Homöopathie ist nicht Naturheilkunde

Angesichts der hohen Zustimmungsquoten für die Homöopathie stellt sich die Frage, wozu sich die Befragten eigentlich zustimmend geäußert haben. Nach einer  –  übrigens im Auftrag von Homöopathen durchgeführten- Allensbach-Umfrage wissen nur 17 % der Bevölkerung, was Homöopathie ist. 74 % dagegen halten Homöopathie für Naturheilkunde oder glauben, dabei würden ausschließlich Pflanzenextrakte angewandt. Sie würden vermutlich staunen, welche  Inhalts- und Grundstoffe da tatsächlich verschüttelt und “potenziert” werden. Denn entgegen einem populären Irrtum nennt die homöopathische Literatur neben netten Pflänzchen auch so kuriose Stoffe wie Arsen, Plutonium, Polarstern, Vakuum, Speichel tollwütiger Hunde und Eiterflüssigkeit aus dem Krätzbläschen.

Auch Politiker und sogar Verbandsfunktionäre der Ärzteschaft, wie der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, gehören entweder auch zu den 74 % Unwissenden oder nutzen diese Unwissenheit offenbar aus, um für Homöopathie zu werben. Pseudowissenschaft ist also nicht nur in der Politik, sondern selbst in den Verbänden der Ärzteschaft, Apotheker und Krankenkassen längst hoffähig geworden.

Der Spiegel-Artikel hat heilsam gezeigt, dass der Kaiser Homöopathie nackt ist. Die Methode ist theoretisch und auch praktisch durch empirische Untersuchungen widerlegt.  Nicht die Fakten, sondern die jahrzehntelange Lobbyarbeit der homöopathischen Industrie und ihrer ideologischen Helfer sind der Grund für die Verbreitung der Homöopathie.

Edzard Ernst, der im englischen Exeter die weltweit erste Professur für Komplementärmedizin  innehatte, hält die “wissenschaftlichen” Vertreter der Homöopathie nicht einfach für verblendet oder realitätsfremd. Er ist sich im Spiegel sicher: “Viele lügen wie gedruckt” und “nutzen sie ihre Kenntnis der Wissenschaft, um die Leute hinters Licht zu führen”.

Die aktuelle öffentliche Diskussion ist gut, auch wenn einige auf ihr baldiges Ende hoffen mögen.  Sie wird helfen, die verschrobene und überholte Ideologie der Homöopathie aus dem Nebel der Marketingsprüche ins Licht zu bringen.

17 Kommentare zu “Homöopathie ist nicht Naturheilkunde”


  1. 1 Hannes 16. Juli 2010 um 12:38

    Eine Bekannte von mir schwört auf homöopathisches Nasenspray, weil sie von normalem Nasenspray ziemlich abhängig geworden war.
    Unter folgendem Link findet sich ein homöopathisches Nasenspray:
    http://www.pharmarissano.de/produkte/luffa.pdf

    Meine Frage an die Experten: Kann es sein, dass das einfach wirkt, weil man sich Kochsalzlösung in die Nase spritzt? Wenn das so wäre, würde sich die Homöopathie ja nichtmal selbst ernst nehmen.

  2. 2 dubiator 16. Juli 2010 um 13:17
  3. 3 Cyrano 17. Juli 2010 um 22:40

    Leider nützt es kaum, das Missverständnis aufzuklären. Mit den Homeopathiegläubigen ist es wie mit allen anderen Gläubigen. Selbst wenn der Glaube sich ursprünglich aus dem Fehlschluss, es handele sich bei Homeopathie um Planzliche Medizin, speiste, wird, sobald das widerlegt ist, eine neue verteidigung der Homeopathie gebastelt. Miest nach dem “wer heilt hat Recht” Schema, und folgend auf der Basis einer generellen Wissenschaftsfeindlichkeit, nach dem Motto: “Dass die Schulmedizion glaubt, bewiesen zu haben, dass Homeopatie nicht heilt, ist ja wieder typisch. Die legen an die Homeopathie ja auch ihre eigenen Maßsstäbe an…”
    In dieser Weise an Homeopathie glauben zu wollen verlangt, dass der Gläubige gewisse Vorurteile und Denkformen bereits verinnerlich hat. Das nur 17% der Bevölkerung wissen, was Homeopathie ist, bedeutet nicht, dass man die anderen 83% einfach nur über die Wahrheit(TM) aufklären muss, und dann ist der Spuk beendet. Der Homeopatist (nennen wir ihn doch einfach mal so) will glauben, weil er nach etwas magischem hinter der kalten Welt und ihrer formalistischen Wissenschaft sucht…

