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Deutscher Ärztetag streicht die Zusatzbezeichnung Homöopathie aus der MWBO

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Breaking News:

Nachdem bereits zwölf Landesärztekammern deutlich gemacht haben, dass man eine pseudowissenschaftliche Behandlungsmethode wie Homöopathie nicht seriös praktizieren kann, schließt sich nun auch der Deutsche Ärztetag (die Hauptversammlung der Bundesärztekammer, gewissermaßen das „Parlament der Ärzteschaft“), dieser Auffassung an:

Es gab wenige Gegenstimmen.

Wissenschaftliche Studien, die einen evidenzbasierten Einsatz der Homöopathie belegen, fehlten, heißt es in der Begründung zum Antrag. Damit fehlten auch die Grundsätze, nach denen in einem kollegialen Gespräch der Wissenserwerb in der Weiterbildung überprüft werden könne […]

Die letztendliche Entscheidung müssen die Landesärztekammern vor Ort treffen. Mit der Entscheidung geht aber ein deutliches Signal an die Kammern, die Zusatzbezeichnung Homöopathie aus ihren Weiterbildungs­ordnun­gen zu streichen.

Update

„Ärztetag Bremen – Tooor“: Kommentar vom Münsteraner Kreis

Zum Weiterlesen:

  • Zusatzbezeichnung Homöopathie soll aus MWBO gestrichen werden, aerzteblatt.de am 26. Mai 2022
  • Deutsche Ärztekammern streichen in Bremen Homöopathie-Weiterbildungen, buten un binnen am 26. Mai 2022
  • Zwölfte Landesärztekammer streicht Homöopathie aus der Weiterbildungsordnung, GWUP-Blog am 10. Oktober 2021
  • Video: „Der Streit um die Zuckerkügelchen“ bei WISO, GWUP-Blog am 9. Mai 2022
  • Das Ende der Homöopathie in Deutschland ist nicht mehr aufzuhalten, publikum-net am 18. Oktober 2021

18 Kommentare

  1. Da haben die Homöopathen auf ihrer zeitgleich stattfindenden Jahres-Tagung in Münster wenigstens ein Thema, über das zu diskutieren sich lohnt.

  2. Schlechte Nachrichten für die homöopathisch tätigen Ärzte und weitere Anhänger der Pseudomedizin.

    Das wird für sehr viel Aufregung in deren Kreisen sorgen.

    Nachsatz:

    Im Ärzteblatt steht folgende Aussage: Michaela Geiger, 1. Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ), nahm die Entscheidung „mit Erstaunen“ zur Kenntnis. Homöopathie habe in der Bevölkerung eine hohe Akzeptanz, sagte sie.

    Die Dame hat immer noch nicht begriffen, dass Akzeptanz nichts mit Evidenz und Wirksamkeit zu tun hat.

  3. @ RPGNo1

    Die Dame hat immer noch nicht begriffen…

    Da bin ich mir nicht so sicher. Für mich ist wahrscheinlicher, dass sie es sehr wohl begriffen hat, aber den Homöopathen bleibt halt nicht mehr recht viel anderes als „Aber sie wollen es ja…“

  4. @RainerO

    So kann man die Aussage von Frau Geiger auch interpretieren.

    Vielleicht ist es auch eine Mischung von beidem. Dr. H. zum Beispiel, der diesen Blog oder auch den von Norbert Aust schon des öfteren beehrt hat, tendiert meiner Ansicht nach mehr in Richtung Nichtbegreifen (wollen), so oft wie er sich schon eine blutige Nase geholt hat und trotztdem immer wieder den gleichen Unsinn wiederholt.

  5. Freibier hat in der Bevölkerung auch eine hohe Akzeptanz.

  6. Ich habe mich sehr viel mit der Frage befasst, was die Homöopathen, zumal die ärztlichen, „motiviert“ und habe auch darüber schon geschrieben. Da sag ich nix mehr zu, jedenfalls nicht zu „Einzelfällen“ …

    Ich gebe aber mal zu bedenken, ob man Dinge wie den hochmögenden Kongress der ärztlichen Homöopathen, der ironischerweise zeitgleich mit der Bundesärztetag stattfindet, tatsächlich mit allem Drum und Dran auf die Beine stellt, wenn man genau weiß, dass man hier einer Schimäre mit viel Geld und Mühe eine Bühne schafft. Glaube ich nicht.

