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„Heilpraktiker: Quacksalber oder sanfte Alternative?“ im Ersten

| 30 Kommentare

Morgen Abend (Montag, 9. November) im Ersten:

Filmautorin Claudia Ruby ist es gelungen, einen einzigartigen Blick hinter die Kulissen einer Branche zu werfen, die es so in keinem anderen westlichen Industrieland gibt: Warum dürfen Heilpraktiker in Deutschland Kranke behandeln, obwohl sie keine adäquate medizinische Ausbildung haben?

Warum lassen sich jedes Jahr Millionen von Patienten mit Verfahren behandeln, von denen viele erwiesenermaßen nicht helfen oder sogar schaden? Wieso haben Heilpraktiker enorme Freiheiten, während alle anderen Bereiche des Gesundheitswesens streng reguliert sind?

Und: Was muss die Politik tun, damit Heilpraktiker nicht zur Gefahr für ihre Patienten werden?

Los geht’s um 20.15 Uhr (Update: Hier geht’s zum Video.).

Übrigens haben Heilpraktikerverbände die Interviewanfragen der Autorin mit einer kuriosen Begründung verweigert (Minute 40:50):

Bereits unter der Ankündigung der Sendung versammelte sich die Zunft zur konzertierten Schönfärberei – nach diversen Aufrufen wie diesem:

Da geht aber jemandem schwer die Düse.

Zum Weiterlesen:

  • Ein „Bund“ zwischen Ärzten und Heilpraktikern? Das freut nur die Pseudomediziner, GWUP-Blog am 21. Juni 2015
  • Neuerscheinung: „Das Geschäft mit der Alternativmedizin“, GWUP-Blog am 18. Oktober 2020
  • Neu bei maiLab: „Heilpraktiker wissenschaftlich geprüft“, GWUP-Blog am 20. September 2020
  • Was wäre, wenn es keine Heilpraktiker mehr gäbe? GWUP-Blog am 16. September 2020
  • „Gefährliche Hybris“: Interview mit Dr. Christian Weymayr über das Heilpraktiker-Unwesen, GWUP-Blog am 24. Januar 2018

30 Kommentare

  1. Bereits unter der Ankündigung der Sendung versammelt sich die Zunft zur konzertierten Schönfärberei.

    Stand 16:45 h sind es schon 55 Seiten, immer mit den gleichen Argumenten:

    „mir hat der/die Heilpraktiker(in) geholfen“, „Pharmalobby“, „Ärzte wollen nur operieren/Geld verdienen“, „Selbstheilung“, „ganzheitlich“, „Schulmediziner“, „Heilpraktiker und Mediziner sollen zusammenarbeiten“, „wer heilt, hat Recht“, „schwere Heilpraktikerprüfung“, „Hetz-/Hexenjagd“, „einseitiger Journalismus/Reportage“, „wer profitiert?“ uvam

    Ein Panoptikum der beleidigten Leberwürste bzw. der Selbstzufriedenheit.

  2. Es ist unglaublich bezeichnend, dass sich die „Betroffenen“ schon artikulieren, bevor eine Sekunde des Films über den Sender gegangen ist. Die Situation hat sich insofern seit dem „Münsteraner Memorandum Heilpraktiker“ nicht verändert. Psiram konstatierte seinerzeit, man möge doch BITTE argumentativ das Memorandum kommentieren oder aber die Klappe halten…

    Ich habe seinerzeit in mehreren Beiträgen bei „Die Erde ist keine Scheibe“ und bei DocCheck die Reaktionen der Heilpraktiker zwischen Whataboutism und Verleumdung dokumentiert, kritisiert und einen sachlichen Diskurs eingefordert (was mir z.T. heftige Reaktionen einbrachte).

    An der Uni Münster sind die Reaktionen der Heilpraktiker in einer wissenschaftlichen Arbeit analysiert worden. Dabei kam heraus, dass die einer inhaltlichen Bewertung zugänglichen Stimmen einen unwesentlichen Anteil ausmachten.

