Wie ein toter Alien Ufo-Freaks endlich in Washington Gehör verschaffen soll

Am 22. April feierte die Doku “Sirius” Weltpremiere, standesgemäß natürlich in Hollywood:


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“Sirius” ist ein Film des amerikanischen Ufologen Steven M. Greer, der 1993 das “Disclosure”-Projekt ins Leben gerufen hat.

Dahinter verbirgt sich …

… eine gemeinnützige Organisation, die Anhörungen vor dem US-Kongress anstrebt, damit die in amerikanischen Geheimprojekten entwickelte UFO-Technologie zur friedlichen und schadstofflosen Energieerzeugung freigegeben wird”,

erfahren wir auf der deutschen “Exopolitik”-Seite.

Als Star der “Sirius”-Dokumentation gilt der “Atacama Humanoid”, eine knapp 15 Zentimeter große menschenähnliche Mumie, die …

… offenbar außerirdischer Herkunft ist”,

meldete grenzwissenschaft-aktuell schon im vergangenen Jahr.

Kurz vor der “Sirius”-Premiere legte Greer noch einmal nach und veröffentlichte neue Detailaufnahmen des angeblichen Alien-Leichnams:

Neben der routinemäßigen medizinischen Untersuchung des 15 Zentimeter großen Körpers sollen auch unterschiedliche Scans und eine DNA-Analyse des Wesens belegen, dass es sich weder um einen missgebildeten oder zu früh abgegangenen Fötus handelt, noch um einen Schwindel und der Körper bislang keiner bekannten irdischen Spezies zugeordnet werden könne”,

schrieb wiederum grewi-aktuell.

Sogar “Untersuchungen an der Stanford University” belegten angeblich die “unbekannte Identität und Herkunft der Mumie”.

Kurz nachdem Greers Doku über die Leinwand geflimmert war, griff die Huffington Post das Thema auf verwies die ET-Story ins Reich der Fabel:

In fact, the film, which premiered Monday in Hollywood, features a scientist who concluded the little humanoid was human.

Das wiederum veranlasste grewi-aktuell zu einer “Richtigstellung von Falschinformationen zur Mumie des Atacama Humanoiden in einigen Medien”:

Zwar ist es richtig, dass die bisherigen Ergebnisse in keinster Weise jene außerirdische Herkunft des Wesens belegen, geschweige denn beweisen, in die es im Kontext des Films gedrängt wird.

Die Behauptung, es handele sich um einen mutierten aber dennoch “normalen” – also offenbar stark missgebildeten – Menschen ist jedoch schlichtweg falsch.”

Allerdings kommen auch unsere grewi-Freunde nicht umhin, gegen Ende des Beitrags folgende Relativierung beizugeben:

Während es Greer hoch anzurechnen ist, dass er die Mumie des “Atacama Humanoiden” von renommierten Wissenschaftlern und Institutionen untersuchen ließ und die Ergebnisse dieser Untersuchungen transparent veröffentlicht hat (Film und begleitend frei veröffentlichte Untersuchungsergebnisse etc.), muss er sich zugleich aber auch den Vorwurf gefallen lassen, genau diese so objektiv erbrachten Ergebnisse und damit die Mumie selbst viel zu sehr in das Korsett eines angeblichen Alien-Beweises zu drängen und damit eine unvoreingenommenen Behandlung der Untersuchungsergebnisse sowohl durch andere Wissenschaftler als auch durch die öffentlichen Medien stark zu erschweren.”

Das ist noch eher zurückhaltend formuliert.

Denn der Zweck, den Greer mit seinem “Sirius”-Filmchen und seiner “Alien”-Mumie verfolgt, ist ziemlich klar.

Ab morgen (29. April) treffen sich die Ufo-Fans vom “Disclosure”-Projekt mal wieder im Presseclub der US-Hauptstadt Washington zu einem “Citizen Hearing On Disclosure”-Meeting.

Bei dieser inszenierten “Bürgeranhörung” geht es schlicht gesagt darum, maximale öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema “Ufos” und Aliens” zu lenken und zugleich einige “former members of the U.S. House and Senate” zu bequatschen:

Their goal is to end the alleged ET truth embargo.”

