Homöopathischer Langzeit- Selbstversuch im Video: Wo bleiben die Furunkel?

Bei den 10:23-Aktionen bekommen die Skeptiker immer wieder zu hören, das könne ja gar nicht wirken, weil die Einnahme der homöopathischen Mittelchen über einen längeren Zeitraum erfolgen müsse.

Axel Lämmle (Mitglied bei Wissenschaft & Skeptizismus) will es jetzt wissen:

Nachdem mir “wohlmeinende” Anhänger der Homöopathie inzwischen Tod und Teufel an den Hals wünschten und mir diabolisch die Einnahme von Belladonna empfahlen, mache ich das nun.

Bin ja lernfähig.

Ich war eben in der Apotheke und bestellte (so krasses Zeug ist einfach nicht vorrätig!) Belladonna C200 (nur hohe Potenz ist etwas für Männer!) für schlappe 15,60€.

Dies werde ich nun fünfmal täglich mit je fünf Kügelchen zu mir nehmen und in einem Video dokumentieren, natürlich werde ich mich zusammenreißen und vor allem sitzend den Tag verbringen, das wirkt dann nämlich förderlich.

Da ich gesund bin, müssten sich bei mir die Symptome des Arzneimittelbildes zeigen, wie Fieber, Furunkel, Gelenk- und Rückenschmerzen, Migräne, Ohrenschmerzen, Schwindel und Sonnenbrand.”

Dazu gibt’s täglich ein aktuelles Video.

Hier Tag 5 des homöopathischen Selbstversuchs mit Belladonna C200:

Natürlich bekommt Lämmle dazu jede Menge guter Ratschläge von Globuli-Enthusiasten, wie zum Beispiel “Das Fläschchen nach Entnahme gleich wieder schließen” oder “Das Mittel bitte nicht in fetten Elektrosmog stellen”.

Die Ausreden unserer Kügelchen-Gläubigen, wenn das Experiment nicht in ihrem Sinne verläuft, werden also schon vorformuliert.

Update vom 4. August: “Homöopathischer Selbstversuch – Das Fazit”

Zum Weiterlesen:

  • Homöopathen-Ausreden: Hochverdünnte Argumente, GWUP-Blog am 9. Februar 2011
  • 10:23-Aktion in Zürich: “Klar”, das kann ja nicht wirken …, GWUP-Blog am 24. Oktober 2013
  • Interview: Wie diese CDU-Abgeordnete die Homöopathie aufs Korn nimmt, Berliner Morgenpost am 31. Juli 2017

17 Kommentare zu “Homöopathischer Langzeit- Selbstversuch im Video: Wo bleiben die Furunkel?”


  1. 1 2xhinschauen 1. August 2017 um 11:23

    Vielleicht melden sich ja (zufällig!, wegen der Verblindung) auch einige (wichtig: gesunde) Probanden, die im gleichen Zeitraum keine Belladonnae nehmen, die aber in der Zeit trotzdem “die Symptome des Arzneimittelbildes zeigen, wie Fieber, Furunkel, Gelenk- und Rückenschmerzen, Migräne, Ohrenschmerzen, Schwindel und Sonnenbrand.”

  2. 2 Bernd Harder 1. August 2017 um 11:30

    @2xhinschauen:

    Mit Migräne kann ich nahezu täglich dienen – auch ohne Belladonna …

    Sonnenbrand eher nicht.

  3. 3 Udo Endruscheit 1. August 2017 um 15:36

    Mal wieder ein Beleg dafür, wie unwissend die Homöopathen selbst über ihre Grundlagen sind (es ist ja auch verwirrend).

    Zitat Frau Bajic in der TAZ zur Aktion 10^23 2016 (die ich völlig unbeschadet überstanden habe): „Bei der Einnahme von homöopathischen Hochpotenzen ist die Häufigkeit der Einnahme von Bedeutung, nicht die Menge. Die Aktion bringt keinen Erkenntnisgewinn.“

    Aha. Nach Hahnemann, dem großen Altmeister, ist eine „Häufigkeit“, also eine Wiederholung der homöopathischen Gabe, nicht vorgesehen. Die erste Gabe -immer unterstellt, der „Heilkundige“ hat das richtige Mittel gewählt – stimmt die „geistige Lebenskraft“ bei erster Einnahme bereits um. Eine weitere Gabe trifft also auf einen veränderten Zustand der „geistigen Lebenskraft“ und kann damit nur als Störfaktor wirken:

