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Xavier Naidoo, Reichsbürger und Verschwörungen

| 46 Kommentare

Zugegeben, zur Musik von Xavier Naidoo würden auch mir einige phantasievolle Invektiven einfallen.

Und vielleicht war es ein Fehler, dass SPON-Kolumnist Georg Dietz das Fass mit dem „Erweckungs-Säusler“ und dessen „Schmuse-Schmarrn“ und „Gottes-Gewimmer“ überhaupt aufgemacht hat.

Denn das verstellt möglicherweise den Blick darauf, dass Dietz in der Sache völlig richtig liegt, wenn er den deutschen Soul-Sänger ideologisch bei den „Reichsbürgern“ verortet.

Dietz‘ Artikel

Xavier Naidoos rechte Thesen: Vom Popstar zum Populisten“

bei Spiegel-Online sorgt derzeit für Furore.

Vorausgegangen war ein Beitrag beim Online-Portal vice.com, der von einem Auftritt Naidoos im Umfeld der „neuen Montagsdemos“ handelte (hier ein kurzes Video) und bei dem die Sätze fielen:

Hat Deutschland eine Verfassung? Ist Deutschland noch besetzt? Tut die NSA gar nichts Verbotenes, sondern darf er das eigentlich sogar, weil die Deutschen es ihr per Gesetz erlauben? Weil wir eigentlich gar kein richtiges Land sind. Weil wir immer noch besetzt sind.“

Der Vice-Autor wies darauf hin:

Natürlich ist das nicht das erste Mal, dass Naidoo mit seiner Reichsbürgerideologie auffällt.“

2011 hatte der Musiker im ARD-Morgenmagazin (Video) die Moderatoren mit der steilen These überrascht:

Wir sind nicht frei. Wir sind immer noch ein besetztes Land. Deutschland hat keinen Friedensvertrag und dementsprechend ist Deutschland auch kein echtes Land.“

Ein Jahr später verstieg Naidoo sich in einem Songtext zu wüsten Verschwörungstheorien über satanistischen Ritualmissbrauch und rief nach „starken Männern“ und „Führern“.

Auch für ein Interview mit dem randständigen Internetsender Nexworld TV stand er gerne zur Verfügung. Ein Youtube-Video vom April 2014 lässt ihn als „berühmtesten Infokrieger Deutschlands“ hochleben.

Naidoos aktueller Auftritt bei einer „Friedensdemo“ in Mannheim polarisiert nun erneut heftig.

Die Huffington Post und andere versuchen den „verschwörungstheoretischen Unsinn“ des Sängers mit Fakten zu widerlegen.

Fans und Reichsdeppen dreschen derweil im SPON-Kommentarbereich auf Georg Dietz ein, bezichtigen ihn der „Hetze“ und bemühen sogar den Schwachfug mit dem 4-Cent-Briefporto.

Der Indub.io-Blog hat jetzt einen „Offenen Brief an Xavier Naidoo, alle Reichsbürger und jedes Individuum, das von einer „BRD GmbH” spricht“, veröffentlicht, der die Angelegenheit ganz gut zusammenfasst:

Wenn es diese angebliche Verschwörung, Deutschland zu unterdrücken, wirklich gibt, dann ist sie die erfolgloseste Verschwörung, die die Welt je gesehen hat.

Auch ohne den von Xavier Naido vermissten Friedensvertrag lebt Deutschland seit fast 70 Jahren in Frieden mit seinen Nachbarn. Anders ausgedrückt: Dafür, dass Deutschland angeblich von den Besatzungsmächten besetzt gehalten, unterdrückt und ausgenommen wird, geht es Deutschland verdammt gut.

Wenn so Besatzung aussieht, ist das die vermutlich beste Definition von “Luxusproblem”, die ich je gesehen habe.

Ist Xavier Naidoo ein echter Rechter? Oder schleimt er sich mit seinem Eso-Geschnurre bloß beim Massengeschmack ein, wie Die Welt argwöhnt?

Oder ist der vorbestrafte „Fundamentalist mit Engelszunge“, der

… es gerne hat, wenn man seinen Vornamen wie das englische Saviour (Heiland) ausspricht“,

nur ein unreflektierter Nachplapperer mit kindlich-naiver Sehnsucht nach heiler Welt und irgendeiner Art von Ordnung im Chaos des gegenwärtigen Zeitgeschehens?

Wie auch immer:

Den „Reichsbürgern“ wird Naidoos gefälliger Soundtrack zu ihren kruden Behauptungen wenig nützen.

Der Watchblog Eisenfraß meldet, dass der berüchtigte Reichling „Ironleafs“ wohl den Bettel hingeworfen hat.

Und auch um den „obersten Souverän des Königreichs Deutschland“, Peter Fitzek, soll es nicht gut stehen.

Aber das hat Naidoo sicher nicht gemeint, als er 2009 „Alles kann besser werden“ sang.

Zum Weiterlesen:

  •  Ein offener Brief an Xavier Naidoo, alle Reichsbürger und jedes Individuum, das von einer „BRD GmbH” spricht, indub.io am 23. August 2014
  • Xavier Naidoos rechte Thesen: Vom Popstar zum Populisten, Spiegel-Online am 22. August 2014
  • Xavier Naidoo und die Montagsdemos haben sich endlich gefunden, vice.com am 21. August 2014
  • Esoterisches Eingeschleime beim Massengeschmack, Welt-Online am 15. November 2012
  • Die “Reichsbürger” und der fehlende Friedensvertrag, GWUP-Blog am 4. Januar 2014
  • Buchrezension: Satanismus und ritueller Missbrauch, GWUP-Blog am 5. Mai 2014
  • Satanistenmorde bei Hoaxilla, GWUP-Blog am 5. Mai 2014
  • Neuer „Reichsbürger”-Wahn: Die Vier-Cent-Briefe, GWUP-Blog am 14. Mai 2014
  • Nährboden für Verschwörungstheorien, Hugo-Stamm-Blog am 26. Juli 2014
  • Eisenblatt wirft hin! – Über das Rechtsverständnis der Volksbetrüger, Eisenfraß am 20. August 2014
  •  Peter Fitzek dankt ab, Eisenfraß am 14. August 2014

46 Kommentare

  1. Ich konnte ihn noch nie besonders leiden, jetzt hab ich sogar noch einen Grund mehr ;-)

  2. Die Songs vom „Neiduh Xaver“ waren schon immer aus der Kategorie „reim‘ dich, oder ich fress‘ dich“ und voller Pseudotiefgang. Ziemlich dummes Gesülze, das man nur im Koma ertragen kann. Seine Fans kann ich nur bedauern.

  3. Apropos 4Cent-Briefmarke: Vor ein paar Wochen war i im Post Shop, und es wurde MIR empfohlen, nur 4 Cent auf den Brief zu kleben. Ich habe gleich das Reichdeppenthema angeschnitten…

    Seit kurzen ist mein Post Shop geschlossen – die Leute dort sagten MIR, er hat sich nicht rentiert …

    Ramen.

  4. Wenn Pop-Sänger/Bands anfangen politisch zu werden und glauben, dass sie ihre Musik zu Höherem befähigt, dann haben sie ihren Zenit meistens schon lange überschritten.

  5. Naidoo ist ein seltsam schleimiger Emo-Kasper, keine Frage.

    Die Frage allerdings, ob dieses Land souverän agiert und inwiefern seine Handlungsfähigkeit bzgl. des Schutzes der Interessen der eigenen Bürger als eingeschränkt gelten muss, ist durchaus zu stellen.
    Kann man ein Land als souverän bezeichnen, wenn dessen Bürger allesamt durch eine fremde Macht überwacht werden? Und die Regierung dieses Landes kaum mehr als alberne Protestnoten als Antwort zu finden vermag?

    „Unsere“ dahinsiechende „vierte Macht“ sollte sich vielleicht weniger an der Reichsdeppigkeit des kleinen Schnulzensängers abarbeiten, als an dieser Frage, die er wohl auch irgendwo berührt hat.

  6. Eso-Geschnurre

    Haha, das dürfte das beste Wort ever für Naidoos Gesäusel sein!

  7. Sehr amüsant auch dieses 15 Jahre alte Interview aus dem Musikexpress: http://www.musikexpress.de/das-archiv/article211690/xavier-naidoo.html Hier ein paar Highlights. →
    __________
    „Aber er wird mir niemals erzählen können, daß sein Gott über meinem steht. Jeder Moslem wird sich mit mir darüber vortrefflich streiten können – warum soll ich das nicht auch tun? Für mich ist das ein legaler Wettstreit der Religionen, der nun kurz vor der Entscheidung steht.“

    „Ich habe ein Lied geschrieben, das „Atlantis ist Amerika“ heißt. Darin will ich erklären, was ich konkret aus der Bibel herauslesen kann: Amerika geht unter.“

    „Auch ich bin nicht allwissend. Ich bin zum Beispiel kein großer Mathematiker, der all die Zahlen, die in der Bibel stehen, genau zusammenführen kann. Aber mich wundert es nicht, daß man herausgefunden hat daß das ganze Buch zahlenmäßig codiert ist. Alles, was ich daraus lesen kann, bestätigt mich in meinem Wissen, daß es kurz vor knapp ist. […] Edison hat auch versucht, die Bibel zu decodieren und er hat das Licht erfunden. Er hat die Welt erleuchtet!“

    „Man hat aber entdeckt, daß das Armageddon 1992 begann. Davon bin auch ich überzeugt. Denn das war das Jahr, in dem ich erstmals in der Bibel las.“

    „Benzin ist doch gewachsene Natur. […] Aber die Erde läßt sich von uns nicht kaputt machen.“

    „Wenn Gott den Samstag wollte, soll man auch den Samstag ehren. Er will doch nicht vieles. Wenn unsere Bänder am Samstag statt am Sonntag stillstehen würden, dann – das schwör‘ ich dir würde auf einmal ruck zuck alles besser werden.“

    „Ich glaube nicht, daß die Greenwich-Zeit die richtige Zeit ist, daß die Zeitzonen rechtens sind. Warum steht nirgendwo in der Bibel, daß der Mond auch tagsüber geschienen hat. Ich könnte genauso behaupten: Wir haben es so toll getrieben, daß nun der Mond sogar tagsüber scheint. In der Bibel steht, daß in unseren Tagen die Sonne rot untergehen wird. Früher ist die Sonne nicht rot untergegangen.“

