Waldorfschule schmeißt Ken Jebsen raus

“Waldorfschule in Erklärungsnot”

titelt heute die Neue Württembergische Zeitung:

Ein von der Schülermitverwaltung der Waldorfschule in Faurndau geplanter Auftritt des Verschwörungstheoretikers Ken Jebsen im Rahmen der Projekttage ist am Dienstag abgesagt worden. Die Schulleitung hat Fehler eingeräumt.”

PEGADA-Watch hatte gestern einen Flyer veröffentlicht, mit dem zwei Vorträge Jebsens in Uhingen und Eckwälden beworben wurden.

jeb

Pikant:

Die erst genannte Veranstaltung mit dem Titel “Medien und ihre Machenschaften” sollte Teil der Projekttage “Außerschulische Bildung” der Freien Waldorfschule Filstal sein:

Mit dem Ansinnen, Jebsen, der früher selbst Waldorfschüler war, im Schulgebäude zu Wort kommen zu lassen, waren die Schüler beim Kollegium und bei Geschäftsführer Axel Dittus jedoch abgeblitzt. Ein SMV-Mitglied klopfte daraufhin bei der Stadtverwaltung Uhingen an und blockte für den Vormittag des 20. Juli einen Saal im Uditorium.

Auf einem in der Schule verteilten “Info-Flyer für Schüler und Dozenten” ist zu lesen, wie sich die SMV den Ablauf vorstellte: In der Pause ab 10.30 Uhr sollten die Schüler mit dem Zug nach Uhingen fahren, um dort Jebsens Vortrag zu besuchen.”

Vor wenigen Stunden hat die Waldorfschule auf ihrer Homepage und Facebook-Seite folgende Erklärung veröffentlicht:

kene

Die Darstellung des Schülerprojektes hat sowohl in der Öffentlichkeit als auch in unserer Elternschaft für Irritationen gesorgt. Insbesondere der Vortrag von Ken Jebsen stieß bereits im Vorfeld der Planungen und jüngst durch die Publikation im Flyer/Programmheft der Projekttage berechtigter Weise auf entschiedenen Widerspruch. Die Schulführung möchte deshalb das Folgende klarstellen:

Der Vortrag von Herrn Jebsen war von Seiten der Freien Waldorfschule Filstal nicht genehmigt. Der durch den Flyer erweckte gegenteilige Eindruck ist falsch. Wir betonen, dass kein Schüler diesen Vortrag hätte besuchen müssen; im Gegenteil, der Vortrag ist inzwischen auf unser Betreiben hin abgesagt.

Darüber hinaus distanziert sich das Kollegium der Freien Waldorfschule Filstal von den Ansichten und Thesen des Herrn Jebsen.”

Das ist erst einmal löblich – hatte doch die Waldorfschule Überlingen weniger Skrupel, dem Herrn …

… ich kann sehr provozierend sein, ich spreche sehr schnell, ich verwirre die Leute zum Teil, ich bringe zu viel Grundwissen mit, ich bin neugierig, ich gehe nach vorne, ich trinke zu viel Kaffee, ich schlafe zu wenig, ich will mehr – ich bin Waldorfschüler”

Jebsen ein Podium zu bieten (wenn auch außerhalb der Schule).

Trotzdem bleiben Fragen offen.

Der “Verschwörungsrapper” und “Systemfeind” Kilez More steht weiterhin auf der Referentenliste und bei Wissenschaft & Skeptizismus kommentiert ein ehemaliger Waldorfschüler:

Das kam schon öfter vor. Waldorfschüler/innen “organisieren” sich Ken Jebsen und sobald dies öffentlich wird, wird er wieder ausgeladen. Da ist doch was faul.”

Tatsächlich findet auch der zweite Jebsen-Vortrag in einer anthroposophischen Einrichtung statt, dem “Institut Eckwälden”.

Die NWZ kommentiert:

Dass die Auswahl einiger Referenten nicht die Alarmglocken schrillen ließen, liegt womöglich daran, dass das Zerrbild der angeblich manipulierten Medien und die Anfälligkeit für Verschwörungstheorien an der Schule verbreiteter ist, als manche Eltern – und Lehrer – bisher glaubten.