    Ich bin einigermaßen sicher, dass die Selbsttäuschung so intensiv und so tiefgreifend ist, dass hier die Homöopathie längst als Teil der Persönlichkeit „integriert“ und deshalb kaum noch Argumenten und auch solchen Dingen wie dem Beschluss des BÄK zugänglich ist.

    Auch die heftigen Reaktionen auf Kritik und der beständige Vorwurf, Kritiker würden „Hass und Hetze“ ohne Ende verbreiten, speist sich im Sinne einer Reaktion auf eine „narzisstische Kränkung“ wohl daraus.

    Natalie Grams schrieb schon vor einigen Jahren in einem Fachartikel in EBMO Reports dazu etwas sehr Interessantes:

    „Modern cognitive psychology has developed the idea that individuality is an important guiding basis for deciding on actions. Albert Bandura established the concept of self-efficacy beliefs: That difficult situations and challenges can be successfully mastered by the individuals’ own agency. The feeling of being able to determine the meaning and the course of one’s life autonomously is therefore a reason for satisfaction. Even though it is a theory of behavioral change, it also helps to explain the exaggerations of the concept of individuality mentioned before.

    To what extent these self-efficacy beliefs have a wider effect depends on the ability and willingness of the individual to recognize where subjectivity ends and intersubjectivity with the rest of the world begins.

    If this limit is not recognized, the rest of the world is perceived as an obstacle that restricts individual self-efficacy. This can help to explain an often determined and emotional refusal to acknowledge scientific facts if they are regarded as limiting one’s agency. In medicine, which affects people on a very personal level, this can have a strong effect.“

    Mir will scheinen, das ist nicht nur auf die Anhänger, sondern eher noch mehr auf die Proponenten der Homöopathie anwendbar.

    Schauen wir doch mal auf die – leider offenbar stabile – Szene von PsychotherapeutInnen im Traumabereich, die nach wie vor sich gegenseitig in ihrem Wahn von der „Satanic Panic“ bestärken. Sehen wir hier – und auch noch in manchen anderen Dingen – nicht genau das Gleiche?

    Unbelegte Überzeugungen, die zudem großes Schadenspotenzial für die KlientInnen und Dritte haben, gegenüber Kritikern geradezu klassische Versuche der Beweislastumkehr, Dämonisierung von Kritikern (hier Vorwürfe kommerzieller Interessen, von Hass und Hetze, dort der Vorwurf, man betreibe Täterschutz) und manches mehr.

    Es zeigen sich die gleichen grundlegenden Rechtfertigungsmechanismen in beiden Fällen. Das ist kein Zufall, das ist das Ergebnis einer sozio-psychologischen Disposition, auch „falsches Abbiegen“ oder auch fehlende Selbstkritik genannt, ständiig bestärkt durch das gute Gefühl der Zugehörigkeit einer Gruppe, die „die Wahrheit™“ besitzt.

    Zurück zum Thema:

    Die Größe der homöopathischen Bubble und ihre geradezu gravitätisch vor sich hergetragene Wissenschaftsmimikry (schöne Grüße an den Homöopathiekongress) ist dabei auch nicht ungewöhnlich, sie hatte ja nicht nur Zeit zum Wachsen, es hat sie ja über 40 Jahre lang nicht nur niemand gehindert, sondern durfte sich in dieser Zeit auch im Großen und Ganzen des Wohlwollens von Politik und Medien sicher sein. Was schert dann noch die Stimme der Wissenschaft? Läuft doch.

    Und wenn es jetzt auf einmal nicht mehr läuft, auch noch solche Kracher einschlagen wie der Beschluss des BÄK, dann versteht man eben die Welt nicht mehr.

    Frau Geigers „Die Leute wollen es doch“ in dieser Situation ist nichts anderes als das belämmerte „Ich habs doch nur gut gemeint“, wenn Onkel Hermanns Malerfähigkeiten die Wohnung versaut haben, während man im Urlaub war.

    Ich brauche wohl nicht besonders zu betonen, was es für das INH und seine Unterstützer für eine Genugtuung (ja, das darf man wohl sagen) ist, dass dieser Beschluss der Bundesärztekammer nun über uns gekommen ist.

