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Leben und Natur retten: Wider die Stigmatisierung von pro-Kernenergie

| 70 Kommentare

Die finnische Biologin und Wissenschaftskommunikatorin Iida Ruishalme erläutert im folgenden Beitrag, warum und wie man auf Vorbehalte gegen Kernenergie reagieren sollte. Obwohl diese Energieform unter anderem vom Klimarat IPCC als eine wichtige Option im Kampf gegen den Klimawandel genannt wird, uns seit einem halben Jahrhundert zuverlässig dient und schädliche Emissionen verhindert, erfährt sie dennoch breite Ablehnung. Diese Diskussion ist vor allem im deutschsprachigen Raum  überfällig. Dazu und zur irrationalen Ablehnung der Kernenergie hatte ich selbst bereits hier Stellung bezogen (Amardeo Sarma).

Ein Gastbeitrag von Iida Ruishalme

Ich besitze ein T-Shirt mit der Aufschrift „Frag mich nach der Kernenergie“. Auf der Rückseite ist das Bild eines Kühlturms zu sehen, dazu der Schriftzug: „Nachhaltig. Ökologisch. Unabhängig.“

Vor ein paar Tagen trug ich das Shirt bei einer Musikveranstaltung im Kindergarten meiner Tochter.

Das T-shirt ist von What Is Nuclear, eine großartige Informationsquelle. Erhältlich bei Zazzle.

Ich war erkältet, also hatte ich auch noch ein warmes Hemd und einen Schal an und wollte mich mit meinen Ansichten zur Energiepolitik an diesem Tag bedeckt halten.

Dort angekommen, etwas verschwitzt vor Eile, wollte meine schüchterne Tochter mich nicht mehr loslassen. Ich hielt also ihre Hand, tanzte mit ihr durch den Raum, spielte mit ihr und entledigte mich dabei meiner Oberbekleidung, bis auf das T-Shirt – das nun für alle sichtbar war. Ein kleiner nuklearer Eisbrecher auf dem kalten Meer der öffentlichen Meinung.

Zu meinem eigenen Ärger fühlte ich mich ungeschützt. Vielleicht hatte es damit zu tun, dass ich wegen meiner Unterstützung der Kernenergie schon angespuckt und als „Faschistin“ beschimpft worden war. Ich war mir bewusst, dass das Thema recht hohe emotionale Wellen schlagen konnte.

Deshalb hatte ich mich entschieden, dieses T-Shirt nicht beim Abholen meiner Tochter oder bei den Elternabenden in den ersten Wochen im Kindergarten zu tragen. Ich wollte nicht gleich unnötige Spannungen zwischen mir und den anderen Eltern heraufbeschwören, zumal ich auf Wunsch meiner Tochter ein anderes Mädchen zur Geburtstagsparty einladen und dazu deren Mutter ansprechen wollte.

Warum soll es eine Schande sein, zwei Millionen Leben zu retten?

Rational gesehen ist es unglaublich, dass ich mich dafür schämen muss, weil ich mich öffentlich zur Kernenergie bekenne. Wenn ich so empfinde, nur weil ich ein T-Shirt trage, was ist dann mit den Menschen, die ihre Kinder jeden Tag zur Schule bringen und dann ihren Job in einem Kernkraftwerk machen?

Ich lebe in der Schweiz. In meinem Nachbarland Deutschland arbeiten Tausende von Menschen in dieser Industrie. Gleichzeitig ist Angstmache in puncto Kernenergie sogar auf institutioneller Ebene etabliert (etwa durch grob irreführende Aussagen der Bundesregierung und einen starken politischen Druck) – aber warum?

Sollten sich diese Arbeitnehmer schämen, weil sie dazu beitragen, kohlenstoffarme Energie zu erzeugen, die Millionen von Menschen vor einem hohen Gesundheitsrisiko durch Luftverschmutzung bewahrt?

Das Kernkraft-Stigma wirkt

Das Naturhistoriksa riksmuseet hat  entschieden, dass es sich nur um „Sonne, Wind und Wasser“ handelt (Gesamtanteil 12,5%). Die dunkelblaue 26-%-nukleare Tortenscheibe finden sie nicht erwähnenswert.

Wenn sich das Ausmaß dieses Stigmas nur darauf beschränken würde, dass ich mich in meinem T-Shirt unwohl fühle! Aber nein.

Es führt praktisch zu einer Ächtung der Kernkraft. Die Medien feiern  jede Stadt und jedes Land, wenn sie sich nur einen Tag lang ausschließlich mit erneuerbarer Energie versorgt haben. Und das gilt unabhängig davon, ob das tatsächlich stimmt oder nicht.

Andererseits weiß fast niemand, dass die kanadische Provinz Ontario einen Tag lang ohne Kohle auskommt. Oder gar eine Woche? Einen ganzen Monat? Nein:

Ontario verfügt seit vier Jahren über ein fossilienfreies elektrisches Netz, seit 2014 zu 60 Prozent dank Kernenergie. Aber wer hat schon davon gehört?

Dennoch wirkt das Stigma nicht nur in Deutschland. So bestehen die Verantwortlichen für die Klima-Ausstellung des Naturhistoriska riksmuseet (Naturhistorisches Museum, Stockholm) darauf, dass fossile Brennstoffe durch „erneuerbare Energien“ ersetzt werden müssen, und halten in ihrer Präsentation an falschen Zahlen über die Anteile der Windenergie an der Kernenergie bis 2014 fest (S. 24).

Obgleich ein Tortendiagramm des Museums die Kernenergie als größte kohlenstoffarme Energiequelle in Schweden ausweist, setzt es sich für eine Energiepolitik auf der Grundlage politisch bevorzugter Technologien ein, anstatt Informationen über Kohlenstoffemissionen bereitzustellen – erstaunlich.

Diese Haltung zeigt sich sogar darin, dass die IPCC-Analyse  im Anhang des Berichts versteckt ist und kaum ein Umweltschützer ihre eindeutige Schlussfolgerung kennt, nämlich dass die Kernenergie zur Erreichung des 2-Grad-Ziel erforderlich ist (siehe Seite 304) – auch wenn er oder sie sonst in Fragen der Klimawissenschaften gerne auf den IPCC zurückgreift.

Trotz dieser kühlen Behandlung wehrt sich eine wachsende Zahl von Umweltschützern, darunter einige der weltweit führenden Naturschutzbiologen, Klimawissenschaftler sowie viele gemeinnützige Organisationen an der Basis, gegen den Druck. Sie alle fordern den Einsatz der bestmöglichen Mittel, um die Belastungen für Gesundheit und Umwelt zu verringern. Viele Staats– und Regierungschefs der Welt beginnen zu begreifen, dass der Einsatz von Kernenergie im Interesse de Klimas notwendig ist – was durch eine aktuelle MIT-Studie bestätigt wird.

In diesem Sinne versammelte sich am vergangenen Wochenende eine Gruppe europäischer Kernkraftbefürworter zu einem Treffen in Amsterdam.

Allein dies veranlasste die Anti-Atomgruppe WISE (die von der Industrie für erneuerbare Energien finanziert wird und Partner von Greenpeace ist) dazu, vor Ort ein Zelt für Demonstranten aufzuschlagen. Diese lauten populistischen Stimmen sind ein entscheidender Grund dafür, dass viele Menschen eine vage Angst vor der Kernenergie verspüren und dass Befürworter der Kernenergie sich alleine fühlen, eingeschüchtert durch die wütenden Reaktionen, wenn man sich öffentlich oder privat als „pro-nuklear“ outet.

Was wollen Kernenergiebefürworter?

Die Organisatoren hatten mit 20 Teilnehmern gerechnet, aber an diesem Tag drängten sich mehr als 50 Frauen und Männer in dem gemütlichen Kellerraum unter einem klassischen Kinogebäude entlang einem der vielen Kanäle Amsterdams.

Kernenergie-Unterstützer aus mindestens zehn europäischen Ländern

Besonders habe ich mich gefreut, eine junge Vertreterin der schwedischen Grünen zu treffen, die zahlreiche Lücken in der Argumentation der Partei entdeckt hatte und dadurch desillusioniert wurde. Sie betreibt nun die Website talk nuclear power now

Ich hoffe, dass dies auch ein Zeichen des Wandels ist, ähnlich wie in Finnland, wo die Grünen in diesem Sommer ihre offizielle Haltung dahingehend geändert haben, dass sie die Kernenergie nicht mehr entschieden ablehnen.

Unsere Begeisterung war ebenso zu spüren wie die Dringlichkeit, zu handeln. Aus den vielen Stimmen der Anwesenden wurde deutlich, dass sie gekommen waren, um die Welt zum Besseren zu verändern. Die Diskussion kreiste immer wieder um Themen wie die Eindämmung des Klimawandels, den Kampf gegen die Luftverschmutzung, den Schutz der Umwelt und die Beseitigung der Armut – kurz gesagt:

Wir unterstützen die Kernenergie, um die Energieversorgung sicherzustellen, damit Menschen, Länder und Nationen sich entfalten können und die Natur erhalten bleibt.

Ben Heard from Bright New World: How plentiful energy unlocks human potential and saves nature

Wir waren nicht da, um wütend zu sein oder gegen einen Feind zu demonstrieren –  wir wollen helfen, einen nachhaltigen Wandel herbeizuführen. Angesichts der persönlichen Erfahrungen, die viele von uns im Umgang mit der Öffentlichkeit gemacht haben, und unter Berücksichtigung vieler Meinungsumfragen, Abstimmungsmuster und des politischen Wandels ist klar, dass es in Wahrheit recht große Gruppen von Menschen in ganz Europa gibt, die Kernenergie befürworten  – und viele sind neugierig und offen für weitere Informationen.

Ich glaube, es gibt sehr viele da draußen, deren negative Ansichten zur Kernenergie auf beängstigenden Eindrücken beruhen, die sie noch nicht hinterfragt und untersucht haben, so wie es bei mir gewesen ist (zu meiner Perspektive siehe Atommüll: Ideen vs. Realität).

Grund zum Feiern!

Gestärkt durch unsere Erfahrung, so viele andere Gleichgesinnte kennenzulernen, wollen wir allen anderen Kernkraftanhängern überall in Europa zeigen, dass sie nicht allein sind. Darüber hinaus wollen wir die Zehntausende von Arbeitnehmern in der Kernkraftindustrie wissen lassen, dass wir ihre Arbeit schätzen. Und wir sind stolz darauf, dass der menschliche Forscher- und Erfindungsgeist so faszinierende Methoden zur Energiegewinnung entwickelt hat, die Leben und Natur retten.

Wir haben beschlossen, diesen Wunsch in München am Marienplatz am 21. Oktober in Form eines Nuclear Pride Festes zu verwirklichen – eine Veranstaltung, bei der jeder eingeladen ist, seine Gründe für die Wertschätzung der Kernenergie darzulegen.

Darüber hinaus möchten wir allen Neugierigen eine einladende Atmosphäre und die Möglichkeit bieten, an Gesang, Spielen, Essen teilzunehmen – so, wie wir den WISE-Demonstranten bei unserem Amsterdamer Treffpunkt mit dem Gruppenlied „We can’t help falling in love with U[ranium]“ begegnet sind, angeführt von Eric Meyer, dem Opernsänger von Generation Atomic. (Sie finden mich im grauen Kleid direkt hinter der Zeltstange, in der Hand ein Schild: „Be wise, get #SeriousAboutCO2“)

Übrigens:

Was geschah wohl nach dieser Musikstunde im Kinderarten, bei der ich mich als Befürworterin der Kernenergie offenbart habe? Die andere Mutter unterhielt sich nach der Veranstaltung aufgeräumt mit mir und freute sich über die Einladung zur Geburtstagsparty. Eine gute Lektion für mich, meine eigene vorgefasste Meinung über die Ansichten anderer Menschen zur Kernenergie zu überwinden.

Iida Ruishalme ist Biologin und auf biomedizinische Forschung spezialisiert. Sie ist Wissenschaftskommunikatorin und Autorin von Romanen. Sie publiziert in Food and Farm Discussion Lab, Genetic Literacy Project, Biofortified, im Kulturjournal The Woolf und in der Finnischen Zeitschrift Aamulehti. Sie bloggt auf Englisch unter Thoughtscapism und engagiert sich bei “Mothers for Nuclear”.