    “Jede, in einer Cur merklich fortschreitende und auffallend zunehmende Besserung ist ein Zustand der, so lange er anhält, jede Wiederholung irgend eines Arznei-Gebrauchs durchgängig ausschließt, weil alles Gute, was die genommene Arznei auszurichten fortfährt, hier seiner Vollendung zueilt. Dies ist in acuten Krankheiten nicht selten der Fall; bei etwas chronischen Krankheiten hingegen, vollendet zwar auch bei langsam fortgehender Besserung, zuweilen Eine Gabe treffend gewählter, homöopathischer Arznei die Hülfe, die dieses Mittel in solchem Falle seiner Natur nach auszurichten im Stande ist, in einem Zeitraum von 40, 50, 60, 100 Tagen.”

    Hahnemann war das so wichtig, dass er sich auch angesichts des -verständlichen- Wunsches, zu einer möglichst schnellen Heilung zu gelangen, nicht zu einer wiederholten Gabe verstehen konnte. Nach seinem Gedankenmodell konsequent. Er fand einen „Ausweg“, indem er auf der Grundlage der Vorstellung , dass höhere Potenzen viel größere Wirkung ausüben, auf weit höhere „Potenzierungen“ auswich, als er jemals vorher in Betracht gezogen hatte (6. Auflage des „Organon“):

    “Aber theils ist dies sehr selten der Fall, theils muß dem Arzte, so wie dem Kranken viel daran liegen, daß, wäre es möglich, dieser Zeitraum bis zur Hälfte, zum Viertel, ja noch mehr abgekürzt und so weit schnellere Heilung erlangt werden könnte.

    Und dieß läßt sich auch, wie neueste, vielfach wiederholte Erfahrungen mich gelehrt haben, recht glücklich ausführen, unter folgenden Bedingungen: erstens, wenn die Arznei mit aller Umsicht recht treffend homöopathisch gewählt war – zweitens, wenn sie hoch potenzirt, in Wasser aufgelöst und in gehörig kleiner Gabe in, von der Erfahrung als die schicklichsten, ausgesprochenen Zeiträumen zur möglichsten Beschleunigung der Cur gereicht wird, doch mit der Vorsicht, daß der Potenz-Grad jeder Gabe von dem der vorgängigen und nachgängigen Gaben um Etwas abweiche, damit das, zur ähnlichen Arzneikrankheit umzustimmende Lebensprincip, nie zu widrigen Gegenwirkungen sich aufgeregt und empört fühlen könne, wie bei unmodificirt erneuerten Gaben, vorzüglich schnell nach einander wiederholt, stets geschieht.”

    Was natürlich die Problematik, ob unterschiedliche Potenzen der gleichen Ursubstanz eine unterschiedliche Wirkung haben oder nicht und wenn ja, eine qualitativ und/oder quantitativ unterschiedliche, aufreißt.

    Eine gewaltige Nuss für Hahnemanns Exegeten, die sich widersprechenden und gar gegenseitig ausschließenden Meinungen zum Dosierungsproblem sind Legion. Allerdings – die Behauptung, „bei der Einnahme von homöopathischen Hochpotenzen ist die Häufigkeit der Einnahme von Bedeutung, nicht die Menge“ gehört in die Abteilung der „Kaputtdeutungen“ von Hahnemanns Konzept, sie hat mit dessen Gedankengebäude nichts mehr zu tun.

    Ein Zeichen mehr, dass die ganze “Lehre” nur eine Anhäufung von Inkonsistenzen ist.