    „Ich mache mir die Erde untenan. Ich lasse mir von keinem irgendetwas verbieten. Ich kann genauso sagen: Was wir hier verbrennen, sind alles Gifte, die durchs Ozonloch entweichen. Dann sind wir sie für immer los. Warum soll ich mir erzählen lassen, daß das Ozonloch giftig ist?“

    „Selbst das Automobil ist in der Bibel beschrieben. […] Das steht an mehreren Stellen, in denen die Cherubime beschrieben werden. Für mich sind diese Engelsgeschöpfe die Automobile. Es gibt vier Arten von diesen Wesen – und wir haben vier Arten von Fortbewegungsmitteln auf der Erde. Ich bin überhaupt nicht gegen den Fortschritt. Dieser Fortschritt muß nur anerkennen, daß es einen Gott gibt.“

    „Herzinfarkt zum Beispiel ist nicht mehr die HauptTodesursache, aber die amerikanische Kardio-Industrie arbeitet dagegen. Spinat hat nicht mehr Eisen als anderes Gemüse, das ist ein Komma-Fehler.“

    „Ich gehe nicht zu Ärzten. Nicht mehr. Ich weiß, daß es kein Krebs, sondern die Pilzkrankheit Candidose ist. […] Wenn mein Glaube Berge versetzen kann, werde ich vielleicht nie wieder krank. Es ist mein krankes Hirn, das mir sagt: „Halte die Schmerzen aus.““

    „Ach was, ich glaube schon lange keinem Wissenschaftler mehr. Neulich habe ich im „PM“ gelesen, daß keine Formel richtig zieht. Alles ist ein bißchen hin- und her geschoben.“

    „Ich habe mein Wissen. Ich sehe mich als jemanden, dessen Berufung es ist, solche Dinge zu sagen.“
    __________

    Nun ja, zumindest „verurteilt“ er Wahrsagerei und Astrologie. ;-)

  8. nicht so schlimm skeptikus, ich mußte erst mal googeln wer das überhaupt ist.(mein fehler ich meide den schundsender)
    mfg. d

  9. @Sascha:

    << Nun ja, zumindest “verurteilt” er Wahrsagerei und Astrologie. << Ja, aber aus den falschen Motiven heraus - denn das ist ja "unchristlich" und "dem Herrn ein Gräuel" ...

  10. Ja, genau… Nieder mit der Meinungsfreiheit! Wer braucht das schon? Lasst uns den Xavier mit der Verschwörungs-Keule schlagen. Danach setzen wir ihm noch den Anti-Semiten Hut auf, und ab in die Ecke und schämen. Und zu guter Letzt steinigen wir diesen Homophoben!

  11. @ION: Was hat *faktischer* Unsinn mit „Meinungen“ zu tun?

    Naidoo redet schlicht gesagt dummes Zeug und stellt falsche Behauptungen auf, keine „Meinungen“.

    << Danach setzen wir ihm noch den Anti-Semiten Hut auf, und ab in die Ecke und schämen. Und zu guter Letzt steinigen wir diesen Homophoben! << Woher phantasieren Sie sich das zusammen? Sicher nicht aus unserem Artikel.

  12. @Bernd Harder:
    Das habe ich aus dem Dietz-Artikel, welcher Ihrem Artikel wohl als Vorlage galt.
    Ich kann es nicht beurteilen, ob es faktischer Unsinn ist. Wenn Sie mir das sagen, ist das Ihre Meinung. So lange ich mich darüber nicht ausreichend informiert habe, nehme ich diese nicht an. So wie es der Xavier selbst am Ende der strittigen Fragen gesagt hat: „Informiert Euch!“
    Mich nervt dieses Bashing einfach.
    Wie sich alle offenbar freuen, dass hier jemand mal wieder von der Norm abweicht. Jetzt kann man endlich wieder jemanden öffentlich zur Sau machen. Da heißt es „Naidoo ist ein seltsam schleimiger Emo-Kasper, keine Frage.“ oder „Ziemlich dummes Gesülze, das man nur im Koma ertragen kann.“ tz tz tz….
    Was tut das zur eSache? Mich würden andere Dinge interssieren: Wie kommt der Xavier zu solchen Behauptungen. Was steckt dahinter? Das wird in der ganzen Diskussion überhaupt nicht ernsthaft behandelt.

  13. @ION:

    < < Wie sich alle offenbar freuen, dass hier jemand mal wieder von der Norm abweicht. << Das hier ist ein Blog, der sich kritisch mit Esoterik, Pseudowissenschaften und Verschwörungstheorien beschäftigt. Ob jemand von "der Norm" (welcher denn?) abweicht, ist uns so egal wie nur irgendwas. << So wie es der Xavier selbst am Ende der strittigen Fragen gesagt hat: "Informiert Euch!" << Offenkundig hat er das nicht getan. Dann ist er "nur" uninformiert. Oder er hat es getan und hält trotz gegensätzlicher Faktenlage an seiner "Meinung" fest. Dann ist er ein Verschwörungstheoretiker. In beiden Fällen missbraucht er seinen Status als Vorbild und Idol, um Unfug zu verbreiten, der zumindest stark nach Rechts tendiert. << oder "Ziemlich dummes Gesülze, das man nur im Koma ertragen kann." << Ich habe mich in dem Beitrag nicht zu seiner Musik oder seinem sonstigen Gehabe geäußert. << Wie kommt der Xavier zu solchen Behauptungen. Was steckt dahinter? Das wird in der ganzen Diskussion überhaupt nicht ernsthaft behandelt. << Da müssen Sie ihn schon selber fragen, ich bin kein Therapeut. Warum sich jemand in Verschwörungsunsinn verrennt (und trotz vorgeblicher "Informiertheit" unbeirrbar daran festhält), kann zahlreiche individuelle Gründe und seelische Dispositionen haben. Ein möglicher ist im Artikel angedeutet: Verschwörungstheorien geben einfache Antworten auf komplexe und schwierige Fragen. Und man kann sich als "Wissender" inszenieren, der alles "durchschaut" hat - auch wenn faktisch genau das Gegenteil der Fall ist. Beiträge zur "Psychologie von Verschwörungstheorien" finden Sie hier im Blog und andernorts: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/verschwoerungstheorien-die-psychologie-der-konspiration-a-449539.html

    http://www.tagesspiegel.de/wissen/psychologie-warum-menschen-an-verschwoerungstheorien-glauben/9316624.html

    http://www.3sat.de/page/?source=/wissenschaftsdoku/sendungen/164492/index.html

  14. @ION: Nach dem „Emo-Kasper“ einfach mal weiterlesen…

  15. @ION
    „So lange ich mich darüber nicht ausreichend informiert habe, nehme ich diese nicht an.“

    Und was hält Sie davon ab? Tun Sie das bitte mal – und DANN haben wir eine Diskussionsgrundlage.

  16. @ION
    Dein erster Satz hier

    „Ja, genau… Nieder mit der Meinungsfreiheit!“

    irritiert mich ein wenig.

    Immerhin sind es ja genau die (von Deiner eigenen Meinung abweichenden) Meinungen („Bashing“), die Dir hier sauer aufstoßen, oder?

    Ob man den Naidoo jetzt phantastisch findet oder grauenhaft, beides ist eine Meinung, die (in einem gewissen Rahmen) jeder hier frei verkünden darf (obwohl die GWUP dazu nicht verpflichtet ist – vielleicht solltest Du Dich bei Gelegenheit mal ein Bisschen in das Thema „Meinungsfreiheit“ einlesen – weder ist Otto-Normalbürger/Verein XY verpflichtet, jedem eine Plattform zu bieten, noch jedem zuzuhören, noch die dargebotenen Meinungen unkommentiert zu lassen).

    Dass er mit seiner Behauptung, die BRD sei kein richtiges Land, falsch liegt, ist ein Fakt.

    Wer als Prominenter öffentlich solchen Quark zum Besten gibt muss damit rechnen, dafür verspottet zu werden.

    @all:

    Auch wenn ich Herrn Naidoo ziemlich unerträglich finde, dass er ein VT-ler ist wundert mich trotzdem. Da sieht man’s mal wieder, es gibt mehr zwischen Himmel und Erde … (Scherz!)

    Immerhin wurden ihm nun vielerorts im Internet die Links rausgesucht, die er braucht um seine Wissenslücken zu schließen.

    Ob er’s tut bleibt abzuwarten.

  17. Hmmmm, schon befremdlich was hier teilweise zu lesen ist. Besonders „interessant“ sind die Beiträge zum Thema Meinungsfreiheit erstaunen mich doch sehr.

    Natürlich darf der gute Mann eine eigene Meinung haben und diese auch noch verbal artikulieren. Der Staat, der die Meinungsfreiheit garantiert ist ja auch in keinster Weise eingeschritten. Auch hat er staatlicherseits keine Repressalien zu befürchten, wenn er seinen (wenn auch irrige) Meinung sagt.

    Womit der gute Mann allerdings rechnen muss ist, dass, wenn er seine Meinung in die Öffentlichkeit trägt, er auch mit Kritik oder Gegenrede rechnen muss, denn die Meinungsfreiheit gilt für alle, nicht nur für einen. Auch ist eine Meinung nicht sakrosankt, nur weil sie Herr Naidoo ins Volk geblasen hat.

    Abgesehen davon ist es keine Meinung, die da geäußert wurde, sondern die Vermittlung einer grob falschen, höchst irreführenden und auch gefährlichen Verschwörungstheorie.

    Die Äußerung der Kritik an den reichsbürgerlichen Ideen des Herrn Naidoo hat mit seiner Musik nur so viel zu tun, dass er seine Konzerte dazu benutzt, Propaganda für sie zu machen.

    Deswegen mache ich hier auch einen Absatz und schreibe das, was schon lange in mir gärt: lieber würde zuhören, wie Günter Grass vogonische Lyrik zum besten gibt, während er sich selbst mit der Ziehharmonika begleitet und Martin Walser die Maultrommel dazu schlägt, als das ich ein Xavier Naidoo-Konzert besuche. Dieses weinerliche, fundamentalchristliche pseudoemotionale Geschluchze ist in meinen Augen (Achtung: freie Meinungsäußerung!) gefährliche Körperverletzung.

    Ich habe mir jetzt noch einmal einige Seiten der Reichsdeppen angeschaut und was mich wirklich fasziniert ist die kindliche Argumentation, die hier so oft auftaucht. Vor allem lässt sich dies am infantilen herumreiten auf Äußerlichkeiten erkennen. Ob der Bundesadler nun sieben, acht oder 38 Federn hat, welche Farbe der Reisepass etc.