Zum Weiterlesen:

70 Kommentare

  1. Es ist einfach so: Es gibt Zeiten, da weht weder der Wind noch scheint die Sonne. Da brauchen wir eine Energiequelle, die auch dann in der Lage ist, den Energiebedarf abzudecken. Besonders, wenn man bedenkt, dass nach den Plänen ein großer Teil der Verkehrsleistung zukünftig nicht mehr vom Öl gedeckt werden soll, sonden elektrisch.

    Es erscheint jedenfalls nicht sehr sinnvoll, die einzige Energiequelle, die das prinzipiell leisten kann, abzuschalten und zu demontieren.

  2. Wenn man Yakuza nuclear energy guugelt ,bekommt die „saubere Energie einen deutlichen Schmutzfilm…
    oder mal bribing nuclear energy gesuchtmaschient…

    wenn das organisierte Verbrechen in einer Hightech-Nation wie Japan drinhängt,dan sollte man sich keine Hoffnung auf die Einhaltung von Sicherheitsvorschriften machen…

    Was dem einen das Glück im nuklearen Bereich,sind dem anderen Globuli,nicht wahr.
    Ob Atomkraft (oder Golden Rice)da steckt zuviel Gier und Spielraum für Manipulationen/Macht drin als das die netten „pro-nuclear“-Leutchen ernstnehmen kann oder darf.
    Sorry.
    Schafft erst ,man aus dem Genpool die Gier/menschliche Fehlerhaftigkeit raus,dann können wir nochmal drüber reden.

  3. Hätten die Verantwortlichen in Deutschland (und einigen anderen europäischen Ländern) nach dem Unfall von Tschernobyl 1986 nicht reflexartig sämtliche Forschung zur Kernenergie eingestellt und später sang- und klanglos den Chinesen überlassen, hätten wir schon längst Leichtwasserreaktoren mit wenig Abfall, der noch dazu auch nur noch ein paar hundert Jahre strahlt, was uns auch die ganze Endlagerdebatte erspart hätte.

    Ein Hoch auf die Grünen, die das so tapfer verhindert haben! Zurück ans Lagerfeuer, alles andere danach war ein furchtbarer Irrtum.

  4. Sagt mal, sonst halte ich Eure Seite für durchaus gut, aber zahlreiche Unfälle haben gezeigt, dass Kernenergie nicht beherschbar ist ! Die meisten Wildschweine, die im bayersichen geschossen werden, können nicht in den Verkehr als Lebensmittel gebracht werden, da diese zu sehr radioaktiv belastet sind. Dies über 30 Jahre nach Tschernobyl, soviel zu der „grünen“ Energie Atomkraft. Jetzt muss ich mal sagen, informiert Euch bevor Ihr sowas wie hier schreibt !

    Ansonsten macht weiter so ;-)

  5. @noch’n Flo

    OK, mit der Forschung hast Du nicht ganz unrecht ;-)

  6. Ja, menschheit ist ja weit vom perfekt oder fehlenfrei. Zum beisspiel haben wir wegen unsere tendenz zu emotionelle risikoabschätzung oft schon Kernkraft abgelehnt, und stattdessen mehr fossile kraftwerke gebaut – welche millionen vom leben jählich kostet, und zu klimawandel führt. Das positive ist, dass mehrmals hat die menschheit auch von ihre fehlen gelernt, und die Wohlergehen unsere Zivilazation deutlich verbessert.

    „Many still say that the risk of human error in the context of nuclear power is too great. I agree. Human errors in the assessment of the risks of nuclear power cost millions of lives every year – every time an opportunity to replace coal power with cleaner energy is wasted. Mitigation of climate change would be in much better shape if other countries would have followed France and Sweden’s lead back in the 70s and 80s.“ https://thoughtscapism.com/2017/12/11/off-the-press-nuclear-energy-is-a-fast-and-inexpensive-way-to-improve-the-world/

  7. @Torsten: Die Unfälle haben gezeigt, dass das Problem nicht an der Kernenergie liegt.

    Nicht die Strahlung war das Problem in Fukushima, sondern die Strahlungsangst und die daraus folgende unnötige Evakuierung, die über 1000 Tote und unmessliches Leid durch aus ihrem Umfeld gerissene Familien zur Folge hatte. Es wäre niemand zu Schaden gekommen, wenn die Verantwortlichen in Japan alle dort mit gewisse Handlungsanweisungen in der ersten Wochen gelassen hätten.

    Über den Aberglauben der Strahlungsangst gibt es auch im neuen Skeptical Inquirer einen hervorragenden Artikel von der Radiologin Jeanne Goldberg MD, siehe From the Spectral to the Spectrum: Radiation in the Crosshairs.

  8. @Amardeo Sarma

    Das Problem mit der Atomenergie ist aber nun mal, wo Menschen arbeiten werden Fehler gemacht, ich glaube das ist Fakt ( bin Gegenbeispielen offen ). Die Konsequenz bei einem Fehler in der Atomenergie ist nun mal enorm, dazu gibt es zumindest zwei deutliche Beispiele. Deshalb bin ich der Meinung ( meine persönliche ), zumindest im Moment ist die Atomenergie nicht beherrschbar.
    Stimme aber mit @noch’n Flo überein, dass es ein Fehler war, die Forschung zur Kernenergie einzustellen.

    Grüße

  9. @Torsten: Ja Fehler werden überall gemacht. Und sie sind auch bei der Kernkraft passiert und da haben uns die Kernkraftbetreiber wohl was vorgemacht. Allerdings, und das wird meist vergessen: Die Folgen dieser Unfälle waren weit geringer, als das, was wir überall sonst akzeptieren, zum Beispiel Null Todesfälle aufgrund der Strahlung in Fukushima, aber über 1000 Tote aufgrund der Stahlungsangst! Es hätte niemand evakuiert werden müssen.

    Selbst bei Tschernobyl waren die Evakuierungen übertrieben, zeigen neuere Studien, die in Elsevier veröffentlicht worden sind und die Wissenschaftler gehen dabei sogar vom untauglichen LNT (Linear No-Threshold-Model) aus. Das sind die Gegenbeispiele: Die Folgen der Kernkraft-Unfälle waren weit, weit geringer, als uns sonst überall erzählt wird.

    Und Kernkraftwerke haben dabei Millionen Leben gerettet, siehe diese Veröffentlichung vom Klimapionier der ersten Stunde James Hansen Prevented mortality and greenhouse gas emissions from historical and projected nuclear power. Kernkraftwerke haben bereits jetzt mehr, nicht nur für die Energiesicherheit, sondern für Mensch und Umwelt und zur Minderung der Auswirkungen des Klimawandels beigetragen, als die hochgepriesenen anderen „low-carbon“ Optionen Solar und Wind.

    Ach ja, und wenn jemand meint, es ging doch das erste (!) Fukushima Opfer durch die Presse … nein, da besteht kein kausaler Zusammenhang und die Entschäding geht möglicherweise allgemein in Ordnung, basiert aber nicht auf Wissenschaft – siehe hierzu dieses klare Statement von Dr. Geraldine Thomas, Professor in the Department of Molecular Pathology at Imperial College, London.

  10. @Amardeo Sarma

    meines Wissens nach war der höchste weltweite Anteil an der Atomenergie bei ca 17% inzwischen liegt er glaube ich bei ca 10% ( auch hier lasse ich mich gerne korrigieren). Also ich kann da bisher nicht die große Bedeutung der der Atomenergie erkennen.

    Es geht auch mir auch nicht nur um die Akut-Toten bei einem Unfall ( nennt man das so ? ), sondern auch um die langfristigen Folgen. In medizinischer Hinsicht kann ich da nicht wirklich mitreden, da habe ich zu wenig Ahnung.

    Ich weiß aber, wie oben schon geschrieben, dass in großen Teilen westlich der Ukraine z.B. kein Wild das Pilze und Erdfrüchte frißt gegessen werden sollte, von Pilzen ganz zu schweigen. Die Mißbildungsrate bei Wild und Haustieren in diesen Gebieten ist seit Tschernobyl deutlich erhöht.

    Deswegen denke ich ohne neue Forschung und neuen technischen Standards ist die Atomenergie zu gefährlich.

    Grüße

  11. @ Torsten
    „Das Problem mit der Atomenergie ist aber nun mal, wo Menschen arbeiten werden Fehler gemacht, ich glaube das ist Fakt ( bin Gegenbeispielen offen ).“

    Im Prinzip ist das richtig. Mit der richtigen Strategie kann man aber auch die Wahrscheinlichkeit für Fehler stark minimieren. Beispiel Luftfahrt. Dort fährt man eine sogenannte „Null-Fehler-Strategie“, das heißt, jedesmal, wenn ein Schaden auftritt wird dieser gründlich analysiert – dazu werden sogar Flugzeugtrümmer vom Meeresboden geborgen – und es wird nach Fehlerursachen gesucht und dann Maßnahmen abgeleitet, wie diese in Zukunft zu verhindern sind. Folge: Trotz des erheblich gestiegenen Luftverkehrs sind Schadensfälle seit den 80er Jahren erheblich zurückgegangen.

    Soll heißen: Man kann da etwas tun, um die Schadenswahrscheinlichkeit deutlich zu verringern.

  12. @Norbert Aust

    Der Unterschied zu einem Flugzeugunfall sind die langfristigen Folgen:
    Die radioaktiven gefährlichen Stoffe die nach Teschrnobyl nach Süddeutschland kamen sind:

    Jod 131 (Halbwertszeit 8 Tage)
    Strontium 90 (Halbwertszeit 28 Jahre)
    Cäsium 137 (Halbwertszeit 30 Jahre)

    d.H. einen Atomunfall mit einem Flugzeugunfall zu vergleichen ist schlichtweg wie Äpfel und Birnen zu vergleichen.

    Ich habe jede Menge radioaktiv belastetes Wildschweinfleisch in der TK-Truhe und kann nix damit anfangen, nur nach und nach entsorgen. Ich spreche also nicht nur vom hören und sagen von den Folgen Tschernobyls.

    Grüße

  13. Der Vergleich Flugzeug und Atomenergie liegt mir auch schwer im Magen. Solange das Flugzeug nicht auf ein AKW stürzt ist das doch vom Risiko kaum vergleichbar oder?
    Jedes Rest-Risiko beim AKW kann doch ne Kernschmelze sein mit katastrophalen Folgen oder übersehe ich da was?

  14. Halt. Vergleiche sind halt so eine Sache (Seufz).

    Dieser sollte als Hinweis zu verstehen sein, dass es Verfahren gibt, die Wahrscheinlichkeit des Eintritts von Schadensfällen zu minimieren. Die beim Flugzeug erfolgreich waren, weil sie ziemlich konsequent durchgeführt wurden und werden. Und dass eine solche Strategie dann vermutlich auch bei Kraftwerken erfolgreich wäre.

    Dies sollte kein Vergleich hinsichtlich Auswirkung oder Schwere eines Schadensfalls sein.

  15. @ Torsten

    „Ich habe jede Menge radioaktiv belastetes Wildschweinfleisch in der TK-Truhe und kann nix damit anfangen,“

    Zwei Fragen

    Wie stark ist das Fleisch belastet? Gibt es Zahlen?
    An welchen Grenzwerten orientierst Du Dich, dass es nicht zu verwerten sei?

    Ich will nicht bestreiten, dass einem möglicherweise etwas der Appetit vergeht, wenn man von einer Strahlenbelastung weiß oder sie vermutet – aber wir sollten versuchen, emotionale Bewertungen (Appetit vergangen) von Fakten (überschreitet wesentliche Grenzwerte und ist daher gefährlich) zu unterscheiden.

  16. @Norbert Aust

    https://www.bfs.de/DE/themen/ion/umwelt/lebensmittel/pilze-wildbret/pilze-wildbret.html

    Ich habe regelmäßig WIldschweine Ca. jedes dritte mit über 3000 Bq/kg, viele davon sogar über 8000 Bq/kg Belastung. Das hat nix mehr mit Appetit vergehen zu tuen.
    Pilze habe ich schon lange keine mehr gehabt mit unter 1000 Bq/kg.

    Grüße

  17. Nachtrag:

    Meine Erfahrungen gelten nur für den bayerischen Wald, nicht bundesweit.

    Grüße

  18. @Bernd: es ist gut, dass dieser Vergleich angesprochen wird. Es gibt einerseits die Wahrscheinlichkeit des Eintretens (Flugzeugunglück, Kernschmelze) und dann die Folgen, wenn erst ein solches Unglück passiert. Flugzeugunglücke kommen nicht nur häufiger vor, ihre Folgen sind bezogen auf menschliches Leid viel schlimmer als bei Kernschmelzen, sofern die Behörden damit anschließend vernünftig umgehen.

