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„Ein homöopathiekritischer Artikel provoziert eine Debatte bei den Grünen“: das „taz“-Nachbeben

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Das Nachbeben des taz-Artikels „Hokus Pokus Globuli“ vom vergangenen Wochenende können wir noch immer zum Beispiel bei Twitter verfolgen, etwa hier

… oder hier:

Besonders exponieren sich dabei einige Politikerinnen der Grünen, zum Beispiel:

Heute greift auch die taz selbst das Thema nochmal auf:

Gegenwind bekommt Schauws vor allem aus der Grünen Jugend. Auf ihren taz-kritischen Tweet antwortete ihr ein Mitglied:

„Solche Positionen sind echt gefährlich für unsere Partei. Und ein Schlag ins Gesicht für alle, die sich bei den Grünen seriös und wissenschaftlich für eine nachhaltigere und gerechtere Welt einsetzen.

Die Bundessprecherin der Grünen Jugend, Ricarda Lang, erklärte über Twitter, im Gesundheitssystem müsse sich viel ändern. „Pseudo-Wissenschaft hilft dabei aber niemand. Im Gegenteil.“

Ein anderes Mitglied forderte, die Grüne Jugend müsse der rationale Gegenpol sein zu den „leider immer noch existierenden esoterischen Einflüssen“ in der Partei.

Zum Weiterlesen:

  • Grüne streiten über Globuli, taz am 8. März 2019
  • Die Zeugen Samuels, Onkel Michaels kleine Welt am 7. März 2019
  • Ulle Schauws: Die dümmsten Begründungen für die Homöopathie, Gesundheits-Check am 3. März 2019
  • Homöopathie in der taz: „Hokus Pokus Globuli“, GWUP-Blog am 2. März 2019

12 Kommentare

  1. Wenn es bei dem Thema zwischen den „alten“ und „jungen“ Grünen zu gären beginnt und sich als Antwort auf die Missstände im Gesundheitswesen die evidenzbasierte Medizin statt der Alternativmedizin als Parteilinie durchsetzt, wäre das sehr zu begrüßen.

    Aber dazu müssen vielleicht die „alten“ Grünen mit ihrer nur gefühlig unreflektierten Medizinkritik erst abtreten.

  2. Gibt solche und solche – und ich finde das gut, dass man das offen diskutiert. Es gibt viele Skeptiker bei den Grünen und genau so gibt es Leute, die esoterisches Gedöns ausdünsten dass mir davon schwummerig wird.

    Es gibt bei einigen eine gewisse Tendenz (wie auch bei Religionen) Menschen ihren Hang zu absonderlichem durchgehen zu lassen. Wie man bei der Diskussion um Imfgegnerschaft mitbekommt, hat das jedoch Grenzen – nämlich da, wo Kinder und andere Schutzbedürftige oder eben aus anderen Gründen ungeimpfte davon negativ betroffen werden – da müssen dann (staatliche) Maßnahmen zum Schutz greifen – und da kann sich Politik dann nicht mehr so leicht verstecken.

    Das führt glücklicherweise dazu, dass Menschen mit einem skeptischen /rationalen Ansatz es tendendziell einfacher haben, sich argumentativ durchzusetzen wovon auch die Grünen insgesamt profitieren.

  3. Das alles zeigt – unter besonderer Würdigung der vernunftbetonten Stimmen aus der grünen Partei – dass die sogenannte Homöopathie-Debatte von Seiten der Proponenten der Methode wirklich nur noch ein soziologisch-psychologisches Phänomen ist, für das sich Forscher späterer Zeiten vermutlich sehr interessieren werden.

    Ein rein glaubensbedingtes System der Realitätsleugung, das als Begleitsymptome den Verlust von Contenance und Anstand hervorbringt.

    Immerhin ein Beleg dafür, welche Stärke die Selbsttäuschung annehmen kann, die ja bekanntlich von allen Täuschungen die erste und wahrscheinlichste ist.

    Das Sägen an den letzten Stützen der eigenen Stühle hat aber offensichtlich begonnen.

  4. Leider ist grüner Diskussionsstand: Heilpraktiker sind ein wichtiger Pfeiler der Gesundheitsversorgung. Noch Fragen?

  5. Heute in der taz:

    Fünf Dinge, die wir diese Woche gelernt haben: Freunde der sanften Medizin sind mitunter recht wüst.

    https://twitter.com/felixzimmermann/status/1104323786223046656

  6. Ich stimme Frau Grams zu und finde den Artikel von Herrn Kramer sehr lesenswert, doch ich muss eingestehen, dass der Bundesverband Homöopathie auf Twitter in einem Kritikpunkt Recht hat:

    Die Patientin Nicole Sagorski taugt nicht als Beispiel dafür, dass Homöopathie gefährlich ist. In ihrem Fall ging die Gefahr von einer Fehldiagnose aus. Wenn die Diagnose richtig gewesen wäre und die Patientin bloß eine stressbedingte Zyklusstörung gehabt hätte, so hätte die wirkungslose Behandlung mit Globuli wohl keinen Schaden angerichtet.

