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Bhakdi-Faktencheck, der nächste

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Bereits 19-mal ist Sucharit Bhakdi innerhalb weniger Stunden für Das Goldene Brett 2020 nominiert worden.

In der Neuen Osnabrücker Zeitung hat er gerade erst versucht, sich gegen den Vorwurf der Corona-Verharmlosung zu verteidigen – und haut dabei den nächsten Klopper raus:

Auf die Frage, ob er selbst sich impfen lassen würde, wenn seine hochbetagte Schwiegermutter ihn darum bitten würde, antwortete der emeritierte Professor:

„Ich würden ,Ja‘ sagen. Und dann würde ich mir eine Ampulle Kochsalz spritzen lassen.“ Seine Schwiegermutter würde glauben, er sei geimpft, und sich vielleicht sicherer fühlen. „Damit hätte ich überhaupt keine Probleme“, erklärte Bhakdi, fügte indes hinzu:

„Allerdings würde mich meine Schwiegermutter niemals darum bitten. Denn sie hat absolut keine Angst davor, sich mit Corona anzustecken. Sie würde sich auch lieber umbringen, als sich im Krankenhaus behandeln zu lassen.“

Nebenbei verbreitet Bhakdi mal wieder das Meme vom „angeblichen Killervirus“ – was unseres Wissens nach kein seriöser Experte je behauptet hat.

Und beim „Wahrheitskongress 2020“ der absoluten Bullshiter-Elite meint der Herr Professor auch auftreten zu müssen:

Einen weiteren Faktencheck zu Bhakdis privater Zusatzrente Buch „Corona Fehlalarm“ hat gestern der Volksverpetzer veröffentlicht.

Bester Satz (wenn auch als Fremdzitat):

Aus jeder Zeile schreit dem Leser die tiefe persönliche Kränkung entgegen, dass dieser „Herr Drosten“ in der Öffentlichkeit mehr Beachtung erfährt als die Autoren.

Das Fazit vom Volksverpetzer:

Es ist wissenschaftlich unseriös argumentiert, voller Fehler, voller unbelegbarer Behauptungen und von Behauptungen, die sich entweder als falsch oder später als falsch erwiesen haben.

Es ist ein tendenziöses “Sachbuch”, das nur eine pseudowissenschaftliche Grundlage für die Pandemie-Leugner:innen und Verschwörungsideolog:innen liefert und fast ausschließlich dort rezipiert wird. In Fachkreisen wird sich reihenweise davon distanziert.

Zum Weiterlesen:

  • Die größten Fakes im Bhakdi-Buch, volksverpetzer am 15. November 2020
  • Ist Sucharit Bhakdi ein Experte für SARS-CoV-2 und Covid-19? GWUP-Blog am 24. Oktober 2020
  • Diskussion: Was hat jemand wie Bhakdi in ÖR-Medien zu suchen? GWUP-Blog am 20. Oktober 2020
  • hr-iNFO mit „Postfaktencheck“ zu Bhakdis Falschbehauptungen, GWUP-Blog am 14. Oktober 2020
  • Universität Kiel distanziert sich von Sucharit Bhakdi/Karina Reiß, GWUP-Blog am 27. August 2020
  • Das Goldene Brett 2020 – jetzt online Kandidaten nominieren, GWUP-Blog am 16. November 2020

10 Kommentare

  1. Ja, er hat sich das Goldene Brett redlich verdient…

    Von einem Killervirus hat niemand je gesprochen, jedenfalls keiner der Experten, die ich im Frühjahr gehört hatte, sondern man ging in Fachkreisen immer von einer Letalität von ca. 0,5% aus, das hat auch zb Prof. Drosten in den ersten Podcast-Folgen gesagt.

    Natürlich sind 0,5% auch schon viel und leider steigt die Mortalität mit dem Lebensalter und deshalb wird in einem Land mit einer relativ alten Bevölkerung höher liegen.

    Alles was ich bisher von diesem Bhakdi gelesen habe oder gehört habe ist sehr seltsam, da frage ich mich wirklich, wie er eine akademische Laufbahn verfolgen konnte? – Ist er früher noch nicht aufgefallen? – Oder ist das neu und vielleicht schon ein Anzeichen einer beginnenden Demenz?

  2. Wird so ein goldenes Brett denn auch beim Preisträger installiert? Stelle mich gern mit meinen durchschnittlichen Handwerkskünsten zur Verfügung, das Brett vor den Kopf zu zimmern.

    Danke für nichts, Sucharit Bhakdi.

  3. „mit meinen durchschnittlichen Handwerkskünsten …“

    Bitte, mach das! Ich bin da sehr dafür! Go Trabi Go!

    Und bitte dokumentiere das auch ordentlich und unwiderlegbar …

  4. Aus jeder Zeile schreit dem Leser die tiefe persönliche Kränkung entgegen, dass dieser „Herr Drosten“ in der Öffentlichkeit mehr Beachtung erfährt als die Autoren.

    So ähnlich sehe ich das auch, auch wenn ich eher Bhakdi als „Spirtus Rector“ hinter dem Buch und als den Gekränkten sehe, obwohl er behauptet, dass seine Frau Karina Reiß den Anstoß zum Buch während des 1. „Lockdown“ gegeben hätte.

    Allerdings scheint Frau Reiß weitaus weniger öffentlichkeitsgeil als ihr Mann zu sein. Sie wurde nach meinem Wissensstand auch nur gemeinsam mit ihm interviewt.