    Nehmen wir nochmals Fukushima. Selbst wenn wir den einen „von der Regierung anerkannten“ Fall nehmen – und das ist nicht gleichbedeutend mit „es gibt einen kausalen Zusammenhang“ – reden wir doch von Auswirkungen der (mehrfachen!) Kernschmelze selbst in einem wesentlich geringeren Ausmaß, als bei einem Flugzeugunglück.

    Die Katastrophe war doch, dass die japanischen Behörden völlig unnötigerweise Menschen evakuiert hat. Das hat Opfer verursacht, nicht die Kernschmelze. Hier ist ein Link dazu.

  19. @ Amardeo Sarma:

    Entschuldigung, aber in dem von Dir verlinkten Artikel lese ich nichts von „Opfern“ der Evakuierung (allenfalls den hohen Kosten, die laut Artikel in keinem Verhältnis zu den gewonnenen durchschnittlich 3 Lebensmonaten stünden).

  20. Die Lehre aus Fukushima ist doch, dass nicht nur einer, sondern gleich drei GAUs (Kernschmelze in drei Reaktoren + Zerstörung von drei Reaktorbehältern durch Explosionen) um Größenordnungen weniger Schäden angerichtet haben, als uns Atomkraftgegner seit Jahrzehnten prognostiziert haben.

    Die völlige Vernichtung der Menschheit durch die vorausgesagte radioaktive Verseuchung des ganzen Planeten ist ausgeblieben. Zwar ist die Strahlenbelastung des Pazifiks noch nicht ausreichend erforscht, aber zumindest die globale atmosphärische Belastung ist deutlich geringer als erwartet.

    Dass das Reaktorgelände selbst und seine unmittelbare Umgebung auf Jahrtausende hin für Menschen unbewohnbar sein wird, ist klar, aber damit kann die Menschheit leben. Vielleicht wird mal ein Naturparadies draus, wie bei Tschernobyl.

  21. Entsorgungsproblem gelöst? Nein? Keine Kernkraft, die Betreiber hats nicht interessiert, das Problem wird sozialisiert und gut ist es. Nicht mit mir bitte.
    Es mangelt an Forschung? Das klingt ja wie bei den Homöopathieanhängern, es gilt ein ums andere Mal dieses oder jenes als Hoffnungsträger, habt ihr zb die Materialprobleme bei der Transmutation gelöst und wie gehen wir mit den lustigen biologisch viel durchgängigeren Isotopen um die da entstehen? Die muss man ja bei einer rationalen Analyse der Strahlenangst auf den Tisch legen, da entstehen bei der Transmutation ganz fiese Kandidaten.
    Mehr Forschung und wir haben tolle Kraftwerke mit wenig Abfall (was für Abfall, wie verhält er sich in freier Wildbahn und wie wirkt er auf Lebewesen?), die ganzen letzten Entwicklungen im Kraftwerksbau zeigen da doch das das nur überteuerte Projekte werden die ihre Versprechen nicht halten. Und der Abfall ist immer noch nicht vernünftig entsorgt.
    Jaja mehr Forschung. Wie bei der Homöopathie…

  22. Also zu behaupten das menschliche Leid bei einer Kernschmelze sei geringer als bei einem Flugzeugunglück,
    ist ja schon fast Schwurbelei !

    Hier ein Artikel der Süddeutschen Zeitung, die ja nicht unbedingt bekannt ist für Grünes Gedankengut :-)

    https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/folgen-der-kernschmelze-wie-viele-menschen-starben-beim-tschernobyl-unglueck-1.2965967

    Grüße

  23. @Armadeo Sarma
    Tobias Cronert hat bei scienceblogs am Beispiel total überhöhter Opferzahlen schön dargelegt wie schwer es ist gerade die Langzeitfolgen radioaktiver Belastung abzuschätzen. Einfach darauf zu insistieren das doch gar keiner direkt tot umgefallen ist Aufgrund der Strahlungswirkung macht den Vergleich mit den Opfern durch die Evakuierung nicht glaubwürdiger.
    Wie viele Opfer durch Langzeitfolgen vermieden wurden durch die Evakuierung kann doch hier keiner vernünftig abschätzen. Da wäre mal richtig viel Forschung nötig in der Tat.

    Das ganze Wild in Bayern wird ja aufgrund offizieller Grenzwerte entsorgt, sind unsere Behörden da seid Jahrzehnten Opfer grüner Panikmache?

    @nota bene
    Die Folgen von Fukushima könnte man (wenn man darauf wettet das es keine nennenswerten Langzeitfolgen gibt) auch einfach als Glück gehabt auslegen. In welche Richtung ein nicht mehr durch das System beherrschbarer Unfall tendiert kann man doch gar nicht bestimmen.
    Bopal ein Begriff oder ähnliche Unfälle? Da war der Unfall auch nicht durch das System beherrschbar und ist dann in Richtung worst case mutiert.

  24. Der schnelle Brüter Kalkar hätte eigentlich das Zeug dazu gehabt, der Kernenergie zum nicht mehr aufhaltbaren Siegeszug zu verhelfen.
    Das war der damaligen Anti-Atombewegung bekannt, deswegen wurde alles dafür getan, über alle möglichen Kanäle auf dessen Stilllegung hinzuwirken.

    Durch immer mehr Auflagen wurde das Projekt immer teurer (kennen wir irgendwoher), durch Gleichsetzung Kernenergie – Atomwaffen wurden in der Phase des kalten Krieges in der Bevölkerung immer größere, eigentlich in diesem Zusammenhang nachvollziehbare Ängste geschürt, die eigentlich kernkraftfreundliche SPD schwenkte immer mehr um.

    Der schnelle Brüter war natriumgekühlt, konnte sich seinen Brennstof selbst erbrüten, sein größter Vorteil war aber die weitgehende Nutzung von Uran-Isotopen, die bei anderen Typen als Atommüll anfielen.

    Dieses Problem war also nicht mehr vorhanden, ein Hauptargument gegen die Kernkraft wäre also weggefallen.

    Natürlich gabe es auch Probleme, wie es bei einer neuen Technologie immer ist. Wäre auch die Forschung damals nicht abgewürgt worden, wären diese Probleme mit großer Wahrscheinlichkeit auch gelöst worden.

    Man darf garnicht darüber nachdenken, dass wir heute eine nahezu 100% CO2-freie, gesicherte Stromversorgung hätten, und, wenn ich mal virtuell euphorisch sein darf, Technologieführer und Exporteur in diesem Bereich wären.

    Stattdessen wird mit Wind/PV eine Stromerzeugung gefördert, die alles andere als umweltfreundlich ist und unter Betrachtung aller erforderlichen Begleitmaßnahmen wie fossile Backup-Systeme, Speicher, neue Netze usw. keinen wirklichen Beitrag zur CO2-Verminderung leisten kann. Gerade mal 3,5% des Primärenergiebedarfs wird durch derzeit 30.000 Windräder und hunderte km² PV geliefert, und dies nicht einmal bedarfsgerecht.

    Die totale Ablehnung der Kernenergie durch die Politik und die Öffentlichkeit ist nicht rational erklärbar, eine Rückkehr von der Ideologie zur Wissenschaftlichkeit ist in Anbetracht des Klimawandels dringendst angeraten, mit „Erneuerbaren“ ist das nicht zu schaffen.

  25. @ Uli Schoppe:

    Die Chinesen haben ja weiter geforscht. Ergebnis: die ersten Leichtwasser-Reaktoren sind bereits im Bau. Und damit stellt sich für China auch die Endlagerfrage nicht mehr.

    Nix mit Schwurbelei. Und der Vergleich mit HP hinkt dermassen, dass er dringend einen Rollator braucht.

    „was für Abfall, wie verhält er sich in freier Wildbahn und wie wirkt er auf Lebewesen?“

    Ein Abfall, der nur für Jahrzehnte in einem Zwischenlager aufbewahrt werden muss, dann ist er nicht gefährlicher als das Ursprungsmaterial, welches ja auch der Natur entnommen wurde.

    Ach ja: und hätte man die Graphit-Reaktoren weiter erforscht, wäre das Problem mit der Abschaltung im Falle eines Zwischenfalls auch keines mehr. Auch der „schnelle Brüter“, der sein spaltbares Material selber herstellt und bis zum Ende verbraucht, war keine schlechte Idee, die leider in den 1980ern bereits aufgegeben wurde, weil nach Tschernobyl die völlig irrationale grüne Angst um sich griff.

    Wie wäre es mal, sich zu informieren, bevor man dermassen unqualifizierte Kommentare postet?

  26. Hello!

    Excuse my answer in English, but writing in German is very slow for me. I believe German skeptics appreciate evidence-based lines of thinking, so I will provide a few sources here where the evidence is well presented and linked, including my earlier efforts of collecting research material.

    I will start by acknowledging, that even people with scientific backgrounds don’t always stop to consider their underlying assumptions, and this was certainly true for me, when it comes to nuclear power:

    „I thought that nuclear power, because of the existence of immeasurably long-lived radioactive waste, simply had risks way above and beyond any other energy form. In this light it was entirely reasonable to reject nuclear power, period. The thinking behind it is quite startling when you spell it out loud:

    We don’t need to look at the data on the risks of nuclear waste. We just ‘know’ already.

    I’ve learned the hard way that ‘just knowing’ can be a risky position, as our ideas don’t always match reality. Every now and then we should stop and consider whether what we think is indeed true. This includes reading about what actually happened with accidents like at Chernobyl (see WHO summary) or Fukushima (overview by a radiation expert over at Popular Mechanics: Fukushima five years later), as well as looking into what we actually know about the handling of nuclear waste.“

    So what happened when I looked at the topic? I realized that these catastrophic scenarios I had imagined, ’should anything go wrong‘ (as expressed by others above here in German) were a fantasy. The worst case scenario of modern nuclear power, Fukushima, demonstrated no health issues from radiation.

    Even the worst old world nuclear accident, Tchernobyl, had remarkably little impact on the health of the population, and the statistically calculated loss of lifetime is drastically much smaller, than modern coal plants cause under normal operation any year.

    I documented my humbling journey from assumptions through data and how I arrived at a view more in line with reality when it comes to nuclear and nuclear waste, here:

    „Nuclear has, in effect, a safer way to handle its wastes than do most other energy forms. Even so, there is hopefully no reason to leave the spent fuel in containment for long. That fuel has given up only a few percent of its energy, and the already existing fourth generation fast reactors can use more than 90% of those stores, producing more low-carbon energy, diminishing the waste to a fraction again in volume, and rendering it into a type that will run out of its radiation in a few hundred years. No residues of arsenic, cadmium, lead, chromium, or mercury – distributed into the atmosphere or collected in landfills – from renewable and coal wastes can boast the same profile of being rendered harmless with time.“

    In it I also look at what the data says about overall comparisons of all health and environmental impacts of energy forms, analysed by the EU-funded project Ecofys:

    „If we are serious about protecting human health as well as that of the environment, we need to step above our gut reactions, our ‘we just know’ estimates on the problems of different energy forms, and we need start comparing all the external costs (all risks and health impacts) from each type of energy – estimates that take into account the impacts from mining, operating, and waste.

    Such comparisons have been done. They find nuclear to be the among the safest (and some the safest) energy form per kW produced. Unfortunately simply stating that doesn’t really ‘work’. People who hear that either simply won’t believe it, or think that the analyses can’t actually take into account that mysterious, catastrophic kind of risks they feel nuclear power must carry.“

    The EU-funded project Ecofys concludes them like this [please see the piece for the graph]: Nuclear, all in all, poses a little more burden than wind, about the same as geothermal, and notably less than any type of solar and biomass. All, of course, are towered by the huge burdens of fossil fuels.
    https://thoughtscapism.com/2017/11/04/nuclear-waste-ideas-vs-reality/

    Another source of similar data here:
    https://ourworldindata.org/what-is-the-safest-form-of-energy

    A comprehensive collection of studies and safety reports on different aspects of nuclear power here, by a Finnish sustainability researcher: https://jmkorhonen.net/2017/03/10/what-does-research-say-about-the-safety-of-nuclear-power/

    Therein he includes Greenpeace’s own reports: „If we therefore believe Greenpeace’s own reports, if the price of the closure of only the 300 largest coal power plants in Europe was a Chernobyl-scale disaster every ten years, that would be an improvement in public health.“

    In light of this evidence, to conclude that ‚for me, nuclear is simply too dangerous‘ is to close your eyes and ears for evidence, and decide that one’s own assumptions, the ‚I just know‘-feeling is the superior source of information. I hope none of us would stop there. Asking questions and wanting to find out more is great, but simply making assumptions based on fear-inducing cultural references which we all grew up with, while understandable, will unfortunately not help us make the world a better place.