    Auch die leidige Diskussion um den Begriff „Personalausweis“ oder dass im Ausweis „Deutsch“ und nicht „Deutschland“ als Nationalität steht (stünde „Deutschland“ drin, wären wir dann alle Deutschländer anstatt Deutsche? Ich hol‘ jedenfalls schon mal den Senf… ), ob es Verfassung oder Grundgesetz heißt etc. Das ist doch alles eine Argumentation, wie sich das kleine Fritzchen die Welt vorstellt und führt sich selbst ad absurdum.

    Jedenfalls finde ich es schamlos, wenn ein Sänger seine Popularität ausnutzt, um derartige Propaganda unters Volk zu bringen.

  18. @“mimimimi“/Mu/Loengard etc.:

    Kleiner Warnschuss für Dich.

    Halt dich besser an diesen sehr guten Rat:

    „Dann solltest du klug sein und die Reissleine ziehen. Am Besten das Netzwerk nicht mehr betreten und gut is.“

    Sonst überlege ich mir mal wirklich ernsthaft, was man gegen fortwährende „Belästigung“ so alles tun kann, auch juristisch, medizinisch und von Amts wegen.

    http://www.recht.de/phpbb/viewtopic.php?f=13&t=255059

  19. Juhu…! Da bin ich wieder :)

    @Der Buddler:
    Ehrlich gesagt, habe ich keine Lust mich über dieses Thema zu informieren.

    Da müsste ich irgendwelche Gesetzestexte lesen und prüfen. Find ich eher doof. Außerdem haben das mit Sicherheit schon diverse Leute hinreichend geprüft. Hatte versucht eine vernünftige Gegenüberstellung der Argumente mit Belegen im Netz zu finden, jedoch bin ich nicht fündig geworden.

    Es gibt immer nur Pro oder Contra – nicht Pro & Contra + eindeutiges Ergebnis (Belege).

    @Bern Harder:

    Ich fragte, nach dem Grund der Behauptungen des Hrn. Naidoos und Sie antworteten, Sie seien kein Therapeut. Ich meinte natürlich, dass es für diese Behauptungen ja einen Ausgangspunkt geben muss, einen Hinweis oder irgend etwas woraus diese „Story“ entstanden ist, mit der er hier nun aufgelaufen ist.

    … Übrigens meinte ich mit der „Norm“, die Wahrheit der Medien, die die Konsumenten als richtig akzeptieren.

    Wenn ich den Sinn dieses Blogs nun richtig deute, besteht ihre Aufgabe darin, Andersdenkenden argumentativ den Garaus zu machen.
    Das erscheint mir doch alles sehr negativ. Sind sie dabei eigentlich manchmal im Austausch mit der betroffenen Person, oder passiert das generell einseitig?

    @Vicky:
    Die ganze Diskussion dreht sich hier offensichtlich, um einen Menschen, der auf einer Demonstration (und im Frühstücksfernsehen) öffentlich seine Meinung geäußert hat. Zumindest bei ihm ging es um ein spezielles Thema (von dem ich keine Ahnung habe).

    Das einzige was ich dann bei der Recherche dazu gefunden habe, waren persönliche Angriffe, Beleidigungen und Verallgemeinerungen. Und zwar in einer so heftigen Art und Weise, dass man schon fast selber Angst bekommen muss, seine Meinung frei zu äußern. Das bezeichne ich dann als Bashing.

  20. @ION:

    << Ich meinte natürlich, dass es für diese Behauptungen ja einen Ausgangspunkt geben muss << Verstehe. Das kann ich ad hoc nicht beantworten, müsste ich ebenfalls auf die Suche gehen. Ich kann mir *vorstellen* (mehr nicht), dass es so ähnlich wie bei seinem Lied über "satanistischen Ritualmissbrauch" gewesen ist. Damals sagte er, ein Fan habe ihm davon erzählt. Das hat anscheinend genügt, um sich sofort mit dieser Idee gemein zu machen und im Brustton der Überzeugung zu verkünden, was gelinde gesagt eine ziemlich unkritische Herangehensweise ist. << Wenn ich den Sinn dieses Blogs nun richtig deute, besteht ihre Aufgabe darin, Andersdenkenden argumentativ den Garaus zu machen. << Nein, wir prüfen die Faktizität von Behauptungen nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft und machen diese Informationen jedem zugänglich. Es geht nicht um Personen und was diese "denken", sondern um Tatsachenbehauptungen, die objektiv falsch sind. Ich kann es nur noch einmal sagen: Nicht *alles* auf der Welt ist vollkommen beliebig und lediglich eine "Meinung" unter vielen. Es gibt Dinge, wie wir objektiv wissen, und die völlig unabhängig von "Meinungen" eben so sind, wie sie sind.

  21. @ ION:

    Du meinst was der Ausgangspunkt für Xavier Naidoo’s (ich gehöre übrigens auch zu denen, die erst googeln mussten wer das ist) Behauptungen ist, oder zur Reichsbürgerbewegung als solche?

    Über die Reichsbürger kannst du dich sehr gut hier informieren, da wird gut und seriös auf deren Behauptungen eingegangen und diese widerlegt, mit vielen Querverweisen auf andere Websites.

    Wenn’s um Naidoo geht:

    Leichtgläubigkeit, Wichtigtuerei, Langeweile, Unfähigkeit Informationen auf Plausibilität zu prüfen,…mir fallen noch zig Möglichkeiten ein, alle sprechen nicht für die kognitiven Fähigkeiten Naidoos.

    Denn die „BRD-ist-kein-Staat“-Verschwörungstheorie ist wirklich eine der dümmsten. Sollte jedem/jeder mit ein bisschen Schulbildung klar sein.

    Bei uns in Österreich gibts die mittlerweile auch. Auch Österreich ist eine Firma usw.usw.

  22. @all

    Genügt nicht alleine schon die Anerkenntnis anderer Nationen einen Staat als souveränen Staat anzusehen und als Beweis seiner Existenz ?

    Ist aber auch eine ernst gemeinte Frage, weil ich mir da absolut unsicher bin, ob diese Betrachtung logisch und politologisch zulässig und schlüssig ist.

    @Ursula

    (ich gehöre übrigens auch zu denen, die erst googeln mussten wer das ist)

    Es ist eben so wie ein Gang durch eine Kunstausstellung. Man bleibt vor manchen Bildern stehen. Schaut es sich kurz mal an und denkt sich „Hmmmm…. naja… irgendwer wird es schon in Ordnung finden“ ;)

  23. Also irgendwie eiert mir die Merkel hier viel zu sehr rum.
    https://www.youtube.com/watch?v=QeG09utuRmk

  24. @abc:

    „“Deutschland ist nicht souverän.“ Na und das ist verdammt nochmal auch gut so. Mir fällt gerade spontan kein Staat ein, der nicht durch irgendwelche internationalen Abkommen einen Teil seiner Souveränität abgegeben hat. Nicht mal die Schweiz ist als EMRK Unterzeichnerstaat zu 100% souverän, sondern letzten Endes dem EGMR unterworfen. Wozu übersteigerte nationalstaatliche Souveränität führen kann, haben wir in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu genüge erleben dürfen.“

    von https://www.facebook.com/indubioblog/posts/1525348111029467?comment_id=1525424374355174&offset=0&total_comments=14

  25. @Bernd Hader
    Es ist ein Unterschied ob man Teile seiner Souveränität FREIWILLIG abgibt oder gewzwungen wird. Warum soviel Idioten daraus dann krasse Theorien stricken liegt auf der Hand. Wenn nichtmal die Bundeskanzlerin da klar Stellung beziehen kann muss halt was faul sein.

  26. Ich glaube ihr übertreibt alle ein bisschen.
    Sowohl der Xavier, aber auch Ihr.

    Des Gestreite bringt doch nix, lasst das mal den Politkern und den Medien Ihr „Problemchen“ sein, dafür haben wir sie gewählt, die machen das schon.

    Es ist doch total egal, wer was sagt, solange Ihr pünktlich den Lohn am Konto habt. Konzentriert euch doch lieber auf was hilfreiches
    und leistet gute Arbeit, so könnt Ihr Euch auch auf die Rente freuen.
    Nicht immer so pessimistisch!
    Hoffe Ihr versteht was ich damit sagen will.
    Locker bleiben. :-)

  27. @Thorsten:

    << Hoffe Ihr versteht was ich damit sagen will. << Nicht wirklich.

  28. Ich bin ziemlich entsetzt über diesen Kommentar, der die Existenz satanistischer Ritualmorde als wüste Verschwörungstheorie abtut.

    Eine sehr gute Freundin von mir ist indirekt Opfer eines solchen satanistischen Ritualsmords geworden. Sie wurde als Kind gezwungen, das Blut eines ermordeten Jungen zu trinken, wurde in der Sekte vielfach sexuell missbraucht und leidet infolgedessen heute unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und einer multiplen Persönlichkeitsstörung. Und ihr missbraucht sie erneut!

    Zu behaupten, es gäbe solche satanistischen Ritualmorde gar nicht, schlägt den Überlebenden ins Gesicht und missbraucht sie ein zweites Mal, weil man sie als Lügner darstellt, nur weil sie keine Beweise vorlegen können. Das ist Victim Blaming, und DAS ist dann wirklich reaktionär, rechts und völlig inakzeptabel. Oder ist nun jede/r ein/e Verschwörungstheoreiker/in, der/die behauptet, sexuell missbraucht worden oder Opfer eines Kinderpornorings zu sein, ohne handfeste Beweise vorlegen zu können? Xavier Naidoo erwähnt ja auch an keiner einzigen Stelle die üblichen Verdächtigen, denen solche Ritualmorde in tatsächlichen Verschwörungstheorien angehängt werden. Er sagt nur, dass es diese Ritualmorde gibt – offenbar weil auch er Überlebende kennt – und dass darüber großes Schweigen herrscht! Ist ja irgendwo auch verständlich, denn wer will schon so etwas Schreckliches glauben? Da bezichtigt man – wie immer – doch lieber die Überlebenden der Lüge. Oder retrospektiver Erinnerungsverzerrungen.

