„Studien-Daten“ und die Realitätsverweigerung der Homöopathen vom DZVhÄ

Man weiß einfach nicht mehr, wie man es den Homöopathen noch erklären soll – die Sache mit den Studien.

Humorig, so wie der Ratio-Blog?

Wie man eine Homöopathie-Studie veröffentlicht:

  •  Hypothese aufstellen,
  • Versuch durchführen,
  • Ergebnisse dokumentieren,
  • Ergebnisse ignorieren,
  • Homöopathie als wirksam deklarieren.”

Psychologisch, wie Detritus?

Die Qualität der Studie ist entscheidend, etwa sind die Stichprobengröße, das Vorhandensein einer Kontrollgruppe und Verblindung wichtige Einflussfaktoren. Bei einem Konfidenz-Intervall von nur 95 Prozent sind außerdem falsch-positive Ergebnisse auch bei guten Studien zu erwarten.

Man muss auch das Gesamtbild aller Studien betrachten und die Arbeiten nach ihrer Qualität wichten, und nicht nur die Untersuchungen selektieren, die einem genehm sind.

Die Homöopathie ist in solchen Übersichtsanalysen (Meta-Studien) durchweg durchgefallen. Um noch ein tolles Fremdwort anzubringen: ignoratio elenchi ist das „Ignorieren der Gegenbeweise“ und geht mit selektiver Wahrnehmung Hand in Hand.”

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Systematisch, wie medizin-transparent?

Gesamt betrachtet findet sich in den neueren Übersichtsarbeiten keine ausreichende Beweislage, um die Wirksamkeit der Homöopathie zu beurteilen. Zu diesem Schluss kommen letztlich auch die meisten Autoren der Übersichtsarbeiten.

Dafür gibt es einen weiteren Grund: Studien mit positivem Ausgang für die Homöopathie konnten durch andere Wissenschaftler in Wiederholungsstudien nicht bestätigt werden. In der Forschung ist es jedoch entscheidend, dass die Ergebnisse einer Gruppe von einer anderen wiederholt werden können. Erst dann ist es ein starker Hinweis für eine Wirksamkeit.

Auch wir konnten bei unserer Recherche keine erfolgreich wiederholte gute randomisiert-kontrollierte Studie finden.”

Kollegial, wie Prof. Claudia Witt?

Seit über fünf Jahren finden Sie von mir eine offizielle Stellungnahme zur Homöopathie im Internet. Meine Aussage – dass nicht belegt ist, dass homöopathische Arzneimittel mehr als ein Placebo sind – gilt auch heute noch.

Die Studienergebnisse zur Wirksamkeit sind uneinheitlich, und meine Einschätzung basiert auf der zumeist schlechten Qualität der Studien.”

Grundsätzlich, wie Dr. Christian Weymayr?

Selbst wenn keine Fehlerquellen zu erkennen sind, gibt es den Begriff des „Hidden Bias“, also der verborgenen Verzerrung. Und damit ist eine klinische Studie per se nicht aussagekräftig genug, um etwas so Aberwitziges wie Homöopathie belegen oder widerlegen zu können.”

Analytisch, wie Dr. Norbert Aust?

Mein Blog und mein Buch enthalten eine Vielzahl von Studien, die seitens der Homöopathie als positive Nachweise gesehen werden, sich aber bei genauerem Hinsehen als fehlerhaft entpuppt haben.”

Keine Ahnung, welche Argumente man noch anführen müsste, um die Homöopathen hinter ihren Sehschlitzen hervorzulocken, durch die sie offenbar nur ihre eigene Realität wahrnehmen.

Die ehemalige Homöopathin Dr. Natalie Grams hat es in ihrem Buch und Blog unter anderem mit dem Infragestellen der Grundannahmen versucht:

  1. Das “Geistartige” gibt es nicht.
  2. Das Potenzieren ist und bleibt eine Verdünnung und sonst nichts.
  3. Das Prinzip der Ähnlichkeit hat sich nicht bestätigt.

Und wie reagieren die Homöopathen darauf?

