Homöopathie ist Irrtum

Vergleichsweise selten sprechen sich niedergelassene Ärzte offen und deutlich gegen Homöopathie aus.

Warum das so ist, haben wir bereits mit dem Facharzt für Allgemeinmedizin Dr. Werner Hessel erörtert:

Frage: Aber auch diejenigen, die nichts von CAM halten, wenden sich zumindest nicht aktiv und öffentlich dagegen.

Nein, denn meiner Erfahrung nach wird sachliche Kritik an Alternativmedizin oder gar ihre Ablehnung von den Anwendern sogleich als Intoleranz missdeutet. Das wiederum führt bei den Kritikern dazu, dass auch überprüfbare Tatsachenbehauptungen einfach hingenommen und wissenschaftliche Sachdiskussionen gemieden werden – und dieses Schweigen dann irgendwann mit „Meinungsfreiheit“ und „Toleranz“ verwechselt wird.

Kein Arzt möchte schließlich Kollegen gegenüber als intolerant erscheinen und unterlässt deshalb meist jedwede kritische Anmerkung.”

Nicht so der HNO-Arzt Dr. med. Wolfgang Vahle (Paderborn).

Auf seiner Praxis-Homepage finden wir den interessanten Beitrag “Homöopathie ist Irrtum”.

Darin stellt Vahle nicht nur klar, dass “Hahnemanns Lehre eine Bibel [ist]” und Begriffe wie “Ganzheitlichkeit” bloße Etiketten von Ramschwaren darstellen – auch auf die angeblich zahllosen Opfer der pösen “Schulmedizin”, die uns in Kommentaren immer wieder um die Ohren gehauen werden, geht der Mediziner ein:

Schon lese ich wieder die Berichte über angeblich Tausende und Zehntausende von Opfern der naturwissenschaftlichen Medizin!

Verehrte Leserschaft! Diese Zahlen sind wertlos, weil sie absolut sind!

Wo sind so viele Opfer der naturwissenschaftlichen Medizin zu finden? In Niedersachsen? In der Bundesrepublik? In Europa? In Amerika? In der ganzen Welt? Und wann war das? Letzte Woche? Letzten Monat? Letztes Jahr? Von 1940 bis 1960? Seit 1850? Und wie viele Patienten sind im gleichen Zeitraum überhaupt behandelt worden? Wie ist die prozentuale Quote? Das ist die einzig entscheidende Frage!

Sie ist niedrig!! Und bei unheilbaren Krankheiten ist eine Heilung auch für die wissenschaftliche Hochschulmedizin nicht möglich! Wohl aber kann die wissenschaftliche Hochschulmedizin die Lebensqualität verbessern! Das geht aber in diese Horrorberichte nicht ein! Weil sie tendenziös sind! Sie unterstellen einfach auch den alten Satz „post hoc est propter hoc“ (danach ist deswegen).

Bloß weil ein Sterbenskranker Schmerzpatient irgendwann nach der Gabe eines Schmerzmittels gestorben ist, ist er noch lange nicht wegen des Schmerzmittels gestorben! So kann man nicht argumentieren! – Bloß weil weit mehr als 95 % aller Menschen im Bett sterben, heißt das noch lange nicht, dass Betten Todesfallen sind!”

Und weil wir gerade bei interessanten Artikeln sind:

Bei naklar.at schreibt Dr. Florian Aigner über “wissenschaftlich bewiesene Zauberei”.

Konkret:

Behauptungen über angeblich unerklärliche Fähigkeiten gibt es immer wieder. Egal ob Wunderheiler, Wasserpendler oder Astrologe – meist lässt sich sehr schnell aufdecken, dass in Wirklichkeit an diesen Behauptungen nichts dran ist. Was würde aber geschehen, wenn sich irgendwann mal so eine Behauptung tatsächlich als wahr entpuppt?”

Tja, was?

Bricht dann unser “Weltbild” zusammen (eine weitere Lieblingsphrase unserer Kommentatoren)?

Natürlich nicht, was soll dieser Quatsch?

Dazu Florian Aigner:

Esoterische Behauptungen, die überraschenderweise doch einer kritischen Überprüfung standhalten, müssen zwangsläufig selbst zur Wissenschaft werden. Das liegt am Aufbau der Wissenschaft: Sie ist kein abgeschlossenes System, sie ist darauf ausgelegt, sich ständig zu erweitern und neue Erkenntnisse in sich aufzunehmen.

Bei jeder Auseinandersetzung zwischen Wissenschaft und Esoterik ist die Wissenschaft in Wirklichkeit in einer Win-Win-Situation: Entweder die esoterische Behauptung wird widerlegt und die Wissenschaft setzt sich durch – oder die esoterische Behauptung wird überraschenderweise bestätigt – dann wird diese Behauptung ihrerseits zur Wissenschaft.”