Fraglich ist indes, ob das ausgerechnet mit einer winzigen Mumie gelingt, von der mittlerweile sogar die Bild-Zeitung schreibt:

Forscher glauben, dass die Mutter ein Mensch war.”

Und in der Tat scheint die ganze Geschichte weit weniger rätselhaft zu sein, als Steven M. Greer sein Publikum glauben machen will.

Für den Skeptical Inquirer beleuchtet der spanische Journalist und Skeptiker Luis Alfonso Gámez den Fall.

In seinem Artikel “El feto humano de ‘Sirius’” führt er aus, der vermeintliche “Alien”-Körper sei im Jahr 2003 von einem Grabräuber namens Oscar Muñoz auf einem Friedhof des verlassenen Dorfes La Noria (Chile) in der Atacamawüste ausgebuddelt worden.

Am 19. Oktober 2003 berichtete erstmals die chilenische Tageszeitung La Estrella de Iquique über den “Atacama-Humanoiden”.

In dem Beitrag werden der Ufologe Rodrigo Fuenzalida und der Biologe Walter Seinfeld von der Arturo Prat University zitiert, die das Wesen für einen menschlichen Fötus hielten.

Muñoz verkaufte seinen Fund an den Geschäftsmann Ricardo Clotet, der die Mumie schließlich dem Ufo-Fan Ramón Navia-Osorio überließ.

Schon beim VI. World Congress on Mummy Studies 2007 auf Lanzarote sei der Körper von anwesenden Experten untersucht und als Fötus identifiziert worden.

Frustriert habe sich Navia-Osorio daraufhin an den renommierten spanischen Mediziner und forensischen Anthropologen Francisco Etxeberria von der Universidad del País Vasco gewandt.

Etxeberria untersuchte den “Außerirdischen von Atacama” am 24. Februar 2007 und ließ in seinem Bericht keinerlei Zweifel daran, dass es sich um einen vollkommen normalen menschlichen Fötus “mit einer Austragungszeit von etwa 15 Wochen” handele.

Sein Gutachten ist hier im Volltext nachzulesen.

Und damit ist auch die Behauptung hinreichend widerlegt, die wir aktuell zum Beispiel bei freenet lesen:

Während Kritiker wiederholt eine außerirdische Herkunft des Körpers bezweifeln und vermuten, dass es sich lediglich um einen deformierten Fötus handeln könnte, beruhen diese Einschätzungen jedoch alleinig auf den seit 2003 kursierenden Fotos des Wesens, nicht jedoch auf konkreten Untersuchungen.”

Aus welchem Grund nun aber anno 2013 vorgeblich namhafte Experten …

… den Körper bislang keiner bekannten irdischen Spezies”

meinen zuordnen zu können, wie Greer in seiner “Dokumentation” behauptet, darüber können wir nur spekulieren.


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In dem besagten Skeptical-Inquirer-Artikel äußert Luis Alfonso Gámez folgende Vermutung:

Man braucht sich auf der “Sirius”-Webseite nur anzusehen, welche angeblichen Wissenschaftler da an der Untersuchung der Mumie beteiligt waren, um kein Wort von dem zu glauben, was Greer verkündet.”

Der Ufo-Skeptiker Werner Walter beobachtet jedenfalls “intensive Propaganda” des weltweiten Exopolitik-Netzwerks, …

… weil die ganze Geschichte schon seit Jahren den Bach runtergeht und man jetzt die letzten Felle retten will, bevor die auch noch wegschwimmen.”

Im Blog seiner “Ufo-Meldestelle” lesen wir ergänzend zu Gámez Recherchen:

Was mir auffällt:

Der Embryo befindet sich nicht in seiner natürlichen Stellung (zusammengekauert), sondern ist langgestreckt, die Arme scheinen in Gebetshaltung über dem Unterleib gelegen zu haben.

Das bedeutet: Der Embryo hat nach der Fehlgeburt (um die es sich handelt) noch einige Minuten gelebt, erhielt vermutlich eine Nottaufe, starb, wurde zur Bestattung hergerichtet und dann ordentlich auf dem Friedhof beerdigt.”

