Angst vor Fakten? Krankenkasse sagt Homöopathie-Gespräch ab

Da wir wissen, dass Sie Fakten und die besseren Argumente haben, sehen wir uns leider gezwungen, vom Treffen Abstand zu nehmen.“

War das der Grund, wie ein Kommentator vermutet?

Jedenfalls ist das für heute Abend geplante Gespräch von Vertretern des INH mit einer großen deutschen Krankenkasse nach langem Vorlauf ohne nachvollziehbare Begründung abgesagt worden.

Eine Presseerklärung des INH gibt es hier:

Wir bedauern die Absage außerordentlich, denn die von vielen Seiten zum Teil sehr emotional geführte Diskussion um die Homöopathie hätte davon profitieren können, wenn einzelne Parteien sich zu einem konstruktiven Gespräch hätten finden können.

Insofern möchten wir die Hoffnung ausdrücken, dass es vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt nach kasseninterner Klärung der Positionen doch noch zu einem Gespräch kommen könnte.

Wir stehen hierfür jederzeit zur Verfügung, werden sonst aber auch andere Wege finden, um unserer Position Nachdruck zu verleihen.“

Nichtsdestotrotz ist heute in der Welt (und bei Welt+) ein Interview mit Dr. Christian Lübbers zu der Thematik erschienen.

Ein Auszug:

Welt: Andere Länder rücken von der Homöopathie ab, aber in Deutschland tut sich wenig.

Lübbers: Es tut sich bisher eigentlich gar nichts.

Warum nicht?

Die Krankenkassen sind nicht gewillt, diese Doppelmoral freiwillig zu beenden.

Natürlich wissen auch die Krankenkassen, dass Homöopathie nicht wirkt. Aber sie hören auf Umfragen, die sagen, dass die meisten Deutschen der Homöopathie positiv gegenüberstehen.

Würden wir uns nicht alle eine authentische, seriöse Krankenkasse wünschen?

Eine Krankenkasse, die uns den Unterschied zwischen Homöopathie und Naturheilkunde erklärt? Eine Krankenkasse, die erklärt, warum Homöopathie nicht wirkt und erstattet wird, und stattdessen mal eine Kur mehr bewilligen? Eine Krankenkasse, die klare Kriterien für eine Erstattung hat?

Auch als Gesundheitskasse mit mehr Ethik und weniger Marketing könnte man Mitglieder werben.”

Zum Weiterlesen:

  • Studie: Höhere Kassen-Ausgaben bei Homöopathie, DAZ.online am 22. September 2017
  • Pressemitteilung: Gespräch mit INH-Vertretern von Krankenkasse kurzfristig abgesagt, Informationsnetzwerk Homöopathie am 8. Dezember 2017

11 Kommentare zu “Angst vor Fakten? Krankenkasse sagt Homöopathie-Gespräch ab”


  1. 1 Natalie Grams 8. Dezember 2017 um 20:12
  2. 2 crazyfrog 8. Dezember 2017 um 20:29
  3. 3 crazyfrog 8. Dezember 2017 um 21:08
  4. 4 Herr B 9. Dezember 2017 um 11:00

    Der von Natalie Grams verlinkte Welt-Artikel nennt die betreffende große deutsche Krankenkasse auch beim Namen.

  5. 5 Bernd Harder 9. Dezember 2017 um 13:36
  6. 6 noch'n Flo 9. Dezember 2017 um 16:46

    “Es gebe für die Absage „keine inhaltlichen Gründe, sondern persönliche Gründe“, teilte der Sprecher mit.”

    Jau, er wollte nicht, dass jemand merkt, dass er sich vor Angst in die Hose gemacht hat.

  7. 7 Herr B 9. Dezember 2017 um 17:20

    Als das Gespräch hier angekündigt wurde, hatte ich schon drauf spekuliert, dass die TK gemeint ist.

    Da ich selbst bei der TK versichert bin, hätte ich das als hoffnungsvolles Zeichen gesehen, auch ohne gleich eine 180-Grad-Wende in der Politik der Kasse zu erwarten.

    Umso enttäuschter bin ich nun.

  8. 8 Ich 9. Dezember 2017 um 18:04

    Na ja, warum soll eine Krankenkasse diskutieren wollen, sie kann nur verlieren?:

    Die Homöopathie erstatten könnte sie, weil sie behauptet, sie sei wirksamer als Placebo. Ist nachweisbar nicht der Fall.

    Die Kasse könnte ehrlich sein und sagen, sie versuche damit eine bestimmte Zielgruppe zu erreichen, die zahlungskräftig ist, aber nur wenig krank. Geht aber irgendwie auch nicht.

    Damit ist schon das Ende der Fahnenstange möglicher Argumente erreicht. Nee nee, mit dem Vermeiden einer Diskussion geht sie vielen Problemen aus dem Weg.

  9. 9 gnaddrig 9. Dezember 2017 um 18:28

    @ Ich: Stimmt schon, aber das war ja schon bei Vereinbarung des Gesprächs bekannt. Worauf Herr Luebbers und Frau Grams mit dem Gespräch hinauswollten, dürfte allen Beteiligten klar gewesen sein. Da war es naiv, den Gesprächstermin überhaupt zu machen.

  10. 10 borstel 10. Dezember 2017 um 12:21

    So eine große und wirtschaftliche gesunde Krankenkasse – und dann so eine unglaublich dilettantische Öffentlichkeitsarbeit. Peinlich!

  11. 11 Ich 10. Dezember 2017 um 15:12

    @gnaddrig
    Vielleicht findet sich die Ursache auch darin, dass sich auch innerhalb der Krankenkasse die verschiedensten Meinungen zur Homöopathie finden.

    Egal wie, naiv und dilettantisch, da stimme ich zu.

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