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Geheime Ufo-Akten in der Bild-Zeitung

| 18 Kommentare

Es müssen mal wieder Ufos her, unbedingt.

Anscheinend lenkt die Bild-Zeitung genau eine Woche vor dem Kinostart von “World Invasion: Battle Los Angeles“ schon mal planvoll auf das Thema hin (sieht nach mächtig viel Arbeit für CENAP-Chef Werner Walter aus).

Anders ist der heutige Online-Heuler „Geheime Alien-Archive des FBI geöffnet“ kaum zu erklären:

Die Zeiten, als die FBI-Informationen hinter dicken Mauern in tiefen Kellern lagerten, sind vorbei. Heute gibt es „The Vault“ (das Gewölbe). Ein neuer Leseraum im Netz – und für alle nutzbar.“

Nun ja, die spezielle Akte, auf die Bild sich bezieht, ist schon seit Dezember in den „Vaults“ des FBI einsehbar, und zwar in der Ablage „Unexplained Phenomenon“. Es handelt sich um ein kurzes Memo des FBI-Agenten Guy Hottel von 1950 über „so called Flying Saucers“.

Nichtsdestotrotz gehörte der Bild-Artikel kurzzeitig zu den aktuellen „Top 5 News“ – obwohl er eher indifferent endet:

Wer sich im FBI-Archiv auf die Suche nach den Aliens begibt, findet oft sind die Seiten mit einem „TOP SECRET“ versehen sind. Es gibt geschwärzte Stelen in den Berichten. Und manches ist nur noch sehr schwer lesbar. Doch ob es nun Außerirdische gibt oder nicht – diese Frage kann offenbar selbst das FBI nicht beantworten.“

Warum sollte es auch? Mal abgesehen von der seltsamen Grammatik und Orthografie des hingeschluderten Textes: Die Frage, ob es außerirdisches Leben gibt, hat absolut nichts mit Ufos und „geheimen Akten“ zu tun.

Was es mit solchen realen „X-Files“ auf sich hat, darüber haben wir hier und hier schon mal berichtet.

Bleibt indessen die Frage: Wenn das Ganze völlig harmlos ist, warum gibt es dann so viele „geschwärzte Stellen in den Berichten“?

Dazu schrieb der Astronom Carl Sagan:

[…] Nun füge man zu diesem bereits berauschenden Gebräu noch die Freedom of Informations Act (FOIA), das amerikanische Gesetz zur Informationsfreiheit, hinzu.

Die NSA wird aufgefordert, alle Informationen herauszurücken, die sie über Ufos hat. Sie ist gesetzlich dazu verpflichtet, muss aber natürlich nicht ihre Methoden und Quellen preisgeben. Die Geheimdienste legen außerdem Wert darauf, andere befreundete oder feindliche Nationen nicht auf penetrante und politisch peinliche Weise auf ihre Aktivitäten hinzuweisen. Daher wird ein mehr oder weniger typisches Abhörprotokoll, das aufgrund einer FOIA-Anfrage freigegeben wird, etwa so aussehen:

Das erste Drittel einer Seite ist geschwärzt, dann heißt es in einer halben Zeile ,berichtete von einem Ufo in geringer Höhe‘, und anschließend sind die beiden nächsten Drittel der Seite wieder geschwärzt […] Typische Abhörbeispiele betreffen den Funkverkehr von militärischen und zivilen Flugzeugen, demzufolge sie ein Ufo sähen, womit sie ein unidentifiziertes Objekt in der Umgebung des Flugzeugs meinen.

Es kann sich dabei sogar um US-Maschinen handeln, die sich auf Erkundungs- oder Täuschungsmission befinden. In den meisten Fällen gibt es dafür eine viel einfachere Erklärung, die später ebenfalls in den Protokollen auftaucht.“

That’s all.



18 Kommentare

  1. @Bronte: Ja, die Bild-Zeitung und Rechtschreibung …

  2. Sommerloch im Frühling? Die Blöd-Zeitung mal wieder…!

    Was mich mal interessieren würde: Wie schaffen die das (die vom Axel Springer-Verlag), dass sogar namhafte öffentliche Personen aus der Show- und Medienwelt täglich im Fernsehen in Werbeblocks der B-Zeitung ihre Meinung FÜR diese Zeitung äußern?

    Ist es nur das Geld oder vielleicht die Angst der Prominenten, zukünftig nur noch „schlechte Presse“ zu bekommen?

