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Homöopathie-Studien und „Redlichkeit“, die nächste

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Vierter Teil unserer beliebten Reihe „Die Homöopathie ist ja sowas von total anders und alternativ“:

hopps

Ah ja.

Schauen wir uns die „Studie“ mal im Original an, besonders das Kleingedruckte:

pogo

Echt jetzt?

Die „Studie“ ist von der Deutschen Homöopathie Union unter Beteiligung eines bekannten Marktforschungsunternehmens mit Schwerpunkt „product performance and sales and marketing activities“ gesponsert worden?

boerda

Und auch die Autoren sind mit der DHU verbandelt?

Danke, liebe homöopathische Pharmaindustrie, für diesen erhellenden Beitrag zur aktuellen „Redlichkeits“-Debatte.

Zum Weiterlesen:

  • Na sowas: Homöopathie ist ein „Geschäftsfeld der pharmazeutischen Industrie“, GWUP-Blog am 25. Mai 2016
  • Die wahren „Pillen-Junkies“ sind: Heilpraktiker und Homöopathen, GWUP-Blog am 27. Mai 2016
  • Schüßler-Werbespot im TV: Kein bisschen “alternativ”, GWUP-Blog am 18. Oktober 2013

12 Kommentare

  1. Das Weltbild der Homöopathen bröckelt an allen Ecken und Enden.

    Die noch aus der Hochzeit der gesellschafts- und kapitalismuskritischen Alternativ-Szene der 1970er Jahre stammende Vorstellung, dass die homöopathischen „Arzneien“ von selbstlos handelnden Hobby-Druiden in kleinen Hinterhof-Manufakturen per Hand zusammengefrikelt werden, um grün-alternativen Seelen mit heilenden Pflänzchen eine Alternative zu den Chemie-Bomben aus den Reaktoren der menschenverachtenden Pharmakonzerne zu verschaffen – diese Idee war ja schon immer eine Lachnummer für jeden, der sich in der Branche einigermaßen auskannte.

    Dreist ist aber, dass heute, obwohl die Umsätze der Branche bekannt sind, und nicht der geringste Zweifel darüber besteht, dass die placeboproduzierenden Pharma-Unternehmen der Zuckerheiler, mit den gleichen Marketing-Techniken wie „Big-Pharma“ arbeiten, immer noch – seitens der Hahnemannschen Prophetenschaft – die Vorstellung kultiviert wird, die Globuli-Pharmazeuten seien „irgenwie“ anders gestrickt. Nicht so gierig, nicht so abgezockt, fürsorglicher, einfach liebevoller.

    Gut, ein wenig anders gestrickt sind sie schon, die Zuckerkugel-Produzenten – aber eben nicht dort, wo es um Ökonomie, um Profite, um Marktanteile geht; und ganz besonders nicht dort, wo es um Aufrichtigkeit gegenüber dem Patienten oder um die Redlichkeit der Forschung geht.
    Bei den letzten Punkten sind sie tatsächlich ein Gegenentwurf zu Big Pharma, allerdings nicht im positiven Sinne; oder hat schon mal jemand auf einer Packung Globuli lesen dürfen:

    „Sehr geehrter Patient!

    Sie haben mit „Globuli C30“ eine homöopathische Arznei erworben/verordnet bekommen, in der sich – nach üblicher Verkehrsauffassung und wohlbestätigtem Hintergrundwissen – kein Wirkstoff mehr befindet.

    Das homöopathische Potenzierungsverfahren führt über den mehrfach wiederholten Verdünnungsprozess, im vorliegenden Fall einer 30maligen Verdünnung im Verhältnis 1:100, zwangsläufig dazu, dass eine spezifische pharmakologische Wirkung nicht mehr zu erwarten ist.

    Bitte beachten Sie unbedingt: Diese homöopathische Arznei ist ein Placebo!

    Weitere Warnhinweise:
    Veränderungen Ihres Gesundheitszustandes – besonders negative – sind nicht dem Medikament geschuldet. Eine Verschlechterung Ihres Befindens ist keineswegs ein Hinweis auf die Wirksamkeit der Arznei, sondern sollte Sie umgehend zur Konsulation eines Arztes veranlassen.

    Besondere Vorsicht ist geboten, wenn das Arzneimittel der Selbstbehandlung von Kinder dient.“

  2. Das mag vielleicht etwas kleinkariert erscheinen, aber zu sagen die Studie taugt nichts weil von der DHU gesponsert ist in derselben Liga wie der Vorwurf, von Pharmafirmen gesponserte Studien taugen nichts.
    Es wäre schöner, wenn auf die methodischen Fehler eingegangen würde.

    Erstmal die Frage, ob 150 Ärzte repräsentativ für die deutschen Kinderärzte stehen können. Interessant ist, dass die meisten Ärzte gar keine Ahnung von Homöopathie haben und die unbewiesene Wirkung ein Hindernis im Einsatz darstellen.

