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Neue Studie: Die „Querdenker“ – Wer nimmt an Corona-Protesten teil und warum?

| 33 Kommentare

Im November hatten wir schon mal kurz über ein interdisziplinäres Forschungsprojekt der Universität Konstanz zu den Corona-Protesten berichtet:

Jetzt hat der Soziologe Sebastian Koos, Juniorprofessor für Corporate Social Responsibility am Fachbereich für Politik- und Verwaltungswissenschaften, die Ergebnisse einer Befragung von Protestteilnehmern veröffentlicht:

Die „Querdenker“. Wer nimmt an Corona-Protesten teil und warum?

Insgesamt ist es eine kleine Studie mit 138 Teilnehmern, merkt Welt-Online an.

Die aber wurden so intensiv befragt, dass Koos davon ausgeht, die Studie könne „einen fundierten, näherungsweise repräsentativen ersten Einblick in die Zusammensetzung der Teilnehmenden an einem zentralen Corona-Protest in Süddeutschland geben“.

Erhebungsort war die sogenannte „Erntedank-Demonstration“ am 4. Oktober in Konstanz, organisiert von der Gruppe „Querdenken 773“.

Die Ergebnisse decken sich weitgehend mit einer ähnlichen Forschungsarbeit der Uni Basel (Prof. Oliver Nachtwey, siehe unser Blogpost vom 25. Dezember), sodass sich wohl tatsächlich ein realistisches Bild der „Querdenken“-Bewegung ergibt.

Im Einzelnen:

Koos: Die Teilnehmenden an den „Querdenken“-Protesten sind im Schnitt 48 Jahre alt …

(Nachtwey: 47 Jahre)

Koos: … fast zu gleichen Teilen Männer und Frauen, mit einer leichten Überrepräsentation an Frauen im Online-Sample (53 Prozent).

(Nachtwey: „Das Verhältnis zwischen Frauen und Männern lag [bei zwei Demonstrationen in Konstanz und Leipzig] ungefähr bei 50 zu 50“, in der gesamten Auswertung bei 60 (Frauen) zu 40.)

Koos: Unter den Teilnehmenden sind Personen mit höheren Bildungsabschlüssen (mindestens Abitur) im Verhältnis zur deutschen Wohnbevölkerung überrepräsentiert.

(Nachtwey: „eine relativ akademische Bewegung“)

Koos: Im Verhältnis zur Wohnbevölkerung fällt auf, dass insbesondere die Gruppe der Selbständigen überrepräsentiert ist (20 Prozent).

(Nachtwey: „Überraschend ist der hohe Anteil Selbständiger, mit 25 Prozent ist er deutlich höher als in der Gesamtbevölkerung.“)

Koos: 39 Prozent stimmen der Aussage zu, dass alternative Heilmethoden besser helfen als die Schulmedizin, sodass bestimmte esoterische Überzeugungen eine […] größere Resonanz bei den Teilnehmenden finden.

(Nachtwey: „Ein Großteil will die Alternativmedizin der Schulmedizin gleichstellen, zurück zur Natur und stärker auf ganzheitliches und spirituelles Denken setzen.“)

Koos: 14 Prozent der Befragten standen in der Vergangenheit den Grünen nahe, gefolgt von CDU/CSU (7 Prozent) und der Linken (6 Prozent). Der AfD standen in der Vergangenheit 2 Prozent nahe.

(Nachtwey: „Bei der letzten Bundestagswahl haben 18 Prozent die Linke und 23 Prozent die Grünen gewählt. Der AfD haben 15 Prozent ihre Stimme gegeben. Die Volksparteien spielen praktisch keine Rolle.“)

Aussagen zur Parteienpräferenz sind bei solchen Umfragen indes mit Vorsicht zu genießen, da sich hier eine „Overcoverage“ von Personen bemerkbar machen könnte, die die Bewegung in ein positives Licht rücken möchten.