    Traurig, dass eine aus meiner Sicht so hemmungslose und unseriöse Zeitung eine solche Macht besitzt…

  3. Danke für diesen tollen Link!

    Den sollte jeder mal anklicken und dessen Inhalt lesen – für mich war es ein Genuss und eine wohltuende Genugtuung! Respekt für diese Absage der „Helden“.

    Respekt auch für Herrn Harder, der anscheinend immer auf dem Laufenden ist und – man glaube es kaum – zu jedem Thema immer die neuesten Informationen kennt oder sich blitzschnell diese Infos besorgt und somit hier tagesaktuelle Fakten nachzulesen sind.

    Kompliment!

  4. @ Danke schön, zu viel der Ehre …

    Fairerweise muss man dazu sagen, dass „Bild“ versucht hat, auch damit wieder zu werben:

    http://www.sueddeutsche.de/medien/wir-sind-helden-wirbt-nicht-fuer-bild-danke-fuer-die-aufregung-1.1065146

  5. Sehen Sie, sehr geehrter Herr Harder…GENAU DAS meine ich: Sie schießen sofort wieder neue bzw. ergänzende Informationen nach.

    Diese positive und faire Art von Journalismus ist in der heutigen Zeit leider nicht immer selbstverständlich. Zu oft wird eher mal gerne etwas „vergessen“ oder verschwiegen.

  6. …as ich den Satz „Die Blöd-Zeitung mal wieder…!“ las wollte, ich kurz anmerken:

    Allgemeines BILD-Bashing scheint Vielen ja selbstverständlich und völlig richtig, auch wenn man die Zeitung nie oder länger nicht gelesen hat (natürlich ausser montags und im Urlaub).
    Diese generelle Form der Kritik ist indes nicht das was ich von Skeptikern erwarte…

    Bernd Harder ist hier nicht gemeint, denn der setzt sich mit einzelnen Artikeln auseinander…

    @Bernd: „die Bild-Zeitung und Rechtschreibung“ –> verglichen mit anderen Tageszeitungen ist die Anzahl der Rechtschreibfehler sehr gering… ich freue mich aber den einen statistischen Gegenbeweis zu erhalten ;)

  7. @Sebastian:

    Es liegt mir fern, eine generelle Aussage zum Thema „Bild“ und Rechtschreibung zu treffen.

    Ich bin nur von einigen Lesern auf „meinen“ Fehler „Stelen“ statt „Stellen“ hingewiesen worden und wollte explizit zum Ausdruck bringen, dass das nicht von mir stammt, sondern original „Bild“-Orthografie ist.

  8. @Sebastian

    Ich muss mich nicht gegenwärtig mit einzelnen Artikeln der „Bild“-Zeitung auseinandersetzen, um meine Abneigung gegenüber dieser Zeitung näher zu begründen. Diese Zeitung ist in meinen Augen höchstgefährlich und rücksichtslos wie keine andere in Deutschland. Das beweist sie fast jeden Tag aufs Neue.

    Sie verstößt aus meiner Sicht gegen jede Form des guten Geschmacks und hat Menschenseelen zerstört, zu denen nicht nur Prominente gehören. Und jeder, der sich ein wenig mit dem Persönlichkeitsrecht auskennt und öfter in diese Zeitung hineinschaut, kann erahnen, wie weit und oft das Blatt die legale und moralische Grenze überschreitet!

  9. @Pierre: …der eine sagt so, der andere so… ich denke wir werden nicht zu einer gemeinsamen Meinung zur BILD kommen, und das müssen wir auch nicht… in der differgenz der meinungen liegt der vorteil der demokratie…

    was mich allerdings verwundert:
    du schreibst:
    „Ich muss mich nicht gegenwärtig mit einzelnen Artikeln der “Bild”-Zeitung auseinandersetzen, um meine Abneigung gegenüber dieser Zeitung näher zu begründen. Diese Zeitung ist in meinen Augen höchstgefährlich und rücksichtslos wie keine andere in Deutschland.“ –> soweit, so gut, aber es geht dann weiter: „Das beweist sie fast jeden Tag aufs Neue.“ – natürlich frag ich mich, woher du weist, dass sie etwas „jeden Tag aufs Neue“ beweist, wenn Du dich andererseits „nicht gegenwärtig mit einzelnen Artikeln“ auseinandersetzen möchtest…

    Naja, aber da ich gut mit dem Boulevard-Format der BILD leben kann, kann ich auch diese Argumentation akzeptieren ;)

    …will hier keinen Streit vom Zaun brechen, hoffe für dich ist mein Standpunkt auch tolerabel und wünsche ein schönes Wochenende!

