Vince Ebert: Evolution

Vince Ebert ist laut Eigenaussage …

… neben Angela Merkel und Oskar Lafontaine der dritte deutsche Physiker, der sein Geld im Bereich Comedy und Kabarett verdient.”

Anders jedoch als Frau Merkel, die sich gerade Homöopathie-freundlich geäußert hat (zumindest könnte man es so deuten), ist Ebert immer noch Wissenschaftler genug, um den Unsinn der Schüttelei zu erkennen und anschaulich wiederzugeben:

Von Vince Ebert stammt auch das vielzitierte Bonmot:

Wenn ich behaupte Im Kühlschrank ist Bier, bin ich Theologe. Wenn ich nachschaue, bin ich Wissenschaftler. Wenn ich nachsehe, nichts finde und trotzdem behaupte, es ist Bier drin – dann bin ich Esoteriker!”

Sowohl bei Kritisch gedacht als auch im Skeptiker gab es schon interessante Interviews mit dem Kabarettisten.

Und bei arprin kann man ein Kapitel aus seinem Buch “Denken Sie selbst” zum Thema Wissenschaftsfeindlichkeit nachlesen.

Im Oktober ist Eberts neues Buch “Bleiben Sie neugierig” erschienen. Derzeit ist der Diplom-Physiker mit seinem Programm “Evolution” auf Tournee:

Evolution wird in bestimmten Kreisen ebenso vehement abgelehnt wie umgekehrt Homöopathie verteidigt wird.

Es ist also durchaus wieder ein Reizthema, das Ebert diesmal abendfüllend beackert.

Und das tut er ziemlich kompromisslos.

Es ist nicht so sehr echtes Kabarett, was der 45-Jährige auf der Bühne zeigt, sondern eine Art Doppelstunde biologische/kosmologische/kulturelle Evolutionslehre – aber mit einem sehr sympathischen und lustigen Dozenten.

“Lach- und Sachgeschichten” schreibt treffend die Siegener Zeitung:

Selten fällt Lernen so leicht und macht so viel Spaß.”

Und eher en passant stellt Ebert dabei klar, dass die Wissenschaft auch “Mythen und Illusionen” entzaubert, zum Beispiel die Astrologie:

“Meine Hebamme hat 110 Kilo gewogen – was kümmert mich da mein Aszendent?”,

umschreibt er die Tatsache, dass die Anziehungskraft der Geburtshelferin (also deren gravitative Wirkung) das Baby weitaus stärker beeinflussen müsste als die Anziehungskräfte der weit entfernten Gestirne.

Sollten die Astrologen also nicht besser die Hebamme anstatt der Planeten in ihre Horoskope einbeziehen?

Nicht zuletzt die inhärente Egozentrik der Esoterik stößt Ebert sauer auf. Der prächtige Sternenhimmel spanne sich sicher nicht deswegen über uns, damit Astrologie-Gläubige einen “coolen Aszendenten” ihr Eigen nennen und sich als “etwas Besonderes” im Universum fühlen könnten.

Auch Religionen kann der Wissenschaftskabarettist wenig abgewinnen, die aus dem Urknall hervorgegangene “sichtbare Welt” sei staunenswert und wunderbar genug:

Da kann der Typ mit den sechs Tagen einpacken.”

Von solchen Spitzen abgesehen, hält Ebert sich mit expliziter Kritik an religiösen oder kreationistischen Vorstellungen zurück. Statt dessen erklärt er, wie es wirklich ist.

Und das ist wohl genau der richtige Weg, denn:

Wer überzeugen will, konzentriert sich auf seine eigenen Argumente und verschweigt die seines Gegners”,

schreibt auch Sebastian Hermann in seinem Buch “Starrköpfe überzeugen”.

Nur unmittelbar zu Beginn des zweiten Teils streift Ebert den Komplex “Evolutionsleugner”.

Er berichtet von einem Pausengespräch mit einem Vertreter des “Intelligent Design” und stellt kurz dar, was von den ID-Standardargumenten (“Ist es wahrscheinlich, dass das Auge ohne ‘Intelligenz’ entstand?”, “Evolution ist nur eine Theorie”) zu halten ist.

Und vermutlich können auch Schöpfungsgläubige ihm nicht wirklich böse sein, da der Physiker im Folgenden an einigen Beispielen erklärt, dass

… Logik und Rationalität evolutionär bedingt nicht gerade zu unseren Kernkompetenzen gehören.”

Sehr gelungen auch der Schlussteil der “Evolutions”-Show, bei dem Ebert die Romantik der Naturwissenschaften beschwört und von den sogenannten Cäsar-Molekülen über Sternenstaub zu seinem finalen Statement kommt:

Wir brauchen keinen Gott, um unsterblich zu sein – die drei Hauptsätze der Thermodynamik reichen vollkommen aus.”