Koos: Die Protestierenden eint […] ein starkes Misstrauen gegenüber politischen Institutionen. 88 Prozent haben kein Vertrauen in die Regierung und 82 Prozent kein Vertrauen in den Bundestag. Das Misstrauen gegenüber öffentlichen Medien ist besonders stark (91 Prozent).

(Nachtwey: „Charakteristisch für diese neue Bewegung ist eine starke Entfremdung von den Institutionen des politischen Systems, den etablierten Medien und den alten Volksparteien. Die Querdenker:innen vertrauen der parlamentarischen Demokratie, den Medien und der Wissenschaft nicht bzw. nicht mehr.“)

Koos: Das tiefe Misstrauen gegenüber etablierten Medien äußert sich auch in der bevorzugten Art, wie die Befragten sich Informationen zur Pandemie verschaffen.

90 Prozent informieren sich über eigene Recherchen im Internet, 52 Prozent über Telegram- oder WhatsApp-Gruppen sowie über Freunde oder Familie (52 Prozent). Sowohl Zeitungen (42 Prozent) als auch Fernsehen und Radio (32 Prozent) spielen demgegenüber eine untergeordnete Rolle.

(Nachtwey: „Mehr als 95 Prozent der Befragten stimmten der Aussage ,Die Corona-Proteste werden in den etablierten Medien gezielt abgewertet und verzerrt‘ zu beziehungsweise voll und ganz zu.“)

Die „Zustimmung zu Verschwörungstheorien“ erfassten Koos und sein Konstanzer Team mit den zwei Behauptungen:

  • Einflussreiche Geschäftsleute wollen die Bevölkerung zwangsimpfen lassen.
  • Gruppen von Wissenschaftlern manipulieren, erfinden oder unterdrücken Beweise, um die Öffentlichkeit zu täuschen.

Koos: Immerhin 70 Prozent halten es für gut vorstellbar, dass einflussreiche Geschäftsleute die Bevölkerung zwangsimpfen lassen wollen, und 75 Prozent halten es für gut vorstellbar, dass Gruppen von Wissenschaftlern die Öffentlichkeit bewusst täuschen […]

Es überrascht daher wenig, dass keiner der Befragten bereit wäre, sich gegen SARS-CoV-2 impfen zu lassen.

(Nachtwey: „Die Neigung zum Verschwörungsdenken haben wir sowohl hinsichtlich der Corona-Krise als auch bezüglich einer allgemeinen Verschwörungsmentalität überprüft. Diese fiel fast immer stark aus, soweit es Regierung, Medien und Corona-Maßnahmen betrifft.“)

Zudem erfragten Sebastian Koos und seine MitarbeiterInnen, welche Gruppen aus dem Umfeld der Corona-Proteste die Teilnehmenden unterstützen oder ablehnen:

84 Prozent [gaben] an, die Ansichten der Gruppe „Querdenken“ zu unterstützen. 57 Prozent unterstützen Impfgegner, 16 Prozent esoterische Gruppen.

Die Reichsbürgerbewegung wird von 66 Prozent der Befragten abgelehnt, knapp ein Drittel (32 Prozent) steht ihr jedoch neutral gegenüber und 2 Prozent unterstützen diese.

Die Ansichten von QAnon werden von 44 Prozent abgelehnt, aber mehr als die Hälfte (51 Prozent) stehen dieser Gruppierung immerhin neutral gegenüber.

Eine differenzierte Analyse unter Berücksichtigung des Bildungsgrades zeigt, dass insbesondere die Reichsbürgerbewegung unter den Teilnehmenden ohne Abitur Unterstützung findet (8 Prozent im Vergleich zu 0 Prozent unter Befragten mit Abitur).

Koos‘ Fazit:

Im Hinblick auf die Teilnehmenden scheint es auf der einen Seite wichtig anzuerkennen, dass es ein durchaus großes bürgerliches Lager an Protestierenden gibt, das nicht originär demokratiefeindlich oder extremistisch ist.

