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Bundeskongress: Grüne Jugend gegen Homöopathie auf Kassenkosten

| 8 Kommentare

Während Spiegel-Online bei den Grünen „die alten Anti-Reflexe“ bei Themen wie Impfen oder Homöopathie konstatiert, ist die Grüne Jugend schon wesentlich weiter.

Beim Bundeskongress in Leipzig haben sich die Delegierten heute gegen Homöopathie auf Kassenkosten (und für eine Impfpflicht) ausgesprochen.

https://twitter.com/GJNds/status/1114867318566334464

Das Ergebnis:

https://twitter.com/gruene_jugend/status/1114950221958656001

Und noch eine gute Nachricht:

Die Liberale Hochschulgruppe (LHG) an der Universität Duisburg-Essen beantragt die Streichung des Wahlfachs „Klassische Homöopathie“.

https://twitter.com/akduell/status/1114488589969129474

„Eine Lehrveranstaltung, die eine vermeintliche Heilmethode, welche auf nichts außer Spontanverlauf, Suggestion, Konditionierung oder Placebo-Effekt zurückzuführen ist, sollte nicht an unserer Universität gelehrt werden, besser noch: an keiner. Stattdessen sollte das Institut für Allgemeinmedizin hier ein klares Signal senden, dass sie als Lehrinstitution stets medizinische Erkenntnisse auf aktuellstem Stand in ihren Wahlfächern und anderen Lehrveranstaltungen anbieten“, begründet die LHG ihren Antrag im Studierendenparlament.

Übrigens: Vor drei Jahren ging die Webseite des INH online.

Zum Weiterlesen:

  • LHG beantragt Streichung des Wahlfachs Homöopathie, ak[due]ll am 6. April 2019
  • Homöopathie Teil 1: „In der Medizin hat Magie nichts verloren“, higgs am 4. April 2019
  • Homöopathie Teil 2: „Ich habe nicht mit dem Rummel gerechnet“, higgs am 4. April 2019
  • Homöopathie Teil 3: „Vor 200 Jahren war die Homöopathie wohl wirklich ein Segen“, higgs am 5. April 2019
  • Randomized controlled trial of homeopathic nosodes finds, not surprisingly, that they are useless, Science-Based Medicine am 4. April 2019
  • Das Ritual, Onkel Michaels kleine Welt am 3. April 2019
  • Ein homöopathiekritischer Artikel provoziert eine Debatte bei den Grünen, GWUP-Blog am 8. März 2019

8 Kommentare

  1. Klingt ja theoretisch gut, aber schau mer mal wie lange es praktisch dauert bis das bei den Restgrünen so wirklich ankommt…

  2. Ich hab gerade eine Träne der Freude die Wange runterkullern lassen. Danke liebe Grüne Jugend…ich bin beeindruckt. #Globukalypse – Für mehr Rationalität und Evidenzorientierung in der Politik.

  3. Wenn das die Zukunft der Grünen ist und sich dieser evidenzbasierte Ansatz bei denen auch auf anderen Themenfeldern durchsetzt, werden die für mich womöglich doch irgendwann wählbar – würde mich freuen. :)

  4. Mir kommt das, was sie da machen, wie eine moderne Hexenjagd vor. Weil sie nicht verstehen, wie etwas wirkt, wird es verteufelt. Ich würde nie auf die errungenschaften der Schulmedizin verzichten, weiß aber aus eigender Erfahrung als Patientin, dass Homöopathie über den Placebo-Effekt hinaus wirkt, u.a. weil Beschwerden, die gar nicht gezielt behandelt wurden, verschwanden und eine sehr ernsthaft4 Erkrankung sich erst maßgeblich verbesserte, als ich eine homöopathische Behandlung in Anspruch nahm. Meiner Erfahrung nach funktionieren homöopathische Mittel im Grunde nicht so viel anders als allopathische: entweder sie bringen nix oder sie helfen und sie können auch durchaus unerwünschte Wirkungen haben. Anders als allopathische Medikamente, die ich selbstverständlich weiter in Anspruch nehme, hat ein „falsches“ Mittel aber nicht nicht die verheerenden Wirkungen, die allopathische Mittel haben können. Meine allopathische Medikation begünstigt z.B. nachweislich Diabetes und Bluthochdruck. Süper! Meine Medikamente könnte ich nie bezahlen – die homöopathischen Mittel schon und ich bin sehr glücklich, dass ich mittlerweile – ärztlich überprüft – diese Medikamente reduzieren kann.
    §s ist unglaublich überheblich, sämtliche Erfahrungen von Patient*innen mit hilfreicher Homöopathie abzutun, als wären wir alle irgendwie bekloppt oder verstrahlt.
    Natürlich können Sie alles, was sie nicht verstehen, als Unsinn bezeichnen, aber das ist dann das Gegenteil von Aufklärung.
    Ich wünsche Ihnen deshalb den größtmöglichen Misserfolg mit ihrer Kampagne, schon weil ich keine Lust habe – wie Millionen anderer Patient*innen – von Ihnen als Idiotin dargestellt zu werden.
    Simone Heller