    Diese Szene kennt nur einen Abwehrreflex und den dazugehörigen Verfolgungswahn. Auch moderate Vorschläge zu Regulierungen und Reformen werden brüsk zurückgewiesen. Praktisch alle Gesundheitsberufe, von den Hebammen über die Physiotherapeuten bis zu den Podologen, sind dabei, sich von innen heraus zu positionieren und zu professionalisieren.

    Nur der Heilpraktikerstand verschließt sich dem völlig und haben bei Überlegungen des Gesetzgebers bzw. der Regierung, ob nicht doch vielleicht unter Umständen möglicherweise ein kleines bisschen gesetzlicher Handlungsbedarf bestehe, nichts anderes im Sinn als vorbeugend Rechtsgutachten zu beauftragen.

    Dieser völlig fehlende Wille, diese immer wieder gezeigte Überlegenheitsattitüde belegen schlagend den Handlungsbedarf des Gesetzgebers. Ich will gar nicht ins Detail gehen und außerdem nochmals betonen, dass es nicht um den oder die einzelnen HeilpraktikerInnen geht. Das Problem ist so offensichtlich systemisch, dass es nach einer Neuaufstellung geradezu schreit.

    Wer das vom Grundsatz her nicht einsehen mag und nur in Abwehrreflexe verfällt, statt die Probleme selbst anzugehen und konstruktiv Veränderungen anzustreben, hat bei mir – bei allem Verständnis für das Selbstbild und den Blick auf die persönliche berufliche Existenz – keinen Kredit, ganz sicher nicht als therapeutische Vertrauensperson.

    Und so können wir schon vor der Ausstrahlung von Claudia Rubys Film konstatieren: Es hat sich nichts geändert in der Heilpraktiker-Szene. Gestern abend waren auf der Seite der ARD schon über 150 Kommentare versammelt.

    Zwei davon waren problembewusst. Zwei. Die weiteren Reaktionen sind vorhersehbar. Woraus wiederum nur folgt, dass sich etwas ändern muss.

  3. Warum wird diesem Schwurbel überhaupt noch solch eine Plattform gegeben ? Denn auch schlechte Werbung ist Werbung !

    Ich fände es gut, wenn dieser Scharlatanerie endlich die Öffentlichkeit genommen wird, ich habe jeden Tag in meiner klinischen Ernährungsberatung mit diesem Schwachsinn zu tuen.

    Es ist richtig viel Überzeugungsarbeit nötig, um Menschen wieder auf eine normale Ernährung zu bringen.

  4. Der Kommentarbereich überrascht nicht, aber er erschreckt mich trotzdem. Kleines Beispielzitat in typischer Qualität:

    „…Also meine Erfahrung zeigt, wenn Ärzte nicht weiter wissen können Heilpraktiker helfen….“

    Wozu also noch Ärzte besuchen, die Heilpraktiker sind doch ohnehin die besseren Mediziner?!

  5. „…Also meine Erfahrung zeigt, wenn Ärzte nicht weiter wissen können Heilpraktiker helfen….“

    Das dürfte in den meisten Fällen heißen, wo es keine diagnostizierbare Krankheit zum Behandeln gibt, erfinden Heilpraktiker eine…

  6. Hi Leute, ich kenne mich ein bisschen aus mit Autos, die großen Automarken zumindest sind mir bekannt. Was ich nicht kenne, lese ich direkt am Auto ab.

    Bringen Sie mir gern Ihre Autos zur Reparatur! Garantie gibt’s natürlich keine, überprüft von einem Meister wird auch nichts. Die haben ja sowieso alle keine Ahnung und halten sich nur immer starr an ihre fürs Auto oft schädlichen Regeln.

    Ich habe den ganzheitlichen Blick auf Ihren Wagen!!11! Ich schraube nicht einfach nur dumm rum, wie das die sogenannten ausgebildeten Fachleute machen. Ich sehe mir die Ursache an!