Zum anderen muss man aber auch konstatieren, dass der ausgeprägte Verschwörungsglaube sowie das tiefe Misstrauen gegenüber politischen Institutionen und öffentlichen Medien sicherlich ein potenzielles Einfallstor für strategische Einflussnahme extremistischer Gruppen ist.

Die Mehrheit der Teilnehmenden (75 Prozent) lehnt eine weitere Radikalisierung ab. Gleichzeitig zeigen etwa die Übergriffe auf Journalisten am 7. November in Leipzig und bereits der „Sturm“ auf das Reichstagsgebäude am 29. August, dass es unter den Teilnehmenden an den Demonstrationen Personen gibt, die entweder bereits sehr radikal waren oder sich im Kontext der Proteste radikalisiert haben.

Und deswegen wird die Bewegung seit mehr als einem Monat vom Verfassungsschutz in Baden-Württemberg beobachtet. In Thüringen wird das gerade geprüft.

Die Studie „Die „Querdenker. Wer nimmt an Corona-Protesten teil und warum?“ steht hier zum Download bereit.

Parallel zu dieser soziologischen Veröffentlichung haben drei Mitarbeiter der zeitgeschichtlichen Arbeitsgruppe in dem interdisziplinären Forschungsprojekt der Uni Konstanz einen Aufsatz bei der Bundeszentrale für politische Bildung publiziert.

Auch sie konstatieren bei den Demo-Teilnehmern ein „tiefgreifendes Misstrauen gegenüber der Darstellung und Bewertung der Pandemie durch die etablierten Medien, die Bundesregierung sowie renommierte Wissenschaftler:innen wie dem Berliner Virologen Christian Drosten“.

Hier zeigt sich wieder das Problem, auf das wir im November bereits hingewiesen haben und das die Corona-Demonstranten bei aller positiver Selbsteinschätzung eben doch als Verschwörungskonstrukteure decouvriert:

Das vorgebrachte „kritische Denken“ ist strikt auf die bestehenden Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung gerichtet – die eigene Position oder die der präferierten Gegenexpert:innen werden selten oder gar nicht überprüft.

Stattdessen werden Positionen, die den eigenen Standpunkten zuwiderlaufen, abgekapselt: „Querdenker“ argumentieren auf einer grundlegend anderen Wissensbasis und Einordnung von Fakten.

Bemerkenswert ist das Selbstbewusstsein, mit dem dieses Gegenwissen, das tatsächlich „quer“ zu vorherrschenden wissenschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Positionen steht, von zahlreichen Demonstrationsteilnehmer:innen vertreten wird.

Die Protestierenden ermächtigen sich selbst dazu, einen fortlaufenden und komplexen epidemiologischen und virologischen Forschungsdiskurs einschätzen und als falsch widerlegen zu können. Dabei sind „Hausverstand“ und persönliches Erfahrungswissen gängige Argumentationsgrundlagen.

Auch Prof. Oliver Nachtwey erläutert in der aktuellen Zeit seine Baseler Studie zur „Soziologie der Corona-Proteste“. Die wesentlichen Erkenntnisse nochmal zusammengefasst:

„Die Klammer der Querdenker ist eine negative: das Misstrauen, die Entfremdung vom politischen System und der parlamentarischen Repräsentation, dem Wissenschaftssystem sowie den etablierten Medien. So heterogen die Demonstranten auch sind, sie alle sehen ein hermetisches System, das aus ihrer Sicht eine falsche Realität darstellt.“

„Diese Menschen suchen sich bestimmte Evidenzen, die die herrschende Realität infrage stellen, kombinieren sie wild, fast beliebig miteinander, solange sie die gewünschte Kritik am System liefern.“

„61 Prozent wollen künftig Kleinstparteien wählen, alternative Parteien wie „Die Basis“ oder „Wir 2020″ und auch Bündnisse aus dem Umfeld des Querdenken-Gründers Michael Ballweg, die eigentlich im Parteienwettbewerb keine Rolle spielen. Diese Parteien wollen nicht regieren oder gestalten, sie sind die reine Fundamentalopposition.“

Kurz gesagt:

„Querdenker“ bilden aus einem Bauchgefühl heraus eine egozentrische Misstrauensgemeinschaft, die in Fundamentalopposition zu wissenschaftlichen Erkenntnissen und politischen Entscheidungsprozessen steht.