In den sozialen Medien fällt einer der Pädagogen mit besonderen Sympathiebekundungen auf: für Beiträge von Ken Jebsen und Daniele Ganser, einem weiteren Experten in Sachen Verschwörung.”

Zuletzt fiel Jebsen zum Beispiel mit kruden Thesen zum Islamischen Staat und zum Terroranschlag auf “Charlie Hebdo” in Paris auf.

Zum Weiterlesen:

  • Waldorfschule in Erklärungsnot, NWZ am 8. Juli 2015
  • “Inszenierter Terror”: Die Geistesblitze des Ken Jebsen, GWUP-Blog am 11. Januar 2015
  • Verschwörungstheoretiker, Pseudoskeptiker und Aufklärung im Internet-Zeitalter, GWUP-Blog am 5. Februar 2015
  • Diagnose “Morbus Ken” – von Friedensdemos und Verschwörungstheorien, Detritus am 22. Mai 2014
  • Ken Jebsen: Schweigen ist Silber, Senden ist Gold, Tagesspiegel am 21. Dezember 2011
  • Ken Jebsen oder Wahnsinn mit Methode, michaelbittnerinfo am 8. Mai 2014
  • Montagsdemonstrationen für den Frieden – warum klappt hier die Querfront so gut? netz-gegen-nazis.de
  • Medienkritik, Paranoia und “Alternativ-Journalismus”, GWUP-Blog am 2. November 2014
  • Beate Zschäpe hört U2 und Ken Jebsen kann nichts dagegen tun, GWUP-Blog am 11. Februar 2015
  • Vor Ken Jebsen ziehen alle den Aluhut, GWUP-Blog am 1. Juni 2015
  • “Geistiger Durchfall eines Antisemiten”: KenFM und Waldorf, nazienkel am 12. Dezember 2014
  • In der Waldorfschule wird nicht nur Ken Jebsens Name getanzt, Vice am 26. Januar 2015

25 Kommentare zu “Waldorfschule schmeißt Ken Jebsen raus”


  1. 1 Mistel 9. Juli 2015 um 09:53

    Äh. So ganz hat die NWZ da etwas nicht kapiert. Daniele Ganser ist kein Verschwörungstheoretiker, sondern Historiker. Er arbeitet streng wissenschaftlich.

    Seine Doktorarbeit (erschienen als “NATO’s secret armies”) war ein wenig unkonventionell, weil er Primärquellen anhand von Sekundärquellen zitierte. So hat er zB Fernsehinterviews verwendet, die er nicht mehr im ungeschnittenen Zustand bekommen hat. Das ging wegen des Themas nicht anders, deswegen hat sein Doktorvater das auch akzeptiert. Die wissenschaftliche Gemeinschaft hat weder ihn noch das Prüfgremium an den Zehen aufgehängt, insofern muss man schliessen, dass die Arbeit methodisch einwandfrei war.

    Ihn einen Verschwörungstheoretiker zu nennen, ist angesichts dessen eine ziemlich steile These.

  2. 2 Bernd Harder 9. Juli 2015 um 09:55

    @Mistel:

    Allerdings bringt er es zu einem Psiram-Eintrag und lässt sich auch gerne von Barbies Ehemann interviewen:

    https://www.psiram.com/ge/index.php/Daniele_Ganser

    http://kenfm.de/blog/2015/01/27/daniele-ganser-dez14/

  3. 3 Mistel 9. Juli 2015 um 12:02

    Interviewed zu werden, macht einen nicht zum Verschwörungstheoretiker, auch dann nicht, wenn der Interviewer Russia Today oder Ken Jebsen sind.

    Dass die Truther Ganser mögen, ist auch nicht seine Schuld. Wenn es danach ginge, wie oft jemand von denen zitiert wird, wären GW Bush, Brzinski und Kissinger Ehrenmitglieder.

    Psiram scheint mir da übereifrig, oder sie haben zu unkritisch bei Wikipedia abgeschrieben.

    Bei Psiram steht, er bezeichne Deutschland als besetztes Land. Das ist aber gar nicht so. Sie machen das an einem Zitat fest, in dem steht, dass die _USA_ Deutschland als besetztes Land _betrachten_. Diese Sichtweise der USA lässt sich für den Untersuchungszeitraum (und auf den bezieht sich Ganser) durchaus belegen.

