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Gegen „Blender, Hochstapler und Scharlatane“: Spendenaktion für Bärbel Schwertfeger

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Im vergangenen Jahr haben wir auf die Publikation „Wenn Sie das schreiben, verklage ich Sie!“ der Otto Brenner Stiftung hingewiesen:

Eine Journalistin, die praktisch dauerhaft von juristischen Angriffen betroffen ist, ist Bärbel Schwertfeger.

Neben Artikeln für Spiegel-Online, FAZ etc. und Buchveröffentlichungen („Die Bluff-Gesellschaft“, „Der Griff nach der Psyche“) betreibt die Diplom-Psychologin den Blog MBA Journal und ist Chefredakteurin des Online-Magazins Wirtschaftspsychologie Heute.

Bei den GWUP-News ist jetzt ein Interview mit Schwertfeger erschienen, das auf eine Spendenmöglichkeit für die Kosten von noch laufenden Verfahren hinweist, insbesondere für die Auseinandersetzung mit einer selbsternannten „Profilerin“.

Ein Auszug:

Welche Konsequenzen hat diese Eskalation für Sie persönlich?

Schwertfeger: Zum einen bin ich seit Monaten vor allem mit der juristischen Abwehr ihrer Abmahnungen und Klagen beschäftigt, zum anderen ist da mittlerweile eine enorme Summe zustande gekommen. Inzwischen belaufen sich die Kosten auf mehr als 40.000 Euro und in den noch laufenden Verfahren stehen rund 25.000 Euro für weitere Anwalts- und Verfahrenskosten an.

Doch das ist mein Job und nicht mein privates Hobby. Als Journalistin sehe ich es als meine Aufgabe, die Weiterbildungs- und Personalszene kritisch zu durchleuchten. Zumal hier zum Beispiel durch unseriöse Tests und Auswahlmethoden manchmal sehr viel Schaden angerichtet wird.

Das ist viel Geld für Sie als freischaffende Journalistin. Das Ganze muss für Sie belastend sein. Wie halten Sie das aus?

Bisher trägt mich mein Gerechtigkeitssinn und meine ausgeprägte Abneigung gegen Blender, Hochstapler und Scharlatane sowie der unerschütterliche Glaube daran, dass sie alle irgendwann auffliegen und ihr Lügengebäude zusammenfällt.

Allerdings habe ich da inzwischen auch meine Zweifel. Gerade in der Speaker-Szene scheint man bei den Redner-Agenturen dann besonders beliebt zu sein, wenn man besonders dreist hochstapelt und lügt. Und wenn man heute Blender oder Hochstapler kritisiert, versuchen diese immer häufiger, ihr kritikwürdiges Geschäftsmodell durch Klagen und Abmahnungen abzusichern.

Natürlich gab es schon immer Scharlatane und Blender, aber inzwischen ist das schon fast so etwas wie der Normalzustand. Ich halte es einfach für ethisch und moralisch verwerflich, wenn gutgläubige Menschen so unverfroren über den Tisch gezogen werden.

In einer Zeit, in der Selbstinszenierung mehr zählt als der Inhalt, ist kritischer Journalismus daher mehr denn je ein notwendiges Korrektiv. Daher habe ich mich entschlossen, einen Spendenaufruf zu starten und würde mich sehr über die Unterstützung und Solidarität von möglichst vielen freuen – auch wenn meine Gegner das vermutlich sofort als ihren Triumph ausschlachten werden. 

Hier geht es zum Spendenbutton.

Zum Weiterlesen:

  • Journalismus unter Beschuss: Ein Interview mit Bärbel Schwertfeger, GWUP-News am 8. November 2020

5 Kommentare

  1. So, habe knapp 100 EUR gespendet. Die Fackel für Vernunft, Journalismus und Verbraucherschutz muss hochgehalten werden. Wie hier versucht wird mit den Mitteln von Trump, AfD und Co die Deutungshoheit zu erlangen und alternative Fakten zu postulieren. Unglaublich.

  2. Habe auch was im Rahmen meiner Möglichkeiten gespendet.

    Es kann nicht sein, dass unser Justizsystem es so leicht ermöglicht, kritische Stimmen „totzuklagen“. Klar, für die Justiz ist es meist nicht so einfach, den Austausch persönlicher Anwürfe von berechtigter und notwendiger Kritik zu unterscheiden.

    Aber es gäbe schon Möglichkeiten, solche Fälle offensichtlichen Rechtsmissbrauchs, die nicht auf die Entscheidung in der Sache, sondern auf ein Ausbluten des Gegners abzielen, zu verhindern oder zumindest einzugrenzen.

    Helfen könnte ein Instrument der „öffentlichen Beiklage“, also ein Verfahren, wo sich der oder die Beklagte an eine Stelle bei der Staatsanwaltschaft wenden kann, die prüft, ob sie evtl. das Verfahren übernimmt oder ihm beitritt. Das kann man unterschiedlich ausgestalten und wie gesagt wäre das nicht ganz einfach – aber es könnte in Fällen wie dem von Frau Schwertfeger vs. XX-XX durchaus angewandt werden.

    Das Signalisieren eines öffentlichen Interesses in einem solchen Verfahren dürfte die Prozessgegner jedenfalls vorsichtiger machen.

    Ein anderer Weg wäre, nicht mehr über Marginalien zu verhandeln, die nach dem Aussieben von 99 Prozent des „Sachvortrags“ der Klägerseite übrig bleiben. Das könnte zivilprozessual in die Hände des Richtes gelegt werden.

    In einigen Ländern sind solche Verfahren schon diskutiert worden. Angesichts der tatsächlichen Entwicklungen weltweit wäre es angezeigt, sich weiterhin dazu einmal Gedanken zu machen. Klar, die Parteinahme in eigentlich zivilrechtlichen Verfahren ist ein dickes Problem – aber die rechtsmissbräuchliche Nutzung der Justiz zum Ausbluten der Gegnerschaft ist kein geringeres.

    Auf Ethik und Moral darf man wohl in diesen Zeiten nicht mehr setzen.

  3. „Bisher trägt mich mein Gerechtigkeitssinn und meine ausgeprägte Abneigung gegen Blender, Hochstapler und Scharlatane sowie der unerschütterliche Glaube daran, dass sie alle irgendwann auffliegen und ihr Lügengebäude zusammenfällt!“

    „Irgendwann“ ja – aber leider oft erst nach Jahren. Nicht selten nach Jahrzehnten!

  4. Derzeit schwingen die Querdenker, Lügner und Betrüger anscheinend besonders gerne mit der juristischen Keule.

    Die Story dahinter ist schon erschreckend peinlich. Erst Lüge ich wie gedruckt, dann werde ich entlarvt, als Reaktion darauf konstruiere ich ne Opferrolle, erfinde noch eine an Unglaubwürdigkeit und Peinlichkeit kaum zu überbietende Verschwörungstheorie, dann schreib ich noch nen Buch und tingle mit einer Show durchs Land.

    Das ist so durchsichtig, aber schon beeindruckend wie dreist oder verzweifelt man sein muss, um das durchzuziehen. Hab auch was Kleines gespendet, viel Erfolg.

  5. Wer sich „Qualität“ als Berater, Trainer, Coach auf die Fahne schreibt, wer stolz auf seine DIN 33430-Zertifizierung ist, wer etwas auf Moral, Anstand und Kollegialität hält, der spendet. Ich habe es getan!

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