    Bhakdi verflucht innerlich den Umstand, dass die Coronapandemie nicht 10, 15 Jahre früher aufgetreten ist, und er denn mit seinem vermeintlichen Können und Wissen hätte glänzen können. Stattdessen streicht Christian Drosten den ganzen „Ruhm“ ein.

  5. Algorithmen sind doof: Bhakdis Buch wurde mir nach dem Kauf eines Buchs vom Martin Moder vorgeschlagen. :-D

  6. Wie sehr Herr Bhakdi und Frau Reiß sich gegenseitig zu dieser Buchveröffentlichung „inspiriert“ haben, ist sehr schwer zu beurteilen.

    Eigentlich haben sie ja eine sehr unterschiedliche Interessenlage – der eine, der sich offenbar als zu kurz gekommene Autorität (ist er auf dem Gebiet der Virologie nicht!) sieht, die andere, die möglicherweise in gemeinsamer Fehleinschätzung sogar auf akademisches Renommee spekuliert hat.

    Letzteres nun maximal verpufft durch die Stellungnahmen ihrer Alma Mater, was für sich ein höchst ungewöhnlicher Vorgang ist.

    Wer also wen angetrieben hat und wer wen „pusht“, ist möglicherweise zwischen den beiden selbst nicht völlig klar.

    Verblendet mögen sie beide sein, aber dumm nun wohl doch nicht. Als schlichtes Fazit bleibt, dass das gemeinsame Ego über die gemeinsame Restratio gesiegt hat.

    Alleine die Idee eines solchen Buches, das ja – berücksichtigt man den Entstehungs- und Herstellungsprozess eines Buches selbst unter Zeitdruck – schon sehr früh konzipiert gewesen sein musste, ist doch angesichts gerade der Unsicherheiten unter Corona schon verfehlt.

    Außer, man hält seine eigenen Statements von März/April des Jahres bereits für unumstößliche und unveränderliche Weisheiten, die es zu verteidigen gilt.

    Und genau so kommt mir das Buch vor:

    Als beständige Apologie der frühen Statements von Bhakdi. Was das mit wissenschaftlicher Redlichkeit oder auch nur Sinnhaftigkeit zu tun haben soll, weiß ich nicht.

  7. @Udo Endruscheit

    der eine, der sich offenbar als zu kurz gekommene Autorität (ist er auf dem Gebiet der Virologie nicht!) sieht

    Ich habe jetzt schon des Öfteren im Netz Erklärungen von Leuten gelesen, die mit Bhakdi zusammengearbeitet oder in Vorlesungen von ihm gesessen haben. Sie haben ihn als sehr guten Lehrer und Wissensvermittler geschildert, der die Studenten beindrucken konnte, aber als ein außergewöhnlicher Forscher wurde er nicht charakterisiert.

    Verblendet mögen sie beide sein, aber dumm nun wohl doch nicht.

    Eben das ist eine gefährlich Mischung. Nicht umsonst kommen Bhakdis (und ev. auch Reiß‘) Anhänger ständig mit dem argumentum ad verecundiam an.

  8. @RPGNo1

    Ich kann das aus dem eigenen Umkreis bestätigen.

    Ein sehr geschätzter Arzt aus meinem Bekanntenkreis hat sich zu Anfang der „Bhakdi-Affäre“, als die kritischen Stimmen laut zu werden begannen, voller Empörung bei mir über den „Umgang“ mit seinem geschätzten früheren Lehrer beklagt. Auch über die GWUP in diesem Zusammenhang, sei erwähnt.

    Dadurch bin ich überhaupt sehr früh zum Thema „Bhakdi“ gekommen. Sein allererstes Video ließ mich auch noch nicht unbedingt mit dem Eindruck zurück, hier einen Fakten-Amokläufer vor mir zu haben.

    Und die Empörung meines Bekannten war nicht gering… Bhakdi muss also als Lehrer schon Charisma gehabt haben. Ich konnte dann aber auch sehen, wie mein Bekannter nach und nach immer stiller in seiner Bhakdi-Verteidigung wurde und letztlich verstummte. Ich habe das schon auch als irgendwie tragisch empfunden.

    Bhakdis Fachgebiet als Forscher, auf dem er relevant veröffentlicht hat, war der Einfluss bakterieller Infektionen auf den Zustand von Blutgefäßen. Das hat mit Virologie und Epidemiologie nun mal herzlich wenig zu tun.

  9. @Udo Endruscheit:

    Auch über die GWUP in diesem Zusammenhang,

    – In den vergangenen 33 Jahren gab es einige Kandidaten, bei denen ich persönlich lange unsicher war, ob „die GWUP“ mit ihrer – meist frühen – Einordnung richtig liegt.

    Bislang kann ich mich an keinen Fall erinnern, bei dem sich unsere Positionierung als falsch herausgestellt hätte – im Gegenteil: Meist wurde es mit der betreffenden Person im Laufe der Zeit immer schlimmer.

    – Da ich täglich mit Labormedizinern zu tun habe – und dann auch noch häufig im Großraum Mainz -, kenne ich einige, die bei Bhakdi studiert haben. Alle durchliefen diesselbe Entwicklung, wie Sie sie schildern.

  10. Ich bin mir nicht sicher, ob das schon gebracht wurde. Aber Christian Meesters hat auf seinem Blog „rupture de caténaire“ einiges über Bhakdi geschildert, den er persönlich kennengelernt hat.

    https://scienceblogs.de/rupture-de-catenaire/

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