    Wenn das das Mass ist, müsste Prof Foschepoth ebenfalls einen Eintrag bei Psiram haben. Hat er nicht. Vielleicht, weil Foschepoths Arbeit zu anspruchsvoll zu lesen ist, um von Truthern zitiert zu werden?

    Die Behauptung Hansens, Gansers “Hauptquelle” sei eine KGB-Fälschung, konnte ich persönlich nicht nachvollziehen. Ich finde Hansens Originalaussage und damit auch den Namen des “Handbuchs” nicht, die Links von Wikipedia und Psiram führen zu Google Books, wo das Dokument nicht eingesehen werden kann. Sicher kann ich allerdings sagen, dass ich im Apparatus meiner Ausgabe von Gansers Buch kein “Handbuch” oder etwas finde, das auch nur so ähnlich aussieht. Vielleicht suche ich das Falsche, aber so wie es jetzt steht, kann ich die Aussage Hansens nicht verifizieren.

    Anders als Hansen behauptet, stellt Ganser die Beteiligung einer Stay-Behind-Organisation am Oktoberfest-Attentat auch nicht als Tatsache dar, sondern regt weitere Forschung an. Die passiert jetzt gerade, es sind ja erst kürzlich (zeitlich nach Hansens Aussage) weitere Quellen aufgetaucht. Die neueren Quellen scheinen aber den Verdacht eher zu bestätigen als zu verneinen. Da müssen wir wohl noch ein bisschen warten, bis die ausgewertet sind.

    Am tollsten finde ich folgendes indirekte Zitat von Psiram “Er halte die Gliederung nach Ländern nicht ein, so dass sich Wiederholungen einschlichen.” (Hansen). Das belegt natürlich, dass Ganser ein Verschwörungsschwurbler ist /ironie off.

    Psiram schreibt, Ganser vertrete “die Ansicht, eine Überwachung einiger 9/11-Attentäter durch das US-Programm Able Danger, ein Handel mit Put-Optionen an der New Yorker Börse vor den Attentaten, das zu späte Eingreifen der US-Luftwaffe und der Einsturz des WTC 7 seien unzureichend erklärt.”

    Das mit den Put-Optionen finde ich selbst ebenfalls noch nicht ausreichend geklärt. Eine Staatsanwaltschaft hat sich mit dem Thema überhaupt noch nicht beschäftigt, obwohl der Verdacht auf Insiderhandel nahe liegt. Damit will ich nicht sagen, dass die Insider von dem Anschlag wussten, sondern nur, dass sie Grund hatten, vom Preisverfall der Aktien auszugehen. Ich wüsste gerne, welchen. Und ich wüsste gerne, welcher Investor so dubios ist, dass er Insiderhandel betreibt.

  4. 4 Bernd Harder 9. Juli 2015 um 15:54

    @Mistel:

    << Interviewed zu werden, macht einen nicht zum Verschwörungstheoretiker, auch dann nicht, wenn der Interviewer Russia Today oder Ken Jebsen sind. << Also ich überlege mir üblicherweise sehr gut, von wem ich mich interviewen lasse bzw. in welchem Umfeld ich erscheinen möchte und in welchem nicht. Selbst wenn das überhaupt nicht in Gansers Absicht lag, macht er damit Verschwörungshonks wie Jebsen salonfähig. Denn der wirbt natürlich mit jedem "Promi", der sich von ihm instrumentalisieren lässt, um sich selbst als seriös darzustellen. Das sollte ein intelligenter Mensch wie Ganser eigentlich durchschauen - und entsprechende Anfragen schlicht mit einem "No, thanks" beantworten. Es sei denn, er macht das ganz bewusst - womit Psiram dann wiederum eher richtig liegen würde ...

  5. 5 Mistel 9. Juli 2015 um 20:18

    @Bernd Harder: Das läuft aber auf Sippenhaft heraus. Der deutsche Ausdruck ist mir ein bisschen zu ungenau, deswegen: guilt by association.

    Mir fällt kein Name ein, weil ich sowas immer schnell verdränge, aber ich erinnere mich deutlich, dass auch Skeptiker in Fernsehsendungen oder Podiumsdiskussionen mit eher zweifelhaften anderen Personen auftraten. Sie haben dabei natürlich vernünftige Positionen vertreten, aber oft genug als Feigenblatt. Damit werten sie meiner Meinung nach nicht die Esos auf, sondern verhindern, dass sie unwidersprochen bleiben. Wenn das für Skeptiker gilt, muss es erst recht auch für jeden Wissenschaftler gelten, der sich in seinem beruflichen Umfeld bewegt.