    Thanks for reading!
    Iida

  27. @ Torsten
    Ich entnehme Ihren Angaben, dass Sie die Belastung messen. Ich verstehe auch, dass „8000 Bq“ beängstigend aussieht, einfach weil 8000 eine große Zahl ist. Die emotionale Komponente kann ich schon verstehen.

    Aber ist das auch real begründet?

    Ein Becquerel ist eine sehr kleine Einheit (ein zerfallender Atomkern pro Sekunde). Sind 8000 Bq also viel? Es sieht viel aus, aber ist es das auch wirklich? In dem von Ihnen verlinkten Artikel des Bundesamtes für Strahlenschutz wird aufgeführt, dass der Verzehr von 200g Pilzen mit 3000 Bq/kg von Cäsium 137 einer Strahlenbelastung von 0,008 mSv entspricht. Hochgerechnet auf eine Portion von Ihrem Wildschwein (150 g) ergibt dies eine Belastung von 0,016 mSv. Nach den Angaben ebenfalls auf der Seite des Bundesamtes für Strahlenschutz entspricht dies der Strahlenbelastung von einem Hin- und Rückflug von Frankfurt nach Gran Canaria. Es gibt eine ganze Menge Leute, die machen Ähnliches mehrmals am Tag ein ganzes Berufsleben lang ohne durch Strahlung zu Schaden zu kommen.

    Ich würde vermuten, dass, auch wenn Sie ein ordentliches Stück von Ihrem Schwein essen, die gesundheitlichen Folgen des dazu genossenen Bieres (rechnet man bei Ihnen auch in Mass?) schwerwiegender sind. Ich würde eine Einladung von Ihnen zu einer zünftigen Brotzeit oder zu einem knusprigen Braten, gerne mit Pilzen, nicht wegen der Strahlenbelastung ablehnen. Auch Vollpension nicht, wenn Sie ein Gasthaus führen und ich bei Ihnen logierte.

    Hier zeigt sich das Problem unserer Haltung zur Kernkraft: 50 Jahre Anti-Atomkraft, der Wackelkurs der Politik mit einer undurchsichtigen Diskussion über eher gefühlte als reale Bedrohungen, sicher auch die recht ungeschickte Aufarbeitung von Störfällen, hat dazu geführt, dass eine Gefühlslage vorliegt, die eigentlich unbegründet ist.

    Nicht falsch verstehen: Ich will nicht alle Argumente bagatellisieren. Dieser Kommentar soll ein Hinweis darauf sein, dass es lohnenswert sein könnte, sein Unbehagen zu hinterfragen.

  28. Leichtwasserreaktoren
    erzeugen fast 90 % der Kernenergie weltweit [1] und
    100 % in Deutschland.

    Q.: Wikipedia
    @noch’n Flo
    Meinen Sie einen speziellen Typ von Leichtwasserreaktoren?

  29. @noch ’n Flo: Die FT (Robin Harding an 11 März, 2018 ) berichtet von über 2202 Todesopfern. Der direkte Link geht nicht (paywall), aber eine Google Suche „fukushima evacuation deaths“ bringt einem zum Beitrag. Wikipedia (Englisch) berichtet von 1386 Todesfällen. Leider gibt es hierzu keinen deutschen Eintrag. NBC berichtet von 1600 Todesfällen und verweist auf die Japanische Zeitung Mainichi Shimbun, The Japan Times berichtet 2014 von 1656 Todesfällen. Wenn man das Datum der jeweiligen Berichte ansieht dann scheint diese Zahl mit der Zeit anzusteigen.

  30. Das letzte Kommentar von Iida auf Englisch finde ich einfach fantastisch! Das ist ein Musterbeispiel für die Art von Nachfragen und „skeptical inquiry“, auf das die GWUP und andere skeptische Organisationen seit einem halben Jahrzehnt setzen. Ein Lehrbuchbeispiel, so zu sagen. Wissenschaft und kritisches Denken „at its best“.

    Sollte es einen Bedarf geben übersetze ich den Text auf Deutsch.

  31. @ Armadeo Sarma:

    Danke für die Erläuterung, das passt dann schon besser.

  32. @ uwe hauptschüler:

    Sorry, Macht der Gewohnheit. Ich hätte das kleine Wörtchen „überkritisch“ nicht vergessen sollen.

    Mea culpa!

    ;)

  33. Bin ich hier im falschen Film? Verharmlosung von Strahlengefahren für Organismen, Zellen, DNA, Verharmlosung der Auswirkungen der Unfälle in Tschernobyl und Fkushima … Also das ist echt starker Tubak, den ihr hier gerade bringt. Schaut Euch die gesundheitlichen Folgen rund um die Reaktorkatastrophen an. Schaut euch die Ökologischen Folgen an, schaut euch an, wie es um die Reaktoren in Fukushima aussieht. Was soll mit all dem verseuchten Wasser in den zig hunderten großen Behältern passieren? …

    Anstatt albernen „Bodycount“ zu betreiben, führt Euch die tatsächlichen und langanhaltenden Folgen vor Augen. Ja, ich bin auch für mehr Forschung. Aber verstärkt zu Alternativen zu Atomenergie und Kohle. Die Effizienz von Solarenergie ist bestimmt noch steigerungswürdig, Stromspeichertechniken exisieren bereits, können aber sicher auch effizienter werden. Entwicklungen von Solarzellen, die besser in Dächer integriert werden und optisch besser aussehen könnten … Mit den Kosten des Baues oder Unterhaltes eines Atomkraftwerkes könnten Forschung und alternative Technologien entsprechend gefördert werden. Das wäre sinnvoller und unterstützenswerter Einsatz von Steuergeldern.

    Ich sähe nur eine Alternative , wenn sie die Absurdität der weiteren Befürwortung von Atomenergie drastisch vor Augen führt. Wie oben schon jemand angedeutet hat, die „Sozialisierung“ nicht nur der Bau- und Betriebskosten, sondern auch der nachhaltigen Gefahren und Kosten von Gefahren und Nachsorge, stösst auch mir bitter auf. Der Betreiber sollte die Kosten und das volle Risiko übernehmen, es würde sehr schnell deutlich, wie teuer und stark subventioniert eigentlich Atomstrom wirklich ist.

    Es geht also um sehr viel mehr als nur verharmlsend um „Strahlungsangst“.

  34. Das wäre mir neu:

    „Schon in fünf Jahren werde das Wachstum der Energienachfrage völlig von Wind- und Solarkraft gedeckt und der Verbrauch von Öl, Gas und Kohle seinen Höhepunkt erreichen.“

    Ist das eine eigenwillige Öko-Interpretation der taz?

    https://www.taz.de/!5535087/

  35. @ hamatsi:

    „Schaut Euch die gesundheitlichen Folgen rund um die Reaktorkatastrophen an.“

    Darüber haben wir doch die ganze Zeit gesprochen. Ergebnis: alles nicht so schlimm, die es uns die Grünen weismachen wollen.

    Und zu den von Dir erwähnten „langfristigen“ Folgen hätte ich gerne ein paar belastbare Zahlen, nicht nur diffuses Geraune.

    „wie teuer und stark subventioniert eigentlich Atomstrom wirklich ist“

    LOL, schon einmal darüber nachgedacht, wie stark Wind- und Solarstrom subventioniert ist? Oder Kohlestrom? Atomstrom ist dagegen regelrecht ein Schnäppchen.

    Aber interessant zu sehen, wie bei Dir Gehirnwäsche und grüne Indoktrination funktioniert haben. WIe leider auch beim Grossteil der Bevölkerung. Fakten stören da nur.

  36. @Bernd Harder

    Der taz-Artikel behauptet, dass schon ab 2020 PV und Windstrom billiger als fossile Energien wären.

    Die machen halt wie immer den Fehler, allein die Gestehungskosten von PV- und Windstrom zu betrachten. Diese volatilen Energieerzeugungsarten benötigen aber im Gegensatz zu konventionellen Energieträgern weitreichende Begleitmaßnahmen, um eine einigermaßen zuverlässige Stromversorgung hinzubekommen.

    Benötigt werden Backup-Kraftwerke, Unmengen an Speicher, tausende km neue Leitungen, Redispatch in Milliardenhöhe usw.

    Wenn man diese Kosten dem Verursacher „Erneurbare“ zurechnet, kommt man auf den mehrfachen KWh-Preis.

    Enorme Umweltschäden, riesiger Flächenverbrauch und unmenschliche Produktionsbedingungen wie Kinderarbeit bei den erforderlichen Rohstoffen wie Kobalt sind weitere Dinge, die einbezogen werden müssen.

    Ein 2GW KKW ersetzt nicht nur 500 4MW Windräder, sondern deren 2000, wenn man die Anzahl der Vollaststunden, also den realen Betrag der Energieerzeugung einberechnet.

    Der Flächenbedarf eines 2GW KKW beträgt ca. 1,4 km², meist in Industrielandschaften. Ein Windrad benötigt im Wald eine freie Fläche von 1 ha. 2000 Stück also ca. 20 km². In BW befinden sich ca. 90% der geplanten WKAs im Wald, paradoxerweise der größten CO²-Senke, die es gibt. Dazu kommen noch größere Flächen mit verdichteten Zufahrtsstraßen für den Aufbau und die Wartung.

    Das sind Überlegungen, die leider sehr oft unterschlagen werden, wenn es um die Energiewende geht.

  37. @ werner

    Was aber in Aussagen von angeblich billger Kernenergie verschwiegen wird, daß in den angegebenen Preisen eben viele direkte und ebenso externe Kosten, wie auch viele steuerliche Vergünstigungen und Ausnahmen für die Betreiber ebenso zu einer nicht geringen Preissteigerung beitragen würde. Als Beispiele seien die Befreiung von einer entsprechenden Haftplichtversicherung, Steuerbefreiungen für Rückstellungen, Steuervergünstigungen bei Energiesteuern, Emisssionshandel oder auch weitere Folgekosten genannt, die tatsächlch derzeit auch noch kaum bezifferbar sind. Hierunter fallen neben tatsächlichen Schäden im Katastrophenfall auch die Kosten für den Abbau der KKW, der Aufwand über mehrere Jahrzehnte bis zu einem Jahrhundert zur Lagerung der verseuchten Bausubstanz und einiges mehr. Der gerade für die Sicherstellung eingerichtete Fond einer sicheren Lagerung, aus deren Verantwortung sich die Atomindustrie bereits freikaufte, ist laut Fachleuten nicht ausreichend, um die Sicherung bis zum Ende des Jahrhunderst zu finanzieren. Die Zeche zahlt ganz sicher auch dann wiederder Steuerzahler.

    Betrachtet man zum Beispiel die Windräder, dann gebe ich Dir in sofern Recht, als das dies mit deutlich sichtbaren Eingriffen in die Natur verbunden ist. Andererseits ist aber nicht nur allgemein der Afbau, sondern auch ein Rückbau erheblich kostengünstiger und eine Renaturierung ohne weiter gehende Belastungen möglich. Ähnlich verhält es sich auch mit Revisionen und Erhaltung der Sicherheitsanforderungen in KKWs, die sind auch nicht gerade günstig. Und es dürfte hoffentlich unstrittig sein, daß einige schwerwiegende Risiken und Kosten bei erneuerbaren Energien gegenüber Atomenergie garnicht erst auftauchen.

    Ohne weiter darauf einzugehen, es wurde aber an anderer Stelle auch schon mal angesprochen, durch Schadensfälle ökologische und auch ökonomische Folgen. Letztere enstehen durch Entvölkerung und notwendige Evakuierungen ganzer betroffener Landstriche. Es ist egal, ob es sich um Bevölkerung, Bauern oder auch ganze Industriebetriebe handelt, die nicht nur Erwerbslos, sondern auch ihre kompletten Produktionskapazitäten verlieren. Die ökolgischen Folgen bleiben ja, wie das Beispiel Tschernobyl zeigt, auch nicht auf lokale Gebiete beschränkt, sondern es waren neben skandinavischen Ländern auch weitere Teile Europas, zum Beispiel eben Teile Bayerns und auch Östereichs auch noch Jahre nach dem Unglück betroffen.