    Wenn die Ärztin allerdings Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert und trotzdem nur mit Globuli behandelt hätte, so wäre es tatsächlich ein Beispiel für die Gefährlichkeit der Homöopathie. Solche Fälle gibt es ja zur Genüge, aber ich bin in journalistischen Dingen zu wenig bewandert, um zu beurteilen, wie leicht man jemand entsprechenden zum Interview bekommt.

    Fazit: Gerade als Skeptiker*in sollte man aufpassen, objektiv zu bleiben.

  7. @Muelsak

    Ich kenne die Details der Patienten nicht. Sicherlich könnte man argumentieren, dass viele Homöopathen ihre Methode völlig überschätzen und die Kritik wäre dann, dass ein normaler Arzt mehr abgeklärt hätte, während Homöopathen erstmal auf Homöopathie setzen und wenn es schlimmer wird, ist es halt die Erstverschlimmerung.

    Das Beispiel hier spricht nicht gegen das Mittelchen, sondern gegen das Setting der ärztlichen Beratung und Behandlung. Ich glaub aber auch, dass es sehr schwer ist durch Homöopathie geschädigte Patienten vor die Kamera zu bringen, Stichwort Scham, Ängste etc.

  8. @Skeptiktante

    Ja, und vor Allem Tod nicht vergessen.

    scnr

  9. @muelsak
    „…Die Patientin Nicole Sagorski taugt nicht als Beispiel dafür, dass Homöopathie gefährlich ist. In ihrem Fall ging die Gefahr von einer Fehldiagnose aus…“

    Das sehe ich komplett anders.

    „Fehldiagnosen“ gibt es in der Homöpathie nicht. Ein Homöpath hatte solange herumbehandelt, bis der Mensch verstorben wäre. Nur die Medizin erlaubte die Diagnose und passende Therapie.

    Dieser Fall zeigt vielmehr eindrücklich was passieren kann, wenn man nur homöpathisch behandelt und die Medzin NICHT die Kohlen aus dem Feuer holt.

  10. Ich würde das schon etwas differenzierter betrachten wollen:

    Natürlich gehört zu einer homöopathischen Behandlung eine ausführliche Anamnese, aber selbstverständlich muß auch eine körperliche Untersuchung dabei sein.

    Meine These ist, ausgehend von der Schilderung im taz-Artikel, daß diese unverantwortliche Gynäkologin die Patientin auch ohne Homöopathie so abgebügelt hätte (ist ja Blut, ekelig usw.).

    Interessant wäre allerdings schon gewesen, was die Ärztin gegen die starken Blutungen anstelle der Homöopathika verordnet hätte – Hormonpräparate vielleicht?

    Wahrscheinlich jedoch hat die Homöopathieaffinität dieser Gynäkologin es sehr leicht gemacht, erst einmal ein nutzloses Präparat zu verschreiben, ohne auch nur einmal entfernt eine Untersuchung der Frau durchzuführen.

    Vielleicht führt die Homöopathie aber zu einer schrumpfenden Neugierde? Wenn ich das für mich selbst betrachte (als Nicht-Gynäkologe): Ich bin eigentlich immer an vorderster Front, wenn es darum geht, irgendwo genau hinzuschauen, draufzudrücken, beim Verbandswechsel mit dabei zu sein, um mir selbst ein Bild zu machen (auch wenn es unschön aussieht).

    Ohnehin, selbst wenn „nur“ eine ausführliche Anamnese bei Frau Sagorski gemacht worden wäre, selbst bei mir wären angesichts der Schilderung der Frau (Blutungen, anhaltend, stark) alle Alarmlampen angegangen: Das schreit ja förmlich nach Abklärung bei dringendem Verdacht auf Krebs!

    Wenn eine Fachärztin Gyn (egal ob mit oder ohne vaginale Untersuchung) auf so etwas nicht anspringt, dann ist sie falsch, egal ob mit oder ohne Globuli. Wobei ich zugebe, daß es schon wieder „interessant“ gewesen wäre, wenn die Gynäkologin die Diagnose zwar richtig gestellt hätte, aber keine Operation veranlaßt hätte…

  11. @borstel: „…Ich würde das schon etwas differenzierter betrachten wollen…“

    Ich sehe das ganz undifferenziert.
    Als Medizinerin hat die Ärtzin einen Fehler gemacht, ja.

    Aus homöpathischer Sicht war alles korrekt. Und das zeigt sehr gut, wenn es Ernst wird, dann ist man mit der Homöpathie verloren.

  12. Ich vermute, die Grünen fühlen sich besonders daher von der „taz“ verraten, da diese immerhin jahrzehntelang großteils auf der Seite von Homöopathen, Esoterikern, Waldorfschulen und Co. stand. Nun hat sich das linke Übermutter-Medium halt mal gegen seine eigenen Kinder gewandt. Da ist das Weinen natürlich um so größer.

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