  5. @Simone Heller:

    Vielen Dank für Ihren Kommentar.

    Ich darf Ihnen allerdings versichern, dass alle Ihre Ausführungen und Argumente seit langem bekannt sind – und trotzdem nicht für die Homöopathie bzw. gegen z.B. den Antrag der Grünen Jugend auf Nicht-Erstattung sprechen.

    Gerne suche ich Ihnen die entsprechenden Erörterungen heraus:

    Weil sie nicht verstehen, wie etwas wirkt, wird es verteufelt.

    Nein, es geht nicht darum, dass wir etwas „noch nicht verstehen“ – sondern wir verstehen bereits heute sehr gut, dass Homöopathie nicht über den Placebo-Effekt hinaus wirkt und auch gar nicht wirken kann. Daran wird auch keine neue wissenschaftliche Erkenntnis der nächsten Jahrzehnte etwas ändern, denn ob eine Methode „wirkt“ oder nicht, kann man völlig unabhängig vom „Wirkmechanismus“ testen. Man hat z.B. auch getestet, ob Gebete eine Wirkung haben, völlig unabhängig von der Frage, ob es einen Gott gibt oder nicht.

    Dazu:

    https://netzwerk-homoeopathie.info/faq-06-warum-wirkt-homoeopathie-nicht/

    https://netzwerk-homoeopathie.info/faq-04-wie-erklaert-sich-die-wirkung-von-homoeopathie/

    weiß aber aus eigender Erfahrung als Patientin, dass Homöopathie über den Placebo-Effekt hinaus wirkt.

    Dazu:

    „Es ist nicht leicht zu begreifen, dass die eigene Erfahrung, für die man seine Hand ins Feuer legen würde, über den eigenen Erfahrungshorizont hinaus nicht zählt. Eigene Erfahrungen sind jedem unbenommen, sie können auch von außen nicht beurteilt oder gar in Frage gestellt werden. Eigene Erfahrungen sind jedoch (egal, wie überzeugend sie sich anfühlen) nicht – und zwar niemals – geeignet, um über die Wirksamkeit einer Therapie zu entscheiden. Dafür brauchen wir Studien, die bestimmte Anforderungen erfüllen.“

    https://netzwerk-homoeopathie.info/faq-06-but-homeopathy-helped-me/

    Es ist unglaublich überheblich, sämtliche Erfahrungen von Patient*innen mit hilfreicher Homöopathie abzutun, als wären wir alle irgendwie bekloppt oder verstrahlt.

    Das ist falsch. Niemand „tut das ab“ oder hält Patienten für „bekloppt“.

    Noch einmal: „Es ist nicht leicht zu begreifen, dass die eigene Erfahrung, für die man seine Hand ins Feuer legen würde, über den eigenen Erfahrungshorizont hinaus nicht zählt.“

    Dazu noch einmal: https://netzwerk-homoeopathie.info/faq-06-but-homeopathy-helped-me/

    Natürlich können Sie alles, was sie nicht verstehen, als Unsinn bezeichnen, aber das ist dann das Gegenteil von Aufklärung.