  6. 6 Ralf 9. Juli 2015 um 20:18

    @trixi
    Das ist die erste Verschwörungstheorie, der ich Glauben schenken kann…
    Wobei ich glaube, daß ist eher ein Spiel der Eitelkeiten…und dazu auch noch überaus infantil.

  7. 7 Mistel 9. Juli 2015 um 20:28

    @trixi: Ach, du liebe Güte :m Da braucht aber dringend jemand sein Tollwutserum ;-)

    Dass die Griechen nicht blöd sind und durchaus geplant arbeiten, glaube ich sofort :-) Das glaube ich auch von der Troika. Aber Spahn hat ganz klar Varoufakis’ “Modest Proposal” nicht gelesen. Naja, Cicero :-)

    Wisst ihr, was mich so richtig aufregt? Dass in einer bestimmten Ecke das Wort “Spieltheoretiker” als Schimpfwort benutzt wird. Urologe ist doch auch keines.

  8. 8 Bernd Harder 9. Juli 2015 um 20:38

    @Mistel:

    << Mir fällt kein Name ein, weil ich sowas immer schnell verdränge, aber ich erinnere mich deutlich, dass auch Skeptiker in Fernsehsendungen oder Podiumsdiskussionen mit eher zweifelhaften anderen Personen auftraten. << Das ist aber nicht ganz dasselbe. Natürlich kann man in TV-Sendungen mit "zweifelhaften anderen Personen" zusammentreffen - darauf hat man ja keinen Einfluss. Aber man sich sehr wohl vorher überlegen, ob man in *diesem* Sendeformat mit *diesem* Moderator und bei *diesem* Sender überhaupt grundsätzlich etwas verloren hat. Kein Skeptiker wertet RTL oder ProSieben oder das ZDF auf, wenn er dort auftritt, weil das eine völlig andere Rollenverteilung ist und es in der Tat um notwendigen Widerspruch zu obskuren Thesen der anderen Gäste geht. Jebsen betreibt dagegen einen rein persönlichen, von seinen Anhängern finanzierten Youtube-Kanal. Das ist keine Talkshow, keine Nachrichtensendung, kein Wissensmagazin, es gibt keine Redaktion, keine Geschäftsleitung, keine Regeln, gar nichts - sondern das Ganze ist eine ausschließliche Ken-Jebsen-PR-Veranstaltung, die alleine dazu dient, die fragwürdigen Ansichten des Herrn Jebsen zu verbreiten. Die Gäste sind dafür Mittel zum Zweck, kein bisschen mehr. Es gibt kein Erkenntnisinteresse, sondern nur Selbstbestätigung. Jebsen könnte das auch ohne Ton senden, weil es ihm nur darum geht, mit einem "Promi" als Referenzperson zusammen im Bild zu sein. Wie naiv muss ein Wissenschaftler sein, *dort* seine Forschungsergebnisse präsentieren zu wollen?

  9. 9 Ralf 9. Juli 2015 um 21:40

    Wisst ihr, was mich so richtig aufregt? Dass in einer bestimmten Ecke das Wort “Spieltheoretiker” als Schimpfwort benutzt wird. Urologe ist doch auch keines.

    Ja, ich weiß was Sie meinen…das Spiel ist die Simulation der Wirklichkeit…und daran ist nichts minderwertig…wahrscheinlich erschließt sich der Mehrheit der Menschen nicht, daß dahinter eine hochkomplexe Wissenschaft steckt…

    Ein profanes Beispiel: Einem halbwegs begabten Programmierer fällt es nicht schwer ein paar “megacoole” Tools (oder neudeutsch: Apps) zu Programmieren, aber ein einfaches “Schnauz” zu programmieren ist schon etwas schwerer (ich spreche da aus Erfahrung ;-))

  10. 10 Mistel 9. Juli 2015 um 22:25

    Naiv oder sendungsbewusst? Die Antwort darauf, egal wie sie lautet, kann aber nicht dazu verwendet werden, seine fachliche Arbeit zu beurteilen. Das wäre auf jeden Fall ein ad personam. Hau ihm seine Quellen um die Ohren, widerlege sie mit anderen Quellen, weise ihm Logikfehler nach. Aber komm mir nicht mit einem Angriff auf seine Person.