    Ich finde es unredlich dies zu verschweigen. Und leider wird in vielen Argumentationen eben auch dieser nichtlokale Schaden gerne ausgeklammert. Auf Grund derlei Hintergründen und Informationen, kann ich die Lobhudelei oder alternativlose Wiederheraufbeschwörung der Atomenergie keines Wegs nachvollziehen. Auch der Bau und die Sicherheit neuer Kernenergiegewinnungsanlagen (z. B. von Hitachi) kosten Geld, und eine eventuelle Halbwertszeitverringerung des übrig gebliebenen Abfalles auf angeblich „nur“ 300 Jahre kann mich dazu auch nicht überzeugen.

    In einer Studie aus dem Jahr 2016, ich müsste nochmal nachschauen wo genau diese her kam, wurde herausgestellt, daß die Gesamtgesellschaftliche Belastung bei erneuerbaren Energien am geringsten sei. Ich halte dies, auch unter Berücksichtigung schon oben aufgezeigter Faktoren durchaus für nachvollziehbar.

  38. @H. Müller: Ich möchte insbesondere folgendes kommentieren:

    „[..] Schadensfälle ökologische und auch ökonomische Folgen. Letztere entstehen durch Entvölkerung und notwendige Evakuierungen ganzer betroffener Landstriche.“

    Inzwischen ist ziemlich klar, dass diese Folgen – insbesondere bezogen auf Fukushima – nicht der mehrfachen (!) Kernschmelze zuzuschreiben sind, sondern den irrationalen, panikartigen Reaktionen der Behörden in Japan. Selbst wenn wir von dem untauglichen Linear No-Threshhold Model (LNT) ausgehen wäre es besser gewesen, keine einzige Person aus den betroffenen Gebieten um Fukushima zu evakuieren. Zwischen 1000 und 2000 Menschen wären noch am Leben, und Familien würden nicht bis heute darunter leiden, dass sie aus ihrem Umfeld herausgerissen wurden.

    Das ist nicht nur einfach so aus der Luft geholt. Es gibt inzwischen eine Menge wissenschaftliche Publikationen, die auf solche Fragen eingehen und sich mit den Auswirkungen radioaktiver Strahlung befassen und sich mit der Frage befassen, wie man mit solchen Unfällen umgehen soll. Ich will nur beispielhalft auf eine ganze Reihe von Papers in Elevier hinweisen, erschienen im „Process Safety and Environmental Protection 112 (2017) 1–3“. Im Editorial „Coping after a big nuclear accident“ werden viele relevant Einzelstudien zusammengefasst.

    Mit Hinweis auf Waddington et al schreibt der Autor im Editorial: „the authors find it difficult to justify moving anyone away from Fukushima Daiichi on grounds of radiological protection.“ Also: die Autoren finden es also schwer zu verantworten, dass irgendjemand aus Fukushima Daichi allein aufgrund des radiologischen Schutzes weggebracht wurde.

    @hamatsi fragte „Was soll mit all dem verseuchten Wasser in den zig hunderten großen Behältern passieren?“. Es befindet sich nur noch Tritium in diesen „verseuchten“ Wasser, das man – auch wenn ein halbes Jahrhundert pseudowissenschaftliche anti-Atom Indokrination etwas anderes suggeriert – einfach ins Meer kippen könnte. Das Treffen in Amsterdam erwog sogar, bei nächster Gelegenheit etwas von dem Wasser nach Europa zu bringen, um es öffentlich als Tee zu trinken. Die Gesamtmenge an Tritiumwasser, über das wir hier reden ist 57 ml (!), verdünnt über alle Behälter.

    Bei einer Belastung von 60,000 Becquerel pro Liter (entnehme ich verfügbaren Links) hätte eine Tasse Tee so etwa 30 Mikrosievert, was völlig unbedenklich ist.

    Wir sollten hier auch bedenken, dass alle Spezies – auch Menschen – seit Urzeiten schon mit Radioaktivität umgehen und daran angepasst sind. Bereits die natürliche Radioaktivität streut erheblich. Im indischen Bundesstaat Kerala, den ich öfters als Urlaubsort besucht habe, liegt die natürliche Hintergrundstrahlung bei 70 mSv pro Jahr, wobei schon 50 mSv / Jahr um Fukushima „Sperrzone“ ist. Bei uns liegt diese natürliche Strahlung um 2.5 mSv / Jahr.

    Und nein, in Kerala laufen Menschen nicht mit Hörnern rum und sterben und erkranken auch nicht aufgrund der „Strahlengefahren für Organismen, Zellen, DNA“. Als ich das Gebiet um Fukushima vor wenigen Wochen besuchte lag die gemessene Strahlung direkt neben einem durch eine mit einer Umhüllung abgedeckter Haufen abgetragener kontaminierter Erde bei etwas über 0.2 Mikrosievert / Stunde, nicht viel anders als vielerorts in Deutschland.

    Es ist auch nicht so, dass Solar und Wind völlig unproblematisch. Sie verbrauchen viel mehr Landfläche, als Kernkraft. Sie sind viel mehr aufgrund ihrer Abhängigkeit von Sonne und Wetter auf „Backup“ angewiesen. Auch der Umgang mit den Materialien für Solar- und Windkraft haben ihre Probleme, die angesprochen werden müssen. Hier gute Übersicht findet man hier bei „Environmental Impacts of Renewable Electricity Generation„.

    Es ist wie in der Medizin: Es gibt keine Wirkung ohne Nebenwirkungen. Das gilt für Kernkraft, und das gilt für Solar- und Windkraft.

    Wir müssen endlich zu einem rationalen Vergleich von Kernkraft, Solar- und Windkraft, sowie aller anderen verfügbaren „low carbon“ Alternativen kommen. Es ist Zeit, das eigentliche, wirklich existentielle Problem des Klimawandels und der tatsächlichen Gesundheitsbelastung anzunehmen. Alte, eingetrichterte Dogmen sind hier wenig hilfreich. Wir sind heute im Interesse unserer Kinder und Enkelkinder auf alle verfügbaren Optionen angewiesen. Wir sind nicht in einer Situation, mit irrationalen Ängsten im Rücken wählerich zu sein, wenn uns die Umwelt, unsere Gesundheit und unser Klima wirklich am herzen liegt.

  39. Ich frage mich, ob die gesellschaftliche Akzeptanz von Energieträgern nicht auch von ihrer historischen Rolle abhängt und so von einer Art „Halo-Effekt“ geprägt ist: Kohle und Öl gingen mit einem erkennbaren, den Alltag sichtbar verändernden und gewünschten Fortschritt einher (vom Licht im Haus bis zum Kühlschrank).

    Dafür nahm man die enormen gesundheitlichen Folgen (bei der Kohle z.B. Bergwerksunglücke, Luftverschmutzung usw.) an sich in Kauf und es ging nur um ihre Minimierung. Die Kernkraft kam zu einer ganz anderen Zeit, sie stand in der öffentlichen Wahrnehmung nicht mehr für erfahrbaren Fortschritt, in der Bewertung kam es daher eher zu einer Art Grenzkostenbetrachtung (vom unguten Agieren der Lobby oder den Assoziationen zur Bombe einmal ganz abgesehen).

    Dass man mit Blick auf den Klimawandel die Diskussion um die Kernenergie unbefangen neu aufnehmen kann, glaube ich daher nicht, zumindest nicht, solange der Klimawandel nicht noch präsenter im Alltag wird.

  40. Jetzt fühle ich mich so, wie sich Homöofans immer fühlen müssen.
    Ich sehe die Argumente, will sie aber nicht recht glauben.
    Es wird von Studien geredet, und ich frage mich, wer diese finanziert hat.

    Zu viel widerspricht dem, was ich „weiß“.

    Interessant.

    Klar ist mir, dass der CO₂-Ausstoß mit der Kernkraft auf jeden Fall stark gesenkt werden könnte, und dass allein das viele Menschenleben rettet.

    Auch die atmosphärische und sonstige Belastung durch Verbrennungsprodukte neben CO₂ ist mir durchaus bewusst, und trotzdem denke ich mir immer „Das strahlt aber nicht, das ist weniger gefährlich.“

  41. @Christian Becker: Da helfen im Ernstfall nur eigene Recherchen und die Suche nach Studien. Das wäre der harte und auch sicher der bessere Weg ….

    … oder man kann die Erfahrungen derer Nutzen, die diesen qualvollen Weg schon hinter sich haben.

    Sie mussten sich dann nach der Auseinandersetzung mit wissenschaftlicher Literatur und einer kritischen Nachfrage die Frage stellen: Bin ich bereit, die wissenschaftliche Sachlage zu ignorieren, um meine bisherige Meinung oder gar Weltanschauung zu behalten? Oder revidiere ich meine Meinung anhand des Standes der Wissenschaft, auch wenn es schwer fällt und den eigenen Beruf kostet?

    Es ist gut, dass es solche Fälle gibt! Natalie Grams ist ein solcher Glücksfall für die GWUP. Iida Ruishalme hat einen ähnlichen Meinungswechsel in Sachen Kernenergie vollzogen. Einige kommen aus der Umweltbewegung und von grünen Parteien.

    Sehr extrem fiel es für Mark Lynas aus, der früher Felder mit gentechnisch modifizierten Pflanzen zerstörte. Seinen persönlichen Weg beschreibt er in seinem Buch: Seeds of Science oder die Saat der Wissenschaft. Mark Lynas änderte seine Meinung zu Gentechnik und zu Kernenergie. Zu letzterem schrieb er das Buch: Nuclear 2.0. Auch sein Buch „Six Degrees“ ist für mich ein Klassiker, das mich davon überzeugte, dass wir ein Problem haben, dessen Lösung keinen Aufschub duldet.

    Durch seinen Meinungswechsel hat Mark Lynas, wie Natalie Grams viele Freunde verloren. Gegner scheuen verleumderische Mittel auch hier nicht. Zu Mark Lynas schreibt der Umweltverband BUND: „Der ‚fliegende Wechsel‘ einzelner ‚Umweltaktivisten‘ zur Industrie gehört zum PR-Geschäft der Gentechnik- und Atomkonzerne.“

    Kommt uns das nicht bekannt vor?

  42. @Armade Sarma

    Um sie mal auf einen aktuellen Stand zu Fukushima zu bringen: https://www.heise.de/tp/features/Auch-das-havarierte-AKW-Fukushima-ist-weiterhin-durch-Tsunamis-gefaehrdet-4165959.html

    Trotz aller rationaler Zahlenjongliererei, es beruhigt mich nicht im geringsten.

    Auch nicht, dass angeblich die Evakuierungsmassanhemn überzogen gewesen sein sollen und dieses ganze, ich sage es hier deutlich, völlig unsensible Einordnung dieser Zwischenfälle. Die Evakuierungen wurden auf Grund des Störfalles in Folge des Tsunamis und wegen ihm notwendig. Ich denke diese Reihenfolge werden sie rein argumentativ nicht umkehren, wobei angemerkt werden sollte, dass die Bevölkerung im sichereren Hinterland ohne Störfall nicht evakuiert werden musste. Wenn ich sie richtig verstanden habe, dann wollen sie erst mal ruhig abwarten, wie sich denn so ein Störfall entwickelt. Wer aber Verantwortung trägt für viele abertausende Menschen im direkteren Umkreis wird nicht nur durch gesetzich vorgeschriebene Evakuierungspläne für die Sicherheit entsprechend sorgen. Und dies ist unter Umständen eben auch vorsorglich.

    Für mich sind die unkalkulierbaren Risiken, die vehementen und langjährigen Folgen und sehr hohen Kosten solcher Zwischenfälle genug um sehr konsequent diese Technik abzulehnen. Sie haben in sofern Recht, auch Wasser-, Solar- oder Windkraft haben ebenso Risiken. Aber was ich in bisherigen Argumenten pro Atomkraft misse, ist eine umfängliche Einordnung in den Ausmaßen der Belastungen, Gefahren und bisher entstandenen Störfällen und Katastrophen. Es sollte auf Grund dessen auch möglich sein zu entscheiden, solche Risiken für die Zukunft, auch unserer folgenden Generationen, nicht eingehen zu wollen. Wird ein solcher Schnitt gemacht, stehen mehr als ausreichend Resourcen bereit um sich konzentriert an gute und weiterentwickelbare Alternativen zu machen.