    Wo wurde das Auto produziert?

    Lag eventuell eine Wasserader unter der Fabrik?

    Gab es viele Chemtrails am Himmel bei der ersten Ausfahrt?

    Wurde es bereits verdorben durch frühere Mechaniker, die wie gesagt sowieso alle keine Ahnung haben und nie das Übel an der Wurzel packen möchten?

    Vertrauen Sie mir, ich beseitige nicht bloß Symptome, ich finde die Ursachen. ☝️

    Wenn Ihr Wagen nach meiner Reparatur gar keinen Ton mehr von sich gibt, ist das nur die heilsame Erstverschlimmerung. Das macht dann €xxx,xx (5facher Satz, ist schließlich eine individuell Ihrem Wagen zugeschnittene Reparatur).
    Haha, wie absurd!
    —————————-
    Willkommen im völlig absurden Heilpraktikersystem innerhalb unseres Gesundheitswesens, legitimiert von Seiten des Staates!

  7. @ Bettina Frank: :-)))

  8. @Bettina
    :D

    Und kein (ein verschwindend geringer Prozentsatz vermutlich doch) Mensch würde Ihnen ihr Auto anvertrauen.

    Allerdings gibt es auch keine Reparaturpraktikerausbildung, von der man sagt, dass sie schwer sei und dass man bei der Prüfung von KFZ-Mechanikermeistern geprüft wird, die von den Reparaturpraktikern mehr verlangen als von den Schulmechanikern.

    Sollte man vielleicht einfach mal machen und dann noch so Gerüchte streuen, dass man in den Schulwerkstätten nicht richtig repariert und die Ersatzteilindustrie möglichst viel an den Autofahrern verdienen will und deshalb gar nicht an einer richtigen Reparatur interessiert ist usw.

    Vielleicht können dann bald die ersten Reparaturpraktiker mit Gewinn ihre Werkstätten eröffnen.

  9. Reparaturpraktiker :-)))

    Eigentlich ja total witzig, wenn die Sache nicht so ernst wäre. Es sterben Menschen, weil sie Heilpraktiker als so eine Art Schmalspur-Ärzte sehen und denken, dass diese Leute tatsächlich Ahnung haben.

    Würde man die sprechende Medizin stärken, so dass Ärzte sich auch mal eine gute halbe Stunde die Sorgen der Patienten anhören könnten, würden nicht so viele abwandern in die Esoterik und zu obskuren selbsternannten „Heilern“. Leider auch ein selbst gemachtes Problem, die Politik muss dringend handeln.

    Bin mal gespannt auf die Sendung, die Heilpraktiker schäumen ja jetzt schon.

  10. @ Bettina Frank:

    Einen launigen Beitrag in diesem Sinne gab’s auch schon mal drüben bei den Psiramistas:

    https://blog.psiram.com/2017/10/nur-erfahrungs-fliegen-ist-schoener-mit-dem-flugpraktiker/

  11. Herrlich, Psiram ist eh klasse. :)

  12. Eine Hammersendung.

  13. Eine sehr gute Reportage!

  14. Eine ausnehmend gute faktenbasierte Sendung, die die grausamen Fakten knallhart auf den Tisch brachte. Erlebt man wirklich selten, sonst wird immer aufgeweicht und auf „Ausgewogenheit“ geachtet. Im Endeffekt wird dann keine Aussage gemacht – dies hier aber war eine mutige Sache.

  15. Und bei Minute 40:50 die Warnung eines Heilpraktikerverbands vor MedWatch und GWUP.

  16. Eine gute Dokumentation, die „sanft und ganzheitlich“ beginnt als Auftakt zu einem wunderbar orchestrierten Crescendo, das den ehrbar am Patientenwohl orientierten Heilpraktikern anfangs durchaus Raum lässt, die Scharlatane und die unerträgliche Gesetzeslage zum Ende hin aber immer enger umzingelt. Fand ich gut gemacht!

