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Neu: „Der Tollhaus-Effekt – Wie die Leugnung des Klimawandels unseren Planeten bedroht“

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Skepsis ist ein Grundkriterium jeder wissenschaftlichen Aktivität. Klimawandel-Leugnern ist es aber gelungen, diesen Begriff auf ihre Weise zu besetzen: “Leider wurde der Begriff ‘Skeptiker’ gerade im Zuge der Klimadebatte verschleppt, um etwas ganz anderes zu auszusagen. Er wird benutzt, um Beweisen auszuweichen, die man einfach nicht mag.”

Das schreibt der Klimaforscher Michael E. Mann, einer der Hauptautoren des dritten IPCC-Sachstandsberichts und Verfasser des Buches “Der Tollhauseffekt” – Untertitel: „Wie die Leugnung des Klimawandels unseren Planeten bedroht, unsere Politik zerstört und uns in den Wahnsinn treibt“.

Das Buch ist in den USA bereits 2016 erschienen, nach der Wahl Donald Trumps aber mit mit einem neuen Kapitel („Return to the Madhouse: Climate Denial in the Age of Trump“) als Taschenbuch wieder aufgelegt und jetzt (stellenweise recht holprig) ins Deutsche übersetzt worden:

Es beschäftigt sich mit den Manipulationen der – meist als seriöse Wissenschaftler getarnten – selbsternannten Klimaskeptiker, deren Pseudo– und Antiwissenschaft, die anerkannte Erkenntnisse und physikalische Tatsachen leugnet und zu untergraben versucht […]

Die Autoren haben die meiste Zeit ihrer Karriere an vorderster Front gegen den Klimawandel gekämpft. Sie haben die Manipulation der Medien durch wirtschaftliche und politische Interessen und das skrupellose Spiel mit der Parteilichkeit bei Themen, die das Wohlergehen von Millionen Menschen betreffen, miterlebt. Die Lektionen, die sie dabei gelernt haben, boten die Inspiration für dieses brillante Werk.

Der Rezensent der RiffReporter hebt insbesondere die „wichtige Kategorisierung der vermeintlichen Argumente der Lobbyisten“ hervor:

Mann und Toles nennen das Kapitel „die Stufen der Verleugnung“. Allein das rechtfertigt eine deutsche Version.

Die erste Stufe und einfachste und primitivste Form des Leugnens ist es, den Anstieg der Temperaturen oder der Treibhausgase oder den Zusammenhang der beiden grundsätzlich abzustreiten. Dazu gehört das Gerede vom vermeintlich gesättigten CO2 und von der angeblichen, tatsächlich  längst widerlegten Erwärmungspause seit 1998 […]

Etwas raffinierter ist schon die zweite Stufe, die Erwärmung und den gesteigerten Treibhauseffekt auf natürliche Ursachen zurückzuführen, zum Beispiel auf die schwankende Sonnenaktivität mit oder ohne Vermittlung kosmischer Strahlen […]

Auf der dritten Stufe geben die Gegner zwar zu, dass die Erde sich erwärmt und die Menschheit etwas damit zu tun hat, beharren aber darauf, dass sich das Problem von selbst lösen wird […]

Die vierte Stufe des Leugnens ist erreicht, wenn allein die vermeintlichen Vorteile erhöhter Temperaturen und CO2-Spiegel herausgestellt werden. Das Gas sei schließlich ein wichtiger Nährstoff für Pflanzen, und wenn der Eispanzer Grönlands abschmelze gebe es neue Siedlungsflächen […]

Die fünfte Stufe des Leugnens besteht darin, die Erkenntnisse der Wissenschaft auf der einen Seite anzuerkennen, aber den nötigen Klimaschutz als unmöglich darzustellen, als Jobkiller, als zu teuer, aussichtslos oder ungerecht […]

Als sechste und letzte Stufe des Leugnens schließlich bezeichnen es Mann und Toles in ihrem Buch, wenn man allein auf technische Lösungen vertraut, die letztlich jegliche Umstellung im Lebensstil überflüssig machen werden. Das gilt nicht nur für Solarkraftwerke, Elektroautos oder bessere Dämmmaterialien für Häuser, sondern nach den Worten der beiden Autoren auch für all die Methoden, die unter dem Stichwort „Geoengineering“ diskutiert werden […]

Mann und Toles selbst halten „Geoengineering“ übrigens für eine schlechte Idee – das nur für unsere mitlesenden „Chemtrail“-Gläubigen.

Spektrum zufolge „gibt das Buch wertvolle Antworten auf die Frage, wie es Lobbyisten jahrzehntelang gelingen konnte, Klimaschutzmaßnahmen zu verzögern, Verwirrung zu stiften und Diskurse zu zerstören“.

