Leute in die Irre zu führen, oder dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit solchen Menschen zusammen arbeitet und solche „Dokumentarfilme“ auch noch ausstrahlt? Haben Sie schon ihren Rundfunkbeitrag GEZahlt?

Es bleibt festzuhalten, dass die Art und Weise, wie Bert Ehgartner einen 89-minütigen Film nur mit an den Haaren herbeigezogenen Räuberpistolen und Horrorstorys über Aluminium füllt, ihresgleichen sucht.

Eigentlich wundert man sich, dass er die Verantwortung für Tsunamis, Hurrikanes, Vulkanausbrüche, Erdbeben, drohende Überbevölkerung und Klimawandel nicht auch noch dem Aluminium in die Schuhe schiebt.

Als Vorschlag für weitere Dokumentarfilme schlage ich Herrn Ehgartner folgendes Thema vor:

Die Akte Dihydrogenmonoxid (DHMO): die unterdrückte und geleugnete Wahrheit über den wohl gefährlichsten Stoff aller Zeiten.

Dihydrogenmonoxid wirkt absolut tödlich, und das sowohl bei einem Mangel als auch im Überfluss! Es ist in großer Menge in Impfstoffen enthalten und wird weiter verwendet, obwohl nicht bewiesen ist, dass es ungefährlich ist. Es kommt im Brustgewebe vor, speziell in Tumorzellen.

Man findet es im Gehirn von Alzheimerpatienten und obwohl es bei den Anschlägen vom 11. September 2001 in großer Menge vor Ort war, wird es im offiziellen Regierungsbericht mit keinem Wort erwähnt. Machen Sie sich gefasst auf die größte Enthüllung in der Menschheitsgeschichte.“

Bert Ehgartner hat sich nicht nur die Bezeichnung „Impfgegner“ redlich verdient, sondern man könnte ihn mit Fug und Recht nun auch als „Verschwörungstheoretiker“ und vor allem „Panikmacher“ bezeichnen.

Warum mache ich mir überhaupt so viel Mühe, diesen Film zu kritisieren?

Das Zeug glaubt doch sowieso niemand, der bei klarem Verstand ist.

Doch, leider schon.

Aber es gibt doch bestimmt Dutzende von Rezensionen, die diesen Film für das kritisieren, was er propagiert?

Nein, leider nicht.

Genau deshalb habe ich diese Kritik geschrieben.

Zum Weiterlesen:

Quellen zur Toxizität von Aluminium(verbindungen):

Allgemeines:

  • Dihydrogen-Monoxid: Der Horror muss ein Ende haben! Telepolis am 1. November 2011
  • Die beste Frage besteht aus nur vier Wörtern: Woher weißt du das? Nachdenken bitte am 24. Juli 2013
  • Beweis mir doch mal das Gegenteil! Oder: Die bequeme Umkehrung der Beweislast, Ratio-Blog am 1. Dezember 2011
  • Wer hat die Beweislast zu tragen? Nachdenken bitte am 21. November 2012
  • Logische Fehlleistungen und wie man sie erkennt (30 Folgen), Ratio-Blog
  • Wenn Hanf die Radioaktivität wegschwingen soll, Wahrsagerchecks-Blog am 8. Juli 2013

460 Kommentare zu “Angst essen Verstand auf oder „Die Akte Aluminium“”


  1. 1 Stephan 6. Juli 2015 um 13:00

    Hmmm…Ich muss zugeben, dass mich seine begrenzte Fantasie nun doch etwas enttäuscht…

    Die Möglichkeiten waren praktisch unbegrenzt: Die Akte Eisen, Die Akte Kupfer, Die Akte Glyphosat (http://blog.gwup.net/2015/07/05/glyphosat-noch-eine-sau-durchs-dorf/), Die Akte Amalgam, Die Akte XY…und was macht er? Die Akte Aluminium Teil 2 „unter die Haut“.

    Das ist schon ein wenig schwach, oder?

    Wenn hier das alte Kino-Naturgesetz zutrifft, dass der zweite Teil quasi immer schlechter ist, als der erste Teil, dann Gnade uns Gott…

    Wie wohl Teil 3 im Zusatz lauten wird? Akte Aluminium „ab ins Hirn“? Teil 4: Akte Aluminium „damit mach ich viel Geld“, Teil 5: Akte Aluminium „jetzt geht’s erst richtig ab“?

    Schade, dass er meinen Vorschlag, „Die Akte Dihydrogenmonoxid (DHMO)“ nicht verfilmen wird.