    Noch 2018 waren wir trotz Vorbereitung durch das „Münsteraner Memorandum Homöopathie“ daran noch gescheitert (das Thema wurde „totgeschwiegen“), was damals im umgekehrten Sinne die damalige Vorsitzende des DZVhÄ zu der vollmundigen Erklärung veranlasste, „Wir freuen uns, dass die deutsche Ärzteschaft den therapeutischen Nutzen und die ärztliche Weiterbildung in Homöopathie bestätigt hat“, erklärte Cornelia Bajic, Erste Vorsitzende des DZVhÄ. „Qualitativ hochwertige Studien belegen heute die Wirksamkeit der Homöopathie und haben dazu einen entscheidenden Beitrag geleistet“.

    Literally.

    Man möge dieses Statement mal gegen die heutigen Worte ihrer Nachfolgerin mal abgleichen.

    So, nun ist aber gut.

  7. Schöne Entwicklung! Weitere Meilensteine wären noch das Ende der Kostenübernahme für homöopathische Mittel seitens der Krankenkassen und, ganz wichtig, das Ende der Apothekenpflicht, welche die Homöopathie ja ungerechtfertigt »adelt« und symbolisch auf eine Stufe mit echten Medikamenten hebt.

  8. Dieser Kommentar von Frau Geiger aus der Stellungnahme des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) zum Aus der Homöopathie in der Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer ist einfach nur „cringe“ und zeigt unmissverständlich die verdrehte Denke dieser Leute auf.

    Evidenzbasierte Medizin beruht nach ihrem Begründer Dr. Davids L. Sackett auf den drei Säulen: Studienlage (externe Evidenz), ärztliche Erfahrung (interne Evidenz) und die Präferenz der Patient*innen. „Auf dieser Grundlage der drei Säulen der evidenzbasierten Medizin sollte die Entscheidung über die Inhalte der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer entschieden werden.“

    „Diese Abstimmung zeigt, dass es nun noch wichtiger wird für unseren Berufsverband, die qualitativ hochwertige ärztliche Aus- und Fortbildung der Homöopathie weiterzuentwickeln“, so Michaela Geiger.

    https://www.presseportal.de/pm/120120/5232417

  9. Beim vormaligen Versuch, die Homöopathie aus der MWBO zu kicken, wurde das im Vorfeld quasi kaputtdiskutiert, leider. Aber seitdem gärte das.

    Jetzt haben sie es ohne großes Bohei einfach gemacht, mein Kompliment. So könnte das doch in Berlin bzgl des Arzneimittelstatus von Homöopathika auch laufen…

    Frustrierend ist, dass INH & Co seit Jahren argumentieren, dass die Homöopathie mit (richtig verstandener) evidenzbasierter Medizin rein gar nichts zu tun hat, und niemand scheint richtig zuzuhören.

    Aktuell verdrehen die Homöopathen (Zentralverein, Hersteller, div. „Studien“-Autoren, als ob es orchestriert wäre) die Grundgedanken der EbM in ihrem Sinne, und kommen anscheinend damit durch.

    Weil sie wieder mal ein schwieriges Thema publikumskompatibel runtervereinfachen und wir wieder mal 5:1 Sätze brauchen, um deren Argumentationsmüll wegzuräumen.

    Aber hilft ja nich…

  10. Frau Geiger et. al. scheinen zu übersehen, dass zwischen den drei Säulen der Evidenzbasierten Medizin ein UND und kein ODER zu stehen hat.

  11. Man sollte die Faktenlage vorurteilslos zur Kenntnis nehmen. Daher habe ich die Substanz aus 200 Jahren Forschung zur Wirksamkeit der Homöopathie übersichtlich zusammengefasst. Zum Download hier klicken:

  12. @ nota.bene: ODER ist eben gewissermaßen ein potenziertes UND, nicht?

  13. @Natalie Grams-Nobmann

    Vielen Dank und Respekt für Dein Engagement!
    Bitte mach weiter so, es ist verdammt nötig.
    :-)

  14. Die Szene mobilisiert ihre Medienpartner:

    https://www.mdr.de/geschichte/ddr/politik-gesellschaft/gesundheit/homoeopathie-ddr-100.html

    Das dort beworbene Buch über die Homöopathie in der DDR ist übrigens die Dissertation einer homöopathischen Ärztin, erschienen im KVC-Verlag, der zum Netzwerk der Carstens-Stiftung gehört.

  15. Studie: Homöopathie wirkt bei 9 von 10 Schwägerinnen eines alten Schulfreunds einer Bekannten

    https://www.der-postillon.com/2016/05/studie-homoopathie-wirkt.html

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