  4. 4 General-Investigaton 18. Juli 2010 um 14:50

    “Die Methode ist theoretisch und auch praktisch durch empirische Untersuchungen widerlegt.”
    Dann nennen sie doch bitte Studien, die das ganze wissenschaftlich widerlegt haben.
    Wo steht es, wer hat es geschrieben – und vergessen Sie bitte bei der Gelegenheit nicht den Nachweis zu erbringen, was die Schulwissenschaftlich erzeugten Medikamente für einen Vorteil gegenüber der Homöopathie haben.
    In der Schulmedizin haben wir bis zum heutigen Tage ungefähr 400.000 Medikamente auf dem Markt, wobei vermutlich 90% nur der Behandlung der Nebenwirkungen dienen, die durch erstgenannte erzeugt werden.
    In der Homöopathie werden Mittel auf das Bedürfnis des jeweiligen Patienten hin zusammengestellt, die auch einer Überschaubaren Anzahl von “Grundstoffen” hergestellt wird.
    In der Schulmedizin wird ohne Rücksicht auf Verluste ein Medikament für Millionen hergestellt, wobei die Heilung nicht wirklich erreicht werden kann, wenn man später mit den Nebenwirkungen zu tun hat.
    Das jetzt erst in die Kritik geratene Blutdrucksenkungsmittel hat es wieder einmal mehr beweisen und es werden auch tote Patienten in kauf genommen.
    Sie haben jetzt hier zwar einen kleinen Artikel zusammengefasst, aber nicht einen einzigen Beweis gegen die Homöopathie angebracht!
    Die Art und Weise erinnert sehr an Boulevardzeitungen, als an ernsthafter Erklärung.
    Sie sind im übrigen noch die Erklärung schuldig, warum Homöopathie keine Naturheilkunde ist – wäre doch sehr schon, wenn Sie das bitte erläutern. Bisher kann ich nur Behauptungen ohne Hintergrund erkennen, ausser, das man sich wohl für die Schulmedizin einsetzen könnte, die ganz sicher schädlicher ist als alle andere.

    In den nächsten Tagen werde ich nochmals nachschauen, ob sie mir denn schon mal Material anbieten können, das Wissenschaftliche Belege liefert um die Homöopathie ad adsurdum zu führen.

  5. 5 Bernd Harder 18. Juli 2010 um 16:03

    @General-Investigation:

    <<Dann nennen sie doch bitte Studien, die das ganze wissenschaftlich widerlegt haben … Sie haben jetzt hier zwar einen kleinen Artikel zusammengefasst, aber nicht einen einzigen Beweis gegen die Homöopathie angebracht! <<

    Nun ja, Sie befinden sich hier im Blog – also gewissermaßen im Nachrichtenportal – der GWUP. Alles, was Sie fordern, finden Sie in verschiedenen Themenartikeln und sonstigen Abhandlungen auf der GWUP-Homepage. Da Sie sich anscheinend nicht einmal die Mühe gemacht haben, danach einfach mal zu suchen, scheint es wohl hinreichend sinnlos, Ihnen an dieser Stelle die zahlreichen Studien zu nennen- oder würden Sie *diese* dann tatsächlich lesen? Falls ja, können Sie ja mal damit anfangen:

    http://www3.interscience.wiley.com/journal/118952006/abstract

    Oder damit: http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140673605671772/abstract