    Der Schwerpunkt lag aber in meiner Wahrnehmung zu sehr auf Einzelfällen – so wie auch immer die Gegenseite argumentiert, weil dies eben mehr Menschen erreicht als das Aufzählen von Fakten.

    Und so werden das die HPs wie im Kommentarbereich auf der ARD-Website entweder als unberechtigen Frontalangriff brandmarken oder als bedauerliche Einzelfälle abtun (ja wattenu?!). Die gläubigen Patient/inn/en wird dies nicht von ihrem Irrtum überzeugen, aber vielleicht die bisher Gesunden von dergleichen zukünftigen Irrtümern abhalten. Und das ist ja immerin was!

    In meiner subjektiven Wahrnehmung gibt es physiotherapeutische und psychotherapeutische Heilpraktiker, die eine staatlich kontrollierte Ausbildung absolviert und eine der Aufsicht unterworfene Tätigkeit ausüben, und die freischaffenden, empathischen, ihre Grenzen kennenden, unesoterischen Heilpraktiker, die man irgendwie in die richtige Medizin integrieren müsste.

    Und eben die Schreihälse, die 3BP- und MMS-Verabreicher, die Globuli- statt Medizinanwender/innen etc., deren Praxen man eigentlich morgen schließen müsste.

  17. Heilpraktiker machen Doktorspiele für Erwachsene. Leider nehmen manche sogar ihre Kinder mit.

  18. Dieser Bericht war gut, keine Frage. Aber Kritikpunkte gibt es immer.

    Mir wurde da etwas zu viel auf den einen extremen Fall eingegangen und zu wenig auf die ganzen (nicht immer) harmlosen, anderen Therapieangebote der Heulpraktiker.

    Meine Schwester, angehende Heilpraktikerin, würde mich sofort mit „solche völlig schiefgelaufenen Fälle und skrupellose Menschen gibt es in der Schulmedizin noch viel häufiger“ abbügeln.

    Dass der dort genannte Heilpraktiker skrupellos ist, ich denke darüber gibt es keine zwei Meinungen.

    Aus meiner Sicht waren die Szenen am besten, wo zwei Heilpraktikerinnen ihre selbstentwickelten (!) Therapie- und Diagnosemethoden erklären sollten. Neutrale, sagen wir „beschwerdefreie“ Zuschauer, müssen bei einigen der Aussagen („… es ist egal, ob Eppstein-Barr-Virus oder HIV. Wichtig ist, dass die Information in jeder Zelle gelöscht wird“) doch schwer ins grübeln kommen.

    Auch die Situation hinsichtlich der Ausbildung, Regulierung und Befugnis von Heilpraktiker*innen wurde sehr gut herausgearbeitet.

  19. Ganz schwache und einseitige Recherche. Aber typisch SWR zum Thema Homöopathie und Heilpraktiker.

    Wenn hier einige tolle Köpfe meinen, die Prüfung zum Heilpraktiker wäre easy. Dann sollen sie die doch mal im Vorbeigehen machen und sich anschließend hierüber lustig machen. Aber es ist ja viel einfacher ohne Kenntnis über eine Sache sich darüber lustig zu machen. Kannst mit Hauptschule als Mindestvoraussetzung machen. Dürfte aber kaum reichen. Warnung im Voraus: 90 % Durchfallquote!

    Vielleicht macht die gute Claudia Ruby demnächst einen Beitrag über die zig-zehntausende Tote pro Jahr aufgrund von Arztfehlern und noch mehr wegen Nebenwirkungen von Pharmamitteln. Dann muss sie nicht Jahre zurück mühsam einen Einzelfall herauswühlen und kann gleich einen der vielen aktuellen Fälle nehmen. Ist doch viel einfacher für sie, oder?