    Xavier Naidoos Plädoyer für die Todesstrafe war sicher grenzwertig, ist aber ebenfalls vor dem Hintergrund eines Opfers zu sehen, das nach eigener Angabe selbst als Kind sexuell missbraucht worden ist. Das ist doch etwas ganz anderes als der rechte Dreck von NPD & CO., und das darf man doch nicht fahrlässig vermischen! Auch das ist Victim Blaming!

    Und wer bei seinen Hasstiraden auf Pädophile automatisch an Schwule denkt, sollte sich mal fragen, wie er dazu kommt, selbst diese kranke Assoziation herzustellen. Nur weil einmal das Wort „Möse“ fällt? Sorry, aber daszu fällt mir – als schwulem Mann – selbst nichts mehr ein.

  29. @Vegan Queer:

    Von Schwulen, Pädophilen und der Todesstrafe war bei uns nicht mal ansatzweise die Rede – aus welchem Grund Sie darauf abheben, erschließt sich umgekehrt uns nicht.

    Uns geht es allein um seine Nähe zu den „Reichsbürgern“, dazu lese ich in Ihrem Kommentar leider gar nichts.

    Die angeblichen „satanistischen Ritualmorde“ haben wir schon häufig diskutiert – in *diesem* Zusammenhang machen wir dieses Faß hier nicht wieder auf.

    Tatsache ist nun einmal:

    Noch nie, nicht ein einziges Mal, wurde ein derartiger Fall polizeilich verfolgt, weil es niemals, bei Tausenden von angeblichen „Fällen“ dieser Art, jemals auch nur eine einzige Spur gab.

    Glauben Sie, dass alle PolizistInnen Deutschlands sich von dem “Netzwerk” täuschen lassen?

    Mehr dazu:

    https://blog.gwup.net/2014/05/05/satanistenmorde-bei-hoaxilla/

    https://blog.gwup.net/2014/05/05/buchrezension-satanismus-und-ritueller-missbrauch/

  30. @ Thorsten
    „Es ist doch total egal, wer was sagt, solange Ihr pünktlich den Lohn am Konto habt!“

    Solch einen inhaltslosen dummen Satz habe ich lange nicht mehr gelesen.

  31. Markus Lanz kritisierte gestern in seiner Talkshow in zwei Nebensätzen den Spiegel-Artikel und zeigte sich empört über die Aussagen zu Xavier Naidoo und versuchte ihn zu verteidigen.

    Für mich waren Xavier Naidoo und auch Markus Lanz schon immer “Wetterfähnchen”…

  32. @ Vegan Queer: Es behauptet hier auch niemand, es gebe solche satanistischen Ritualmorde nicht. Es wird hier nur ausgeführt, dass es bislang keine belastbaren Hinweise auf solche Morde gibt.

    Das ist ein feiner, aber wichtiger Unterschied.

    Und wenn jemand (wie in diesem Fall Naidoo) öffentlich behauptet, es gebe solche Morde, ist er gut beraten, wenigstens ansatzweise Indizien dafür vorzulegen, wenn er schon keine Beweise hat. Wer Behauptungen aufstellt und ernstgenommen werden will, muss Belege bringen – Behauptungen sind leicht aufgestellt.

    Die psychischen Probleme eines (echten oder vermeintlichen) Opfers bzw. Überlebenden (echter oder eingebildeter) satanistischer Rituale anzuführen, reicht da nicht aus.

    Die sicherlich echten psychischen Probleme können alle möglichen Ursachen haben, und dass Leute Phantasiegeschichten zum Besten geben, kommt auch durchaus vor. (Ich unterstelle das Ihrer sehr guten Freundin nicht, aber grundsätzlich ist die Möglichkeit nicht auszuschließen.

    Aus der Ferne und als Nichtfachmann habe ich keine Möglichkeit, da irgendetwas herauszufinden. Als Beleg für satanistische Machenschaften reicht das in der Form aber nicht aus.)

  33. Die Berichte von Missbrauchs- und Vergewaltigungsopfern anzuzweifeln, ist aber auch nicht sonderlich links, um es jetzt mal ganz vorsichtig auszudrücken. Die Opfer jedenfalls kann man damit in jedem Fall erneut traumatisieren, selbst wenn es tatsächlich erst mal nur mutmaßliche Opfer sind.

    Zu sagen, dass die Erinnerungen auf alle mögliche Weise zustandegekommen und auch verzerrt worden sein können, mag inhaltlich und erkenntnistheoretisch zwar völlig korrekt sein, ist aber menschlich betrachtet einfach nur vollkommen empathielos und kaltherzig. Und sexistisch obendrein. Da muss man schon ein bissl mehr differenzieren.

    Wissenschaftliches, methodisch einwandfreies Arbeiten beim Erkenntnisgewinn ist halt nicht alles, was zählt in der Welt. Auch psychologsich betrachtet haben Menschen ja noch ganz andere Motive als nur wissenschaftliche Neugier und Erkenntnisgewinn. Zum Beispiel danach, dass man ihnen glaubt und sie nicht als Lügner darstellt.

    Mit Erkenntnistheorie kenne ich mich durchaus gut aus, und in dieser Hinsicht stimmen die Ausführungen ja auch – inhaltlich. Aber darüber hinaus gibt es halt auch noch eine empathische, menschliche Ebene, und die ist hier umso wichtiger, weil fehlende eindeutige Beweise eben noch lange kein Beleg dafür sind, dass es etwas nicht gibt. Wenn es diese Ritualemorde aber wirklich gibt, ist jeder Zweifel daran ein Akt grenzenloser psychischer, traumatisierender, struktureller Gewalt.

    Psychologsisch betrachtet ist die offene Äußerung solcher Zweifel ein Akt der Gewalt, da es hier angesagt ist, im Zweifel den Opfern zu glauben, selbst wenn es offiziell nur mutmaßliche Opfer sein mögen. Was zwar andererseits im Sinne des Rechtsstaates keine Vorverurteilung mutmaßlicher, konkret benannter Täterpersonen beinhalten darf – aber zumindest die Bereitschaft, prinzipiell zu glauben, dass es solche Ritualmorde gibt. Da ist es also sehr viel menschlicher, den Erfahrungsberichten der Opfer einfach mal zu glauben, selbst wenn es keine direkten Beweise gibt – weil man mit allem anderen riskiert, den (mutmaßlichen) Opfern seelisch in einer kaum zu ermessenden Weise zu schaden. Manche Menschen denken wirklich rein naturwissenschaftlich, und denen geht darüber hinaus jegliche Empathie und Menschlichkeit ab.

    Freud hat früher übrigens bei seinen Patientinnen sehr ähnlich argumentiert, weil er ihren Missbrauchsberichten auch nicht glauben wollte. Für die hatten die alle nur verdrängte Inzestwünsche. Eben dafür ist er zurecht harsch kritisiert worden, denn tatsächlich war seine Interpretation ja auch nachweislich völlig falsch.

    Dass aber jetzt die Gleichung erfolgt: „Wer Menschen, die behaupten, rituelll sexuell missbraucht worden zu sein, einfach so glaubt – auch wenn es gar keine Beweise dafür gibt, der ist deshalb rechts, weil er Verschwörungstheorien unterstützt“ – das ist einfach eine derart perverse und letztlich auch zutiefst sexistische Verkehrung von rechts und links, dass mir dafür einfach nur die Worte fehlen.

  34. @Vegan Queer:

    Erneut nehmen Sie Bezug auf Dinge, die von niemandem hier geschrieben oder behauptet worden sind.

    Es ging nicht um die Berichte von „Missbrauchs- und Vergewaltigungsopfer“, die irgendjemand angezweifelt hat.

    Sie haben nicht von Missbrauchs- und Vergewaltigungsopfern im Allgemeinen geschrieben, sondern explizit von „satanistischen RitualMORDEN“.

    Darauf bezogen sich alle Antworten, auf nichts anderes.

  35. @ Vegan Queer: Sexistisch? Wäre Ihre sehr gute Freundin ein sehr guter Freund mit derselben Vorgeschichte und denselben psychischen Problemen, , hätte ich dasselbe darüber geschrieben. Wäre das dann nicht sexistisch? Oder wenn ich eine Frau wäre?

    Und was sie an der Feststellung von Tatsachen empathielos und kaltherzig finden, ist mir ein Rätsel.

    Wenn mir jemand mit (psychischen oder sonstwelchen) Problemen kommt, komme ich natürlich nicht gleich mit „Haste dir bestimmt nur ausgedacht“ (so scheinen Sie meine Formulierung zu verstehen), auch nicht mit „Kann sein, dass das alles Fantasiegebilde sind“.

    Ich würde vielmehr im Rahmen meiner Möglichkeiten (ich bin kein Therapeut, Psychiater, Seelsorger o.ä.) versuchen herauszufinden, ob und was für ein Problem vorliegt und ob und wie ich der Person helfen kann. Und sei es nur dadurch, dass ich einen Kaffee und ein offenes Ohr anbiete.

    Oder an einen Fachmann verweise. Da ich Ihre sehr gute Freundin nicht kenne und in keiner Weise mit ihr kommuniziere, sondern nur allgemeine Feststellungen treffe, sehe ich wirklich nicht, wie Sie auf den Vorwurf der Kaltherzigkeit kommen.

    Außerdem muss man tatsächlich vorsichtig sein, wenn Leute wilde Leidensgeschichten erzählen. Weil man einer psychisch gestörten Frau geglaubt hat, ist ein Lehrer zu unrecht zu einer langjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Die Geschichte der Frau war von vorn bis hinten erlogen, wie sich hinterher herausgestellt hat.

    Ich selbst habe in meinem Umfeld eine Person mit Borderlinesymptomen, die es mit der Wahrheit auch nicht immer so genau nimmt und sich gern als armes Opfer in Szene setzt. Was dem Menschen schon alles an unerhörtem Unrecht angetan wurde – man glaubt es nicht (und tut auch besser dran, wenn man nämlich die andere Seite der Geschichte hört oder selbst dran beteiligt war, löst sich alles in Kleinigkeiten oder gar nichts auf).

    Wenn man Ihre Argumentation weiterdenkt, müsste man, sobald Leute wie Ihre sehr gute Freundin Namen nennen, die Leute sofort unbesehen einkerkern, weil alles andere ja eine beispiellose Empathielosigkeit, unmenschliche Kaltherzigkeit, hat eine sofortige Retraumatisierung zur Folge und wäre – das Opfer ist weiblich – außerdem noch sexistisch. Das passt hinten und vorne nicht.