  11. 11 Bernd Harder 9. Juli 2015 um 22:31

    @Mistel:

    << Aber komm mir nicht mit einem Angriff auf seine Person. << Sorry, jetzt kommen wir aber total vom Thema ab. Was für "Angriffe" auf seine Person? Es ging um die Frage, ob man (auch als "seriöser" Wissenschaftler, was ich persönlich im Fall Ganser ausdrücklich nicht beurteilen kann) einen Verschwörungshonk wie Jebsen salonfähig macht, indem man in seiner Sendung auftritt. Das bejahe ich auch weiterhin uneingeschränkt. Es gibt Dinge, die tut man nicht, wenn man seriös rüberkommen möchte. Ich würde z.B. auch der Deutschen Nationalzeitung kein Interview geben, auch wenn ich zu 100 Prozent korrekt und unwidersprochen alle skeptischen Standpunkte darlegen könnte.

  12. 12 Mistel 9. Juli 2015 um 22:32

    @Ralf: Ich denke, dass geschickte PR-Leute den Begriff “Spieltheoretiker” benutzen, um eine Wirkung bei den Menschen zu erzeugen.

    Varoufakis korrekt als “Professor für Wirtschaftswissenschaften und ökonomische Theorie” zu bezeichnen, wenn es um Wirtschaftswissenschaften und ökonomische Theorie geht, läßt halt den Juristen Schäuble doof aussehen.

    Aber was bitte ist “Schnauz”?

  13. 13 Mistel 9. Juli 2015 um 23:04

    @Bernd Harder: Dann erlaube mir, unseren Austausch zusammenzufassen.

    Ich hatte gesagt, dass es eine steile These ist, Ganser als Verschwörungstheoretiker zu bezeichnen, wie es die NWZ tut. Du antwortetest darauf, dass Ganser es “zu einem Eintrag in Psiram” gebracht habe und sich von Jebsen interviewen liesse. Ich habe erklärt, warum ich den Eintrag bei Psiram für Blödsinn halte und dass man nicht zum Verschwörungstheoretiker wird, wenn man in der Öffentlichkeit mit einem Verschwörungstheoretiker spricht. Darauf sagtest du, dass Ganser sich von Jebsen interviewen liesse, der ja immerhin ein anerkannter “Verschwörungshonk” (dein Wort) sei. Ich warf dir guilt by association vor, woraufhin du noch einmal betontest, dass Jebsen schlechte Gesellschaft sei.

    Mag sein, dass Jebsen schlechte Gesellschaft ist. Aber das allein belegt Gansers Aussagen nicht, noch widerlegt es sie. Für einen kritischen Denker sollte es auf den Inhalt einer Aussage ankommen, nicht darauf, in wessen Beisein sie gemacht wird.

    Mich erinnert deine Argumentation an die der sogenannten Qualitätspresse gegen Blogger. Nur weil es eine Redaktion gibt, sind nicht alle Inhalte qualitativ hochwertig. BILD (oder auch die von dir genannte Nationalzeitung) hat auch eine Redaktion, eine Geschäftsleitung und Regeln; der Inhalt ist trotzdem, entschuldige das böse Wort, Scheiße. Umgekehrt kann der Inhalt gut sein, obwohl die eingesetzten Mittel minimal sind.

  14. 14 Bernd Harder 9. Juli 2015 um 23:22

    @Mistel:

    Danke für die Mühe, aber was genau ist der Punkt?