    Wer meldet sich freiwillig das im Herbst 2016 anzuschauen und vor allem eine Rezension hier zu veröffentlichen? Freiwillige vor, wir haben genügend Zeit für Vorbereitungen!

    Na ja, so ist das halt, wenn man nix anderes kann, als miese „Filme“ zu drehen mit denen man Menschen Angst macht, um sich sein Brot zu verdienen.

    Traurige Welt.

  2. 2 Pierre Castell 10. Juli 2015 um 11:01

    ACHTUNG-EILMELDUNG

    In der Sendung “Punkt 12” (hat soeben bei RTL begonnen) läuft gleich ein Beitrag zu Deos “Die Lüge mit den Aluminium-Deos”!!!

  3. 3 Wolfgang 2. September 2015 um 11:58

    Der journalistische Alu-Guru Ehgartner schreibt ja viel zB hier in seinem Abzock-Institut:

    “Aluminium ist das wohl eigenartigste und potenziell gefährlichste Element unserer Erde. Vom kleinsten Bakterium bis zum Menschen ist kein einziger biochemischer Mechanismus bekannt für den Aluminium gebraucht würde. Bevor wir vor etwa 120 Jahren damit begonnen haben, das Leichtmetall mit enormem Einsatz von Chemikalien und Energie zu gewinnen, war es für das Leben nicht verfügbar. Heute ist es allgegenwärtig und erst langsam erkennt die Wissenschaft, welchen hyperaktiven „Alien“ wir da aus dem Boden geholt haben.
    Quelle: http://al-ex.org/ aufgerufen 20.8.2015″

    Aber Aluminium war für alle Lebewesen in der Evolution schon immer verfügbar- evolutionär alte Pflanzen wie Schachtelhalme oder Farne brauchen Al3+- das ist lebensnotwendig. Schachtelhalme wurden übrigens in der sog Volksmedizin als traditionelles Heilmittel eingesetzt.

    Findet am zB hier:

    Aluminium s [von latein. alumen = Alaun], chemisches Zeichen Al, das dritthäufigste Element und häufigste Metall in der Erdkruste, in der es in Form von Oxiden und Aluminiumsilicaten vorliegt…..Es ist für Farne und Schachtelhalme lebensnotwendig, besonders hoch ist der Gehalt von Aluminium im Teestrauch (Teestrauchgewächse): er erreicht dort bis zu 5000 mg/kg Trockengewicht, während er bei anderen Höheren Pflanzen ca. 200 mg beträgt.
    Quelle: http://www.spektrum.de/lexikon/biologie/aluminium/2560 aufgerufen 20.8.2015

  4. 4 klauszwingenberger 4. September 2015 um 14:41

    ““Aluminium ist das wohl eigenartigste und potenziell gefährlichste Element unserer Erde.”

    Ach, satanische Elemente gab’s doch auch früher schon, lange vor Bert Ehgartner. Ganz früher war es der Schwefel, weil der so teuflisch stank. Greenpeace will unverdrossen die Chlorchemie verbieten (“Gott schuf 91 Elemente, der Teufel eines: Chlor”), Uran hatte vor ein paar Jahren einen Kurzauftritt im Trinkwasser, da musste Alu eben auch mal dran sein.

    In Zeiten, in denen Brot angeblich dumm macht, wird es irgendwann auch der Kohlenstoff, mein Wort drauf.

  5. 5 Wolfgang 24. September 2015 um 12:47

    Na also, jetzt ist für den Impfgegner und Aluminium-Feind Bert Ehgartner das Leichtmetall auf einmal kein Alien mehr, weil

    Zitat: “Bei Pflanzen ist die Situation zunächst mal anders, weil sie mit ihren Wurzeln – bei sauren pH-Werten – mit freien Alu-Ionen konfrontiert sind.
    Pflanzen, die auf saurem Milieu wurzeln, haben deshalb im Lauf der Evolution Mechanismen entwickelt, mit diesen toxischen Einflüssen zurecht zu kommen und sie zu neutralisieren.
    Dafür verwenden sie verschiedene Methoden.

    Für Pflanzen ist Aluminium kein Alien, sondern eine konkrete Gefahr, mit der sie gelernt haben umzugehen (oder eben auf sauren Böden eingehen).

    Für Tier und Mensch sind Alu-Ionen, die sich in die biochemischen Mechanismen einbauen, Aliens. In dem Sinne, dass Aluminium-Ionen ausschließlich toxisch wirken und keinen Nutzen bringen.”