    Wir verstehen die Effekte der Homöopathie sehr gut, und darüber klären wir auf, auch wenn das für einzelne Anwender schmerzhaft sein mag:

    https://netzwerk-homoeopathie.info/faq-2-was-haben-sie-eigentlich-gegen-homoeopathie/

    Anders als allopathische Medikamente, die ich selbstverständlich weiter in Anspruch nehme, hat ein „falsches“ Mittel aber nicht nicht die verheerenden Wirkungen, die allopathische Mittel haben können.

    Eine faktische Nicht-Behandlung (und das ist Homöopathie) von ernsthaften Erkrankungen hat immer erhebliche Risiken:

    https://netzwerk-homoeopathie.info/faq-10-und-wenn-es-nur-placebo-ist-was-macht-das-schon/

    Schon weil ich keine Lust habe – wie Millionen anderer Patient*innen – von Ihnen als Idiotin dargestellt zu werden.

    Erstens tut das niemand. Zweitens haben wir – wie Millionen anderer Patient*innen – keine Lust, mit unseren Kassenbeiträgen wirkungslosen Zucker mitzubezahen.

    Auf eigene Kosten können Sie tun und lassen, was immer Sie möchten. Allerdings würden wir dazu raten, eine möglichst *informierte* Entscheidung zu treffen. Das Anliegen und die Argumente der Homöopathie-Kritiker haben Sie zumindest bis jetzt nicht wirklich verstanden, scheint mir.

  6. @Simone Heller

    Buchtipp
    Natalie Grams: Homöopathie neu gedacht – Was Patienten wirklich hilft

    Da erklärt Ihnen eine Ärztin, warum Homöopathie nicht wirken kann (über den Placeboeffekt hinaus). Es würde im Übrigen niemand auf die Idee kommen, Natalie Grams als Idiotin darzustellen, weil sie in gutem Glauben jahrelang als praktizierende Homöopathin tätig war.

  7. @ Simone Heller:

    Einfache Frage: wenn Du gegen irgendwelche Beschwerden Globuli nimmst, und die Beschwerden verschwinden kurz danach, wie kannst Du sicher sein, dass dies nicht auch ohne Globuli-Einnahme passiert wäre?

    Genau deshalb sind Erfahrungen keine Grundlage, um die Wirksamkeit einer Behandlung zu beurteilen. Das ist nur durch Studien mit möglichst grosser Teilnehmerzahl möglich.

    „Meiner Erfahrung nach funktionieren homöopathische Mittel im Grunde nicht so viel anders als allopathische“

    Diese Aussage steht aber in fundamentalem Gegensatz zur homöopathischen Lehre.

    „Anders als allopathische Medikamente, die ich selbstverständlich weiter in Anspruch nehme, hat ein „falsches“ Mittel aber nicht nicht die verheerenden Wirkungen, die allopathische Mittel haben können.“

    Klar, wo keine Wirkung, da auch keine Nebenwirkung.

    „Meine Medikamente könnte ich nie bezahlen“

    Wieso musst Du das, hast Du keine Krankenversicherung?

    „Es ist unglaublich überheblich, sämtliche Erfahrungen von Patient*innen mit hilfreicher Homöopathie abzutun, als wären wir alle irgendwie bekloppt oder verstrahlt.“

    Nö, nur schlecht informiert (und allenfalls ein wenig leichtgläubig).

    „Ich wünsche Ihnen deshalb den größtmöglichen Misserfolg mit ihrer Kampagne“

    Aha, also findest Du Verbraucherschutz einfach nur doof?

    „Ich würde nie auf die errungenschaften der Schulmedizin verzichten, weiß aber aus eigender Erfahrung als Patientin, dass Homöopathie über den Placebo-Effekt hinaus wirkt, u.a. weil Beschwerden, die gar nicht gezielt behandelt wurden, verschwanden“

    Merkst Du denn gar nicht, dass genau das ein eindeutiges Argument GEGEN Homöopathie ist?

  8. Da ist die Jugend schon um Meilen voraus, im Gegensatz zu den Altgrünen, diese sollten sich mehr an der zukünftigen Generation ein Beispiel nehmen, wenn sie gewählt werden wollen.

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