    Der gröbste Punkt ist die Vereinnahmung der Phytotherapie, da hier sehr viele Produkte zusammengefasst werden. Das fast alle Ärzte Mittel aus der Naturheilkunde oder Vitamine verschreiben ist meiner Meinung ein Selbstläufer um auf jeden Fall ein positives Ergebnis zu bekommen. Diese Kategorie fängt mit der Vitamin D Prophylaxe an und hört beim Kamillentee auf. Zumindest habe ich kein Supplement gesehen in dem die Kategorie genau aufgeschlüsselt wurde.

    Meine schnellen 5 Cents.

  3. Nichts Besonderes, „Excrementum canis“ ist ja auch frei von Hundescheiße und enthält nur ihre geisterhafte Wirkung gemäß Simileprinzip ins Gegenteil verkehrt. „Lactosefrei“, „glutenfrei“ sind nichts anderes als wohlfeile, modische Werbevokabeln wie „bio“ und „ganzheitlich“, mit denen die Zielgruppe eingeseift wird.

  4. @Richard:

    << Das mag vielleicht etwas kleinkariert erscheinen, aber zu sagen die Studie taugt nichts weil von der DHU gesponsert ist << Das sagt ja auch niemand. Sondern es geht darum, dass die "alternative" Pharmaindustrie mit genau denselben Methoden arbeitet wie "Big Pharma", was Homöopathen und ihre Verbände entrüstet von sich weisen. Danke in jedem Fall für die inhaltlichen Ergänzungen zur Studie.

  5. Wenn man so die Gesamtentwicklung der letzten Zeit betrachtet, so muss man konstatieren, dass die Globuli-Szene fleißig Eigentore sammelt.

  6. Die Verzweiflung der Homöos wächst. Es werden in immer schnelleren Maßstab, „Beweise“ für die Wirksamkeit der Homöpathie veröffentlicht, und proportional dazu auch nicht mehr die offensichtlichsten Fehler vertuscht.

  7. Ja, die Homöopathie war siegreich, solange sie nicht hinterfragt wurde…jetzt, da auch die kritische Haltung in der Gesellschaft angekommen ist, fehlen ihr die Antworten, die sie niemals hatte.
    Alle verzweifelten Versuche, die „Wirkung“ der Quantenphysik zuzuschreiben, scheitern, bei genauerer physikalischer Betrachtung.

  8. Wie Richard denke ich, dass die Finanzierung durch dhu zwar ein potentieller intetessenskonflikt ist, aber noch lange nicht heißt, dass die Studie schlecht ist. Was mir auf Anhieb auffällt, ist dass „99% verschreiben naturarzneimittel“ auch vitaminpäparate einschließt. Gerade im säuglingsalter gehören Vitamine zur standardversorgung und sind evidenzbasiert, also „schulmedizinisch“.
    Ausserdem scheint es so, als verordneten viele Kinderärzte homöopathische Präparate, ohne erklären zu können, was homöopathie überhaupt ist. Das müsste ich mir noch mal genauer ansehen. Zusammen mit dem Ergebnis, dass pflanzlich/homöopathisch viel häufiger bei ganz leichten Beschwerden verordnet wurde, drängt sich der Verdacht auf, dass viele Ärzte sowas als Placebo verschreiben, also nur damit die besorgten Eltern nicht mit leeren Händen nach hause gehen müssen, obwohl eigentlich gar kein Medikament nötig ist.

  9. Mal kurz reingesehen:

    Die Beschreibung der Stichprobenziehung ist recht karg. Aus welchen Grundgesamtheiten stammen die 7.766 ursprünglich kontaktierten Ärze in den einzelnen Ländern? In Deutschland aus dem Mitgliederverzeichnis der Ärztekammer?

    Und ist wirklich ausgeschlossen, dass die Ablehung der 6.621 Ärzte (= 85 % der Kontaktierten), die nicht teinehmen wollten, mit dem Outcome zusammenhängt?

    Es steht zwar da, der Einladungstext hätte keinen Hinweis auf die Studienthemen enthalten, aber vermutlich war die Anfrage zur Teilnahme ja nicht anonym und ließ vielleicht die therapeutische Ausrichtung der Autoren erkennen? Da hätten ein paar Erläuterungen mehr nicht geschadet.

    Dann steht da: „565 pediatric patients aged 0 to 12 years were treated in the previous 3 months“.

    Bei 582 teilnehmenden Ärzten wäre das je Arzt nicht einmal 1 Patient in drei Monaten. Wie passt das zum Einschlusskriterium „Physicians qualified if they had treated at least 50 pediatric patients in the age group 0 to 12 years in the previous 3 months“.

    Oder habe ich da was Wichtiges überlesen oder nicht verstanden?

    Und auch hier hätte ich mir eine Erläuterung gewünscht: „One third of the physicians received a formal training in homeopathy“. Ob das für deutsche Kinderärzte wirklich repräsentativ ist? Wenn dem nicht so ist, ist es ein Hinweis auf einen Selektionsbias. Wenn dem so so ist, ist es allerdings ein interessanter Befund.

    Ansonsten mag das zentrale Ergebnis schon stimmen, aber man sollte auch beachten, dass unter den Verordnungen konventionelle Mittel mit 43,3 % den größten Anteil ausmachten, Homöopathika mit 15 % den kleinsten (Tabelle 1, Seite 3).

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