    Zitat Ende

    http://www.parents.at/forum/showpost.php?p=14462193

    Das bedeutet, dass es bioverfügbare also lösliche Aluminium Ionen in der Evolution für Pflanzen gab- das hat er eingesehen. Aber warum nur für Pflanzen? Es gab ja in der Evolution auch genügend Tiere (auch Menschen), die das Aluminium mit den Pflanzen durch die Nahrung aufgenommen haben – und so nebenbei evolutionäre Mechanismen entwickelt haben um a) wenig Aluminium zu resorbieren und b) es über die Niere wieder auszuscheiden. Nur letzteres hat er noch nicht verstanden unser Medizinjournalist.

    Es ist schon eine Tragödie: Ehgartner verstört die esoterischen Aluhutträger mit der Behauptung, dass Aluminium schädlich sei. Und jetzt stößt er auch noch alle Vegetarier vor den Kopf, wenn er sagt nein für Pflanzen sei Aluminium kein Alien, für Menschen aber schon. Dürfen Vegatarier toxische Aliens essen? Fragen über Fragen

  6. 6 Pierre Castell 24. September 2015 um 19:12

    Immer wieder erlebe ich folgende Situation (zuletzt heute Morgen im Rewe-Supermarkt: Eheleute, Freunde oder wie heute Morgen Arbeitskollegen, wollen ein Deo kaufen. Viele dieser Kunden greifen sich irgendein Deo aus dem Regal, worauf dann eine begleitende Person sagt: “Spinnst Du, bloß keins mit Aluminium – die sind schädlich.”

    Bei einigen dieser Begegnungen habe ich die Personen dann tatsächlich (wenn ich vermutete, dass die Leute an Aufklärung interessiert und belehrbar sind) auf den GWUP-Blog aufmerksam gemacht und geschildert, dass sie hier sehr viel zum Thema lesen können.

    Ein richtig gutes Gefühl hatte ich vor einigen Wochen, als ein ca. 18-jähriger junger Mann zu mir kam und wortwörtlich sagte:
    “Alter, Dein Tipp letztens war echt cool (gemeint war mein Hinweis auf den GWUP-Blog). Das mir der Alu-Hysterie ist ja voll die Lachnummer!”

    Solche Momente sind wunderbar!

  7. 7 Bernd Harder 24. September 2015 um 21:01

    @Pierre Castell:

    Super, danke!

  8. 8 klauszwingenberger 7. Oktober 2015 um 09:38

    Stecken wir’s dem Alu-Berti, oder machen wir eine eigene Geschäftsidee draus: die Akte Silizium!?

    Physiologisch mindestens so nutzlos wie Aluminium, aber ziemlich sicher nierenschädlich, wenn das keine Ansage ist!

    http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2015/09/22/kieselsaeure-kieselerde-zur-staerkung-von-naegeln-haaren-und-knochen.html

  9. 9 Konfuse 7. Oktober 2015 um 13:56

    Oh Gott, dabei empfiehlt Berti doch die Einnahme stark siliziumhaltiger Mineralwässer, um das extrem toxische Aluminium aus dem Körper zu spülen (siehe sein “Al-Ex Institut”). Da die Methode in keinster Weise validiert ist, geht es ihm offensichtlich darum, die Menschheit zu dezimieren. Die Methode der Impfpanik hat nicht gefruchtet, jetzt versucht er es auf anderen Wegen. Evtl. bastelt der sogar im Keller an einer schmutzigen Isotopengranate. Wer weiß..?

  10. 10 Wolfgang 20. Oktober 2015 um 10:36

    Und es kommt noch schlimmer:

    Ackerschachtelhalm wird seit Jahrhunderten in der Volksmedizin eingesetzt. Enthält viel Kieselsäure u.a. Si(OH)4 und AlCl3 (1,5%)

    https://de.wikipedia.org/wiki/Acker-Schachtelhalm

    Zur Blutstillung, als Teezubereitung, zur Nierenspülung etc.
    Wobei ich nicht behaupten möchte, dass es für diese Indikationen Evidenz gibt

    Da wird also mit Silizium die Niere durchgespült gleichzeitig ist in hohen Konzentrationen das “wohl seltsamste und toxischte Element” (Ehgartner) drinnen.

    Also man leitet mit Si-Säuren das Aluminium aus dem Körper und gibts gleichzeitig wieder rein- als Al(Cl)3 ist es ja auch noch recht leicht resorbierbar.

    Das kann ja nur böse enden entgiften durch vergiften-oder wie?

Kommentare sind geschlossen.

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