    << Mag sein, dass Jebsen schlechte Gesellschaft ist. Aber das allein belegt Gansers Aussagen nicht, noch widerlegt es sie. << Darum ging es auch gar nicht, sondern umgekehrt: - Jebsen benutzt Ganser zur Selbstdarstellung. Mein Argument: Ein intelligenter Mensch wie Ganser sollte/müsste sich über so etwas im Klaren sein, denn er wird ja vermutlich in der Lage sein, in Erfahrung zu bringen, wer oder was ein Ken Jebsen ist und tut. Meine Frage war: Warum gibt er sich dafür her? Das können wir beide nicht beantworten, ich erlaube mir aber trotzdem, das zumindest seltsam zu finden. << Für einen kritischen Denker sollte es auf den Inhalt einer Aussage ankommen, nicht darauf, in wessen Beisein sie gemacht wird. << Nicht ganz korrekt: Es geht nicht um ein zufälliges "Beisein" - z.B. in einer Talkshow, auf deren Personenkonstellation man als Gast keinen Einfluss hat -, sondern um einen ganz bewusst entschiedenen Besuch in einer fragwürdigen Sendung. << Mich erinnert deine Argumentation an die der sogenannten Qualitätspresse gegen Blogger. Nur weil es eine Redaktion gibt, sind nicht alle Inhalte qualitativ hochwertig. << Das habe ich auch nicht gesagt. Ich habe auf die rein formalen Unterschiede zwischen einer "normalen" TV-Sendung und einem "KenFM" hingewiesen und woran auch ein völlig naiver Mensch (Herr Ganser?) hätte erkennen können, auf was er sich da einlässt. << BILD (oder auch die von dir genannte Nationalzeitung) hat auch eine Redaktion, eine Geschäftsleitung und Regeln; der Inhalt ist trotzdem, entschuldige das böse Wort, Scheiße. Umgekehrt kann der Inhalt gut sein, obwohl die eingesetzten Mittel minimal sind. << Ich kann Dich auch ganz direkt fragen: Sollte ein seriöser Wissenschaftler sein "Sendungsbewusstsein" (Deine Formulierung) bei "KenFM" oder bei der "Nationalzeitung" ausagieren - völlig unabhängig von der Frage, ob seine Argumente korrekt sind oder nicht? Ich versuche damit u.a. verständlich zu machen, was Psiram eventuell dazu bewogen haben könnte, Ganser einen Eintrag zu widmen. Ich finde es zumindest nachvollziehbar, dass auch das Umfeld, in dem man sich äußerst, herangezogen werden kann, um die Positionierung einer Person einzuschätzen. Ich denke, Ganser ist weder gezwungen worden, bei Jebsen aufzutreten, noch hat er es nötig. Also würde ich zumindest mal nachfragen wollen: warum also? Warum wertet er bewusst Verschwörungshonks auf, wenn er damit eigentlich nichts zu tun hat oder zu tun haben will?

  15. 15 Bernd Harder 9. Juli 2015 um 23:33

    @Mistel:

    Nachtrag:

    Psiram listet von den “Deutschen Wirtschafts Nachrichten” über Ivo Saseks Sekten-Kongress bis hin zu RT und “Querdenken” so ziemlich das Who is Who der Verschwörungs-Publizistik auf.

    Sorry, aber da glaube ich nicht mehr an “Naivität” oder “Sendungsbewusstsein” bei Herrn Ganser.

  16. 16 Mistel 10. Juli 2015 um 10:00

    @Bernd Harder: Benutzt LeFloid Merkel zur Selbstdarstellung? Oder sieht Merkel eine Chance, ein Publikum mit den Themen zu erreichen, die in ihr Berufsfeld fallen?

    Wende bitte mal deine Argumentation auf diese Konstellation an. Ist Merkels Entscheidung, sich von LeFloid interviewen zu lassen, fraglich? Hat die Person des Interviewers irgendwelche Auswirkungen auf die Faktizität ihrer Aussagen? Wird Merkel Teil der “hippen Jugendlichen”, wenn sie sich von LeFloid interviewen läßt? Postuliert, sie stimme zumindest in Teilen mit LeFloids Weltsicht bzw Welterklärungen überein: Hat das Auswirkungen darauf, wie man zB ihre Jahresansprache interpretiert oder ihr Handeln beurteilt?

    Sollte ein seriöser Wissenschaftler sein “Sendungsbewusstsein” (Deine Formulierung) bei “KenFM” oder bei der “Nationalzeitung” ausagieren – völlig unabhängig von der Frage, ob seine Argumente korrekt sind oder nicht?

    Ich drehe deine Frage mal um, bevor ich zu meiner Antwort komme. Wir sind uns wahrscheinlich einig, dass die Vertriebenenverbände ein durchaus rechtes, teils sogar braunes, Weltbild haben. Sollte sich ein seriöser Bundespräsident bei deren Jahresversammlung “ausagieren”?