  10. nachtrag zum thema rechtschreibung: äh, ja, „divergenz“ schreibt man natürlich mit „v“ und nicht „ff“ – sorry :/

  11. @ Sebastian

    Meinungen oder Fakten?

    Wenn Demokratie Unrecht zulässt, ist es für mich eine scheinheilige und falsche Demokratie. Wenn negative Fakten – Unrecht – als demokratische Sichtweise dargestellt werden, geht mir das zu weit. Demokratie ist ein wunderschönes Wort und suggeriert freies Denken. Dagegen ist nichts einzuwenden. Wenn aber eindeutiges Unrecht erst ausdiskutiert werden muss oder durch andere Sichtweisen plötzlich in Frage gestellt und zu weniger Unrecht verformt wird, bin ich damit nicht einverstanden. Meiner Meinung nach gibt es so etwas wie Herzensbildung mit einem Gerechtigkeitssinn, über den man nicht weiter diskutieren kann.

    Gesetz ist Gesetz. Und dies gilt auch für die B.-Zeitung.

    Sorry, aber wenn z. B. ein böser Mensch willkürlich ohne jeden Grund einen anderen Menschen verprügelt, ist das eine Straftat und schlimmes Unrecht dem Opfer gegenüber.

    Wenn eine Zeitung – wie erst kürzlich geschehen – einen noch nicht verurteilten Menschen als Mörder bezeichnet und sein Gesicht ohne Augenbalken veröffentlicht, ist das rechtlich nicht in Ordnung. Und wenn eine Zeitung Lügen verbreitet, ist das ebenfalls nicht in Ordnung. Wenn eine Zeitung Gerüchte als Fakten verkauft, ist auch das verwerflich und natürlich falsch und nicht in Ordnung.

    Ich könnte unendliche viele (selbstverständlich auch aktuelle) Beispiele aufzählen. Aber wozu? Muss ich denn wirklich gerade Ihnen schlechten Journalismus näher erklären? Es kostet mich Zeit und endet wahrscheinlich in einer endlosen Schreiberei. Jeder, der diese Zeitung liest, wird doch verstehen, was ich meine.

    Weil ich mich nicht näher und öffentlich mit einzelnen Artikeln auseinandersetzen möchte, bedeutet das nicht, dass ich im Flugzeug oder in der Bahn nicht mal in die B.-Zeitung hineinschaue. Gewisse Schlagzeilen machen auch mich neugierig. Ich habe nichts gegen ein Boulevard-Format. Viele Menschen mögen Tratsch. Es gibt zum Glück einige Zeitungen, die auch in diesem Genre fair und sachlich berichten.

    Aber wenn eine mächtige Zeitung wehrlose Menschen zugrunde richtet, ist das übelste Form von Journalismus. Mag sein, dass man dies als Prominenter bis zu einem gewissen Grad hinnehmen „muss“. Aber was ist mit den vielen Menschen, die ihre Rechte nicht kennen und sich keine Anwälte leisten können?

  12. Nachtrag:

    Selbstverständlich wünsche auch ich Ihnen ein schönes Wochenende;-)

  13. @Sebastian – Glücklicherweise ist es nicht nötig, die Bild zu lesen, um über sie urteilen zu können. Das haben andere für uns getan, und manche tun es immer noch. Sei es der Herr Walraff, seien es die Leute vom Bildblog (über den ich auch hierher gekommen bin).

    Und sobald man _über_ die Bild liest, ist das Urteil eindeutig: die Bild lügt, verhetzt, verleumdet, manipuliert. Die Untaten sind ohne Zahl und gut dokumentiert. Sich das eigene Gehirn mit diesem Dreck zu verschmutzen ist also glücklicherweise unnötig.

  14. @ Marc / „Bild“

    Ich wollte es nicht sooo deutlich aussprechen. Danke für die deutlichen Zeilen. Insbesondere für den wahren Satz „Die Untaten sind ohne Zahl und gut dokumentiert“.

    Wenn ein Mensch mit rudimentärer Herkunft oder mangelnder Bildung die B.-Zeitung „in Schutz“ nimmt, verstehe ich das eventuell. Aber wenn ein seriöser (!) Journalist und Akademiker dies tut, bin ich doch sehr verwundert. Oder arbeitet Sebastian vielleicht für die BILD?

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