Schüßler-Werbespot im TV: Kein bisschen “alternativ”

Nachdem das Landgericht Karlsruhe im Mai der Deutschen Homöopathie-Union (DHU) Schüßler-Werbung mit der Schauspielerin Ursula Karven untersagt hatte, kommt das globulisierte Unternehmen nun ganz konventionell daher.

Der aktuelle Werbespot soll vor allem “Vertrauen in die Herkunft” der zwölf Mineralsalze wecken, erklärt die DHU-Marketingleiterin.

Und das sieht dann so aus:

Ja, nun …

Es fällt auf, dass keinerlei Aussagen zu Indikationen oder Wirksamkeit getroffen werden – so wie in Großbritannien, wo allerdings die “Advertising Standards Authority” den Homöopathen das Leben schwer macht.

Auch ist das Filmchen meilenweit entfernt von der frechen Ironie des IKK classic-Spots zur Homöopathie und gemahnt statt dessen eher an “Werther’s Original”.

Oder an die Ratiopharm-Werbung mit irgendwelchen biederen Zwillingspärchen und hilfsbereiten Apothekern.

Und das ist das Gute an dieser Kampagne – dass alles so herrlich langweilig und total normal rüberkommt.

Nix da mit “alternativ” und so.

Das Ganze ist einfach ein Riesengeschäft. Und Homöopathika-Hersteller sind kein bisschen “anders” oder “besser” als die übrige Pharmaindustrie.

Zum Weiterlesen:

  • Gericht verbietet Schüßler-Werbung mit Ursula Karven, GWUP-Blog am 7. Mai 2013
  • Von wegen “Potenz”: Kein besserer Sex mit Homöopathie, GWUP-Blog am 17. September 2013
  • Homöopathie – Hilft auch bei Schockzuständen, GWUP-Blog am 26. Februar 2013
  • Beauty is nothing without brains! Ein Schüßler-Update, Bullshit-Blog am 14. Mai 2013
  • “Schüßler-Salze” bei Psiram
  • Schüßler-Salze: Teuer, aber wertlos, Stern-Online am 8. Oktober 2010
  • Die heilsamen Zwölf, Süddeutsche am 11. Mai 2010
  • Akademische Schüßler-Salze? Kritisch gedacht am 10. Juni 2010
  • Schüßler-Salze: Antlitzanalyse als diagnostisches Mittel, derStandard.at am 19. April 2013
  • Homöopathie: Das gute Geschäft mit den Kügelchen, Welt-Online am 10. Mai 2013
  • Homöopathie – Das falsche Verschwörungsopfer, Evidenz-basierte Ansichten am 8. Januar 2011
  • Das Geschäft mit der Gesundheit, das Homöopathie-Manifest und die unhaltbaren Zustände des Kängurus, Gesundheits-Check am 21. Oktober 2012
  • Gegen die Globulisierung, Stern-Online am 19. Oktober 2012
  • Geschäftsmodell Homöopathie: Kleine Kügelchen, großer Gewinn, Zeit-Online am 24. Juni 2010

24 Kommentare zu “Schüßler-Werbespot im TV: Kein bisschen “alternativ””


  1. 1 Norbert Aust 18. Oktober 2013 um 19:23

    Seit ich davon gehört habe, dass jetzt die Schüßler-Salze beworben werden dürfen, habe ich versucht, Studien ausfindig zu machen, die sich mit dieser Therapie befassen.

    Google Scholar, Medline und Science direct liefern auf die Stichworte ‘Schuessler’ (und alle möglichen anderen Schreibweisen mit ü und ß), ‘Cell Salt’ und ‘Tissue Salts’ (so heißen diese Salze auf Englisch) keinen einzigen Link auf irgendeine Studie zum Thema.

    Sollte jemand der Leser so etwas doch kennen, wäre ich für eine entsprechende Quellenangabe dankbar.