  4. 4 yannis 1. August 2017 um 18:20

    Homöopathie und Co. sind als okkult einzustufen. Es kann zwar nicht wissenschaftlich bewiesen werden,das es bei vielen (nicht allen) Menschen und auch bei Tieren eine “gesundheitsfördernde Wirkung” entfaltet, jedoch berichten viele Menschen über wesentliche Verbesserungen oder gar von Heilung ihrer Beschwerden nach der Einnahme von Globulis o. Schüsslersalzen. Das kann man nichtso einfach von der Hand weisen. Was bewirkt denn diese “Heilung”? Der bekannte Homöopath, Freimaurer und Verfasser einer Hahnemann-Biographie, Dr. Herbert Fritzsche, erklärt die Wirkungsweise der Homöopathie als konsequent esoterisch und übernatürlich. Er spricht in diesem Zusammenhang gar von einer “Theologie, die der Homöopathie heimlich innewohnt”. Niemand mit gesundem Menschenverstand sollte sich der irrtümlichen Meinung hingeben, auf Grund der geringen Konzentrationen sei keine Wirkung der homöopathischen Arzneien vorhanden. Da das Verschüttelungsprinzip und die Quelle der Homöopathie aus den östlichen Religions- bzw. Tempelkulten kommt und deshalb eine willkommene Eintrittspforte für okkulte Kräfte ist, können auch die Anwendungen von homöopathischen Arzneien dementsprechende Effekte zeigen. Genau solche Effekte können auf den Menschen einwirken,bzw. ihn verändern, vor allem bei höheren Potenzen im seelischen bzw. charakterlichen Bereich. Die Handhabung des „Potenzierens“ ist genau der Ritus, der ein „Einfallstor“ hierfür möglich macht…..Zitat Herbert Fritsche: “Ich glaube fest an die Zukunft der Homöopathie, ja, mehr an die Homöopathie als an die Zukunft”. In seinen Briefen verdeutlicht er das wirkende Wesen der Homöopathie als etwas, das weit über das nur Medizinische hinausreicht, als ein auf allen Ebenen gültiges Prinzip des Seins… Vielleicht hat der ein oder andere hier schonmal etwas erlebt, wo er zu dem Schluß kam, das es mehr gibt zwischen Himmel und Erde, als wir normalerweise mit unseren Sinnen wahrnehmen können..

  5. 5 Bernd Harder 1. August 2017 um 18:24

    @yannis:

    Ich lasse Ihre, äh, interessanten Ausführungen mal zum allgemeinen Amüsement stehen.

    Trotzdem würde ich Sie bitten, uns künftig damit zu verschonen, Unsinn (Homöopathie) mit Unsinn (okkulte Kräfte) zu “erklären”.

  6. 6 Bernd Harder 1. August 2017 um 19:41
  7. 7 noch'n Flo 1. August 2017 um 20:03

    Oh, ein Hamlet-Zitat. Na, das überzeugt mich jetzt aber auf der Stelle.

  8. 8 Udo Endruscheit 2. August 2017 um 03:12

    @yannis: Na großartig…

    Wir brauchen aber durchaus keine okkulten Aspekte zu bemühen -und damit auch nicht Herrn Fritzsches Verrenkungen- um die beobachteten Wirkkungen homöopathischer Behandlungen zu erklären. Das ist ja gerade eines der schlagenden Argumente gegen die Homöopathie: Wir brauchen ihre Lehre nicht, um ihre Effekte zu erklären.

    Die sind nämlich zwar nicht eindimensional, aber doch lückenlos erklärbar: Durch das Zusammenwirken des Placeboeffekts, von Konditionierung, Selbstsuggestion und anderen Begleiteffekten im Zusammenspiel mit den Selbstheilungskrüften. Was man auch gut dadurch belegen kann, dass die Homöopathie spätestens dann versagt, wenn die Selbstheilungskrüfte nichts mehr leisten können.

    Das für Frau Bajic so unerklärliche “Phämomen” einer Wirkung, das sie so gerne der spezifischen arzneilichen Wirkung der Globuli zuschreiben würde und für das sie auf die Entdeckung völlig neuer Wissenschaften hofft, ist vorhanden – und erklärbar. Siehe diesen bemerkenswerten Beitrag von Dr. Natalie Grams:

    http://die-erde-ist-keine-scheibe.de/2017/06/21/wir-sehen-ein-phaenomen/

    Ach, noch eins – Samuel Hahnemann hätte zu Herrn Fritzsches Okkultimsus vermutlich gesagt, man möge ihm das Organon wegnehmen und in zu den Allopathen jagen, denn Hahnemann war für seine Zeit ein knochenharter Realist, der zwar von “geistiger Lebenskraft” sprach, aber darunter nichts Okkultes verstand, sondern eine gegebene Realität.