    << In der Homöopathie werden Mittel auf das Bedürfnis des jeweiligen Patienten hin zusammengestellt, die auch einer Überschaubaren Anzahl von “Grundstoffen” hergestellt wird. <<

    Irrtum. Die Zahl der homöopathischen Grundstoffe ist keineswegs überschaubar, sondern potenziell unbegrenzt. Die Homöopathie geht davon aus, dass absolut *alles* dazu geeignet ist, um Homöopathika daraus herzustellen, auch zum Beispiel Strahlen, elektrische Felder oder sogar das Vakuum. Einen netten Überblick finden Sie hier:

    http://www.gyn.at/ordi/files/homostoffe.pdf

    << Sie sind im übrigen noch die Erklärung schuldig, warum Homöopathie keine Naturheilkunde ist – wäre doch sehr schon, wenn Sie das bitte erläutern.<<

    Homöopathen gehen von einer ominösen "geistartigen Kraft" aus, die ihren Mittelchen innewohnen soll. Damit bewegt sich die Homöopathie im Bereich der Magie und des "Übernatürlichen", denn weder die Natur noch die Naturheilkunde kennen "geistartige Kräfte". Im Detail:

    http://blog.gwup.net/2010/07/18/elf-fragen-an-homoopathie-fans/

    << und vergessen Sie bitte bei der Gelegenheit nicht den Nachweis zu erbringen, was die Schulwissenschaftlich erzeugten Medikamente für einen Vorteil gegenüber der Homöopathie haben.<<

    Sie wirken.

  6. 6 doryphoros84 21. Juli 2010 um 16:15

    @ Hannes:
    normales Nasenspray enthält einen Stoff der bewirkt das die Blutgefäße in der Nasenschleimhaut sich zusammen ziehen was bewirkt das die Nasenschleimhaut abschwillt, der Körper hatte aber einen Grund die Gefäße so weit aus zu dehnen und bildet nun einen Stoff der dem Nasenspray entgegen wirkt … man nimmt wieder Nasenspray, der Körper bildet noch mehr von dem Stoff, mit nimmt wieder Nasenspray… wenn sie jetzt das Nasenspray schlagartig absetzten rennt der Körper offenen Türen ein weil er Massen von dem gefähserweiternden Stoff ausscheidet. – Und dann bekommt man ein paar Tage lang absolut keine Luft mehr durch die Nase, so lange bis der Körper realisiert das er gegen nichts ankämpfen muss und die Produktion runter regelt.
    Man kann in der Apotheke auch ganz normales steriles “Salzwasser” als Nasenspray kaufen, das benutze man bei einer Erkältung damit die Schleimhaut nicht austrocktnet, das hat zwar keine abschwellende Wirkung aber verursacht auch nicht diesen Teufelskreis.
    Und Homöopathiches Nasenspray ist ab einer bestimmten Potenz auch nichts weiter als “Salzwaser” und wirkt eben weil es das Gleiche ist gleich… fragt sich nur was billiger ist.

    @General Investigator:
    Nehmen wir ein paar schulmedizinische Medikament, oder sparen wir uns den homöopathichen Kampfgriff “Schulmedizin” und sprechen wir von evidenz basierter Medizin (dh. Medizin mit Wirknachweis) zB: Penicillin (ein Antibiotikum) Beta-Blocker (gegen Bluthochdruck) und ein Abführmittel.
    Wenn diese Medikamente einem (therapiebedürftigen) Menschen gegeben werden, zeigen diese Medikament einen Effekt, der Effekt ist ab größten wenn ich sage “Hier ihr Medikament, das wird ihnen helfen”, wenn ich nur “Mund auf” sage ist der Effekt geringer, und wenn ich dem Menschen das Medikament einfach unterjubel ist er am geringsten, aber immer noch deutlich höher als der von Placebo-Pillen (anderenfalls dürfte die auch nciht asl “Medikament” verkauft werden).
    Daraus ergibt sich das das Medikament eine Eigenwirkung hat, die durch Palceboeffekte wie zB Suggestion verstärkt werden können!
    (Wenn sies nicht glauben, mischen sie einfach mal jemand Abführmittel unters Essen – das wirkt auch ohne das der betroffene daran glaubt)
    Und dann denken sie mal an das Experiment im Februar in England: Tausende Menschen haben ein hochpotenziertes Homöopathikum genommen – und was ist passiert: nichts! keine Symptome, bei niemanden; und solche Experimente wurden schon zu hunderten gemacht, mit angeblich so wirksamen Homöopathika wie Sulfur, und allem möglichen anderen.
    Wie erklären sie sich das diese “Medikamente” nichts bewirkt haben? Die einzig logische Erklärung ist das die Stoffe einfach keine Eigenwirkung haben!