  2. 2 Ralf 18. Oktober 2013 um 20:20

    Die “Ratiopharm-Werbung” finde ich aber toll…(ich mag Diclofenac, da das toll bei Gicht hilft…und schön die Leber fordert – wenn man schon kein Bier bei Gicht trinken darf, denn man muß im Training bleiben ;-) )

    Ja, das “Rückenschmerz-Gesicht”…mittlerweile gibt es auch das “Orgasmus-Gesicht” bei Bild…LOL

    http://www.bild.de/unterhaltung/leute/lars-von-trier/film-nymphomaniac-14-stars-mit-orgasmus-gesicht-32953900.bild.html

  3. 3 Bernd Harder 18. Oktober 2013 um 22:14

    @Ralf:

    << Ja, das “Rückenschmerz-Gesicht”…mittlerweile gibt es auch das “Orgasmus-Gesicht” bei Bild. <

  4. 4 Ralf 18. Oktober 2013 um 22:20

    @Bernd Harder
    Wobei Zombies asexuell sind und sich durch “Bisse” fortpflanzen…ob sie dabei einen Orgasmus haben, wurde selbst vom Altmeister George Romero nicht beantwortet :-)

  5. 5 Bernd Harder 18. Oktober 2013 um 22:22

    @Ralf:

    < < Wobei Zombies asexuell sind und sich durch "Bisse" fortpflanzen.. <http://de.wikipedia.org/wiki/Return_of_the_Living_Dead_III

  6. 6 Ralf 18. Oktober 2013 um 22:28

    @Bernd Harder
    Ja, besonders Udo Kier…LOL…
    Seit “Shaun Of The Dead” wissen wir, daß es nützlich ist, den “Ausdruck” Zombies zu imitieren – aus survival Gründen…also, fleißig üben vor dem Spiegel :-)

  7. 7 Ralf 18. Oktober 2013 um 22:35

    Nun ja, ist eigentlich Sex mit einem Zombie “Nekrophilie”? oder so was nach “schrödinger Art”…LOL

  8. 8 Pierre Castell 18. Oktober 2013 um 22:46

    @ Ralf

    Danke für die Erwähnung des Namens Udo Kier…

    Haben einem guten Freund von Udo Kier (der mit Udo in Köln schon vor 50 Jahren die Nächte duchmachte) den Link geschickt, der den sicher noch nicht kannte.

  9. 9 Pierre Castell 18. Oktober 2013 um 22:48

    Danke deshalb, weil ich dadurch den Link anklickte und das mit Kier gesehen habe. Hätte das nämlich sonst nicht angeklickt.

  10. 10 Ralf 18. Oktober 2013 um 22:48

    @Pierre Castell
    Eigentlich finde ich “Udo Kier” ganz cool…in vielen meiner Filme meiner Sammlung spielt er eine Rolle, aber soweit ich weiß nicht in einem “Zombie-Film”…

  11. 11 Ralf 18. Oktober 2013 um 22:56

    @Pierre Castell
    Die kostenlose Angebote von der “Bild Online” nutze ich gerne…man hat ja noch ein Hirn, das differenziert…;-)
    Ja, ich weiß die Klicks bringen Werbe-Geld, aber das ist in der Relation eigentlich von keinem Belang…

  12. 12 Pierre Castell 18. Oktober 2013 um 22:59

    @ Ralf
    Wenn doch, dann werde ich durch den Jugendfreund, der in der Nähe von Köln wohnt und ein Bekannter von mir ist, dies in Erfahrung bringen und Ihnen mitteilen (falls dies nicht im Internet zu finden ist).

  13. 13 Statistiker 18. Oktober 2013 um 23:49

    @ Ralf, nimm Alluporinol, dann ist Alkohol kein Problem. Ist im übrigen das wohl billigste Medikament am Markt…..

  14. 14 Pierre Castell 19. Oktober 2013 um 15:55

    @ Ralf
    “Die kostenlose Angebote von der “Bild Online” nutze ich gerne….”!

    Nur keine Hemmungen;-)

    Ich schaue täglich mal bei EXPRESS-Online rein (Kölns größte und beliebteste Tageszeitung). EXPRESS ist wie BILD auch eine Boulevardzeitung, aber aus meiner Sicht wesentlich seriöser. Wenn in Köln etwas passiert, kann man es zuerst im EXPRESS lesen.

  15. 15 Chemiker 20. Oktober 2013 um 19:53

    und auf Ö3 spielts Werbung, die behauptet, Homoöpathie ist super (und das mit GIS Zwangsgeldern und trotz Lehrauftrag).