    Das Thema Atomkraft wird aus gutem Grund kein rational abzuarbetendes Thema mehr sein können. damit werden auch sie sich abfinden müssen, oder es gelingt Ihnen doch noch sich dem Thema sensibel genug anzunähern. Ich gebe zunächst auch nur völlig unabhängig dazu zu bedenken, dass das Thema Atomkraft auch Gesamtgesellschaftlich gesehen als „Krückstock“ dienen kann, um eigene Gewohnheiten, Konsum und wirtschaftliches Wachstum nicht mehr ausreichend in Frage stellen zu müssen. Es ist „bequehmer“ sich an einem Steinchen festzuhalten, der einem Halt und zukünftig weiterhin ausreichend Freiheiten lässt, da nichts ändern zu brauchen. Nur als Denkanstoss. Das Thema Atomkraft ist zu groß und zu komplex um es nur rational behandeln zu können.

  43. @H. Müller:

    „Um sie mal auf einen aktuellen Stand zu Fukushima zu bringen“

    Kurze Zwischenfrage: Was genau ist daran der „aktuelle Stand“?

    Dass es nicht gerade mega-intelligent war, ein AKW an eine Tsunami-gefährdete Küste zu bauen – was ist an dieser Erkenntnis „neu“?

  44. Neu ist daran nichts. Die Wahrscheinlichkeit das wir solche Dummheiten wiederholen werden ist hoch. Alle Befürworter zusammen mit den KKW in eine Ecke zusammen stecken und ich bin dabei.

    „Aber interessant zu sehen, wie bei Dir Gehirnwäsche und grüne Indoktrination funktioniert haben. WIe leider auch beim Grossteil der Bevölkerung. Fakten stören da nur.“

    Denk mal darüber nach nach wem das klingt und wer so argumentiert.

  45. @Uli Schoppe:

    „Die Wahrscheinlichkeit das wir solche Dummheiten wiederholen werden ist hoch.“

    Aha. Tolles Argument …

  46. Ist es. Da man sich die Ereignisse um den AVR und das FZJ genau angucken kann. Das FZJ hat sich ewig lange mit an den Vertuschungen beteiligt. Man räumt dann ein das man maal gegen gute wissenschaftliche Praxis verstoßen hat, haha.
    Die Menschen haben sich in den letzten Jahren nicht so stark verändert. Und da man offensichtlich auch Wissenschaftlern nicht trauen kann:nein danke.
    Wie gesagt, beantragt das die Versuchsanlagen vor eure Tür kommen.
    Mann war der AVR ein Debakel. Und der THTR 300 in Hamm, auch eine ganz tolle Nummer.

  47. @Amardeo Sarma

    „Inzwischen ist ziemlich klar, dass diese Folgen – insbesondere bezogen auf Fukushima – nicht der mehrfachen (!) Kernschmelze zuzuschreiben sind, sondern den irrationalen, panikartigen Reaktionen der Behörden in Japan.“

    Keine Kernschmelze keine Evakuierung. Ursache – Wirkung.

  48. @Werner:
    „Die machen halt wie immer den Fehler, allein die Gestehungskosten von PV- und Windstrom zu betrachten. Diese volatilen Energieerzeugungsarten benötigen aber im Gegensatz zu konventionellen Energieträgern weitreichende Begleitmaßnahmen, um eine einigermaßen zuverlässige Stromversorgung hinzubekommen.

    Benötigt werden Backup-Kraftwerke, Unmengen an Speicher, tausende km neue Leitungen, Redispatch in Milliardenhöhe usw.“
    ————————————————————————————————-

    Wie gehen denn die Kosten für die Umweltzerstörungen durch die gigantischen Tagebaue z.b. in Namibia, (Rössing, Langer Heinrich) bzw die Bodenverseuchungen durch die „In situ leach“ Förderung von Uranerz in Kasachstan und Usbekistan in die Kosten bzw die Umweltbilanz des Atomstromes ein?
    Wo erwähnen die Fans die sonstigen großindustriellen Anlagen für die Zubereitung des Urans für dessen Einsatz in den Krafwerken?
    (Also z.b. Konversion zu UF4. Konversion von UF4 zu UF6
    Urananreicherung?)

    Reserve-Kraftwerke werden vor allem bei dem Betrieb von Atomkraftwerken benötigt.
    Bei diesen Großkraftwerken muss ja ständig mit dem sofortigen Ausfall größter (Superlativ!) Leistungen bei einer Reaktorschnellabschaltung gerechnet werden.
    Ein derart kurzfristiger und unvorhersehbarer Ausfall von so großen Leistungen ist bei der dezentralen Versorgung von tausenden kleineren Einheiten dagegen ausgeschlossen.
    Welche verheerenden Auswirkungen eine solche Reaktorschnellabschaltung haben kann, hatten wir in Hamburg erlebt, als es im KKK (Kernkraftwerk Krümmel) durch einen ordinären Brand in einem der Maschinentransformatoren dazu kam.
    Blackout in Teilen Hamburgs, Verkehrschaos durch ausgefallenen Verkehrsregelung, Rohr-Brüche von großen Wasserleitungen durch Druckschwankungen in denselben, Ausfall der Wasserversorgung in vielen Haushalten ….
    Soviel auch zu der „sicheren Stromversorgung durch Kernkraftwerke“

    Und zum angeblich „irrationalen Ausstieg“ am Beispiel KKK:
    Im Atomkraftwerk Krümmel ist der größte Siedewasserreaktor der Welt verbaut.
    Der Reaktor ist in wesentlichen Teilen baugleich mit den (deutlich kleineren) Siedewasserreaktoren im Atomkraftwerk Fukushima.
    Bei diesen hat sich aber gezeigt, dass wesentliche Sicherheitseinrichtungen, auf denen auch das Gesamt- Sicherheitskonzept in Krümmel beruht, vollständig versagen können.
    Es war daher keineswegs irrational, sondern im Gegenteil absolut zwingend, nach den praktischen Erfahrungen von Fukushima, dem KKK die Betriebserlaubnis zu entziehen.

    Gruß Karsten

  49. Mich wundert bei wiederholtem Lesen dieses Artikels im GWUP-Blog, warum einzelne gemachte Angaben und Zitate nicht stärker hinterfragt wurden.

    Mir fallen hier, nur als Beispiel zwei Behauptungen auf (um es nur mal kurz zu halten):

    Im Zitat von Iida Ruishalme: „… uns seit einem halben Jahrhundert zuverlässig dient und schädliche Emissionen verhindert …

    Nach Harrisburg, Tschernobyl, Fukushima und auch einigen weiteren größeren Störfällen wurden schädliche Emissionen freigesetzt, mal richtig heftig, anderenfalls etwas begrenzter. Störfälle, die eine Abschaltung bedingten seien hierbei nur nebenbei erwähnt, auch Abschaltungen auf Grund von durch hohe Aussentemparaturen und aufgewärmte Kühlwasserzuführung oder mangelndem Wasser aus Flüssen und Ähnliches sind möglich.
    Von Zuverlässig im Betrieb, als auch im Sinne von Sicherheit kann auch rational gesehen keine Rede sein.

    „irrationalen Ablehnung der Kernenergie“

    Uff, klar, alles nur Laien. Sind vermutlich wieder alles nur alternative Spezialisten (sic!) ;-)

    @ Uli Schoppe

    „Die Wahrscheinlichkeit das wir solche Dummheiten wiederholen werden ist hoch.“

    Zumindest was die Kostenseite angeht, stehen und standen Großprojekte immer wieder in schwerem Fahrwasser …

    „Innerhalb des Energiesektors erlauben die von den Wissenschaftlern ausgewerteten Daten einen Vergleich zum Atomkraftwerkebau in den 1960er bis 1980er Jahren: Die sechs untersuchten Atomkraftwerke wurden mit durchschnittlich 187 Prozent fast dreimal so teuer wie veranschlagt. Lerneffekte im Zeitverlauf konnten nicht festgestellt werden.“

    https://www.hertie-school.org/de/magazin/detail/content/grossprojekte-studie-offshore-windparks-schneiden-mit-20-prozent-kostenueberschreitung-relativ-gut/

    @ Bend Harder

    Bei jedem Esotherikertreffen gibt es hier einen Aufschrei, jetzt trafen sich 50 Atomkraftbefürworter und sahen sich gegenseitig bestätigt … ;-)))

    Unterschied? „Anekdotische Evidenz“ in obigen Artikel, werden wirklich Atomkraft Befürworter mehr angemacht wie Atomkraft nicht befürwortende Menschen? Haben sich in den vergangenen Jahrzehnten bekennende Atomkraftbefürworter auch schon für ihre Meinung und Argumente „niederknüppeln“ lassen müssen? Oder gilt nur eines von beiden als „Stigmatisierung“?

    „Leben und Natur retten“ in der Überschrift oben. Ist oder war das wirklich ein Alleinstellungsmerkmal von Atomkraftbefürwortern? Ernsthaft?

    Alleine schon zu dem von Herrn Schoppe zitierten Satz aus einem der Kommentare oben, hätte ich mir zu diesem Zeitpunkt schon ein klärendes Einschreiten erwartet. Wie sehen sie das? War das nicht auch ein „tolles Argument“???

  50. @ Uli Schoppe:

    „Denk mal darüber nach nach wem das klingt und wer so argumentiert.“

    Godwin in 5… 4… 3… 2…

    @ Karsten:

    Krümmel ist ein sehr schönes Beispiel dafür, was zu verbessern gewesen wäre, wenn man nicht panisch aus der Kernkraft rausgesprungen wäre. Da mein lieber Schwager dort bis heute als Elektriker arbeitet (und in ein paar Jahren mit Anfang 50 bei üppigen Restbezügen in Rente gehen darf – dafür vergöttert er die Grünen übrigens bis heute!), war ich früher über jeden noch so kleinen Störfall bestens informiert. Und immer wieder überrascht, was so ein Reaktor alles aushält, bevor man ihn komplett vom Netz nehmen muss.

    Was extrem selten vorkam, auch wenn die Lesart von aussen oft eine andere war.

  51. nochmal @ Karsten:

    Ach ja, noch etwas: welcher Betreiber sollte eigentlich so dämlich sein, die Grundlastabsicherung in einem 80-Millionen-Staat nur von EINEM EINZIGEN AKW besorgen zu lassen? Mal abgesehen, dass das gar nicht möglich wäre, aber hast Du schon einmal etwas von einer Netz-Mischkalkulation gehört?

  52. @H. Müller:

    „Wie sehen sie das? War das nicht auch ein „tolles Argument“???“

    Ich bin weder der Autor des Artikels noch der betreuende Redakteur und kann/werde infolgedessen auch nirgendwo „klärend einschreiten“ können und wollen.

    Wie Sie sehen können, habe ich lediglich zwei persönliche Verständnisfragen in dem ganzen Thread gestellt.

  53. @Karsten
    KKWs haben eine Verfügbarkeit von 95%, Onshore Windräder von max. 25%, PV von 10%. Für welche Energieart würden Sie jetzt Reservekraftwerke bereitstellen?
    Fukushima ist nicht deswegen gecrashed, weil es ein Siedwasserreaktor war, sondern weil der Tsunamischutz falsch geplant war. Krümmel kann da ganz entspannt sein, von wegen Tsunamis und so;-)

  54. @ Werner, 19. September 2018 um 15:26

    „KKWs haben eine Verfügbarkeit von 95%, Onshore Windräder von max. 25%, PV von 10%. Für welche Energieart würden Sie jetzt Reservekraftwerke bereitstellen?
    Fukushima ist nicht deswegen gecrashed, weil es ein Siedwasserreaktor war, sondern weil der Tsunamischutz falsch geplant war. Krümmel kann da ganz entspannt sein, von wegen Tsunamis und so;-)“
    ———————————————————————————————-

    Eine Uhr geht wechselnd zwischen drei und Zehn Minuten nach, und eine Uhr steht still, zeigt immer die gleiche Zeit an.
    Welche ist die bessere?
    Die Stillstehende.
    Sie zeigt zweimal am Tag sekundengenau die richtige Uhrzeit an.

    Wenn man das Sicherheits-Narrativ bei den Atomkraftwerken ernst nimmt. muss man zwingend ständig die gleiche Leistung als Reserve bereit halten.
    Niemand kann voraussagen, wann und für wie lange ein Atomkernreaktor bei einer Schnellabschaltung vom Netz geht.
    Wenn aber eine notwendige Schnellabschaltung aus Gründen der Netzsicherheit nur wenige Minuten verzögert würde, kann das zu einer nuklearen Katastrophe führen.
    Zu Fukushima / Krümmel empfehle ich noch mal zu lesen, was ich geschrieben habe.