Zum Weiterlesen:

  • Homöopathie ist Irrtum, Praxis-Homepage von Dr. med. Wolfgang Vahle
  • Wissenschaftlich bewiesene Zauberei, naklar.at am 20. Januar 2012

11 Kommentare zu “Homöopathie ist Irrtum”


  1. 1 merdeister 23. Januar 2012 um 09:39

    Wow, ist gleich schon gebookmarket.

    Vor einigen Tagen habe ich versucht, einige Missverständnisse aufuzklären, zum einen häufige über die Homöopathie. Zum anderen die Tatsachen, Ignaz Semmelweis Geschichte könne Quatschmedizinanhängern dazu dienen, ihren Unsinn zum glänzen zu bringen.

    http://dieausrufer.wordpress.com/2011/12/26/missverstandnisse-uber-homoopathie/

    http://dieausrufer.wordpress.com/2012/01/15/ignaz-semmelweis-retter-der-alternativmedizin/

    Über Twitter habe ich bereits gefragt: Gibt es in diesem Jahr keine 10:23 Aktion?

  2. 2 merdeister 23. Januar 2012 um 19:32

    Die Lektüre des Textes hat mir die Idee für ein Produkt gegeben:

    Man nehme eine Kiste mit Deckel, ein Buch, Druckerschwärze und Leeres Papier. Alles kommt in die Kiste, Kiste zu: Schütteln.

    Der homöopathische Kopierer.

  3. 3 Jakob Fiedler 23. Januar 2012 um 20:01

    Hier wird ein Arzt zitiert, welcher der Homöopathie offenbar ablehnend gegenübersteht. Gut, warum nicht, ist ja auch sein Recht. Aber eine subjektive Meinung eines Mediziners beweist doch gar nichts. Sollte man bei der Veröffentlichung eines solchen Eintrages nicht auch Studien zitieren, welche gegen die Wirksamkeit eines Verfahrens sprechen?

  4. 4 Bernd Harder 23. Januar 2012 um 20:15

    @Herr Fiedler:

    Möglicherweise verwechseln Sie das (tagesaktuelle Nachrichten-) Medium “Blog” mit einer Fachzeitschrift wie z.B. dem “Skeptiker”.

    Dort ist der übliche Ort, um wissenschaftliche Studien zu diskutieren.

    Darüber hinaus ist die Studienlage zur Homöopathie bestens bekannt und eindeutig und muss nicht bei *jedem* neuen Beitrag wiederum komplett aufgelistet werden, wie bereits gefühlte 100 Mal geschehen.

    Für einen schnellen Überblick:

    http://www.esowatch.com/ge/index.php?title=Hom%C3%B6opathie#Studien_zur_Hom.C3.B6opathie

  5. 5 yt 24. Januar 2012 um 09:44

    Moin Moin.

    Nur am Rande, mir fällt auf dass Homöopathie oft mit Naturheilkunde oder Alternativmedizin in einen Topf geworfen wird. Daran scheitern schon die meisten “Patienten”, dass Ihnen nicht bewusst ist das Homöopathie keine “Natur-” und auch keine “alternative” zur Medizin ist.

    Aber ein viel wichtigerer Punkt der mir in meiner sozialen Umgebung auffällt, Schüßler Salze können deswegen helfen, weil dazu ein Glas Wasser getrunken wird. Die meisten Menschen haben auf der Arbeit und auch Zuhaus, soviel Stress, dass nur stoßweise Morgens, zur Kaffeepause und dann zum Feierabend, hastig getrunken wird. Zuwenig und zu selten, denke ich.

    Durch die gutgläubige Einnahme der Pille mit Wasser, werden sie quasi an regelmäßige Wasserzunahme herangeführt. Gelenkprobleme, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, … alle möglichen Probleme verschwinden wenn man nur regelmäßig ein wenig trinkt.
    Das ist meine Meinung als Laie, basierend auf Beobachtungen.

    Ein weiterer Punkt: Als nicht Mediziner verstehe ich nicht warum sich Mediziner so schwer tun, ihren Patienten die ein oder anderen kausalen Zusammenhänge mal besser zu erklären. Gehört dass nicht mit dazu wenn man seinen “Doktor” in wissenschaftlicher Arbeit erwirbt? Das man sein Handwerk auch anderen Menschen erklären kann?

    Wenn med. Wissenschaft für normale Menschen unerklärlich bleibt, dann bietet die Esoterik die besseren Erklärungen und wird damit glaubhafter. Das ist meiner Meinung ein großes Problem.