Prof. Michael Butter von der Uni Tübingen fasst die Bewegung so zusammen:

Auf den Demonstrationen gegen Corona kommt eine bunte Mischung an Menschen zusammen, Leute, die eher von links kommen, Leute, die eher von rechts kommen. Ihre Gemeinsamkeit ist ihr Glaube an Verschwörungstheorien.

Sie können sich nicht darauf einigen, wer dahinter steckt oder wohin das führen wird, sie haben auch keine gemeinsame politische Vision, aber sie können sich darauf einigen, dass alles rund um Corona Lug und Trug und Schwindel ist.

Die Querdenker-Bewegung ist also quasi eine eigene populistische Bewegung.

Einen aktuellen TV-Beitrag, der all das kurz widerspiegelt, gibt’s beim ORF (zirka zehn Minuten, noch ein Tag online).

Außerdem hat die Initiative München ist bunt eine Publikation „Die Querdenker – eine rechte Gefahr?“ herausgegeben.

Zum Weiterlesen:

  • Wie ticken „Querdenker“? „Großes bürgerliches Lager, das nicht originär demokratiefeindlich ist“, Welt-Online am 18. Januar 2021
  • Corona-Proteste und das (Gegen-)Wissen sozialer Bewegungen, bpb am 15. Januar 2021
  • Verschwörungstheorien: Die Heimwerker der alternativen Wissenskonstrukte, GWUP-Blog am 5. November 2021
  • „Querdenker“: Ich mach mir die Welt so, wie sie mir gefällt. Und wenn sie sich nicht danach richtet, umso schlimmer für sie, NZZ am 14. Januar 2021
  • Was die „Querdenker“ denken, Zeit-Online am 20. Januar 2021
  • Neue „Querdenker“-Studie: Misstrauensgemeinschaft mit eigenwilliger Auffassung von Kritik, GWUP-Blog am 25. Dezember 2020
  • „Die Corona-Impfung ist ein Traum für Verschwörungstheoretiker“, Zeit-Online am 23. Januar 2021
  • Studie zur „Querdenker“-Bewegung: „Kommt zum Teil von links, geht aber eher nach rechts“, Deutschlandfunk am 21. Januar 2021
  • Querdenken: Wie gefährlich ist die Szene? mdr am 20. Januar 2021
  • Die bunte Welt der Querdenkerinnen, FAZ+ am 21. Januar 2021
  • Riot police use water cannon, tear gas to break up demos in Eindhoven, Amsterdam, dutchnews am 24. Januar 2021
  • Maskenverweigerer greifen in Bayern mehrere Menschen an, Welt-Online am 24. Januar 2021
  • Markenrechte, Merchandising, Schenkungen, Bustransfers: Womit „Querdenken“ Geld verdient, GWUP-Blog am 27. November 2020
  • „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ – Schüler überrascht „Querdenker“ mit Gegenrede, GWUP-Blog am 24. Dezember 2021
  • Esoterik in der Corona-Krise: Ganzheitliche Sinnsuche oder Gefahr für die Demokratie? GWUP-Blog am 16. Januar 2021
  • QAnon-Bewegung: Zwischen Resignation und Radikalisierung, GWUP-Blog am 24. Januar 2021
  • Der Quell des Übels bei den Querdenkern, rnd am 24. Januar 2021
  • We are the World, republik am 22. Januar 2021

33 Kommentare

  1. Bei mir brodelt so eine Verschwörungstheorie im inneren,die meint,dass die Querdenker-Macher und die Demos vom Staat inszeniert sind. So hat man möglichkeit alle Antis in einer Gruppe zu sammeln um diese so besser zu Knotrollieren,bevor sich viele kleine Grüppchen bilden.