    Gruß Karsten

  55. @ noch’n Flo, 19. September 2018 um 09:37

    nochmal @ Karsten:

    Ach ja, noch etwas: welcher Betreiber sollte eigentlich so dämlich sein, die Grundlastabsicherung in einem 80-Millionen-Staat nur von EINEM EINZIGEN AKW besorgen zu lassen? Mal abgesehen, dass das gar nicht möglich wäre, aber hast Du schon einmal etwas von einer Netz-Mischkalkulation gehört?
    ———————————————————————————————–

    Tja… das war auch so eine Sache, die „nach menschlichem Ermessen“ natürlich „praktisch ausgeschlossen“ war.
    Wie es der unermessliche Zufall (aka, „Allgemeines Gesetz von der größten Gemeinheit“, aka „Murphys Law“) wollte, hatte sich das nach „menschlichem Ermessen praktisch Ausgeschlossene“ am 28. Juni 2007 nicht nur ereignet. Nein, ich selber bin durch eine Kette kaum zu beschreibenden Zufällen Zeit- und Augenzeuge von eben diesen Ereignissen geworden.
    Ich fuhr am Nachmittag mit meinem Motorroller von Lauenburg kommend auf der Bundesstraße 5 in Richtung Hamburg.
    Einige Kilometer vor der Einmündung der Straße nach Grünhof-Tesperhude / Krümmel konnte ich einen beißenden Geruch in der Luft warhnehmen. (Und ulkte zu mir selber: „Störfall in Krümmel“) Realist, der ich bin, verwarf ich diesen Gedanken aber auch umgehend wieder.

    Ich hatte dann in Hamburg Altona, Blankenese zu tun, wo ich zufällig aus einem Radio die Meldung von dem „Brand eines Trafos“ im Kernkrafwerk Krümmel erfuhr. Die Sache sei völlig ungefährlich, nukleare Anlagenteile seien nicht betroffen. Die Werksfeuerwehr sei im Einsatz.

    Bei der Rückfahrt quer durch die Großstadt war ich sehr froh, dass ich mich mit meinem Motorroller doch zügig durch den sich stauenden Verkehr schlängeln konnte, und wunderte mich doch ein wenig über die ungewöhnlich große Zahl an ausgefallenen Lichtzeichenanlagen.
    Überdies fielen mir die Menschenmengen vor z.b. der U-/ S-bahn Wandsbecker Chausee auf.
    Bei Geesthacht am Elbufer entlang, zum Atomkraftwerk.
    Um keineswegs irgendwelche Lösch/ Rettungsarbeiten zu behindern, stellte ich den Roller einige Hundert Meter vor dem KKK ab.
    Der Parkplatz bei dem erhöht liegenden Info-Pavillion war frei zugänglich, so dass ich mich dorthin begab und so von oben Brandstelle und Löscharbeiten beobachten konnte. (Die zu dem Zeitpunkt wohl größtenteils beendet waren.
    (Was mich auch deshalb interessierte, weil ich selber Feuerwehrmann bin)
    Dort waren auch mehrere Fernsehteams und der Pressesprecher der KKK, Ivo Barnack sprach gerade einen „O-Ton für den NDR.
    Unten war das Zufahrtstor zum AKW-Gelände weit auf, dort fand offensichtlich ein Großeinsatz mehrerer Feuerwehren statt. Unablässig bewegten sich Feuerwehrleute und -Fahrzeuge auf- und von dem Werksgelände.
    Es gab offensichtlich keinerlei Zugangskontrollen.
    Wie hatte doch die KKK in einer doppelseitigen Zeitungsanzeige verkündet:
    „Nicht einmal eine Katze kommt unbemerkt auf das Kraftwerksgelände“

    Ist das Verschweigen von Tatsachen eine Form der Lüge?
    Ivo Barnack hielt es nicht für erwähnenswert, dass das Betriebspersonal in der Leitwarte zu jenem Zeitpunkt unter Gasmasken arbeiten musste, weil es dort verqualmt war.
    Noch, dass die Eigenstromversorgung der Anlage betroffen war, und dass zwei der vier Notstromdieselaggregate nicht gestartet waren.
    Natürlich auch nicht, dass die Stromausfälle, Verkehrsstaus etc in Hamburg eine indirekte Folge des Trafobrandes waren.

    Gruß Karsten

  56. @nnF
    Godwin hast du ins Spiel gebracht. Ich habe mich nicht so geäußert, wenn du dir so einen Schuh anziehst wird das einen Grund haben. Du lenkst nur billig davon ab das du dich auf das Selbe Niveau herablässt wie andere die bei anderen Themen genau so reden. Du darfst das aber. Klar.

    Deine anekdotischen Geschichten aus der Verwandtschaft haben übrigens keinen Wert, sowas würdest du anderen auch nicht durchgehen lassen.
    Was aber eine Tatsache ist: Während des Wassereinbruchs 1978 hat die Mannschaft den Reaktor bewußt unter Umgehung von Sicherheitsmaßnahmen kritisch gehalten. Die haben herum gespielt wie die Kollegen in Tschernobyl nur mehr Glück gehabt. Die AVR GmbH hat Störfälle vertuscht. Das alles haben die Kollegen Wissenschaftler gewußt hat ihnen aber nichts ausgemacht. Auch die Einstufung des 78er Störfalls als C hat die beteiligten Forscher nicht wirklich gestört. Da wächst mein Vertrauen ins Grenzenlose. Das durch mehr Forschung am Ende vernünftige Systeme herauskommen hätte ich gerne mal vernünftig belegt. Die Leute vom AVR haben ja die meiste Zeit nicht mal gewußt was wirklich im Kern abging.
    Mal davon ab steckt in diesem Blogbeitrag zuviel mimimi. Was meint ihr denn was man sich als Atomkraftgegner alles schon reintun musste bis hin zu rechtsbefreiter Prügel der Ordnungsmacht. Anekdotisches unrelevantes Gejammer.

  57. Iidas Beitrag ist großartig, und ich bin zutiefst dankbar für all ihre aufklärerische Arbeit. Sicher werden wir noch viel von ihr hören. Ich empfehle all ihre Blogeinträge, auch zu Glyphosat, Biolandwirtschaft usw.

    Ich habe selbst vor kurzem mein „Coming out“ für die Kernenergie gehabt. Hier, für diejenigen, die es interessiert:
    https://deutscherarbeitgeberverband.de/energiefrage/2018/2018_05_19_dav_aktuelles_energiefrage_einsatz_von_kernenergie.html

    @Karsten: Für ein einzelnes KKW braucht man wohl Backup, aber nicht für eine ganze Flotte, anders als für unsere Wind- und Solarflotte, deren Leistung jeweils stark positiv korreliert ist. Eindrucksvoll kann man das indirekt an der Entwicklung der installierten Leistung in Deutschland ablesen, siehe hier:
    https://www.energy-charts.de/power_inst_de.htm
    Obwohl die installierte Leistung aus Erneuerbaren stark nach oben ging, konnten konventionelle Kraftwerke kaum abgeschaltet werden.

  58. @ H. Müller (1)

    In dem von Ihnen verlinkten Artikel wird von mit Tritium radioaktiv belasteten Wasser gesprochen und dabei werden Zahlen von unter 100 Bq pro Liter genannt. Dies sind sehr kleine Zahlen.

    Zum Vergleich: durch ganz natürliches Kalium, das ganz normal ein radioaktives Isotop enthält und wie Tritium ein Betastrahler ist, strahlt der menschliche Körper mit 40 bis 60 Bq pro kg Körpermasse. Die Strahlungsenergie von Tritium ist höher – aber es erscheint doch sinnvoll, dies vielleicht einmal rational zu bewerten.

    Wie die japanischen Grenzwerte zustande gekommen sind, beispielsweise.

    „Das Thema Atomkraft wird aus gutem Grund kein rational abzuarbeitendes Thema mehr sein können.“

    Das klingt, als würden Sie das positiv sehen. Sagen Sie mir, dass ich mich hier irre. Ich will einfach nicht glauben, dass Sie Hysterie und Panikmache für eine angemessene Vorgehensweise halten, mit irgendwelchen Problemen umzugehen.

    „Das Thema Atomkraft ist zu groß und zu komplex um es nur rational behandeln zu können.“

    Frage: Wie denn sonst?

  59. @ Karsten

    „Reserve-Kraftwerke werden vor allem bei dem Betrieb von Atomkraftwerken benötigt.“

    Grundsätzlich wird die Stromversorgung in Deutschland vorwiegend von großen Kraftwerken betrieben. Für Ausfälle hat man selbstverständlich Reserveanlagen im Netz. Es ist aber nicht so, dass man die dauernd braucht.

    Für die erneuerbaren Energien braucht man sie hingegen ganz sicher. Oder wollen Sie, in Zeiten, wenn keine Sonne scheint und kein Wind weht, Ihren Strombedarf auf nahezu Null herunterfahren?

    Nicht nur den in Ihrer Wohnung sondern auch den, den Sie indirekt verursachen, indem Sie Waren und Dienstleistungen verbrauchen, etwa die Brötchen vom Bäcker?

    „Welche verheerenden Auswirkungen eine solche Reaktorschnellabschaltung haben kann, hatten wir in Hamburg erlebt“

    Ich weiß nicht so genau, was Sie erlebt haben, aber die Folgen einer „Reaktorschnellabschaltung“ waren das nicht. Vielmehr war das die Folge eines Brandes in einem Maschinentransformator, also einem Teil, das den vom Turbosatz erzeugten Strom auf die höhere Netzspannung bringt.

    So wie der Ausfall der Ampeln und anderer Anlagen in Hamburg war auch der Schnellschluss von Turbine und Reaktor eine Folge des Brandes. Was übrigens bei jedem anderen Kraftwerkstyp genauso passieren kann.

    „Ein derart kurzfristiger und unvorhersehbarer Ausfall von so großen Leistungen ist bei der dezentralen Versorgung von tausenden kleineren Einheiten dagegen ausgeschlossen.“

    Ist das gleiche Chaos mit Ansagen schöner? Dies würde nämlich auftreten, wenn man für die erneuerbaren Energieträger kein Backup aufbaut. Ich kann hier leider keine Grafik einstellen aber vielleicht schauen Sie sich dieses Bild an:
    https://www.energy-charts.de/power_de.htm?source=all-sources&week=48&year=2017

    Drei Tage hintereinander haben Kernenergie, Stein- und Braunkohle und Erdgas tagsüber 60 GW und nachts immer noch über 50 GW liefern müssen, um den Bedarf zu decken. Am vierten Tag nicht mehr ganz so viel. Was passiert in Ihrem Szenario in einem solchen Fall?

    „Der Reaktor ist in wesentlichen Teilen baugleich mit den (deutlich kleineren) Siedewasserreaktoren im Atomkraftwerk Fukushima. “

    Was jetzt? Baugleich oder größer?

    „Bei diesen hat sich aber gezeigt, dass wesentliche Sicherheitseinrichtungen, auf denen auch das Gesamt- Sicherheitskonzept in Krümmel beruht, vollständig versagen können.“

    Richtig. Wenn ein 13 bis 15 Meter hoher Tsunami die Elbe hochgelaufen wäre, hätte der Reaktor schutzlos dagestanden. Nicht auszudenken, wenn dieser, wie in Fukushima, die Notstromdiesel plattgemacht hätte.

  60. Ja auf der Tsunami Gefahr an der Elbe rumzureiten ist wirklich lustig ^^
    Die entscheidende Frage ist doch was für „Wird schon schief gehen“ Wetter die Betreiber und Erbauer noch so abgeschlossen haben. Die sie uns natürlich nicht mitteilen.
    Das sie sowas tun wissen wir ja. Erdbeben und Kölner Platte? Pfff, kommt während der Lebensdauer bestimmt nicht vor.
    Da hat doch auch unser Helmut die helfende Hand gereicht was die Auflagen betrifft.
    Alles vertrauensbildende Maßnahmen mit durchschlagendem Erfolg.

  61. @ H. Müller (2)
    „Nach Harrisburg, Tschernobyl, Fukushima und auch einigen weiteren größeren Störfällen … “

    Nur zur Erinnerung: Keines dieser Kernkraftwerke ist im normalen Betrieb ausgefallen. Vielmehr hat es menschliche Fehlleistungen gegeben, die man, eine entsprechend sachliche Analyse vorausgesetzt, durch verschiedene Maßnahmen für die Zukunft verhindern kann.