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Natürlich mit ihrem Lebensmantra von den …

… qualitativ hochwertigen Studien […], die die positiven Effekte der Homöopathie belegen.”

Kaum zu glauben, ist aber so.

In einer neuerlichen Stellungnahme zu Grams Buch zieht sich der Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) vollkommen ernsthaft auf “Studien-Daten” zurück und kaschiert ansonsten seine Sprach- und Hilflosigkeit mit den üblichen Mätzchen, etwa der “Beliebtheit” der Schüttel-Methode, der Versorgungsforschung, den Krankenkassen und natürlich Robert “The Justificator” Hahn.

Das alles wirkt so unsagbar öde, billig und lachhaft, dass man Grams Reaktion darauf vollauf verstehen kann:

Ich habe nicht den Eindruck, dass Sachlichkeit diese Damen und Herren bewegt. Das verzweifelt mich echt.”

Dankenswerterweise erklären Mr. MIR und Edzard Ernst den Homöopathen noch einmal deren “esoterisches Forschungsniveau” sowie die tatsächliche Datenlage:

  1. Some systematic reviews and meta-analyses do indeed suggest that the trial data are positive. However, they all caution that such a result might be false-positive.
  2. None of these papers provide anything near a proof for the effectiveness of homeopathy.
  3. Homeopathy has not been shown to be more than a placebo therapy.

Aber wie will man ernsthaft in einen Dialog mit Personen treten, die sich ganz offen in Wirklichkeitsverweigerung gefallen?

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Zwischenzeitlich hat Natalie Grams auf Facebook mitgeteilt, dass der DZVhÄ-Funktionär Curd Kösters sich doch noch persönlich bei ihr gemeldet hat und eine “sachliche Diskussion” führen will, zunächst nicht öffentlich.

Wir sind gespannt, ob der Herr Kösters dann endlich mal erklärt, wo genau die “geistartigen Kräfte” beim “Verreiben und Verschütteln” herkommen und was das überhaupt sein soll – oder ob das Reflexionsniveau der Homoöpathen weiterhin auf dem Signifikanzniveau der Homöopathie verharrt.

Zum Weiterlesen:

  • Schüttelärzte greifen Exhomöopathin an, FSMoSophica am 15. Oktober 2015
  • Homeopathy – where the truths are diluted even more than the remedies, edzardernst am 15. Oktober 2015
  • Homöopathie: Der DZVhÄ verschlimmbessert seine Rezension des Grams-Buches, GWUP-Blog am 25. September 2015
  • Offener Brief an den DZVhÄ, derfreitag am 3. April 2012
  • Homöopathie, Scientabilität, Frollein Doktor und die Belege, GWUP-Blog am 15. Januar 2014

9 Kommentare zu “„Studien-Daten“ und die Realitätsverweigerung der Homöopathen vom DZVhÄ”


  1. 1 Clemens Maier 18. Oktober 2015 um 09:10

    Homöopathen bräuchten sich einfach nur die Frage zu stellen, warum Studien doppelt verblindet werden – eben um die mögliche Betriebsblindheit der Untersuchenden zu neutralisieren. Und weshalb Beobachtungsstudien vielleicht dazu taugen Hyphothesen aufzustellen, aber keinen Wert haben.

    Das ist ja gerade der zentrale Effekt der Homöopathie, der die Placeboeffekte hervorruft.

    Der Behandler ist von seinem Tun übezeugt, er bedient Patientenwünsche nach einer vermeintlich ” beseelten” Medizin ( im Gegensatz zu “kalten”, technischen” sog. Scnulmedizin) und Schwuppdiwupp auch weil die meisten Patienten nicht darüber nachdenken, was sie da kriegen, funktioniert es, solange es keine ernst zu nehmende Erkrankung ist.

    Die hohe Bereitschaft zur hartnäckigen Wirklichkeitsverzerrung ist tatsächlich das Erschreckende.