Vince Eberts Bühnenprogramm “Evolution” läuft 2014 weiter.

Alle Stationen und Termine gibt es hier.

Zum Weiterlesen:

  • Vince Ebert: Bleiben Sie neugierig. Rowohlt-Verlag, Reinbek 2013
  • “Achten aufs Kleingedruckte”: Interview mit Vince Ebert im Skeptiker 1/2009
  • Vince Ebert in Wien, Kritisch gedacht am 11. März 2013
  • Vince Ebert zur Wissenschaftsfeindlichkeit, arprin am 16. Juli 2011
  • Wenn kein Bier im Kühlschrank ist, Astrodicticum simplex am 28. März 2009
  • “Ich muss alles hinterfragen”: Interview mit Vince Ebert, Zeit-Online am 7. April 2012
  • Was der Vatikan mit Schwarzen Löchern gemeinsam hat, spektrum.de am 25. September 2013
  • GWUP-Thema: Kreationismus
  • Intelligent Design – Eine Alternative zur naturalistischen Wissenschaft? Skeptiker 3/2003
  • Gott pfuscht auch, Zeit-Wissen am 14. August 2008
  • Mensch, was für eine Fehlkonstruktion, Zeit-Online am 24. Dezember 2013

6 Kommentare zu “Vince Ebert: Evolution”


  1. 1 Matthias Urlichs 23. Dezember 2013 um 08:11

    Ich frag mich eh, was die IDler immer mit dem Auge haben.

    Sie zeigen damit doch bloß, dass sie weder von Darwin noch von Biologie irgendeine Ahnung haben – wenn jemand das menschliche Auge designt hat, dann war er entweder ein ziemlicher Stümper …

    oder er wollte uns Menschen klarmachen, dass Tintenfische eine höhere Lebensform sind als wir. ;-)

  2. 2 Ralf 23. Dezember 2013 um 20:21

    Ein Gespräch in der Familie, nach Dr. Merkels Willen:
    “Mein Sohn, jetzt bist du fast 6 Jahre und kommst bald in die Schule, deshalb muß ich dir sagen: Es gibt keinen Weihnachtsmann und dich gibt es auch nur, weil homöopathische Verhütungsmittel nicht funktionieren”…LOL ;-)

  3. 3 emporda 22. Januar 2014 um 02:33

    Da mit den Lügen ist inzwischen offizielles Schulmaterial für den “wissenschaftlichen” Biologie Unterricht
    http://ncse.com/
    “When public-school students enrolled in Texas’[s] largest charter program open their biology workbooks, they will read that the fossil record is ‘sketchy.’ That evolution is ‘dogma’ and an ‘unproved theory’ with no experimental basis. They will be told that leading scientists dispute the mechanisms of evolution and the age of the Earth,” according to Zack Kopplin, writing in Slate (January 16, 2014). “These are all lies.”

  4. 4 Kreationist 2.0 24. Juni 2014 um 13:46

    @ Vince Ebert
    Bei ihrem Beispiel mit dem Autoschlüssel, den man in F in den Main wirft und in Wü das Auto startet: War Ihnen da bewusst, dass der Main von Wü nach F fliesst ?

    Da Sie auch die 6 Schöpfungstage ansprechen. So leite ich meinen Nickname ab:

    Was für ein stümperhafter Handwerker ist doch der biblische Schöpfer.

    Braucht 6 Tage für so ein bisschen Universum. Am siebten ist er dann so kaputt, das er Pause machen muss. Außerdem verbaut er Material, das er eigentlich für die Eva braucht im Adam.

    Und sein Sohn bräuchte 3 Tage, um einen Tempel wieder aufzubauen. Also mein Schöpfer-Gott 2.0 macht das alles mit einem Fingerschnippsen.

  5. 5 peter hermanns 15. April 2015 um 17:00

    bitte,wer kann mir die letzten 5 minuten vom video
    “evolution” in schreibschrift senden,oder wo man sich das herunterladen kann.da wäre ich hoch dran interessiert!!!

    im voraus herzlichen dank!
    freundliche grüsse
    peter hermanns KREFELD

  6. 6 Bernd Harder 15. April 2015 um 17:05

    @Peter hermanns:

    Es gibt kein Video “Evolution” von Vince Ebert, der Artikel gibt sein Bühnenprogramm wieder, die nächsten Termine finden Sie auf der Homepage.

    Darüber hinaus gibt es einen Auszug aus dem Programm auf Youtube und eine (Hör-) CD davon:

    https://www.youtube.com/watch?v=YbPH_l-5_oI

    http://vince-ebert.de/docs/termine/tourplan.php

    http://vince-ebert.de/docs/einkaufen/shop.php

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