  9. 9 Bernd 2. August 2017 um 10:55

    Bei yannis dachte ich erst, es wäre ein Beitrag gegen Homöopathie. Aber er sieht das wohl auch selbst so. Strange

  10. 10 Noldor 2. August 2017 um 20:00

    yannis schrieb: ” Vielleicht hat der ein oder andere hier schonmal etwas erlebt, wo er zu dem Schluß kam, das es mehr gibt zwischen Himmel und Erde, als wir normalerweise mit unseren Sinnen wahrnehmen können..”

    Genau, das gibt es. Was ist der Himmel?

    Was die Erde ist wird wissenschaftlich erklärt.
    Wie wir entstehen wird wissenschaftlich erklärt.

    Ich frage mich aber nur was z.B. Wasser wahrnehmen können soll was wir mit unseren Sinnen nicht wahrnehmen können.

    Wasser kann drei “Informationen” speichern: gefroren, flüssig, gasförmig.

    Und von dem reingeschüttelten potenzierten Wasauchimmer behält das Wasser keine Erinnerung.

    Sonst würde sich unser Trinkwasser nur an Dreck erinnern.

  11. 11 Bernd Harder 2. August 2017 um 20:26

    “Tag 6: Wo bleibt das Arzneimittelbild der Belladonna? Könnt ihr es schon sehen? Jede Stunde 5x Belladonna C200 und es geht immer weiter…”

    https://www.youtube.com/watch?v=84070MZEoDo

  12. 12 Georg Mackowiak 3. August 2017 um 10:14

    @yannis – Der unbekannte Freimaurer Georg M. fragt sich soeben, was die Behauptung, jemand sei Freimaurer, mit dem Thema Homöopathie zu tun haben könnte.:)

  13. 13 2xhinschauen 3. August 2017 um 11:54

    @Noldor
    Du versuchst, das Nichtvorhandensein von etwas zu beweisen :-) Die Tücke des Hamlet-Arguments liegt aber nicht darin, dass da zwischen Himmel und Erde aktuell konkret etwas Unbekanntes vermutet werden muss, was dann die Homöopathie erklären könnte. Eher was in Richtung Schwerkraftanomalien oder Dunkle Materie etc.

    Auch die Elektrizität, die Röntgenstrahlung und die Quantenwelt lagen dereinst weit jenseits der menschlichen Vorstellungkraft … und bums, waren sie die einzig haltbare Erklärung für bestimmte realweltliche Phänomene.

    Diese Phänomene muss es aber geben, und bei Homöopathie oder Astrologie oder Telepathie etc. gibt es sie nicht oder man kann sie nicht dingfest machen.

    Da liegt der Fehler der Hamletianer. Natürlich kann man mit Fug & Recht spekulieren, dass da noch was kommt. Dann aber so zu tun, als sei man gegenüber all den ernsthaften und kreativen Forschern der einzig Erleuchtete, der das aktuell gesicherte Wissen aufgrund höherer Erkenntnisfähigkeit einfach mal eben so in die Tonne treten darf, weil das ja “sowieso aller nur vorläufig” sei … das ist irgendwie so, als ob man sich auf einen Lottogewinn verlässt und schonmal Schulden macht, ohne je einen Schein abgegeben zu haben.

  14. 14 Bernd Harder 3. August 2017 um 13:19

    @Georg:

    Keine Ahnung, ob “yannis” sich nochmal meldet.

    Wenn ich kurz aushelfen darf: Für Fundamentalchristen seines Schlages ist beides Teufelszeug: Homöopathie und Freimaurer.

    Und wenn sich das auch noch potenziert – oh weh …

  15. 15 Bernd Harder 3. August 2017 um 14:44
  16. 16 noch'n Flo 3. August 2017 um 17:25

    @ Georg Mackowiak:.

    Viele Anhänger von Esoterik und Pseudowissenschaften sind der Meinung, dass Freimaurer für uns Skeptiker als seriös gelten, da sie ja von den Truthern und VTlern so oft angegriffen werden. Wenn die wüssten, dass unter den FM die Esoterik absolut prächtig gedeiht und unwissenschaftlicher Dummfug in den Logen sogar noch durck Kritikverbote geschützt wird…

  17. 17 Bernd Harder 3. August 2017 um 17:28

    < < da sie ja von den Truthern und VTlern so oft angegriffen werden. <<

    Und vom Finanzamt:

    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/steuern-maennerklubs-bekommen-probleme-mit-dem-finanzamt-1.3613510

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