  2. 2 roman 18. Oktober 2015 um 10:05

    ich habe vor längerem als Anhänger der Homöopathie beim DZVhÄ angefragt, wie es sein kann, dass etwas nicht Vorhandenes potenziert werden kann. Und warum vorhandene Verunreinigungen nicht potenziert werden.

    Nur so spielerisch mehrfach nachgehakt, bis heute keine Antwort, dabei hätte ich mir so sehr einen Erklärungsversuch gewünscht.

  3. 3 Ich 18. Oktober 2015 um 11:25

    Seit 30 Jahren forscht die Carstens-Stiftung. Keine einzige reproduzierbare Arzneimittelprüfung einer Hochpotenz wurde dokumentert.

    Jenseits aller Studien wäre das der schnellste und einfachste Weg, eine spezifische Wirksamkeit von Hochpotenzen nachzuweisen. Ich sehe nicht einmal Versuche, das zu tun.

    Für mich zeigt das nur den Unwillen, sich mit der Realität auseinanderzusetzen.

  4. 4 Martin Däniken 18. Oktober 2015 um 23:17

    „Die Realität ist eine Halluzination, welche durch die Abwesenheit von Globuli entsteht.“

    Um eine irische Volksweisheit zu paraphrasieren,wird auch Falco zugeschrieben jeweils mit “Alkohol”.

    Man könnte natürlich auch “sauberes wissenschaftliches Arbeiten” einsetzen aber das minimiert den Schwung!

  5. 5 Albero 18. Oktober 2015 um 23:39

    Vielleicht sollte man den Homöopathen ganz einfach mal unsachlich unterstellen, dass sie nichts weiter als jämmerliche Ganoven sind, die genau wissen, dass ihre Lehre Schrott ist und dass sie damit, dank der gegenwärtigen Unrechtslage, ihre Patienten ungestraft betrügen dürfen und damit prächtig Kohle machen können.

  6. 6 Dr.House 19. Oktober 2015 um 09:31

    Großartige Wortdschöpfung: “Soziale Evidenz”

    Dem DZVHÄ ist mittlerweile bewußt, dass die Existenzberechtigung der Homöopathie einzig und allein auf sozialer Evidenz beruht, auf der Bedeutungszuschreibung durch Menschen, denen es nicht gelingt, die zahlreichen Fehlleistungen und Irrtümer der Homöopathie zu durchschauen.

    https://excanwahn.wordpress.com/2015/10/19/dzvhae-perspektiven-zwischen-wand-und-tapete/

  7. 7 Ralf 19. Oktober 2015 um 20:30

    Zitat

    1. Das “Geistartige” gibt es nicht.

    Das “Geistartige” oder “Feinstoffliche” ist physikalisch unbekannt, da alles durch ‘Teilchen’ kommuniziert wird, dem Austauschteilchen
    Das Universum ist leider sehr “materialistisch” – es gibt sogar einen “berühmten” einfachen Zusammenhang von der “geistartigen” Energie und Materie: E = m c².
    Energie und Masse sind direkt proportional, das ist wirklich erstaunlich und nicht umsonst ist das die berühmteste Gleichung der Physik.

  8. 8 Bernd Harder 21. Oktober 2015 um 13:12

    Erneute Bestätigung unserer These von der kollektiven Realitätsverweigerung:

    < < Beim Vortrag von Edzard Ernst gestern in Karlsruhe gab es ein nettes Amuse gueule des DZVhÄ in Form des angehängten Fresszettels. Zum Vortrag selbst ist dann allerdings kaum einer der Homöopathen gekommen (Zitat einer Homöopathin, die ich von früher kenne: ,das ist uns zu platt') und auch die Anwesenden haben sich auf Kopfschütteln beschränkt. Vielleicht weil der Vortrag keine Fragen offen ließ? Und auch die Behauptungen des DZVhÄs widerlegte? << https://www.facebook.com/639330012837822/photos/a.664660420304781.1073741828.639330012837822/724889877615168/?type=3&theater

  1. 1 DZVHÄ – der Horizont zwischen Wand und Tapete | Pingback am 19. Oktober 2015 um 08:56

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