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Bemerkenswert: Die Grünen über Impfgegner und Wissenschaft im Allgemeinen

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Wir haben die Grünen schon häufiger direkt und indirekt kritisiert – dann sollte man natürlich auch mal das Positive vermelden.

In einem aktuellen Beitrag äußern sich Dr. Paula Louise Piechotta und Till Westermayer zum „schwierigen Verhältnis zwischen Grün und Wissenschaft“:

Zu unserem schwierigen Verhältnis zur Wissenschaftlichkeit gehört, dass wir bestimmte Themenfelder als Partei regelrecht tabuisieren. Etwas spöttisch zugespitzt: alles mit Atomen oder Genen ist uns nicht ganz geheuer. Da endet das Plädoyer für Forschungsfreiheit sehr schnell.

Wir kommen aber nicht an der Wissenschaft vorbei, wenn wir wirklich eine nachhaltigere Zukunft erreichen wollen: Auch für einen sicheren Ausstieg aus der Atomenergie und für die Bewältigung der Endlagerproblematik braucht es auf absehbare Zeit gut ausgebildete Expert_innen, das heißt: weiterhin Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Kerntechnik.“

Auch diesem älteren Beitrag können wir einiges abgewinnen:

Ich will nicht behaupten, dass postfaktische Populist_innen und Impfgegner-Eltern eins zu eins übertragbar wären.

Aber wie die Kontrafaktischen sich in ihren Verschwörungstheorien einhegen, wie sie „Etabliertes“ und Wissenschaft ablehnen auch gegen ihre eigenen Interessen, wie sie vielen Gegenargumenten hyperaggressiv entgegenhassen und sich oft aus mittleren Einkommensschichten rekrutieren: All das habe ich auch immer wieder in den letzten 10 Jahren in Vier-Augen-Gesprächen, Mailinglisten-Schlachten und Konfrontationen in der Klinik mit impfverweigernden Eltern kennengelernt.

Die Muster sind erstaunlich ähnlich. Für das Zurückholen dieser Menschen in ein rationaleres Jetzt dürfte für viele AfD-Wähler_innen das gelten, was auch für Impfverweigerer gilt: Es ist aufwendig und lang. Hier sind Ansatzpunkte, die ich in den letzten Jahren als praktikable Hilfen und Ansätze im Gespräch mit diesen Menschen erfahren habe, auf der Basis von wissenschaftlichen Publikationen zum Thema.“

Nicht schlecht.

Zum Weiterlesen:

  • Vom schwierigen Verhältnis zwischen Grün und Wissenschaft, gruene.de am 20. Juni 2018
  • Was ich in 10 Jahren Diskussion mit Impfgegner_innen über postfaktische Kommunikation gelernt habe, Grüne Gesundheitspolitik am 21. November 2016
  • Gentechnik: Twitter-Schlagabtausch zwischen Max-Planck-Forscher und Grünen-Politikern, GWUP-Blog am 15. Mai 2018

7 Kommentare

  1. Nun sollte es aber für den heutigen Tag mit dem indirekten bzw. direkten Lob für „Die Grünen“ auch mal reichen;-)

  2. Super Beitrag, bin schwer angetan. Wenn die Grünen endlich erkennen würden, dass Wissenschaft und Technologie nicht der Feind für mehr Nachhaltigkeit sein müssen, sondern sogar helfen können, dann würde,die Partei der Besserwisser, für mich auch wieder wählbar. Weg mit der naiven Huldigung der Alternativmedizin und Impfgegnerschaft und keine unbegründete Angst vor Gentechnik

  3. Und was ist mit der Anthroposophie, dem Flaggschiff der Pseudowissenschaftlichkeit und dort speziell mit demeter, der Grünen liebstes Kind?

  4. @ tachy: Haben die Grünen Verbindungen zu Demeter, die über die allgemeine Nähe zur Bio-Landwirtschaft hinausgehen? Hast du nen Link, wo ich das gut nachlesen und ggf in Diskussionen einbringen kann?

  5. Dazu heute bei SPON http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/die-gruenen-und-die-chancen-der-gentechnik-gastbeitrag-theresia-bauer-a-1214385.html

    „Umwelt-Debatte
    Die Grünen dürfen die Chancen der Gentechnik nicht länger ignorieren
    Neue Gentechnik-Verfahren stellen alte Gewissheiten der Grünen in Frage: Welche Lösungen erfordert der Kampf für eine nachhaltigere Lebensweise? Ein Plädoyer für einen reflektierten Einsatz der Gentechnologie.

    Ein Gastbeitrag von Theresia Bauer, Bündnis 90/Die Grünen“

    und

    Wir müssen offen über Chancen und Risiken von neuen Technologien reden. Im Mittelpunkt müssen dabei die Folgen für Mensch, Tier und Umwelt stehen. Wenn wir durch innovative Ansätze heute bessere und kurzfristigere Erfolge erzielen können – auch für typisch grüne Ziele -, ist kritisch-konstruktive Offenheit gefragt. Eine wissenschaftliche Risikofolgenabschätzung ist ein Instrument, um das praktisch umzusetzen. Die Folgebetrachtung ist dann ethisch und politisch zu bewerten.

    Große Veränderungen nehmen zuweilen wenig Rücksicht auf scheinbare Gewissheiten. Es ist Zeit, dass wir evidenzbasierte Erkenntnisse anerkennen.

  6. Der Gastbeitrag von Theresia Bauer geht in die gleiche Richtung wie die Aussage Dr. Paula Louise Piechotta und Till Westermayer.

    Man sollte noch hinzufügen, dass der baden-württembergische Landesverband der Grünen weitaus mehr realpolitische und wertkonservativere Positionen vertritt als z.B. die entsprechenden Vertreter aus Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen, was man auch gut an den Wahlerfolgen der BW-Grünen bzw. der momentanen Kiwi-Koalition erkennen kann.

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