Lediglich die Cartoons des US-Karikaturisten Tom Toles werden von den deutschen Rezensenten sehr unterschiedlich bewertet – von „bissig“ bis „unerträglich“.

Zum Weiterlesen:

  • Warnruf für mehr Klimaschutz, higgs am 8. Oktober 2018
  • Lässt sich die Erderwärmung auf 1,5 Grad bremsen? Süddeutsche am 8. Oktober 2018
  • Klimawandel verstehen – das müssen Sie wissen, Welt-Online am 8. Oktober 2018
  • Wieso Klimaskeptiker mit ihrer Blindheit durchkommen, FAZ am 31. März 2017
  • Klimawandel: Mit Fakten gegen jeden Zweifel, Zeit Wissen am 12. Mai 2017
  • Serie: Klimawandel-Mythen und Klimawandel-Fakten bei Astrodicticum simplex, GWUP-Blog am 6. Juli 2017
  • Händler des Zweifels: Das „Netzwerk des Leugnens“ aufgedeckt, nano am 23. Oktober 2015
  • Buchkritik zu „Der Tollhauseffekt“: Die Realität als Feind – Wie Klimawandel-Leugner gegen Tatsachen kämpfen, spektrum am 22. September 2018
  • Im Tollhaus: Wie die Klimawandel-Leugner tricksen und manipulieren, RiffReporter am 14. August 2018
  • Missbrauchte Skepsis, solarify am 16. August 2018
  • Globale Erwärmung: Leugner sind keine Skeptiker, GWUP-Blog am 12. Dezember 2014

16 Kommentare

  1. Ich kann hier nicht ganz folgen. Wissenschaft ist eine bewährte Vorgehensweise, die _alle_ Forschungsergebnisse immer wieder aufs Neue in Frage stellt. Anders kann Wissenschaft nicht funktionieren, denn sonst gäbe es keinerlei neue Erkenntnisse. Der Zweifel ist somit systemimmanent. Eine Behauptung aufzustellen, die dem derzeitigen Kenntnisstand widerspricht, und zu prüfen, ob diese Behauptung verifizierbar ist, ist somit nicht nur legitim, sondern zwingend notwendig, um die Glaubwürdigkeit von Erkenntnissen immer und immer wieder zu bestätigen. Es ist somit keine Leugnung, denn einen Beweis für einen menschengemachten Klimawandel kann es eigentlich nicht geben, höchstens eine (ausreichend) hohe Wahrscheinlichkeit. Dies bedeutet aber, dass es eine von Null verschiedene Wahrscheinlichkeit gibt, dass es auch ganz anders sein könnte. Nur Religionen benötigen keinen Beweis ihrer Behauptungen, denn dies sind ja gottgegeben! Wer also behauptet, es gäbe einen menschengemachten Klimawandel, jeden Widerspruch hierzu kategorisch ablehnt und noch dazu andere Meinungen hierzu diffamiert, der missachtet die Wissenschaft, macht den Klimawandel zu einer Religion, deren Aussagen nicht widersprochen werden darf. Wer Aussagen macht, sollte diese beweisen, ist er dazu nicht in der Lage, könnte er im Unrecht sein. Dies betrifft alle Beteiligten.

    Ein Blog, der sich auch noch Skeptiker nennt, sollte solche unwürdigen Denkfehler nicht begehen. Skeptizismus bedeutet, grundsätzlich an Allem zu zweifeln, auch und gerade an angeblich bereits Bewiesenem. Im Übrigen widersprechen die Skeptiker nicht dem Klimawandel, sondern meist nur der Behauptung, dieser sein durch unsere Aktivitäten verursacht. Es gibt jedoch beim Einsatz des Ockhamschen Rasiermessers durchaus andere Erklärungen für das beobachtete Phänomen, die es wert wären, in den Betrachtungen angemessen berücksichtigt zu werden. Das was die Autoren oben behaupten, nämlich dass Skeptizismus dazu diene, unangenehme „Wahrheiten“ auszublenden, trifft auch auf die Autoren zu, wenn sie die Möglichkeit eines eigenen Irrtums entschieden von sich weisen und Diskussionen verteufeln.