    Das man bei solch drastischen Maßnahmen auch mit entsprechender Reaktion in Bevölkerung rechnen muß,dürfte der Regierung bewusst gewesen sein. Damit das ganze nicht aus dem Ruder läuft lenkt man die Anti-Bewegung am besten selbst.

  2. Ich habe in den letzten Wochen und Monaten mehrfach Diskussionen mit Querdenkern (teils dass ich sie dort eingeordnet habe, teils haben sie sich selbst so genannt) geführt.

    Meine Beobachtungen decken sich stark mit den hier genannten Erkenntnissen, insbesondere dahingehend, dass die eigenen teils widersprüchlichen Argumente völlig kritiklos aufgenommen und weiterverbreitet werden, während alles andere entweder ignoriert, auf die Goldwaage gelegt oder als Propaganda abgekanzelt wird.

    Das war auch unglaublich schwer, sich auf einen Minimalkonsens zu einigen, also ne eigene Basis zu finden. Ist teils echt deprimierend.. aber etwas Gegenrede muss schon sein.

  3. Diese Leute sind hilflos. Sie erkennen nicht, das Leugnen nichts an den Fakten ändert. Diese Gruppe von Menschen hilft uns nicht, diese Krise zu bewältigen, aber sie benötigen Hilfe, um wieder in die Realität zu finden.

  4. @ Michel
    >> Diese Gruppe von Menschen hilft uns nicht, diese Krise zu bewältigen, …

    Es ist sogar das Gegenteil der Fall: Diese Gruppe von Menschen ist mit dafür verantwortlich, wenn sich die Bewältigung verzögert. Denn Impfverweigerung, nicht Einhaltung der Vorschriften, etc. veschleppt die Aufhebung von Beschränkungen und auch die notwendige Durchimpfungsrate wird dadurch später (oder schlimmstenfalls nie) erreicht.

  5. Bei den Protesten in Weissrussland und in Moskau wurde und wird auch massenhaft gegen die Abstandsregeln verstoßen – angesprochen wird das in keinem Korrespondentenericht. Wird hier mit zweierlei Maß gemessen? Antiputin-Proteste immer gut, Anticorona-Proteste immer böse?

  6. Wie sollte die Polizei mit Verschwörungstheoretikern in den eigenen Reihen umgehen? Viele Beamte haben uns geschrieben, wir veröffentlichen Auszüge ihrer Antworten.

    https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2021-01/corona-leugner-polizei-querdenker-polizisten-demonstration-verschwoerungstheorien

  7. Mal abgesehen von der Sinnhaftigkeit, den Aussagen notorischer Querulanten und Fake-News-Gläubigen und -Verbreitern auch nur irgendein Gewicht beizumessen, fehlt mir doch eine wie ich finde wichtige Frage, wenn ich es nicht übersehen habe.

    Und zwar fehlt mir die Frage nach der Lebenssituation der Coronaprotestler. Wie sehen die Wohnumstände aus, ist der Kühlschrank ansprechend gefüllt, wie sieht es mit intensiven sozialen Kontakten aus, wird eine sinnstiftende und wertgeschätzte Tätigkeit ausgeübt?

    Welchen Einfluss hat das Alter? Das Durchschnittsalter beträgt laut Befragung 48 Jahre, doch vermutlich haben wir es nicht mit der 80jährigen und dem 16jährigen zu tun, sondern mit tatsächlich 48jährigen. Was könnte besonders an diesem Alter sein?

    Das Phänomen midlifecrisis drängt sich hier auf, aber auch dramatisch gescheiterte Beziehungen mit allen Konsequenzen, gesundheitliche Probleme dürften auch eine Rolle spielen.