    Das wird dann aber leider nicht prämiert und zur besten Sendezeit -wenn überhaupt- gezeigt.
    Sie würde vielleicht sogar gefeuert, weil Pharma-Werbeeinnahmen bedroht wären. :-)

    Wer von euch geht mit seinem Wagen wiederholt in die gleiche Werkstatt und zahlt selbst, wenn der Wagen nicht intakt abgeholt werden kann? Das muss dann ein Hauptschulkunde sein!!!

    Solche „Dummköpfe“ gehen regelmäßig und wiederholt zu Heilpraktikern, weil sie die irrige Erfahrung gemacht haben, dort in bestimmten Fällen besser als bei Ärzten bedient zu werden.

    Nachdenken und selbst recherchieren ist oft besser als dumm über manipulierte Infos zu witzeln.

  20. Auf Seiten der HP wird nur noch gemauert was das Zeug hält. Nichts Neues, das haben wir auch schon nach dem Münsteraner Memorandum erlebt, wobei, wie ich damals schrieb, „Whataboutism und Diskreditierung von Kritikern auf ein neues Niveau gehoben wurden“.

    Diese Leute sind vollkommen in ihrer Blase isoliert, uneinsichtig, reformunfähig. Allein das müsste ausreichen, um die Politik zum Handeln zu veranlassen.

    Des weiteren, dass sich der „mündige Patient“, der „schon wisse, was er von einem Heilpraktiker zu erwarten habe“, in den etlichen hundert Kommentaren auf der Seite der ARD in seiner ganzen schonungslosen Ahnungslosigkeit zeigt – und damit diese Ausrede der Politik zum Nichthandeln schlagend ad absurdum führt.

    Die Mehrzahl derer dürfte sich zudem aus den Aufrufen der Heilpraktikerverbände zum Gegenkommentieren rekrutieren. Nun, seis drum – wenn sie ihre Truppen mit nicht mehr ausrüsten können als mit den üblichen falschen Topics…

    Fazit: Weder zum Münsteraner Memorandum Heilpraktiker aus 2018 noch zu diesem TV-Beitrag waren die Heilpraktiker und ihre Verbände imstande, auch nur ein diskutables Argument für ihren Fortbestand, ihre Notwendigkeit und ihre Legitimation als „Teil des Gesundheitswesens“ vorzutragen.

    Selbst an ein paar Ideen für Reformen, für eine Professionalisierung ihres Standes fehlt es völlig. Statt dessen gebärdet man sich wie ein fliegender Teppichhändler, den man beim Verhökern von Polyester-Naims an gutgläubige Omas erwischt hat.

    Claudia Ruby hat es in ihrem Film ultimativ demonstriert: Die Zunft der Heilpraktiker hat sich längst selbst vollständig und umfassend delegitimiert.

    Ich gebe der Politik noch Zeit bis nach Corona. Danach kann sie ein Bündel schnüren zusammen mit der Homöopathie.

  21. @Vincent:

    So einen Film kann man ohne einen Einzelfallbezug nicht machen. Zudem war Claudia Rubys „Erweckungserlebnis“, das, was sie für das Thema sensibilisiert hat, ihre Anwesenheit an den Verhandlungstagen des Krefelder Prozesses.

    Von daher ist der Stellenwert dieser Sache leicht nachvollziehbar. Dass gerade der Prozess gegen Klaus R. deutlich macht, dass hier der Gesetzgeber mit auf der Anklagebank saß und damit ein Grundsatzproblem, habe ich hier verdeutlicht:

    https://keineahnungvongarnix.de/?p=7238

    Ich diskutiere seit Jahren mit Heilpraktikern. Ich stelle dabei niemals in Abrede, dass es wohlmeinende und empathische Heilpraktiker gibt (die oft selbst in gutem Glauben viel Geld, Zeit und Kraft darin investiert haben, sich in sinnlosem Zeugs ausbilden zu lassen).

    Das ist aber nicht der Punkt – und ich meine, Claudia Ruby hat das insgesamt auch sehr gut herausgearbeitet.