  2. @Mad Scientist:

    Den Unterschied zwischen „Skepsis“ und „Leugung“ haben wir bereits erklärt:

    https://blog.gwup.net/2014/12/12/globale-erwarmung-leugner-sind-keine-skeptiker/

    Es geht s.g. „Klimaskeptikern“ in aller Regel nicht um wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern um eine organisierte und planmäßige Leugung der Fakten durch Interessengruppen aus ideologischen oder wirtschaftlichen Gründen, siehe z.B.:

    https://www.spektrum.de/rezension/buchkritik-zu-die-machiavellis-der-wissenschaft/1331122

    https://www.sueddeutsche.de/wissen/strategien-der-klimaskeptiker-wissenschaft-wurde-als-nebelwand-missbraucht-1.2200576-2

  3. „Es gibt jedoch beim Einsatz des Ockhamschen Rasiermessers durchaus andere Erklärungen für das beobachtete Phänomen, die es wert wären, in den Betrachtungen angemessen berücksichtigt zu werden.“

    Nein! Ockhams Rassiermesser schließt alles andere aus.

    „Fakt ist: Nur menschengemachte Emissionen von Treibhausgasen, etwa aus der Verbrennung fossiler Energieträger, können den derzeitigen Klimawandel erklären.“ (https://www.klimafakten.de/behauptungen/behauptung-es-gibt-viele-moegliche-gruende-fuer-die-derzeitige-erderwaermung)

  4. Zu Mad Scientist:

    Es gibt Beweise und Indizien.

    Wenn sie auf den wissenschaftlichen Beweis der Klimaveränderung warten wollen, dann sollten sie sich auf eine maledivische Insel setzen und warten bis der steigende Meeresspiegel die Insel weggespült hat.

    Alle Indizien auf dieser Erde deuten darauf hin, dass eine Klimaerwärmung stattfindet. Wissenschaft sollte sich also nicht schmollend zurückziehen,sondern aktiv werden und diese Indizien richtig bewerten und auswerten.(Klimatabellen sind im übrigen auch aussagefähige Beweise ).

    Wer um der BEWEISE willen noch fünfzig Jahre zwecks wissenschaftlich korrekter Auswertungen warten will, kann dann wahrscheinlich mit seinen Erkenntnissen zu spät kommen…

  5. Mad Scientist:

    „Skeptizismus bedeutet, grundsätzlich an Allem zu zweifeln, auch und gerade an angeblich bereits Bewiesenem.“

    Nope, genau das ist Skeptizismus heute nicht.

    Anscheinend sind Sie irgendwo in der Antike stehen geblieben, beim Pyrrhonismus o.ä.

  6. @Martin: Die meisten, wenn nicht alle Atolle sind entstanden, indem der Berg, der die Insel bildet absank, während das Korallenriff in die Höhe wuchs. Seit geologischen Zeiträumen ist dies so geschehen, während die Atolle erst seit ca. 3500 Jahren besiedelt wurden.
    http://diekaltesonne.de/wissenschaftsblatt-nature-uberflutungsgefahr-des-ganges-brahmaputra-deltas-ruhrt-vor-allem-von-starker-bodenabsenkung-her/
    Einfach mal lesen…
    @Michael Fischer: Argumente? Ich weiß, dass das so ist, weil man doch weiß, dass das so ist, ist halt keines. Genau das war der Grund für meinen Post.
    Ich wünsche einen schönen Abend.

  7. @Mad Scientist:

    „Ich wünsche einen schönen Abend.“

    Danke, Ihnen auch.

    „Argumente? Ich weiß, dass das so ist, weil man doch weiß, dass das so ist, ist halt keines.“

    Sorry, aber was ist das bitte für ein Unfug? Der Link, den der Kommentator gepostet hat, ist ja mit Fakten und Argumenten unterlegt und gerade kein „Iss halt so“.

    „Einfach mal lesen“

    Ist das Ihr Ernst? Die Ergüsse von EIKE, Kalte Sonne und anderen Leugnern?

    Lesen Sie mal hier, was davon zu halten ist:

    https://scilogs.spektrum.de/klimalounge/von-inseln-stuermen-steigendem-meeresspiegel-und-klimaleugnern/

  8. „Wissenschaft ist eine bewährte Vorgehensweise, die _alle_ Forschungsergebnisse immer wieder aufs Neue in Frage stellt.“

    Wissenschaft hält Forschungsergebnisse nicht für unantastbare Wahrheiten und hinterfragt auch bewährte Ergebnisse dann, wenn es dafür gute Gründe gibt. Aber Wissenschaft stellt nicht aus Prinzip immer alles aufs Neue infrage, als gäbe es keinen Erkenntnisfortschritt, kein Gestern und kein Morgen. Der Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ war kein wissenschaftstheoretisches Werk.