    Tiefe Lebensunzufriedenheit dürfte den Alltag dieser Menschen prägen, Lebensziele sind geplatzt oder unerreichbar. Das macht Frust. Und es muß dafür einen Schuldigen geben, der man nicht selbst ist, es muß finstere Verschwörungen geben oder wenigstens die Hoffnung darauf.

    Da kommt so eine Pandemie mit all ihren Konsequenzen als willkommener Anlass gerade richtig. Es kommt wieder Action und Abwechslung ins triste Leben, man kann seinen Frust endlich zusammen mit anderen abreagieren, gern auch an Phantomen, die wehren sich nicht. Man kann sich wichtig und elitär fühlen, ohne, das ist wichtig, sich großartig anstrengen zu müssen.

    Man muß sich nur irgendwo treffen, rumstehen und schwatzen, manchmal geifernd Keifen. Viele erinnert das auch an die gute alte Zeit in einem anderen Land, da hieß das noch Arbeiten gehen.

    Also, ich denke, wenn man sich die Coronaprotestler genauer anschaut, wird man feststellen, dass ein großer Teil dann doch ein einsames, tristes, tatsächlich oder gefühlt kärgliches und ärmliges Leben führt.

    Salopp gesagt, die einen finden aus diversen Gründen nichts mehr oder gefühlt nichts gescheites für die Kiste und Haushalt, die anderen finden aus diversen Gründen keinen Versorger und Bespaßer mehr.

    Und das ist den Menschen nur allzu schmerzlich bewußt, wollen es aber nicht wahrhaben.

  8. Da die meisten im mittleren Alter sind, kann man schon von einem Altersstarrsinn sprechen.
    Ich glaube, daß viele junge Menschen weniger Probleme mit den Maßnahmen haben, als ältere und das beobachte ich auch, bis auf „aggressive“ Jugendliche, die es schon immer gab. Die meisten Jungen halten sich vorbildlich an die Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung (wobei es mehr um Pandemie-Begrenzung geht).

  9. …was mir gerade auffällt…
    sind nicht die Querdenker in dem Alter der Kinder der 68er?
    Nicht daß anti-autoritäre Erziehung zu Egoismus führt ;-)

  10. @Bernd Harder
    Das ist krass…unglaublich, was da auch in den Niederlanden abgeht…unglaublich…

    Aber die ganzen Kritiker können beruhigt sein: Wenn die „vulnerablen Gruppen“ durchgeimpft sind, dann wird gelockert und dann werden die Intensivstationen voll sein von mittelalten und jungen Patienten.
    Der richtige Horror wartet noch auf uns (relativ) Jungen…denn wir müssen infiziert werden und einige von uns wird es richtig tolle erwischen…

  11. @Bernd Harder

    Was sind das bloß für Menschen? Ich frage mich, ob es in Deutschland, Österreich oder der Schweiz auch noch zu so einem Vorfall kommen kann. Bei der Radikalisierung, die manche Querdenker durchlaufen haben, wäre es durchaus vorstellbar.

  12. @Bernd Harder

    Völlig unerträglich. Bei sowas bekomme ich Gewaltphantasien.

  13. Herr Ballweg provoziert und sorgt für Aufregung und holt durch die damit verbundene Werbung Geld für sein kommerzielles Unternehmen rein. So weit, so zynisch.

  14. @ Peter Friedrich:

    Wer hätte kein Verständniss? Aber

    „Auch der Hass über die Niedrigkeit verzerrt die Züge“

    Natürlich wissen die Oragnisatoren genau, was sie machen.

    Hier in unserer kleinen Stadt halten die gerade täglich eine „Trauer-Mahnwache“ für das „Grundgesetz“ ab: (Das sie vor wenigen Monaten noch abschaffen wollten).

    Wir werden ihnen mit viel Men /Women-Power und mit Spott begegnen. Indem wir sie z.b. mit Mike Krügers „Querstänker-„Lied beschallen.

    https://www.youtube.com/watch?v=AxYKLdiAkCw

  15. @Karsten Hilsen

    Wünsch Ihnen von Herzen viel Erfolg!