    Meine Antwort darauf ist: Warum denn nicht? Auf die Inhalte kommt es an. Ich gehe sogar noch weiter: Wenn jemand sich der Auseinandersetzung mit den Inhalten verweigert, weil er das Umfeld, in dem sie ausgesprochen wurden, degoutant findet, ist dies kein Zeichen unabhängigen und kritischen Denkens. Es ist, wie ich oben schon sagte, ein argumentum ad personam, wenn auch über Bande.

    @trixi: Bitte schau dir das Video mal an, das Bernd Harder oben verlinkt hat. Ganser geht darin auf das Thema “9/11” ein. Eine Aussage fand ich darin sehr interessant, weil es mir nicht bewusst war. Ganser streicht heraus, dass grosse Teile des “Commission Reports” auf erfolterten Geständnissen beruhen und damit “für den Historiker” (Ganser) wertlos seien. Ich habe nicht bemerkt, dass er “Verschwörungstheorien” für “gleichrangige” Ansätze hält. Statt dessen sagt er, dass genau solche Lücken durch die historische Forschung zu untersuchen seien.

    Dass erfolterte Aussagen vor Gericht (und auch auf hoher See) wertlos sind, wird kaum jemand bezweifeln, der auf dem Boden der Menschenrechtskonvention steht. Ich teile daher auch Gansers Schlussfolgerung, dass alles, was nur mit solchen Aussagen belegt ist, als unaufgeklärt gelten muss.

    Macht mich das jetzt auch mit Naidoo gemein? Oder zeigt es nur, dass Menschen in Teilen ihrer Ansichten übereinstimmen können, ohne gleich Kappenbrüder zu sein? Letzteres ist meine These.

  17. 17 Bernd Harder 10. Juli 2015 um 11:03

    @Mistel:

    Ich denke, da kommen wir nicht zusammen.

    << Wenn jemand sich der Auseinandersetzung mit den Inhalten verweigert, weil er das Umfeld, in dem sie ausgesprochen wurden, degoutant findet. << Es findet eben gerade keine *Auseinandersetzung* mit Inhalten statt, sondern es geht bei KenFM um ein gegenseitiges Sich-Bestätigen und Werbung füreinander machen. Das ist aus meiner Sicht der Unterschied zu den Beispielen (Merkel, Bundespräsident), die Du nennst.

  18. 18 Mistel 10. Juli 2015 um 11:27

    @Bernd Harder: Du missverstehst mich, denke ich. Es geht nicht darum, ob die Interviewpartner sich mit den gegenseitigen Positionen auseinandersetzen. Mir geht es darum, ob Gansers Positionen unabhängig von Jebsens Bestand haben und wir, als Rezipienten, uns mit Gansers Positionen auseinandersetzen müssen. Wenn ich dich richtig verstanden habe, insbesondere in deiner ersten Antwort, ist eine Auseinandersetzung mit Ganser unnötig, weil er sich von Jebsen interviewen lässt und Psiram einen Eintrag über ihn hat.

    Ganz ehrlich, wenn du je ein Interview mit Merkel gesehen/gehört hast, wirst du sicherlich bemerkt haben, dass Merkel den Interviewpartner allenfalls als Stichwortgeber nutzt. Sie sagt ausschliesslich das, was sie sagen will, unabhängig von dem, was der Interviewpartner anspricht. Die Frau ist, neben manch anderen Qualifikationen, ein PR-Profi.

    Was würdest du sagen, wenn Merkel sich von Jebsen interviewen liesse? Ich bin sicher, dass Jebsens Person Merkel nicht davon abhielte, ein Interview zu machen, wenn es ihr in den Kram passt. Wäre es dann auch unnötig, sich (als Rezipient) mit Merkels Aussagen auseinanderzusetzen?