    Dass man mit Leuten, die einigermaßen glaubhaft von solchen Erlebnissen berichten, so behutsam wie möglich umgeht, sollte sich von selbst verstehen. Aber man kann den Leuten dadurch nicht ersparen, dass man die Plausibilität der Geschichte bewertet und versucht, den Wahrheitsgehalt zu ermessen. So unangenehm das sein mag, da kommt man nicht drumherum.

    Wie gesagt, ich unterstelle Ihrer sehr guten Freundin nichts, aber ich würde auch nicht jeden Bericht unbesehen für bare Münze nehmen. Victim Blaiming ist ganz was anderes, und Empathielosigkeit auch.

  36. @trixi/Vegan Queer:

    Ich versuche es noch einmal zu erklären:

    << “Wer Menschen, die behaupten, rituelll sexuell missbraucht worden zu sein, einfach so glaubt – auch wenn es gar keine Beweise dafür gibt, der ist deshalb rechts, weil er Verschwörungstheorien unterstützt” – das ist einfach eine derart perverse und letztlich auch zutiefst sexistische Verkehrung von rechts und links, dass mir dafür einfach nur die Worte fehlen. << Woher haben Sie das, wo lesen Sie das heraus - und wieso präsentieren Sie diese Ihre genuin eigene Interpretation in An- und Abführung, also als Zitat? Von wem? Bei der Einordnung von Herrn Naidoo als tendenziell "rechts" ging es nicht um seine satanistischen Verschwörungstheorien - sondern einzig um seine offenkundige Nähe zu den "Reichsbürgern" und deren Argumentation. Ich stelle fest, dass Sie auch bei Ihrem mittlerweile zweiten Kommentar *dazu* (also zum eigentlichen Thema des Blogposts) noch kein Wort verloren haben.

  37. @Vegan Queer:
    Deine Loyalität zu Deiner Freundin im speziellen und zu allen Missbrauchsopfern im allgemeinen in allen Ehren, aber so, wie Du es Dir vorstellst (einfach mal glauben, zum Wohle des Opfers) kann man als unbeteiligter Außenstehender nicht verfahren.

    Denn es gibt halt nicht nur das (vermeintliche) Opfer bei solchen Geschichten, sondern auch – gnaddrig hat es auch schon angesprochen – den (vermeintlichen) Täter.

    Und bevor irgendjemand als solcher abgestempelt wird muss man auf ein Mindestmaß an Beweisen/Hinweisen auf eine solche Tat bestehen, denn auch die ungerechtfertigte Beschuldigung, jemanden missbraucht zu haben, schädigt einen Menschen (von einer ungerechtfertigten Bestrafung ganz zu schweigen).

    Oder gilt das mit der Empathie nur für Dir bekannte/Dir sympathische Leute?

    @gnadderig

    Oder wenn ich eine Frau wäre?

    Ich gehe davon aus, dass Du es eh nicht so gemeint hast, aber dennoch:

    Natürlich gibt es auch sexistische Frauen! (Genauso, wie es auch rassistische Ausländer gibt – kenne ich sogar beides aus meinem näheren Umfeld.)

    Auch ist man als Frau nicht automatisch Expertin für alles, das Frauen betrifft – noch nicht einmal für das, was ich selbst schon erlebt habe, könnte ich mich als Expertin bezeichnen, weil es einfach zu viele Variablen gibt.

  38. @ Vicky: Voll einverstanden.

    Ich hatte Vegan Queer so verstanden: Mann (gnaddrig) nimmt einer Frau (V.Q.s sehr gute Freundin, die ich gar nicht kenne) das Opfersein nicht bedingungslos ab. Deshalb ist das sexistisch.

    Und das ist so pauschal einfach Unsinn.

  39. Und nun schlägt zurück:
    Xavier Naidoo verkündet als Straßenunterhaltungsdienst „Die Wahrheit“…
    http://www.musikexpress.de/news/meldungen/article629025/xavier-naidoo-verkuendet-als-strassenunterhaltungsdienst-die-wahrheit.html

  40. Es ist in der Zwischenzeit ziemlich viel zu meinen beiden Kommentaren geschrieben worden. Ich versuche mal, im Einzelnen darauf einzugehen, auch wenn das dann sehr lang wird. Vielleicht wird dann aber wenigstens verständlich, was ich meine und was nicht. Es ist doch im Übrigen auch klar zu lesen, was ich oben geschrieben habe und was nicht. Dafür, dass mir zu Unrecht vorgeworfen wurde, ich hätte Dinge in den Text hineininterpretiert, die da nicht stünden, wurde mir hier aber ganz gewaltig das Wort im Munde verdreht – und bestimmte Dinge, die ich eindeutiger kaum hätte schreiben können, wurden einfach ignoriert.

    Zu den einzelnen Punkten:

    Erstens habe ich in meinem zweiten Kommentar mehr als eindeutig klargestellt, dass für mutmaßliche Täter bis zum Nachweis der Tat selbstverständlich die Unschuldsvermutung gilt. Wie man das einfach ignorieren kann, ist mir ein Rätsel, aber ich tippe mal auf selektive Wahrnehmung. Insofern zielt natürlich auch der Vorwurf, ich würde Empathie nur für die mutmaßlichen Opfer fordern, nicht aber für mutmaßliche Täter, völlig ins Leere. Davon abgesehen besitzt dieses Argument hier aber ohnehin keine Gültigkeit, da Xavier Naidoo ja überhaupt keine einzige Person als Täter namentlich benannt hat. Insofern besteht der moralische Konflikt mit der Unschuldsvermutung in der Situation, um die es hier geht, doch gar nicht: Der wurde doch offensichtlich einfach nur herbeikonstruiert, um ein vermeintliches Gegenargument zu haben. Und dann auch noch unter konsequentem Ignorieren dessen, was ich bereits vorher dazu geschrieben hatte, um es schon vorbeugend zu widerlegen – weil ich ja aus Erfahrung weiß, wie solche Diskussionen häufig verlaufen.

    Und selbstverständlich ist die Gleichung „sexistisch, weil Mann Frau das Opfersein abspricht“ DANN wirklich so einfach, wenn gar kein konkret benannter Täter im Raum steht, dessen Recht auf die Unschuldsvermutung es im Gegenzug zu wahren gälte. Denn dann ist es wirklich ein Akt psychischer Gewalt, zumindest potenziell und fahrlässig, ohne moralisch rechtfertigenden oder notwendigen Grund die psychische Gesundheit der (mutmaßlichen) Opfer durch solche (lauten und öffentlich geäußerten) Infragestellungen ihrer Erlebnisberichte zu gefährden. Dass das ein wesentlicher Faktor ist, der auch zur Aufrechterhaltung solcher Traumafolgestörungen beiträgt, ist nun mal leider empirisch belegt.

    Und dass manche Borderliner/-innen gut manipulieren können und bisweilen auch lügen, ändert immer noch nichts daran, dass Borderline im Wesentlichen eine Traumafolgestörung ist. (Und damit kenne ich mich als klinischer Psychologe auch ganz gut aus.) Dass da mal jemand missbraucht oder auch körperlich misshandelt worden ist, kann man ihr oder ihm also in jedem Fall getrost glauben, denn eine Borderline-Störung kommt nicht von ungefähr – der genetische Anteil ist hier vernachlässigbar gering. Davon abgesehen ist Borderline auch kein homogenes Störungsbild, sondern eine Art „Sammeldiagnose“, die gestellt wird, wenn aus einer Liste von 9 möglichen Symptomen mindestens 5 zutreffen – und erschwerend kommt hinzu, dass sehr häufig völlig individuell verschiedene Kombinationen mit anderen Persönlichkeitsstörungen vorliegen. Die permanente Selbstinszenierung als Opfer wäre z.B. eher ein histrionisches Muster, auch wenn diese Kombination gar nicht mal so selten ist. „Den“ oder „die“ Borderliner/-in gibt es aber nicht. Gerade mit solchen Stereotypen wird aber natürlich gerne argumentiert, und auch darunter leiden die Betroffenen. Zumal ihnen sogar vor Gericht häufig lediglich aufgrund der Diagnose schon nichts mehr geglaubt wird, ganz unabhängig von der im individuellen Fall tatsächlich vorliegenden Symptomatik. Das ist aber gerade deshalb so fatal, weil Borderliner/-innen mitunter dazu neigen, ihre selbstschädigenden Tendenzen auch bei der Partnerwahl auszuleben. Was man natürlich nicht auf alle ihre Partner pauschalisieren kann, was aber bedeutet, dass viele tatsächlich von ihren Partnern misshandelt und vergewaltigt werden, weil sich darin frühe Beziehungsmuster wiederholen und viele Opfer immer wieder an denselben Partnertyp geraten. Dass man ihnen dann nicht glaubt, ist wirklich schlimm.

    Zweitens zu der Behauptung, es gäbe auch Rassismus gegen Weiße, etc. Dazu muss ich etwas weiter ausholen, um mit einem grundsätzlichen Missverständnis bzgl. struktureller Gewalt aufzuräumen:

    Jede(r), der/die sich mal wissenschaftlich (empirisch) mit struktureller Gewalt befasst hat, kennt diese typischen hegemonialen Diskursstrategien von Nicht-Marginalisierten. Alleine schon die Tatsache, dass nicht-marginalisierte Angehörige der Mehrheitsgesellschaft sehr oft für sich die Definitionsmacht darüber beanspruchen wollen, was Diskriminierung sei und was nicht (und sie andererseits den Opfern absprechen, die diese Diskriminierungen täglich am eigenen Leib erfahren und es daher eigentlich viel besser einschätzen können sollten) ist ja bereits Ausdruck einer unreflektierten Dominanzperspektive. Und diese Mechanismen greifen in allen Bereichen von struktureller Gewalt und Diskriminierung. Da geht es um Macht. Und weil es bei Diskriminierung um Macht geht, ist es auch nicht wahr, dass (wie oben geschrieben wurde) es auch sexistische Frauen oder „rassistische Ausländer“ geben würde. Natürlich können weiße Ausländer rassistisch sein, wenn sie Schwarze oder andere People of Color diskriminieren. (Und Rassismus hat eh nur was mit Hautfarbe und nicht mit der Nationalität zu tun.) Aber da Rassismus und Sexismus schon sozialwissenschaftlich so definiert sind, dass sie eben nicht nur Vorurteile beinhalten, sondern auch eine Einbettung dieser Vorurteile in ein gesamtgesellschaftliches Machtgefälle, gibt es eben schon per definitionem keinen Rassismus gegenüber Weißen und keinen Sexismus gegenüber Männern. Da gibt es nur Vorurteile, aber nicht die Kopplung von Vorurteil und struktureller Gewalt durch eine soziale Hierarchisierung, die die gesamte Gesellschaft durchzieht. Rassismus ist Vorurteil plus Macht, während Vorurteile ohne gesellschaftliche Macht nur Vorurteile sind. Wenn ein Schwarzer mich hasst, weil ich weiß bin, mag das daran liegen, was Weiße ihm angetan haben, wäre aber natürlich trotzdem nicht nett von ihm. Aber im Gegensatz zu dem Schwarzen lebe ich nicht in einer Gesellschaft, die meine (weiße) Gruppe per se als minderwertig betrachtet und das trotz aller Political Correctness zwischen den Zeilen auch immer wieder sehr deutlich zu erkennen gibt. Also mag ich mich vielleicht durch ihn verletzt oder gekränkt fühlen, aber diese Verletzung ist marginal im Vergleich zu den Auswirkungen des Alltagsrassismus, dem Schwarze täglich begegnen. Sie traumatisiert mich nicht, und das ist der Unterschied, denn der soziale Kontext, in dem wir uns mit unseren Gruppen bewegen, ist vollkommen verschieden. Das ist im Übrigen auch keine Ideologie, sondern durch sozialwissenschaftliche Forschung empirisch belegt. Z.B. kann man mit Reaktionszeitmaßen zur Kategorienbildung indirekt nachweisen, dass die meisten Weißen (respektive Männer), auch wenn sie sich bewusst für völlig vorurteilsfrei halten, unbewusst rassistische (respektive sexistische) Stereotype verinnerlicht haben: Und interessanterweise findet man solche unbewussten Effekte häufig auch bei Schwarzen und Frauen, dort aber nur gegen die EIGENE Gruppe gerichtet, also in Form von internalisiertem Rassismus bzw. Sexismus, kaum aber (wie behauptet) abwertend gegen die Mehrheitsgesellschaft oder andere Gruppen gerichtet. Die psychisch traumatisierenden Folgen von Rassismus und Sexismus lassen sich zudem nachweisen – nur „dummerweise“ wirklich nur bei den Angehörigen von Minderheiten und bei Frauen. Da nutzt auch alle kognitive Dissonanzreduktion nichts mehr – die Empirie ist hier sehr eindeutig und stützt die vermeintlich „ideologischen“ Argumente. Der Ideologie-Vorwurf ist da übrigens auch ein klassisches Abwehrargument gegen die Konfrontation mit einer als unangenehm erlebten, aber empirisch belegbaren Realität. Eigene Privilegien und Vorurteile zu reflektieren, ist nämlich unangenehm und löst Schuldgefühle aus.

    Sexistisch ist es aber auch alleine schon deshalb, Missbrauchsopfern nicht zu glauben (wenn keine konkreten Personen als Täter beschuldigt werden), weil Missbrauch und Vergewaltigungen in den nachweislich meisten Fällen nun mal von Männern an Frauen begangen werden. Entsprechend den Machtverhältnissen. Und natürlich geht es bei diesen Ritualmorden auch um Missbrauch – denn die finden ja im Rahmen von Sexorgien statt. Im Text steht ja sogar wörtlich „Ritualmissbrauch“ und nicht „Ritualmord“. Anscheinend bin es nicht ich, der den Text nicht so genau gelesen hat.

    Drittens zum Vorwurf, ich würde da alle möglichen Dinge in den Text hineininterpretieren, die da gar nicht drin stünden: Wenn man den obigen Text liest, dann steht da doch ein Satz drin, in dem eindeutig ein logischer Brückenschlag gemacht wird vom „Glauben“ an die Existenz satanistischer Ritualmorde zu Verschwörungstheorien und im nächsten Schritt zu rechter Ideologie:

    „Ein Jahr später verstieg Naidoo sich in einem Songtext zu wüsten Verschwörungstheorien über satanistischen Ritualmissbrauch und rief nach ’starken Männern‘ und ‚Führern‘.“

    Was gibt es daran zu interpretieren? Es ist ja schon geradezu ein rhetorischer Verzweiflungsakt zu suggerieren, das würde da nur in den Text hineininterpretiert. Dass Naidoo den Überlebenden vielleicht ja auch aus bloßer Empathie und Menschlichkeit Glauben schenkt (und auch aus eigener Betroffenheit von sexuellem Missbrauch) und nicht, weil er kruden Verschwörungstheorien anhängt und auch sonst an Ufos und Außerirdische glauben würde, wird gar nicht erst in Betracht gezogen.

    Viertens zu dem Punkt, ich würde hier doch selber erst die Rechts-Links-Schubladen aufmachen: Erstens wird Xavier Naidoo in dem Artikel rechts verortet, und zweitens bin ich einfach stillschweigend davon ausgegangen, dass eine Gruppe wie die GWUP, die sich die Aufklärung auf die Flaggen schreibt, politisch eher links orientiert ist (was ja nicht heißt, dass man alles, was sich im Laufe der Zeit mal so alles links geschimpft hat, gutheißen muss). Weil sich das eigentlich aus der Aufklärung ergibt, wenn man erkannt hat, worauf der Gebrauch des eigenen Verstandes in Verbindung mit seiner Anwendung auf den Bereich der Moral und Ethik zwangsläufig hinausläuft: nämlich auf die fundamentale Gleichberechtigung aller Menschen und die moralische Notwendigkeit, für deren Umsetzung zu kämpfen. Ohne macht Aufklärung gar keinen Sinn. Alles andere ist bloß „halbierte Aufklärung“, die Fortschritt nur im wissenschaftlichen, nicht aber im sozialen und ethisch-moralischen Bereich anstrebt. Und die kann, wie wir wissen, sehr gefährlich werden. Darauf weist z.B. auch das Manifest des evolutionären Humanismus der Giordano-Bruno-Stiftung hin, ohne dass ich die jetzt sonst so großartig fände. Aber dieses Manifest ist wirklich lesenswert, und (grob) ähnliche Gedanken hatten ja auch schon Horckheimer und Adorno in der Dialektik der Aufklärung.

    Fünftens wurde in einem Kommentar weiter oben der Satz „Wer etwas behauptet, muss es beweisen können“ geäußert. Dabei handelt es sich um eine normative Aussage, denn Muss-Sätze sind immer normativ und nicht deskriptiv. Es handelt sich dabei aber um eine Art erkenntnistheoretischen Qualitätsstandard, nicht mehr. Der ist im Bereich der Erkenntnistheorie gültig, aber auch nur da und nicht darüber hinaus. Immerhin ist auch Neugier/Exploration/Erkenntnisgewinn nur eines unter einer Vielzahl psychologischer Motive und Grundbedürfnisse von Menschen, auch wenn man das als Forscher, der täglich am Zuwachs von Wissen arbeitet, vielleicht schon mal vergessen mag. Aber für die Normen der Erkenntnistheorie globale Gültigkeit zu beanspruchen und sie dabei über alle anderen Normen zu stellen, auch über moralische, ist sicherlich nicht rational; es ist schlicht ein logischer Kategorienfehler. Rational wäre es, normative Aussagen so zu treffen, dass sie die möglichst effektive Befriedigung des Gesamtspektrums ALLER Bedürfnisse zum Ziel haben, und eben nicht nur des Bedürfnisses nach methodisch sauberem und möglichst unverzerrtem Erkenntnisgewinn. Denn nur aus Bedürfnissen lassen sich normative Aussagen überhaupt rational und ohne Metaphysik ableiten.

    Ich muss noch mal etwas ausholen, um deutlich zu machen, wie absurd es ist, aus erkenntnistheoretischen Prinzipien Moral ableiten zu wollen:

    Moralisch-normative Aussagen können eine sehr viel breitere Gültigkeit für sich beanspruchen als erkenntnistheoretische Regeln, die nur für den Bereich „Erkenntnisgewinn“ gelten. Die rationalsten und aufgeklärtesten ethischen Ansätze sind konsequenzialistischer Natur, weil sie die einzigen sind, die sich ohne metaphysischen Überbau herleiten lassen, während die deontologische Ethik, auch wenn das viele nicht gerne hören, letztlich ein irrationales Relikt religiöser Weltanschauungen ist. Im Konsequenzialismus ergibt sich der moralische Wert oder auch die Verbindlichkeit einer Handlung aus der Abwägung der zu erwartenden Konsequenzen. Entscheidend ist v.a. der Erwartungswert der Konsequenzen, also die Wahrscheinlichkeit mal die Quantität/Intensität/Dauer des zu erwartenden Glücks und Leids, das aus einer Handlung resultiert. (Und je nach Theorie spielt natürlich auch noch Gerechtigkeit im Verteilungssinne eine Rolle.) Daraus ergibt sich aber gerade eine normative Verpflichtung (!), Opferberichten zumindest IMMER dann glauben zu schenken, wenn dadurch niemand Konkretes einer Tat bezichtigt bzw. als Täter benannt wird. Ganz einfach deshalb, weil die Zweifel am Wahrheitsgehalt der Aussagen der Opfer bei diesen extrem viel Leid verursachen – und weil es zudem ohne konkret benannte mutmaßliche Täterpersonen kein anderes Leid gibt, das man nur verhindern könnte, indem man ersteres Leid der mutmaßlichen Opfer dafür in Kauf nimmt. (Das ist natürlich anders, wenn es einen angeklagten Täter gibt). Der Konflikt besteht ja nur dann, wenn Täter konkret benannt werden. Selbst wenn die Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein Erfahrungsbericht stimmen sollte, nur bei 10% liegen sollte (was ich keineswegs glaube), wären die Konsequenzen offen geäußerter Zweifel immer noch derart schmerzhaft für die mutmaßlichen Opfer, dass sich bei der Verrechnung von Wahrscheinlichkeit und Wert der Konsequenzen immer noch eine eindeutige moralische Pflicht ergeben würde, ihnen zu glauben. (Oder sich zumindest nach außen so zu verhalten, selbst wenn man innerlich zweifeln sollte – innere Überzeugungen intentional zu beeinflussen, ist ja nicht so ohne Weiteres möglich. Man muss die Opfer dann aber nicht auch noch damit konfrontieren – und um ehrlich zu sein, finde ich die inneren Zweifel in den meisten Fällen auch nicht wirklich nachvollziehbar. Ausnahmen mag es abhängig von der Persönlichkeit sicherlich geben, aber die wenigsten Menschen lügen wie gedruckt.)

