Wirkliche coole Veranstaltung gestern Abend!
Bunte und Cinema werden es mutmaßlich schon bereut haben, nicht dabei gewesen zu sein, denn die erstmalige Verleihung des Skeptic Award “Das Goldene Brett” bot neben Witz, Sarkasmus und Unterhaltung auch Adels-Charme und Promi-Glanz.
Aber gehen wir der Reihe nach:
Im knallvollen Vortragssaal des Naturhistorischen Museums Wien hielten der Journalist Robert Misik, der Neurophysiker und “Science Buster” Werner Gruber und die Schauspielerin/Regisseurin Anne Frütel ihre Laudationes auf die drei Finalisten Dr. Mario-Max Prinz zu Schaumburg-Lippe, Peter A. Straubinger und Prof. Dr. Claudia von Werlhof.
Wenig überraschend: Die weit ins esoterisch-konspirative Geraune abgedriftete Frauenforscherin Claudia von Werlhof ließ in einer dürren Grußbotschaft wissen, dass das “Goldene Brett” an ihrer statt der UNO gebühre, und zwar wegen der ENMOD-Konvention (Enviromental Modification), welche angeblich alle kruden Thesen der HAARP-Anhängerin seit Jahrzehnten bestätige.
Anne Frütel fasste die wirre Gedankenwelt der Innsbrucker Professorin in einem Satz zusammen:
Frauen sind gut, Männer sind schlecht.”
Deutlich amüsanter war da schon die Videobotschaft von Dr. Mario-Max Prinz zu Schaumburg-Lippe, der nicht uncharmant sein via “Astro-TV” vertriebenes “Reichtumselexier” (Reichtum Royal) verteidigte/anpries, Tenor: Einfach mal ausprobieren, dann wirkt’s schon.
Und außerdem: Wo steht denn geschrieben, dass nur Edelparfüms mit einer unverschämten Gewinnspanne feilgeboten werden dürfen?
Bemerkenswert: Des Prinzen Mutter Dr. Gertraud Wagner-Schöppl beehrte die Preisverleihung mit ihrer persönlichen Anwesenheit, begleitet von ihrem Gemahl Waldemar Prinz zu Schaumburg-Lippe.
So etwas erlebt man wohl nur in Österreich.
Dass Frau Dr. Wagner-Schöppl spontan am Alibri-Stand ein Buch von mir erwarb und sich signieren ließ, trübt natürlich keinesfalls mein objektives Urteil über ihre Rede an uns Skeptiker: passabel, wenn auch passagenweise etwas unentschlossen zwischen Angriff und Verteidigung, Humor und Ärger osszillierend.
Die Frau bewies ein gewisses Format, verglich das “Goldene Brett” zunächst mit einem “Schlagholz” und revanchierte sich dann für die Nominierung ihres Sohnes mit einem “Geschenk zum Nachdenken”, konkret mit “einem Brett, das jeder braucht”, nämlich einem (mit Seesternen verzierten) Toilettensitz.
Ansonsten schien Gertraud Wagner-Schöppl sich beim “Publikumstag” der GWUP/Gesellschaft für Kritisches Denken durchaus gut zu unterhalten, auch wenn sie als Tierärztin die Aufassung der Skeptiker in Sachen “Tierhomöopathie” nicht recht teilen mochte.
Der nächste Paukenschlag: Auch Filmregisseur Peter A. Straubiger erschien persönlich und lauschte aufmerksam der Laudatio von Werner Gruber, der sich froh darüber zeigte, dass es bislang noch keine Todesopfer durch “Am Anfang war das Licht” gegeben habe.
Straubinger ging denn schließlich auch als Sieger von insgesamt 482 Nominierungen hervor. Er habe mit seinem Film niemanden dazu aufgefordert, nichts mehr zu essen und zu trinken – sondern lediglich das “materialistische Weltbild” hinterfragt, erklärte er.
Ziel von “Am Anfang war das Licht” sei gewesen, “Menschen zu bewegen”. Wie und auf welche Weise man sie bewege, “kann man sich nicht aussuchen”, und die massiven kritischen Reaktionen auf seinen Film seien eben “die andere Seite dieser Diskussion” – sonst wäre es ja auch langweilig.
Nun ja, aber immerhin ließ Straubinger es sich nicht nehmen, seine Hauptkritiker in persona zu treffen. Schließlich habe sich kaum jemand mit seinem Werk so intensiv auseinandergesetzt wie die Skeptiker, betonte der Filmemacher, ehe er mit einem unvermeidlichen Max-Planck-Zitat von 1937 schloss, welches von einem “unsichtbaren, unsterblichen Geist” handelte, der “das Wahre” sei.
Klar, auch Naturwissenschaftler haben solche staunenden Gedanken. Nur sind sie üblicherweise in der Lage, an einer bestimmten Grenze zwischen emotionalen Impulsen und rationalem Wissen zu unterscheiden, wie Professor Wolfgang Hell vom GWUP-Wissenschaftsrat beim “Paranormal-Quiz” am Nachmittag ausgeführt hatte.
Wohlfeile Zitatensammlungen sind nun mal keine Argumente, und schon gar nicht für Spökes wie “Lichtnahrung”.
Straubingers Video-Replik gibt’s hier, weitere Berichte von der Veranstaltung bislang bei diepresse und hpd-online und Astrodicticum simplex und wissenschaft.de.





Einen weiteren guten Bericht gibt es bei … http://derstandard.at/1304553528366/Goldenes-Brett-vorm-Kopf-Lichtnahrungs-Doku-zum-herausragendsten-Unfug-des-Jahres-gekuert
Hier noch ein guter Bericht zur Konferenz:
http://www.relativ-kritisch.net/blog/skeptiker/skeptiker-radar-spezial-„fakt-und-fiktion“-die-gwup-jahresversammlung-in-wien