    Mit respektvollen Grüßen,
    yt

  6. 6 Dalek 26. Januar 2012 um 11:24

    Wobei ich bei diesen Schlüssel-Salzen erst neulich im Fernsehen (das ich so selten konsumiere, dass ich seit Jahren keine Fernsehwerbung mehr ah) zu meiner großen Bewunderung einen bunten und langen Werbespot für ebendiese “Salze” zur Prime-Time in irgendeinem Primatensender™ erleben durfte. Ging textlich nach dem Waschpulver-Prinzip – “noch wirksamer” (als ohnehin unwirksame “Konkurrenzprodukte”, versteh ich).

    So viel zum Thema “die böse Pharmaindustrie will nur Geld machen”… *LACH*

  7. 7 Ralf 26. Januar 2012 um 18:07

    Heute verschrieb doch tatsächlich, Frau Doktor “sonso” in den “Roten Rosen”, eine Produktion der ARD, ein homöopathisches Mittel, das das Immunsystem stärken soll…auf die Barrikaden, es geht um unsere Gebühren…;-)

  8. 8 Jan W. 27. Januar 2012 um 19:45

    @Ralf: Ich muß gestehen, meine Frau sieht jeden Tag “Rote Rosen”. Deswegen bin ich über den Handlungsablauf der Sendung informiert. *schäm* Und es fällt mir schon länger auf: Die böse Intriganten “glaubt” nicht an die Homöopahtie; die “gute” Ärztin propoagiert sie; und dort gibt es einen indischen Austauschstudenten der seiner Freundin tatsächlich eine Universität in seiner Heimat empfiehlt, um “den anderen weit voraus zu sein”. Nun ja, die Schwellenländer holen auf, denkt man da zunächst. Ihm geht es allerdings um “alternative Heilmethoden” und latürnich “sanfte Medizin”.

  9. 9 Ralf 30. Januar 2012 um 20:06

    Neues zum Fall “Rote Rosen”.
    Heute sagte der Apotheker, daß er gerne morgen noch zum Historie-Pharmazie-Treffen will, mit dem Thema: “Die Anwendung des Blutegels im Mittelalter”…LOL. Kein Wunder, daß in seiner Apotheke niemals ein Kunde ist.
    Ich muß schon sagen, die Soaps der Öffentlich-Rechtlichen, stehen denen der Privaten in nichts nach…;-)

  10. 10 Tamara 7. März 2012 um 19:03

    Heutzutage ist es im allgemeinen Interesse nur Wichtig, möglichst viel Leistung in kürzester Zeit erbringen zu können. So ist es auch in der Medizin. Antibotika und andere Arzneimittel sind und werden so entwickelt, dass nur die Krankheitssymptome nachlassen bzw. nicht mehr Auftreten. Niemand frägt mehr nach, weil es einen körperlich gut geht und man seinem Alltag wieder nachgehen kann.
    Homöopathische Arzneimttel können keine schnelle Wirkung erzielen, da man sich vollständig auf unsere Naturgegebeheiten verlassen muss. Eine Pflanze z.B. besitzt nur eine begrenzte Menge an bestimmten Wirkstoffen die wir für die Heilung unserer Beschwerden benötigen. Meist werden mehrere Wirkstoffe benötigt, die in nur einer Pflanze wiederrum auch nicht unbedingt vorhanden ist. Das Problem ist, das man beispielsweise nicht 10 verschiedene Plfanzen in eine Tablette stopfen können, auch nicht durch das Extrahieren ihrer eigenen Säfte. Theoretisch wäre es dann möglich, das wir anstelle 3 Tabletten täglich 9 oder 12 Stück einnehmen müssten um in absehbarer Zeit ein Ergebnis zu erzielen.
    In der Pharmazie ist es aber Erlaubt, so viele künstliche Wirkstoffe zuzumischen wie man möchte. Durch die Tatsache das dort alles künstlich von statten geht, ist unser Körper zwar wieder Leistungsfähig deswegen aber noch Lange nicht Geheilt.

    Es hat seine gründe warum wir uns anstatt Sonnnen noch nicht eine Tablette einschmeissen können, oder uns mit sättigenden Pillen nicht ausschließlich Ernähren.

  11. 11 Bernd Harder 8. März 2012 um 11:41

    Hallo Tamara, Sie wissen schon, dass Homöopathie nichts mit Pflanzenheilkunde (= Phytotherapie) zu tun hat und dass in Homöopathika schlicht gesagt *nichts* drin ist außer Wasser oder Zucker – jedenfalls keine Wirkstoffe.

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