    Sechstens: Es gibt nicht nur eine Form von Victim Blaming. Die bekannteste ist sicherlich die, dem Opfer selbst die Schuld an der Tat zu geben. Eine andere Form ist die, das Opfer der Lüge oder Aufmerksamkeitsheischerei zu bezichtigen, und das Geschehen der Tat grundsätzlich zu leugnen. (Was natürlich nicht heißt, dass man mutmaßliche Täter deshalb vorverurteilen sollte; offenbar reicht es ja hier nicht, das nur einmal zu schreiben.) Beide Formen des Victim Blaming basieren aber nachweislich auf der psychologischen Motivation, den Glauben an eine gerechte Welt aufrechtzuerhalten, in der grausame Dinge entweder gar nicht passieren – oder aber, wenn sie denn passieren, angeblich auf das Verschulden der Opfer zurückzuführen und insofern „gerecht“ sind. Dieser Glaube an eine gerechte Welt gibt Halt, Sicherheit und ein Gefühl von Kontrolle und Berechenbarkeit. Denn das heißt ja: Wenn ich nichts Falsches tue, passiert mir in dieser Welt auch nichts. Daher die entsprechende Motivation. Für die Opfer ist es aber natürlich ein Schlag ins Gesicht, wenn man ihnen nicht glaubt.

    Schließlich noch zu Xavier Naidoos angeblichen rechten Positionen: Ich bin nun wirklich kein großer Fan seiner Musik, die ist mir nämlich viel zu religiös. Aber erstens ist die Argumentationskette mit Verschwörungstheorien, Ritualmissbrauch und rechten Tendenzen so bizarr und fernab der Realität, dass sich dazu jeder weitere Kommentar erübrigt (auch wenn sich in diversen Foren da schnell so eine Gruppendynamik wechselseitiger Bestätigung entwickelt). Zweitens hat er auch nicht nach „starken Führern“ im Sinne von politischen Autoritätspersonen gerufen, sondern nach Menschen (und auch Gesetzgebern), die diese Opfer beschützen – wobei er ja offensichtlich auch selbst Missbrauchsopfer ist, wie er berichtet hat. (Alleine schon, dass das in den Medien fast vollständig unterschlagen wurde, ist ungeheuerlich, da es für die Beurteilung des Kontextes extrem wichtig gewesen wäre. Stattdessen wurden seine Gewaltphantasien, die für Opfer durchaus wichtig, heilsam und ein Teil der Traumabewältigung sein können, in einen Kontext mit Rechtsextremismus gebracht, der sich aber natürlich nur dann aufdrängt, wenn man den eigenen biographischen Hintergrund nicht kennt.) Drittens verbreiten die Reichsbürger die irre These, dass Deutschland in den Grenzen von 1937 fortbestehen würde. 1937 gab es noch keine alliierte Besetzung. Dieser Bezug ist einfach nur an den Haaren herbeigezogen. Viertens war dieser ganze Medienhype um die Montagsdemos – am Ende – in großen Zügen nur noch eine einseitige Denunziationskampagne mit ein paar durchaus legitimen Kritikpunkten, die aber künstlich aufgebauscht und pauschalisiert wurden, wodurch leider auch die berechtigte Kritik an Glaubwürdigkeit verloren hat. Am Ende wurde das Ganze – ganz sicher entgegen der Absicht von Jutta Ditfurth, die die Kritik losgetreten hatte – von den Massenmedien instrumentalisiert, um ihre alleinige Deutungshoheit zur Ukraine wiederherzustellen und bizarrerweise zu suggerieren, dass sowieso nur Nazis und Verschwörungstheoretiker die Swoboda unsympathisch fänden und etwas gegen die Kriege der NATO hätten.

    Dass da Querfrontler und auch einige andere versprengte Gestalten mit am Werk waren, stimmt sicherlich – das betraf aber v.a. das Haupt-Orga-Team in Berlin und nicht alle, die da irgendwo in irgendeiner Stadt montags hingegangen sind. (Und nein, ich war nicht da, auch ganz bewusst nicht.) Und es ist auch gut, dass es Leute gibt, die das Querfront-Problem öffentlich gemacht haben. Aber es gibt mittlerweie eine empirische Studie, die belegt, dass trotz allem Hang zu Verschwörungstheorien 40% der Leute, die da hingehen, die Linke wählen, dafür aber kaum jemand die CDU. Die Behauptungen, die da monatelang durch die Medien gegeistert sind, dass das alles Neurechte wären, ist empirisch einfach nicht haltbar, und es hat dann auch wenig mit wissenschaftlichem Denken und Aufklärung zu tun, liebe GWUP, diesen Unsinn immer weiterzuverbreiten, nur weil der Spiegel und andere es nach wie vor vorplappern. Hier der Link zu der Studie:

    http://data9.blog.de/media/699/7860699_8b2fa72792_d.pdf

    Und was die juristischen Implikationen des Zwei-plus-Vier-Vertrags für die volle Souveränität Deutschlands angeht (und inwiefern das einen echten Friedensvertrag darstellt oder nicht), ist das unter Historikern durchaus umstritten – darüber wurde sogar in der Süddeutschen berichtet. Es ging aber bei Naidoo auch konkret um die NSA, und die hat in Deutschland ganz legal geschnüffelt, weil Adenauer den USA erlaubt hatte, auf deutschem Boden gegen das Grundgesetz zu verstoßen: (Und diese Erlaubnis wurde erst innerhalb des letzten Jahres widerrufen.)

    http://www.sueddeutsche.de/politik/us-geheimdienst-in-der-bundesrepublik-deutschland-erlaubte-den-amerikanern-das-schnueffeln-1.1715355?commentspage=all:2:#comments

    In diesem Zusammenhang hatte nicht nur Schäuble, sondern auch Gregor Gysi die volle Souveränität der BRD verneint, und Gysi steht nun sicher nicht im Verdacht, rechts oder Reichsbürger zu sein. Nach der offiziellen Beendigung (!) dieser Sondergenehmigungen erklärte dann auch Angela Merkel (!), dass die Souveränität Deutschlands nun (!) wieder voll hergestellt sei. Dass solche Aussagen überall in die rechte Ecke gestellt werden, ist daher Ausdruck von unseriösem Journalismus und hat mit der Realität ebenso wenig zu tun wie mit den Idealen der Aufklärung. Denn hier geht es doch gerade um Kritik an rechten Tendenzen, aber auch am Mitlaufen und Totschweigen, das hierzulande zum Teil sogar noch als politisch korrekt verkauft wird, während Kritik daran als „antiamerikanisch“, „rechts“ und „nationalistisch“ denunziert wird (was nicht heißt, dass es da nicht auch solche Kritik gäbe – aber da muss man halt schon mal ein bissl differenzieren). Das grenzt dann wirklich schon an Orwell’sche Bedeutungsverkehrung, übrigens genauso wie die sozialen Konditionierungsmechanismen, derer sich immer mehr Journalisten erkennbar bedienen, um die Leserschaft im Namen der Aufklärung vom eigenständigen Denken abzuhalten. DASS das passiert, und zwar im großen Stil, ist unter Sozialpsychologen ein offenes Geheimnis; darüber haben wir sogar in Seminaren zur Massenpsychologie diskutiert und kamen überwiegend zu ähnlichen Einschätzungen über die Freiheit der deutschen Presse: Die scheitert nämlich letztlich an Selbstzensur, Konformitätsdruck, Gruppendynamik und Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, wenn man was sozial Unerwünschtes schreibt.

    Hinzu kommt, dass es sich für die Mehrheit der Deutschen einfach zu toll anfühlt, gleichzeitig auf ganzer Linie Mitläufer sein zu können und sich dennoch einbilden zu können, ein antifaschistisch aktiver, engagierter Demokrat zu sein. Das zeigt sich ja auch an einigen Kommentaren hier im Forum. Der Konformitäts- und Herden- „Trieb“ liegt in der Natur des Menschen, genau wie die bedauernswerte Tendenz, allem von der Norm Abweichenden grundsätzlich misstrauisch zu begegnen. Und nur da – am Rand der Gesellschaft und v.a. in diversen ethnischen und religiösen Minderheiten – werden dann auch die Feinde der Demokratie gesucht, während die Mitte der Gesellschaft fröhlich dabei ist, scheibchenweise auch noch die letzten Restbestände an echter Demokratie dem freien Markt zu opfern (ohne es zu merken), und zugleich ihren „ganz normalen“ Rassismus als aufklärerisches Engagement gegen die bösen voraufgeklärten migrantischen „Einheitskollektive“ sublimiert.

    Man kann so eine Aussage zur Souveränität Deutschlands ja auch nicht einfach aus dem Kontext herausgelöst betrachten (obwohl mangelndes Kontextverständnis ja eines der Hauptprobleme deutscher Schüler in der PISA-Studie war). Hier geht es ja gerade darum, dass volle nationale Souveränität – ohne jegliche Sonderrechte für die Amerikaner – notwendig und wichtig ist, um dem gegenwärtig extrem reaktionären und faschistoiden Gebaren der NSA einen Riegel vorschieben zu können. (Faschistoid, weil Sicherheit in gefährlicher Weise über Freiheit gestellt wird.) Und auch um sich gegenüber einer Politik abgrenzen zu können, die eine Blutspur durch die Welt zieht, und die für Öl und die Erschließung neuer Märkte über Leichen geht. Dass dahinter eine Strategie steht, kann man übrigens in „The Grand Chessbaord“ nachlesen, auch auf Wikipedia. Das Buch wurde Ende der 1990er von einem Berater der US-Außenpolitik geschrieben und beschreibt die Geostrategie der USA fürs 21. Jahrhundert. Sämtliche Kriege in Nahost, die bis jetzt geführt worden sind, waren da schon von langer Hand im Voraus geplant. Und die Ukraine wird als Schlüsselstaat für die langfristig geplante marktwirtschaftliche Erschließung Eurasiens genannt: Sie sollte ab 2010 in die NATO und die EU aufgenommen werden, und man müsse halt abwarten, ob Russland darauf militärisch reagieren würde. Kann ja jeder da nachlesen, es ist ja keine Verschwörungstheorie, sondern durch Fakten belegt, das Meiste steht wie gesagt sogar in der Wikipedia. Nur in den Massenmedien wird darüber wirklich kaum berichtet. Und statt das Totschweigen, Wegsehen und Mitlaufen zu kritisieren, werden zunehmend eben jene Menschen diskreditiert und ohne nähere Überprüfung in die rechte Ecke gestellt, die auf das mörderische Treiben unseres Wirtschaftssystems hinweisen. Bald ist schon Kapitalismuskritik per se rechts. Die Auswirkungen von Kriegen und Hunger sind ja schon längst genozidal und treffen mal wieder überwiegend Menschen außerhalb von Europa. Würden Amerikaner oder Kanadier für unseren Wohlstand und unsere Börsenspekulationen verhungern, würden wir das doch nie in Kauf nehmen. Aber es sind ja „nur“ Menschen in der sog. „Dritten Welt“. Auch das meint Naidoo. Und es ist im Übrigen auch nichts Neues, dass die Mehrheitsgesellschaft ihr eigenes faschistoides und reaktionäres Potenzial auf gesellschaftliche und ethnische Minderheiten projiziert, denen sie eben diese Tendenzen exklusiv zuschreibt (oder sich auch auf vorhandene Tendenzen fixiert), um sich selbst dadurch zu entlasten.