    Es ist überhaupt nicht nötig die Homöopathie theoretisch zu wiederlegen, etwa den lächerlich dummen Grundgedanken gleiches mit gleichem zu heilen, wenn dem so wäre:
    Spermien in hoher Konzentration verursachen Schwangerschaften, sind Spermien in hoher Verdünnung geeignet als Verhütungsmittel, oder zum Schwangerschaftsabbruch?!
    Vitamin C in hoher Verdünnung heilt Scorbut, verursacht reines Vitamin C Scorbut?!
    Oder die Unmöglichkeit eine plausible Erklärung dafür zu nennen wie ein stofflich nicht vorhandener Stoff wirken kann. (“Wassergedächtniss” wiederlegt, “Geister, Energien, Miasmen, Engel, das Monster von Loch Ness” wahllose Behauptungen ohne Beleg)

    Die einfache praktische Erkenntnis – tausendfach belegt, und von jedermann im Selbstversuch ausprobierbar – das Homöopathika keine Wirkung haben reicht aus.

  7. 7 segeln141 11. August 2010 um 14:27

    @bernd harder
    wenn einer wie general-investigaton meint,wir hätten 400.000 medikamente,meine rote liste jedoch bei ca. 80.000 aufhört(darin sind auch identische präparate mit anderem namen aufgelistet),dann lohnt es sich nicht, auf ihn einzugehen.
    sparen sie sich die mühe.
    nebenwirkung der homöopathie:
    homöoPSYCHOpathie

  8. 8 segeln141 11. August 2010 um 14:29

    general-investigaton(sic!)

  9. 9 JensE 12. Dezember 2010 um 14:27

    Man sollte General-Investigaton einfach mal den unterschied zwischen glauben und Wissen erklären.

    @Bernd Harder

    Sehr gute Replik. :o)

    Bis denn
    JenE

  10. 10 Christian Haselberger 29. Dezember 2012 um 18:28

    @ General-Investigaton :
    Wenn ein Homöopathikum sagen wir auf D30 verdünnt (potenziert) wird, wie viel Natrium (wie in Meersalz (Natrium marinum)), Silizium (wie in Meeressand (Silica marina)), …, löst sich bei diesem Verfahren aus dem Glas der Gefäße und Pipetten? Substanzen, die dabei unfreiwillig auch weiter potenziert werden und eigentlich auch Wirkungen haben müssten – vielleicht nicht immer erwünschte?
    Woher weiß die ursprüngliche (und um 10-hoch-30 verdünnte) Substanz, dass sie gemeint war? Aus den etwa 0,000001 Molekülen pro ml Wasser kann es wohl nicht sein. (Die Nullen-Anzahl hab ich nicht exakt berechnet, Verzeihung).

  11. 11 Ralf 29. Dezember 2012 um 18:53

    @Christian Haselberger
    Die Antwort liegt in der Quantenmechanik…es handelt sich hier um eine Verschränkung der Gedanken des Homöopathen mit den Molekülen der potenzierten Verdünnung…

    Spaß beiseide, mich würde das auch mal interessieren, wie das Homöopathen erklären…

  12. 12 Christian Haselberger 29. Dezember 2012 um 22:39

    @ Ralf
    Gut ausgedrückt! ;-)

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