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„Voodoo-Wissenschaft“: MDR-Podcast zur Homöopathie

| 10 Kommentare

Neu im MDR-Podcast:

Homöopathie ist eine Religion“

Der Homöopathie weht aktuell in Deutschland ein eisiger Wind entgegen: Der Ärztetag und die erste Kassenärztliche Vereinigung greifen die Homöopathie frontal an, Parlamentarier mehrerer Fraktionen fordern ein „Ende der Kassenfinanzierung von Pseudomedizin“ und Bundesgesundheitsminister Lauterbach ist schon lange gegen die Homöopathie.

Der Virologe Alexander Kekulé schätzt die aktuelle Diskussion ein (ab Minute 16).

Außerdem geht es um folgende Fragen: Wie funktioniert Homöopathie? Wie ist die aktuelle Stand der Wissenschaft? Welche Argumente gibt es dafür und dagegen? Und wie könnte eine friedliche Co-Existenz zwischen Schulmedizin und Homöopathie aussehen?

Zu Beginn der Ausgabe geht es um den aktuellen Stand beim Affenpockenvirus.

Die GWUP-News schreiben zu dem 75-Minuten-Beitrag:

In der Sendung stellt der MDR-Redakteur Camillo Schumann dem Mediziner Alexander Kekulé Fragen. Der hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg und nennt die „alternative“ Heilslehre ,,Voodoo-Wissenschaft“. Er sieht sogar die Gefahr der „Kontamination der Naturwissenschaften mit parawissenschaftlichen Ideen“. Die Homöopathie sei im Grunde eine Professionalisierung des Placeboeffektes.

Ein Verbot lehnt Kekule ab, fordert aber eine klare Abgrenzung zur auf wissenschaftlichen Grundlagen basierenden Medizin.

Außerdem erhält man in dem Podcast auch zahlreiche wichtige und interessante Informationen, etwa, wie es dazu kommen konnte, dass sich die wissenschaftlich nie bewiesene Homöopathie im deutschen Gesundheitswesen so nachhaltig etablieren konnte, sowie zu ihrer Geschichte und Anwendung.

Zum Weiterlesen:

  • Homöopathie ist eine Religion, mdr am 9. Juni 2022
  • MDR-Podcast mit Schwerpunktthema ,,Homöopathie“, GWUP-News am 10. Juni 2022
  • Deutscher Ärztetag streicht die Zusatzbezeichnung Homöopathie aus der MWBO, GWUP-Blog am 26. Mai 2022
  • Grams‘ Sprechstunde: Placebo-Effekt – Die innere Apotheke, detektor.fm am 9. Juni 2022

10 Kommentare

  1. Hier behauptet einer, die GWUP hätte überall ihre Spione. Ihr seid ganz Schlimme! ;-)

    https://youtu.be/xx1vOwc9fek

  2. @Niederrheiner:

    Danke.

    Ich würde der Dame erst mal einen Kurs spendieren, wie man eine Kamera gerade hält und einen verständlichen Ton ohne Nebengeräusche erzeugt.

  3. Schön, wie ganzheitlich Kekulé auf das Thema schaut.

    Speziell ab Minute 1:04:15 kommt noch zur Sprache, dass die (berechtigte, selbstredend) Kritik der Homöopathie gern mal über’s Ziel hinausschießt und eine Gefährlichkeit attestiert wird, die nicht da ist. Sozusagen die Arroganz der „Wohlwollenden“ (gemeint sind die Naturwissenschaftler). Da können wir uns alle noch eine Scheibe von abschneiden.

  4. Schön, dass Herr Kekulé sich jetzt auch des Themas annimmt, nachdem es Allgemeingut geworden ist. Aber das sei ihm nicht vorgeworfen.

    Die Sache mit der Gefährlichkeit würde ich mal nicht unterschätzen.

    Beim INH kennen wir viele ÄrztInnen, die davon berichten, dass mehr oder weniger ständig (wenn auch nicht täglich / wöchentlich) PatientInnen aufschlagen, die durch „Anbehandlung“ mit Homöopathie, sei es durch Selbstbehandlung, sei es durch TherapeutInnen, Schaden unterschiedlichen Ausmaßes davongetragen haben.

    Erst gestern schrieb uns eine Krankenpflegerin:

    „Ich hatte eine Frau in der ambulanten Pflege die ihren Brustkrebs rein homöopathisch behandelt hat. Als wir vom Pflegedienst dazu kamen war von der einen Brust gar nix mehr da und die andere fast komplett vom Krebs weggefressen und alles war offen. Zusätzlich hatte sie einen riesigen „Blumenkohl“ auf der Schulter. Bei einem Einsatz vor Ort hatte sie grad gehustet und plötzlich fing sie durch den Druck an zu bluten.“

    Infaust natürlich. Niemand sagt, dass solche Fälle am Fließband vorkommen. Aber sie kommen vor. Und ein Schaden im medizinisch-ethischen Sinne ist es doch schon, wenn ein fehlbehandeltes Kind tagelang unnötige Schmerzen, z.B. wegen einer Mittelohrentzündung, aushalten muss, die nicht mal symptomatisch behandelt wird.

    Vom Schadenspotenzial, das der Glaube an Homöopathie beim Abdriften in noch Schlimmeres und bei der Förderung esoterisch-unwissenschaftlichen Denkens anrichtet, ganz zu schweigen. Von der EASAC 2017 ausdrücklich als solches benannt und inzwischen auch empirisch ganz gut belegt.