    Bei Naidoo kommt als besonderes Schmankerl noch hinzu, dass er aufgrund seiner Hautfarbe von vielen Deutschen als „Ausländer“ wahrgenommen wird. „Autochthone“ Mehrheitsdeutsche fühlen sich häufig ganz besonders überlegen, wenn sie Angehörigen marginalisierter Minderheiten rechte Tendenzen diagnostizieren können: Binnengruppenaufwertung durch Fremd- und Opfergruppenabwertung – so funktionieren soziale Gruppenvergleiche, und so kann man auch dem eigenen Rassismus ein politisch korrektes Mäntelchen umlegen. Bei Juden und Israelis funktioniert diese rechte Diskursfigur ja auch ganz hervorragend und bedient das Projektions- und Schuldentlastungsbedürfnis der deutschen Mehrheitsgesellschaft. Und gerade vom Spiegel kann man in Sachen Volksverhetzung gegenüber allen Gruppen, die irgendwie „migrantisch“ markiert sind (allem voran Muslimen) ja auch noch eine ganze Menge lernen. Aufrechte, aufgeklärte Deutsche stellen halt alle Angehörigen ethnischer Minderheiten in Sachen Gegenaufklärung, Antisemitismus, Rassismus, Nationalismus, Sexismus, Homophobie, etc. erst mal unter Generalverdacht. Denn komischerweise hat Schäuble und Gysi niemand eine rechte Gesinnung unterstellt, als sie die Souveränität Deutschlands angezweifelt haben. Warum diese Selektivität? Was hat denn Xavier Naidoo anderes gesagt als die? Oder geht es am Ende doch darum, dass man Schwarzen eher zutraut, die aufklärerischen Werte unserer Gesellschaft nicht zu teilen, als beispielsweise Schäuble oder Gysi? Anderswo wurde Naidoo Homophobie unterstellt, aufgrund von Textzeilen, die eindeutig nur gegen Kinderschänder gerichtet und nur mit sehr viel böser Absicht anders zu verstehen waren. Da frage ich mich als schwuler Mann allen Ernstes, was in den Köpfen derer vorgeht, die automatisch an Schwule denken, wenn jemand über Kinderschänder herzieht und in diesem Kontext einen Satz äußert, den man nur dann missverstehen kann, wenn man es krampfhaft darauf anlegt. Das taugt ja fast schon als projektiver Test.

  41. Also um es noch mal kurz zu machen: Der Süddeutsche-Artikel, den ich oben verlinkt habe, zeigt ja gerade, dass Naidoo mit der Aussage, dass Deutschland noch besetzt ist bzw. war und deutsche Gesetze der NSA das Schnüffeln erlaubt haben, nicht Unrecht hatte. Das stand auch in anderen großen Zeitungen, und selbst führende Politiker hatten sich darauf bezogen. Der einzige Bezug zwischen Naidoo und den Reichsbürgern ist doch der, dass ihm eben dieser Bezug von anderen angedichtet wird, die die Faktenlage offensichtlich nicht kennen oder aber ignorieren. Naidoo hat sich doch selbst nie zu den Reichsbürgern geäußert. Und die Reichsbürger vertreten die irre These, dass Deutschland heute noch die Grenzen von 1937 hätte. Fällt hier eigentlich niemandem auf, dass genau diese These, die ja dann implizit auch Naidoo unterstellt wird, zu eben seiner Aussage, dass Deutschland ein besetztes Land wäre, logisch im Widerspruch steht? Ich finde es immer bedenklich, wenn das Spiel „Schmeiß mit Dreck, irgendwas bleibt schon hängen“ funktioniert, weil Leute sich das Denken von anderen vorgeben lassen. Gerade das ist das Gegenteil von Aufklärung.

  42. @Vegan Queer:

    << Also um es noch mal kurz zu machen: Der Süddeutsche-Artikel, den ich oben verlinkt habe, zeigt ja gerade, dass Naidoo mit der Aussage, dass Deutschland noch besetzt ist bzw. war und deutsche Gesetze der NSA das Schnüffeln erlaubt haben, nicht Unrecht hatte. << Für Sie ist der nicht gerade überraschende und lange bekannte Sachverhalt "Einem ausländischen Geheimdienst das Schnüffel *erlauben*" identisch mit der Behauptung "Deutschland ist besetzt?"

  43. @Vegan:

    „Und die Reichsbürger vertreten die irre These, dass Deutschland heute noch die Grenzen von 1937 hätte. “

    „Die“ Reichsbürger gibt es nicht und auch keine für jeden einzelnen gültige gemeinsame Glaubensüberzeugung. Auch zur Frage der Grenzen gibt es verschiedene Angaben, daher ist das auch kein Widerspruch:

    http://wiki.sonnenstaatland.com/wiki/Reichsb%C3%BCrger

  44. @Vegan Queer:

    Gut dass Du meinen Kommentar gleich am Anfang behandelt hast, sonst hätte ich es gar nicht wahrgenommen, Dein Kommentar eindeutig fällt eindeutig in die Kategorie tl;dr.

    (Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: ich habe nur die ersten beiden Absätze gelesen. Weitere Kommentare im „Rundumschlag“-Stil werde ich gar nicht mehr lesen. Wenn Du jemanden konkret ansprechen willst, steht Dir das @-Zeichen zur Verfügung, und mehrere Kommentare einer leserlichen Größe kosten das gleiche wie ein einziger, tausende Worte langer.)

    Erstens habe ich in meinem zweiten Kommentar mehr als eindeutig klargestellt, dass für mutmaßliche Täter bis zum Nachweis der Tat selbstverständlich die Unschuldsvermutung gilt. Wie man das einfach ignorieren kann, ist mir ein Rätsel, aber ich tippe mal auf selektive Wahrnehmung.

    Du hast nur klargestellt, dass Du „im rechtsstaatlichen Sinne“ die Unschuldsvermutung akzeptierst (quasi: keine Bestrafung ohne erwiesene Schuld), allerdings forderst Du trotzdem: im Zweifel für das Opfer (was zwangsläufig bedeutet: gegen den Beschuldigten).

    Den vermeintlichen Täter nicht namentlich zu nennen kann ich in diesem Zusammenhang nur als Selbstschutz betrachten, schließlich möchtest Du Dich nicht für Üble Nachrede verantworten müssen.

    Als Tüpfelchen auf dem I garnierst Du das ganze damit, dass Du jedem, der „rein wissenschaftlich“ (Übersetzung: auf ein Minimum an Beweisen beharrend) an dieses Thema herangeht, ein Empathie- und Menschlichkeitsdefizit diagnostizierst. Dass sich das für Dich alles ganz eindeutig und logisch anhört, liegt vermutlich an einer selektiven Wahrnemung Deinerseits.

    Davon abgesehen besitzt dieses Argument hier aber ohnehin keine Gültigkeit, da Xavier Naidoo ja überhaupt keine einzige Person als Täter namentlich benannt hat.

    Es mag Dir entgangen sein, aber Dein Kommentar las sich nicht so, als ob nur Herr Naidoo den Opfern glauben schenken sollte, sondern als Forderung an alle (die nicht als empathielos und unmenschlich gelten wollen).

    Herr Naidoo soll tun was er für richtig hält, genauso tue ich das nämlich, und ob es Dir passt oder nicht: ich glaube nicht jedem alles, selbst wenn ich vermuten muss, dass es für ihn/sie psychologisch gesehen besser wäre.

    Überhaupt ist Deine Behauptung, es gäbe ja gar nicht wirklich ein Opfer, solange man nur den vermeintlichen Täter in einer Fantasiegeschichte nicht öffentlich benennt, lachhaft: in dem Moment, in dem die vermeintliche Tat bekannt wird, fängt auch die Gerüchteküche zu brodeln an, und mit ihr die Beschuldigungen hinter vorgehaltener Hand.

    Dass (enge) Bekannte dem vermeintlichen Opfer glauben, mag für einen fälschlich Beschuldigten noch nachvollziebar sein, wenn aber auch unbeteiligte Außenstehende eine solche Geschichte auch ohne Beweise als wahr akzeptieren wäre das sicherlich sehr entmutigend.

    …weil ich ja aus Erfahrung weiß, wie solche Diskussionen häufig verlaufen.

    Sollte Dir das vielleicht ein klein wenig zu denken geben?

  45. @Vicky:

    „Weitere Kommentare im „Rundumschlag“-Stil werde ich gar nicht mehr lesen.“

    Geht mir ähnlich. Meine Sonntagszeitung ist halb so dick wie dieses Manifest, sorry „Kommentar“.

    Außerdem habe ich darin so oft das Wort „Glauben“ gelesen, dass ich dringend einen (Sonntags-) Kirchgang empfehlen würde, aber keine Diskussion in einem Wissenschaftsblog.

  46. @ Vegan Queer
    Einen so langen Kommentar wie den von Ihnen habe ich – seitdem ich den Blog kenne – hier noch nie gefunden.

    Nun kann ich mir vorstellen, welche Mühe es machte, einen solch langen Kommentar zu schreiben.

    Dafür gebürt Ihnen aus meiner Sicht Respekt.
    Respekt für die Mühe, Ihren Standpunkt so ausführlich darzustellen.

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