Das allerdings wirft einen Aspekt auf, der bislang noch keine Beachtung gefunden hat, auf den aber der Jurist und Skeptiker Jens Lorek hinweist:

Für mich kommt hier der Aspekt der Grabschändung ins Spiel. Wer an “einer toten Leibesfrucht … beschimpfenden Unfug” verübt, § 168 StGB, z.B. einen Embryo vom Friedhof holt und verkauft, damit er dann als “Alien” herumgezeigt werden kann, der macht sich strafbar.”

 

(Ganz herzlichen Dank an Agustin Bosch Benitez für die Übersetzung und Robert Mestel für die Vermittlung!)

Zum Weiterlesen:

  • El feto humano de ‘Sirius’, Skeptical Inquirer am 16. April 2013
  • Greer’s “Sirius” Documentary – no “Bombshell,” just Nonstop UFO Claims, Bad UFOS Blog am 23. April 2013
  • Der Unterschied zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft, virtual Maxim am 4. Mai 2013
  • Der Unterschied zwischen Skeptikern und esoterischen Pseudoskeptikern, Der Nesselsetzer am 4. Mai 2013
  • That “Citizens Hearing” on UFO Disclosure Got the Respect it Deserved – (Very Little), Bad UFOS am 13. Mai 2013
  • Das Rätsel um die Alien-Mumie von Atacama scheint gelöst, GWUP-Blog am 12. Mai 2013

 

 

151 Kommentare zu “Wie ein toter Alien Ufo-Freaks endlich in Washington Gehör verschaffen soll”


  1. 1 Bernd Harder 6. Januar 2014 um 11:13

    @Mopmop:

    Vielen Dank für Ihren Kommentar.

    Das Thema “Ufo-Akten” haben wir hier hin und wieder mal behandelt, Links siehe unten.

    Aus unserer Sicht ist es zunächst einmal nicht weiter erstaunlich, dass das Militär (insbesondere natürlich zur Zeit des “Kalten Krieges”, aber auch später) sich grundsätzlich für *alles* interessiert(e), was am Himmel vor sich geht.

    Harry O. Ruppe, ehemals TU München, der am Projekt Bluebook mitgearbeitet hat, sagte mal:

    < <<<<<<<<<<<<<<<<<< "Die Air Force hatte eine sowjetische Super-Waffe als mögliche Ufo-Erklärung im Kopf. Ihr war es völlig wurscht, ob es kleine grüne Männchen gab, aber Rote mochte man nicht." <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<< Der Inhalt dieser "Ufo-Akten" dreht sich also weniger um Außerirdische, als vielmehr um ganz irdische Bedrohungen des Luftraums, die man aufgrund der vielen Sichtungsmeldungen zumindest vermutete, also z.B. Spionage o.ä. Das geht ja auch aus den vielen freigegebenen Akten hervor. Dass nicht jeder einzelne Fall in diesen Akten im Nachhinein geklärt werden kann, liegt wohl in erster Linie daran, dass nicht genügend Informationen darüber zur Verfügung stehen, um der Sache lückenlos nachzugehen. Zum Teil ist das ja auch alles sehr lange her, und wir haben es ja auch sogar hier, bei dieser Diskussion, gemerkt, dass Leute uns Fälle unterjubeln wollen, die *so* gar nicht stimmen, sondern wo einfach verschiedene Ereignisse an unterschiedlichen Orten und Zeiten einfach mal zwanglos zu einer konsistenten Sichtung zusammengepackt werden, die es nie gab. Was nun wiederum diverse Leute nach 40 oder 50 Jahren "schwören", können wir auch nicht so ganz ernst nehmen. Nicht weil wir die Aufrichtigkeit der Zeugen anzweifeln - wohl aber die Genauigkeit der Erinnerungen. Da geht erfahrungsgemäß schon nach kurzer Zeit ganz viel durcheinander, was *so* nie passiert ist, was unser Gehirn als "Glaubensmaschine" aber einfach zusammensetzt: http://blog.gwup.net/2010/08/05/die-geheimen-ufo-akten/

    http://blog.gwup.net/2010/10/28/panther-ufos-und-unsere-wahrnehmung/

    http://blog.gwup.net/2011/04/07/und-wieder-mal-geheime-ufo-akten/

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