    Je mehr es andauert, dass Gesetzgeber und Kassen die Homöopathie „adeln“, umso mehr wird sich solches Schadenspotenzial realisieren.

    Zudem kennt Herr Kekulé offensichtlich nicht die Deklaration des Weltärztebundes zu Pseudomedizin im Gesundheitswesen, das dieser auf seiner Jahreskonferenz 2000 in Cordoba beschlossen hat. Dort heißt es u.a.:

    „Pseudowissenschaften und Pseudotherapien stellen ein komplexes System von Theorien, Annahmen, Behauptungen und Methoden dar, die fälschlicherweise als wissenschaftlich angesehen werden. Sie können dazu führen, dass Patienten eine Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen Pseudotherapien und der Besserung wahrnehmen. Sie können daher sehr gefährlich sein und sind unethisch.“

    „In vielen Ländern fehlt der regulatorische Rahmen zur Einhegung dieser Pseudotherapien, was ihre Verbreitung ermöglicht hat. In der Vergangenheit wurden sie von der Ärzteschaft wegen ihrer Nebenwirkungsfreiheit als harmlos angesehen, aber heute gibt es genügend Beweise dafür, dass sie ein Risiko für die Patientensicherheit darstellen können.“

    „Die Empfehlungen des Weltärztebundes für Nationale Gesundheitsbehörden:

    Eine adäquate und strenge Regulierung, die Best-Practice-Regeln entspricht, ist notwendig, um die Risiken zu fokussieren und die potenziellen (!) Schäden zu reduzieren, die aus Pseudotherapien und Pseudowissenschaft erwachsen.

    Nationale Behörden und Gesundheitssysteme sollten Pseudotherapien nicht zulassen und eine Kostenerstattung von Pseudotherapien ablehnen.

    In Zusammenarbeit mit medizinischen Berufsverbänden, wissenschaftlichen Gesellschaften und Patientenverbänden sollten die nationalen Behörden über Pseudotherapien und Pseudowissenschaften aufklären.“

    Zu finden unter:

    https://www.wma.net/wp-content/uploads/2020/12/wmj_4_2020_WEB.pdf
    (S. 33 ff.)

  5. Würden wir in der Homöopathie kein (mehrfaches) Schadenspotenzial erkennen, dann wäre unsere ganze Aufklärungsarbeit der letzten Jahre reiner Selbstzweck. Gartenarbeit wäre dann sinnvoller gewesen.

    Und eine Einstiegsfrage „Wie funktioniert Homöopathie?“ mag man als journalistischen Teaser wohl goutieren können. Aber die Antwort kann doch nur aus zwei Worten bestehen:

    „Gar nicht.“

    Wir denken, es ist an der Zeit, in diesem SInne die Diskussion fortzusetzen. Sachlich, höflich, aber glasklar.

  6. Wer auf Twitter ist:

    Bei @Globuleaks unter #WieHomöopathieSchadet

    findet man eine kleine Auswahl. Und das sind längst nicht alle Fälle, über die berichtet wird. Die Dunkelziffer dürfte entsprechend groß sein.

  7. Erst klang es ganz besonnen, der Hinweis, dass die Kriterien verschwimmen und auch wissenschaftlich fundierte Aussagen der Beliebigkeit anheimfallen, ist ja ein Hinweis, den man nicht oft genug wiederholen kann.

    Und Homöopathie als Religion zu bezeichnen ist ein klares Statement.

    Aber die Aussagen zu den somatische bedingten Beschwerden suggerieren, dass man da nur Placebos braucht und alles ist gut. Es kann gravierende Ursachen geben, die man nicht mit ein bisschen Zuwendung beseitigen kann. Da ist doch Fachlichkeit gefragt.

    Es ist auch richtig, dass manche Ärzte und Apotheke HP anwenden aus finanziellen Motiven.

    Bei „wer heilt hat Recht“ und es gäbe keinen Schaden durch solche Methoden/verzögerte Behandlung verlässt Herr Kekule seinen selber postulierten Anspruch der sauberen Beurteilung.

    Fehler in der Medizin relativen nicht die Fehler durch unwirksame Behandlungen/Fehleinschätzungen. Wie sähe es aus, wenn man die gleiche Anzahl und Art von Erkrankungen einmal von Ärzten und dann von Heilpraktern behandeln lassen würde?

    Es ist stark zu vermuten, dass da eben nicht das Gleiche heraus käme.

  8. @Anke R.:

    In der Tat kann man Herrn Kekulé insgesamt nur teilweise folgen.

    Manches hört sich an wie von Hardcore-Verteidigern der Homöopathie. Das „Wer heilt hat Recht“ ist bekanntlich „einer der dümmsten Sätze in der Medizin“ (Edzard Ernst).

    Mir fehlt insgesamt das Verständnis dafür, dass ein gestandener Gesundheitsforscher sich zwar klar zum wissenschaftlichen Unwert der Homöopathie positioniert, aber dann Relativismus verbreitet, wie ihn die DHU oder der Zentralverein homöopathischer Ärzte kaum besser formulieren könnten.

    Fast hätte ich gesagt, dann lieber gar keine Aussage zur Homöopathie. Aber natürlich nur fast!

  9. Kann bitte jemand mit einem Google Account mal das antisemitische und rechtsradikale Drecksvideo melden, das oben von @niederrheiner verlinkt wurde. Unerträglich

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