  19. 19 Bernd Harder 10. Juli 2015 um 11:41

    @Mistel:

    << Mir geht es darum, ob Gansers Positionen unabhängig von Jebsens Bestand haben und wir, als Rezipienten, uns mit Gansers Positionen auseinandersetzen müssen. Wenn ich dich richtig verstanden habe, insbesondere in deiner ersten Antwort, ist eine Auseinandersetzung mit Ganser unnötig, weil er sich von Jebsen interviewen lässt und Psiram einen Eintrag über ihn hat. << Nein, darum geht es mir nicht. Ich habe mehrmals in dieser oder ähnlicher Form geschrieben: << Sollte ein seriöser Wissenschaftler sein "Sendungsbewusstsein" (Deine Formulierung) bei "KenFM" oder bei der "Nationalzeitung" ausagieren – völlig unabhängig von der Frage, ob seine Argumente korrekt sind oder nicht? << Ich meine: nein, weil er solche Medien/Moderationen damit aufwertet, indem er sie als seriöses Forum adelt. Spätestens zwei Stunden danach bleibt doch nichts mehr von den "Inhalten" hängen, sondern es geht nur noch darum, dass KenFM mit einem Promi werben kann, der in der Sendung war. Und beim nächsten Waldorf-Auftritt wird Jebsen wieder erzählen, dass sein Youtube-Kanal das einzige seriöse und unabhängige Medium in Deutschland sei - und das sehe man unter anderem an seinen hochrangigen Gästen. Und genau deshalb bin ich sehr sicher, dass einer Merkel so etwas nicht passieren würde, sondern sie sich vorher gut überlegt, wo und bei wem sie sich äußert. << ist eine Auseinandersetzung mit Ganser unnötig, weil er sich von Jebsen interviewen lässt und Psiram einen Eintrag über ihn hat. << In einem zweiten Schritt würde ich dann in der Tat noch etwas weiter gehen - auch das hatte ich bereits gesagt: Ein "seriöser" Wissenschaftler, der quasi bei sämtlichen VT-Medien im deutschsprachigen Raum auftritt, lässt zumindest eine gewisse Nähe zu dieser und eine Sympathie für diese Szene erkennen. Und *dann* würde ich in der Tat anfangen, auch Rückschlüsse auf seine eigene Seriosität zu ziehen.

  20. 20 Bernd Harder 10. Juli 2015 um 13:25

    @Mistel:

    << Sollte sich ein seriöser Bundespräsident bei deren Jahresversammlung “ausagieren”? << Nun ja, ich hatte eigentlich nicht "sich persönlich ausagieren" geschrieben, sondern "ein Sendungsbewusstsein ausagieren". Ganz platt gesagt: Politiker sind sich nur für sehr wenige Dinge zu schade, was das "Ausagieren" angeht, weil es dabei immer auch um Wählerstimmen und nicht nur um Inhalte/Positionen/Diskussionen geht. Ich denke, ein "seriöser Wissenschaftler" dagegen kann und sollte sich durchaus differenzierter überlegen, wo er seine Thesen (und eben nicht sich selbst) präsentiert.

  21. 21 Nazienkel 20. Juli 2015 um 09:55

    Putzig ist die Art und Weise, wie Mistel hier den Verteidiger Gansers und der Verschwörungsideologien gibt, denen sich Ganser anschließt, bzw. die er ausschmückt. Eine steile Nummer.

    Ein ‘Historiker’, der beständig Antiamerikanismen anbringt (Deutschland würde über seine Rolle im WWII ‘unten’ gehalten, amerikanische Politiker gehörten vor ein ~Nürnberg 2~) und der von Ivo Sasseks Antizensurkoalition bis Ken Jebsens Traumstunde nichts auslässt, der möchte lediglich die ‘Aufgeweckten’ abkassieren.

    Wer hierdurch angesprochen wird, der ist leicht beeindruck- und beeinflussbar. Ist er für gute Argumente unzugänglich, so ist Glauben im Spiel. Und wer glauben will, scheut Argumente wie der Teufel das Weihwasser…

  22. 22 Abe 15. August 2015 um 12:14

    Als Hinweis für den nächsten Blogeintrag: Die aktuelle Ausgabe der Jungle World (Nr. 33/15) hat den Themenschwerpunkt “Anthroposophie”:

    http://jungle-world.com/artikel/2015/33/

  23. 23 Bernd Harder 4. Oktober 2015 um 19:50

    @Mistel:

    Neues zum “Nicht-Verschwörungstheoretiker” Ganser:

    http://www.schweizamsonntag.ch/ressort/basel/die_ganser-verschwoerung/

  24. 24 Bernd Harder 27. Oktober 2015 um 19:37

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