    „Dies bedeutet aber, dass es eine von Null verschiedene Wahrscheinlichkeit gibt, dass es auch ganz anders sein könnte.“

    Es gibt auch eine von Null verschiedene Wahrscheinlichkeit, dass die Evolutionstheorie oder der Energieerhaltungssatz falsch sind. Vielleicht hat ja wirklich ein Kobold die Welt erschaffen und erneuert jeden Abend um 23.00 Uhr exakt alle Energie im Universum. Aber wer deswegen dazu Forschung fordert, sollte erst einmal eine Kommission einsetzen, die klärt, ob die Erde wirklich nicht flach ist.

    „Wer Aussagen macht, sollte diese beweisen“

    Wer solche Aussagen über empirische Forschung macht, sollte einmal darüber nachdenken, wie sich das mit der eigenen Feststellung verträgt, dass alles hinterfragbar ist und dann am besten schweigen. Der Beweis ist die Domäne der Mathematik, nicht der Naturwissenschaft.

  9. Irgendwo oben schrub jemand: „… dass es eine von Null verschiedene Wahrscheinlichkeit gibt, dass es auch ganz anders sein könnte …“.

    Das klingt immer weise und abgeklärt, sozusagen fair und im Sinne eines (selbsternannten) „Honest Broker“ über den trivial-banalen Dingen schwebend.

    Alles im Interesse der superwichtigen Falsifizierbarkeit und der aufklärenden Kraft der Unsicherheiten. (Und dann ein „kalte Sonne“-Link – lol)

    Im praktischen Alltag gibt es hierbei ein winzigkleines Problemchen, das schon häufig angeführt wurde.

    Annahme etwa: Man fühlt sich gesundheitlich nicht wohl und wackelt zum Hausarzt, der zu einem Spezialisten überweist. Spezialist diagnostiziert X als Ursache für das Unwohlbefinden. Typisch für einen skeptisch-aufgeklärten Konsumenten-Patienten holt man eine zweite bis hundertste Meinung ein, aus jeweils leicht unterschiedlichen spezialisierten Fachgebieten.

    Von den 100 eingeholten „Meinungen“ deuten rund 99 auf X als Ursache. Eine einzige „Meinung“ besagt, es könne X sein, aber auch vielleicht Y oder Z oder X-Strich oder…. (allerdings im Gegensatz zu X mit extrem geringen Wahrscheinlichkeiten). Zu welcher Akzeptanz der Diagnosen sollte der skeptisch-aufgeklärte Patienten-Konsument neigen?

    Also im praktischen Alltag, nicht in einer Meta-Welt der reinen Theorie und Form?

    Die Antwort der Pseudo-Skeptiker fällt hinsichtlich dieser Frage immer höchst überraschend aus. Sie wählen wirklich absolut alles und alles gleichzeitig, NUR NICHT und AUF GAR KEINEN FALL: X ;-)

  10. Ich würde ja sagen, ein guter Skeptiker zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er sich regelmäßig vor den Spiegel stellt und fragt: Junge, kannst Du Dir da so sicher sein?

    Also: Wenn ich Ockhams Rasiermesser präferiere – wieso informiere ich mich dann zum Thema Klima nicht über Klimalounge (vom Experten), sondern lese Kalte Sonne (wo schon das Buch voller Fehler steckte)!?

  11. Die Ozeane haben sich in mehreren Jahrzehnten um 0,1 Grad
    erwärmt, bis zu 2.000 m Tiefe. Das entspricht 36 Grad Lufterwärmung.

    Nachzulesen auf dem Hamburger Bildungsserver der Stadt Hamburg.

    Es kam also nur deshalb zu 1,5 Grad Lufterwärmung, weil die Meere
    zur Zeit etwas träge sind.

    Übrigens: wenn es stimmt, dass die Hälfte von Kohle, Öl und Gas
    demnächst (2020-2030) zur Hälfte aufgebraucht sind, dann
    kann uns gar nichts passieren.

    Ppm-Gehalt CO2 1850: 280
    Ppm-Gehalt 2018: 410
    Ppm-Gehalt bei Ende des Erdöls: 540.

    Ppm Gehalt vor einigen Millionen Jahren: 6.000 (sechstausend), s. Wikipedia.

  12. ….“, weil die Meere zur Zeit etwas träge sind.“

    Ist träges Wasser so ähnlich wie belebtes?

    Vielleicht sind sie ja auch durch die ständige Reaslitätsverweigerung vieler Menschen einfach müde und träge geworden …

  13. Die Erderwärmung? Hat’s doch schon immer gegeben!

    Mit diesem Argument wird gern beschwichtigt: So schlimm könne der Klimawandel dann ja nicht sein. Doch wissenschaftlich ist das Unsinn.

    https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2018-10/klimawandel-heisszeit-klima-globale-erwaermung-weltklimarat-ipcc-bericht

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