    Der Punkt ist, dass das Problem SYSTEMISCH ist, will sagen, der Rahmen, in dem sich sowohl empatische Zuwendung als auch übelste Scharlatanerie abspielen kann, stimmt einfach nicht.

    Es ist absolut müßig, über „schwarze“ und „weiße“ Schafe zu diskutieren. Das Problem, das zu lösen ist, besteht in der Imagination von „zwei Medizinen“ durch den Gesetzgeber, die sich in ihren Befugnissen kaum, in den Anforderungen an die handelnden Personen aber um Lichtjahre unterscheiden.

    Die aufzählbaren Probleme aus systemischer Sicht sind zahlreich. Und sie realisieren sich auch immer und immer wieder in der Praxis. Ich pflege die Situation in den Satz zu fassen, dass die Heilpraktiker nicht das können können, was sie zu können vorgeben.

    Klartext: Die Rechtsprechung verlangt vom Therapeuten, dass er die jeweils bestmögliche Behandlung seinen PatientInnen angedeihen lässt. Das ist dem Heilpraktiker schlicht nicht möglich, denn dafür müsste er Medizin studiert und die ärztlichen Weiterbildungsregeln befolgt haben.

    Der HP kennt die Optionen der wissenschaftlichen Medizin gar nicht. Er heilt aber trotzdem darauf los. Und in der ärztlichen Praxis kann es bereits ein justiziabler Behandlungsfehler sein, wenn in falscher Einschätzung der eigenen Kompetenz die rechtzeitige Überweisung an einen Facharzt unterbleibt…

    Nein, ich diskutiere nicht über „den guten Heilpraktiker“ und führe auch den „schlechten“ (von krassesten Ausnahmen abgesehen) nicht vor. Denn die Notwendigkeit zum Handeln in der Sache Heilpraktiker ergibt sich allein schon aus der völligen Unzulänglichkeit des Rahmens, in dem sie sich abspielt.

    Systemisch eben.

  22. @Ghandi:

    Ganz schwacher Kommentar mit den immerselben Pseudo-„Argumenten“. Von „Nachdenken und selbst recherchieren“ keine Spur.

    Zum etwa 500sten Mal:

    – Es geht nicht darum, ob die Heilpraktikerprüfung „easy“ ist, sondern darum, was sie vermittelt: nämlich nichts.

    Diese Prüfung ist kein Abschluss einer umfassenden und systematischen Ausbildung in Theorie und Praxis, sondern ein Ankreuztest zur „Gefahrenabwehr“.

    Die hohe Durchfallquote sagt dabei nichts über die Prüfung aus, sondern über die Bewerber, da – wie Sie selbst belieben festzustellen – „Hauptschule“ als Qualifikation ausreicht.

    „über die zig-zehntausende Tote pro Jahr aufgrund von Arztfehlern und noch mehr wegen Nebenwirkungen von Pharmamitteln.“

    Darüber gibt es ständig Medienberichte. Nur macht das die Heilpraktiker-Stümperei nicht besser.

    Es geht um das systemische Problem mit der Heilpraktikerei, nicht um einzelne „gute“ oder „schlechte“ Vertreter dieser Zunft.

    Es geht u.a. um ein aberwitziges Heilpraktikergesetz aus dem Dritten Reich, das es – weltweit einmalig – Laien ohne jede Ausbildung erlaubt, an Patienten herumzupfuschen etc.

    Auch bei Ihnen sind nichts anderes als die üblichen Abwehrreflexe und der gepflegte Verfolgungswahn zu erkennen, mit dem die HP-Zunft sich gegen selbst kleine Veränderungen wehrt.

    Wenn Sie die Kritik überhaupt erst mal verstehen wollen, anstatt hier sinnfrei rumzunölen, lesen Sie z.B. mal:

    https://blog.gwup.net/2018/01/24/gefahrliche-hybris-interview-mit-dr-christian-weymayr-uber-das-heilpraktiker-unwesen/

  23. @Udo Endruscheit

    100%ige Zustimmung, auch zu dem lesenswerten Blogartikel.