  16. Die Zahlschafe waren mit ca Fünf Pers. heute mehr, als Gestern.

    Hatten keinen „Trauerkranz“ und Grablichter (wie gestern), sondern mit einem Plakataufsteller Werbung für „die Klage“ gemacht. (Also für die Privatkasse von Rechtsanwalt „Füllmich die Taschen“).

    Wir hatten uns in gebührendem Absstand von ca 10m von ihnen postiert. Auf das Spottlied von Mike Krüger haben sie aggressiv reagiert.

    Zwei der Schwurbler sind auf ein Banner von uns zugegangen und haben plötzlich völlig unmotiviert „Hilfe Polizei“ gerufen, „Das Banner wäre ihnen im Weg, die Personen, die es halten würden „Nötigung“ begehen.

    Also in einer praktisch leeren Fußgängerzone, wo Platz ohne Ende war. Die Szene erinnerte an jene mit dem „Hutbürger- „Sie haben mich ins Gesicht gefilmt“.

    Die anwesende Polizei hat geduldig eine mündliche Anzeige aufgenommen. Dann war da noch ein Taxifahrer, der offensichtlich mit den Schwurblern sympatisierte, aus dem Taxi ausstieg (ohne Maske) und uns Leibeskräften brüllend beschimpfte.

    Warum wir „Diese Friedliche Demo störten“ Wir wären „Faschisten“ und bestimmt von …(natürlich einem jüdischen Unternehmer) bezahlt und so.

    Also /so/ laut, dass im angrenzenden Büro eines Notars das Fenster geöffnet wurde und eine Stimme um Ruhe bat… Kann man sich nicht ausdenken.

    Morgen werden ich auch noch das schöne Lied von Tommy Krappweis mitbringen. :-) :-)

  17. @Karsten Hilsen

    Danke für den Einblick in die Gedankenwelt der Querstänker.

    Das Lied von Tommy Krappweis ist ein weiterer liebenswürdiger Einstieg. Ich empfehle dann als nächstes die „Lachnunmmer Sammelklage“ von Anwalt Jun, die sich auch als rein akustische Version gut etwas hermacht (auch wenn die Fans von Fuellmichdietaschen Reiner nicht erfreut sein werden.)

    https://blog.gwup.net/2021/01/22/lachnummer-sammelklage/

  18. @ Peter Friedrich
    „Völlig unerträglich. Bei sowas bekomme ich Gewaltphantasien!“

    Wie ich!

    Als ich dies vor wenigen Wochen hier kundgab, wurde ich von einem anderen Kommentator sehr „gerügt“ (um es mal freundlich auszudrücken).

    Mit meiner Geduld ist es nämlich schon seit langem vorbei.
    Wenn sich bildungsferne Jugendliche bzw. junge Leute nicht mehr anpassen wollen, sich keinen Gesetzen und Regelungen anpassen, nur weil sie unbedingt ihren Spaß haben wollen und sich offensichtlich leider nicht sinnvoll beschäftigen können, und dann so aus Frust gewalttätig werden, dann gehören sie zunächst weggesperrt.

    Wenn sich solche Gesindel vermehrt (und diese Befürchtung habe ich), dann könnte das verheerende Folgen haben.

  19. @ Peter Friedrich
    „Völlig unerträglich. Bei sowas bekomme ich Gewaltphantasien!“

    Wie ich!

    Als ich dies vor wenigen Wochen hier kundgab, wurde ich von einem anderen Kommentator sehr „gerügt“ (um es mal freundlich auszudrücken).

    Mit meiner Geduld ist es nämlich schon seit langem vorbei.
    Wenn sich bildungsferne Jugendliche bzw. junge Leute nicht mehr anpassen wollen, sich keinen Gesetzen und Regelungen anpassen, nur weil sie unbedingt ihren Spaß haben wollen und sich offensichtlich leider nicht sinnvoll beschäftigen können, und dann so aus Frust gewalttätig werden, dann gehören sie zunächst weggesperrt.