    – In Harrisburg wurde nach einem Test der Notkühlung versäumt, bestimmte Ventile wieder zu öffnen. Bei einer späteren Schnellabschaltung gab es infolgedessen Kühlprobleme. Prinzipielle Abhilfe: Überwachung der Ventilstellung durch Betriebssystem.

    – In Tschernobyl sollte erprobt werden, ob der nach einem Schnellschluss infolge Netzausfall auslaufende Turbosatz noch genügend Energie für die Kühlung liefern kann, bis die Dieselaggregate angesprungen sind. Für diese Untersuchung mussten einige Sicherheitssysteme überbrückt werden. Mangelnde Vorbereitung und daraus folgende Fehler der Bedienmannschaft führten zur Katastrophe.

    Abhilfe: Entsprechende Versuche unterlassen bzw. genauestens vorbereiten.

    – In Fukushima setzte ein außergewöhnlich großer Tsunami die Dieselaggregate außer Betrieb, die die Kühleinrichtungen versorgten. Die Kühlung fiel aus und die Reaktoren überhitzten. Abhilfe: Sicherere Anordnung der Notstrom- und Notkühlaggregate.

    „Störfälle, die eine Abschaltung bedingten seien hierbei nur nebenbei erwähnt, auch Abschaltungen auf Grund von durch hohe Aussentemparaturen und aufgewärmte Kühlwasserzuführung oder mangelndem Wasser aus Flüssen und Ähnliches sind möglich. “

    … wie bei allen anderen thermischen Kraftwerken auch. Selbst Laufwasserkraftwerke reagieren recht empfindlich auf mangelndes Wasser in Flüssen.

    „Von Zuverlässig im Betrieb, als auch im Sinne von Sicherheit kann auch rational gesehen keine Rede sein.“

    Bei Kernkraftwerken müssen sehr viele Vorfälle der Aufsicht gemeldet werden, über die dann in der Presse ausführlich berichtet wird. Bei anderen Großanlagen ist dies weniger der Fall. Entsprechend wird das Bild einer besonders anfälligen Technik gefördert. Ich war unter Anderem in der Instandhaltung eines Pumpspeicherwerks tätig.

    Glauben Sie mir, auch da gibt es reichlich Störfälle. Von denen hört nur keiner etwas.

  62. @ Karsten (2)

    „Wenn man das Sicherheits-Narrativ bei den Atomkraftwerken ernst nimmt. muss man zwingend ständig die gleiche Leistung als Reserve bereit halten.
    Niemand kann voraussagen, wann und für wie lange ein Atomkernreaktor bei einer Schnellabschaltung vom Netz geht.“

    Das ist auch bei allen anderen Kraftwerkstypen, auch bei den Wind- und Solaranlagen so. Eine Schnellabschaltung ist normalerweise eine Folge einer Störung (nicht deren Ursache). Daher muss im Netz eine gewisse Reserveleistung verfügbar sein (was man übrigens kaputt macht, wenn man Kraftwerke vom Netz nimmt, ohne Neuanlagen bereitzustellen).

    „Wenn aber eine notwendige Schnellabschaltung aus Gründen der Netzsicherheit nur wenige Minuten verzögert würde, kann das zu einer nuklearen Katastrophe führen. “

    Welche Situation liegt denn diesem Szenario zugrunde? Ein Schnellschluss ist dann erforderlich, wenn dem Block plötzlich keine Leistung mehr abgenommen werden kann. Genau genommen ist der Schnellschluss ein Schutz für den Turbosatz, dass der nicht „durch die Decke“ geht.

    Denn würde der Generator nicht mehr mit dem Netz verbunden sein, würde der Turbine den Turbosatz auf Überdrehzahl beschleunigen, was zu einer Zerstörung führen kann (ist bei allen Kraftanlagen so!). Wenn ein Schnellschluss erforderlich ist, dann hat man keine Möglichkeit mehr, den Kraftwerksblock am Netz zu halten, wegen irgendeiner „Netzsicherheit“. Folge: Das Bild, das Sie hier beschwören, ist irreal.

    Das, was Sie zum Brand in Krümmel schreiben und kritisieren ist vollkommen unabhängig davon, ob es sich um ein Kernkraftwerk gehandelt hat oder nicht.

    Wenn die Zugangskontrolle zeitweilig nicht funktioniert hätte, wäre das zwar unschön, aber eine Lappalie. Hätte man bei den Feuerwehrleuten jeweils einen Passierschein erst beantragen und dann kontrollieren sollen? Außerdem wissen Sie nicht, ob jemand nicht doch das Tor überwacht hat und nur Leute in Feuerwehrmontur hat passieren lassen.

    Wenn ein Trafo brennt ziehen die Abgase irgendwohin. Wer dort arbeiten muss, sollte sich davor schützen. Ist kein besonderes Kernkraftwerks-Problem, sondern wäre selbst bei einem Wasserkraftwerk so.

    Zwei von vier Notstromaggregaten waren angelaufen und hatten für den Betrieb offenbar ausgereicht. Auch diese Aggregate werden nach Bedarf zugeschaltet. Oftmals in einer zeitlichen Kaskade. Erst eins, wenn das nicht reicht, ein Zweites, dann ein Drittes und so weiter. Wenn man die Situation mit zwei Aggregaten beherrschen kann, warum dann mehr einsetzen?

    Die Stromausfälle in Hamburg sind auch kein spezielles KKW-Problem. Hier wundert mich sowieso, wieso Vattenfall so lange gebraucht haben soll, wieder elektrische Leistung zur Verfügung zu stellen, schließlich hat Krümmel Hamburg sicher nicht im Inselbetrieb versorgt und das Pumpspeicherwerk Geesthacht liegt sogar in direkter Nachbarschaft.

    Oder war das Problem gar nicht so sehr, dass die elektrische Versorgung für lange Zeit ausgefallen war, sondern eher, dass die wegen vielleicht kurzfristiger Unterspannung ausgefallenen Anlagen aus anderen Gründen nicht schnell wieder in Betrieb gehen konnten?

    Quintessenz: Diese lange Antwort soll zeigen, wie aufgeladen die Diskussion um die Kernenergie ist und wie unsachgemäß in der Folge über diverse Vorkommnisse diskutiert wird.

  63. Tatsache ist aber das keiner in der Nachbarschaft wohnen will wenn das nächste menschliche Versagen auftritt.
    Und der Beitrag hier über die ach so armen geschundenen Befürworter ist auch alles andere als sachlich.

  64. @Uli Schoppe: Man sollte nicht von sich auf andere schließen und schon gar nicht mit „keiner“ argumentieren. Ich hätte kein Problem damit und würde auch nicht wegziehen, wenn ich in der unmittelbaren Nähe der Kernkraftwerke in Tihange oder Fessenheim wohnen würde – zumindest nicht wegen der Kernkraftwerke.

  65. @Uli Schoppe:

    Mein Bruder wohnte lange in Bergrheinfeld, in unmittelbarer Nähe zum KKW Grafenrheinfeld. Er ist erst lange nachdem es abgeschaltet wurde, weggezogen.

    Nochmal: Die großen Unglücke (Harrisburg, Tschernobyl, Fukushima) sind nicht einfach so aus heiterem Himmel im normalen Regelbetrieb passiert.

    Details siehe in diesem Kommentar: https://blog.gwup.net/2018/09/11/leben-und-natur-retten-wider-die-stigmatisierung-von-pro-kernenergie/#comment-536921645

    Das Bild, das Sie zeichnen, dass sich marginale Fehlhandlungen der Bediener zu großen Katastrophen entwickeln können, ist schlicht falsch.

  66. Zieh hin :)
    Aber wenn du mal einen Vergleich haben willst wie mies Befürworter wirklich behandelt werden schau Dir mal die alten Aufnahmen zur WAA Wackersdorf an.
    Rauchbomben aus Hubschraubern, Wasserwerfer, Reizgas. Mit dem Schlagstock immer mitten rein. Und die Staatsregierung beschimpft dich als Staatsverräter und Chaoten.
    Und man hat die Lex Schuierer geschaffen.
    Danach will man mit den Befürwortern definitiv nicht mehr viel zu tun haben.
    Mal davon ab das man sich beim AVR wie gesagt anschauen konnte das auch den beteiligten Wissenschaftlern mehr an Vertuschung gelegen hat.
    Das ist eigentlich das was mich am Meisten entsetzt.

  67. „Rauchbomben aus Hubschraubern, Wasserwerfer, Reizgas. …“ Was hat das jetzt mit den Risiken zu tun, die von einem Kernkraftwerk im Betrieb ausgehen?

    Dann muss man sich fragen, inwieweit das AVR, das 1988 stillgelegt wurde und einen Versuchsreaktor vergleichsweise kleiner Leistung darstellt, an dem also unterschiedliche Versuche gefahren wurden, sowie ein Störfall, der vierzig Jahre her ist, mit dem heutigen Leistungsbetrieb in einem Kraftwerk der öffentlichen Stromversorgung vergleichbar ist.

    Ist Ihr Entsetzen wirklich gerechtfertigt?

  68. Ökomodernisten gegen Dunkel-Grün – es gibt eine neue Bewegung in der deutschen Kontroverse um die Kernenergie.

    https://www.salonkolumnisten.com/ausweitung-der-kampfzone/

  69. Kernreaktoren sind wie Kommunismus: Eigentlich gar keine schlechte idee – wenn die Menschen ideal wären…

    Die im Artikel erwähnten „ähnlichen Todeszahlen pro kWh“ bei Wind und Kernenergie unterscheiden sich aber: bei Wind dürften es hauptsächlich Arbeiter sein, die bei Unfällen sterben – bei Kernenergie sind auch viele Leute betroffen, die nicht direkt im Reaktor arbeiten…
    Bei Fukushima war auch viel Glück dabei – wenn der Wind Richtung Tokio anstatt aufs Meer geweht wäre… Wobei die durch den Tsumnami übers ganze Land verteilten Raffinerien und Chemiefabrik-Inhalte sicher auch ihre Probleme (und Toten) zeigen würden, wenn man dies analysiseren würde.

    Zum schnellen Brüter Kalkar (@Werner): Flüssiges Natrium als Kühlmittel zu benutzen und behaupten, das sei problemlos beherrschbar grenzt schon an Hybris. Dass parallel kernwaffentechnisch nutzbares Plutonium entsteht (das zudem extrem (chemisch) giftig ist) ist nochmals ein ganz anderes Problem. Auch ist die französische Variante Superphénix letztlich wegen zu hoher Kosten abgeschaltet worden. (Wenn dann müsste man Thorium verbrüten, das dabei entstehende U-233 ist wegen ebenfalls entstehendem U-232 kaum zum Bau von Kernwaffen nutzbar).

    Insgesamt gibt es hier unter den Kernkraft-Befürwortern viel Technikgläubigkeit „wenn wir nur noch X Jahre hätten forschen dürfen, dann wären alle Probleme beherrschbar gewesen“ gekoppelt mit einer Art Dolchstoßlegende („wenn die Grünen uns nicht in den Rücken gefallen wären…“).
    Tatsache ist doch Stand heute: Wind und Solar funktionieren, brauchen keine zig dutzend Jahre und Milliarden an Forschung, um beherrschbar zu werden – zu einem Preis pro kWh, der unter Kohlekraftwerken liegt. Auch genügend große Energiespeicher wären mit der heutigen Technik baubar (ein paar hundert Kubikmeter (Flüssig-)Batterie pro Dorf würde das Dorf etliche Tage versorgen können). Als Vergleich eine Technik, die seit den 1950ern immer „in 20 Jahren“ alle Probleme gelöst hat… und die beim bau ebenfalls etliche Starkstromleitungen benötigt hat (nur sind diese längst abbezahlt).

    Auch bei den „inhärent sicheren“ Kernreaktoren gibt es Probleme (ich gebe zu, ich habe mir diese vor etlichen Jahren zuletzt detailliert angeschaut) – aber wenn ein guter Teil auf „wir brauchen eine Wiederaufbereitungsanlage, am besten vor Ort“ basiert, dann besteht nunmal das Problem, dass der Betreiber an (relativ reine) kernwaffentaugliche Materialien kommt. *Das* ist das Problem, sogar wenn der „Normalbetrieb“ absolut sicher wäre… Bisher konnte mir noch niemand zeigen, wie man aus Windkraftanlagen Massenvernichtungswaffen baut ;-)

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