    Wo kann ich für diese Einstellung unterschreiben?

  24. @Ghandi

    Die schriftliche Heilpraktikerprüfung besteht, wenn ich mich recht erinnere, aus 80 Multiple-Choice-Fragen, von denen man 60 richtig haben muss. Da wird gesetzeskonform („keine Gefahr für die Volksgesundheit“) abgefragt, ob der Kandidat Krankheiten erkennen kann, die er zum Arzt schicken muss, darüber hinaus aber keinerlei Kenntnisse oder gar praktische Fähigkeiten.

    Mehr oder weniger alle früheren Prüfungen sind im Netz frei zugänglich, so dass man den roten Faden darin und die unvermeidlichen Wiederholungen gut erkennen und sich entsprechend vorbereiten kann.

    Ein paar Grundkenntnisse in Latein und Altgriechisch zum Dekodieren der Fachwörter sind nützlich, aber eine Ausbildung braucht man dafür nicht, ebensowenig wie man je einen Patienten gesehen haben muss.

    Natürlich gibt es Heilpraktikerschulen, die auch konkrete Prüfungsvorbereitung betreiben. Es gibt aber keinerlei gesetzliche Vorgaben für die Lehrinhalte und keine staatliche Aufsicht.

    Die dürfen jede beliebige Esoterik lehren und tun das auch. Kann man hingehen, ist aber nicht vorgeschrieben und tun viele Autodidakten auch nicht.

    Im Gegensatz dazu dauert eine Facharztausbildung bis zu 12 Jahre, deren theoretische und praktische(!) Prüfungen niemand ohne das Studium bestehen kann. Oder die vorgeschriebenen lebenslangen Weiterbildungen überhaupt verstehen.

    Noch Fragen? Wie es Udo E. schon sagte: Es ist der gesetzliche Rahmen, der die Scharlatanerie geradezu fördert.

    Oh, und „zig-zehntausende“ Tote pro Jahr alleine durch Kunstfehler in der richtigen Medizin, plus noch die Nebenwirkungstoten. Hast Du eine Quelle dafür oder hast Du das adhoc erfunden?

    Das ist ein Argument der Sorte „3000 Verkehrstote jedes Jahr, aber nur 300 Mordopfer. Lasst doch mal die armen Mörder in Ruhe!“

    Nebenbei: Natürlich stirbt kaum jemand beim Heilpraktiker, weil die die schlimmen Fälle ja gar nicht behandeln dürfen, oder weil die Patienten nach erfolgloser Kurpfuscherei ins Krankenhaus gehen und da sterben.

    Während der HP einen Strich bei „als geheilt entlassen“ macht, wenn von dem/der Patientin nichts mehr hört.

    Aber um sachlich zu bleiben: Kliniken und praktizierende Ärzte haben weitreichende Dokumentations- und Meldepflichten, und Fehler und neue Erkenntnisse werden im Sinne kollektiven Erfahrungslernens systematisch in die Ausbildung und in die Leitlinien etc. integriert.

    Nichts davon gibt es in der Welt der Heilpraktiker mit ihrem „alten Wissen“, während das medizinische Wissen um sie herum steigt und steigt. Und davon, dass die Zunft mal auf negative Studienergebnisse reagiert und eine bestimmte Therapie dann fallenlässt, ist auch nichts bekannt.

    Es ist also nicht nur der irre Gesetzesrahmen, es ist auch das unerträgliche, schreihalsige, zur Selbstkritik unfähige kollektive Verhalten der Branche.

  25. Angeblich „ausgebildete Heilpraktikerin“ richtet großen Schaden im Gesicht einer „Patientin“ an:

    https://www.zdf.de/gesellschaft/vorsicht-falle/vorsicht-falle-182.html

    (direkt der erste Beitrag).

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