    Wenn sich solches Gesindel vermehrt (und diese Befürchtung habe ich), dann könnte das verheerende Folgen haben.

  20. @Lisa Marie

    Ich hatte eigentlich auf den Mißbrauch des Holocaustgedenktages reagiert, aber Sie haben recht, daß auch die holländischen Täter sich völlig unmöglich verhalten.

  21. @RPGNo1:
    Ja, die sind /wirklich/ genau so, im Denken wie im Agieren, wie es Bernd Harder hier immer wieder beschreibt und dokumentiert.

    Sie üben damit eine sehr gefährliche Scharnier-/ Verbindungsfunktion aus um rechtsextremistische und antisemitsche Stereotype tief in bürgerlichen Kreisen zu tragen.

    Und anti-aufklärerische und wissenschaftsfeindliche Vorstellungen zu verbreiten bzw zu verfestigen.

    Vielen Dank für die Anregung mit einem Audio vom Anwalt Jun!

    Ich werde versuchen, diese aufzugreifen.

  22. Ein Mythos der Querdenker und Coronaskeptiker bricht in sich zusammen nämlich ihre Behauptung, dass ihre Demos nichts zur Verbreitung des Virus beitragen würden. Dem jedoch widerspricht eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW und der Humboldt-Universität Berli, die für die Demos im November das Gegenteil anzeigt.

    Die Untersuchung stützt sich auf das Infektionsgeschehen in den Landkreisen, in denen auf die Kundgebungen spezialisierte Busunternehmen Fahrten zu den großen Demonstrationsorten Berlin und Leipzig angeboten hatten. Den Angaben nach stieg in diesen Kreisen die Sieben-Tages-Inzidenz stärker an als in Kreisen, in denen die Busunternehmen keine Reisen anboten.

    https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.coronavirus-in-deutschland-studie-anti-lockdown-demos-trugen-zur-verbreitung-von-virus-bei.72e5ae54-5fae-40fd-bdd8-6f0028a043f9.html

  23. @RPGNo1

    Die Stuttgarter Nachrichten hätten ruhig mal den Link zur Studie nennen können:

    http://ftp.zew.de/pub/zew-docs/dp/dp21009.pdf

  24. @Sebastian Taege

    Stimmt.

    Der Volksverpetzer hat sich auch des Themas angenommen.

    https://www.volksverpetzer.de/corona/studie-querdenker-angesteckt/

  25. @RPGNo1/Sebastian Taege:

    Im Detail kann ich die Zuverlässigkeit der Auswertung nicht selbst einschätzen, aber generell scheint mir der Ansatz interessant.

    https://twitter.com/mpoessel/status/1359231954571456512

  26. @Bernd Harder

    Danke.

  27. Wie Markus Pössel auch anmerkte, führt der Link nicht zu einer Studie des ZEW, sondern zu einem Diskussionspapier aka „graue Leteratur“ ähnlich eines PrePrints.

    Discussion Papers are intended to make results of ZEW research promptly available to other economists in order to encourage discussion and suggestions for revisions. The authors are solely responsible for the contents which do not necessarily represent the opinion of the ZEW.

  28. Die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen haben sich nach Überzeugung des Soziologen Simon Teune nicht erst Schritt für Schritt im Laufe des vergangenen Jahres radikalisiert. «Wenn man diese Proteste unter den verschiedenen Namen Hygienedemos, Querdenker und so weiter genauer anguckt, sieht man, dass viele, die da teilnehmen, schon vor den Protesten eine radikale Deutung der Corona-Krise plausibel fanden», sagte Teune der Deutschen Presse-Agentur.

    https://www.welt.de/regionales/berlin/article227137945/Soziologe-Gegner-der-Massnahmen-trauen-der-Regierung-nicht.html

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