  16. 16 aljen 20. Oktober 2013 um 20:17

    So, so… ein „ß“ in Versalien auf der Verpackung. Angesichts der Tatsache, dass die deutsche Sprache kein „ß“ in den Versalien kennt, eine interessante und durchaus bezeichnende Entwicklung. Mit anderen Worten: wenn schon an der Verpackung erfrischend Inkompetente zu Werke waren, was darf man denn erst von dem Inhalt erwarten…

  17. 17 Victor 20. Oktober 2013 um 21:52

    Am Besten ist aber der Abspann:
    ‘Zu Risiken und Nebenwirkungen ….’

    Ich dachte immer da gäb’s keine …

  18. 18 Michel 20. Oktober 2013 um 21:55

    Beim kochen doch ganz gut zu verwenden, garantiert kein versalzen der Speisen möglich.

  19. 19 Gerry 21. Oktober 2013 um 07:13

    @aljen

    Seit 2008 im Unicode verfügbar.
    Dass die deutsche Bürokratie solche Kleinigkeiten seit Jahrzehnten nicht hinbekommt ist ja nicht das Problem der Sprachnutzer…

  20. 20 Techniker 21. Oktober 2013 um 11:06

    sehr passend zu dem Thema finde ich auch die Werbung der Dr. Peithner KG:
    http://www.peithner.at/index/de/im_radio.htm

    die läuft seit ein paar Wochen im österreichischen (öffentlich-rechtlichen) Radio.

    und die Reaktion des Werberats auf eine Beschwerde:
    http://www.werberat.at/beschwerdedetail.aspx?id=3697

    interessant ist auch, dass es bereits 2012 eine Beschwerde hierzu eingereicht wurde mit einer beinahe gleichlautenden Antwort:
    http://www.werberat.at/beschwerdedetail.aspx?id=3504

    allerdings hat sich der Werberat in seinen Richtlinien ganz eindeutig gegen Irreführung ausgesprochen:
    “1.1.3. Werbung muss den Grundsätzen der Lauterkeit, wie sie im Wirtschaftsleben allgemein anerkannt sind, entsprechen.”

    “4.1.5. Gesundheitswerbung soll nicht irreführen.”

  21. 21 Ralf 21. Oktober 2013 um 22:48

    @Statistiker
    Danke, das habe ich über einem großen Zeitraum genommen und dann hat mich mein Arzt ‘runterdosiert…ich bin kein großer “Arztgänger” (vielleicht sollte ich mal zum Homöopathen ;-)) und hab’ mich dann nicht mehr gemeldet…

  22. 22 diabetiker 22. Oktober 2013 um 15:00

    @ralf, wenn du gicht hast(bed. überhöhte harnsäurewerte) nimmst du wegen der schmerzen freiwillig allopurinol egal ob es gut oder schlecht vertragen wird. wenn die harnsäurewerte sinken und die schmerzen weg sind kann es reduziert bis ausgeschlichen werden. kann aber immer mal wieder gebraucht werden – spez wenn man meint mal mit dem knie angestoßen zu sein ?? meist ists wieder die alte leier.

  23. 23 Melanie 22. Oktober 2013 um 21:10

    Ich finds trotzdem unterirdisch, dass sich die Öffentlich-rechtlichen nicht zu schade sind, diesen Spot während des Vorabendprogramms auszustrahlen.

    Während es wiederum eine saukultige Szene in Lars von Triers “Geister”-Serie ist, als bei der Geburt von Brüderchen auf einmal Udo Kiers blutverschmierter Kopf erscheint…;)

  24. 24 Pierre Castell 8. November 2013 um 11:52

    Sachen gibt´s:

    Fand heute in meinem Briefkasten einen an mich persönlich gerichteten Brief (unaufgefordert zugeschickt von einer “Akademie”) mit dem Angebot, in einem 9-monatigen Fernstudium alles über “Schüßler-Salze” zu erfahren.

    Normaler Preis 1.116.-, der aber bis zum 20. Dezember auf 945.- Euro reduziert ist.

    Na, wenn das mal kein tolles Sonderangebot ist;-)

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